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Aktuelle Ergebnisse zu den ältesten Kulturen

31 Beiträge, Schlüsselwörter: Archäologie, Hochkultur, Prähistorie
libertarian
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Aktuelle Ergebnisse zu den ältesten Kulturen

17.02.2013 um 17:02
Ich möchte hiermit einen Sammelthread starten, in den jeder die Ergebnisse aktueller Forschung zu prähistorischen Kulturen einfügen kann. Fragen sind: Wo befand sich die älteste Kultur der Menschheit? Welche Erkenntnisse gibt es zu diesen? Wo fing die hochkulturelle Menscheitsgeschichte nach neuesten Erkenntnissen an? Gehen alle auf einen einzigen Ursprung zurück oder aber entwickelten sie sich unterschiedlich voneinander? Gab es Atlantis und ist es tatsächlich die älteste bekannte Hochkultur? Wenn ja, wo sind die Belege oder zumindest Indizien?

Alles hier rein. Wie man mag.


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libertarian
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17.02.2013 um 18:13
Ich mache mal den Anfang und stelle euch die sogenannte Jiroft-Zivilisation vor. Es gibt viele Indizien, dass es die älteste uns bekannte Zivilisation sein könnte. Ausgrabungen und genauere Forschungen aber werden einerseits durch das derzeitige repressive Regime im Iran behindert, andererseits durch fehlende Mittel und die angespannte Situation Irans mit der USA. Dennoch lassen sich schon jetzt einige Aussagen treffen und es gibt Einiges an Funden. Verbindungen wurden unter anderem mit dem sagenhaften Land Aratta hergestellt.

Die Lokalisierung Arattas im Südosten Irans findet derzeit die meiste Zustimmung. Youssef Madjidzadeh vertrat 1976 als erster diese These und stützt sie inzwischen auf die von ihm im Jahr 2001 begonnene Ausgrabung in Konar Sandal bei der iranischen Stadt Dschiroft, die bisher einen Monumentalbau (Zikkurat-ähnliche Pyramide mit nahezu 400 m Seitenlänge) und eine Vielzahl aufwändiger Töpferware mit auffallend differenzierter Symbolik zu Tage brachte. Sie soll eine frühe Handelsmacht gewesen sein. Die Jiroft-Kultur wird auf die Zeit um 2500 v. Chr. datiert. Viele der gefundenen bildlichen Darstellungen weisen Ähnlichkeiten zu sumerischen Legenden auf und könnten diese befruchtet haben. Allgemein geht man davon aus, dass sich diese Kultur schon vor 10.000 Jahren dort angesiedelt haben soll und über 600 Jahre vor der Mesopotamischen entstanden sein soll.
Wikipedia: Aratta

Dazu sehe man nun den Kern des Themas:
Wikipedia: Jiroft-Kultur

Diese könnte in Verbindung mit einer weiteren sehr alten Hochkultur stehen, die sich gleich daneben befand und vielleicht mit dieser verwandt ist. Namentlich der sogenannten Indus-Kultur:
Die jungsteinzeitliche/kupfersteinzeitliche und ansatzweise bronzezeitliche Indus-Kultur oder Indus-Zivilisation war eine der frühesten städtischen Zivilisationen, die sich etwa in den Jahren 2800–1800 v. Chr. entlang des Indus im Nordwesten des indischen Subkontinents entwickelte. Sie erstreckte sich über fast das gesamte heutige Pakistan sowie Teile Indiens und Afghanistans, insgesamt 1.250.000 km², und war damit flächenmäßig größer als das antike Ägypten und Mesopotamien zusammen. Neben diesen war sie eine der drei frühesten Zivilisationen der Welt.
Wikipedia: Indus-Kultur


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libertarian
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17.02.2013 um 18:17
Jiroft, a small city in the southeastern province of Iran, Kerman, has become a center of archaeological interest after the 2001 flash flood revealed one of the “forgotten and lost” civilizations of the ancient world. As the story goes, “an old object…was floating on the surface of water” and was retrieved by a peasant from a nearby village.

Next day, impoverished by years of drought villagers swarmed along the banks of the Halil River in search of 5000 years old antiquities. They carefully divided the area into six square meters lots so each family would have a fair chance to strike it rich. And they did. For the next three years archaeologists could only watch hopelessly thousands of looters digging up objects of incomparable beauty of the civilization which once must have been equal to Mesopotamia and Egypt.

