Kriminalfälle
Menschen Wissenschaft Politik Mystery Kriminalfälle Spiritualität Verschwörungen Technologie Ufologie Natur Umfragen Unterhaltung
weitere Rubriken
PhilosophieTräumeOrteEsoterikLiteraturAstronomieHelpdeskGruppenGamingFilmeMusikClashVerbesserungenAllmysteryEnglish
Diskussions-Übersichten
BesuchtTeilgenommenAlleNeueGeschlossenLesenswertSchlüsselwörter
Schiebe oft benutzte Tabs in die Navigationsleiste (zurücksetzen).

Der Fall Jens Söring

29.366 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Mord, Kino, Gefängnis ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
Zu diesem Thema gibt es eine von Diskussionsteilnehmern erstellte Zusammenfassung im Themen-Wiki.
Themen-Wiki: Der Fall Jens Söring

Der Fall Jens Söring

30.12.2019 um 11:07
Zitat von Mr.StielzMr.Stielz schrieb:es gibt Hinweise, dass man bei den Tonbandmitschnitten deutlich zugunsten Sörings manipuliert hat:
kreuz und quer zusammengeschnitten
eine Vernehmung Haysoms vom 8.Juni auf den 5.Juni vorverlegt, was den Eindruck erweckt, sie hätte ihn zuerst belastet
eine Frage, die man an Söring gestellt hat, muss in der Doku von Haysom beantwortet werden
Auslassungen rechtlicher Hinweise und des mehrfachren Angebots, einen Anwalt hinzuzuziehen, was ganz klar Sörings Behauptung widerlegt, ein Anwalt sei ihm vorenthalten worden,
Hm. Auch ein Film ist interpretationsfähig. Wenn ich schon einen sehr schwerwiegenden Vorwurf wie "Manipulation" repliziere, dann muss ich mich fragen:

- Ist ein Schnittfehler oder ein falsches Datum schon (vorsätzliche, bösgläubige) Manipulation?
- Gibt es keine Fehler zu Lasten von Söring (ich denke ja - darauf habe ich schon hingewiesen, aber das kann man genau entgegengesetzt interpretieren)?
- Ist die Widergabe von Sörings Behauptungen (kein Anwalt) schon "Manipulation", weil nicht jede Behauptung sogleich widerlegt wird?

All das würde ich nur gelten lassen, wenn der Film den Anspruch hätte, nur eine Wahrheit zu verkünden. Genau das tut er aber nicht. Er skizziert einen Fall, aber nie mit der Intention, alles stimme, was Söring oder andere Protagonisten sagen. So zu tun, als sei das so, ist Popanz. Da muss der gute Zuschauer schon etwas mitdenken.


2x zitiertmelden

Der Fall Jens Söring

30.12.2019 um 11:09
Überraschende Nachrichten. Jetzt ist Herr Söring tatsächlich frei und in Deutschland. Wer hätte das gedacht.

Mal schauen was aus ihm werden wird. Sorgen muss sich glaub ich niemand machen (obwohl die bisher geäußerten Sorgen hier im Thread, er könne nicht mehr Fuß fassen, werde möglicherweise Hartz 4 beziehen müssen, wohl eher Wunsch als wirkliche Sorge war.)

So wie ich es verstanden habe, sieht Herr Söring eine mögliche berufliche Perspektive als Redner:
“What they want on the speaking circuit,” he said studiously, “is unique stories of resilience, and I have a really unique story of resilience. You know, it took me thirty-three years, but I fought my way off death row! And I fought my way out of prison! And I never gave up!” This kind of thing was new to him—he is used to producing restive texts arguing for his innocence—but he’d been told it was his best chance in this strange new world of influence and likes, so he was going to try to do his best. “Remember, a few years ago, there was that man in the United States who was on a hike and got trapped by a boulder and had to saw his own arm off, and then they made a movie about it?” Soering said. “He’s on the speaker’s circuit, and he is killing it.”
https://www.newyorker.com/culture/culture-desk/a-new-chapter-in-a-double-murder-case

Die Dauerschreiber hier, ohne die der Fall Jens Söring schon vor Jahren aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden wäre, werden weiterhin dafür sorgen, dass der Thread nicht nach hinten rutscht. Vielleicht wird der englischsprachige Blog wie angekündigt weiterhin das Feuer schüren und wenn vielleicht irgendwann doch noch Herr W. seinen Bericht eines ehemaligen Polizeibeamten herausbringt - hoffentlich schreibt er dann tatsächlich "Scotland Yard" drauf, damit er auch wirklich beachtet wird - dann steht Herrn Söring vielleicht auch der internationale Markt offen.

