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Schwarmintelligenz bei der Betrachtung von Kriminalfällen

28 Beiträge, Schlüsselwörter: Kriminalfälle, Schwarmintelligenz

Schwarmintelligenz bei der Betrachtung von Kriminalfällen

08.10.2020 um 13:25
In der Natur gibt es viele Vorbilder für kollektives Problemlösen: Termiten sind Verwandte der Kakerlaken, meist haben sie keine Augen. Sondert man eine Termite von ihrem Volk ab, wirkt sie hilflos und verloren. Doch vereint errichten die Insekten Bauten, die neun Meter hoch sein können. Über den Kraftakt hinaus ist das eine technische Wunderleistung. Obwohl man keiner einzelnen Termite Expertise als Ingenieur oder Architekt zusprechen kann, sind die Hügel der Tiere raffinierte Gebilde aus Gängen und Kammern, die nicht nur stabil sind, sondern auch so angelegt, dass Luftströme sie auf natürliche Weise kühlen.
Fans von Pferderennen wurden aufgefordert, vorherzusagen, welche vier Tiere beim Derby zuerst über die Ziellinie laufen würden. Eine schwierige Aufgabe – mathematisch stehen die Chancen, alle vier Sieger in der korrekten Reihenfolge zu nennen, bei 540:1. Keiner der Fans lag richtig. Doch als eine Software die Einzelprognosen kombinierte, ergab sich die korrekte Reihenfolge.

In einem anderen Versuch sollten Kinder schätzen, wie warm es in dem Raum war, in dem sie sich aufhielten. Der Mittelwert ihrer Schätzungen traf die tatsächliche Temperatur auf 0,4 Grad Celsius genau.
https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2020/pause/kurt-sova-das-kollektiv-ermittelt?utm_source=...



Hallo,

hier im Forum gibt es ja bereits einige Fälle, die sich diese Methode zu Eigen machen, z.B. Peggy Knobloch, Hinterkaifeck, Lars Mittank, Frauke Liebs...

um nur einzelne Fälle zu nennen.


In den Vereinigten Staaten wird diese Methode nun durch Präsenzmeetings institutionalisiert,

über den Link findet Ihr weitere Informationen.


In einem Fall räumte ein Nachbar -unter dem Druck der Öffentlichkeit- bereits seine Täterschaft ein, widerrief dieses Geständnis später jedoch.


Wichtig ist hierbei natürlich ein definierter Rahmen, um Ausschweifungen (Stalking / Mobbing) oder Selbstjustiz zu vermeiden.

Über den Link könnt Ihr Euch ein Bild des bisher eingesetzten Konzepts machen.


Was haltet Ihr davon?

Auch in Europa denkbar / machbar?


Ich würde mich über konstruktive Beiträge freuen.



Able_Archer.


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Schwarmintelligenz bei der Betrachtung von Kriminalfällen

08.10.2020 um 14:37
Zitat von Able_ArcherAble_Archer schrieb:Was haltet Ihr davon?
Nichts, absolut gar nichts. Für die Rechtsfindung gibt es spezialisierte Institutionen und die nennt man Gerichte. Bezogen auf die Ermittlungstätigkeit gibt es die Staatsanwaltschaft und die Polizei. Und dabei sollte es auch bleiben. Bereits das aus dem Link ersichtliche Beispiel ist mehr als abschreckend: Dritten werden Teile der Ermittlungsakte zugänglich gemacht ... der Datenschutz lässt grüßen ...

Davon abgesehen bin ich nicht der Auffassung, dass es bezogen auf den Menschen tatsächlich so etwas wie eine Schwarmintelligenz gibt. Mein persönliches Empfinden und meine persönlichen Erfahrungen, auch und gerade hier bei Allmy, belegen eher das Gegenteil.

Und um die Frage zu beantworten
Zitat von Able_ArcherAble_Archer schrieb:Auch in Europa denkbar / machbar?
Nein, definitiv nicht. Da ist zum Glück das Recht vor.


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Schwarmintelligenz bei der Betrachtung von Kriminalfällen

08.10.2020 um 15:03
Nein.

