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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

1.119 Beiträge, Schlüsselwörter: Steven Avery, Making A Murderer, Brendan Dassey

Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

19.08.2016 um 01:23
@abgelenkt

Die Anwendbarkeit von jura novit curia ist in diesem Fall durch andere Gesetzgebung eingeschränkt. Aus dem Kopf weiß ich nicht, welches Gesetz hier konkret greift, aber seit den 70ern ist in den USA der Entscheidungsspielraum der Gerichte durch eine Reihe von Gesetzen (zuletzt, wenn ich mich nicht irre, durch den Antiterrorism and Effective Death Penalty Act (AEDPA)) in solchen Fällen eingeschränkt worden. Stark vereinfacht, darf man als Anwalt in einem Revisionsverfahren keine Kaninchen aus dem Hut zaubern und mit Argumenten, Präzedenzfällen, etc. kommen, die man in der vorherigen Instanz nicht zur Sprache gebracht hat.

Ursprünglich wurden solche Gesetze erlassen, um den langwierigen Revisionsprozess zu beschleunigen, endlose Revisionsfolgen sowie MIßbrauch von Rechtsmitteln zu verhinderun und die Gerichte zu entlasten. Schon damals sind diese Gesetze umstritten gewesen und sind es bis heute geblieben. Mich würde es nicht wundern, wenn sie irgendwann nach und nach durch einen eher liberal eingestellten Obersten Gerichtshof gekippt werden.

Als nicht-Jurist kann ich leider mit Detalis nicht dienen, aber @Rick_Blaine wird sicherlich mehr wissen.


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

19.08.2016 um 07:39
Generell gilt, dass in einer Revision, oder wie hier in einem habeas corpus Fall, das Gericht nur die Fragen behandelt, die auch vom Antragsteller gestellt werden. Es ist im common law eine verbreitete Idee, dass das Gericht nicht dazu da ist, die Arbeit einer der Parteien leichter zu machen, ihre Fehler zu verbessern oder einzubringen, was sie vergessen haben. Insofern ist der Grundsatz iura novit curia in common law Systemen nur sehr eingeschränkt gültig.

Im vorliegenden Fall sieht man auch, warum das sinnvoll ist: Eine Verfahrensrüge unter Sullivan einzubringen ist einfacher als unter Strickland, weil unter dem letzten die Beweislast höher ist. Wenn man behauptet, der Anwalt hat einen Interessenkonflikt gehabt (Sullivan) dann wird unterstellt, dass sich dieses negativ auf den gesamten Fall ausgewirkt hat.

Unter Strickland aber gilt, dass man nicht nur nachweisen muss, dass der Anwalt den Standard vernünftiger Vertretung nicht erreicht hat, sondern dass dadurch auch der Angeklagte so benachteiligt wurde, dass das Urteil gegen ihn ausging. Man muss im Prinzip nachweisen, dass wenn der Anwalt den Regeln der Kunst nach den Angeklagten vertreten hätte, das Urteil wahrscheinlich anders ausgegangen wäre.

Dieser Nachweis ist nicht so einfach. Ich will das mal an einem Beispiel verdeutlichen:

Rechtsanwalt Trottel vertritt die Mandanten Ganove und Engel in zwei verschiedenen Verfahren. Im Fall Ganove erscheint er besoffen vor Gericht und stellt den Zeugen keinerlei Fragen. 5 verschiedene Augenzeugen treten auf, die Ganove bei der Tat gesehen haben. Ein Zeuge, der Kriminaltechniker, führt aus, dass am Opfer und an der Tatwaffe Ganoves DNA gesichert wurde. Ganove wird verurteilt.

Im Fall Engel ist RA Trottel ebenfalls so besoffen erschienen, dass er nicht in der Lage war, den einzigen Zeugen der Staatsanwaltschaft zu befragen. Dieser Zeuge ist 87 Jahre alt und betritt den Gerichtsaal mit einem Blindenhund. Er gibt an, in der Tatnacht die Tat beobachtet zu haben, die sich 500m von seinem Haus entfernt in weniger als 30 Sekunden abspielte. Er gibt an, Engel als den Täter erkannt zu haben. Engel ist der Nachbar des Zeugen.

Im habeas corpus wird nun unter Stricklangbehauptet, weder Ganove noch Engel hätten verurteilt werden dürfen, weil RA Trottel unfähig war.

Es ist korrekt, dass von einem Rechtsanwalt normalerweise erwartet wird, dass er nüchtern im Gericht erscheint und Zeugen ins Kreuzverhör nimmt. Dennoch weist das Gericht den habeas corpus Antrag von Ganove ab. Dem von Engel gibt es statt.

Warum: weil das Gericht denkt, dass selbst wenn Trottel nüchtern gewesen wäre, die Beweislast im Fall Ganove so schwer wiegt, dass die Jury ihn auch mit nüchternem Anwalt verurteilt hätte: eine ganze Reihe Augenzeugen und die DNA sprechen dafür.

Im Fall Engel dagegen kann man berechtigt zweifeln, ob der offensichtlich sehbehinderte ältere Nachbar auf die Ferne in der Nacht erkennen konnte, wer der Täter war. Nachfragen des Anwalts im Prozess hätten der Jury die Sehbehinderung deutlich machen können und ebenso herausstellen können, dass der Zeuge seinen Nachbarn benannt hat, weil der ihm einfach am Bekanntesten war. Da er der einzige Zeuge war liegt hier nahe, dass die Jury auch einen Freispruch verkündet haben könnte.

So, nun zurück zu Dassey: Seine Anwälte haben also unter Sullivan geklagt und brauchten daher nicht nachweisen, dass bei ordnungsgemässem Verhalten des Anwalts wahrscheinlich gewesen wäre, dass Dassey freigesprochen worden wäre.