Wherever are looters, there are also dealers who smuggle ancient objects out of the country. Thousands of objects, mainly carved and inlaid steatite vases, appeared in Europe and elsewhere with a generic description of the “Middle Eastern” or “Kerman” vases. The demand for these vases has been so high that a new industry has been created: production of fake Jiroft-vases easily sold to whomever wants to have a piece of ancient history.

Finally, under the leadership of Dr. Yousef Madjidzadeh, a team of international archaeologists began excavations in 2003. While his discoveries has not produced such spectacular vases and statuettes as those delivered by villagers, he was able to estimate that over 700 sites is possibly located in the area of about 400 square km. Focusing on two hills of Konar Sandal, he has been able to identify a construction which he classifies as a ziqqurat (a temple-tower of Mesopotamian origin) and a citadel, both dated by him to the 3rd millennium B.C. In addition, six large cemeteries, a large industrial center near Anbaraba, and numerous domestic structures have been discovered in the surveyed area.
Among artifacts 25 seals were discovered and the first undisputable evidence of writing: a clay brick with an Elamitic inscription.

This presentation introduces an audience to Jiroft, its findings, and its importance with regard to other well-researched cradles of civilizations of the same time period such as Sumer, Egypt, Elam and Indus Valley. Who were these people? What mythical scenes do these carvings represent? What language did they speak? Whether this is a lost kingdom of Aratta as Dr. Madzjizadeh believes or not, Jiroft is definitely the Lost Paradise for archaeologists and anyone who has a passion for ancient history.


Hier gibt es noch ein paar Zusatzinfos und Abbildungen:
http://ewas.us/jiroft.htm


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GöttinLilif
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20.02.2013 um 20:56
@libertarian

Schönes Thema, hier werde ich gerne regelmäßig rein schauen.
Etwas beizutragen habe ich aktuell leider nichts.


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21.02.2013 um 13:35
@libertarian
Wenn jetzt auch keine städtische Kultur, aber eine weitverbreitete frühzeitliche Bewegung wäre die Megalithkultur.
Megawal31
Diese soll ca. 4700 vc begonnen haben.
Wikipedia: Megalithkultur
Vor Jahren war ich mal in Carnac in Frankreich, das war unglaublich zu sehen was die Menschen damals zuwegegebracht haben. Ich würde bei solchen Leistungen schon von einer Hochkultur sprechen.
Wikipedia: Carnac


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emanon
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21.02.2013 um 13:52
Okay nicht ganz so alt aber auch interessant das Kuschana Reich. die Menschen siedeln in dem Gebiet seit 4000 Jahren und hinterliessen zuammen mit den ihnen nachfolgenden buddhistischen Mönchen, Nomaden aus China und indischen Händlern einzigarige Kulturdenkmäler die alle in Kürze von den Chinesen weggebaggert weren, das sie augerechnet auf dem zweitgrössten bekannten Kupfervorkommen der Welt stehen.
Man geht davon aus, dass für etwa 100 Milliarden Dollar Kupfer dort liegt.
Mes aynak heisst die Mine, sie liegt 100 km südwestlich von Kabul.
Klöster, Festungen, Siedlungen und ungeahnte Kulturschätze werden zerstört.
Wenn ich bedenke was für ein Aufschrei um die Welt ging als die Taliban die Buddhastatuen gesprengt haben, dann verwundert mich doch, da sich keiner zu Wort meldet um hier wesentlich umfangreiche Kulturschätze zu schützen.


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21.02.2013 um 17:07
@emanon
Laut Wiki ist das Kuschana Reich so alt nu auch wieder nicht.
Wikipedia: Kuschana
Trotzdem tragisch die Sache mit dem Kupfer, aber bei 100 Milliarden wundert mich das nicht wirklich.


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libertarian
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21.02.2013 um 17:26
@GöttinLilif
Freut mich, dass du dich eingefunden hast.

@lemmingmeister
Was eine Hochkultur ist, darüber lässt sich herzlich streiten. In diesem Sinne sind mir hier gar Jäger und Sammler willkommen, wenn sie auch nur im Entferntesten so etwas Hochstehendes wie die Megalithe geschaffen haben. Kann man alles hier einfügen. Wenn die Megalithkultur keine Hochkultur im eigentlichen Sinne wäre, so wäre sie aber doch sicher ein Vorreiter davon. Und auch diese sind mir hier herzlichst willkommen.