Und wer weiß, vielleicht hat dann auch wieder der selbsternannte Kronzeuge Schroeder einen weiteren kleinen aber denkwürdigen Auftritt, um das ganze mit schlauen Einschätzungen und lateinische Phrasen zu würzen, einmal mehr ganz wie ein Doktor der Philosophie ...

Falls also Herr Söring mit Hilfe all dieser Menschen seine Marke schärfen und deren Wert steigern kann - das wird er sicherlich, schließlich haben diese Menschen letztlich auch geholfen, dass er freikommt - dann mache ich mir keine Sorgen, dass er mit Vorträgen, Kommentaren und Büchern etc gutes Geld verdienen wird.

Möglicherweise wird er sich auch zu dem Trendthema Hasskommentare im Netz äußern, da kann er ja aus einem reichhaltigen Fundus schöpfen. Die gute Nachricht für all die, die sich über Jahre an Herrn Söring abgearbeitet haben: sie sind Teil des Gegenwindes, gegen den sich Herr Söring behaupten musste, sie sind also wichtiger Bestandteil seiner Story. (Aber vielleicht irre ich mich und er wird gegen jeden einzelnen juristisch vorgehen.) Für einen erfolgreichen Einstieg in eine Karriere ist jedenfalls - so denk ich - gesorgt.

-------

Es gibt einen weiteren Podcast auf englisch (noch nicht alle Episoden wurden gesendet). Da sind Stimmen dabei, die ich noch nicht kannte:

"Small Town Big Crime" zu hören z.B. hier: https://open.spotify.com/show/7p85SzgYZiQTeoZBnKyPCX
hier: https://podtail.com/de/podcast/small-town-big-crime/
oder hier: https://www.stitcher.com/podcast/small-town-big-crime

Da mich vor allem die Rekonstruktion des Falles interessiert hat, hoffe ich natürlich darauf, dass - jetzt wo die juristische Aufarbeitung abgeschlossen ist - sich der ein oder andere Widerspruch aufklären lässt. Dass viel gelogen wurde halte ich für wahrscheinlich. Nur wo und aus welcher Motivation heraus weiß ich nicht. So einfach ist es ja nicht, dass sich aus einer Lüge eine Tatbeteiligung ableiten lässt. Frau Haysom hatte ja auch gelogen und war nicht direkt an der Tat beteiligt. So heißt es. Ich fürchte aber, das Thema "Was wirklich geschah" ist durch.

Spannender werden eh ihre nächsten Schritte sein. Herr Söring war ja immer auch ein offenes Buch (strittig ist ja nur, ob es Fiktion oder Sachbuch ist). Bei Frau Haysom kennen wir nur die Cover unterschiedlicher Auflagen, mal Betschwester mal Punk.

Das war es dann auch erst mal wieder von mir an diesem unwirtlichen Ort.


3x zitiertmelden

Der Fall Jens Söring

30.12.2019 um 11:28
Zitat von yasumiyasumi schrieb:Aber vielleicht irre ich mich und er wird gegen jeden einzelnen juristisch vorgehen.)
natürlich, was soll er denn anderes mit seinem restlichen Leben anfangen? Das wäre natürlich das Beste was er daraus machen könnte *g* und würde selbstverständlich das bestätigen, was für ein Mensch er ist. Daher bin ich mal gespannt, wir können dann ja berichten ;). Aber vielleicht kommt ja noch die Zeit auf uns zu, wo andersartige Meinungen tatsächlich verboten werden, wer weiß das schon so genau?
Zitat von yasumiyasumi schrieb:So heißt es. Ich fürchte aber, das Thema "Was wirklich geschah" ist durch.
das stimmt allerdings. EH war eben nicht in der Lage gewesen die Blutgruppe 0 am Tatort zu hinterlassen. Daher ist das Thema tatsächlich durch.


melden

Der Fall Jens Söring

30.12.2019 um 11:32
Zitat von monstramonstra schrieb:- Ist ein Schnittfehler oder ein falsches Datum schon (vorsätzliche, bösgläubige) Manipulation?
Mit einem kleinen Fehler hätte ich wahrscheinlich kaum ein Problem. Aber es häuft sich. Und wenn man dann bei einer sinnentstellt zusammengeschnittenen Aussage im Film ein laufendes Tonbandgerät sieht, so dass der Eindruck entsteht, es handelte sich hier um eine Originalaufnahme, dann stößt mir das sauer auf, wenn man dahinter kommt.