Diese Tatsache ergibt sich aber nicht so einfach aus der Sicht des Verfahrens. Unter Strickland hätten seine Anwälte das beweisen müssen. Da sie das nicht getan haben, kann das Gericht nun nicht einfach so tun, als ob. Daher musste es diesen Antrag abweisen, obwohl es sagt, auf den ersten Blick erscheint das Verhalten des Anwalts schon extrem unzureichend.

Insofern, @abgelenkt, ja: ein Angeklagter ist auf gute Anwälte angewiesen.

Ironischerweise wäre dieser Fehler seiner Anwälte bei einer negativen Entscheidung von Duffin vielleicht eine eigene Revision unter Strickland Wert gewesen.

@Tombow
hat hier ganz richtig aufgeführt, dass es seit dem AEDPA sehr viel schwerer geworden ist, einen habeas corpus gegen ein bundesstaatliches Urteil zu gewinnen. Der Congress hatte dieses Gesetz aus zwei verschiedenen Gründen erlassen:

Einmal gibt es hier die Parallelität einer bundesrechtlichen und einer bundesstaatlichen Rechtsprechung. Bundesrechtlicher habeas corpus war aber mehr und mehr dazu verwendet worden, Urteile bundesstaatlicher Gerichte aufzuheben. Der Congress und auch der oberste Gerichtshof der USA meinen aber, dass das eigentlich nicht der Sinn der Sache ist. Wer vor einem bundesstaatlichen Gericht verurteilt wurde, soll normalerweise nur dort Rechtsmittel einlegen können. Habeas corpus soll auf die wenigen Fälle beschränkt werden, wo die bundesstaatlichen Gerichte ganz eklatant gegen die Auslegung der Bundesverfassung verstossen haben. Das Bundesgericht soll nicht einfach als eine weitere Instanz über dem obersten bundesstaatlichen Gericht verstanden werden.

Damit sollte also nicht nur die Souveränität der Bundesstaaten gestärkt werden, sondern zweitens auch viele unnötige Verfahren verhindert werden, die die Bundesgerichte überlasteten.

Kritiker sagen allerdings, Congress und Supreme Court sind zu weit gegangen und haben das Recht auf habeas corpus praktisch ausgehöhlt. Ich selbst gehöre zu diesen Kritikern.

Um das zum Schluss noch einmal für deutsche Leser verständlich zu machen: man muss sich das so vorstellen, dass es in den USA zwei komplett getrennte Gerichtsbarkeiten gibt. In Deutschland wäre das so, wenn es eine Gerichtsbarkeit in Bayern gäbe, ein bayerisches Strafgesetzbuch, und ebenso in Hessen, in Sachsen usw. und daneben noch eine bundesdeutsche Gerichtsbarkeit und ein bundesdeutsches Strafgesetzbuch, in dem allerdings nur wenige Straftaten von bundesdeutscher Bedeutung stehen. 80% der Straftaten würden nach den Gesetzen der Bundesländer vor Gerichten der Bundesländer verhandelt. Ein bayerischer Täter also vom Landgericht in München, er legt dann Revision beim Oberlandesgericht ein und kann dessen Entscheidung noch einmal vor einem Obersten Bayerischen Gericht anfechten.

Hat er da aber keinen Erfolg, kann er vor einem bundesdeutschen Gericht klagen und wieder die ganze Instanzenkette bis zum Bundesgerichtshof hochklettern.

So war es in den USA im Prinzip, man hatte im besten Fall am Ende 5-7 Instanzen. Es dauerte Jahrzehnte bis ein Fall abgeschlossen war.

Dann wurde die Sache geändert und nun gilt: ein bayerischer Täter kann normaleweise nur bis zum Obersten Bayerischen Gericht gehen. Nur in den Fällen, wo dieses eklatant das deutsche Grundgesetz missinterpretiert, kann er noch mal vor die deutschen Bundesgerichte ziehen. Entscheident ist hier das "eklatant."

Natürlich gibt es, wie wir wissen, in Deutschland keine zweigleisige Gerichtsbarkeit. Die Gerichte werden zwar von den Bundesländern verwaltet, aber wenden alle nur ein Bundesstrafgesetzbuch an und sind alle dem Bundesgerichtshof unterworfen.


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

22.08.2016 um 14:01
danke an die ausführliche Erklärung beider Vorposter - da raucht einem ja die Birne *gg* wenn man nur mit dem Hausverstand hier mitliest - aber folgendes was mir auffällt : zuletzt ging es mehr oder weniger um die Intelligenz oder Zurechnungsfähigkeit von Brendan Dassey - in ihm würde ich ja bestenfalls ja auch nur einen Mitläufer sehen, wenn dieses Verbrechen tatsächlich von Steven Avery und Brendan Dassey begangen worden wäre - um dies wahrhaft zu beurteilen, denke ich, fehlen uns noch zu viele Details damit wir abschätzen können wie es sich wirklich zugetragen haben könnte - daher meine Überlegung : gibt es eigentlich einen gesicherten, einlesbaren Tagesablauf wie Avery und Dassey die Zeit in der diese Tat ausgeführt wurde verbrachten ? 12 Meilen sind ja nich so weit dass sie nicht überbrückbar wären um von dort sich mit dem Handy von Theresa einzuloggen !
Hat da jemand verläßliche Daten ?


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

23.08.2016 um 03:06
Hier ist eine recht ausführliche timeline die aus verschiedener Sicht beschrieben wird:

http://stevenaverytrial.com/

eine andere hier:

http://stevenaverycase.com/timeline-of-halbach-case/#sthash.pWFU9ldy.dpbs


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

27.08.2016 um 09:48
Und nun etwas Neues zu Steven Avery.

Seine Anwältin hat einen Antrag auf extensives Testen verschiedenster Beweisstücke gestellt, das unter anderem beweisen soll, dass Beamte des Sheriffs Beweismittel manipuliert und vorsätzlich auf Averys Grundstück verbracht haben sollen.

