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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

1.323 Beiträge, Schlüsselwörter: Making A Murderer, Steven Avery, Brendan Dassey

Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

19.04.2016 um 05:10
Soweit ich das richtig verstanden habe, soll sie das Grundstück lebend verlassen haben und angeblich dann noch Telefonate geführt haben , oder ähnliches . Denn, auch schon in der Verhandlung kam doch zum Vorschein das jemand ihr Handy " manipuliert" hat, bzw. Nachrichten von der Mailbox löschte ( war das nicht sogar ihr eigener Bruder ? ) komischerweise wurde darauf gar nicht weiter eingegangen. Hatte mich aber schon sehr stutzig gemacht.


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

19.04.2016 um 05:13
Und ja, alle Beweise wurden von den Polizisten gefunden die nix am Tatort zu suchen hatten :)


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

19.04.2016 um 22:32
http://www.morningledger.com/steven-avery-update-phone-records-prove-teresa-halbach-was-alive-after-seeing-avery/1366854...

12 Meilen entfernt hat sich das Handy noch in eine Funkzelle eingeloggt, nachdem sie das Grundstück verlassen hatte


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

13.08.2016 um 08:59
Update:

Nachdem Brendan Dasseys Revision vor den staatlichen Gerichten Wisconsins nicht erfolgreich war, hatte jetzt ein Verfahren vor dem Bundesgericht Erfolg. Es gibt in Deutschland oder Österreich nicht genau das gleiche Rechtsmittel, man kann es am besten mit einer Verfassungsbeschwerde in Deutschland vergleichen.

Dassey hatte, m.E. völlig zu Recht, geltend gemacht, dass die Art und Weise, wie er von der Polizei vernommen wurde und wie sich sein eigener Anwalt verhalten hatte, dazu führte, dass seine verfassungsmässigen Rechte in seinem Prozess erheblich verletzt wurden.

Bundesrichter William Duffin vom Bundesbezirksgericht des östlichen Bezirks von Wisconsin sieht das genau so. Er hob daher den Schuldspruch auf und ordnete die Freilassung Dasseys an, wenn die Staatsanwaltschaft nicht innerhalb von 90 Tagen erklärt, den Prozess neu aufrollen zu wollen.

Er begründete die Entscheidung vor allem mit den Suggestivfragen der Polizisten und dem unakzeptablen Verhalten seines eigenen Anwalts während den Ermittlungen. Die Polizei habe Dasseys geistige Schwäche und seine Jugend ausgenutzt, um ohne Rechtsbeistand ein Geständnis zu erhalten. Das aber verstösst gegen die Verfassung.

Die Staatsanwaltschaft kann allerdings jetzt entweder Revision gegen diese Entscheidung beim Bundesappellationsgericht für den 7. Bezirk in Chicago einreichen und die Entscheidung anfechten, oder erklären, den Prozess erneut von Anfang an zu beginnen.

Wenn sie keines von Beidem tut, wird Dassey spätestens in 90 Tagen freigelassen.

http://www.jsonline.com/story/news/2016/08/12/dassey-wins-ruling-teresa-halbach-murder/88632502/


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

13.08.2016 um 14:44
Was ist mit der Entschädigung? Auch wenn er jetzt erneut verurteilt wurde, kann diese doch nicht einfach unter den Tisch fallen.

Und warum ist ein Sheriff im Amt, immer noch, der nachweislich schon einmal gelogen hat?


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

13.08.2016 um 15:26
Katinka1971 schrieb:Und warum ist ein Sheriff im Amt, immer noch, der nachweislich schon einmal gelogen hat?
weil man in amerika als polizist auch dann noch im amt ist, wenn man nachweislich jemanden härter als notwendig zusammenschlägt!


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

15.08.2016 um 03:57
@Rick_Blaine
Wow !!!! Danke für die Info !!!!


