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Warum suchen Leute freiwillig den Kontakt zu Mörder*innen in der JVA

56 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Persönlichkeiten, gefährlichen, hingezogen ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Warum suchen Leute freiwillig den Kontakt zu Mörder*innen in der JVA

07.05.2026 um 17:10
Was fasziniert sie daran, Briefe zu schreiben oder Beziehungen zu Personen aufzubauen, die schwere Verbrechen begangen haben? Geht es dabei um Mitgefühl, Neugier, den Wunsch, das Böse zu verstehen – oder steckt etwas Tieferes dahinter?

Warum fühlen sich einige Menschen gerade zu gefährlichen Persönlichkeiten hingezogen? Ist es die Suche nach Aufmerksamkeit, emotionaler Nähe oder die Faszination für das Verbotene? Und wie weit kann Verständnis gehen, ohne die Opfer aus dem Blick zu verlieren?

Und wie komt man überhaupt an den Kontakt, oft weiß man ja garnicht den kompletten Nachnamen oder die betreffende JVA


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Warum suchen Leute freiwillig den Kontakt zu Mörder*innen in der JVA

07.05.2026 um 17:29
Da gibt es viele Gründe, Faszination am Bösen, Hybristophilie oder der Wunsch an Resozialisierung beizutragen, Neugier, Rescue-Mission..

Hmm ich denke die Perspektive den Opfern gegenüber ist von einer kognitiven Dissonanz geprägt. Man trennt die Person von den verbrechen die begangen wurden und das Opfer fällt in den Hintergrund da der alltag mit dem Inhaftierten in den Vordergrund rückt. Hier könnte man vlt von amiga syndrom sprechen.

Kontakte kann man über spezielle Plattformen oder Orgas finden. writeaprisoner ist da sehr bekannt.


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07.05.2026 um 19:05
Zitat von fcmlarsfcmlars schrieb:Ist es die Suche nach Aufmerksamkeit, emotionaler Nähe oder die Faszination für das Verbotene?
Ich denke, für viele Frauen ist es eine Kombination aus diesen drei Faktoren:
1) Das Objekt der Anbetung sitzt im Knast, kann also nicht weg und sie betrügen.
2) Der Häftling hat extrem viel Zeit, schnulzige Briefe zu schreiben, ergo fühlt sich Frau als etwas ganz besonderes
3) Solange er einsitzt, muss die "Beziehung" keinem Alltag, ergo Realitätscheck standhalten - sie kann weiterhin ihr Leben leben, muss keine oder wenig Kompromisse eingehen, gleichzeitig unterhält sie die Fantasie einer ganz besonderen Verbindung und erlebt Vorfreude auf Briefe, Telefonate und Besuchstermine.


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07.05.2026 um 21:38
Es gibt ja Brieffreundschaften ohne jeglichen Beziehungshintergrund, einfach Austauschen, Ablenkung etc. Was ist daran so komisch - hab selbst mal überbelegt mal jemanden zu schreiben - warum nicht?


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08.05.2026 um 16:31
Ne da hätte ich zu viel Angst an einen soziopathen zu geraten. Soll ja alles schonmal gegeben haben.


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08.05.2026 um 17:40
Mir fällt kein Grund ein, einem mir unbekannten Straftäter im Gefängnis etwas zu schreiben, vor allem das es unendlich einsame Menschen in Palliativeinrichtungen freuen würden, etwas Aufmerksamkeit zu bekommen.


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Warum suchen Leute freiwillig den Kontakt zu Mörder*innen in der JVA

08.05.2026 um 20:46
@fcmlars
Ich glaube, man muss unterscheiden, ob jemand einfach mit Irgendjemanden aus dem Knast in Kontakt treten möchte oder mit einer bestimmten inhaftierten Person.

Im ersten Fall vielleicht aus dem Wunsch, jemandem zu zeigen, dass er trotzdem ok ist und ein ein Teil der Gesellschaft.

Im zweiten Fall faende ich es creepy - ich habe keine Person vor Augen, die eine schwere Straftat begangen hat, die mich als Mensch interessieren wuerde (also so, dass ich sie gerne persönlich kennen lernen wuerde).

