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Mars Sample Return - nicht einzuschätzende Gefahr?

41 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Mars, Mikroorganismen, Invasive Arten ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Mars Sample Return - nicht einzuschätzende Gefahr?

12.07.2017 um 09:37
Seid gegrüßt,

ich denke das Thema Mars Sample Return ist hier besser aufgehoben als in der Ufologie. Zumindest was die Herangehensweise an das Thema angeht, die ich mir erhoffe. Irgendwie beschäftigt mich das Thema seit ein paar Tagen und ich frage mich, welche wissenschaftlichen Voraussetzungen muss der Mensch treffen, um extrateresstrische Mikroorganismen untersuchen zu können.


Was bedeutet Mars Sample Return?


Der Mensch greift nach den Sternen. Fast 50 Jahre nach dem ersten Mann auf dem Mond werden bemannte Mars-Missionen immer konkreter. Ein Problem, welches dabei auftritt, ist der Umgang mit Proben, welche auf dem Mars gesammelt werden. Mars Sample Return beschreibt hierbei Konzepte, die es ermöglichen diese Proben zurück auf die Erde zu bringen. Bisher hat es keines der Projekte bzw. Konzepte zum erfolgreichen Einsatz gebracht.

Hierzu die erste Diskussionsfrage: Welche Voraussetzungen müsste man schaffen, um Proben vom Mars sicher auf der Erde untersuchen zu können?

Welche Gefahren birgt es Proben vom Mars auf die Erde zu bringen?

Weltweit sehen wir die Problematik invasiver Arten. Sei es die Aga-Kröte in Australien oder der Tigerpython in Florida: Überall wo neue Arten "eingeschleppt" werden, entstehen Probleme und es zeigt sich, dass diese Probleme extrem schwer in den Griff zu bekommen sind. Wie würde es aussehen, wenn extrateresstrische Mikroorganismen auf die Erde kommen? Hätten sie überhaupt eine Überlebenschance? Welche Voraussetzungen müsste man schaffen, damit diese nicht in die Natur gelangen? Den aktuell höchsten Laborstandard, die Sicherheitsstufe 4, erfüllen weltweit nur über 30 Labore. Beispielsweise das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg, welches seinen Forschungsschwerpunkt auf hochinfektiösen und tödlichen Viren, wie dem Ebola- oder dem Lassavirus, hat. Würden solche Standards eurer Meinung nach ausreichen, um Mikroorganismen vom Mars zu untersuchen? Biologische Sicherheitsstufen

Wie wahrscheinlich ist es überhaupt, dass man Mikroorganismen findet?  

Im Jahre 2015 fand die Nasa Hinweise für Wasser auf dem Mars. Dies gilt als einer der wichtigsten Indikatoren, ob auf einem Planeten überhaupt Leben entstehen kann. Es besteht auch die Möglichkeit inaktive Mikroorganismen zu finden. Was glaubt ihr, werden auf dem Mars Mikroorganismen gefunden?

Ich bin gespannt auf eure Meinungen!


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Mars Sample Return - nicht einzuschätzende Gefahr?

12.07.2017 um 09:53
@Atrox


mmh wie groß ist denn die Chance das vom Mars mehr als Sterile Erde ankommt  Vor allem verschlossen und im Labor?

Hast du angst vor "Andromeda Strain"


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Mars Sample Return - nicht einzuschätzende Gefahr?