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

15.08.2016 um 09:45
@Katinka1971
Entschädigung gibt es nur, wenn er in einem weiteren Prozess seine Unschuld beweisen kann. Es reicht nicht aus, dass die Polizei die schuld nicht mehr nachweisen kann.


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

15.08.2016 um 19:49
@Rick_Blaine
Danke für die Info. Es wäre interessant zu sehen, ob Dasseys Anwalt sich eher auf ein Deal einlässt (Pamela Lynn Perillo entging genau so der Todesstrafe) oder ob die Staatsanwaltschaft dem zuvorkommt. Wie siehst Du die Wahrscheinlichkeit, dass die Sache beim Appellationsgericht für den 7th Circuit landet? In der Hinsicht wäre es auch interessant, mal die Appellationsrichter und deren Entscheidungen bisher nachzuschlagen.

Sollte dies scheitern, hat Dasseys noch die Option eines föderalen habeas corpus oder ist sie schon verbraucht?


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

16.08.2016 um 05:50
@Tombow
Das war der "federal habeas."

Ich habe mir die Urteile des Revisionsgerichts und des obersten Gerichts in Wisconsin nicht durchgelesen, daher weiss ich nicht, wie die beiden Gerichte zu ihrer hanebüchenen Einstellung gekommen sind. Dass sie den Fall anders sehen als Richter Duffin zeigt, dass vielleicht auch das 7. Appellationsgericht die Dinge anders sehen würde.

Ich selbst, als Jurist, kann mich nur Richter Duffin anschliessen. Ich sehe es genauso.

Wird Wisconsin Revision einlegen? Ich vermute ja, da geht es ums Prinzip. Wie die Richter im 7. Circuit entscheiden werden kann ich schlecht beurteilen, da ich sie nicht kenne, ich praktiziere in einem anderen Circuit. Man wird sehen.

Wen die Details interessieren: hier findet man die ausführliche Entscheidungsbegründung des Bundesgerichts: http://www.stevenaverycase.org/wp-content/uploads/2016/08/Dassey-Habeas-Corpus-Decision-and-Order.pdf


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16.08.2016 um 10:21
@Rick_Blaine
Danke. Erst beim zweiten Lesen des Artikels habe ich gemerkt, dass die Sache im Bundesbezirksgericht entschieden wurde. Interessant fand ich den Kommentar von Richter Duffin, dass die Argumentation von Dasseys Verteidigung in dieser Form vom Obersten Gerichtshof nicht akzeptiert worden wäre.

Habe kurz die amtierenden Richter am Appellationsgericht nachgeschlagen. Die meisten wurden von republikanischen Präsidenten nominiert, einige haben auch für die Staatsanwaltschaft gearbeitet. Gleichzeitig sind einige der Richter Juristen mit akademischem Hintergrund und eher liberal eingestellt. Sollte der Fall en banc verhandelt werden, wäre die eventuelle Urteilsbegründung höchst interessant (zumindest für mich als Laien).

Da in der ganzen Sache auch eine leichte Intelligenzminderung beim Dassey zugrunde liegt, kann ich mir durchaus vorstellen, dass sie am Ende vor dem Obersten Gerichtshof landet.

In der Hinsicht bin ich auf Colorado v. Conelly gestoßen. Die Entscheidung in dem Fall steht, deren Anwendung, Interpretation und Anwendbarkeit im Falle eines Verdächtigen mit Intelligenzminderung ist jedoch alles andere als klar. Noch ein Grund mehr für den Obersten Gerichtshof, den Fall zur Verhandlung zuzulassen, sollte es soweit kommen.


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

16.08.2016 um 10:44
Ja, allerdings war Connelly eben doch ganz anders als hier. Der Angeklagte hatte sich ja nahezu mit seinem Geständnis der Polizei aufgedrängt. Dassey hingegen passt meiner Meinung nach besser zu Blackburn, auf den Connelly ja Bezug nimmt.

