Weil der ursprüngliche Post inzwischen veraltet ist, hier ein aktuelles Update. Es hat sich einiges getan – manches davon buchstäblich in den letzten Tagen. Also hole ich mal wieder den Befilibrator raus und erwecke den Chat zum leben
Mercedes und BMW: Level 3 – gescheitertIn meinem letzten Post hatte ich beschrieben, dass Mercedes und BMW als einzige deutsche Hersteller Level-3-Systeme im Serienauto anbieten. Der Mercedes Drive Pilot im Stau bis 95 km/h, der BMW Personal Pilot L3 bis 60 km/h.
Beide Systeme sind jetzt Geschichte.
Mercedes hat mit dem S-Klasse-Facelift im Januar 2026 den Drive Pilot gestrichen. Die Hardware war an ihrer Leistungsgrenze und nicht mehr updatebar – für mehr als 95 km/h hätte es komplett neue Sensorik gebraucht. Zudem hat kaum jemand die Option gekauft, die je nach Modell zwischen 6.000 und 9.000 Euro Aufpreis kostete.
BMW folgt mit dem 7er-Facelift Ende April 2026. Auch dort fällt der Personal Pilot L3 (6.000 Euro Aufpreis) ersatzlos weg.
Beide Hersteller bieten stattdessen Level-2++-Systeme an: Das Auto fährt auf der Autobahn weitgehend selbst, der Fahrer muss aber jederzeit aufpassen und darf die Augen nicht von der Straße nehmen. BMW bietet dazu einen Autobahnassistenten bis 130 km/h für rund 1.450 Euro an. Mercedes hat ein ähnliches System namens MB.Drive Assist Pro – das auch in der Stadt funktioniert.
Level 3 soll in einigen Jahren zurückkommen, dann wohl direkt mit 130 km/h und neuer Hardware. Ob das diesmal jemand kauft, ist eine andere Frage.
Das Fazit ist ernüchternd: Level 3 als kommerzielle Zwischenstufe im Privatfahrzeug hat sich nicht bewährt. Zu teuer, zu eingeschränkt, zu selten nutzbar. Genau das hatten die Entwickler bei Google/Waymo übrigens schon vor zehn Jahren vorhergesagt – und sich daher nie die Mühe gemacht, ein Level-3-System zu entwickeln.
Tesla FSD: Jetzt auch in Europa – seit dieser WocheDas ist die aktuellste Meldung: Am 10. April 2026 hat die niederländische Zulassungsbehörde RDW Tesla FSD Supervised als erstes EU-Land für den allgemeinen Verkehr zugelassen. Das Rollout per Over-the-Air-Update hat bereits begonnen.
FSD Supervised ist ein Level-2-System – der Fahrer muss also aufpassen, darf aber die Hände vom Lenkrad nehmen. Dennoch ist es dem, was BMW und Mercedes als Level 2 anbieten, weit überlegen: Es fährt nicht nur auf der Autobahn, sondern auch durch die Stadt, über Kreuzungen, durch Kreisverkehre – von Haustür zu Haustür. In den USA hat das System inzwischen weltweit über 14 Milliarden Kilometer absolviert.
Die Niederlande haben angekündigt, einen Antrag auf EU-weite Genehmigung bei der EU-Kommission zu stellen. Tesla selbst hofft auf einen EU-weiten Rollout bis Sommer 2026, realistischere Einschätzungen gehen von Deutschland eher Anfang 2027 aus. Wichtig: Ein in den Niederlanden freigeschalteter Tesla muss FSD beim Grenzübertritt nach Deutschland deaktivieren.
Tesla Robotaxi: Noch Baustelle, aber Cybercab kommtTeslas Robotaxi-Dienst läuft seit Juni 2025 in Austin, Texas – zunächst ausschließlich mit Sicherheitsfahrer an Bord. Seit Dezember 2025 gibt es echte unsupervised Fahrzeuge: Fahrgäste sitzen allein im Auto, kein Mensch vorne. Aktuell sind es rund 94 Fahrzeuge in Austin insgesamt, davon laut Tracker etwa 11 wirklich unsupervised. Das Einsatzgebiet hat sich inzwischen auf rund 245 Quadratmeilen ausgeweitet – inklusive Innenstadt.
Zur Einordnung: Musk hatte ursprünglich versprochen, bis Ende 2025 über 500 Fahrzeuge allein in Austin zu betreiben, plus 1.000 in der Bay Area. Die tatsächlichen Zahlen lagen weit darunter. Das Muster kennt man von Tesla: ambitionierte Ansagen, schleppende Realität. Gleichzeitig ist "ein paar Dutzend Autos in einer Stadt" natürlich nicht dasselbe wie ein echtes Robotaxi-Geschäftsmodell.