In meiner Verwandtschaft hat ein Mädel zu Schulzeit mit jemandem aus dem Knast geschrieben, so mit 16 ungefähr. Das ging auf eine Initiative ihrer Schule zurück (ist schon lange her).
Und damit hatte es auch ein Ende, als ihre Mutter hinter kam.


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08.05.2026 um 20:55
Vor über 25 Jahren hatte ich mit einem Bekannten aus Jugendzeiten eine kurze Affaire. Er war witzig, liebevoll, aufmerksam, ein toller Mann.
Vor 2 Jahren hat er seinen Vorgesetzten erschossen. Ich hab ihm einen Brief ins Gefängnis geschickt. Einfach um ihm zu sagen, dass ich mich an die schönen gemeinsamen Zeiten erinnere.
Ich kenne auch sein Trauma aus der Kindheit.

Trotzdem sehe ich ihn ganz klar als Mörder.


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08.05.2026 um 21:16
Zitat von loboxlobox schrieb:Vor 2 Jahren hat er seinen Vorgesetzten erschossen. Ich hab ihm einen Brief ins Gefängnis geschickt.
Wow.
Ich weiss noch nicht mal, ob ich unter diesen Umständen schreiben wuerde.
Vielleicht nicht aus Sorge, dass diese Person zu anhänglich werden könnte, gerade wenn sie wieder frei ist.
Vielleicht auch ein Stueck weit aus einer Angst heraus, vor jemandem, der zu einer solchen Tat fähig war.

Und wenn ich Kontakt aufgenommen haette, haette ich vermutlich das Pflichtgefuehl, diesen weiterhin aufrechtzuerhalten.

Wobei ich es als eine sehr nette Geste sehe, dass Du diesen Brief geschrieben hast.


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08.05.2026 um 22:52
Zitat von cejarcejar schrieb:vor allem das es unendlich einsame Menschen in Palliativeinrichtungen freuen würden, etwas Aufmerksamkeit zu bekommen.
Wenn du danach gehst , gibt es auch zahlreiche einsame Menschen im Altenheim, Obdachlosenheim oder anderen Einrichtungen.

Wenn man zurück zum Thema geht, du kannst ja nicht mit jeden dort schreiben, sie sortieren ja schon aus außerdem möchte ja auch nicht jeder Inhaftierter in so ein Projekt weil er vielleicht Familie hat und gar nicht so einsam ist. Adresse von dir etc wird der Empfänger auch niemals erfahren.

Gibt es die gleichen Bedenken auch wenn man Frauen im Gefängnis anschreiben wollen würde?


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Warum suchen Leute freiwillig den Kontakt zu Mörder*innen in der JVA

08.05.2026 um 23:04
Zitat von Dini1909Dini1909 schrieb:Gibt es die gleichen Bedenken auch wenn man Frauen im Gefängnis anschreiben wollen würde?
Ja.
Ich habe den Eindruck, dass Menschen in Gefängnissen zu sehr guten Menschenkennern werden, die die Schwächen anderer sehr gut erkennen und für sich zu nutzen wissen. Kurz gesagt - sehr manipulativ sind.
(ja, ich habe einige Folgen vom Pollux Podcast gehört. Soering gibt es auch noch - dem wollte ich auch nicht zu nahe kommen. )
Und solche Menschen mag ich nicht um mich haben.
Zitat von Dini1909Dini1909 schrieb:Adresse von dir etc wird der Empfänger auch niemals erfahren.
Und nach der Freilassung?
Wenn sich eine echte Freunsschaft entwickelt, doch schon.
Und ohne das, wenn immer so eine Distanz geblieben ist - war es das ganze Briefeschreiben dann Wert?


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Warum suchen Leute freiwillig den Kontakt zu Mörder*innen in der JVA

09.05.2026 um 17:13
Ich stehe Leuten nahe die eine gewisse Affinität dazu haben, Kriminelle zu verharmlosen.
Das kommt bei der Person aus Ihrer Kindheit.
Ihr Vater hat sie gewalttätig behandelt und ich glaube sie hat sich angewöhnt darüber hinwegzusehen, weil es ja ihr Vater ist.

