salamander32 schrieb:Fazit Der Podcast stellt die These in den Raum, dass die Landesverrat-Vorwürfe gegen Hanning bereits vor der ersten Durchsuchung Gegenstand laufender Ermittlungen waren – und dass die Block-Ermittlungen möglicherweise nur als Vorwand dienten, um gegen Hanning vorzugehen. Beweisen lässt sich das nach den im Transkript genannten Informationen allerdings nicht; es bleibt eine aus Indizien abgeleitete Vermutung. Meines Erachtens ist diese These neu – jedenfalls ist sie mir in dieser Zuspitzung bislang nicht begegnet. Bislang wurde überwiegend berichtet, die Staatsanwaltschaft Hamburg sei bei Ermittlungen zum Block-Komplex „zufällig“ auf die BND-Unterlagen gestoßen; dass dieser Zufall möglicherweise inszeniert oder zumindest billigend in Kauf genommen wurde, um gegen Hanning vorzugehen, ist ein anderer – und deutlich brisanterer – Deutungsansatz.
Die rote Farbe macht Augenkrebs... Das ist zwar Spekulation von Christian Rath (den ich sehr schätze), aber keine sehr fernliegende.
Der aktuell laufende Prozess gegen die Auftraggeberin hat meiner Erinnerung nach nichts erbracht, was diesen Verdacht verfestigt hätte. Hanning und seine Firma waren da doch kaum Thema. Auch die Aktion im November 2022 in Dänemark nicht. Ich denke kaum, dass das LG dies als strafrechtlich relevanten Entführungsversuch betrachtet, schon weil es am unmittelbaren Ansetzen zur Tatbestandsverwirklichung ("Jetzt geht's los!") gefehlt hat. Was auch immer geplant war (Planung ungleich Versuch), das Einschreiten der dänischen Polizei fand vor dem Versuchsstadium statt.
Deshalb habe ich schon immer die Ansicht vertreten, es werde vermutlich nicht zu einer Anklage gegen Hanning wegen Teilnahme an der Entführung kommen. Und deshalb den Einsatz eines verdeckten Ermittlers für sehr befremdlich gehalten. Nach der Wendung in Sachen BND-Unterlagen sieht das nun anders aus: Hannings Verbindung zu Christina Block könnte eventuell willkommener Anlass für Exekutivmaßnahmen gewesen sein, die in Wirklichkeit andere Straftaten im Blick hatten.
Der GBA kann auch schon vor einer offiziellen Übernahme der Ermittlungen informell mit beteiligt gewesen sein.
FoBi schrieb:Erkenntnisse des BND (mit Informationen befreundeter Dienste) können für diesen "guten Zweck" ganz ohne Frage durchaus nützlich sein - das halte ich momentan für sehr viel wahrscheinlicher als einen Abfluss geheimer Informationen an fremde - gar feindliche - Staaten.
Verschwörungstheoretisch gedacht, könnte es sogar im Sinne des BND gewesen sein, diesen Informationsfluss zu dulden - u.a. für den guten Zweck der Korruptionsbekämpfung in Lettland und Ukraine.
Es ist sogar denkbar, dass der BND pensionierte Mitarbeiter weiter "nutzt", indem sie die eine oder andere kleine Agententätigkeit oder diplomatische Vermittlung übernehmen. Man kann umtriebige "elder statesmen" bei einem Nachrichtendienst sicher gut gebrauchen, wenn sie loyal und verschwiegen sind und noch gute Verbindungen zu ihren Nachfolgern haben. Ich kann jetzt keine Beispiele nennen, weil das natürlich klandestin erfolgt. Aber es wäre naheliegend, hochqualifizierte und hochrangige Beamte nach ihrer Pensionierung weiter einzusetzen. Warum nicht in einem Aufsichtsrat mit Verbindungen zu russisschen Oligarchen?
Hier sieht es mir aber eher so aus, als ob sich Hanning die ND-Lage-Unterlagen über D. beschaffte, um ganz privat weiter "auf dem Laufenden" zu bleiben. Die offiziellen Verlautbarungen des GBA deuten darauf hin, dass diese Informationen nicht systematisch ausgeschlachtet und weiter getragen wurden, sondern eher punktuell. Nur in einem Fall soll etwas in eine Analyse eingeflossen sein. Das muss jetzt nicht hochbrisant gewesen sein.
Dafür spricht auch, dass diese Dokumente irgendwo bei Hanning zu Hause herumflogen und sie offenbar nicht so gesichert waren, wie es zu erwarten gewesen wäre (sicher verschlüsselt, Datenträger im Garten verbuddelt).
Ich kann mir gut vorstellen, dass in einem Strafprozess letztlich nur der Vorwurf des Sichverschaffens von eingestuften Unterlagen bewiesen werden kann. Immer noch schlimm genug, v.a. für den BND, der den Abfluss über 12 Jahre lang nicht bemerkt hatte.