Besonders brisant: sie behauptet Beweise zu haben, dass das Fahrzeug des Opfers bereits zwei Tage vor dem "offiziellen Auffinden" vom Sheriff Dept. an einem anderen Ort gefunden wurde.

http://www.newsweek.com/steven-avery-lawyer-demands-evidence-and-accuses-cops-framing-him-bombshell-493873


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

27.08.2016 um 14:01
@Rick_Blaine

Danke für den Link. Normalerweise wäre ich gegenüber solchen Nachrichten viel skeptischer eingestellt und gedacht, der Anwalt greife nach jedem Strohhalm (was ja auch sein Job ist), aber Kathleen Zellner ist ein ganz anderes Kaliber. Auch wenn ich immer noch die Ergebnisse der Tests abwarten würde, fällt es mir schwer zu glauben, dass sie einfach im dunklen herumstochern würde.


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28.08.2016 um 02:47
@Tombow
Geht mir genauso. In diesem Fall ist nichts gewöhnlich. Man darf gespannt bleiben.


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

14.09.2016 um 19:23
Man weiß wirklich nicht welcher Seite man trauen kann. Wenn man zu Steven hält und die Polizei als "fälscher" betitelt, dann klingt das verrückt. Aber ich finde, es spricht sehr sehr viel für seine Unschuld ... Alleine das fehlende Blut in der Garage ... Da lagen 100 Schrottteile und ich glaube nicht , dass so ein Steven, der aussieht wie einer von den ludolfs, es hinbekommt jede kleinste Ecke so zu säubern, dass man nicht eine blutspur findet.
Echt krass ... Wenn er unschuldig ist, hat er sein ganzes Leben im Gefängnis verbracht, hat zwei Frauen verloren und der Ruf wird ihm nacheilen. Der wird nie wieder richtig leben können


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

25.09.2016 um 05:46
Ich habe mir alle Folgen der Netflix-Serie "Making a Murderer" angeschaut und bin völlig platt. Die wohl faszinierendste True Crime-Story die ich je gesehen habe. Ich hatte vorher keine Ahnung um was es überhaupt ging und während der 2. Episode musste ich erst einmal googeln um zu prüfen ob mir hier nicht eine rein fiktive Geschichte als Realität verkauft werden soll, denn das das alles real sein soll ist nur schwer zu begreifen. Glücklicherweise bin ich da auf keine Spoiler gestossen.

Ich glaube ich muss noch einmal alle 10 Episoden schauen und dazu diesen Thread komplett durchlesen um ergänzende Informationen einzuholen um ein Gefühl dafür zu bekommen ob Steven Avery und Brandan Dassey schuldig sind oder nicht. Ich fühle mich komplett hin-und hergerissen und hatte vor den Schuldsprüchen der Jury in beiden Verhandlungen eigentlich jedes mal darauf getippt das die jeweilige Jury sowohl den einen wie auch den anderen für unschuldig befinden würde.

Komplett geirrt. Unglaublich faszinierend.

Tja, was bleibt da nun ? Schuldig oder unschuldig ? Keine Ahnung.

Ich fühle nur eines.....

Wie das US-Justizsystem in diesem Fall funktioniert hat ist völlig unterirdisch. Da befindet der gleiche Richter der Steven Avery nach dem Urteil als "Sie sind der gefährlichste Verbrecher der je diesen Gerichtssaal betreten hat" Jahre später über den Entscheid ob eine Berufungsverhandlung durchgeführt werden sollte oder nicht, und lehnt folgerichtig natürlich ab.

Sagenhaft das alles. Hätte mir vorher jemand erzählt das ist alles wahr was hier geschehen ist dann hätte ich dem instinktiv einen Vogel gezeigt.


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

25.09.2016 um 07:10
misfit schrieb am 05.04.2016:ein staatsanwalt berichtet noch ganz am anfang der ermittlungen bei einer pressekonferenz süffisant lächelnd grausame, wild ausgeschmückte details die durch sämtliche lokale medien gehen und stellt den verdächtigen als monster dar. während den ermittlungen stellt sich dann heraus es war alles ganz anders, in der gerichtsverhandlung ist davon dann keine rede mehr. trotzdem haben wohl sämtliche geschworenen die aussagen dieser ersten von gleich mehreren pressekonferenzen im kopf, es ist also schon von anfang an höchst fragwürdig ob in diesem bundesstaat überhaupt noch eine unvoreingenommene jury gefunden werden kann. derartige pressekonferenzen gibt es aus gutem grund fast nirgends sonst auf der welt.
Eigentlich müsste man sich einen Notizblock zur Seite legen und alle Details aufschreiben die in dieser Doku vermittelt werden. Ich sehe nämlich gerade selbst beim Durchlesen der Beiträge in diesem Thread das man hier anhand der Fülle an Informationen enorm leicht den Überblick verlieren kann, was völlig normal ist wenn man aus dem Gedächtnis heraus Bewertungen vornimmt.

Soweit ich das sehe, und ich habe mir keine Notizen gemacht was ich aber noch machen werde beim zweiten Mal anschauen, waren die 12 Geschworenen in der Steven Avery-Verhandlung anfangs mehrheitlich für einen Freispruch (7 für nicht schuldig, 2 waren unentschlossen und 3 waren für schuldig). Diese 3 Geschworenen die auf schuldig plädierten waren im Verlauf der Diskussionen so dermaßen hartnäckig und unbeweglich in ihrer Überzeugung das sie im weiteren Verlauf der Diskussionen den Rest nach und nach auf ihren Standpunkt gezogen haben und dann waren am Ende alle einer Meinung - Schuldig im Anklagepunkt Nr.1, dem entscheidenden der zu lebenslanger Freiheitsstrafe führte ohne Möglichkeit der Entlassung.

Ich denke also nicht das die Geschworenen hier insgesamt die Medienberichterstattung im Hinterkopf hatten bei ihrer Urteilsfindung.

Vielmehr glaube ich das es realistischer ist anzunehmen das die sture Hartnäckigkeit einer Minderheit dazu geführt haben könnte das die Mehrheit nachgab weil sie keine Chance gesehen haben könnte die Hartnäckigen zu überzeugen und schlussendlich auch mal ein Ende finden wollte um nach Hause zu kommen.