Das hat sich auch später auf die Wahl ihrer Partner und ihres Freundeskreises ausgewirkt.
Ähnliche Gedankenmuster werden wohl auch viele Frauen haben, die sich aktiv eine Brieffreundschaft mit einem Gefangenen suchen.

Manche von denen sehen ja außerordentlich gut aus. Der hier hatte sogar eine ganze Fangemeinde
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Zitat von Dini1909Dini1909 schrieb:Was ist daran so komisch - hab selbst mal überbelegt mal jemanden zu schreiben - warum nicht?
Vor kurzem hatte ich -beim lesen eines alten Briefwechsel-Buches-, die Idee: wie interessant es doch wäre, wenn wir hier im Forum einen Bereich hätten, wo Leute sich anstatt PM's nur oder auch gegenseitig Briefe schreiben.

Leider ist das relativ ausgeschlossen, weil man dafür, wenn auch nur per PM, seine Adresse oder zumindest ein Postfach nennen müsste.
Das wahrscheinlich schwindend geringe Interesse dadurch, hat dann dazu geführt, dieses geplante Thema aufzugeben und garnicht erst im Literatur Bereich zu öffnen.
Vielleicht hat ja einer eine gute Idee wie man das umsetzen könnte, sodass trotzdem jeder anonym bleibt,
was glaube ich dabei erhalten bleiben sollte, sofern nicht beide Schreiber zu einer anderen Meinung kommen.


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09.05.2026 um 18:08
@Siegelschild
Wenn du an sowas Interesse hast wäre Postcrossring etwas , das mach ich seit einigen Monaten schon


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Warum suchen Leute freiwillig den Kontakt zu Mörder*innen in der JVA

10.05.2026 um 11:55
Zitat von Dini1909Dini1909 schrieb:Postcrossring
Ich weis nicht. Das überlasse ich dem Zufall. Alle Ideen die mit Literatur zu tun haben, führen mich letztendlich zu Allmystery zurück.
Es geht ja um den Meinungsaustausch und primär nicht um die Art auf was geschrieben wird.
Dafür hat es dann doch zu wenig Attraktivität um es dauerhaft zu machen.

Die Idee solche Briefkontakte zu Häftlingen aufzubauen, hatte ich schon. Nur das ich die Person schon vorher kannte. ~20 Jahre her und nicht mit einem anderen Post zu verwechseln.
Der war damals, glaube ich wegen finanzieller Versäumnisse und oder Umgang mit verbotenen Substanzen inhaftiert, in Hadamar.

Letztens schrieb ich nochmal einen Brief zu einem ehemaligen Freund der in U-Haft war. Man möchte den Leuten ja in der Isolation eine Perspektive und einen Blick in die Freiheit gewähren durch so etwas.
Leider dachte ich zu der Zeit er wäre wegen etwas Anderem dort drinnen, da ich das Ganze sozusagen nur über eine Person mitbekommen habe die etwas Kontakt zu seiner Mutter hatte.

Hätte ich gewusst wie die Anklage lautete, hätte ich diesen recht kurzen Brief nicht geschrieben.
Es ist nur so...?. :/ ..es ist unglaublich wie sehr man sich bei der Einschätzung eines Menschen doch täuschen kann.

Mich beschäftigt diese Art der Gefängnis Kommunikation schon einige Zeit.
Ihr kennt das gewiss: Man fragt sich wenn man langsam älter wird, "was kann man eigentlich für seine Gesellschaft machen mit den Erfahrungen die man bisher im Leben gemacht hat?".

Anstatt einer sozialen Stütze, wäre bei sowas aus meiner Sicht eher das herausarbeiten eines möglichen beruflichen Weges im Fokus.
Die Tat selbst würde hier eine große Rolle für mich spielen.
Handelte es sich dabei um irgendeine Art Gewaltverbrechen, wie in dem zuvor geposteten extremen Beispiel von Ramirez, käme das für mich auf keinen Fall in Frage. Dem seine kultartige Fangemeinde war vermutlich größtenteils behandlungsbedürftig.

