Im Zeitraum zwischen September 1975 und Dezember 1977 kam es in Hannover zum Auffinden mehrerer Leichenteile, die letztendlich 6 Personen unterschiedlichen Geschlechts zugeordnet werden konnten. Nahm man im Verlaufe der geführten Ermittlungen noch an, dass auch ein böser Scherz von Personen, die Zugang zu Leichen haben, hinter den Funden stecken könnten, führte das Auffinden der sterblichen Überreste der letzten Person zu dem dringenden Verdacht, dass es sich wohl doch um das Werk eines Serientäters handelte. Da der genannte Fall nach meinen Recherchen noch keinen eigenen Thread erhielt, möchte ich dies an dieser Stelle tun. Um sich den Fall besser vorstellen zu können, hier eine Aufstellung der wichtigsten Eckdaten.


Die Leichenfunde

26.09.1975: Wasserkraftwerk Schneller Graben - Maschsee
In den späten Abendstunden wird ein Arbeiter auf den Torso einer jungen Frau aufmerksam. Beine und Brüste wurden abgetrennt, der Unterleib ausgeräumt. Als Tatwerkzeug diente scharfer Gegenstand, wie z. B. ein Messer oder Säge. Als weitere Auffälligkeit an der Leiche wird eine Dekorationskordel beschrieben, die um den Brustkorb geschnürt war.
Die Obduktion der Leiche ergibt, dass es sich um eine Frau, die zum Todeszeitpunkt zwischen 23 - 25 Jahre alt gewesen sein dürfte und eine Körpergröße von 155 cm aufwies. Der Zustand der Leiche deutete darauf hin, dass diese ca. 10 - 14 Tage im Wasser gelegen haben dürfte. Trotz der Abnahme von Fingerabdrücken war eine Identifizierung der Leiche nicht möglich.

21. - 28.02.1976: Funkhaus Hannover - Mädchenschule Bonner Straße - Maschsee - Rudolf-von-Bennigsen-Ufer der Leine
Eine Streifenbesatzung der Polizei Hannover findet zwischen geparkten Pkws am Funkhaus Hannover innerhalb kürzester Zeit und nur wenige Meter von einander entfernt, die rechte und linke Thoraxhälfte des nächsten Opfers. Wenige Tage später entdecken Schülerinnen der Mädchenschule an der Bonner Straße in einem Container auf dem Schulhof ein rechtes Bein. Im weiterem Verlauf kommt es zum Auffinden weiterer Leichenteile am Rudolf-von-Bennigsen-Ufer der Leine und erneut am Maschsee.
Bei der durchgeführten Obduktion konnten die aufgefundenen Körperteile zweifelsfrei einer ca. 25-jährigen, ca. 170 cm großen Frau zugeordnet werden. Die Zerstückelung der Leiche wurde laut der Rechtsmedizin mit einer Säge und einem scharfen Messer vorgenommen. Weiterhin konnte festgestellt werden, dass die Leiche ca. 2 - 3 Wochen in einer feuchten Umgebung, möglicherweise einem Keller, gelagert wurde. Eine Identifizierung der Toten war erneut nicht möglich.

28.05. - 11.06.1976: Wasserkraftwerk Schneller Graben
Rund um die Pfingstfeiertage 1976 werden sieben weitere Leichenteile aufgefunden. Die durchgeführte Obduktion ergab, dass es sich um zwei unterschiedliche Tote, beide männlichen Geschlechts, handelte. Während sechs der sieben Leichenteile von einem 17 - 18 jährigen Jugendlichen, mit einer Körpergröße von ca. 170 cm stammten, konnte ein weiterer aufgefundener Arm einen ca. 50-jährigen Mann zugeordnet werden. Obwohl auf einem Unterarm des jüngeren Opfers ein laienhaft tätowiertes eisernes Kreuz festgestellt wurde, gelang es auch bei diesem Fund nicht, die beiden Opfer zu identifizieren.

10.07.1977: Stadtpark Eilenriede
Eine Spaziergängerin findet im Stadtpark Eilenriede den Unterkörper einer Frau. Im Rahmen der Obduktion wurde festgestellt, dass diese ca. 40 Jahre alt gewesen sein dürfte und eine Größe von ca. 150 - 160 cm aufwies. Die Schuhgröße wurde mit 36 tituliert. Als körperliches Merkmal wurde eine Blinddarmnarbe aufgeführt. Zudem hat die ebenfalls unbekannt gebliebene Tote zumindest ein Kind ausgetragen und unter Arteriosklerose gelitten. Zur Leichenteilung wurde eine Säge verwendet.

