mitH2CO3 schrieb:nachdem mir meine Freundin (Garten- und Landschaftsfachfrau) mal darstellte, was das für Arbeit macht, und wie empfindlich die kleinen Biotope tatsächlich sind
Nur, wenn Du es falsch machst, ist das so. Bei unserem Teich fällt so ungefähr eine Stunde Arbeit pro Woche an. Mit einer pro Monat ginge es aber auch. Und Biotope stabilisieren sich eigentlich selbst. Wenn man es richtig macht, jedenfalls.
Wir haben einen Teich mit verschiedenen Teichtiefen, Ufergestaltungen (Wiese, Staude, Hecke, Schuppenwand) und Lichtverhältnissen angelegt. Damit haben wir dem Teich die Chance gegeben, viele verschiedene Biotope entwickeln zu können. Ab da mußte der Teich dann selbst zusehen, welche Biotope er daraus macht und welche nicht. Genauso haben wir diverse Teichpflanzen reingesetzt, von denen dann einige sich prächtig ausbreiteten, andere vor sich hindümpelten und wieder andere sogar wegstarben. Auch das hat der Teich für sich "selbst entschieden". Zum Teil sind die Pflanzen erst woanders "hin gewachsen", wo sie dann richtig loslegen konnten, der von uns ausgesuchte Pflanzort war nicht so gut.
Wenn man nun aber partout bestimmte Pflanzen und/oder Tiere im Teich haben will, kann es schnell passieren, daß man ständig einen großen Aufwand betreiben muß, damit das auch klappt. Etwa wenn man Fische in nem Teich haben will, viele oder große (Koi), muß man ständig Futter zugeben, den Nährstoffeintrag ausfiltern, Schlamm absaugen, Sauerstoff zugeben... Klar ufert da der Aufwand schnell mal aus. Und kaum macht man mal was nicht richtig für die erwünschte Pflanze, das erwünschte Tier, dann kippt das fragile Biotop natürlich ganz schnell. Weil es kein Biotop ist, welches der Teich selbst hervorbringt, sondern weil dieses Biotop künstlich aufgezwungen wird.
Wenn man dagegen einen Teich sich selbst gestalten läßt (natürlich mit Starthilfe, siehe oben die Gestaltung verschiedener Bereiche, die Zurverfügungstellung von Bewuchs, woraus der Teich dann "auswählt"), dann minimiert sich der Aufwand. Dann hat man am Teich allerdings auch nur das, was der Teich selbst gibt, nicht unbedingt das, was man sich eigentlich vom Teich erhofft hat. Allerdings find ich das, was einem der Teich
von sich aus anbietet, besser, "ehrlicher", natürlicher. Schöner.
Hat ein Teich mehr als 10 m² Wasseroberfläche, hat er gute Chancen, sich selbst zu stabilisieren. Unser Teich mit ca. 6 m² hingegen braucht durchaus "Hilfe". Durch den Nährstoffeintrag (reinfallende Blätter, Pollen, Samen, Insekten) überdüngt der Teich, es kommt zu massivem Algenwachstum. Indem wir diese Algen regelmäßig abfischen, holen wir den Nährstoffeintrag wieder heraus und tun unserem Komposthaufen was gutes. Das ist der größte Arbeitsaufwand, den wir betreiben. Inclusive des Aufwandes, aus den herausgeholten Algen dann die mitgefangenen Libellenlarven herauszupulen und zurückzusetzen. Bei einem größeren Teich soll der natürliche Nährstoffkreislauf aber besser funzen, sodaß das mit dem Algenabernten weniger bis gar nicht mehr nötig sein soll.
Unser Teich ist nicht nur für die darin lebenden Pflanzen und Tiere nützlich. Von Anfang an sahen wir verschiedene Vogelarten am Teich trinken und baden, zur Zeit kommen mehrmals täglich (ääh, nächtlich) sechs Füchse zum Durststillen. Zahlreiche Insekten kommen zur Wasserversorgung an den Teich - pro Minute (und ein bisserl Algenbewuchs ist da ganz nützlich; die Insekten landen direkt auf den Algen an der Wasseroberfläche). Auch Fledermäuse lieben Gewässer, stehende wie fließende, eben weil darüber die Insektendichte am höchsten ist. Ebenfalls nicht zu verachten ist, daß ein Teich für ein Mikroklima im Garten sorgen kann. Durch Verdunstung sorgt er für niedrigere Temperaturen und feuchtere Luft. Von nem Teich haben wirklich viele etwas. Na und der Aufwand? Kommt wie gesagt drauf an, ob Du den Teich zu etwas zwingst, oder ob Du den Teich selbst machen läßt.