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Sternenkinder

61 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Tod, Kinder, Sterben ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Sternenkinder

22.11.2021 um 20:15
Da wir in einem anderen Thread auf das Thema gekommen sind, möchte ich den Sternenkindern einen eigenen (Gedenk)thread widmen.

Sternenkinder sind Kinder, die vor, während oder nach der Geburt gestorben sind.

Wikipedia: Sternenkind

Wenn ein Kind stirbt, dann ist das meistens das Schlimmste, was Eltern passieren kann. Es ist nicht im Ablauf der Generationen vorgesehen und passiert natürlich trotzdem immer mal wieder.

Viele Frauen und auch Männer sprechen nicht viel darüber, oft ist die Trauer aber jahre- und jahrzehntelanger Wegbegleiter für die Familien. Das geht auch an den Geschwistern nicht spurlos vorbei.

Durch die immer bessere Schwangerschaftsüberwachung entsteht auch eine sehr frühe Bindung an das Kind. Daher kann auch die Trauer um frühe Fehlgeburten sehr groß sein.

Und auch wenn sich eine Frau entscheidet, das Kind abzutreiben, gibt es Trauer um das Kind. Dies möchte ich hier ausdrücklich miteinbeziehen.

Hier geht es vor allem darum, wie es euch damit geht, was habt ihr erlebt, wenn ihr es preisgeben wollt.

Und ich bitte natürlich vor allem um Respekt beim Diskutieren, eigene Gefühle der postenden User werden nicht in Frage gestellt.


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Sternenkinder

22.11.2021 um 21:18
Mein Sternenkind heißt Tabea. Sie sollte nach ihrer großen Schwester das zweite Wunschkind unserer kleinen Familie werden. Doch wie so oft im Leben, das Schicksal schlägt manchmal unbarmherzig zu...
Die Schwangerschaft verlief völlig normal und komplikationslos. Auch während der Feindiagnostik wurde nichts beanstandet.
Eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin ging es mir von einem Tag auf den anderen sehr schlecht, Blutungen setzten ein. Mit dem Notarztwagen ging es in ein nahegelegenes Krankenhaus.
Wehen wurden eingeleitet. Irgendwann sagte jemand, die Herztöne werden immer schwächer. Im Endeffekt gab es eine PDA und einen Kaiserschnitt.
Da die Herztöne kaum noch vernehmbar waren, wurde u.a. ein Kardiologe zu Rate gezogen und diverse Untersuchungen durchgeführt. Mein Baby hatte einen schweren Herzfehler, der nicht erkannt worden war.
Tabea kam dann auch sogleich nach der Diagnose in den OP, wobei die Chancen für sie 50:50 standen.
Leider hat sie es nicht geschafft, das kleine Herz war zu schwach.

Nach vier Tagen im Krankenhaus, völlig zugepumpt mit Psychopharmaka, ging es ohne das ersehnte Wunschkind nach Hause. Zu dieser Zeit war mein Lebenswille gebrochen. Unsere ältere Tochter, zu dieser Zeit 7 Jahre alt, war bei den Eltern meines damaligen Partners. Mein Partner war den ganzen Tag im Krankenhaus arbeiten und ich saß mit meinem Unglück allein zu Hause. Nach wenigen Tagen habe ich einen Suizidversuch unternommen. Er wäre laut Aussage meines Partners auch geglückt, wenn er nicht just an diesem Tage eher nach Hause gekommen. Es war wohl 5 vor 12.
Diese Aktion hat mir eine Pflichtaudienz bei einem Psychologen eingebracht. Leider fand der gute Mann nicht so recht Zugang zu dem Vorfall. Seine ersten Worte waren: ich weiß, wie sie sich jetzt fühlen. 
Auch wenn es mir zu diesem Zeitpunkt nicht gut ging, so bekam er doch wegen dieser Aussage meinen Zorn zu spüren. Meine Frage an ihn war, wie denn seine Schwangerschaft so gewesen wäre und die Geburt. Er blieb mir die Antwort schuldig. Die vorgeschriebenen Pflichtsitzungen fanden in eisigem Schweigen statt...
Heute kann ich über diese Sitzungen schmunzeln.