12.07.2017 um 10:06
Zitat von FedaykinFedaykin schrieb:mmh wie groß ist denn die Chance das vom Mars mehr als Sterile Erde ankommt  Vor allem verschlossen und im Labor?
Das wäre ein Aspekt. Zum einen die Frage, ob man überhaupt was findet, aber nehmen wir mal an, es wäre so. Es gibt auf der Erde Bakterien, die unter wirklich extremen Bedingungen überleben können. Ein verschlossenes Gefäß wäre für ein Bakterium wohl die geringste Sorge. Ich denke auch, dass wenn man bei einer Multimilliarden-Marsmission was findet, dass man es nicht tot mit auf die Erde nehmen will und es eben entsprechend untersuchen möchte. Zum anderen also die Frage, wie groß das Interesse daran ist einen unbekannten und lebenden Organismus auf die Erde zu bringen.
Zitat von FedaykinFedaykin schrieb:Hast du angst vor "Andromeda Strain"
Ich würde es nicht als Angst bezeichnen. Ich habe Bedenken. Technisch kann es natürlich immer zu Unfällen kommen, was auch eine mögliche Freisetzung beeinhaltet. Ich persönlich würde allerdings erwarten, dass ein Bakterium vom Mars auf der Erde recht schnell sterben würde, also keine Gefahr bedeuten würde. So ganz sicher kann man sich aber auch nicht sein. Vielleicht hat man ja gerade einen Sonderfall erwischt, wie beispielsweise die extrem thermo- oder acidophilen Bakterien, die man auch auf der Erde findet. Hier auch weitere Extremophile. So könnte es ja passieren, dass sich ein extremophiler Organismus vom Mars auf der Erde ganz wohlfühlt. Die Folgen davon wären nicht wirklich seriös absehbar.


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Mars Sample Return - nicht einzuschätzende Gefahr?

12.07.2017 um 10:19
Zitat von AtroxAtrox schrieb:Das wäre ein Aspekt. Zum einen die Frage, ob man überhaupt was findet, aber nehmen wir mal an, es wäre so. Es gibt auf der Erde Bakterien, die unter wirklich extremen Bedingungen überleben können. Ein verschlossenes Gefäß wäre für ein Bakterium wohl die geringste Sorge. Ich denke auch, dass wenn man bei einer Multimilliarden-Marsmission was findet, dass man es nicht tot mit auf die Erde nehmen will und es eben entsprechend untersuchen möchte. Zum anderen also die Frage, wie groß das Interesse daran ist einen unbekannten und lebenden Organismus auf die Erde zu bringen.
Es geht dabei eher um Geologie als Biologie.

Die Chancen in einer Probe zufällig spuren von Leben zu finden ist eh gering, bzw generell beim Mars beschränkt.

Es ist eine Analogie zu den Proben vom Mond.

Und naja die Frage müsste er Hypothetisch gestellt werden. Wie groß ist die Gefahr beim Einführen von Exobiologischen Proben.

Eine Frage die sich aber fast todsicher in diesem Sonnensysem nicht stellen wird.
Zitat von AtroxAtrox schrieb:Ich würde es nicht als Angst bezeichnen. Ich habe Bedenken. Technisch kann es natürlich immer zu Unfällen kommen, was auch eine mögliche Freisetzung beeinhaltet. Ich persönlich würde allerdings erwarten, dass ein Bakterium vom Mars auf der Erde recht schnell sterben würde, also keine Gefahr bedeuten würde.
Ja, das ist recht wahrscheinlich, denn Leben hat ein enormes Problem wenn es von einem völlig anderen Umweltsystem kommt.


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Mars Sample Return - nicht einzuschätzende Gefahr?

12.07.2017 um 10:29
Zitat von AtroxAtrox schrieb:Wie würde es aussehen, wenn extrateresstrische Mikroorganismen auf die Erde kommen? Hätten sie überhaupt eine Überlebenschance?
Ich denke nicht. Man muss das von zwei Enden her betrachten: Zum einen - wie gut kann sich ein außerirdischer Organismus in die irdischen Bedingungen einpassen - und zum anderen - wie gut kann sich ein außerirdischer Organismus dem "Gefressenwerden" entziehen.

Bei hypothetischen Marsmikroben liegt es nahe, dass sie den irdischen Extremophilen in ihrer Funktionsweise ähneln, also dass sie sich über Lithotrophie am Leben erhalten und mit langen Trockenperioden zurechtkommen werden. Eine Etablierung in irdischen Ökosystemen dürfte daher bevorzugt in wüstenartigen Regionen zu erwarten sein. Allerdings sind dort die verfügbaren Nischen bereits durch irdische Bakterien besetzt. Die Marsmikroben müssten sich gegen die bereits bestehende Konkurrenz erst über eine größere Vermehrungsrate durchsetzen.

Eine größere Vermehrungsrate setzt voraus, dass verfügbare Nahrungsquellen effizienter erschlossen und verwertet werden als es die bereits ansässigen Mikroben können. Da die ansässigen Mikroben eine Vielzahl von Arten umfassen, ergeben sich größere Möglichkeiten, dem entstehenden Verdrängungsdruck durch Evolution zu begegnen als es der eingeschleppten Marsmikrobe möglich wäre. Kurz: Für irgendeine irdische Bakterienspezies stellen die Marsmikroben eine erschließbare Nahrungsquelle dar.

