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Überproduktion von Strom, warum instabil?

29 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Energie, Strom, Kraftwerk ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Überproduktion von Strom, warum instabil?

16.06.2017 um 16:39
Hallo, ich höre immer wieder dass durch die Energiewende und die volatilen Energielieferanten Wind und Sonne dafür sorgen, dass es manchmal auch eine Überproduktion von Strom geben kann, den man dann damit das Stromnetz nicht instabil wird exportieren muss oder eben speichern.

Mir ist klar dass Ohne Verbraucher kein Strom fließt und der Strom deswegen ja irgendwohin muss, aber was ist denn jetzt genau das Problem?
Warum kann z.B. nicht einfach einen riesigen Widerstand irgendwo im Nichts damit aufheizen oder irgendwelche Rechenzentren damit kostenlos noch weiter herunterkühlen als sie es normalerweise tun. Warum kann man diesen zu viel produzierten Strom (Wie kann der eigentlich zu viel sein wenn Strom ja nur existiert solange er fließt) nicht einfach wie auch sonst bei Blitzableitern etc. in die Erde leiten?


Also was ist das schlimme daran?

Vielen Dank


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HF ehemaliges Mitglied

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Überproduktion von Strom, warum instabil?

16.06.2017 um 16:59
@Dom22
Die Leitungen zu solchen Speichern oder Speicherkraftwerken sind nicht in der Lage, die Energie abzuführen. 
Es gibt bereits pumpspeicherkraftwerke in Skandinavien,  wo Wasser in Stauseen gepumpt wird und bei Bedarf wieder durch Turbinen zurückgeleitet wird.
WindstromWird dann eher nicht exportiert,  sondern einzelne Windparks abgeschaltet.


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Überproduktion von Strom, warum instabil?

16.06.2017 um 17:01
Zitat von Dom22Dom22 schrieb:Also was ist das schlimme daran?
Das Schlimme daran ist, dass man keinen Cent daran verdienen würde, wenn man den Strom sinnlos verschwendet ...

Das Stromnetz in fast ganz Europa ist sowieso miteinander verbunden und somit wird Überproduktion auch verkauft. Wenn zuviel produziert wird, dann sinkt eben auch der Strompreis auf den Strompreisbörsen ...
Energieparks werden nur abgeschaltet, wenn das die Stromtrassen überlasten würde. Deshalb hinkt doch die Energiewende, wenn der Ausbau der Trassen so oft blockiert wird ...


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Überproduktion von Strom, warum instabil?

16.06.2017 um 17:04
Das Schlimme daran ist, dass man keinen Cent daran verdienen würde
Neben ökonomischen Gründen gibt es aber auch technische...
Im Stromnetz entspricht zu jedem Zeitpunkt die Erzeugung dem Verbrauch, da das Netz elektrische Energie nicht speichert. Lokale Ungleichgewichte führen zunächst zu kleinen Abweichungen von der Nennspannung, was nicht nur ausgleichende Leistungsflüsse zwischen den Teilnetzen bewirkt, sondern eine sinkende Netzfrequenz, indem rotierende elektrische Maschinen mehr Strom liefern bzw. weniger Strom aufnehmen als dem Antriebs- bzw. Lastdrehmoment entspricht (in Kraftwerken bzw. bei Verbrauchern). Durch aktiven Netzregelverbund und die Bereitstellung von Regelleistung bleiben die Teilnetze in Phase und die Frequenz in engen Grenzen konstant. Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien wird der Regelleistungsbedarf kontrovers diskutiert.
Wikipedia: Erneuerbare Energien#Einbindung von erneuerbaren Energien in das Energiesystem


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Überproduktion von Strom, warum instabil?

17.06.2017 um 22:37
Zitat von Dom22Dom22 schrieb:irgendwelche Rechenzentren damit kostenlos noch weiter herunterkühlen als sie es normalerweise tun
Das wird in der Industrie auch so gemacht. Die schauen sich die tagesaktuellen Strompreise an und fahren dann stromintensive Prozesse hoch, wenn der Strompreis besonders günstig oder sogar negativ ist.


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Überproduktion von Strom, warum instabil?

18.06.2017 um 10:41
@Chemik
Zitat von ChemikChemik schrieb:Das wird in der Industrie auch so gemacht. Die schauen sich die tagesaktuellen Strompreise an und fahren dann stromintensive Prozesse hoch, wenn der Strompreis besonders günstig oder sogar negativ ist.
Ähhh, das wäre mir neu. Zumindest kenne ich keinen Betrieb der so arbeitet.
Die sonstigen Kosten, z.B. Maschinenstunden Sätze, Manpoer, etc. sind bei allen mir geläufigen Prozessen relevanter. Von der Produktionsplanung mal ganz zu schweigen.
Man versucht Prozesse immer stabil auszulasten. Das senkt die relativen Stundensätze


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Überproduktion von Strom, warum instabil?