Die Sache mit dem
Zitat von Dini1909Dini1909 schrieb:Postcrossring
werde ich mir mal anschauen. Ich vermute: viele Insassen sind sich garnicht darüber bewusst, welche persönliche Perspektive und positive Stärke in einem beruflichen Ziel stecken kann.

Ein Verbrechen das mich jetzt nicht davon abhalten würde einen Briefkontakt zu suchen, wäre z.B. mehrere Diebstähle (explizit ohne Einbruch), vielleicht Beschaffungskriminalität in Verbindung mit einem Suchtproblem.
..Etwas relativ harmloses, dass durch Wiederholung zu einer Gefängnisstrafe führte.

Es wäre in dem Fall vielleicht den Versuch wert, trotz der Möglichkeit eines Rückfalles in die Sucht, mit dieser Person ein Kontakt aufzubauen um detailliert die beruflichen Eignungen festzustellen.

Daraufhin könnte man, was ja heute immer mehr möglich ist, versuchen, schon Kurse und Onlineprüfungen während der Haft zu fokussieren.
Und wenn das nicht möglich ist, so wären Fachbücher kein Problem durch die man sich schonmal vorbereiten könnte.

In diesem angeblichen ursprünglichen Hacker- und Verschwörungsforum wissen ja einige, dass begabte Computerbetrüger vom deutschen Geheimdienst angeworben wurden -meine Meinung kommt von Youtube-Dokus-, und heute mit einem guten Verdienst z.B. für den deutschen Staat arbeiten.

Man kann also Fähigkeiten in die ein oder andere Richtung lenken. Nicht erwähnenswert sondern klar das hier Familie und Freunde, das ganze Lebensumfeld immer die Leute bei ihren Wegesentscheidungen prägt.

Diesen vielleicht zum Teil gelangweilten Hausfrauen die Kontakt zu Verbrechern suchen, und die höchstwahrscheinlich nicht selten selbst eine unverarbeitete Psychose haben, haben vielleicht nicht alle primär die Absicht diese inhaftierte Person zu resozialisieren. Einige suchen im schimmsten Fall einfach nur ein gefährliches Abenteuer. Zum Glück werden alle ein- und ausgehenden Briefe auf's genaueste überprüft, sodass man Entwicklungen und falsche Absichten sofort unterbinden kann.

@Dini1909
Das kann man allgemein wohl nicht sagen, aber wer etwas für die Gesellschaft tun will, sollte vielleicht zuerst die Leute unterstützen, die von sich aus schon den richtigen Weg eingeschlagen haben und denen es an Möglichkeiten fehlt.
Eines der sinnvollsten Sachen sind wohl Schulen und sonstige Bildungsmöglichkeiten zu unterstützen, die in sehr armen Ländern vorhanden, aber noch zu wenig vorhanden sind.

Ein oder mehrere Patenkinder abgestimmt mit einer seriösen Hilfsorganisation ergibt im Durchgschnitt gewiss mehr Sinn für eine Privatperson aus einem wohlhabenderen Land.
Hier ist ein regelmäßiger Briefkontakt ja auch möglich.

Man darf nicht vergessen, dass es umfangreiche sozialisierungsmöglichkeiten in Haftanstalten gibt und sie dort keineswegs unqualifiziert betreut werden.
Sich also in erster Linie ein anderes Betätigungsfeld zu suchen, als einen Briefkontakt zu einem Verbrecher ist keine Schande sondern erfolgsversprechender.

Man braucht sich keine Vorwürfe zu machen, wenn man »keine« Briefe an Gefangene schicken möchte.
In den westlichen Ländern, stehen ihnen wie gesagt genügend Möglichkeiten zur Verfügung, und man sollte bei seinem Wunsch sozial tätig zu werden, nicht verharmlosen, dass es sich dabei -unabhängig vom persönlichen Hintergrund dieser inhaftierten Person-, um einen Verbrecher handelt.


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Warum suchen Leute freiwillig den Kontakt zu Mörder*innen in der JVA

10.05.2026 um 21:29
Da ich die andere Seite der Medaille kenne muss ich zu sagen, dass es oft der selbe Typ Mensch ist der Kontakt zu Gefangenen aufnimmt. Ich schließe hier mal bewusst jene aus die, die Person schon vorab privat kannte.