Selbst wenn sich die Marsmikroben in einer Nische zeitweilig hätten etablieren können, steigt mit zunehmender Zeit der Verdrängungsdruck durch irdische Mikroben an, die ein größeres Spektrum an evolutionär erworbenen Mechanismen aufweisen, um mit den Bedingungen in der Nische optimal im Sinne einer größeren Fitness zurechtzukommen. Es ist also zu erwarten, dass Mikroben mit einer fremdartigen Biochemie und einer unter anderen Voraussetzungen zustande gekommenen evolutionären Geschichte, aussterben werden.

Im Fall einer Kontamination von Tieren oder Menschen mit Marsmikroben entscheidet sich über das Immunsystem, was damit geschieht. Da es sich hierbei um Organismen handelt, deren Zellhülle anders beschaffen ist als die irdischer Mikroben und auch der Körperzellen, würde so eine Marsmikrobe sehr schnell als Fremdkörper erkannt und mit den vorhandenen Mechanismen bekämpft werden.

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass so eine Mikrobe zufällig die Erkennungsmechanismen infolge perfekter Tarnung umgehen könnte, ergäben sich bei ungebremster Vermehrung im Körper Krankheitssymptome, die - da ja das Immunsystem umgangen wird - tödlich enden würden. Spätestens hier würden dann erprobte Quarantänemaßnahmen eine weitere Ausbreitung dieser Mikroben verhindern.

Es ist also keine Gefahr im Verzug, wenn man eine Sampling-Return-Mission erfolgreich abschließt. Da die gesammelten Proben aber ohnehin in einer sterilen Umgebung belassen bleiben, um sie möglichst genau untersuchen zu können, ist das Risiko einer unbeabsichtigten Kontaminierung von vornherein eher hypothetisch als real.


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Mars Sample Return - nicht einzuschätzende Gefahr?

12.07.2017 um 10:39
Zitat von AtroxAtrox schrieb:Zum anderen also die Frage, wie groß das Interesse daran ist einen unbekannten und lebenden Organismus auf die Erde zu bringen.
Man hat schon ein Interesse daran, zu untersuchen, wie ein außerirdischer Organismus funktioniert, auf welchen Makromolekülen er beruht, wie sich diese organisieren, wie sie reproduziert werden usw. usw., weil sich daraus Schlussfolgerungen ableiten lassen, wie Leben generell beschaffen sein muss, um zu funktionieren. Es ist interessant, herauszufinden, ob und wenn ja, welche Alternativen es zu Nucleinsäuren als Genom gibt - falls es sie gibt.

Weiterhin ließe sich herausfinden, ob Marsleben und Erdleben auf einen gemeinsamen Vorfahren beruhen (dass also Marsleben von der Erde vor langer Zeit eingeschleppt wurde bzw. umgekehrt, dass das Erdleben vom Mars her eingeschleppt worden ist durch Transspermie) oder ob das Leben auf dem Mars auf eigenständige Weise unsbhängig von der Erde entstanden ist. Auch das stellt einen erheblichen Erkenntnisfortschritt dar, der Schlussfolgerungen für die Häufigkeit des Entstehens von Leben generell zulässt.

Also ist durchaus ein großes Interesse vorhanden, eventuell vorhandenes Leben auf dem Mars aufzufinden und möglichst in vivo zu untersuchen.


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12.07.2017 um 10:46
Naja, das größte Risiko haben diese Mikroorganismen ... Die Chance ist sehr groß, dass sie in unserer Sauerstoffatmosphäre nicht überleben können ...

Die 'tödliche Bedrohung aus dem All' ist eher Stoff für Horrorfilme ...


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Mars Sample Return - nicht einzuschätzende Gefahr?

12.07.2017 um 10:54
Zitat von FedaykinFedaykin schrieb:Es geht dabei eher um Geologie als Biologie.
Wenn man die Biologie "for free" dazubekommen kann, ist auch die Biologie ein berechtigter Punkt.
Zitat von FedaykinFedaykin schrieb:Und naja die Frage müsste er Hypothetisch gestellt werden. Wie groß ist die Gefahr beim Einführen von Exobiologischen Proben.

