nairobi schrieb:Wobei eine Partnerschaft/Familie ja im Grunde auch eine Art von WG ist.
Zu einem gewissen Maße stimmt das natürlich. (Aus dem Grund hatte ich oben differenziert zwischen: WG von der Suchanzeige oder auch ohne eigenen Einfluss zusammenkombiniert vs. mit jemandem zusammenziehen den man schon länger kennt.)
Mit meinem Mann gab es da z.B. noch nie Stress, auch nicht in einer kleinen Einzimmerwohnung (wir haben die ersten 10 Jahre in Einzimmerwohnungen unter 40 qm, die längste Zeit davon 30 qm, gewohnt). Wir sind beide ruhig, introvertiert, mein Mann mit Autismusverdacht, ich mit Autismusdiagnose, beide lärm- und reizempfindlich. Es ist bei uns einfach ruhig, geordnet und zuverlässig. Wir nehmen keine Drogen inkl. Alkohol. Als Paar spricht man sich natürlich auch ab bzgl. Gästen (oder es ist für beide okay dass spontan jemand erscheint/mitgebracht wird). Als Freizeitverhalten ist es für uns völlig normal, dass man Kopfhörer nutzt, wenn der jeweils andere die Musik, den Film oder das Computerspiel nicht mit konsumieren möchte - so stört man sich auch nicht selbst wenn das in 2 Meter Abstand stattfindet.
Kontrast: Bei schon kurzzeitigem (ein, zwei Wochen) Zusammenwohnen mit Fremden fühlte ich mich ausgelaugt, weil ich mich nicht zurückziehen konnte - immer Leute... Da läuft der Fernseher, dann telefoniert jemand laut nachts, dann kommt jemand angetrunken nachts zurück, abends zurück von der Arbeit möchte ich einfach nur noch meine Ruhe und dann hat jemand Gäste, Gerüche im Bad nach Parfum oder es geht jemand rein der draußen geraucht hat... Leute sind ggf. unzuverlässig weil man mit einem Kater so schwer aus dem Bett kommt.
Jemand mit diesem Verhalten käme schonmal gar nicht in die Verlegenheit, mit mir als Partner zusammenzuwohnen, weil für mich dieses Verhalten unattraktiv ist. (Abgesehen davon: Mit einer Person, von der mir solches Verhalten bekannt ist, würde ich nicht zusammenziehen.)
Ein m.E. nicht zu verachtender Unterschied auch: Ein Partner ist eine Person, in einer WG sind i.d.R. mehrere und diese können wechseln.
martenot schrieb:(Zuvor habe ich in einem Studentenwohnheim gewohnt, aber das waren lauter kleine Einzel-Appartments).
Das hatte ich bei einer Freundin (introvertiert, mit Autismusdiagnose, einigen chronischen Erkrankungen) so gesehen. Sie war zunächst im Studentenwohnheim in einer Zweier-WG, in der immerhin die Zimmer groß genug waren um Gemeinschaftsräume außer Küche und Bad nicht nutzen zu müssen. Die Situation mit ihrer WG-Mitbewohnerin fand sie trotzdem schwierig, da diese extravertiert, spontan, neurotypisch... war. Sie berichtete ungefähr obiges, wennauch etwas abgeschwächt, da es nur eine Person war. U.a. fand sie es aber belastend, dass ihre Mitbewohnerin spontan ihren Freund mitbrachte, sei es nur nachmittags zum Quatschen, oder auch mit Übernachtung (Sexgeräusche...), sowie dass ihre Mitbewohnerin als spontanerer Mensch Regeln und Abläufe nicht so zuverlässig einhielt (wegen Kater, spontan weg).
Nach einiger Zeit konnte sie ein kleines Einzel-Appartment im Studentenwohnheim erhalten, da sie einen Schwerbehindertenausweis hat.
Es war für sie deutlich entspannter.
Übergangsweise mit meiner Freundin zusammenzuziehen (angenehmer Mensch, niemand der Stress macht, geregelter Tagesablauf, zuverlässig, ruhig auch im Sinne von leise) hätte ich mir übrigens viel mehr vorstellen können als mit einer fremden Person, die man allenfalls von der WG-Vorstellung "kennt".