18.06.2017 um 12:03
Zitat von TunFaireTunFaire schrieb:Zumindest kenne ich keinen Betrieb der so arbeitet.
Am Cern entscheidet zwar nicht der Tagespreis, aber dafür jahreszeitliche Unterschiede...
Der Teilchenbeschleuniger LHC am Forschungsinstitut CERN verursacht etwa 6-8 Prozent des gesamten Stromverbrauchs im Kanton Genf mit seinen 450.000 Einwohnern. Aufgrund der erhöhten Strompreise im Winter wird er daher abgeschaltet.
https://wissen.schoelnast.at/beitraege/beitrag_2013-07-30.html


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Überproduktion von Strom, warum instabil?

18.06.2017 um 12:43
@Peter0167
Sieh mal an. Wusste ich nicht. Wieder was gelernt.

Weil wir ja von Industrie sprachen

*Dippelschiss Modus an*
Wobei, zu welchem Industriezweig gehört den CERN? Was Produzieren die denn so?
*Dippelschiss Modus aus*

;)


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Überproduktion von Strom, warum instabil?

18.06.2017 um 13:52
Es ist sogar so, dass man bei zuviel Strom andere Länder bezahlt, damit die den Strom abnehmen.

Eine gute Lösung fände ich, wenn es mehr Wärmepumpen geben würde, so könnte man den überproduzierten Strom gut selbst verwenden und müsste ihn nicht verschwenden.

Aber dazu müssten mehr Haushalte auf Wärmepumpen umgerüstet werden, derzeit sinds nur ca. 5%.


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Überproduktion von Strom, warum instabil?

18.06.2017 um 21:47
Hallo @alle !

Ein wichtiger Punkt kommt noch hinzu. Strom nimmt immer den "günstigsten Weg" und nationale Grenzen beachtet der nicht. Eine regionale Überproduktion z.B. Windstrom von der Nordseeküste belastet auf dem Weg nach Bayer die Stromnetze von Tschechien was den überhaupt nicht gefällt.

Gruß, Gildonus


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Überproduktion von Strom, warum instabil?

18.06.2017 um 23:03
@eb0la ... Ich denke Pumpspeicher und andere Speicherarten sind einfacher umzusetzen und besser geeignet.... Dabei wird der überproduzierte Strom benutzt um Wasser irgendwo hochzupumpen. Wird dann irgendwann wieder mehr Strom benötigt kann man es wieder mit einer Wasserturbine in Strom umwandeln... hat StUffz ja schon geschrieben...
Zitat von HFHF schrieb:Die Leitungen zu solchen Speichern oder Speicherkraftwerken sind nicht in der Lage, die Energie abzuführen. 
was meinst Du damit? zu welchen Speichern? Und warum sind die nicht in der Lage die Energie abzuführen?


@Chemik und @Peter0167 und @Gildonus danke für die Infos


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Überproduktion von Strom, warum instabil?

19.06.2017 um 13:33
@Dom22
Ja, aber Deutschland hat begrenzte Möglichkeiten, Pumpspeicherkraftwerke zu bauen, die sind auch meines Wissens nach bereits weitestgehend ausgeschöpft.
Dass sie besser sind, keine Frage, das unterschreibe ich sofort.


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Überproduktion von Strom, warum instabil?

19.06.2017 um 13:55
Aber es sollte doch möglich sein, an den Küsten, wo viele Windkrafträder stehen, mit überschüssigem Strom zB unter Wasser große Ballons aufzupumpen, deren gespeicherte Energie bei Windstille wieder Strom erzeugen können...


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Überproduktion von Strom, warum instabil?

19.06.2017 um 14:18
Zitat von TunFaireTunFaire schrieb:Was Produzieren die denn so?
Teilchen. :D
Zitat von eb0laeb0la schrieb:Eine gute Lösung fände ich, wenn es mehr Wärmepumpen geben würde, so könnte man den überproduzierten Strom gut selbst verwenden und müsste ihn nicht verschwenden.
Wärmepumpen haben aber den Nachteil, dass man eben auch dann Wärme braucht, wenn gerade kein strom übrig ist und dann müssen sie konventionell betrieben werden. Klar könnte man eine Wärmepumpe zusätzlich installieren - aber die wirtschaftlichen Gegebenheiten muss man ja auch im Auge behalten.
Für 100 TEUR könnte man sicher eine tolle Kombination aus Solar, Brennstoffzelle, Akku und Wärmepumpe bauen, die extrem effizient das Haus heizt - aber das ist eher was für Enthusiasten mit dickem Geldbeutel.


