Der Zauberlehrling
Hat der alte Hexenmeister
sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort' und Werke
Merkt ich und den Brauch,
und mit Geistesstärke
tu ich Wunder auch.
...
von Goethe
Hintergrund
Das Motiv des Zauberlehrlings ist viel älter als Goethes Gedicht. Aus einem Brief Goethes ist bekannt, dass er sich an Lucianus orientiert hat. Die älteste Version eines zum Leben erweckten Gegenstands, in diesem Fall eines Mörsers, findet sich in den Philopseudes („Der Lügenfreund oder der Ungläubige“), einer Rahmenerzählung von Lucianus von Samosata aus dem zweiten Jahrhundert n. Chr. Die Absicht von Lucianus' Geschichte ist jedoch nicht, "nachzudenken, bevor man anfängt", sondern vielmehr, jeglichen Aberglauben zu verspotten.
Als mögliche Vorlage oder Inspiration kommt auch eine Episode in Betracht, die vom Prager Golem des Rabbi Löw (um 1520 - 1609) überliefert ist. Dabei handelt es sich um ein von Weisen mittels Buchstabenmystik aus Lehm gebildetes, stummes, menschenähnliches Wesen, das oft gewaltige Kraft besitzt und Aufträge ausführen kann.
Quelle:
https://www.gedichte7.de/der-zauberlehrling.html