Fast ausschließlich sind es Frauen, die von gefährlichen Personen fast magisch angezogen werden. Warum auch immer sind es grade Personen die besonders abscheuliche Verbrechen begangen haben die massenweise Post in die jva bekommen. Ebenfalls auffällig oft sind es auch Personen, die aus schlechten Beziehungen kamen, von ihrem Ex geschlagen wurden usw. Man fühlt sich gegenüber dem Anderen sicher, schließlich kann dieser einem ja nichts antun. Warum auch immer versuchen diese Personen auch oft zu resozialisieren, vielleicht um sich gebraucht zu fühlen?
Zitat von SiegelschildSiegelschild schrieb:Zum Glück werden alle ein- und ausgehenden Briefe auf's genaueste überprüft, sodass man Entwicklungen und falsche Absichten sofort unterbinden kann.
Ein nett gedachter Gedanke aber dem ist so nicht. Ja die Beamten bekommen das durchaus mit, es fließt auch in die Akte des Inhaftierten mit ein aber niemand wird der Personen X mitteilen wenn es in die falsche Richtung geht. Die Personen sind Erwachsen und können für sich entscheiden was sie tun oder halt nicht. Ich hab durchaus schon Inhaftierte erlebt die mit 3 oder auch mal 4 Personen gleichzeitig "zusammen" waren, von allen Geld zugeschickt bekommen haben usw.
Zitat von JustsayingJustsaying schrieb:Ich habe den Eindruck, dass Menschen in Gefängnissen zu sehr guten Menschenkennern werden, die die Schwächen anderer sehr gut erkennen und für sich zu nutzen wissen. Kurz gesagt - sehr manipulativ sind.
(ja, ich habe einige Folgen vom Pollux Podcast gehört. Soering gibt es auch noch - dem wollte ich auch nicht zu nahe kommen. )
Das lernt man automatisch sehr schnell und ja man lernt es auch für sich zu nutzen... der eine mehr als der andere.
Zitat von Dini1909Dini1909 schrieb:Adresse von dir etc wird der Empfänger auch niemals erfahren.
Grundsätzlich würde ich davon nicht unbedingt ausgehen. Eigentlich kenne ich niemanden, der die Adresse nicht schon beim ersten Brief erfahren hat.


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Warum suchen Leute freiwillig den Kontakt zu Mörder*innen in der JVA

10.05.2026 um 21:51
Zitat von Ray.Ray. schrieb:Fast ausschließlich sind es Frauen, die von gefährlichen Personen fast magisch angezogen werden. Warum auch immer sind es grade Personen die besonders abscheuliche Verbrechen begangen haben die massenweise Post in die jva bekommen.
Magisch (auch immer sexuell) trifft es ganz gut, das Fundament dieser Beziehungen ist eine romantische Fantasie. Die Romantik shifted, wenn die Person ihre Haftstrafe tatsächlich beendet und die Beziehung außerhalb des Gefängnis weiter besteht. Die Sicherheit des in Freiheit lebenden Partners ist genau das, was diese Bindung nährt. Der inhaftierte Partner kann nicht fremdgehen, ist zu jederzeit am selben Ort, man muss nicht um ihn bangen (auch nicht um sich selbst, der kann einem ja nichts tun) und im Wesentlichen - das stößt mir immer von beiden Seiten auf - ist der Partner erstmal abhängig.

In den USA, in den man durch Vermittlungen gezielt Death Row Kandidaten schreiben kann, stellt sich die Frage, wie die Beziehung nach Haftstrafe weitergeht, eh nicht und da sitzen ja meistens die ultraharten Straftäter. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Frauen, die ihren Mehrfach- oder Serienmörder am Tor abholen, tatsächlich noch gern in der Beziehung bestünden. Die Fantasie wird spätestens dann durch eine knallharte, reale Gefahr abgelöst, die ihr Nervensystem einnimmt und die sich für die allermeisten dann doch nicht mehr so romantisch anfühlen dürfte.