Eine Frage die sich aber fast todsicher in diesem Sonnensysem nicht stellen wird.
Ja, da es bisher noch keinen Sample Return vom Mars gab, ist die Frage hypothetisch gemeint. Die Entdeckung von Wasser auf dem Mars, als relativ neue Erkenntnis, lässt mich allerdings zweifeln, ob sich die Frage wirklich todsicher nicht stellen wird.

@ATGC

Ich kann deinen Ausführungen nur bedingt zustimmen und verweise auf die Neozooten, die ich eingangs beschrieben habe. Ich denke nicht, dass man mit Sicherheit sagen kann, dass die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass diese Mikroorganismen sich auf der Erde etablieren könnten. Wir wissen auch nicht, wie die Evolution auf anderen Planeten funktionieren würde und ob diese eventuell schneller von statten geht. Auf der anderen Seite, könnte es natürlich auch sein, dass das Genom oder ein anderer Informationsträger deutlich höher konserviert ist. Ich sehe aber trotzdem große Fragezeichen, was eine potentielle Etablierung angeht.
Zitat von IssomadIssomad schrieb:Die Chance ist sehr groß, dass sie in unserer Sauerstoffatmosphäre nicht überleben können ...


Es gibt auch auf der Erde Mikroorganismen, welche obligat anaerob sind. Ich denke, dass die Sauerstoffatmosphäre da nicht unbedingt ein Hinderniss ist.


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Mars Sample Return - nicht einzuschätzende Gefahr?

12.07.2017 um 11:04
Zitat von AtroxAtrox schrieb:Wir wissen auch nicht, wie die Evolution auf anderen Planeten funktionieren würde und ob diese eventuell schneller von statten geht.
Gerade das ist aber der Knackpunkt für importierte Mikroben: Sie haben einen anderen evolutionären Hintergrund als die Organismen auf der Erde, so dass sie sich zunächst an die Bedingungen hier anpassen müssten, während die Mikroben, die schon hier sind, das bereits getan haben. Also starten Fremdlinge mit einer anderen Biochemie hier grundsätzlich mit einem Nachhang an Evolution, den sie nur mit einer beschleunigten Fitness aufholen können, die jedoch in Konkurrenz mit den bereits etablierten Spezies erfolgen müsste. Das sind denkbar schlechte Voraussetzungen für eine potentiell invasive Spezies.
Zitat von AtroxAtrox schrieb:Es gibt auch auf der Erde Mikroorganismen, welche obligat anaerob sind.
Aber in diese obligat anaeroben Bedingungen müssten die fremden Mikroben erst einmal hingelangen. Das Labor selber, in dem sie sich zunächst befinden, ist jedoch mit sauerstoffhaltiger Luft angefüllt. Und wenn sie das Labor verlassen haben, gibt es dann noch jede Menge Mikroben in Gestalt einer Vielzahl von Spezies, von denen irgendeine mit dem Anaerobier etwas für den eigenen Stoffwechsel anzufangen weiß ...


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Mars Sample Return - nicht einzuschätzende Gefahr?

12.07.2017 um 11:35
@Atrox
Ich habe keine Befürchtung - der Mars ist sehr lebensfeindlich, Temperatur, Strahlung, Stoffe, eine Kolonie (entgegen anderslautenden Darstellungen aus Hollywood) müsste unterirdisch sein. Da ist nix.


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Mars Sample Return - nicht einzuschätzende Gefahr?

12.07.2017 um 12:26
Zitat von AtroxAtrox schrieb:Wenn man die Biologie "for free" dazubekommen kann, ist auch die Biologie ein berechtigter Punkt.
ja, aber im Fall des Mars wohl nicht I
Zitat von AtroxAtrox schrieb:Ja, da es bisher noch keinen Sample Return vom Mars gab, ist die Frage hypothetisch gemeint. Die Entdeckung von Wasser auf dem Mars, als relativ neue Erkenntnis, lässt mich allerdings zweifeln, ob sich die Frage wirklich todsicher nicht stellen wird.
ntention von Sample Return

Wie erwähnt beim Mars oder im Sonnensystem allgemein stehen die Chancen eher sehr sehr schlecht "Lebende Organismen" zu finden.
Zitat von AtroxAtrox schrieb:Wir wissen auch nicht, wie die Evolution auf anderen Planeten funktionieren würde und ob diese eventuell schneller von statten geht.
Evolution funktioniert wohl erstmal gleich. Wie schnell hängt davon ab wieviel Generationen so durchgehauen werden.

weswegen natürlich Bakterien sich am schnellsten anpassen können.