Gerne sehen würde ich hier älteste Funde religiöser Systeme und Gottheiten. Von wirtschaftlichen Systemen oder Vorreitern von Schrift. Kann man hier alles posten. Die Hochkulturen kamen schließlich meist auch nicht aus dem Nichts, sondern hatten ihre Vorgeschichte.

@emanon
Es ist zwar angesichts der heutigen Lage Afghanistans vielleicht etwas unglaubwürdig, aber mithin haben sich die frühesten Hochkulturen und auch städtischen Wesen aller Wahrscheinlichkeit nach auch in Afghanistan befunden. Wahrscheinlich entstammt auch der Religionsgründer Zarathustra aus dieser Gegend. Afghanistan hatte lange Zeit eine sehr differenzierte Bevölkerung mit hier und da sehr kultivierten Städten. Lange Zeit lebten hier Buddhisten, Zoroastrier, Hindus und Zunbils Seite an Seite. Mithin die größten buddhistischen Universitäten und Klöster befanden sich einst dort.

Wirklich schade, dass dieses Kulturerbe Afghanistans nun schon so lange mit Füßen getreten wird. Die Chinesen sind da sicher nicht anders. Erinnern wir uns nur an Tibet. Vielleicht werde ich in Richtung Afghanistan auch noch was schreiben. Aber werde wohl demnächst mal noch was ganz anderes hier einfügen. Mal schauen.


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libertarian
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21.02.2013 um 20:08
Die Hochkulturen von Peru

Michael Zick will von den Inka nichts wissen. Ihn interessieren die Völker davor

Es gehört zu den tragischen Kapiteln in der an solchen nicht eben armen Entdeckungsgeschichte neuer Kontinente und ihrer Kolonisierung durch europäische Mächte - die Vernichtung des Inkareichs durch die Spanier am Beginn des 17. Jahrhunderts. Lange standen bei Altertumsforschern ebenso wie im allgemeinen Bewusstsein die Inka im Vordergrund des Interesses. Ihre einst heilige Stätte Machu Picchu wurde zum touristisch tot getrampelten Mythos.

Oft übersehen oder gänzlich unbekannt aber sind jene Stätte in den Flusstälern und am Rande der Wüsten Perus, in denen bereits lange vor den Inkas eine Vielzahl verschiedener, zudem hoch entwickelter Kulturen existierte. In Caral und Sechín Bajo, Casma und Chavín de Huántar, in Sicán und Chimú wurden in den vergangenen Jahrzehnten vielfältige Zeugnisse monumentaler Architektur unter Hügeln aus Sand, Geröll und Schutt entdeckt. Darunter sind auch Dutzende von Stufenpyramiden, meist umgeben von großräumigen Arealen. Viele dieser Monumente gab es schon ein Jahrtausend bevor die Pyramiden in Ägypten errichtet wurden. Im Casma-Tal beispielsweise liegt ein gewaltiger Tempelkomplex, der bereits vor 5500 Jahren existierte. In Caral fanden die Archäologen eine prähistorische Metropole, die den Forschern neuerdings als eine der ersten, wenn nicht gar die erste Stadt auf dem amerikanischen Doppelkontinent gilt.

Weitgehend unbemerkt haben Archäologen von der Pazifikküste über die Anden bis ins amazonische Tiefland, von Ecuador über Peru bis Chile, den Beginn der menschlichen Zivilisation beständig weiter zurückverlegt und dabei Erstaunliches zu den vorkolumbianischen Kulturen zutage gefördert. Diese neuen Befunde hat Michael Zick nicht nur akribisch zusammengetragen, sondern viele der peruanischen Grabungsstellen selbst besucht. In einem lesenswerten und durch eigene Aufnahmen bereicherten Band stellt er diese jetzt vor.

Auf der Suche nach der Wiege menschlicher Zivilisationen hat Zick bereits zuvor die Türkei bereist. Mit dem 2008 ebenfalls im Stuttgarter Konrad Theiss-Verlag erschienenen Buch "Türkei" hat er erstmals ein Pionierwerk vorgelegt. Daran knüpft Zick jetzt mit den "Rätselhaften Vorfahren der Inka" in gleicher Qualität an. So wie in seiner zusammenfassenden Darstellung zur Vor- und Frühgeschichte Anatoliens, bis hin zum "geistigen Urknall" an der türkischen Ägäisküste, wo ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. mit den blühenden Kulturen auch die Wurzeln europäischer Wissenschaft und Literatur sprossen, folgt der Wissenschaftsjournalist jetzt in Peru einer 5000 Jahre währenden zivilisatorischen Entwicklung. Zick gebührt das Verdienst, die archäologisch lückenlos gesicherte Geschichte Perus erstmals zusammenfassend vorzustellen.

