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Mordfall Tanja Spirou

32 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Mord, NRW, 2016 ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Mordfall Tanja Spirou

15.12.2020 um 23:00
Hallo zusammen,

aufgrund des als "Wiederaufnahme-Spezialist" bezeichneten Anwalts Gerhard Strate bin ich auf den Mordfall Tanja Spirou gestoßen. Frau Spirou wurde - so stellte es das Landgericht Bielefeld im Jahre 2017 rechtskräftig fest - von ihrem Ex-Mann Georgios Spirou, einem schwerreichen Unternehmer, mit zwei Schüssen in ihrem Auto förmlich hingerichtet. Dem Verbrechen ging ein langer Rosenkrieg um die beiden gemeinsamen Kinder voraus.

Strate, der erst neulich mit einem WA-Antrag in Sachen Andreas Darsow ("Doppelmord Babenhausen") in allen Instanzen scheiterte, hat sich nun dieser Angelegenheit angenommen und will eine Wiederaufnahme des Verfahrens erreichen. Zu Strates "Leistungspaket" gehört offenbar auch PR:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/auch-justitia-kann-irren-wenn-strafverfahren-wieder.976.de.html?dram:article_id=487595

Das Urteil des Landgerichts ist hier abrufbar:

https://strate.net/de/dokumentation/Spirou-Urteil-LG-Bielefeld-2017-05-19.pdf

Hier findet ihr einige Presseberichte aus dem Jahre 2016/17 zu dem Fall:

https://www.bild.de/regional/ruhrgebiet/ehe-drama/weiterdrehe-zum-bielefeld-mord-47911380.bild.html
https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Bielefeld/Bielefeld/2738655-Mordprozess-Bielefeld-Senne-Unternehmer-Georgios-S.-soll-seine-Frau-erschossen-haben-Mutter-erzaehlt-von-symboltraechtigem-Todesdatum

Ich freue mich auf eine interessante Diskussion!


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Mordfall Tanja Spirou

16.12.2020 um 06:59
Zitat von Deus_ex_MachinDeus_ex_Machin schrieb:Strate, der erst neulich mit einem WA-Antrag in Sachen Andreas Darsow ("Doppelmord Babenhausen") in allen Instanzen scheiterte, hat sich nun dieser Angelegenheit angenommen und will eine Wiederaufnahme des Verfahrens erreichen. Zu Strates "Leistungspaket" gehört offenbar auch PR:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/auch-justitia-kann-irren-wenn-strafverfahren-wieder.976.de.html?dram:article_id=487595
Das erinnert ein bisschen an Kafkas Prozess: Ein völlig unbescholtener Bürger wartet - rechtstreu wie er ist - an der roten Ampel und wird aus dem Nichts heraus von den Schergen eines düsteren Unrechtssystems entführt, aus dem es kein Entrinnen gibt.

In einem entscheidenden Punkt weicht die Darstellung dann aber von der literarischen Vorlage ab: Für Spirou steht ein Happy in Aussicht, dank RA Strate...

Mit der Wirklichkeit hat das alles wenig zu tun, wie man selbst diesem extrem einseitigen Artikel entnehmen kann. Unter anderem wurden ja Patronenhülsen am Tatort gefunden, auf denen Spirous Fingerabdrücke nachgewiesen werden konnten.

Trotzdem hat Herr Strate Spirous Unschuld durch Anwendung einer wissenschaftlich fundierten Methodik praktisch unzweifelhaft nachgewiesen:
Er machte mir nicht den Eindruck eines Täters.
Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/auch-justitia-kann-irren-wenn-strafverfahren-wieder.976.de.html?dram:article_id=487595

Den Widerspruch zwischen Überzeugung und Wirklichkeit löst der Rechtsanwalt sodann gekonnt mithilfe einer Verschwörungstheorie auf:
„Und das ist jetzt die Schlussfolgerung dazu: Dass diese Patronenhülsen nichts mit der Tat zu tun hatten, sondern dass sie gezielt am Tatort als Spur gelegt worden sind“, erklärt er
Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/auch-justitia-kann-irren-wenn-strafverfahren-wieder.976.de.html?dram:article_id=487595

In dem Artikel finden sich darüber hinaus weitere "Argumente" für Spirous Unschuld. Die meisten davon sind nach der Bauart "der Angeklagte hätte nie einen Fehler begangen, der ihn ins Gefängnis gebracht hätte".