Nur ein Schlaglicht: Scarlett (26) beim Wandern im Schwarzwald verschollen (Beitrag von Rick_Blaine)

Schwarmintelligenz ist eine Fiktion, sie hat mit Realität nichts zu tun. Daran sind schon die "Piraten" kläglich gescheitert.
Nur Teilnehmer, die auf einem ähnlichen Niveau sind, was Ausbildung, Kenntnisstand und Motivation anbelangt, und die sich gegenseitig vertrauen, Arbeit aufteilen, konstruktiv kommunizieren und einer gewissen Grunddisziplin verpflichtet sind, die können auch gemeinsam Arbeitsergebnisse erreichen. Also die klassische Teamarbeit, der Austausch von Wissenschaftlern oder von Handwerkern. Und im Bereich der Ermittlung die SOKO, BAO, EG oder was auch immer.

Dagegen scheitert ein Thread wie "Scarlett" oder "Rebecca" schon daran, dass der "Schwarm" nicht alle Erkenntnisse hat, sondern nur öffentlich vermittelte. Ist hier ein entscheidendes Detail nicht bekannt, rennt der ganze Haufen in die falsche Richtung. Und meistens stolpert der Haufen blind, undiszipliniert, hypermotiviert aber aus völlig unterschiedlichen oder konträren Hintergründen kommend, durch die Gegend. Ich denke mir oft, ein Rechtsanwalt oder KHK, der die Ermittlungsakten sichten kann, der ist viel weiter als ein 1000 Hobby-Detektive. Die sichern auch keine Beweismittel, befragen nicht rechtssicher und streiten oft schon untereinander über wichtige oder unwichtige Dinge (die aber jeder gleich wichtig hält).

Nur in einem historischen Fall wie "Hinterkaifeck", wo alle Akten auf dem Tisch liegen, da kann eine arbeitsteilige, disziplinierte Gemeinschaft gemeinsam Stoff aufarbeiten, Exzerpte anfertigen, Möglichkeiten abchecken. Oder die Plagiats-Gruppen, die eine wissenschaftliche Qualifikationsarbeit nach Fehlern durchsuchen. Hier sind es wissenschaftlich vorgebildete Menschen, die unter der Fahne "wissenschaftliches Arbeiten" im Konsens forschen und dafür ein System entwickelt haben, wie mit Erkenntnissen umgegangen wird. Im Kriminalfall-Bereich tummeln sich aber viel zu viele Leute, die völlig unterschiedliche Herangehensweisen, Hintergründe und Motivationen haben.


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Schwarmintelligenz bei der Betrachtung von Kriminalfällen

08.10.2020 um 15:21
Zitat von Able_ArcherAble_Archer schrieb:Was haltet Ihr davon?
Nichts. Ich glaube nicht, dass die Mitglieder solcher Gruppen, selbst wenn sie sich zur Vertraulichkeit verpflichten, wirklich alle dichthalten, wenn sie Ermittlungsakten zu sehen bekommen, Da sickert immer etwas nach draußen, weil einige nicht dichthalten können und sich wichtig machen wollen. Heutzutage rennt doch alles zur Bild oder zu RTL....Außerdem sind dem Denunziantentum Tür und Tor geöffnet.
Zitat von DoctorWhoDoctorWho schrieb:Davon abgesehen bin ich nicht der Auffassung, dass es bezogen auf den Menschen tatsächlich so etwas wie eine Schwarmintelligenz gibt. Mein persönliches Empfinden und meine persönlichen Erfahrungen, auch und gerade hier bei Allmy, belegen eher das Gegenteil.
Wohl wahr, wenn man das Beispiel Allmy nimmt....


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Schwarmintelligenz bei der Betrachtung von Kriminalfällen

08.10.2020 um 16:57
Es gab eine kurzlebige, von CBS aufgelegte Fernsehserie, wo ein Programmierer das gleiche versucht hat und ein System erschaffen hat, was Schwarmintelligenz zur Aufklärung von Verbrechen eingesetzt hat. Die Serie hieß "Wisdom of the Crowd" und wurde nach der ersten Staffel abgesetzt. Aus diversen Gründen, darunter auch schwache Einschaltquoten.

Es passt einfach nicht, das haben auch in der virtuellen Welt die Zuschauer gespürt.


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Schwarmintelligenz bei der Betrachtung von Kriminalfällen

08.10.2020 um 21:00
Zitat von Able_ArcherAble_Archer schrieb:Was haltet Ihr davon?
Auch muss sagen das dieser Ansatz ins Leere läuft (laufen muss).