Weniger Anstoß nehmen würde ich auch an solchen "Fehlern". wenn die Dokumentation quick and dirty von einer neutralen Filmgesellschaft produziert worden wäre. Karin Steinberger kennt den Fall aber seit mehr als 10 Jahren; sie hat sich schon lange klar positioniert und ihre Leserschaft mit einer langen Historie oft tendenziöser Zeitungsartikel bedacht.

"Erkläre nicht mit Bosheit, was Du durch Dummheit erklären kannst." Diese interessante Signatur hat jemand in einem anderen Forum. Daran muss ich gelegentlich denken; aber unter den gegebenen Umständen deutet leider vieles darauf hin, dass man uns in der Doku absichtlich falsch informiert.


1x zitiertmelden

Der Fall Jens Söring

30.12.2019 um 11:38
@Mr.Stielz
es kann nicht sein, was nicht sein darf, so einfach ist das manchmal.
Im Übrigen war das nicht die einzige Szene die "seltsam" geschnitten wurde. Auch als es um den Fußabdruck von EH ging, schien es, als ob der Richter die Jurymitglieder herausgebeten hat. Allerdings war die Szene so offensichtlich geschnitten worden, dass ich Zweifel daran habe, das es sich so zugetragen hat.


melden

Der Fall Jens Söring

30.12.2019 um 11:45
Ich persönlich habe den Film gesehen und hatte vorher gar nichts gehört von dem Fall. Die ganzen Kleinigkeiten können nur auffallen, wenn man sich mit dem Fall beschäftigt und sich damit auseinandersetzt, vor allem natürlich die "Fehler" bzw. das Kaschieren ins positive Licht für Söring.

Mir blieb am Anfang lediglich die Gerichtsszenen in Erinnerung, das Kreuzverhör mit Updike. Ich wusste nicht, wer Kim ist, und warum dieser Watson über 20 Jahre nachdem Geschehen erst recherchiert, was ich absolut unverständlich fand.

Man kann den Film nicht wirklich verstehen, wenn man sich nicht damit beschäftigt. Und jeder Mensch hat andere Schlussfolgerungen, und es wird nicht jeder nachdem Film angefangen haben alles zu lesen bzw. kommt es dann auch darauf an was man liest, von daher ist es schwierig für den "guten Zuschauer" der in der Regel ausgelastet ist im Leben, denke ich.


melden

Der Fall Jens Söring

30.12.2019 um 11:56
Zitat von monstramonstra schrieb:Hm. Auch ein Film ist interpretationsfähig. Wenn ich schon einen sehr schwerwiegenden Vorwurf wie "Manipulation" repliziere, dann muss ich mich fragen:
Ich sehe das insgesamt ähnlich. Es klingt bisweilen hier immer so, als ob die Menschen aus Manipulatoren und deren Opfer bestehen.
JS manipuliert seine "Fans".
Filmer manipulieren die Zuschauer.
Die Presse manipuliert die Leser.

So viel Manipulation und vor allem so viele naive Menschen die es anscheinend in diesem Fall gibt.
Ich kann das nicht erkennen und gehe eher von Meinungsunterschieden, Interpretationsvariationen und eigenen Projektionen aus.

Ausserdem hab ich den Film eher neutral empfunden und halte mich für einen äusserst kritischen Menschen.


melden

Der Fall Jens Söring

30.12.2019 um 13:32
Nun möchte ich doch selbst einmal auf den soeringguiltyascharged Blog als Quelle verweisen (ich glaube es ja selbst kaum :)), weil ich denke, dass das Verhör mit Gardner sehr große Interpretationsmöglichkeiten offen lässt.