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Mars Sample Return - nicht einzuschätzende Gefahr?

12.07.2017 um 13:04
@Atrox

Sehr cooles Thema. Ein S-4 Labor sollte auf jeden Fall für einen ausreichenden Schutz sorgen, allerdings glaube ich nicht, das ein Marsorganismus würde er freigesetzt hier überleben könnte, insofern stimme ich deine Aussage zu. Du hast ja selbst extremophile Prokaryoten ins Spiel gebracht. Um den anderen mal kurz zu erläutern, was dies bedeutet, extremophil sind Lebensformen, i.d.R. Mikroorganismen,die sich an extreme Lebensumstände angepasst haben, manche leben extrem salzhaltigen Gewässern(halophil) oder gedeihen in der Magensäure(acidophil), manche leben im Polareis (cryophil), manche können Temperaturen 123°C(hyperthermophil ab oder Strahlendosen, die einen Menschen binnen Sekunden töten würden(radiophil). Lebewesen die an Standardbedingungen angepasst sind, sind Mesophile(so wie wir).

Nun sind diese extremophilen keine Monster, keine Muskelpakete die man in die Grundschule zum Kinder kloppen schickt, sondern Spezialisten, die sehr stark auf ihre natürliche Umgebung angewiesen sind. Viele extremophile Lebewesen werden also eher sterben, wenn man sie an mesophile Bedinungen heranführt. Die meisten extremophilen sind Archaeen und Bakterien, die im vergleich zu mesophilen Organismen sehr niedrige Wachstumsraten aufweisen ( die meiste "Energie" geht eben zum selbsterhalt drauf), wenn sie also nicht sterben, werden sie unter mesophilen Bedinungen überwuchert, sofern man sie im Labor überhaupt kultiviert bekommt.

Ein potentielles Marsbakterium(oder Archaeon whatever) wäre nach unseren Maßstäben ein kryophiler, xerotoleranter und radiophiler Organismus. Nicht alle irdischen Mikroorganismen lassen sich problemlos kultivieren, viele haben sehr komplexe Nahrungsbedürfnisse, die man unter Laborbedinungen nur sehr schwer abbilden kann, bei Marsbakterien sollte es noch schwieriger sein, da wir manche marsianische Lebensbedigungen kaum nachbilden können, die Schwerkraftverhältnisse zum beispiel gar nicht. Wie @ATGC sagte, ein Marsbakterium hätte es hier unglaublich schwer sich durchzusetzen. Man sollte ein kleines Labor auf einer äquatornahen Insel aufbauen, wo die Lebensbedinungen quasi als zusätzliche Notfall-Barriere wirken.


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Mars Sample Return - nicht einzuschätzende Gefahr?

12.07.2017 um 14:07
Zitat von FedaykinFedaykin schrieb:ja, aber im Fall des Mars wohl nicht
Ich erwarte auch nicht, dass man da was findet. Auf der anderen Seite ist der Mars vielleicht auch nicht das Ende der Fahnenstange und man muss sich vielleicht im Zusammenhang mit einem anderen Planeten damit auseinandersetzen.
Zitat von FedaykinFedaykin schrieb:Evolution funktioniert wohl erstmal gleich. Wie schnell hängt davon ab wieviel Generationen so durchgehauen werden.
Die Aussage setzt aber voraus, dass die Erbinformationen in mindestens ähnlicher Weise wie bei Erdorganismen gespeichert sind. Wie wäre es, wenn ein Organismus seine Erbinformation "on the fly" ändern könnte? Prinzipiell würde ich eine Art selbst-induzierte Gentherapie nicht für unmöglich halten.