Für cold case Fälle ist die einzig erfolgversprechende Methode ein neues Team von Ermittlern mit dem Fall zu betrauen.
Sprich ein Team von erfahren Ermittlern die vorher keine Verbindung mit dem Fall hatten und quasi bei NULL anfangen zu ermitteln.
Sprich es gibt nur Fakten, Ermittlungserkenntnisse aus dem alten Team müssen außen vor bleiben. Nur so kann man neue Ansätze finden und verfolgen...
Das hat bisher schon gute Ergebnisse gebracht.
Zitat von DoctorWhoDoctorWho schrieb:der Datenschutz lässt grüßen ...
Datenschutz hin oder her, die Aufklärung von z.B. Verbrechen wird dadurch oft erschwert.
Welches Gut uns wichtiger ist, da hat jeder eine andere Meinung. Ein sehr schwieriges Feld.... (auch ich bin mir nicht sicher welcher Weg da der bessere ist)

Almy2812


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Schwarmintelligenz bei der Betrachtung von Kriminalfällen

09.10.2020 um 04:42
Zitat von DoctorWhoDoctorWho schrieb:Davon abgesehen bin ich nicht der Auffassung, dass es bezogen auf den Menschen tatsächlich so etwas wie eine Schwarmintelligenz gibt. Mein persönliches Empfinden und meine persönlichen Erfahrungen, auch und gerade hier bei Allmy, belegen eher das Gegenteil.
Genau so ist es und damit ist eigentlich alles gesagt.


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Schwarmintelligenz bei der Betrachtung von Kriminalfällen

09.10.2020 um 08:43
Ich halte nichts davon, wir wissen hier zb viel zu wenig über die Fälle. Man kann interessante Diskussionen führen, einiges ist sehr interessant, aber vieles ist halt reine Spekulation.
Daa Risiko, Unschuldige in ein Unglück zu stürzen, wäre viel zu gross


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Schwarmintelligenz bei der Betrachtung von Kriminalfällen

09.10.2020 um 09:24
Zitat von Able_ArcherAble_Archer schrieb:In den Vereinigten Staaten wird diese Methode nun durch Präsenzmeetings institutionalisiert,

über den Link findet Ihr weitere Informationen.
Da steht ja dass es in den USA 250.000 ungelöste Mord-Fälle gibt, hier sicher auch hunderte bis tausende, und wenn die erstmal ruhen, und etwa Verwandte immer noch drunter leiden, kann es nicht viel schaden.
In seltenen Fällen haben solche privaten Ermittlungen im Team ja auch schon was gebracht.

Allerdings muss es der Fall auch hergeben. Man kann nicht einfach fehlende Spuren durch kollektive Denkarbeit herbeibringen.
Interessierte Laien können aber schon auch aufmerksame Beobachter und Kombinierer sein.
Ich den USA gibt es z.B. privat-unentgeltlich organisierte Leichensucher (Necrosearch), die alle auf ihre Art professionell sind (Botaniker, Hundeführer, IT-ler usw) die schon viele Fälle lösten indem sie die vermissten Opfer fanden.
Ich glaub die Leute müssen aber schon einen ziemlichen Ernst mitbringen und die Beweismittel und Asservate, die vorliegen einordnen können. Und nicht einfach nur die typische Neugier&Spekulationslust mitbringen. Oder "ihre Theorie" durchdrücken wollen, wie das in Foren gängig ist. Das klappt dann nicht.

Ich glaub die Amis sind da etwas aufgeschlossener, was das Einbinden des Bürgers eingeht, da dürfen Normalos auch eher bei Vermisstensuchen unterstützen. Das ist hierzulande ja auch eher verpönt.


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Schwarmintelligenz bei der Betrachtung von Kriminalfällen

09.10.2020 um 10:22
Zitat von GhOuTaGhOuTa schrieb:Ich glaub die Amis sind da etwas aufgeschlossener, was das Einbinden des Bürgers eingeht, da dürfen Normalos auch eher bei Vermisstensuchen unterstützen. Das ist hierzulande ja auch eher verpönt.
Das mit der Hilfe durch Normalos bei der Vermisstensuche halte ich (außerhalb von sachdienlichen Hinweisen, um die die Bevölkerung ja regelmäßig gebeten wird), für eine zweischneidige Sache. Einerseits ist es natürlich gut, wenn sich die Bevölkerung für den Fall interessiert und mithelfen will, andererseits können bei der Suche durch Nicht-Fachleute aber auch Spuren zerstört werden. Wenn etwa in einem bestimmten Suchgebiet jemand vermisst wird und diverse Laien trampeln darin mehr oder weniger ziellos herum, kann das unter Umständen eine Aufklärung weit eher be- bzw. verhindern als dass es etwas nützt.