Ich konnte mein Kind nie in den Armen halten, es gibt ein einziges Foto von ihr.  Ich habe es bis heute nicht geschafft, dieses Bild anzuschauen.
Jedes Mal wenn ich es versucht habe, kommen die Erinnerungen alle wieder mit Gewalt hoch. Und es sind fürwahr keine guten Erinnerungen. Sie rauben mir jegliche Energie.
An jedem Geburts/ Todestag von Tabea nehme ich mir mindestens zwei Tage Urlaub. In diesen Tagen bin ich zu nichts mehr imstande. Die Trauer nimmt kein Ende. Wie oft habe ich schon den Satz: "Die Zeit heilt alle Wunden" gehört. Leider stimmt das so gar nicht. Die Zeit lehrt uns nur mit dem Unbegreiflichen zu leben. Diese spezielle Wunde wird wohl niemals heilen.
Meine älteste Tochter hat mich in der schwersten Zeit, den dunkelsten Stunden,  mit ihrem fröhlichen Wesen wieder ins Leben zurückgeholt. Heutzutage gehen wir gemeinsam ans Grab von Tabea. Auch hat meine große Tochter noch eine kleine Schwester bekommen. Die Tochter von meiner verstorbenen Freundin haben wir bei uns aufgenommen, als sie 4 Jahre alt war. Sie ist zwei Jahre älter, als Tabea jetzt wäre. Für mich ist sie wie ein eigenes Kind, ich möchte sie nicht missen.
Meine Partnerschaft hatte indessen die Turbulenzen nicht überstanden. Ein Jahr nach Tabeas Tod trennten sich unsere Wege.


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Sternenkinder

22.11.2021 um 21:21
Hier. 2 Kinder an der Hand 3 im Herzen.

Schlimm sind so Kommentare wie das Leben geht weiter,ach da war bestimmt was nicht in Ordnung.
Ihr habt doch schon ein gesundes Kind. Und was ich auch richtig mies finde,ist wenn gerade auch andere Frauen sagen,man redet über Fehlgeburten um Mitleid zu bekommen. Leider ist es noch ein zu starkes tabu Thema.


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Sternenkinder

22.11.2021 um 22:37
Ich hätte eins und es wäre heute 26 🥀 ich hab dich nie vergessen.


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Sternenkinder

22.11.2021 um 23:03
Zitat von Evolet84Evolet84 schrieb:Leider ist es noch ein zu starkes tabu Thema.
Bedenkt man, dass etwa jede sechste schwangere Frau eine Fehlgeburt erleidet [1], wird einem erst richtig klar wie sehr das Thema tabuisiert wird. Fehlgeburten passen eben nicht in unsere Gesellschaft, in der man vor allem über Erfolge redet und sich darüber definiert. Was es mit den Menschen macht, wenn diese anschließend die Trauer in sich hineinfressen, weil es unschicklich ist nicht darüber zu reden, dürfte eigentlich jedem halbwegs sensiblen Menschen klar sein.


[1] https://www.quarks.de/gesellschaft/psychologie/wir-sollten-offener-ueber-fehlgeburten-sprechen/


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Sternenkinder

22.11.2021 um 23:10
Ich habe leider zwei Sternchen und sie sind unvergessen ⭐⭐❤️❤️ ich bekam nach jedem Sternchen ein gesundes Kind, aber der schmerz bleibt. Wir wünschen uns noch ein Kind, aber die Angst ist groß vor einer erneuten Fehlgeburt.


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Sternenkinder

23.11.2021 um 00:21
Fühlt euch alle mal feste geknuddelt


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Sternenkinder

23.11.2021 um 00:38
Es ist so, dass es normale Menschen gibt und es gibt Engel, beide können in Menschen leben aber Gott braucht manchmal doch noch einen Engel mehr im Himmel, dann holt er die besten von uns zu sich...auch wenn sie kaum gelebt haben. Zu manchem Mensch kann ich nur sagen "Unkraut vergeht nicht" er wird nicht im Himmel gebraucht also lässt sich Gott zeit und lässt ihn / sie leben.
Die besten von uns gehen viel zu schnell aber du kannst dir sicher sein, dass sie aus dem Himmel auf dich herunterblicken und auf dich warten, dann könnt ihr die Zeit nachholen, die euch auf Erden nicht vergönnt war. Aber sie wollen auch dass wir zu Allererst unser Leben leben, bis auch unsere Zeit gekommen ist. Liebe vergeht nicht, sie wächst mit der Zeit.