@Obrien hat ja schön aufgezeigt, welche Bedingungen ein Organismus erfüllen müsste. Auch die Frage ob man einen Mikroorganismus von einem anderen Planeten kultiviert bekommen würde, halte ich für eine interessante Frage. Ein biologisches Labor könnte da schnell an die Grenzen stoßen, beispielsweise wenn es um Strahlung geht.
Zitat von ObrienObrien schrieb:Man sollte ein kleines Labor auf einer äquatornahen Insel aufbauen, wo die Lebensbedinungen quasi als zusätzliche Notfall-Barriere wirken.
Wie meinst du das? Weil es am Äquator warm ist und man auf einer Insel von Wasser umgeben ist? Ich denke, dass so ein Organismus sogar eher eine Nische im Wasser finden würde als am Land.


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Mars Sample Return - nicht einzuschätzende Gefahr?

12.07.2017 um 14:20
Zitat von AtroxAtrox schrieb:Die Aussage setzt aber voraus, dass die Erbinformationen in mindestens ähnlicher Weise wie bei Erdorganismen gespeichert sind.
Davon müssen wir ausgehen, weil Evolution durch Selektion von Varietäten innerhalb einer Population erfolgt. Das Zustandekommen der Varietäten hängt mit der Beschaffenheit des Genoms zusammen. Auch wenn das Genom nicht aus DNA bestehen sollte, muss es auf analoge Weise zusammengesetzt sein, damit Varietäten entstehen können bei gleichzeitig konservativer Reproduktion der sich evolutiv bewährt habenden Strukturen des Organismus. Es müssen also Mutationen stattfinden können, die erblich sind, so dass Varietäten entstehen können.
Zitat von AtroxAtrox schrieb:Wie wäre es, wenn ein Organismus seine Erbinformation "on the fly" ändern könnte?
Ich weiß zwar nicht, was Du mit "on the fly" meinst, aber ein Komplettumbau des gesamten Genoms von jetzt auf gleich, ist nicht zu machen, da Evolution graduell erfolgt. Die vorhandene Struktur des Genoms ist ja das Resultat einer langen Auslese, die das konserviert hat, was sich als geeignet erwiesen hat, um reproduziert zu werden. Das kann man nicht einfach mal so flugs über den Haufen werfen, in der Hoffnung, dass sich spontan per Zufall etwas besser geeignetes findet. So eine Ex-und-Hopp-Strategie wäre gleichbedeutend mit Selbstmord.
Zitat von AtroxAtrox schrieb:Prinzipiell würde ich eine Art selbst-induzierte Gentherapie nicht für unmöglich halten.
So etwas gibt es bei Bakterien tatsächlich, aber das ist nicht selbstinduziert, sondern verläuft als Konjugation mit anderen Bakterien. Ein Beispiel ist hier die Entstehung von Antibiotika-Resistenzen durch horizontalen Gentransfer, wenn Plasmide mit Resistenzgenen ausgetauscht werden. Marsbakterien könnten diese Art des Gentransfers jedoch erst nach erfolgter Vermehrung einsetzen. Gegen Bakterien als Fressfeinde hilft diese Strategie jedoch auch nicht ...


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12.07.2017 um 14:37
@Atrox

Wenn das Leben auf Kohlenstoff basiert, braucht es flüssiges Wasser. Man vermutet, das es auf dem Mars zumindest gelegentlich auch flüssiges Salzwasser gibt, das auch noch bei Minusgraden flüssig ist. Halophile Mikroorganismen haben das Problem, das sie bei geringerer Salinität dem osmotischen Druck nicht standhalten und platzen. Für Halophile ist der Ozean nicht viel salziger als für mich ne Flasche Mineralwasser. Da sie gleichzeitig viel tiefere Temperaturen gewöhnt sind , dürfte die Kombination aus osmotischem Stress und Hitze ihnen den Rest geben. Aber eigentlich würde ich die Insel bevorzugen, weil sich die viel besser containen lässt. Natürlich hat so ein geheimes LOST-mässiges Insel-Labor ne menge praktischer Nachteile im Laboralltag, aber in diesem Fall ist das zu verschmerzen ;)


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12.07.2017 um 14:42
Zitat von AtroxAtrox schrieb:in biologisches Labor könnte da schnell an die Grenzen stoßen, beispielsweise wenn es um Strahlung geht.
Was denn jetzt für Strahlung?