18.12.1977: Feldweg bei Hannover
Die letzte Leiche wurde auf einem Feldweg bei Hannover aufgefunden. Der hierbei in eine alte Baumwolldecke eingewickelte Oberkörber wies am Hals Würgemerkmale auf, was bei der Obduktion den Rückschluss auf ein gewaltsames Einwirken auf die ca. 50 - 60 Jahre alten Frau, mit einer Körpergröße von ca. 160 - 170 cm, zuließ, der letztendlich zum Erstickungstod geführt haben dürfte. Auch das letzte, ebenfalls unidentifizierte Opfer der Serie zeigte eine Blinddarmnarbe und hat ebenfalls mindestens ein Kind zur Welt gebracht.


Die Ermittlungen
Federführend für die Ermittlungen in der beschriebenen Serie war die Kriminalpolizei Hannover, welche die Soko "Torso" unter der Leitung von Günter Nowatius bildete. Hierbei konnten anhand der Auffindesituationen folgende Rückschlüsse gewonnen werden.

  • Mit Ausnahme des letzten Opfers konnte bei den Leichen keine Todesursache festgestellt werden

  • Eine Ablage der Leichenteile erfolgte ausschließlich an Samstagen und an Örtlichkeiten, die zwangsweise zum zeitnahen Auffinden derselbigen führen mussten

  • Alle Ablageörtlichkeiten befanden sich in zwei Kilometer Umkreis rund um den Maschsee und somit auch in der Nähe des Polizeipräsidiums Hannover

  • Die Zerteilung der Leichen erfolgte hauptsächlich mittels einer Kreis- oder Bandäge

  • Trotz intensivster Bemühungen war es bis heute nicht möglich, die Identität der Opfer zu ermitteln

  • Nachforschungen in Leichenschauhäusern, bei Bestattern und allgemeinen Vermisstenfällen verliefen ergebnislos



Der Täter
Aufgrund der geführten Ermittlungen ließen sich folgende Rückschlüsse auf den Täter zu.

  • Ein allein handelnder Täter

  • Der Täter hatte Zugang zu einer Örtlichkeit, in der er ungestört die Zerteilung der Leichen inklusive der kühlen Lagerung der Teile vornehmen konnte

  • Nachdem die Ablage der Leichenteile ausschließlich am Wochenende erfolgte, ist anzunehmen, dass der Täter unter der Woche zeitlich gebunden war und nicht länger aus seiner gewohnten Umgebung abgängig sein konnte

  • Die Ablageorte, welche zwangsweise zu einem schnellen Auffinden der Leichenteile führte, deutet auf eine exhibitionistische Veranlagung des Täters und einer gedachten Überlegenheit gegenüber den Ermittlungsbehörden hin

  • Als mögliches Motiv könnte ein Hervorrufen von Panik in der Bevölkerung gewesen sein



Allgemeines
Für Hinweise, die zur Aufklärung des Falles führen, wurden insgesamt 9000 Deutsche Mark ausgelobt. Der Fall wurde weiterhin am 12.05.1978 in der Sendung Aktenzeichen XY, mit der Präsentation der Decke, in der das letzte Opfer eingewickelt war, thematisiert. Hierbei gingen 10 neue Hinweise ein, die jedoch nicht zur Aufklärung der Tat führten.

Da die Serie abrupt abriss, gehen die Ermittler davon aus, dass der Täter aus dem Wirkungsbereich von Hannover verzogen ist, sich in Haft befindet oder verstarb. Es gab zwar in den Folgejahren immer wieder Leichenfunde, die einen möglichen Zusammenhang in ihrem sich darstellenden Sachverhalt zuließen, zu einem erneuten Aufflammen der Serie rund um Hannover oder auch im weiterem Bundesgebiet kam es jedoch nicht mehr.


Quellen
Zur Erstellen des ersten Posts dieses Threads wurden Informationen aus den Internetpräsenzen des Spiegels, 20Min, NDR und der Neuen Presse zusammengeführt und versucht, strukturiert zu gliedern. Ich habe mir zwar den Post mehrmals durchgelesen, trotzdem kann sich der Fehlerteufel eingeschlichen haben, was ich dann zu entschuldigen bitte.