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Sternenkinder

23.11.2021 um 10:10
Ich finde es gut, dass dieser Thread eröffnet wurde.

Hier erfahren viele Menschen von der Existenz der Kinder, die leider niemals die Möglichkeit hatten, das Leben kennenlernen zu dürfen.

Das Lesen der Schicksale macht mich tief betroffen und traurig. Ja, ich bekam eine Gänsehaut und meine Augen füllten sich mit Tränen.

Ich wünsche allen betroffenen Eltern viel Kraft.

Ich habe auch ein Sternenkind.

In der fünften SSW wusste ich, dass ich schwanger war, in der 7. SSW sah ich mein Baby zum ersten Mal im Ultraschall.
Der nächste Termin war in der 12. SSW

Als ich zu dieser Routineuntersuchung ging, stellte der Arzt fest, dass mein Baby in der 9. SSW gestorben war. Mir riss es den Boden unter den Füßen weg und ich wollte, dass mein Baby für immer im Bauch bei mir bleibt.

Leider war das nicht nicht möglich, deshalb musste ich im Spital eine Curetage machen lassen. Ich hatte aber zwei Tage Zeit bis zu diesem Termin, deshalb konnte ich mich von meinem Baby verabschieden.

Kurz vor dem Eingriff wollte ich vom OP-Tisch abhauen, weil es für mich unerträglich war, dass mein Baby "herausgeholt" wird. Der Anästhesist schaffte es fast nicht, mich in Narkose zu versetzen, weil ich mich innerlich so sehr gegen das "Einschlafen" wehrte.

Die Zeit danach war von Trauer geprägt. Nichts und niemand konnte mich trösten, nicht einmal mein Partner. Ich ließ mir aber vor anderen nichts anmerken, weil "trösten" und "Mitleid" für mich noch unerträglicher gewesen wären.

Ich wusste, ich wollte mein Baby zurück haben, deswegen wollte ich gegen den Rat der Ärzte sofort wieder schwanger werden.

Ich wurde auch sofort wieder schwanger. Diesmal ging ich bewusst erst in der 9. SSW zum Arzt.
Das Ultraschallbild war eine Art "Erlösung" - Es sah total gleich aus, wie das letzte Bild meines toten Babys - mit einem entscheidenden Unterschied: es hatte einen Herzschlag.

Mein einziger Gedanke war: "Es ist wieder da!"
In mir stieg zum selben Zeitpunkt ein noch nie da gewesenes Gefühl von "Erleichterung" auf.

Die restliche Schwangerschaft hatte ich bei jedem Arzttermin Angst, ob wohl ein Herzschlag vorhanden ist - es ging alles gut und mein jüngstes Kind kam gesund zur Welt.

Ja, ich weiß: dieses Kind ist nicht ident mit meinem verstorbenen Baby. Trotzdem ist es für mich der einzige Trost, denn mein jüngstes Kind existiert nur deshalb, weil dieses Baby gestorben ist. Hätte dieses Baby gelebt, wäre es an seiner Stelle aufgewachsen.

Ich verlange nicht, dass diesen Gedankengang jemand versteht, aber für mich ist es tröstend.

Vergessen werde auch ich mein verstorbenes Baby nie. Die wenigen Ultraschallbilder werde ich immer aufbewahren und jedes Jahr zünde ich am Datum der Curetage eine Kerze an. Ich denke auch oft an mein Sternenkind.


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Sternenkinder

23.11.2021 um 10:44
Die Posts hier berühren mich extrem. Ich bin sehr froh, dass das Thema Sternenkinder über die Jahre immer öffentlicher geworden ist. Auch, dass die ungeborenen Babies ein großer und wichtiger Teil im Keben der Eltern waren und sind. Auch wenn man keinen Tag außerhalb des Mutterleibes miteinander verbracht hat.
Ich wünsche allen Betroffenen viel Kraft und einen Weg, mit dem Verlust und der Trauer umzugehen.


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Sternenkinder

23.11.2021 um 12:16
Vorweg, meine Geschichte ist anders und ohne diese tiefe Trauer, die meine Vorposterinnen empfunden haben, denn ich habe ein ungewolltes Kind verloren. Trotzdem begleitet es mich und es war ein sehr prägendes Ereignis.