Willkommen im US-Justizsystem wo Bürger wie Du und ich über die Zukunft von Angeklagten entscheiden dürfen und die unkalkulierbare Gruppendynamik zum entscheidenden Faktor wird. Da braucht oftmals nur ein "Leitwolf" unter den Geschworenen sein dem dann andere Geschworene gerne folgen weil sie ihn toll finden und wer dieser Gruppe dann nicht folgt wird solange bearbeitet bis er auch dazu gehören muss weil er keinen Bock mehr dagegen an zu argumentieren. Daran hängt aber ein Menschenleben. Ich bezweifle das sich Geschworene darüber immer vollkommen wirklich im Klaren sind. Es sind reine Amateure die aus dem gutbürgerlichen Alltag gerissen wurden um für ein paar Wochen ihres Lebens "Gott" zu spielen. Am Ende setzt sich dann im Zweifelsfall der persönliche Eindruck durch.

Hat der Angeklagte mal verdächtige Gesichtszüge gezeigt in einem falschen Moment während der Verhandlung ? Wirken seine Augen bedrohlich oder eher sympathisch ? Kann ich die Anwälte des Angeklagten leiden oder halte ich sie für arrogante A.......... ? Glaube ich aus Prinzip an der reinen Integrität der Polizeibeamten oder hat mich schon einmal ein Polizeibeamter mies behandelt bei einer Verkehrskontrolle ? Wie wirken Menschen mit Übergewicht auf mich und wie wirken Menschen auf mich die nicht so gut gebildet sind wie ich ?

Ohje. Also da gibt es so grandios viele Faktoren die da bei jedem Jurymitglied mit hineinspielen während der Verhandlung und diese Leute sollen dann wochenlang 2 Showmastern (Staatsanwalt und Verteidiger) zuhören und am Ende das Glücksrad drehen. Wer da zwischen die Mühlen der Justiz und die Hände einer 12-Köpfigen Jury gerät die einen dann absägt obwohl man evtl. unschuldig ist der fühlt sich danach praktisch lebendig begraben und komplett wehrlos, lebenslang. Ich denke so stelle ich mir wohl die Hölle vor auf Erden.
misfit schrieb am 05.04.2016:ich gehe davon aus dass du dir "making a murderer" nicht angesehen hast, sonst würdest du wohl kaum den absurden vergleich mit michael moore bringen. es würde wohl auch nicht viel sinn machen wenn du es dir ansiehst, filme über die justiz in den usa sind in deinen augen ja offensichtlich grundsätzlich linke propaganda, und in diesem fall auch noch von new yorker lesben, was die filmemacherinnen aus deiner sicht von haus aus diskreditiert. kritik ist ja schön und gut, nur sollte man halt auch wissen was genau man eigentlich kritisiert.
Ich möchte mich Deiner Einschätzung anschliessen. Was @planetzero da vom Stapel gelassen hat halte ich für maßlos verfehlt und übertrieben. Die beiden Damen die diese Doku gemacht haben die haben aus meiner Sicht eine hervorragende Arbeit abgeliefert. Sicher, man kann immer etwas kritisieren. Nobody is perfect. Ich erkenne hier eine objektiv gestaltete Dokumentarserie wo man sich ein umfassendes Bild verschaffen kann über alle Abläufe. Der Zuschauer wird somit nicht gelenkt sondern kann sich selbst treiben lassen und hat die Möglichkeit die Geschehnisse frei zu bewerten, ohne Manipulationen.


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

25.09.2016 um 07:51
Zum Schluss, sorry für die 3 Beiträge hintereinander, habe ich da nochmal ein Problem das ich nicht auflösen kann........

Aus der o.g. Timeline von @Rick_Blaine :

11/03/05 - Sergeant Andrew Colborn calls dispatch to ask about a license plate number (SWH582) and states the year and make of the car ('99 Toyota) during the conversation. Dispatch confirms that the car belongs to Teresa Halbach.

Das war für mich einer der Schlüsselereignisse in der Timeline und ich hatte den Eindruck das wäre der Beweis das die Polizei hier ein falsches Spiel spielen würde. Denn wie ist das zu bewerten ? Stand Sergeant Andrew Colborn vor dem Wagen von Teresa Halbach als er diese Anfrage abgab ? Wie ist das möglich wenn doch Teresa Halbach´s Toyota erst 2 Tage später danach auf dem Schrottplatz gefunden wurde ?

Während der Gerichtsverhandlung schüttelt Andrew Colburn nur mit dem Kopf und kann sich das irgendwie alles nicht erklären. Ehrlich gesagt ist das für mich wie gesagt einer der grossen Schlüsselmomente in diesem ganzen Fall. Dieses Detail ging aber im weiteren Verlauf komplett unter in der Doku als ich darauf gewartet habe das dazu nochmal was gesagt wird. Kam aber nichts mehr.

Habe ich hier etwas falsch verstanden oder wie ist das Problem aufzulösen ?


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

25.09.2016 um 09:55
@DearMRHazzard
Das wird sich zeigen, wie das aufzulösen ist. Wie ich oben angemerkt habe, ist das ein zentraler Punkt der Strategie der Verteidigung für ein habeas corpus Verfahren: Beitrag von Rick_Blaine, Seite 4

Die Verteidigung löst es so auf: Die Polizei hat gelogen und Schlimmeres.
Sie folgt dabei genau diesem Gedankengang:
DearMRHazzard schrieb: Stand Sergeant Andrew Colborn vor dem Wagen von Teresa Halbach als er diese Anfrage abgab ?
Die Staatsanwaltschaft hat bisher noch nicht darauf geantwortet.


