OmegaMinus schrieb:Hatten wir die Eidechsen schon!?
Ja, hatten wir schon, hier im Thread (Mitte März '25, da warst Du übrigens auch anwesend). Und nein, das ist keine Evolution im Schnelldurchlauf. Vielmehr heiße Luft.
OmegaMinus schrieb:Nochmal Eidechsen: Ringspezies.
Ringspeziation hingegen ist mal wirklich Evolution zum Zuschauen. Auch die dauert zwar um ein Zigfaches länger als ein Menschenleben, ist letztlich so schnell (= langsam) wie jede andere Evo. Aber da sieht man immerhin, wie an den Teilstücken des "Rings" Paarung möglich ist, aber an den Endstücken der genetische Abstand bereits zu groß geworden ist (weil hier das genetische Auseinanderentwickeln schon elend lange währt). Man kann quasi mehrere Etappen gleichzeitig sehen (auch wenns n bisserl anderser ist, das tatsächliche anfängliche Auseinanderdriften ist längst vergangen).
Weit besser als jene adriatischen Eidechsen, bei denen nur längst vorhandene Varietäten in Winzpopulationen die Chance zum Dursetzen bekommen haben.
OmegaMinus schrieb:Fun Fact:
Alle Landschildkröten stammen von Wasserschildkröten ab, im Lauf der Evolution hat also zweimal der Gang ans Land statt gefunden.
emanon schrieb:Ist es nicht eher so, dass alle Wasserschildkröten von Landschildkröten abstammen?
Dann wären wir eher bei: raus aus dem Wasser, wieder rein ins Wasser.
Die ältesten Schildkröten (egal ob als Kronengruppe Testudines oder als Wurzelgruppe Testudinata; die Schildkrötenmerkmale waren bereits komplett) lebten bereits im Wasser, für Proterochersis (Testudinata) wird allerdings auch ein terrestrisches Leben diskutiert). Wichtiger noch, selbst die Vorfahren der Schildkröten, die Vertreter der Übergruppe Pantestudines, waren wasserlebende Tiere. Am bekanntesten ist Pappochelys ("Oppa Schildkröt") mit verbreiterten Rippen statt Rückenpanzer sowie zusammengewachsenen Bauchrippen (Gastralia) als Brustpanzer. Während die Schildkröten in der ausgehenden Trias aufkamen, lebte Pappochelys im mitteltriassischen Ladinium, welches zehn Millionen Jahre nach dem Massenaussterben am Ende des Perm einsetzte. Weniger bekannt und etwas jünger ist Eorhynchochelys, wasserlebend wie Pappochelys. Eorhynchochelys hatte den Körper einer Echse, aber den Kopf einer Schildkröte, bereits mit dem typischen "Schnabel". OK, "Körper einer Echse" meint mehr den anatomischen Aufbau, nicht das Aussehen. Der Rumpf war in Draufsicht fast kreisrund (ein Leguan, der einen Fußball verschluckt hat), die Rippen waren verbreitert.
Bestimmte anatomische Merkmale verbinden nun die Pantestudines über Eorhynchochelys mit Eunotosaurus. Kurz nach dessen Entdeckung Achtzehnhundertschlagmichtot hielt man Eunotosaurus für nen Schildkrötenvorfahren, kam später aber wieder von ab. Nun wird das Viecherl doch wieder wegen diverser gemeinsamer Merkmale zu den Pantestudines gezählt. Das Besondere: Eunotosaurus lebte im obersten Mittelperm vor gut 260 Millionen Jahren.
Und er lebte an Land.
Aber selbst wenn Eunotosaurus ne Wasserratte gewesen wäre, als Angehörige der Tetrapoda haben auch die Schildkröten landlebende Vorfahren gehabt. Alles an Wirbeltier, das nicht Neunauge, Knorpelfisch oder klassisch Knochenfisch für uns ist, hat vom Übergang Devon-Karbon an landlebende Vorfahren (bis zu dem Zeitpunkt, wo die eigene Ahnenkette wieder mal ins Wasser zurückkehrte).
Die Familie der Meeresschildkröten, Cheloniidae, jedenfalls stammt von wasserlebenden Schildkröten ab. Es mag andere wasserlebende Schildkröten geben, die von landlebenden Schildkröten abstammen, in dem Falle stammen deren Vorfahren natürlich wieder von wasserlebenden Testudines ab, welche spätestens mit Eunotosaurus und Family wieder landlebende Vorfahren besaß. Ob deren Ahnen vielleicht auch nochmal ne kurze Stippvisite ins Wasser vorgelegt haben, keine Ahnung, aber zumindest gabs
auch landlebende Vorfahren, und das wie gesagt bis ins beginnende Karbon. Davor spielte sich wirbeltiertechnisch alles im Wasser ab, davor (vor der Erfindung der Knochen also) sowieso.
Weitere Fälle von zweifachem Land- und Wassergang in Folge sind mir nicht bekannt, da könnten diese Schildkröten Unikate drin sein.