Ich war damals gerade 18, gefühlt noch mitten in der Pubertät und wurde ungewollt schwanger. Festgestellt wurde die Schwangerschaft auch erst in der zehnten Woche.
Mich hat die Schwangerschaft einfach nur schockiert, ich stand völlig neben mir und war absolut überfordert mit der Situation. Ich wollte das Kind nicht. In meinen Augen sprach nichts dafür. Ich fühlte mich weder bereit, noch hatte ich einen unterstützenden Partner, war mitten in der Ausbildung.

Ich machte einen Termin bei Pro Familia aus, um das Beratungsgespräch zu führen, damit ich abtreiben darf, zu dem Gespräch kam es aber nicht mehr.

Nur einen Abend später, ich weiß noch dass ich an dem Abend noch im Jugendzentrum bei nem Konzert die Kasse gemacht hab, bekam ich Unterleibsschmerzen und leichte Blutungen. Ich blieb trotzdem noch lange auf dem Konzert. Als ich dann zuhause in meinem Kinderzimmer im Bett lag, hatte ich einfach nur noch unerträgliche Bauchschmerzen. Ich hatte da eine Ahnung, was passiert. So lag ich in meinem Bett und überlegte, was ich tun sollte, denn ich wollte auf keinen Fall nachts um vier meine Mutter wecken und ihr sagen, dass ich schwanger bin und sie mich sofort ins Krankenhaus bringen soll (ich weiß das alles noch, als wäre es gestern gewesen). Ich dachte darüber nach, mir nen Rettungswagen oben an die Straße zu rufen und mich dorthin zu schleppen, ohne das Eltern oder Nachbarn etwas mitbekommen.
Ich hab die Schmerzen dann aber nicht mehr ausgehalten und habe meine Mutter geweckt mit den Worten, dass sie mich ins Krankenhaus fahren solle, denn ich hätte eine Fehlgeburt.

Das war schrecklich. Sie war vermutlich völlig geschockt, hat mir aber sofort, noch im Schlafzimmer vorgeworfen, ich hätte doch "Abtreibungtabletten" genommen und die Fehlgeburt mit Absicht herbeigeführt. Sie hat mich dann wütend ins nächste Krankenhaus gefahren, mich da abgesetzt und ist wieder gefahren.
Ihr Verhalten an diesem Tag hat mich noch lange beschäftigt und belastet. Ich fand ihre Reaktion furchtbar aber sie stand wohl, wie schon gesagt, unter Schock.

Im Krankenhaus fühlte ich mich furchtbar alleingelassen. Das Baby "flutschte" komplett in der Fruchtblase aus mir raus, ich fühlte mich unglaublich leer. Den Moment werde ich nie vergessen. Ich musste dann noch zur Ausschabung und durfte am selben Abend wieder nach Hause.

Das hört sich nun vielleicht erst einmal merkwürdig an aber im Nachhinein bin ich froh darüber, dass mir die Entscheidung abgenommen wurde und ich das Kind auf natürlichem Wege verloren hab. Ich bin sicher, ich hätte es abgetrieben. Ich weiß seit diesem Tag aber auch, dass ich ein Kind nie abtreiben lassen könnte. Vermutlich hätte ich sehr lange daran zu knabbern gehabt, hätte ich es getan.

Mich belastet das heute nicht mehr aber dennoch ist es unvergessen und am Jahrestag (irgendwie ist das ja auch der Geburtstag) und auch so zwischendrin denke ich immer mal wieder an ihn (in meinen Kopf war es immer ein Junge).

Heute bin ich übrigens glückliche Mutter.


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Sternenkinder

23.11.2021 um 12:42
@Vibora
Es ist schade, dass das so traumatisch für dich war und du dich noch gar nicht richtig damit beschäftigen konntest.
Sehr einfühlsam klingt die Behandlung in der Klinik ja nicht :palm:

Und die Begegnung mit dem Psychologen zeigt, wie sensibel selbstverständlich das Thema ist. Aber du hast eine gute Antwort gegeben :Y:


Mein drittes Kind ist unter der Geburt gestorben. Die Schwangerschaft war vorbildlich, alles im grünen Bereich.
Nur, dass ich wenige Wochen vor dem Termin extreme Angstattacken bekommen habe, nicht mehr richtig laufen konnte und oft im Bett lag und geheult habe.
Unser Hund wollte damals keinen Schritt mehr mit mir machen :D

Dann wollte ich unbedingt einen Kaiserschnitt haben, der wurde aber in Hinblick auf die zwei normalen Geburten davor abgelehnt.