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

25.09.2016 um 10:31
@Rick_Blaine

Ja ich danke Dir. Ich hatte Deinen Beitrag leider erst gelesen nachdem ich meinen bereits abschickt hatte. Gut das dieser Sachverhalt erkannt wurde und weiterverfolgt wird. Ich weiss nicht mehr in welcher Episode das kam - So zwischen der 4. und 7. irgendwo. Da wurden meine Augen ganz gross als ich diesen Clown von einem Polizeibeamten da im Zeugenstand habe winden sehen wie ein Aal. Ich dachte zunächst jetzt platzt ne Bombe weil dann auch die Situation mit Musik ganz gross in Szene gesetzt wurde aber dann kam doch nichts mehr.

Warum die Verteidigung, die ich hervorragend fand, Mr.Colborn damals nicht richtig festgenagelt hat im Zeugenstand wegen diesem Sachverhalt konnte ich nicht begreifen. Vielleicht wird´s beim 2.Mal durchsehen deutlicher.

Bei allen Unsicherheiten die diesen Fall ausmachen kann ich jedenfalls eine zweifelsfreie Tatsache feststellen........

Egal was Steven Avery auch alles in der Vergangenheit für einen Bockmist gebaut hat, darunter zwei Einbrüche, einen Überfall und Diebstahl, Tierquälerei und Nötigung - Er hat zu seinen Taten gestanden und die Strafen akzeptiert ohne Spielchen zu spielen. Steven Avery hatte nach seiner Verurteilung wegen Vergewaltigung und schwerer Körperverletzung die er aber nicht begangen hatte die Möglichkeit ein Geständnis abzulegen im Gefängnis um so eine Chance auf Bewährung zu bekommen doch er hat sich beharrlich geweigert eine Straftat zu gestehen die er nicht begangen hatte und hat sich dazu entschieden dann halt die komplette Strafe abzusitzen anstatt zu lügen.

Das zeigt das dieser Mann zumindest bis zum Mordfall Holbrook feste Prinzipien verfolgte und absolut aufrichtig und ehrlich gewesen ist.

Warum sollte es danach anders gewesen sein ?

Okay, Steven Avery ist kein besonders gebildeter Mensch aber so bescheuert kann ein Mann dem zufällig eine Frau über den Weg läuft und sich nur einen PKW anschauen will auf seinem Schrottplatz nicht sein um sie spontan zu überwältigen, ins Haus zu zerren, ans Bett zu fesseln, zu vergewaltigen, seinen Neffen hinzuzuziehen um mitzumachen, am Ende zu töten und dann zu verbrennen.

Ganz besonders dann nicht wenn er kurz kurz davor stand ein 38-facher MULTIMILLIONÄR zu werden und somit für den Rest seines Lebens nicht nur im Geld zu schwimmen sondern auch noch jeden Tag den Beamten die ihn damals reingeritten haben bei jeder Gelegenheit anzulächeln wenn einer von denen ihm über den Weg laufen sollte.

Andererseits aber : Es ist ja nicht so das man hier überall nur entlastende Argumente findet. Gerade die Blutspuren im Toyota die keinerlei Verunreinigung aufweisen durch ein Konservierungsmittel ist Hard Evidence gegen Steven Avery. Das kann man nicht einfach weg erklären. Wie ist sein Blut dort hingekommen ? Das kann man nicht heimlich plazieren, es sei denn man kann nachweisen das die Polizei eine Blutprobe besessen hat von Avery bevor der Mord geschah, doch dem war offensichtlich nicht so.

Verrückt das alles.


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25.09.2016 um 10:47
Allerdings. Ich war auch geschockt, als ich die Serie angeschaut habe. Ich habe ja in meiner Karriere durchaus schon zweifelhafte Fälle gehabt, und auch schon tatsächlich unschuldige Mandanten gehabt, aber in der Regel war dann auf der anderen Seite das Problem eher Inkompetenz, Borniertheit, usw. Aber nicht eine solche Boshaftigkeit, wie sie hier der Polizei zu unterstellen ist, wenn man diese Hinweise alle ernst nimmt.

Die Sache ist bedrückend.

Zum Blut gab es ja die Blutprobe von 1985. Leider bin ich in den letzten Jahren der Arbeit der Gerichtsmedizin gegenüber extrem skeptisch geworden, allerdings bin ich kein Naturwissenschaftler oder Mediziner. Die Sache mit dem EDTA würde ich dennoch noch einmal genauer unter die Lupe nehmen.

Mehr Probleme bereitet mir aber die Sache mit der Leichenverbrennung im backyard. Ein eindeutiges "framing" Szenario würde für mich eher nahelegen, dass die Leiche intakt auf Averys Grundstück deponiert wird, genau wie das Auto.

Dass die Polizei erst die Leiche verbrennt und dann Asche und Knochenteile dort deponiert halte ich für sehr unwahrscheinlich.

Bleibt nur, dass die Polizei die Leiche bereits verbrannt gefunden hat und dann eben in dem Zustand bei Avery deponiert hat. Das wiederum erscheint mir doch extrem aufwendig und meiner Meinung nach müsste man hier Spuren deuten können. Ich frage mich, ob die Verteidigung damals in der Hinsicht ausreichend recherchiert hat. Ich berufe mich hier wiederum auf Erfahrung mit Mordfällen mit Brandstiftung, die mich dazu gebracht haben, mich auf dem Gebiet fortzubilden. Hier würde ich jedenfalls ansetzen, wenn ich jetzt in dem Fall involviert wäre. Umgekehrt wäre hier meiner Meinung nach eine Gelegenheit für die Staatsanwaltschaft zu punkten.


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

25.09.2016 um 11:13
@Rick_Blaine
Gehst du davon aus dass die Polizei daran beteiligt war die Leiche auf dem Grundstück der Avery´s zu deponieren? Wo denkst du wurde die Leiche schlussendlich verbrannt? Insgesamt wurden ja an 3 Stellen auf dem Gelände Überreste gefunden. An einer Stelle wo offenbar regelmäßig Dinge verbrannt wurden, in einem Fass und an der Stelle vor Avery´s Trailer wo er ein Feuer machte.