Mal abgesehen davon, dass ich mich eher Richter Brennan anschliessen würde.

Am Ende dreht sich alles um die Einschätzung des Verhaltens der Polizei: war es "coercive" oder nicht.
We hold that coercive police activity is a necessary predicate to the finding that a confession is not "voluntary" within the meaning of the Due Process Clause of the Fourteenth Amendment.
Connelly, 479 U.S. 157, 167

Man wird sehen, wie das 30 Jahre nach Connelly beurteilt werden wird.


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

16.08.2016 um 15:55
Stimmt, vom Sachverhalt her ist der aktuelle Fall eher mit Blackburn vergleichbar. Im Kontext der Conelly-Entscheidung ist allerdings, inwieweit das Verhalten der Polizei "coercive" gewesen ist. Während Conelly hier das Kriterium setzt, herrscht nicht unbedingt Klarheit, was "coercive" ist und was nicht, besonders im Bezug auf eine vorhandene Intelligenzminderung.

Es ist tatsächlich interessant. Conelly ist eine Entscheidung aus Rehnquists Zeit und es geht um Intelligenzminderung. Vor nicht allzu langer Zeit hat der Oberste Gerichtshof in Atkins v. Virginia eine Entscheidung aus der Rehnquist-Ära (Penry v. Lynaugh) aufgehoben und nachfolgend in Hall v. Florida die rechtliche Position von Intelligenzgeminderten gestärkt.


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

17.08.2016 um 07:39
@Tombow
Du kennst Dich erstaunlich gut aus. Das Thema ist schon seit einigen Jahren in der Diskussion, vielleicht kann tatsächlich der Dassey Fall zum Auslöser einer höchstrichterlichen Entscheidung werden.

Der Supreme Court ist allerdings oft bemüht, Fälle zu suchen, in welchen die Themen klar abgegrenzt werden können. In Dasseys Fall kommt zur eigentlichen Thematik der mentalen Einschränkung Dasseys "leider" auch noch das krasse Fehlverhalten seines Anwalts dazu. Das tendiert dazu, die Themen zu verquirlen.

Atkins und Hall haben eine ganz andere Thematik, die der Schuldfrage und damit der Frage nach der angemessenen Strafe. Ich halte sie allerdings auch in ihrer Argumentation für sehr schlecht und daher nicht weiterführend.

Man wird sehen, was aus der Sache wird. Es gibt eine ganze Reihe Juristen die meinen, in letzter Zeit sei der Supreme Court von seiner eigenen Entscheidung in Miranda v. Arizona immer mehr abgerückt. Sollte das zutreffend sein, ich bin mir da nicht ganz sicher, dann wäre das natürlich kein gutes Klima für Dassey.


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

18.08.2016 um 10:14
@Rick_Blaine

Danke fürs Kompliment ;)
Eigentlich fing alles mit einem morbiden Interesse an der Geschichte der Todesstrafe an. Da kommt man unweigerlich dazu, sich auch mit der relevanten Rechtsprechung auseinander zu setzen.

Die Entscheidungen in Atkins und Hall habe ich nicht in Detail studiert, aber wo ich Dir recht gebe, ist, dass beides "typische" Fälle von "post-conviction relief" bei Todesurteilen sind, dementsprechend einen anderen Hintergrund haben und eine andere Motivation dahinter steckt.

Das Klima für Dassey halte ich für nicht so ungünstig, wie es aussehen mag. Nach dem Tod von Richter Scalia und der anhaltenden Vakanz steht es im Obersten Gerichtshof 4:4, wenn man die "Progressiven" gegen die "Konservativen" setzt. Die Richter Thomas, Alito und Roberts werden ihre Haltung wohl kaum ändern, Richter Kennedy auf der anderen Seite hat schon für einige Überraschungen vgesorgt. Dazu sehe ich unter den Konservativen keine klare Führungspersönlichkeit mit der Kraft, unsichere Kollegen zu überzeugen und Stimmen zu gewinnen.