Immerhin wurde die Geburt eingeleitet zum Termin und früh eine PDA gelegt.

Die Ärzte konnten meine Panik nicht einordnen und waren sehr zuversichtlich.

Nun, direkt an der Pforte zwischen Himmel und Erde muss meine Tochter dann verstorben sein. Sie wurde dann mit der Saugglocke geholt, weil nichts mehr vorwärts ging. Da hatte ich sie auf dem Bauch. Habe aber so heftige Schmerzen gehabt, dass ich sie sofort wieder abgegeben habe.
Die Ärzte hatten sie dann auf den Tisch quasi abgelegt und irgenwas war komisch. Ich fragte dann nach, ob sie noch lebt und nein, sie lebt nicht mehr.

Bei mir ging es dann richtig los, ich musste etwa zwei Stunden genäht werden und dann hörte aber die Blutung nicht auf. Schließlich gab es eine OP, da wurde dann festgestellt, dass es eine Uterrusruptur gab direkt an der Stelle wo die Planzenta war.

Die nächsten Tage hatte ich mit mir zu kämpfen, aber ich wollte sie unbedingt nochmal sehen.

Nach mehreren Tagen, die Ärzte drängelten schon etwas, ließ ich sie mir zeigen und merkte dann, dass ich keinerlei Bezug mehr zu dem Körper hatte.

Ich hatte aber von Anfang an das Gefühl, das passt alles zusammen. Viele Ereignisse passten auf einmal zueinander und der Ablauf der Dinge war richtig.

Für mich war das sehr friedlich, ergreifend, intensiv und heilig.

Meinen damaligen Mann hat es umgehauen, der ist sehr lange nicht darüber hinweggekommen. Der konnte das auch nicht so nachempfinden, ich hatte sie ja im Bauch und war viel stärker verbunden.

Wir haben uns auch in Folge getrennt, allerdings noch ein viertes Kind auf den Weg gebracht.

Mir hat geholfen, dass die Ärzte absolut ruhig geblieben sind, und sich in den kommenden Tagen sehr sehr gut gekümmert haben.
Und natürlich auch das Folgekind. Da hatte ich auch oft die Idee, bzw. habe mich gefragt, haben die beiden miteinader zu tun? Ist ja ein häufiger Gedankengang, dass das Baby sich wie einen neuen Zugang sucht.
Mit den Jahren habe ich zwar keine Antwort gefunden, aber gemerkt, dass das letztendlich überhaupt keinen Unterschied macht und somit (mir) egal ist.

Ich habe meine Mutter gebeten Fotos zu machen, die habe ich immer noch.


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Sternenkinder

23.11.2021 um 12:53
Zitat von KatzenfrauKatzenfrau schrieb:Ihr Verhalten an diesem Tag hat mich noch lange beschäftigt und belastet. Ich fand ihre Reaktion furchtbar aber sie stand wohl, wie schon gesagt, unter Schock.
Naja, trotzdem war sie eine Erwachsene und du standest sicher auch unter Schock. Habt ihr euch da später nochmal drüber unterhalten?
Zitat von KatzenfrauKatzenfrau schrieb:bin ich froh darüber, dass mir die Entscheidung abgenommen wurde und ich das Kind auf natürlichem Wege verloren hab.
Finde ich sehr nachvollziehbar.



Vor meinen Kindern hätte ich auch abtreiben können. Seit ich dann gesehen habe, wie man mit jedem Herzton mitfiebert, nicht mehr.
Heute habe ich zwar nicht mehr die Möglichkeit, aber ich könnte kein Kind mehr großziehen, würde mich nervlich komplett fertigmachen :D


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Sternenkinder

23.11.2021 um 13:04
Zitat von Evolet84Evolet84 schrieb:auch andere Frauen sagen,man redet über Fehlgeburten um Mitleid zu bekommen. Leider ist es noch ein zu starkes tabu Thema.
Ernsthaft? Krass.

Den meisten Frauen fällt es doch sehr schwer, das zu erzählen.

Es gibt allerdings auch Menschen, die machen einen Wettbewerb aus der Trauer. Die 10. Woche ist ja nicht so schlimm wie die 20. Woche und sowas.