Oft ist schon kaum bekannt, wie viel Anatolien, jene gleichsam riesige Insel zwischen Europa und Asien, zur Entwicklung der menschlichen Kultur beigetragen hat; umso mehr gilt dies für das vorkolumbianische Südamerika. "Wenn von Hochkultur und Peru die Rede ist, folgt mit fallbeilartiger Sicherheit: Inka", schildert Zick die Ausgangslage seiner Recherchen. Machu Picchu und die Linien von Nazca, vielleicht noch der "Fürst von Sipán", sind zu Symbolen des alten Perus geworden. Doch das Inka-Reich bestimmte nur 98 Jahre die Geschicke dieser Weltgegend. Folgerichtig stellt Zick den ältesten Kultbau Amerikas in Sechín Bajo vor, die grandiosen Steinmetzarbeiten der Chavín-Kultur, die Monumentalbauten in Caral und die raffinierten Bewässerungsanlagen der Moche.

Mit seinem Buch über die Stätten der frühen Zivilisationen wirbt Zick zugleich für Peru, seine so andersartige Kultur und die bizarre landschaftliche Schönheit Südamerikas. Während einige der von ihm beschriebenen archäologischen Stätten für Besucher zugänglich sind, arbeiten in anderen noch die Forscher. Während der Tourismus dabei ist, die vor hundert Jahren entdeckte Kultstätte Machu Picchu - den heiligen Ort der Inka und seit 1983 Weltkultur- und Weltnaturerbe - zu zerstören, werden zunehmend auch andere Stätte und Peru als Reiseland insgesamt für Touristen immer interessanter. Zick trägt einerseits dazu bei, die frühen Anfänge peruanischer Hochkulturen besser zu verstehen; andererseits bereitet sich damit wohl auch jene Zerstörung archäologischer Stätten vor, die bereits anderenorts - von Peru bis Ägypten - zu beklagen ist.

Michael Zick: Die rätselhaften Vorfahren der Inka. Theiss, Stuttgart. 160 S., 34,90 Euro.


Quelle: http://www.welt.de/print/die_welt/vermischtes/article13772081/Die-Hochkulturen-von-Peru.html


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libertarian
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21.02.2013 um 20:14
Deutsche Forscher finden riesige Pyramide in Peru

Im Casmatal im nördlichen Peru graben Berliner Archäologen gewaltige Spuren der ältesten Zivilisation Südamerikas aus. Die frühen Amerikaner bauten vor 5000 Jahren bis zu 100 Meter hohe Stufenpyramiden - und alles ohne Bagger.

Die spanischen Eroberer vermuteten hier El Dorado, Länder mit unvorstellbarem Reichtum und fantastischer Geschichte. Und noch heute staunen Touristen über Machu Picchu und die legendäre Macht der Inka. Doch die moderne Wissenschaft hat die Mär von uralten Reichen beizeiten zertrümmert. Von allen Kontinenten hat der Mensch, lässt man die Antarktis beiseite, Südamerika zuletzt besiedelt. Vermutlich drangen die ersten Gruppen erst um 14.000 v. Chr. in das Land südlich der Landenge von Panama vor und erreichten Feuerland wohl erst 8000 Jahre später.

Stellt man dazu in Rechnung, dass die Anden bis unter eine Höhe von 3000 Metern vergletschert waren, wird klar, dass Homo sapiens nur eine verhältnismäßig kurze Zeit blieb, um den Sprung vom Jäger und Sammler zum Schöpfer einer Hochkultur zu wagen. Dass ihm dabei manches nicht so gelang wie in der Alten Welt, zeigen die Inka. Zwar schufen sie im 15. Jahrhundert n. Chr. ein Reich, das sich über mehr als 4000 Kilometer von Chile bis Peru erstreckte. Aber noch immer gründete sich ihre Technik auf die Bearbeitung von Stein. Auch kannten sie keine Schrift, in der sich Texte wiedergeben ließen. Und ihr wichtigstes Transportmittel war der Mensch.
Geschätzte Höhe: 70 bis 100 Meter

