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Loudness War

23 Beiträge, Schlüsselwörter: Musik, Loudness War

Loudness War

30.04.2009 um 14:41
Hat schonmal jemand vom Loudness War der Musikindustrie gehört?

Dabei handelt es sich um eine Methode, die CD lauter zu machen, damit sie sich von anderen der Konkurrenz abhebt - dabei wird der mögliche Durchschnitt beim Mastering auf die möglichste lauteste Einstellung gebracht, wobei leider die noch lauteren Töne überdeckt werden und diese nicht mehr so wahrgenommen werden können.

Oftmals geht bei diesem Prozess die Power des Schlagzeugspiels verloren, und die Dynamik der Musik wird geraubt. Genauso wird bei zu hohen Lautstärken auch die Instrumentierung allgemein ziemlich verzerrt, was oftmals nicht angenehm klingt :(
Ein passendes Beispiel ist hier das Album "Californication" von den Red Hot Chili Peppers.

Ob man eine CD erworben hat, die aufgrund dieser Methode so "entstellt" wurde, erkennt man ganz einfach:
Einfach die Datei im Window Media Player wiedergeben lassen und dort unter "Aktuelle Wiedergabe" die Visualisierung "Graph" verwenden - bei Titeln, die so bearbeitet wurden, kann man oftmals erkennen, wie der Graph an einem Maximum "geglättet" wird.

Hier noch einige weiterführende Seiten und ein Video:

Youtube: The Loudness War

http://www.audiohq.de/index.php?showtopic=1899

http://www.intro.de/magazin/technik/23047104/der-loudness-war-kollateralschaeden-ohne-kriegsopfer


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Loudness War

30.04.2009 um 17:17
Sprichst du von dem Phänomen dass unterschiedliche CDs unterschiedlich laut sind?

Fand ich bei meinem CD-Wechsler noch nervig, jetzt mit MP3 werden alle Dateien von der Lautstärke angeglichen.

Warum die CDs überhaupt eine unterschiedliche Lautstärke hatten war mir aber nie bewusst.


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Loudness War

30.04.2009 um 18:06
@Comguard2
Comguard2 schrieb:Sprichst du von dem Phänomen dass unterschiedliche CDs unterschiedlich laut sind?
Nein, er meint, dass die Musik laut produziert wird. Beim Remastern nach den Aufnahmen wird die Musik nachträglich laut gemacht.
Das heisst, dass der Pegel von z.B. eher leise Passagen in den Songs nachträglich künstlich angehoben wird.

Der Grund dafür ist, dass man bei Untersuchungen rausgefunden hat, dass die Leute beim Probehören im Musikladen, das Geschäft anschliessend mit der CD verlassen, die am lautesten ist.
Diese tolle Studie ist nun leider Anlass für viele Produzenten, sämtliche Musik auf laut zu trimmen ...

Emodul


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Loudness War

30.04.2009 um 19:13
@emodul
emodul schrieb:Nein, er meint, dass die Musik laut produziert wird. Beim Remastern nach den Aufnahmen wird die Musik nachträglich laut gemacht.
Das heisst, dass der Pegel von z.B. eher leise Passagen in den Songs nachträglich künstlich angehoben wird.

Der Grund dafür ist, dass man bei Untersuchungen rausgefunden hat, dass die Leute beim Probehören im Musikladen, das Geschäft anschliessend mit der CD verlassen, die am lautesten ist.
Diese tolle Studie ist nun leider Anlass für viele Produzenten, sämtliche Musik auf laut zu trimmen ...
Nun, ich kaufe nicht die lauteste CD, sondern die CD, die meinem Musikgeschmack am ehesten entspricht.
Zuhause drehe ich meine Anlage auch nicht auf volle Lautstärke, der Regler ist sogar noch ziemlich weit links (also recht leise).