@DearMRHazzard
Darüber was bei den Besprechungen der Jury genau passierte gibt es mittlerweile unterschiedliche Aussagen die sich zum Teil gegenseitig widersprechen. Es sind sich aber alle die befragt wurden darüber einig dass Jury Mitglied Carl Wardman wohl schon von Anfang an die Absicht hatte Avery schuldig zu sprechen. Er soll es auch gewesen sein der am meisten Druck ausübte schnell zu einem Urteil zu kommen. Carl Wardman arbeitete zum Zeitpunkt der Gerichtsverhandlung als Freiwilliger für das Manitowoc Sheriff´s Department, und sein Sohn arbeitete dort als Sergeant. Die Anwälte von Avery wollten ihn eigentlich von der Jury streichen lassen, aber sie hatten zuvor schon andere Mitglieder abgelehnt, deshalb ging das nicht mehr.

Es gibt übrigens einen interessanten Podcast von einem kanadischen Anwalt. http://www.michaelspratt.com/poadcast-legal-matters/?offset=1455558028395&reversePaginate=true
Er berichtet da über Themen die seine Arbeit betreffen. Im Februar hat er nach jeder Folge von "Making a Murderer" selbst eine Folge seines Podcasts produziert und diskutiert da mit Gästen über die einzelnen Folgen. In späteren folgen führt er auch Telefoninterviews mit Strang und Buting, den Anwälten von Avery.


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

25.09.2016 um 11:31
Rick_Blaine schrieb:Allerdings. Ich war auch geschockt, als ich die Serie angeschaut habe. Ich habe ja in meiner Karriere durchaus schon zweifelhafte Fälle gehabt, und auch schon tatsächlich unschuldige Mandanten gehabt, aber in der Regel war dann auf der anderen Seite das Problem eher Inkompetenz, Borniertheit, usw. Aber nicht eine solche Boshaftigkeit, wie sie hier der Polizei zu unterstellen ist, wenn man diese Hinweise alle ernst nimmt.
Nun bin ich natürlich kein Jurist aber es ist schön das ein Jurist wie Du gleichermaßen geschockt ist von diesem Fall und seinen Begleitumständen. Ich hatte schon die Befürchtung das hier wieder irgendein Jurist in den Thread platzt und durchdringen lassen würde das niemand eine Ahnung hätte wovon er redet wenn er die Vorgehensweise von Staatsbeamten in Frage stellt weil ihm die Fachkompetenz fehlt und er daher diesen Fall überhaupt nicht einschätzen und bewerten kann.
Rick_Blaine schrieb:Mehr Probleme bereitet mir aber die Sache mit der Leichenverbrennung im backyard.
Und mir erst. Es wurden Knochenfragmente von Teresa Halbach an 2 weiteren Orten gefunden. Darunter einer Kiesgrube und einer Mülltonne die mehrere hundert Meter vom Backyard entfernt waren.

Erklärung ? Keine. Ratlosigkeit auf allen Seiten. Die Staatsanwaltschaft hatte durchdringen lassen das der Hund ein paar Knochen durch die Gegend geschleppt haben könnte nachdem das Feuer erloschen war. Wie dann aber ein Knochenfragment in die Mülltonne geriet da wusste dann die Staatsanwaltschaft auch keine Antwort drauf.

Und dann die Spurensicherung ! Lieber Himmel. Was hat die Polizei da bloss für einen Bockmist veranstaltet ? Die haben die Feuerstelle umgegraben mit handelsüblichen Schaufeln und sind vorgegangen wie Bauarbeiter auf einer Baustelle und dann wird vor Gericht ausgesagt man könne genau erklären wie dieses und jenes Knochenstück beschädigt wurde - Nämlich weil der Angeklagte auf Teresa Halbach eingeschlagen hätte. Eine Schaufel war es jedenfalls nicht. Grandiose Polizeiarbeit. Der Wahnsinn.
Rick_Blaine schrieb:Ein eindeutiges "framing" Szenario würde für mich eher nahelegen, dass die Leiche intakt auf Averys Grundstück deponiert wird, genau wie das Auto.
Allerdings aber nicht wenn man die Leiche von verräterischen Spuren befreien muss. Dazu gehören.......

1.) Man könnte evtl. Rückschliesse ziehen die den Todeszeitpunkt betreffen
2.) An einer intakten Leiche hätte man DNA-Spuren sichern können die aber nicht zu Steven Avery gehören sondern zu einer anderen Person
3.) Es würde das gezielte Handeln zur Verschleierung einer Straftat wegfallen. Hier würde man sich folgerichtig fragen wie es angehen kann das Avery eine Leiche offen auf seinem Grundstück liegen lassen würde während ganz Manitowoc nach Teresa Halbach sucht und zwangsläufig dann auch bei ihm aufschlagen würde. Das passt ja nun ganz und gar nicht zu einem Mörder seine Leiche einfach auf seinem Grundstück liegenzulassen. Hier wäre ein vorsätzliches plazieren einer Leiche durch eine unbekannte Person oder Personen geradezu offensichtlich.
Rick_Blaine schrieb:Dass die Polizei erst die Leiche verbrennt und dann Asche und Knochenteile dort deponiert halte ich für sehr unwahrscheinlich.
Okay. Ich sehe es genau anders herum ohne jetzt davon auszugehen das es wirklich auch so gewesen ist.
Rick_Blaine schrieb:Bleibt nur, dass die Polizei die Leiche bereits verbrannt gefunden hat und dann eben in dem Zustand bei Avery deponiert hat.
In dem Fall hätte die Polizei dann aber wissen müssen um wen es sich bei der verbrannten Leiche eigentlich handelte ? Okay, hier würde dann der Toyota ins Spiel kommen und die Aussage von Sgt. Colborn der sicher noch heute froh ist das man ihn nicht weiter durch die Mangel gedreht hat damals vor Gericht. Aber dann fragt man sich ja : Wer hat denn Teresa Halbach überhaupt ermordet und dann verbrannt wenn´s die Polizei selbst nicht gewesen ist ?
Rick_Blaine schrieb:Ich frage mich, ob die Verteidigung damals in der Hinsicht ausreichend recherchiert hat.
Ich bin ja wie gesagt kein Jurist aber ich hatte stets den Eindruck das die Strategie der Verteidigung einzig und allein war Zweifel zu sähen und mit Verschwörungstheorien bei der Jury zu punkten. Das war für mich aus der Sicht eines Laien eine sehr durchschaubare Strategie aber solange man damit bei der Jury punkten kann ist dagegen ja nichts einzuwenden. Viel Recherchearbeit war jedenfalls nicht erkennbar. Die Verteidigung hat in der Summe meiner Ansicht nach lediglich reagiert auf die Staatsanwaltschaft anstatt zu agieren, was umfangreiche Recherchen leider ausgeschlossen haben könnte soweit man dann aus der Doku ableiten kann.
misfit schrieb: Es sind sich aber alle die befragt wurden darüber einig dass Jury Mitglied Carl Wardman wohl schon von Anfang an die Absicht hatte Avery schuldig zu sprechen. Er soll es auch gewesen sein der am meisten Druck ausübte schnell zu einem Urteil zu kommen. Carl Wardman arbeitete zum Zeitpunkt der Gerichtsverhandlung als Freiwilliger für das Manitowoc Sheriff´s Department, und sein Sohn arbeitete dort als Sergeant.
Würde perfekt ins Bild passen hier das es so gewesen sein könnte.