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Überproduktion von Strom, warum instabil?

19.06.2017 um 15:30
Ich hatte schon mal die Idee unterirdisch PumpSpeicherKraftwerke anzulegen. Füllen könnte sie man kostenlos wenn man sie in der Naehe von großen Flüssen baut und eine der nächsten Fluten/Pegelhoechststaende nutzt und das Wasser da hinein umleitet.

Sorry, das war keine Antwort auf die Frage.
Dachte ich sag mal was weil diese Art der Speicherung angesprochen wurde...


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Überproduktion von Strom, warum instabil?

19.06.2017 um 16:09
Es gibt auch andere Speichermöglichkeiten, wie Synthesegas, was auch eine formidable Möglichkeit darstellt, Volatilität von Energieformen wie Solar und Windenergie aufzufangen.


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Überproduktion von Strom, warum instabil?

19.06.2017 um 17:35
Zitat von Dom22Dom22 schrieb am 16.06.2017:Warum kann z.B. nicht einfach einen riesigen Widerstand irgendwo im Nichts damit aufheizen oder irgendwelche Rechenzentren damit kostenlos noch weiter herunterkühlen als sie es normalerweise tun. Warum kann man diesen zu viel produzierten Strom (Wie kann der eigentlich zu viel sein wenn Strom ja nur existiert solange er fließt) nicht einfach wie auch sonst bei Blitzableitern etc. in die Erde leiten?
Das braucht man doch gar nicht (mehr).

Das ganze ist doch in Wirklichkeit seit 2012 zumindest im PV-Bereich gelöst, aber geistert leider noch im Internet rum.

Vorher gab es das sogenannte 50,2 Hz-Problem. Bei einer zu hohen Einspeiseleistung geht die Netzfrequenz nach oben. Früher schalteten ab einer Frequenz von 50,2 Hz die Wechselrichter der PV-Anlagen abgrubt ab. Die Netzwerkversorger hatten berechtigterweise daher die Befürchtung, dass zu viele Wechselrichter von PV-Anlagen gleichzeitig vom Netz gehen könnten (erfolgt ist eine solche Störung m.W. nicht), was sie dann nicht auffangen könnten und haben sich daher mit der Solarindustrie an einen Tisch gesetzt und u.a.  die VDE-AR-N 4105 ins Leben gerufen. Danach gehen die Wechselrichter bei einer Frequenzerhöhung nur noch langsam vom Netz, die ursprünglich von den Energieversorgungsunternehmen befürchtete Instabilität dürfte daher Schnee  von gestern sein. Größere Anlagen müssen direkt (im Notfall) von den Energieversorgungen steuerbar sein.

Etwas anderes ist natürlich das Trassenproblem, dass der Strom nicht dort erzeugt wird, wo er benötigt wird.

Natürlich kann man sich Gedanken machen, wie man das (kontinuierliche) Runterfahren vermeiden kann, aber das ist ja ein ganz allgemeines Thema, wie speichert man (insbesondere langfristig) Energie. Das ist eben die ganz große Frage, hat aber nicht wirklich mit dem Threadthema etwas zu tun.


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Überproduktion von Strom, warum instabil?

19.06.2017 um 18:41
Energienetz

Dort sind auch noch weitere Teile verlinkt, die das Problem mit dem hier herrschenden Klima, der ungleichmäßigen Stromerzeugung, der Strombörse und weitere Zusammenhänge erläutern.


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Überproduktion von Strom, warum instabil?

19.06.2017 um 19:13
@Kurzschluss

Sowas ähnliches gibt es schon vereinzelt. Alte Bergstollen, umfunktioniert zu Druckluftspeichern. Bei Überproduktion wird mittels Kompressoren Luft in die leeren Stollen gepumpt (dies läuft über Wärmetauscher/speicher, welche sich aufheizen und die erhitzte Luft abkühlen) und bei Bedarf wird die Druckluft wieder über Turbinen und dem Wärmespeicher ausgelassen.


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Überproduktion von Strom, warum instabil?

20.06.2017 um 06:57
Zitat von kleinundgrünkleinundgrün schrieb:Teilchen
Ich hätte gerne zwei strahlend grüne.

Zu Speichern gab es dieses Jahr einen Test im Bodensee.
Ich hoffe das wurde hier noch nicht erwähnt

http://forschung-energiespeicher.info/projektschau/gesamtliste/projekt-einzelansicht/95/Kugelpumpspeicher_unter_Wasser/


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