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Schwarmintelligenz bei der Betrachtung von Kriminalfällen

09.10.2020 um 10:46
Was genau soll das hier eigentlich sein: "Schwarmintelligenz"?

Ich kenne das eher als Begriff für eine Intelligenz, die größer ist als die eines einzelnen Individuums, z.B. bei Ameisen oder Bienen.


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Schwarmintelligenz bei der Betrachtung von Kriminalfällen

09.10.2020 um 10:49
Das Problem stellt sich eigentlich auch nicht oft. Selbst in den USA ist es ja nicht so, dass sich da der Friseur, der Bäcker und der Klempner des Dorfes zusammensetzen und sagen, so, jetzt schauen wir mal, ob wir den Fall nicht besser lösen als der Sheriff.

Bei den erwähnten privaten Gruppen handelt es sich meist nämlich keineswegs um "Normalos," sondern in der Regel um pensionierte Polizeibeamte, um Fachleute aus anderen Disziplinen, also um Menschen, die im Prinzip nicht eine "Schwarmintelligenz" den echten Fachleuten gegenüberstellen, sondern eher die limitierten öffentlichen Kapazitäten ergänzen wollen. Wenn die Polizei nicht wochenlang irgendwo Spuren suchen kann, weil sie noch andere Aufgaben hat, dann können pensionierte Kollegen, die wissen worauf man bei einer solchen Suche achten muss, durchaus einen positiven Beitrag leisten.

Aber die Vorstellung, dass sich irgendwelche Forenmitglieder nur mal zusammensetzen brauchen, und voila, der Fall ist gelöst, weil sie mehr "Schwarmintelligenz" auf die Beine stellen, als die erfahrenen Ermittler, die ist sehr sehr unrealistisch.


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Schwarmintelligenz bei der Betrachtung von Kriminalfällen

09.10.2020 um 12:04
Ein sehr interessantes Thema wie ich finde.
Zitat von GhOuTaGhOuTa schrieb:Allerdings muss es der Fall auch hergeben. Man kann nicht einfach fehlende Spuren durch kollektive Denkarbeit herbeibringen.
Interessierte Laien können aber schon auch aufmerksame Beobachter und Kombinierer sein.
Ich den USA gibt es z.B. privat-unentgeltlich organisierte Leichensucher (Necrosearch), die alle auf ihre Art professionell sind (Botaniker, Hundeführer, IT-ler usw) die schon viele Fälle lösten indem sie die vermissten Opfer fanden.
Ich glaub die Leute müssen aber schon einen ziemlichen Ernst mitbringen und die Beweismittel und Asservate, die vorliegen einordnen können. Und nicht einfach nur die typische Neugier&Spekulationslust mitbringen. Oder "ihre Theorie" durchdrücken wollen, wie das in Foren gängig ist. Das klappt dann nicht.
Dem stimme ich zu.
Mir fällt dazu gerade der erste Code im "Zodiac"-Fall ein, der von diesem Lehrerehepaar entschlüsselt wurde, nachdem sich die Fachleute bei FBI, CIA u ä schon daran "die Zähne ausgebissen" hatten, es kann also in manchen Fällen - unter bestimmten Umständen - durchaus hilfreich sein, auch mal "fachexterne" Leute mit ins Boot zu holen, die vll von einem anderen Standpunkt aus an ein Problem / eine Aufgabenstellung herangehen.
Letztendlich tun dies auch die "neuen" (bisher nicht mit dem betreffenden Fall betrauten) Ermittler in den cold-case-units nichts anderes, wie bereits ein anderer User*in angemerkt hatte.
Denke, es kommt immer sehr auf den individuellen Fall an, es gibt sicherlich auch genügend Fälle, in denen es wenig sinnvoll oder gar kontraproduktiv wäre, "Laien" mit in die Ermittlungen einzubeziehen.
Zitat von Rick_BlaineRick_Blaine schrieb:Aber die Vorstellung, dass sich irgendwelche Forenmitglieder nur mal zusammensetzen brauchen, und voila, der Fall ist gelöst, weil sie mehr "Schwarmintelligenz" auf die Beine stellen, als die erfahrenen Ermittler, die ist sehr sehr unrealistisch.
Da hast Du m E vollkommen Recht.