Eine Aussage z.B. geht um Täterwissen (mit Deepl übersetzt), was hier ja schon oft diskutiert wurde:
Gardner : Und der Voodooismus, wie Sie nach den Morden sagen .

Söring : Nun, es wurde mir gesagt und ... okay, es ist mein Hörensagen. Die Zeitungen haben es mir zuallererst erzählt, und dann habe ich es von verschiedenen Familienmitgliedern der Haysom-Familie gehört, die während der Ermittlungen in engerem Kontakt mit Ihnen gestanden haben. Ich habe gehört, dass im Haus und an den Körpern Gräueltaten begangen wurden . “

Söring : Und Howard Haysom hat es mir erzählt, ich glaube, richtig, er war bei ihm, Sie ... ich glaube, er war der Hauptverbindungsmann zwischen der Familie Haysom und dem Büro des Sheriffs nach dem Mord .
Hier sagt JS ja eindeutig, dass er aus Zeitungen und Verwandschaft gehört hat und da geht es mir nicht nur um Voodoo sondern um allgemeines Täterwissen, was hier so oft als großes Indiz angenommen wird.

Im Blog wird wohl darauf hingewiesen, dass JS die Taten unbedingt trennen wollte. Also Mord und Verstümmelung.
Für mich hört sich das so an, als ob der Schreiber damit ausdrücken willl, dass JS damit die tatsächliche Tat eindeutig zugibt.

Ich interpretiere das völlig anders.

Jemand, der für den Mord eines anderen gerade stehen will, kann vielleicht an diesem Punkt mit der Verstümmelung nicht
dazu stehen und weist das von sich.
Gerade dass er Mrs. Massie ins Spiel bringt, macht für mich das ganze noch unglaubwürdiger, bzw. sieht nach völliger
Orientierungslosigkeit und Abwehr aus.

Für mich macht das Verhör genau das was JS hinterher sagt: er hat durchgängig gelogen, was die Tatsache betrifft, die Haysoms umgebracht zu haben.


2x zitiertmelden

Der Fall Jens Söring

30.12.2019 um 13:37
Zitat von Mr.StielzMr.Stielz schrieb:unter den gegebenen Umständen deutet leider vieles darauf hin, dass man uns in der Doku absichtlich falsch informiert.
Das ist Deine Interpretation. Ich fühle mich nicht manipuliert, weil ich davon ausgehe, dass ein 90minütiger Film eine Kontroverse nie erschöpfend abhandeln und jede Frage beantworten kann und mithin immer oberflächlich bleibt. Auch die Tonbandschnitte waren als Collage erkennbar, Schnipsel mit einzelnen Aussagen. Wie auch die Zitate aus den Briefen. Mir scheint solch harsche Kritik vorrangig daraus zu entstehen, dass der Film ein Stück weit Verständnis für Söring vermittelt. Dabei ergreift er NICHT Partei, was ein wesentlicher Unterschied ist.

Im Übrigen: Journalisten engagieren sich immer wieder für ihre Themen. Das ist ihr täglich Brot. Hanns Joachim Friedrichs hat einmal betont, dass sie sich bei aller Emotionen für eine Sache niemals mit dieser gemein machen sollen. Und zumindest hinsichtlich dieses Films ist diese Distanz eingehalten.


melden

Der Fall Jens Söring

30.12.2019 um 13:58
Zitat von Mr.StielzMr.Stielz schrieb:Und einen neuen Blog-Eintrag gibt es heute noch dazu.
Danke für den Hinweis, das war ein interessanter Blog-Beitrag.

Ich fand es interessant zu lesen, dass JS anscheinend dachte (hatten das die englischen Zeitungen berichtet?), jemand hätte die Leichen geöffnet und die Innereien in der Wohnung verteilt. Da er am Tatort war, konnte er ausschließen, dass er das war und kam daher auf die Idee, Frau Massie hätte das gemacht.
Dass er sich "beobachtet" fühlte, glaube ich sofort. Ich denke, das ist eine natürliche psychologische Reaktion, wenn man etwas Unerlaubtes tut (und sei es nur, wenn man Bonbons aus der Speisekammer klaut).