Was aber wirklich spannend ist: Auf dem Gelände der Gigafactory Texas wurden Anfang April rund 60 Cybercab-Einheiten gesichtet – die größte Ansammlung bisher. NotateLaApp Der Cybercab ist Teslas eigens für den Robotaxi-Betrieb entwickeltes Fahrzeug – kein Lenkrad, keine Pedale, vier Sitzplätze. Produktion soll in diesem Monat anlaufen, Marktstart in den USA unter 30.000 Dollar für 2026 geplant (wobei Tesla bei Terminen bekanntermaßen flexibel ist).
Tesla plant außerdem die Expansion in Dallas, Houston, Phoenix, Miami, Orlando, Tampa und Las Vegas noch in der ersten Jahreshälfte 2026. Ob das klappt: abwarten.
Und natürlich expandiert Tesla auch in die absoluten Weltstädte, z.b. den Landkreis Bitburg-Prüm
Noch bevor die Niederlande im April 2026 die erste offizielle EU-Zulassung erteilten, gab es FSD Supervised bereits auf deutschen Straßen – im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Tesla betreibt dort seit Ende 2025 einen Shuttle-Dienst, der den lückenhaften ÖPNV auf dem Land ergänzt. Mit einem Tesla-Mitarbeiter als Aufpasser am Steuer, versteht sich. Aber immerhin: erstes reguläres FSD in Europa.
Waymo: Unangefochtener Marktführer in den USAWaymo ist das einzige Unternehmen, das Level-4-Robotaxis in nennenswertem Umfang in der westlichen Welt betreibt. Stand 2026: über 1.500 Fahrzeuge, mehr als 250.000 Fahrten pro Woche in inzwischen zehn amerikanischen Metropolen – darunter San Francisco, Los Angeles, Phoenix, Austin, Atlanta, Miami, Dallas, Denver und Seattle.
Waymo setzt weiterhin auf ein teures Sensor-Paket aus Lidar, Radar und Kameras. Das macht die Fahrzeuge zuverlässiger bei Nacht und schlechtem Wetter – aber auch deutlich teurer als Teslas kamerabasierter Ansatz. Skalierung ist die große offene Frage.
Für 2026 ist außerdem der erste europäische Dienst geplant: London, mit dem Jaguar I-Pace als Basisfahrzeug.
China: Das wird unterschätztDas ist die größte Verschiebung gegenüber meinem letzten Post. China dominiert inzwischen beim Ausbau von Robotaxis, sowohl in der Breite als auch beim Tempo der internationalen Expansion.
Die wichtigsten Player:
- Baidu Apollo Go: Über 240 Millionen Kilometer, mehr als 17 Millionen Fahraufträge in 22 Städten. Plant 2026 über Lyft Dienste in Deutschland und Großbritannien.
- Pony.ai: Fahrerlos zugelassen in allen vier chinesischen Tier-1-Städten (Peking, Shanghai, Guangzhou, Shenzhen). Kooperation mit Bolt für europäische Städte ab 2026, mit Stellantis für autonome Fahrzeuge in Europa.
- WeRide: Expansiv im Nahen Osten (Abu Dhabi, Dubai, Riad), in Belgien bereits aktiv. Über Uber-Kooperation auch in Europa unterwegs.
Besonders bemerkenswert: Waymo und Tesla haben Anfang 2026 gemeinsam den US-Kongress um schnellere Gesetzgebung gebeten – ausdrücklich weil sie Angst vor der chinesischen Konkurrenz haben. Dass diese zwei sich sonst spinnefeind sind und trotzdem gemeinsam lobbyieren, sagt eigentlich alles über die Stimmung in der Branche.
Cruise (GM): Faktisch totNach dem Unfall 2023, bei dem ein verletzter Fußgänger mitgeschleift wurde, hat GM Cruise rund 950 Fahrzeuge stillgelegt und seitdem keine ernsthafte Wiedergeburt hingelegt. Als Warnung, wie schnell ein Unfall ein ganzes Programm beenden kann, bleibt Cruise relevant.
GesamtbildIm Privatfahrzeug hat Tesla mit FSD das einzige System, das wirklich von Tür zu Tür fährt – jetzt auch in Europa (erstmal nur Niederlande). Was BMW und Mercedes als Level 2 anbieten, ist komfortabel auf der Autobahn, aber kein echter Konkurrent.
Im Robotaxi-Bereich ist Waymo technisch führend in der westlichen Welt – aber China skaliert mit einer Geschwindigkeit, die den Rest der Welt nervös macht. Bis 2030 werden chinesische Anbieter in europäischen Städten kommerziell aktiv sein, das zeichnet sich bereits ab.
Level 5 – vollautonomes Fahren überall und jederzeit – bleibt weiterhin Zukunftsmusik
Und hier ein Tesla in Amsterdam:

I Tested FSD in Amsterdam's busiest streets
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