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Mordfall Tanja Spirou

16.12.2020 um 07:45
Zitat von falstafffalstaff schrieb:Mit der Wirklichkeit hat das alles wenig zu tun, wie man selbst diesem extrem einseitigen Artikel entnehmen kann. Unter anderem wurden ja Patronenhülsen am Tatort gefunden, auf denen Spirous Fingerabdrücke nachgewiesen werden konnten.
Kleine Korrektur: Es wurden keine Fingerabdrücke, sondern die DNA des Verurteilten gefunden - und das nicht nur an Patronenhülsen, sondern auch noch an einem Gewehrfutteral und einer Sturmhaube, die ebenfalls am Tatort gefunden wurden.

Natürlich ist die Frage berechtigt, wie jemand der als Kontrollfreak beschrieben wird so dumm oder so ungeschickt sein kann, so viele eindeutige Spuren zu hinterlassen. Wer das für ausgeschlossen hält, muss wiederum beantworten, wer außer Spirou diese Spuren gelegt haben könnte. Das kann nur entweder ein Alternativtäter gewesen sein der gleichzeitig Zugriff auf Spirous DNA-Material hatte, oder aber ein Ermittler.
Falls ein Alternativtäter die Fehlspuren gelegt hätte, müsste der aus dem unmittelbaren Umfeld Spirous kommen und gleichzeitig ein Motiv gehabt haben. Falls es ein Polizist gewesen sein soll, müsste der ebenfalls im Vorfeld der Tat Zugriff auf Spirous DNA gehabt haben, weil die Spuren ja unmittelbar nach der Tat gesichert wurden.
Wer die falschen Spuren gelegt haben soll, beantwortet Strate nicht - muss er auch nicht. Das macht seine Behauptung aber eben auch nicht glaubwürider.


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Mordfall Tanja Spirou

16.12.2020 um 07:46
Mal kurz angemerkt ist es ein absolutes no-go, dass die Metallkugeln bereits vernichtet wurden.

In diesem Fall scheinen ja einige Patzer passiert zu sein... :(


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Mordfall Tanja Spirou

16.12.2020 um 07:49
Zitat von cassandra71cassandra71 schrieb:Mal kurz angemerkt ist es ein absolutes no-go, dass die Metallkugeln bereits vernichtet wurden.
Müssen Beweismittel auch nach einem rechtskräftig gewordenen Urteil weiterhin aufgehoben werden?


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Mordfall Tanja Spirou

16.12.2020 um 07:50
Zitat von falstafffalstaff schrieb:Falls ein Alternativtäter die Fehlspuren gelegt hätte, müsste der aus dem unmittelbaren Umfeld Spirous kommen und gleichzeitig ein Motiv gehabt haben.
Ja, die Frage stellt sich.

Wer hat ein Motiv, Spirou hinter Gitter zu bringen, indem er ihm einen Mord anhängt und dafür den Tod einer Person (Tanja) in Kauf nimmt, von deren Ableben er ansonsten nicht profitiert?


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16.12.2020 um 07:54
Zitat von falstafffalstaff schrieb:Müssen Beweismittel auch nach einem rechtskräftig gewordenen Urteil weiterhin aufgehoben werden?
Keine Ahnung, ob es da gesetzliche Aufbewahrungsfristen gibt, aber man muss doch damit rechnen, dass, wie hier, ein Wiederaufnahmeantrag gestellt wird?


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Mordfall Tanja Spirou

16.12.2020 um 08:06
Zitat von cassandra71cassandra71 schrieb:Keine Ahnung, ob es da gesetzliche Aufbewahrungsfristen gibt, aber man muss doch damit rechnen, dass, wie hier, ein Wiederaufnahmeantrag gestellt wird?
Die Rechtskraft ist meines Wissens ein ziemlich starkes Statement - welchen Sinn würde das machen, wenn man jederzeit damit rechnen müsste, dass ein rechtskräftig abgeschlossener Fall neu verhandelt werden muss?

Eine Wiederaufnahme ist ein absoluter Ausnahmefall, auch wenn durch Herrn Strate und seine Fans mittlerweile der Eindruck entstanden ist, dass es sich einfach nur um eine weitere Instanz auf dem Rechtsweg handelt.

Aufgrund dieser Überlegungen bin ich der Meinung, dass die Vernichtung von Beweismitteln nach der Rechtskraft eines Urteils zumindest kein Justizskandal ist.