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

25.09.2016 um 11:40
Was mir auch noch im Gedächtnis geblieben ist :

Da erzählt der Sheriff (ich meine er war´s, bin mir aber gerade nicht sicher. Auf jeden Fall einer von der Polizei) gegenüber der Presse :

"Warum sollte die Polizei Beweise gegen Steven Avery plazieren wenn man ihn auch einfach hätte liquidieren können ?"

Sagenhaft. Also wer "Making a Murderer" nicht gesehen hat und auch nicht sehen will der ist selber schuld.


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

25.09.2016 um 11:59
@misfit

Das ist eben eine Frage, die ich noch nicht beantworten kann. Leider fehlt da uns eben der Einblick in die detaillierten Ermittlungsergebnisse der Forensik.

@DearMRHazzard

Nun, ich will einmal etwas ansprechen, was ich persönlich immer noch ausschliesse, was aber vielleicht dem einen oder anderen mal durch den Kopf gegangen ist: ich kann mir nicht vorstellen, dass die Polizei Theresa H. getötet hat. Das geht nun doch zu weit. Mal abgesehen davon, dass sie dann irgendwie hätte wissen müssen, dass sie an jenem Tag bei Avery sein wollte, denke ich, das ist zuviel des Bösen.

Das bedeutet im Umkehrschluss: es muss einen Mörder geben.

Und das bedeutet: es ist entweder Avery oder ein Unbekannter. Warum bisher von jenem Unbekannten keinerlei Spuren zu finden waren, ist eine Frage, die man stellen muss, wenn man Avery als unschuldig betrachtet. Eine Antwort habe ich da noch nicht.

Zweitens schliesse ich aus dem Gesagten, dass die Polizei zwar eventuell die Gelegenheit wahrnahm, Avery zu "framen" als sie die Leiche und das Auto fanden, aber ich denke immer noch, dass sie dann nicht allzuviel Aufwand betreiben wollten. Einmal, weil es keine angenehme Sache ist eine Leiche zu verbrennen, absolut nicht, und zweitens weil die Gefahr besteht, dass es Zeugen gibt.

Das bringt mich zu einem dritten Punkt: wie jede gute Verschwörung hat auch diese das Problem, dass zuviele Mitwisser irgendwann der Tod der Verschwörung sind. Dass ein ganzes sheriff department so lange dicht hält ist unwahrscheinlich. Also wären vermutlich nur ganz wenige beteiligt. Je weniger aber, desto weniger Aufwand werden diese gewollt haben - ergo wieder mein Argument gegen eine Verbrennung der Leiche durch die Polizei.

Bleibt immer noch die bohrende Frage: wenn nicht Avery, wer war dann der Täter? Welches Motiv ergibt sich? Averys Problem ist, dass er darauf keine Antwort gibt/geben kann. Juristisch gesehen muss er das nicht, das ist klar, aber es würde ihm sehr nützen.

Ganz zuletzt noch ein Gedanke: es gibt auch die Möglichkeit, dass wir es hier mit zwei korrekten Thesen zu tun haben: Avery war der Täter und die Polizei hat gelogen.

Wie das?

Nehmen wir mal an, Avery wurde durch die Anwesenheit des Opfers zu einer solchen Straftat getrieben, hat aber keineswegs sie und ihr Auto auf seinem Grundstück deponiert bzw. verbrannt.

Die Polizei, die den korrekten Verdacht hat, dass Avery der Täter ist findet Auto und Leiche. Und nun, um 100% sicherzustellen, dass Avery diesmal wirklich überführt wird, kommt jemand auf die Idee, die Sache "bombensicher" zu machen und die gefundenen Dinge auf Averys Grundstück zu bringen.

Möglich?


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nodoc
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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

25.09.2016 um 12:35
@LL


Kann jemand was zu diesem Telefongespräch sagen?
Selber kenne ich den Fall nur so am Rande und habe mich damit noch nicht besonders intensiv beschäftigt. Denke ich lasse es auch lieber, zu umfangreich und zeitintensiv.
Meine Englischkenntnisse reichen auch nicht, um wirklich genau im Detail alles verfolgen zu können. Ich lese lieber mit. ;)
Mir sind noch nicht mal die genauen Umstände klar, wie Teresa Halbach zu Tode gekommen sein soll/ muss/ dürfte....?
Wollte dieses Telefongespräch nur mal hier einstellen, falls es jemanden interessiert.

https://www.dropbox.com/s/lr7iif6ca3xp5sa/Transcript%20-%20May%2013%2C%202006%20(Dassey%20to%20Mother).pdf?dl=0


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

25.09.2016 um 12:45
Rick_Blaine schrieb:Nun, ich will einmal etwas ansprechen, was ich persönlich immer noch ausschliesse, was aber vielleicht dem einen oder anderen mal durch den Kopf gegangen ist: ich kann mir nicht vorstellen, dass die Polizei Theresa H. getötet hat. Das geht nun doch zu weit. Mal abgesehen davon, dass sie dann irgendwie hätte wissen müssen, dass sie an jenem Tag bei Avery sein wollte, denke ich, das ist zuviel des Bösen.