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Mars Sample Return - nicht einzuschätzende Gefahr?

12.07.2017 um 15:48
@Fedaykin

Um die Lebensbedingungen für radiophile Organismen aufrecht zu erhalten. Wenn die Sonne aufgeht, wird der Mars UV-bestrahlt ;) Aber auch alle Arten kosmischer Strahlung wirken mangels nennenswerter Atmosphäre und Magnetfeld auf die Marsoberfläche ein.


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Mars Sample Return - nicht einzuschätzende Gefahr?

12.07.2017 um 16:08
Hm vor ca. einer Woche ging das Thema lebensfeindlicher Mars durch die Medien.....der Mars scheind wesentlich lebensfeindlicher zu sein als schon bisher angenommen....
Nun hat sich Jennifer Wadsworth von der University of Edinburgh die Zusammensetzung des Marsbodens genauer angesehen. Sie wollte wissen, wie lebensfreundlich das Gestein dort ist. Eine wichtige Frage, schließlich wollen Unternehmer wie Elon Musk den Traum von der Besiedelung des Mars möglichst bald Realität werden lassen.

Im Fachjournal „Nature“ beschreibt Wadsworth ihre Erkenntnisse über den Marsboden. Vor allem eine Gruppe von Molekülen, die „Curiosity“ entdeckt hat, war für die Forscherin interessant: Perchlorate. Sie sind auf der Erde als reaktive Oxidationsmittel bekannt. Eingesetzt werden sie als Zündstoff für Feuerwerk und Raketen.
Um herauszufinden, ob es Lebewesen möglich sein könnte, auf einem mit Perchloraten versehenen Boden zu überleben, stellte die Biologin in ihrem Labor einen künstlichen Marsboden her.

Dann nahm sie Bakterien der Art Bacillus subtilis und versuchte, diese auf dem Boden siedeln zu lassen. Diese Bakterien sind berüchtigt dafür, dass sie im Weltraum überleben können.
Nach drei Minuten waren alle tot

Doch auf dem künstlichen Marsboden hatten die Bakterien keine Chance. Bei Raumtemperatur waren alle Bakterienkolonien bereits nach 30 Sekunden ausgelöscht. Die Forscherin wiederholte das Experiment bei kalten, marsähnlichen Temperaturen von vier Grad Celsius und Strahlungsbedingungen, wie sie auf dem Planeten vorherrschen. Unter solchen Bedingungen laufen chemische Prozesse langsamer ab – weshalb die Bakterien auch länger überlebten. Doch wieder war die Chemie stärker als die Biologie: Nach drei Minuten waren auch hier alle Bakterien abgetötet.
https://www.welt.de/wissenschaft/article166345358/Im-Marsboden-verbirgt-sich-lebensfeindliche-Chemie.html

also ziemlich unwahrscheinlich dass da überhaup twas lebendiges an der Oberfläche vorkommt...


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12.07.2017 um 16:15
@querdenkerSZ

es gibt Bakterien, die in Phenol-Wasser Gemischen überleben oder Nylon verdauen können, daher sollten Perchlorate für ein Mars-Biotop auch machbar sein. Ich finde auch die Schlussfolgerungen von Frau Wadsworth bzw. des WELT-Journalisten nicht ganz stichhaltig. Bacillus subtilis kann einen Weltraumflug überdauern, reagiert aber empfindlich auf Perchlorate. Daraus wäre meine Schlussfolgerung, das es schwierig ist, irdische Mikroorganismen auf dem Mars anzusiedeln, was für mich Implikationen auf die Machbarkeit von Terraforming-Projekten bedeutet, aber nicht auf das Vorhandensein von Leben auf dem Mars.


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12.07.2017 um 19:25
Zitat von ObrienObrien schrieb:Um die Lebensbedingungen für radiophile Organismen aufrecht zu erhalten. Wenn die Sonne aufgeht, wird der Mars UV-bestrahlt ;) Aber auch alle Arten kosmischer Strahlung wirken mangels nennenswerter Atmosphäre und Magnetfeld auf die Marsoberfläche ein.
Jaja, und was hat das mit dem Biolabor zu tun?

Meinst er es ist schwer dort entsprechende Strahlung zum Überleben zu generieren?


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