Und dennoch haben die Bewohner Südamerikas zu der Zeit, in der in Ägypten die Pharaonen ihre ersten Pyramiden bauten und im Zweistromland die Sumerer mauerbewehrte Metropolen schufen, begonnen, riesige Bauwerke zu errichten. Stufenförmige Pyramiden, gewaltige Prozessionsstraßen und eingefasste Höfe. In Sechín Bajo im Casmatal, 370 Kilometer nördlich der peruanischen Hauptstadt Lima, stießen deutsche Archäologen auf Reste eines Bauwerks, dessen Fundamente mehrere hundert Meter im Quadrat ausmachen. Geschätzte Höhe: 70 bis 100 Meter. Doch nicht nur seine Maße, auch das Alter des Monumentalbaus, der demnächst in Berlin vorgestellt wird, machen ihn zu einer Sensation: Geophysikalische Untersuchungen datieren den Komplex auf ein Alter von 5200 Jahren. Damit wäre es der älteste Steinbau Amerikas.

1992 hatten Forscher vom Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin erstmals das Gelände in der Küstenwüste Perus durchkämmt. Seit 2003 werden die Grabungen in Sechín unter Leitung von Peter Fuchs von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Neben den Berliner Archäologen arbeiten Kartographen der Universität Essen, Geowissenschaftler der TU sowie Geophysiker und Restauratoren aus Berlin an dem Projekt, das unser Wissen über die Frühgeschichte Südamerikas revolutioniert hat. Galt bis in die neunziger Jahre Chavín in Nordperu mit einem Alter von 1200/1100 v. Chr. als wichtigster "Ausstrahlungspunkt" des "Frühen kulturellen Horzionts" im Andengebiet, muss dessen Datierung jetzt um Hunderte, wenn nicht Tausende Jahre früher angesetzt werden.
Denn nicht nur in Sechín, sondern auch in anderen Flussoasen in der lebensfeindlichen Küstenwüste wurden Spuren riesiger Bauwerke gefunden. Wenn in manchen davon bis zu 100.000 Tonnen Steinmaterial verbaut wurden, so der Bonner Ethnologe Hans J. Prem, lässt das "das Wirken einer zentralen Autorität noch unbestimmbarer Form erkennen".

Die Grundfläche war rund 250 Fußballplätze groß
Das gilt auch für Sechín. Allein die Hauptpyramide mit Prozessionsstraße und eingesenkten runden Plätzen von Sechín Alto, die auf 1600 v. Chr. datiert wird, umfasst eine Grundfläche von rund 250 Fußballplätzen und ist größer als der klassizistische Teil Berlins Unter den Linden. Unter diesem gigantischen Komplex stießen die Archäologen jetzt auf die Fundamente der riesigen Pyramide. Deren Hauptbauachse weicht um 45 Grad von der der späteren Anlage ab. Geschätztes Alter: 3200 v. Chr.
Geophysikalische Sondierungen am Fundplatz zeigen darüber hinaus, dass diese frühen Amerikaner um die monumentalen Gebäude herum offensichtlich kleinere Fundamente gelegt haben. Ob es sich dabei um Spuren von Siedlungen handelt, müssen künftige Untersuchungen zeigen.

"Aus der Anlage und Architektur der Räume in diesen Bauten und aus vielen archäologischen Befunden kann nur geschlossen werden, dass diese Monumentalarchitektur nur kultisch-zeremoniellen Zwecken diente", sagt der Berliner Geophysiker Bernhard Lorenz, dessen Büro die Messungen in Sechín durchführt. Für ihn sind die Bauten die Kulisse, die den Platz, an dem sich eine Gruppe von Menschen regelmäßig traf, bedeutsam machte.
Nicht nur in Sechín, sondern auch in anderen isolierten Oasen in der Wüste bildeten sich also offenbar schon vor 5000 Jahren Gesellschaften. Diese lebten nicht nur vom Fischfang, sondern zunehmend auch vom Pflanzenanbau(Mais, Erdnüsse, Maniok, Kürbis). Sie erweiterten die Nutzfläche durch künstliche Bewässerung, was Organisation notwendig machte, Herrschaft, wenn man so will. Arbeitsteilung setzte ein, die das Auftürmen der kolossalen Pyramiden erst ermöglichte.