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Loudness War

05.05.2009 um 14:08
Kenne ich. Ich kaufe auch nicht gerne leise CD´s.
Wenn man die zuhause dann einlegt, muss man erstmal ganz schön aufdrehen.
Also warum sollte man die Industrie daran hindern, die Musik ein bisschen lauter zu machen. Vorallem dann sinnvoll, wenn die Aufnahmen ziemlich leise gemacht worden sind.


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Seelenglanz
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Loudness War

05.05.2009 um 14:10
Gibt es noch den "loudnes" schalter heutigen musikanlagen ?
oder wie nennen die sich heute ? -bass booster-?


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Loudness War

05.05.2009 um 14:23
@Seelenglanz

Ich glaube wenn eine CD richtig schlecht aufgenommen wurde, hilft auch kein Loudness-Schalter oder Bass Booster mehr.

Da kann man nur darauf achten, dass man ne gescheite Musikquali auf CD bekommt.


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Wolverine is watching you!!!


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Seelenglanz
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Loudness War

05.05.2009 um 14:26
@Tobspeed

wenn die cd eine zu schlechte qualität aufweist, kann man sie auch wieder abgeben !
ich habe das vor kurzem gemacht bei saXXXXX.. klar fingen die an zu zicken, aber nach zicken kommt sturm ! und das wollten die sich nicht antun..

schliesslich ist eine Audio-CD nicht billig !!!


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Loudness War

05.05.2009 um 14:28
@Seelenglanz

Stimmt auch wieder. Haste wahrscheinlich richtig gehandelt.
Ist nur die Frage ob das bei Versandhäusern wie Amazon auch möglich ist.
Und man sollte vorher mal in die CD reinhören, wenns möglich ist. Meist liegen ja CD´s ohne Folie rum.


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Scox
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Loudness War

06.07.2013 um 14:39
Wer es noch nicht kennt, eins der prominentesten Beispiele, wie man Musik an die Wand mastert, ist das Album "Death Magnetic" von Metallica. Dieses Album wurde so hart gelimitet, dass die CD-Version wie ein verzerrter Matsch klingt und die Guitar Hero-Version wesentlich angenehmer zu hören ist.

Hier kann man es hören:

Youtube: Metallica Death Magnetic - How to lose the Loudness War

Man sieht auch, dass die Wellenform der GH-Version dynamischer aussieht. Die CD-Version ist nur noch eine Wall of Sound, wobei der Pegel hier angeglichen wurde. Im Original ist die Wellenform im Editor nur noch ein Rechteck.
Damals gab's ne Petition von angepissten Fans gegen das Album, dass Metallica es doch bitte remastern sollen. Lars Ulrich meinte dazu nur, dass sie's dann eben nich kaufen oder andere Musik hören sollen. Absolute Frechheit.


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Leibhaftiger
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Loudness War

06.07.2013 um 19:55
bevor ich mir so eine cd kaufe, geh ich zur nächsten baustelle und lausche den klängen eines presslufthammers ;-)


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Scox
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Loudness War

06.07.2013 um 22:27
@Leibhaftiger
90% der Pop-, Rock-, Hip Hop und elektronischen etc. Musik werden aber so produziert. ;) Auch wenn Death Magnetic der absolute Worst Case ist, heutzutage muss es laut sein, da muss der Verbraucher eben damit leben, dass die Amplituden abgeschnitten werden und alles verzerrt.


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Loudness War

07.07.2013 um 00:29
Es ist halt wie überall im Kapitalismus, das was die Masse kauft wird produziert, nicht das was einige Feinschmecker gern hätten.


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mayday
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Loudness War

07.07.2013 um 04:37
Tobspeed schrieb am 05.05.2009:Also warum sollte man die Industrie daran hindern, die Musik ein bisschen lauter zu machen. Vorallem dann sinnvoll, wenn die Aufnahmen ziemlich leise gemacht worden sind.
Denke man muss unterscheiden, es gibt verschiedene Möglichkeiten. Der Dynamikumfang einer mit 44.1khz aufgenommener CD beträgt von 0dB bis rund 90dB. Alles was über 90dB ist, clippt Wikipedia: Übersteuern_(Signalverarbeitung) Clipping ist immer schlecht, weil dadurch Informationen verloren gehen.