Das bedeutet im Umkehrschluss: es muss einen Mörder geben.
Ich gehöre zu denjenigen welche die Ansicht vertreten das der Mensch als reine Lebensform grundsätzlich für schier unvorstellbaren Wahnsinn und damit verbundenen Greueltaten keine Grenzen kennt. Auch Polizisten sind Menschen. Die gute Nachricht ist : Zum Glück sind es nicht viele Menschen. Allerdings bin ich ganz bei Dir, denn ich würde momentan definitiv auch nicht soweit gehen wollen und der Polizei hier ein solches Verbrechen unterstellen wollen. Ich möchte das jedoch auch nicht gänzlich ausschliessen. Dafür sind die Vorgänge hier in diesem besonderen Fall einfach zu dubios.
Rick_Blaine schrieb:Und das bedeutet: es ist entweder Avery oder ein Unbekannter. Warum bisher von jenem Unbekannten keinerlei Spuren zu finden waren, ist eine Frage, die man stellen muss, wenn man Avery als unschuldig betrachtet. Eine Antwort habe ich da noch nicht.
Wie kann es Spuren von einem Unbekannten geben, wenn Avery es nicht gewesen sein sollte, wenn die Leiche verbrannt wurde und nur noch verkohlte Knochen und Zähne übrig blieben ?
Rick_Blaine schrieb:Zweitens schliesse ich aus dem Gesagten, dass die Polizei zwar eventuell die Gelegenheit wahrnahm, Avery zu "framen" als sie die Leiche und das Auto fanden, aber ich denke immer noch, dass sie dann nicht allzuviel Aufwand betreiben wollten. Einmal, weil es keine angenehme Sache ist eine Leiche zu verbrennen, absolut nicht, und zweitens weil die Gefahr besteht, dass es Zeugen gibt.

Das bringt mich zu einem dritten Punkt: wie jede gute Verschwörung hat auch diese das Problem, dass zuviele Mitwisser irgendwann der Tod der Verschwörung sind. Dass ein ganzes sheriff department so lange dicht hält ist unwahrscheinlich. Also wären vermutlich nur ganz wenige beteiligt. Je weniger aber, desto weniger Aufwand werden diese gewollt haben - ergo wieder mein Argument gegen eine Verbrennung der Leiche durch die Polizei.
Tja, halte mich da nicht für gefühllos aber eine Leiche zu verbrennen ist ja nun keine grosse Sache. Man muss da ja nicht unbedingt hinschauen. Es soll Menschen geben die sehen eine Leiche als eine Leiche und wenn die verbrennt dann verbrennt sie eben. Anders würde es aussehen wenn da ein Mensch verbrennen würde der noch leben würde. Das ist wäre noch eine ganz andere Dimension.

So wie es aussieht ist es nun einmal in diesem Fall eine Tatsache das die Beamten da mehrfach das Haus von Avery durchsucht haben, wenn ich mich recht erinnere sogar ganze 18x (kein Witz). Und irgendwann rein zufällig sieht dann ausgerechnet der Beamte der schon im Vergewaltigungsfall in den 80´ern ein Faktor war um Avery in den Knast zu bringen den Toyota-Schlüssel auf dem Teppich liegen. Das besondere daran ist das genau dieser Beamte zum einen überhaupt nicht suchen durfte aber sich da trotzdem breit gemacht hat und zum anderem den Schlüssel fand den zuvor niemand gefunden hat obwohl man sicher dort gesucht hatte denn die Ecke war ja frei einsehbar im Schlafzimmer.

Wie soll man das bewerten ? Die falsche Person war zum falschen Zeitpunkt am richtigen Ort ? Hier sprechen wir mal wieder vom berühmten Faktor "Zufall" der eigentlich überhaupt kein Zufall hätte sein dürfen unter realistischen Rahmenbedingungen.

Hinzuzufügen müsste man hier auch noch das der Polizeibeamte der diesen Schlüssel überhaupt nicht finden durfte weil er überhaupt nicht im Haus sein durfte sich nicht einmal eingetragen hat ins Protokoll. Dafür hat er sich jedoch wieder ausgetragen. Das ist auch wieder so ein Ding. Niemand konnte in der Verhandlung feststellen wann dieser Polizeibeamte überhaupt erschienen ist vor Ort. Wann er ihn wieder verliess aber schon. Sein Erscheinen war aber wichtig um ermitteln zu können wann er überhaupt seine Suche begann bis er dann den Schlüssel fand. Nicht feststellbar.
Rick_Blaine schrieb:Ganz zuletzt noch ein Gedanke: es gibt auch die Möglichkeit, dass wir es hier mit zwei korrekten Thesen zu tun haben: Avery war der Täter und die Polizei hat gelogen.

Wie das?

Nehmen wir mal an, Avery wurde durch die Anwesenheit des Opfers zu einer solchen Straftat getrieben, hat aber keineswegs sie und ihr Auto auf seinem Grundstück deponiert bzw. verbrannt.

Die Polizei, die den korrekten Verdacht hat, dass Avery der Täter ist findet Auto und Leiche. Und nun, um 100% sicherzustellen, dass Avery diesmal wirklich überführt wird, kommt jemand auf die Idee, die Sache "bombensicher" zu machen und die gefundenen Dinge auf Averys Grundstück zu bringen.
Ein interessanter Punkt.
Josephine77 schrieb am 15.01.2016:Möglich?
Sogar so interessant das man diese Möglichkeit auch nicht ausschliessen kann.


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