Die Pyramidenarbeit schuf Gemeinschaft
Wie in Göbekli Tepe im Nordosten der Türkei, wo unlängst der älteste Tempel der Menschheit aus dem 8. Jahrtausend v. Chr. ans Licht kam (WELT v. 19.1.), begannen diese frühen Kulturschöpfer auch, sich über ihr Schicksal Gedanken zu machen. Doch Glaube und Religion hatten einen zutiefst sozialen, ja politischen Aspekt: Die Rituale der Gemeinschaft unter Leitung von Schamanen oder Priestern dienten auch dem Erhalt des identitäts- und handlungsorientierten Gemeinschaftswissens, wie der Ägyptologe Jan Assmann das Gedächtnis schriftloser Gruppen rekonstruiert hat. Der gemeinsame Kult und die Arbeit daran, das Auftürmen von riesigen Pyramiden in Sechín wie am anderen Ende der Welt in Ägypten, brachte Menschen dazu, sich ihrer als Gemeinschaft zu vergewissern. Doch anders als im Niltal, wo der entstehende Staat schon früh die Schrift erfand, konnten Spuren dieser bahnbrechenden Erfindung im Andenraum bis zu den Inka nicht nachgewiesen werden.

Die frühen Amerikaner hatten es nicht leicht. Ihre einwandernden Gruppen waren klein gewesen. Und die, die in den verstreuten Oasen der kleinen Flüsse am Westabhang der Anden sich einen Kosmos aufbauten, hatten es weit bis zum nächsten Fluss. Die Wüste war tödlich und die schmächtigen Lamas als Transporttiere für Mensch und Waren kaum geeignet. Nicht umsonst haben Forscher im mangelnden Austausch untereinander einen Grund für die Andersartigkeit der vorkolumbischen Kulturen gegenüber denen der Alten Welt gesehen.

Woher kommen die Kaimane?
Doch auch diese These wankt durch die Grabungen in Sechín. In jüngeren Grabungsschichten aus dem 17. Jahrhundert v. Chr. fanden sich nämlich Hunderte von Ritzzeichnungen, die vor allem ein Mischwesen aus Kaiman und Mensch wiedergeben. Diese religiösen Darstellungen erinnern an jüngere Zeichnungen aus Chavín, das gemeinhin als älteste Hochkultur Südamerikas angesehen wird. Mit einem Haken. Kaimane gab und gibt es in den Flüssen westlich der Anden nicht.

Neue französische Grabungen östlich der Anden im Dschungel Ecuadors förderten aber vor wenigen Jahren ungewöhnlich fein polierte und geschmückte Steinbehälter sowie Kult- und Begräbnisstätten ans Licht, die auch eine enge Verbindung zu Chavín zeigen. Vor allem aber: Die Funde wurden auf 2450 v. Chr. datiert und waren damit mehr als 1000 Jahre älter als das Kulturzentrum westlich der Anden.

Gab es also doch frühe Verbindungen über die steilen Gebirgsketten hinweg? Kamen womöglich die ersten Bewohner der Flussoasen nicht aus dem Norden, sondern aus dem Osten, von woher sie den göttlichen Kaiman mitbrachten? Birgt gar der Dschungel die Reste der ältesten Zivilisation südlich von Panama?

Die Chancen, diese Fragen zu lösen, steigen, seit die Staaten Südamerikas begonnen haben, ihre Wurzeln nicht mehr nur im spanischen Imperium, sondern in den Kulturen der Urbewohner zu sehen. Die Archäologie eines ganzen Kontinents steht noch vor umstürzenden Entdeckungen.


Quelle: http://www.welt.de/kultur/article88376/Deutsche-Forscher-finden-riesige-Pyramide-in-Peru.html


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21.02.2013 um 20:16
Sind zwar nicht ganz aktuelle Funde, aber immerhin sehr unbekannte Kulturen, welchen man gerade erst noch heiß auf der Spur ist.


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21.02.2013 um 20:58
Die Lepinski Vir Kultur aus der Steinzeit. Sie lebten an dem Ufer der Donau am Eisernen Tor. Die Häuser waren Trapezförmig und hatten an der schmalsten Stelle eine Kochstelle und dahinter einen Steingötzen. . Ich find die schon immer witzig.


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21.02.2013 um 21:09
lepenski


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22.02.2013 um 01:31
@Spöckenkieke
Da wüsste ich ne passende Freundin für die Typen.
venus willendorf


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22.02.2013 um 08:43
@lemmingmeister
Die ist doch viel zu alt. Vielleicht schauen die deswegen so bedröppelt.