Ist ein Musikstück zu leise, kann das auch ganz einfach am heimischen PC geändert werden; Musikstück auf die Festplatte kopieren im verlustfreien WAV-Format. Kostenlos Tool z.B. WAV-Gain starten http://members.home.nl/w.speek/wavegain.htm und soweit erhöhen, dass nichts Clipt (ist 6DB hard limiter aktiv, clipt garantiert nichts, wird es deaktiviert kann es clippen wenn man es übertreibt)

Der Sound ist danach lauter ohne hörbare Verschlechterung, denn alle Frequenzen wurden gleichmässig angehoben. Ein praktisches Beispiel; wir haben Gesang, eine Stimme, ein Schlagzeug und ein Piano. Alle drei werden lauter und die Summe aus allen dreien ist die Gesamtlautstärke. Keines der dreien aber clippt, es geht nichts "verloren"

Studio gemasterte CD's waren wie oben beschrieben bis anhin fast immer optimal am Limit, also nichts clippend, das Lauteste hat 90dB nicht überschritten. Nun aber, scheint das denen nicht zu reichen:

1) Globaler Gainwert wird über die Clipping-Grenze erhöht. Für mittlere und leise Passagen spielt dies keine Rolle, aber laute werden clippen und zu matsch.

2) Die einzelnen Spuren (aus dem Studio) werden erhöht. Extrembeispiel: Angenommen ein Schlagzeug ist bereits am Limit mit 90dB, wird nun auch das Piano auf 90dB erhöht und die Stimme auf 90dB --> Das Totale wird also lauter durch sog. Schalladition (nicht 3x90dB, weis nicht mehr, ist aus meiner Schulzeit, zu lange her^^) Der Nachteil ist der; die Lautstärke-Verhältnisse der einzelnen Musikinstrumente wurden komplett verändert, leise Töne können für unser Gehör unter gehen, obwohl sie technisch noch auf der CD vorhanden sind. Der Dynamikumfang wird kleiner, ich habe viel lautes aber kaum mehr was leises!

Beides ist für einen Tontechniker ein klares NOGO! Der Konsument hat auch nichts davon denn er lässt sich nur blenden. Im Musikgeschäft findet er es vielleicht gut im Vergleich zu den andern die leiser sind..würde er aber eine Leise und eine Laute Version desselben Songs bei sich zu Hause an der Stereoanlage hören, dann würde er die LaudnessWar schnell wegwerfen, denn Lautstärke aufdrehen geht auch bei der leisen Version immer.


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mayday
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Loudness War

07.07.2013 um 05:04
Drei Soundquellen (obiges Bsp. mit Schlagzeug,Piano,Stimme) mit je 90dB ergibt 94.7dB. hier ein Schalladditionsrechner: http://www.sengpielaudio.com/Rechner-spl.htm Das würde für uns gut 30% lauter klingen. Auch sehr informativ siehe hier: http://www.sengpielaudio.com/Rechner-pegelaenderung.htm


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Scox
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Loudness War

07.07.2013 um 15:06
mayday schrieb:Die einzelnen Spuren (aus dem Studio) werden erhöht.
Ist ein zunehmender Trend, schon gebrickwallte Mixdowns, also die ungemasterten Rohmixe, ans Mastering abzugeben. Normalerweise sollte das Mixdown ca. -3 db Headroom / Luft nach oben haben und NICHT limitiert werden, weil das ja normalerweise erst im Mastering gemacht wird. Heute prügeln viele Producer aber schon die bloßen Mixdowns laut und limitieren sie, sodass gar kein Headroom mehr vorhanden ist. Dieses schon tot komprimierte Material soll dann der Mastering Engineer nochmal limitieren, obwohl das eigtl. schon gar nicht mehr möglich ist. Also geht man ganz bewusst ins Clipping. Am Ende klebt dann die Pegelanzeige im Extremfall den ganzen Song lang an der 0 db-Grenze und von gutem Klang kann man da lange nicht mehr reden.

