Mord an 16-jähriger Kölnerin Seçkin Çağlar im Oktober 1991
08.03.2026 um 17:06
Ich teile die Meinung des Bruders und könnte mir vorstellen, dass der Täter Seckin kannte. Dafür würde auch das kurze Zeitfenster, was der Täter hatte, passen. Es besteht die Möglichkeit mMn, dass der Täter sie für ein "klärendes Gespräch" in eine unübersichtliche, versteckte Ecke gelockt hat und sie dort überwältigt hat. Mit einem "bekannten" Täter ist es wahrscheinlicher, dass man dort schneller mitgeht als mit einem unbekanntem Täter. Nur die Frage ist - wer könnte dieser bekannte Unbekannte sein? Auch hier ist die Personengruppe, die es zu überprüfen gilt, schlichtweg einfach sehr groß. Es könnte eine Bahnbekanntschaft sein, mit der man lose bekannt wurde, weil man häufig die selbe Strecke fährt. Es könnte ein ehemaliger Mitschüler sein, sogar ein Stammkunde aus dem Supermarkt, in dem sie ihre Ausbildung machte, könnte der gesuchte Täter sein. Allerdings dürfte es unmöglich sein, heute noch alle Stammkunden ihres Supermarktes, alle Bahnbekanntschaften, alle Freizeitbekanntschaften und alle "Freunde-von-Freunden-von-Freunden" ausfindig zu machen, besonders in einer Zeit, in der Social Media noch nicht existierte und man eben nicht jede Bekanntschaft fünften Grades auf irgendeiner App hatte. An den komplett Unbekannten glaube ich jedoch auch nicht, auch wenn ich es nicht ausschließen mag. Sicherlich wird ihr Umfeld polizeilich damals auch gründlichst durchleuchtet worden sein, aber es besteht eben doch die Möglichkeit, dass jemand übersehen wurde. Vielleicht auch einfach jemand, dessen Beziehung zu Seckin so banal war, dass niemand darüber überhaupt Bescheid wusste, wie z.B. eine lose Bahnbekanntschaft oder ein Stammkunde.
Der Fakt, dass sie die Ausbildung Anfang Oktober begann, aber die Bahnstrecke erst einen Monat später anfing, in dieser Form zu fahren, ist für mich damit zu erklären, dass sie sicherlich auch während ihrer Ausbildung zur Berufsschule ging, was nicht nur eine andere Tageszeit bedeutet, sondern auch eine andere Fahrtstrecke. Allerdings weiß ich auch nicht, ob es das System der dualen Ausbildung zu ihrem Zeitpunkt so schon gab, so alt bin ich noch nicht.
Die Haltestelle wäre mir persönlich auch nicht ganz geheuer, besonders nicht als junge Frau zu der Tageszeit. Daher finde ich es auch absolut nicht auffällig, dass Seckins Vater und ihr Bruder sie dort abgeholt hat. Das hat in meinen Augen eben auch nichts mit Übervorsichtigkeit oder einem anderen Kulturkreis zu tun, auch ich habe meine Schwester schon von abgelegenen Haltestellen empfangen, eben weil sie sich selbst dort nicht wohlgefühlt hat und mich explizit gebeten hat, und ich habe meine Wurzeln in einem komplett anderen Kulturkreis.
Ich würde mir für Seckins Bruder unendlich wünschen, dass er eines Tages die Gewissheit bekommt, die die Eltern der beiden leider nicht mehr bekommen durften und abschließen kann. Leider befürchte ich, mit jedem Tag mehr wird es unwahrscheinlicher. Die Tat ist so lange her, da erinnern sich vermutlich die meisten Zeugen gar nicht mehr daran, was sie an diesem Tag getragen haben oder wann sie sich wo an welcher Haltestelle aufgehalten haben. Daher kann ich mir auch vorstellen, dass die aufgerufenen Zeugen sich einfach in diesem Aufruf gar nicht wiedererkennen. Ich hoffe, ich liege falsch, aber ich sehe die vielversprechensten Möglichkeiten, den Fall jemals aufzuklären darin, dass sich eines Tages ein Mitwisser meldet oder der das eigene Gewissen eines Tages gegen den Täter gewinnt, möglicherweise auf seinem Sterbebett.