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22.02.2013 um 10:04
@Spöckenkieke
schlimmer , Du siehst doch sie ist schwanger und er muss sie heiraten. ..


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07.03.2013 um 00:49
Schönes Thema!

Die Vinča-Kultur ist eine siedelte 5400 -.4500 v. Chr. in Südosteuropa. Bekannt ist sie vor allem durch die Vinča-Zeichen. Diese Piktogrammen könnten ein Vorläufer der Schrift sein. Die Archäologin Marija Gimbutas hat sie als alteuropäische Schrift bezeichnet, ebenso Harald Haarmann, ein deutscher Sprach- und Kulturwissenschaftler.

Jungsteinzeitliche Donauzivilisation allgemein, von 5000 bis 3500 v. Chr. Unter dem Begriff werden verwandte Kulturen zusammen gefasst. Gilt als Vorläufer der Minoische Kultur. Die ersten Ballungsstätten waren größer als alle frühen Städte Mesopotamiens. Erfindungen, die den Sumerern zugeschrieben wurden; (Achtung, jetzt bin ich zu faul, deshalb copy paste;-))) Einfamilienhäuser mit über 100 m² Grundfläche, die ersten zweigeschossigen Reihenhäuser, das erste Töpferrad (Vorläufer der Töpferscheibe), die ersten Rollsiegel, die ersten Keramikbrennöfen mit regulierter und kontrollierter Brenntemperatur, die erste Metallgusstechnologie (für Kupfer), die ersten Goldartefakte, das erste Zahlen- und Schriftsystem, die erste Herstellung von Wein und Olivenöl und der erste Anbau von Kirschen, Erbsen und Petersilie. (copy paste Ende).

Und he, nix gegen Schwangere, die sind sexy und nicht fett!!! :fuyeah:


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09.03.2013 um 22:05
Hier, die wenig erforschte (noch namenlose) Stadt im Golf von Khambhat (Indien), sie wird auf ca. 7500 Jahre datiert. Ein bearbeitetes, in der Stadt geborgenes Holzstück weist auf über 9500 Jahre hin, jedoch könnte dieses auch von der Strömung angeschwemmt worden sein. Es wurden bereits 2000 Fundstücke an Land gebracht. Die Ruinen selbst, liegen etwa 40m unter dem Meeresspiegel, 20km von der Küste entfernt, sie erstrecken sich über ein noch nicht klar definiertes Gebiet von ca 9km.

Selbs wenn sich "nur" die 7500 Jahre beweisen ließen, hätten wir eine Sensation, die 3000 Jahre vor den Pyramiden erbaut wurde(Pharao Sahure).

http://news.bbc.co.uk/2/hi/south_asia/1768109.stm

Wikipedia: Marine_archaeology_in_the_Gulf_of_Cambay


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libertarian
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10.03.2013 um 06:25
@anath
Danke dir. Hört sich alles sehr interessant an, was du bisher alles eingebracht hast.


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11.03.2013 um 20:12
@libertarian

Zur höheren Kultur einer Zivilisation gehört die Schrift. Hier eine Kontroverse zur Entstehung. Falls zu Gunsten der Forscherinnen entschieden werden sollte, würde es eine Grundsatzdiskussion nach sich ziehen, da es ältere ähnliche Funde in Afrika gibt die auf ein Alter von gut 100.000 Jahren geschätzt werden.

Die älteste Schrift ist laut gängige Lehrmeinung auf 4000 v.Chr. in Uruk zurückzuführen. Kanadische Archäologinnen haben in Frankreich in 146 Höhlen, die zwischen 35.000-10.000 Jahre alt sind, 5000 Zeichen untersucht. Das Ergebnis sind 26 Zeichen im gleichen Stil. Die Zeichen haben auch Bezug zu Fundstellen aus anderen Länder. Kritik an den Damen gibt es reichlich. Zum einen seien die Zeichen seit 50 Jahren bekannt, zum anderen liegen keine seriös empirischen Studien zugrunde, lediglich 4 Monate Forschung. Spannend ist es aber allemal.

http://www.focus.de/wissen/mensch/archaeologie/tid-18113/archaeologie-die-erste-schrift-der-welt_aid_497419.html

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-11551-2010-04-22.html

http://www.3sat.de/page/?source=/scobel/163492/index.html


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