Wenn man sich mal die Durchschnittspegel ansieht (werden in RMS gemessen), haben diese sich in den letzten 10 Jahren von ca. -12 db auf nun -7 db erhöht. Und -7 db RMS sind ohne Hyperkompression und Verzerrung / Clipping eigtl. kaum zu erreichen. Der Trend geht in Richtung -5 und es gibt auch vereinzelt Tracks, die die -4 erreichen. Angeblich hat der Track "Kanye West - Monster" als lautester je produzierter Hip Hop-Track sogar -2 (!) und das hört man auch, da in diesem Track wirklich alles clippt. Der Track klingt, als ob man ihn im Radio bei schlechtem Empfang hören würde. Auch nicht zu verachten - Dr. Dre - 2001. Die Amplituden sehen teilweise aus wie Schuhkartons.

Um noch mehr Loudness rauszuholen, neigt man auch zunehmend dazu, die Stereobreite einzuschränken. Monomaterial wirkt lauter, also kann der Käufer auch mehr mono hören, so muss das. Auch wirkungsvoll sind recht leere Arrangements, also weniger Instrumente im Song. Ein Track, der nur aus Basslines besteht, kann lauter gemacht werden, ohne zu schnell matschig zu klingen. Und wenn man's ganz auf die Spitze treiben will, schneidet man noch die ganz tiefen Frequenzen bis 40 Hz raus. Dann hat die Amplitude mehr Platz nach oben, weil die ganz energiereichen Wellen fehlen -> noch mehr Lautheit und Präsenz in den Mitten. In so einer Weise wurde z.B. Skrillex - Bangarang gemastert, da hört man kaum noch fette Bassanteile.

Wo führt das hin? Zu einer Küchenradio-Musik, basslos, überpräsent in den Mitten, weniger stereogefächert, aufdringlich laut und verzerrt. Sehr geil! :rock:


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mayday
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Loudness War

07.07.2013 um 17:07
Danke Virikas gute Infos. Wie du es beschreibst, hätte ich es nicht hinbekommen, mein kleines Hobby ist Videoschnitt, beschäftige ich mich nur am Rande mit Audio. Ich finde diese Entwicklung einfach nur Gaga, da haben nicht Audiospezialisten das Sagen, sondern die Chefs/Marketingstrategen.


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Loudness War

07.07.2013 um 20:02
Übrigens: Die Lautstärke wird bei Radiosendern automatisch abgeglichen, d.h. egal wie laut der Mix auf CD ist, er wird mit Hilfe von Software angeglichen.

Das Entscheidende was beim "Loudness War" allerdings verloren geht, ist die Dynamik, da im Extremfall alles gleich laut klingt. Bei den alten Mixes aus den 80ern war die Dynamik das A und O. Heutzutage treiben die Limiter mit Dithering und allem möglichen Zeug die Dynamik in den Wahnsinn (=clipping) und erzeugen maximal lauten Einheitsbrei.


Schönes Tutorial was da so technisch machbar ist:
Youtube: Mastering with FabFilter Pro Plugins - Part 1

ab 2 Minuten mixed der Typ einmal von Anfang an ... sehr interessant


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Loudness War

07.07.2013 um 20:08
im zweiten Tutorial ab 9:30 zeigt er, wie man mit dem Limiter das Ding lauter und lauter und auf Wunsch auch dynamisch tot komprimieren kann

Youtube: Mastering with FabFilter Pro plugins - Part 2

Have fun


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Loudness War

07.07.2013 um 20:11
Ach ja, hört euch mal die aktuelle DAFT PUNK CD ab. Die haben beim Mix auf die Digitaltechnik (Dithering etc.) verzichtet und komplett analog gemixed. Klingt fluffiger und einfach anders. Eben wie vor 20 Jahren.


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