Im Wikipedia-Artikel zum Thema Asservate findet sich dazu das folgende Zitat:
Asservate werden in der Regel nur so lange aufbewahrt, bis der Grund für deren Verwahrung entfällt. Im Ordnungswidrigkeiten- oder Strafverfahren trifft dies zu, wenn diese nicht mehr als (sächliches) Beweismittel benötigt werden; dies ist in der Regel der Fall, wenn die kriminalistischen Untersuchungen abgeschlossen sind oder auch, wenn das Strafverfahren abgeschlossen ist.
Vielleicht können sich Juristen mal zu dieser interessanten Frage äußern?


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Mordfall Tanja Spirou

16.12.2020 um 11:32
Die Asservate dürfen nach Rechtskraft eines Urteils vernichtet werden. Die Möglichkeit eines WA-Antrags steht dem nicht entgegen, da dieser Antrag uferlos bis zum Sankt Nimmerleinstag gestellt werden kann.


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Mordfall Tanja Spirou

16.12.2020 um 23:58
Ich hab's durch das Urteil
Sehr viel Text, sehr ausführlich (eigentlich hat mir nur noch der Name vom Maintrailer-Hund gefehlt ;) ) aber gut verständlich.


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Mordfall Tanja Spirou

17.12.2020 um 07:06
Es sind da schon Pannen passiert, die Schrotkugeln hätten nach den Anweisungen des Ministeriums eigentlich aufbewahrt werden müssen, das belegt Strate im WA-Antrag. Das ist nun auch sehr ärgerlich, denn mit den Kugeln könnte man vermutlich schnell nachweisen, ob der Antrag begründet ist oder nicht.

Nun kann man diese Patzer nicht wieder gut machen, und muss sehen, was ohne die Kugeln geht.

Strate verfolgt eine Theorie (und die Ähnlichkeiten zum Fall Darsow sind freilich ganz zufällig):

Zunächst weisen erhebliche Indizien auf den Verurteilten hin: Motiv, Gelegenheit, und vor allem die DNA Spuren an den gefundenen Gegenständen. Das aber ist, laut Strate, genau der Hinweis, dass der Verurteilte es nicht gewesen ist. Dieser Logik begegne ich ja hier im Forum sehr oft: wenn etwas aussieht wie eine Ente und watschelt wie eine Ente kann es keine Ente sein, denn eine Ente würde dann eben gallopieren, um nicht als Ente erkannt zu werden.

Schauen wir mal was er hat: zum einen die Sache mit dem LKW, die zeitlich unmöglich machen würde, dass der Verurteilte am Tatort gewesen sein kann. Das bleibt aber schwammig (man lese selbst).

Dann der Hauptpunkt: die gefundenen und dokumentierten Schrotkugeln stammen nicht aus den gefundenen Patronen, an welchen sich die DNA befindet.

WENN sich das beweisen liesse, liegt freilich ein grosses Problem vor. Die Argumente klingen schlüssig, wenn die Kugeln grösser sind, als die in den Patronen verwendeten, können sie nicht aus den gefundenen Patronen sein. Das Problem ist hier wieder einmal, in wie weit es dem Gutachter gelingt, das nur an hand der Fotos zu beweisen.

Die darauf aufbauende Theorie ist dann nicht schwer nachzuvollziehen: der echte Täter hatte ein Interesse, den Verurteilten aus dem Weg zu bekommen. Es gelingt ihm, aus dem Besitz des Verurteilten Patronen, Haube und Futteral sich anzueignen und eine falsche Spur zu legen. Er aber hat in Wirklichkeit andere Munition und eine andere Waffe verwendet.

Freilich fragt der neutrale Leser hier: wer hat denn dieses Motiv? Und wie gelang es dem Täter an die Gegenstände zu kommen? Und vor allem: wenn er schon diese Gegenstände hatte, warum schiesst er dann nich mit diesen Patronen?

Da bleibt die Antwort wieder extrem schwammig.

Ich muss sagen, da ich ja etwas davon verstehe und selbst schon erfolgreich WA erreicht habe, dass ich Strates Eifer doch manchmal bewundere. Fälle, die andere als extrem wenig aussichtsreich erachten würden, verfolgt er eifrig.

Meine Meinung hier, mit meinen bisherigen Kenntnissen vom Fall: es hängt alles an der Glaubwürdigkeit des Gutachtens zur Munition. Und da habe ich leider Zweifel. Aber spannend ist der Fall, ich sehe hier zumindest etwas mehr Substanz als im Darsow Fall.