Dabei darf jeder trauern wie er oder sie möchte und empfindet. Je offener damit umgegangen wird, desto besser lässt sich das auch überwinden und in den Alltag zurückfinden meiner Meinung nach.


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Sternenkinder

24.11.2021 um 07:18
@Bundeskanzleri
Ja wurde mir so gesagt . O Ton. : Ja ich hatte auch eine Fehlgeburt,aber Frauen die immer wieder darüber sprechen,vorallem wenn diese schon so lange zurück liegt,die wollen nur Mittleid.


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Sternenkinder

26.11.2021 um 19:38
@Evolet84

Gut, wenn andere wissen, welche Beweggründe man hat. Vor allem so eine Verallgemeinerung ist unverschämt.

Viele tragen das so lange mit sich herum, das belastet oft sehr lange.



Gibt es hier eigentlich auch Männer, die ein Sternenkind haben?


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Sternenkinder

01.12.2021 um 12:39
Ich weiss nicht ob man mein Kind auch als Sternenkind bezeichnen kann.Sie starb mit 14 Wochen am pl Kindstod.Die Schwangerschaft war normal und die Geburt ein Kaiserschnitt.Meine Tochter war kerngesund und lag mit 14 Wochen tot in ihrem Bettchen.Das war das schlimmste was mir jemals passiert ist.Ich dachte monatelang ich hab einen Alptraum und wache gleich auf aber leider war ich schon wach...Ich hab nie geraucht und es gab auch sonst keine Risiken.Es war fürchterlich...Das war am 5.5.1990 und es gab damals kein Internet oder so.Ich hab dann selber eine Gruppe mit „verwaisten Eltern „gegründet und der Austausch hat gutgetan.Das einzige was mir geholfen hat war Zeit und die Hoffnung nochmal ein Kind zu bekommen.Ich habe noch 2 gesunde Töchter bekommen aber mein erstes Kind vergesse ich nie.Ich leide mit jedem Elternteil mit was ein Kind verliert.Auch hat sich meine Sicht auf das Leben verändert.Ich rege mich nicht über unwichtiges auf und weiss was wichtig ist im Leben und was nicht.Wie gesagt das war das schlimmste was ich jemals erlebt habe es gibt nichts schlimmeres.Diese Entgültigkeit und die Frage nach dem Warum hat mich sehr gequält.Mittlerweile hab ich gelernt damit zu leben aber diesen Horror wünsche ich keinem


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Sternenkinder

01.12.2021 um 17:03
@rosalie444

Ich gehe davon aus, dass sie zu den Sternenkindern zählt. Jedenfalls ist sie ja auf jeden Fall viel zu früh gestorben und die Bezeichnung ist da egal.

Du hast sie in ihrem Bettchen gefunden? Das ist wirklich unvorstellbar. Mein Beileid.
Wie ist es dem Vater damit ergangen?
Zitat von rosalie444rosalie444 schrieb:Ich habe noch 2 gesunde Töchter bekommen aber mein erstes Kind vergesse ich nie.
Ich finde auch, dass Folgekinder helfen, aber sie ersetzen natürlich nicht das gestorbene Kind.

Gibt es noch ein Grab für sie, das ihr besuchen könnt?

Ich habe damals in der Folgezeit extreme Angst um meinen damals Jüngsten gehabt, habe immer geträumt, dass er ertrinkt.


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Sternenkinder

01.12.2021 um 17:36
@Bundeskanzleri
Ja zum Glück gibt es noch das Grab.Und die Friedhofsverwaltung hat mir auf Nachfrage gesagt die Kindergräber werden nicht weggemacht.Dann wird immer mehr Platz dafür genommen aber die alten Gräber bleiben und darüber bin ich sehr dankbar.Mein Mann und ich haben uns 2 Jahre später getrennt.Er wollte nicht mehr darüber reden und nicht zum Friedhof und mir hat reden geholfen.Kein Kind kann das andere ersetzen aber es hilft trotzdem und es gibt Kraft.


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Sternenkinder

01.12.2021 um 18:31
@rosalie444
Das tut mir unendlich leid ☹️ ich habe das als Kind miterleben müssen.
Die beste Freundin meiner großen Schwester hatte Zwillinge. Wir hatten in dieser Nacht alle bei meiner Schwester geschlafen und mitten in der Nacht war auf einmal ein riesen Theater. Das war selbst für mich traumatisierend.


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