Groucho schrieb:Lovecraft hatte einen unglaublichen Einfluss und insofern ist das andererseits auch nicht völlig unberechtigt, aber stilistisch ist der so dermaßen scheiße...
Im Gegenteil. Gerade durch seinen Stil (die ganzen Adjektive zb) erzeugt er einen bewussten Sog in eine geradezu hypnotische Atmosphäre. Der vermeintliche Anfängerfehler wird zum stilistischen Volltreffer. Dazu kommt, dass bei Lovecraft oft Chronisten, kauzige Professoren oder ähnliche, meist schräge (!) Vögel die Erzähler sind - und dieser altmodische, hölzerne Stil macht es noch bedrohlicher. Quasi authentischer.
Ich muss hier Houellebecq ausnahmsweise mal zustimmen, wenn er Lovecraft sogar über Poe setzt, wobei dessen Arthur Gordon Pym natürlich ne Blaupause für Lovecraft war. Berge des Wahnsinns ist ja die Fortsetzung von Poes Roman. Jules Verne hat ebenfalls eine Fortsetzung geschrieben, was die drei Bücher im Vergleich super interessant macht. Drei Großmeister, eine Geschichte...
Was King angeht: der schwankt natürlich extrem und manches ist wirklich schwach. Die Frühwerke sind meist klasse, zugegeben aber teilweise noch mehr "Show No Mercy" als "Reign in Blood" (um es mit Slayer zu vergleichen. Die haben ihr erstes Album mit nem coolen Gespenster-Comic verglichen, das zweite mit nem King Roman und danach wurde es dann punktgenauer😀 - und irgendwann ging es wieder bergab)
Wenn King zur Hochform aufläuft, wird es oft richtig gut. Wenn ich Es mal aussen vor lassen und ein neueres Buch in den Ring werfen müsste, nehm ich mal den Outsider.
Der wird vermutlich irgendwann als eine tolle Parabel auf die Trump Ära gesehen. Quasi die moderne US Version von Ernst Jüngers "Auf den Marmorklippen".
Das Monster? Heißt quasi Fake News, alternative Fakten und sät Missgunst, Zweifel und Spaltung der Gesellschaft. Dazu der vorverurteilende Mob, die sensationsgeilen Medien, das Klima der Paranoia und Verschwörungen. Zerstörung der Gesellschaft von innen
Und das in einer Sprache, die realistischer nicht sein könnte. Alltagssprache und soziologisch zickzackzappzerapp auf den Punkt. So wird gesprochen. Hugh.
Alles natürlich rein subjektiv und man darf Lovecraft oder King natürlich voll scheisse finden. Ich hab auch n paar grosse Schriftsteller, deren Werke ich nicht mit der Kneifzange anpacke, weil ich sie total öde find. Oder Musiker - bleibt mir mit dem Stockhausen weg und hört mehr alte Savatage.