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Mordfall Tanja Spirou

17.12.2020 um 07:14
Zitat von Rick_BlaineRick_Blaine schrieb:die Schrotkugeln hätten nach den Anweisungen des Ministeriums eigentlich aufbewahrt werden müssen, das belegt Strate im WA-Antrag.
Ja, genau...das ist mir auch aufgefallen. Deswegen dachte ich, das wäre generell so.
Zitat von Rick_BlaineRick_Blaine schrieb:Freilich fragt der neutrale Leser hier: wer hat denn dieses Motiv? Und wie gelang es dem Täter an die Gegenstände zu kommen? Und vor allem: wenn er schon diese Gegenstände hatte, warum schiesst er dann nich mit diesen Patronen?
Die beiden letzten Fragen habe ich mir nicht gestellt, aber du hast natürlich vollkommen recht.

Wenn der ominöse Alternativtäter Patronen mit DNA von Herrn Spirou hatte, würde es absolut keinen Sinn machen, mit anderen Patronen zu schießen, die "falschen" Hülsen am Tatort abzulegen und damit das Risiko einzugehen, dass Herr S. freigesprochen bzw. gar nicht erst angeklagt wird.


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Mordfall Tanja Spirou

17.12.2020 um 07:20
Zitat von cassandra71cassandra71 schrieb:Wenn der ominöse Alternativtäter Patronen mit DNA von Herrn Spirou hatte, würde es absolut keinen Sinn machen, andere Patronen zu verwenden, die "falschen" Hülsen am Tatort abzulegen und damit das Risiko einzugehen, dass Herr S. freigesprochen bzw. gar nicht erst angeklagt wird.
Man könnte argumentieren, der Täter hat nur bereits verschossene Patronen in seinen Besitz bringen können. Insofern kann man versuchen, das plausibel darzustellen, denn verschossene Patronen werden in der Regel weggeworfen, noch "frische" dagegen freilich nicht. Und wenn die "frischen" in einem Päckchen stecken, kann man auch nicht davon ausgehen, dass sich DNA des Besitzers daran bereits findet. Man ist also mit verschossenen besser dran, wenn man sicher sein will, dass DNA dran ist.

Freilich ist es leicht einzuwenden: auch da kann man keineswegs sicher sein, dass sich DNA an den Patronen befindet.

Aussichtsreicher ist wieder, diese an Haube und Futteral zu vermuten, wenn man sich diese angeeignet hat. Aber dazu kommen dann gleich wieder zahlreiche Fragen. Vor allem freilich die Grundfrage: wie gelangte der Täter an diese Dinge?


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17.12.2020 um 08:44
Vielen Dank für die Eröffnung dieser Diskussion, @Deus_ex_Machin!
Die Erwähnung im Babenhausen-Thread hat das Interesse geweckt. Beim Urteil -- im Vergleich zu Darsow erstaunlich kurz -- bin ich noch auf halber Strecke und sehe, dass sich das Gericht auch mit der Frage beschäftigt hat, ob die Spuren von einer dritten Person gelegt worden sein könnten. Aber wenn ich beim Deutschlandfunk lese, dass die Schrotkugeln zu groß für die Patrone gewesen sein sollen, dann schüttele ich als Laie verwundert den Kopf. Glauben Gutachter und Anwalt eigentlich selbst, was sie an neuen Erkenntnissen vorbringen? Der Schuß in den Ofen ist doch vorhersehbar.


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Mordfall Tanja Spirou

17.12.2020 um 08:45
Zitat von Rick_BlaineRick_Blaine schrieb:Zunächst weisen erhebliche Indizien auf den Verurteilten hin: Motiv, Gelegenheit, und vor allem die DNA Spuren an den gefundenen Gegenständen. Das aber ist, laut Strate, genau der Hinweis, dass der Verurteilte es nicht gewesen ist. Dieser Logik begegne ich ja hier im Forum sehr oft: wenn etwas aussieht wie eine Ente und watschelt wie eine Ente kann es keine Ente sein, denn eine Ente würde dann eben gallopieren, um nicht als Ente erkannt zu werden.
Die Argumentation in diesem Fall ist allerdings noch ein wenig krasser.

In den von dir aufgezählten Fällen ist die Argumentation häufig, dass zu wenig und zu schlechte Indizien für eine Verurteilung vorgelegen hätten. Hier ist die Argumentation hingegen, dass die Beweise zu gut seien, um wahr sein zu können - es ist also , zugespitzt ausgedrückt, genau die gegenteilige Argumentation und das Urteil wird infrage gestellt, weil die Beweise zu gut sind. Das wiederum impliziert automatisch eine Verschwörung, ohne dass man deren Urheber und Motive bennent - und damit ist es eine Verschwörungstheorie.

