martenot schrieb:Es war glaube ich nicht eine einseitige "Übernahme" gegen den Willen Ostdeutschlands, soweit ich mich erinnere.
Wie gesagt, die Dinge sind ein wenig komplexer im Bedingungsgefüge. Es gab von Seiten der Ostdeutschen reichlich illusionäre Zukunftserwartungen bezüglich der angestrebten Währungsunion und nachfolgend staatlicher Vereinigung, die dann in eine herbe Enttäuschung mündeten, so dass das, was am Ende daraus geworden ist (Deindustrialisierung und Massenarbeitslosigkeit), durchaus gegen den Willen der Ostdeutschen und über deren Köpfe hinweg geschehen ist.
Oskar Lafontaine hatte damals bereits auf mögliche Mehrkosten für die Westdeutschen hingewiesen, die mit Wirtschafts- und Währungsunion verbunden sein könnten, was ihm dann eine herbe Wahlniederlage im Dezember 1990 einbrachte (er war damals Kanzlerkandidat der SPD). Die CDU unter Helmut Kohl fuhr damals einen historischen Wahlsieg ein.
Vier Jahre später sanken im Osten die Wahlbeteiligungen in den Keller und die SED-Nachfolgepartei PDS erlebte einen phönixhaften Aufstieg mit jeweils über 20 bis 30 Prozent in die Landesparlamente. Erinnert sich noch jemand an die Duldung der SPD-geführten Landesregierung von Sachsen-Anhalt unter Reinhard Höppner durch die PDS?
Das war dann schon der Effekt der oben erwähnten traumatisierenden Erfahrung im Zuge von Aktivitäten der Treuhandanstalt unter Birgit Breuel.