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Schwarmintelligenz bei der Betrachtung von Kriminalfällen

09.10.2020 um 12:33
Es ist schade, dass manch einer für solch ein Experiment gar nicht geistig offen wäre. Von vornherein wird das Haar in der Suppe gesucht, warum das sowieso nicht funktioniert. Ja, dann tut es das auch nicht.

Geht ja meinem Verständnis nach nicht explizit um das Forum und dessen Mitglieder, sondern um x-beliebige Menschen (wozu dann die Mitglieder auch wieder zählen – der Vollständigkeit halber).
Und aus dem Wissen oder der Erfahrung anderer zu schöpfen KANN hilfreich sein. Im Grunde kann so ein Experiment auch gar nichts bringen, außer eben der Gewissheit, dass manches entscheidende Puzzleteil (Zeugen, Beweise, Leiche) noch fehlt.

Gerade alte Fälle, die immer noch „in der Schublade“ warten, wären dafür gut geeignet. Aktuelle Kapitalverbrechen vielleicht weniger.
Und es ist ein Unterschied ob man die Akten in vollem Umfang studieren kann oder ob man lausig verfasste Pressehäppchen serviert bekommt, wo sich alles zusammengereimt werden muss und es erst nach vielen Jahren ein Bild ergibt.
Wertvolle Zeit, die Tätern in die Hände spielt.

Aber Halt! Da war doch was! Es könnte durchaus so sein, dass solche Unternehmungen wegen des angesprochenen Datenschutzes gar nicht zulässig wären. (Man könnte es in manchem Fall auch zynisch erweiterter Täterschutz nennen.)

Zu sagen, dass stinknormale Leute nichts für sich behalten können, entbehrt jeder Grundlage. Ich erinnere da nur an ein „Leck“ im Fall Bögerl aus den eigenen Reihen der Polizei. Oder Ermittlungen gegen Rockerbanden in Frankfurt. Da liefen Ermittlungen gegen einen Kriminalhauptkommissar.
Ach, diese Annahme, alles was Uniform oder Titel trägt, wäre gleichzeitig guter Leumund ist überholt.
Da wo Menschen arbeiten, wird es immer „Falschspieler“ geben, die sich Vorteile erhoffen.

Ich persönlich bin gar nicht so der True-Crime Fan, dennoch gibt es Fälle, die mir auffallen oder nahe gehen. Und ich bin dafür, dass möglichst ein noch lebender Täter zur Rechenschaft gezogen kann. Das wäre er dem Opfer und sich selbst schuldig. Und ob dieser Täter durch die Denkakrobatik einer 54-jährigen Hausfrau, die Spitzfindigkeit eines 18 Jahre alten Azubis oder zufällig durch die Putzfrau des Polizeipräsidiums ermittelt werden würde, wäre mir gleich.

Fazit: Versuch macht kluch!


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Schwarmintelligenz bei der Betrachtung von Kriminalfällen

09.10.2020 um 16:17
Zitat von NaturalJuiceNaturalJuice schrieb:Fazit: Versuch macht kluch!
Hast du einen Vorschlag, welche Voraussetzungen die Leute mitbringen müssten, die an so einem Versuch teilnehmen?
Und: Wer soll diese Leute auswählen?


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Schwarmintelligenz bei der Betrachtung von Kriminalfällen

09.10.2020 um 17:14
Zitat von Rick_BlaineRick_Blaine schrieb:Das Problem stellt sich eigentlich auch nicht oft. Selbst in den USA ist es ja nicht so, dass sich da der Friseur, der Bäcker und der Klempner des Dorfes zusammensetzen und sagen, so, jetzt schauen wir mal, ob wir den Fall nicht besser lösen als der Sheriff.
An der Veranstaltung um die es im verlinkten Artikel geht konnte aber tatsächlich jeder teilnehmen der die Teilnahmegebühr bezahlt hat. Und der Sheriff hatte nichts dagegen.
Zitat von Rick_BlaineRick_Blaine schrieb:Aber die Vorstellung, dass sich irgendwelche Forenmitglieder nur mal zusammensetzen brauchen, und voila, der Fall ist gelöst, weil sie mehr "Schwarmintelligenz" auf die Beine stellen, als die erfahrenen Ermittler, die ist sehr sehr unrealistisch.
Ich denke das ist sowohl den Behörden, den Angehörigen des Opfers, den Veranstaltern sowie den Teilnehmern durchaus bewusst.
Zitat von Able_ArcherAble_Archer schrieb:Auch in Europa denkbar / machbar?
Zumindest in Deutschland kann ich mir nicht vorstellen dass es etwas ähnliches in naher Zukunft geben wird. Der eine oder andere Ermittler hätte vielleicht gar nichts dagegen, aber wenn es um Akteneinsicht geht muss das vermutlich in den zuständigen Ministerien entschieden werden, und die lassen so etwas garantiert nicht zu. Außerdem brauchst du eine Firma die das ganze aufzieht, und genug interessierte die bereit wären dafür zu bezahlen. Der True-Crime Markt ist im englischsprachigen Raum um ein vielfaches größer als hier. Dort sind Leute die in ihrer Freizeit True-Crime Podcasts gemacht haben quasi über Nacht zu Millionären geworden. Davon sind wir hierzulande noch weit entfernt. Hier ist Aktenzeichen XY auf diesem Gebiet immer noch das Nonplusultra, was die Reichweite betrifft, haha.