Dass sich ein intelligenter Mensch und arrivierter Rechtsanwalt wie Strate für so etwas nicht zu Schade ist, lässt einige Rückschlüsse zu. Unter anderem zeigt es, wie aussichtslos ein WA ist. Dass er den Fall trotzdem angenommen hat, dürfte diesmal nicht an dem kämpferischen Idealismus liegen, der ihm so gerne nachgesagt wird...


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Mordfall Tanja Spirou

17.12.2020 um 08:47
@falstaff

Ja, ich bin auch etwas erstaunt. Aber auch im Darsow Fall ging die Argumentation ja in die Richtung, dass es "zu gut" aussieht, was da alles passt. Ich spüre da inzwischen einen gewissen Trend.


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Mordfall Tanja Spirou

17.12.2020 um 08:57
Zitat von Rick_BlaineRick_Blaine schrieb:Ja, ich bin auch etwas erstaunt. Aber auch im Darsow Fall ging die Argumentation ja in die Richtung, dass es "zu gut" aussieht, was da alles passt. Ich spüre da inzwischen einen gewissen Trend.
Der prominenteste Fall in dem diese Strategie derzeit angewendet wird, ist wohl der von Steven Avery. Dort hat man sich aber immerhin die Mühe gemacht, zumindest die vermeintlichen Urheber einer unterstellten Verschwörung zu benennen. Evtl. ist es aber sogar klüger, das hier zu unterlassen. Denn je konkreter man sich festlegt, desto angreifbarer wird eine Verschwörungstheorie.
Immerhin müsste man hier entweder begründen, warum ein oder mehrere Ermittler ihre Karriere und Freiheit riskieren sollten, um den Tatort bereits kurz nach der Tat so zu präparieren, dass es zur Verurteilung eines Unschuldigen reichen würde, den sie zu diesem Zeitpunkt womöglich noch nicht einmal kannten. Oder aber man müsste einen Alternativtäter aus Spirous unmittelbarem Umfeld präsentieren der skrupellos und geschickt genug war Spirou zu schaden, indem er eine völlig unbeteiligte Person umbringt. Natürlich dürfte es bei einem Mann wie Spirou nicht schwer fallen Menschen zu finden, die ein Hühnchen mit ihm zu rupfen hatten. Das alleine reicht aber eben noch nicht aus, um eine solche Verschwörung zu begründen.

Wenigstens war sich Strate zu Schade, irgendetwas von einer "griechischen Mafia" in den Fall hineinzuraunen...


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17.12.2020 um 23:18
Zitat von cassandra71cassandra71 schrieb:Keine Ahnung, ob es da gesetzliche Aufbewahrungsfristen gibt, aber man muss doch damit rechnen, dass, wie hier, ein Wiederaufnahmeantrag gestellt wird?
Warum ?
Eine erfolgreiche Wiederaufnahme ist ( zum Ärger von Anwalt Strate ) die absolute Ausnahme.
Deswegen wird eben nicht damit gerechnet. Fall abgeschlossen , Asservate können vernichtet werden.


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18.12.2020 um 06:52
Zitat von Mr.StielzMr.Stielz schrieb:Aber wenn ich beim Deutschlandfunk lese, dass die Schrotkugeln zu groß für die Patrone gewesen sein sollen, dann schüttele ich als Laie verwundert den Kopf. Glauben Gutachter und Anwalt eigentlich selbst, was sie an neuen Erkenntnissen vorbringen? Der Schuß in den Ofen ist doch vorhersehbar.
Im Prinzip kann die Spirou-Partei doch dankbar dafür sein, dass die Kugeln vernichtet wurden. So kann man wenigstens die Behauptung aufstellen, sie hätten nicht gepasst.
Womöglich steckt auch hinter diesem Wiederaufnahmeversuch das übliche Mischkalkül: Wenn es mit der eigentlichen Wiederaufnahme nicht klappt, liefert der Versuch wenigstens (Schein-) Argumente, mit denen sich der Verurteilte in der Öffentlichkeit als Justizopfer profilieren kann. Und da hilft es auch ungemein, wenn eine Koryphäe wie Strate diese Behauptung selbst verbreitet - alleine das dürfte Spirou das Geld wert sein.


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