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Warum suchen Leute freiwillig den Kontakt zu Mörder*innen in der JVA

10.05.2026 um 22:05
Zitat von IntemporalIntemporal schrieb:Die Sicherheit des in Freiheit lebenden Partners ist genau das, was diese Bindung nährt. Der Partner kann nicht fremdgehen, ist zu jederzeit am selben Ort, man muss nicht um ihn bangen und im Wesentlichen - das stößt mir immer von beiden Seiten auf - ist der Partner erstmal abhängig.
Also hart gesagt, ich habe noch nie einen Inhaftierten erlebt der in irgendeiner Form abhängig von einer außenstehenden Person war. Es wird vielleicht oft gedacht aber dem ist nicht so.
Zitat von IntemporalIntemporal schrieb:Die Fantasie wird spätestens dann durch eine knallharte, reale Gefahr abgelöst, die ihr Nervensystem einnimmt und die sich für die allermeisten dann doch nicht mehr so romantisch anfühlen dürfte.
Die Personen selbst sehen nicht mal unbedingt, dass das Sicherheitsgefühl wichtig ist für sie. Der Andere hat sich ja geändert und man liebt sich. Wie könnte diese Person einem also was antun können? Oft ist das ja auch nicht das Problem, sondern eher, dass der blumig schreibende Mr X auf einmal doch nicht so der Rosenkavalier ist. Ein ehemaliger Inhaftierter ist sicherlich nicht ein Traum im zusammenleben... schon garnicht am Anfang.


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Warum suchen Leute freiwillig den Kontakt zu Mörder*innen in der JVA

10.05.2026 um 22:12
Zitat von Ray.Ray. schrieb:Also hart gesagt, ich habe noch nie einen Inhaftierten erlebt der in irgendeiner Form abhängig von einer außenstehenden Person war. Es wird vielleicht oft gedacht aber dem ist nicht so.
Inhaftierte Männer wahrscheinlich weniger, als inhaftierte Frauen. Von der Haft Entlassende stehen erst mal ressourcenlos bzw eingeschränkt dar, hat nun nicht jeder einen festen Wohnsitz oder finanzielle Rücklagen. Je nach Länge der abgesessen Haftstrafe müssen sie sich auch neu orientieren und sind sicher erst mal auf Hilfe angewiesen. Dessen Abhängigkeit ist weniger emotional, als die des in Freiheit lebenden Partners.
Frei von Abhängigkeit sind diese Beziehungen auf beiden Seiten nicht.


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10.05.2026 um 22:19
Ja ok, in det Phase hast du natürlich recht. Ich war bei meinem Geschriebenen in der Phase während der Haft.


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11.05.2026 um 16:34
Es ist meiner Meinung nach ein wenig der gleiche Grund, weshalb Leute auf diese love scammers hereinfallen.

Ich arbeite an einer Brennpunktschule und ein Teil meiner Schülerinnen und Schüler hat Mütter (meist Mütter), die von schrägem Typ zu schrägen Typ ziehen - sie lernen nicht aus Fehlern, sondern wiederholen sie. Oft ist es so, dass sie dem neuen Typen beweisen müssen, dass es so ernst ist wie mit den drei Typen davor, daher geht mitunter aus jeder Beziehung ein "ich meine es Ernst" Kind hervor. Man fragt sich auch, warum man in einer ernsten Selbstreflektion dieses Muster nicht erkennt und selbst durchbricht oder sich irgendwann mal sagt: "Es ist schon chaotisch genug, drei Kinder von drei Vätern zu haben, ich kann offensichtlich Männer nicht gut durchschauen und werde daher keinen Mann mehr anschauen, bis meine Kids erwachsen sind".

Nein ... interessanterweise ist es so, wenn diese Frauen per Zufall mal an einen netten Menschen geraten, dann finden die Beziehung in kürzester Zeit einfach langweilig. Rational erklärbar ist es nicht. Ich glaube, die Gefahr macht diese Typen für sie auch irgendwie sexy. Seltsam, aber sogar Anders Brevik in Norwegen bekommt wöchentlich Fanpost, wo man sich fragt: Wer möchte mit einem Typ zu tun haben, der Jugendliche erschossen hat?


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