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Schwarmintelligenz bei der Betrachtung von Kriminalfällen

09.10.2020 um 17:59
Von einer sogenannten "Schwarmintelligenz" halte ich nicht viel. Ich beziehe mich jetzt nur mal auf Allmy. Etliche ungeklärte Mord- oder auch Vermisstenfälle werden hier ad nauseam durchgekaut. Es ist oftmals ein einziges Karussell. Liegt mal ein Fall brach, und man freut sich, dass jetzt mal Ruhe ist, kommt immer wieder einer daher, der von vorne anfängt.


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Schwarmintelligenz bei der Betrachtung von Kriminalfällen

10.10.2020 um 02:36
Ja, das sehe ich auch so. Versuch hat nicht kluch gemacht. Ich denke nur an den grauenhaften Rebecca thread, da stehen mir immer noch die nicht vorhandenen Haare zu Berge.

Das Fazit ist für mich, so wie ich die Erforschung der Ursache und die Behandlung von Krankheiten den Medizinern überlasse und keinesfalls der "Schwarmintelligenz" des Internets vertraue, denke ich auch bei Kriminalfällen, dass diese in der Regel in der Hand von Fachleuten besser aufgehoben sind.


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Schwarmintelligenz bei der Betrachtung von Kriminalfällen

10.10.2020 um 07:59
Schließe mich den vorherigen Meinungen an. Halte ich auch nicht viel von, selbst wenn mal ein Glückstreffer dabei sein sollte, auf den erfahrene Ermittlungsbeamte (noch) nicht gekommen sind.

Hobby sollte Hobby bleiben und nicht mehr. Hier im Forum darf natürlich gerne ermittelt werden, was das Zeug hält, auch wild spekuliert, so lange mit den internen Forumsregeln sowie mit allgemeinen Gesetzen noch konform.
Zitat von AndanteAndante schrieb:Das mit der Hilfe durch Normalos bei der Vermisstensuche halte ich (außerhalb von sachdienlichen Hinweisen, um die die Bevölkerung ja regelmäßig gebeten wird), für eine zweischneidige Sache. Einerseits ist es natürlich gut, wenn sich die Bevölkerung für den Fall interessiert und mithelfen will, andererseits können bei der Suche durch Nicht-Fachleute aber auch Spuren zerstört werden. Wenn etwa in einem bestimmten Suchgebiet jemand vermisst wird und diverse Laien trampeln darin mehr oder weniger ziellos herum, kann das unter Umständen eine Aufklärung weit eher be- bzw. verhindern als dass es etwas nützt.
Gutes Argument sich dagegen auszusprechen. Ich würde es gerne noch erweitern und zwar bestünde auch noch je nach Gemüt der Suchenden, Überzeugung, Tatendrang und Helfersyndrom die Gefahr Rechte Dritter bei irgendwelchen privaten Suchaktionen zu verletzen. Beispielsweise eindringen in befriedetes Besitztum.


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Schwarmintelligenz bei der Betrachtung von Kriminalfällen

10.10.2020 um 15:09
Was soll denn bitte die sogenannte "Schwarmintelligenz" mit der Betrachtung von Kriminalfällen bewirken? Was ist denn mit "Betrachtung" genau gemeint? Akteneinsicht für Alle?

Die deutschen Ermittlungsbehörden sollten sich eher mal ein Vorbild an den israelischen Geheimdiensten nehmen, die für spezielle Aufgaben Autisten / Menschen mit Asperger-Syndrom beschäftigen. Deren Talente könnten den einen oder anderen Cold Case neue Ermittlungsansätze liefern.


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