Die Miranda-Entscheidung halte ich für robuster, als man zur Zeit vermuten würde. Klar ist Berghuis v. Thompkins eine denkwürdige Entscheidung, allerdings eher prozeduralen Charakters. Ich würde sagen, eine, mit der keiner so richtig glücklich ist. Eher ein Nebenschauplatz ohne viel Bedeutung.

Einen Direktangriff auf die rechtliche Grundlage von Miranda gab es mit Dickerson v. United States, und da hat selbst das "alte" Rehnquist-Gericht eine klare 6:3-Entscheidung zugunsten von Miranda getroffen.

Die Vermischung der Fragestellung mit dem Fehlverhalten könnte zum Problem werden. In dem Fall würde es wahrscheinlich darauf ankommen, wer, aus welchem Grund und vor allem wie den certiorari-Gesuch stellt.

Auf alle Fälle ein spannendes Thema für die nächste Zeit.


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

18.08.2016 um 10:58
Hast Du eigentlich die Begründung des Appellationsgerichts von Wisconsin gelesen, in welcher die Revision zurückgewiesen wurde? Falls nicht, die ist hier zu finden: https://www.wicourts.gov/ca/opinion/DisplayDocument.pdf?content=pdf&seqNo=92079


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

18.08.2016 um 11:48
Ein Verständnisfrage:
Miranda, das ist doch ein 'Grundsatzurteil', wo es darum ging, dass einem Verdächtigen seine Rechte erklärt werden müssen, oder?


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

18.08.2016 um 12:03
Genau: Miranda v. Arizona, 384 U.S. 436 (1966)

Die Aussage eines Angeklagten, die er im Polizeigewahrsam gemacht hat, kann nur vor Gericht zugelassen werden, wenn er auf sein Recht die Aussage zu verweigern, bzw. sich nicht selbst zu belasten, und sein Recht einen Anwalt hinzuzuziehen hingewiesen wurde und dieses Recht freiwillig nicht in Anspruch genommen hat und das auch verstanden hat.

Wikipedia: Miranda_v._Arizona


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18.08.2016 um 19:01
@Rick_Blaine
Habe die Begründung gelesen und irgendwie fühlte es sich an, als würde man versuchen, mit bloßer Hand eine Qualle zu fassen - für den Verstand ist die Begründung genauso weich, glitschig und von wenig Substanz.

Der Eindruck setzt sich fort, wenn man diese Begründung mit der Entscheidung von Richter Duffin vergleicht.


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Making a Murderer - der Fall Steven Avery/Brendan Dassey

18.08.2016 um 23:18
"In short, the Supreme Court has never recognized misconduct such as
Kachinsky’s as a conflict of interest under Sullivan. Therefore, federal law prohibits the
court from granting Dassey habeas relief on this claim. Although Kachinsky’s
misconduct might support a claim for relief under Strickland, Dassey never made this
argument to the state courts or to this court. Consequently, federal law likewise
prohibits the court from considering whether Dassey would be entitled to habeas relief
on this alternative basis."

Erstaunlich fand ich beim Lesen dieser Passage der Entscheidung, dass die Verfahrensrüge wegen des Fehlverhaltens des Anwalts anscheinend allein deshalb abgewiesen wurde, weil man sich aus Sicht des Gericht auf den falschen Präzedenzfall berufen hat. Am Rande klang ja an, dass bei Berufung auf den Fall Strickland auch insoweit Erfolg denkbar gewesen wäre.

Ich wusste, dass der Beibringungsgrundsatz bzw das adversarial principle im USRecht viel mehr Gewicht hat und iuria novit curia (das Gericht kennt das Recht) eher weniger. Aber besonders im Strafrecht finde ich das fragwürdig. Der Angeklagte ist dann sehr von einem guten Anwalt abhängig. Was meint ihr @Rick_Blaine
@Tombow
?


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