Soweit ich bei Englade in "Beyond reason" gelesen habe, bestand das "Voodoo" vor allem daraus, dass die Zahl "6" in das Blut geschmiert und ein "V" in das Kinn von DH geschnitten wurde. Angeblich waren die Leichen nach Norden ausgerichtet, aber das war vielleicht Zufall?
JS schreibt über Voodoo in Mortal Thoughts: "After all, everyone knew that so-called voodoo only happened among uneducated Haitians who believed so firmly in their witch doctor's powers that they gave up on living and died. The psychology books I had read called this phenomenon autosuggestion." Offenbar hatte er sich also mit dem Thema beschäftigt.
Oder kam das "Overkilling" daher, dass er wirklich sichergehen wollte, dass die Eltern tot sind, bevor er zurückfährt?
Oder (und das kommt im Blog so rüber) ist/war er ein durch und durch verderbter Killer, der etwas ausagiert hat, was schon vorher in ihm geschlummert hat?

Ich habe nämlich eher das Gefühl, dass die ganze Aktion irgendwie ziemlich unausgegoren begonnen wurde. Am Wochenende zurvor hatte DH Geburtstag. Am nächsten Wochenende war Ostern und am übernächsten Wochenende sollte EHs Geburtstag sein. Für mich liest es so, als hätten sie nach dem Motto "now or never" gehandelt.
(DHs Geburtstag: Samstag, 23.3.1985
Ostersonntag: 7.4.1985
EHs Geburtstag: Montag, 15.4.1985)
Besonders der abweichende Tacho der Autovermietung und die dilettantischen Belege aller Art sprechen für mich dagegen, dass sie sich vorab übermäßig viele Gedanken über ein wasserfestes Alibi gemacht hatten.


melden

Der Fall Jens Söring

30.12.2019 um 14:20
Zitat von BluelleBluelle schrieb:Hier sagt JS ja eindeutig, dass er aus Zeitungen und Verwandschaft gehört hat und da geht es mir nicht nur um Voodoo sondern um allgemeines Täterwissen, was hier so oft als großes Indiz angenommen wird.
das mag daran liegen, dass die Ermittler fast ein halbes Jahr im Dunklen tappten, weshalb man die Haysom fast geköpft haben könnte. Ein Raubmord schied aus. Näheren Familienangehörigen traute man die Tat zunächst auch nicht zu. Erst als EH näher überprüft worden ist, kamen sie den beiden auf die Schlichte.
Eine solche Art von Verbrechen war in den 80ern eben noch nicht üblich gewesen. Dass der Freund den Eltern seiner Freundin die Kehlen durchschnitt. Ist ja nicht mehr vergleichbar mit heute, damals war das tatsächlich schockierend gewesen, so dass man eher in Betracht zog, es hätte etwas mit Voodoo zu tun. Alles war besser, als die bittere Wahrheit gewesen.


melden

Der Fall Jens Söring

30.12.2019 um 15:00
Zitat von BluelleBluelle schrieb:und da geht es mir nicht nur um Voodoo sondern um allgemeines Täterwissen, was hier so oft als großes Indiz angenommen wird.
Sein Wissen über einen blutenden Täter kann er nicht aus der Zeitung haben, denn bei leisestem Verdacht auf einen Komplizen hätte er nach eigener Aussage nicht gestanden. Er hat also nur gestanden, weil er wusste, dass das Blut von ihm ist. Das Blut ist definitiv Täterwissen.

Den Voodoo-Teil wollte er nicht gestehen wegen der befürchteten Höherbestrafung. Vielleicht war er es auch nicht selbst, sondern Haysom, der konnte er es aber ja nicht zuschreiben.
Zitat von BluelleBluelle schrieb:Gerade dass er Mrs. Massie ins Spiel bringt, macht für mich das ganze noch unglaubwürdiger, bzw. sieht nach völliger
Orientierungslosigkeit und Abwehr aus.
Abwehr zum Selbstschutz und dafür stumpf und orientierungslos irgendwas erfinden, richtig. Daran kann man gut erkennen, dass er keine Probleme hat, irgendwen mit hineinzuziehen. Als Unschuldiger, der keinen Fußabdruck und kein Blut am Tatort hinterlassen hat, hätte er ganz sicher noch alle möglichen anderen Leute beschuldigt, bevor er den Kopf hinhält.
Das war das Geständnis eines Täters, der sich überführt sah und maximal seine Freundin herausließ.


2x zitiertmelden

Der Fall Jens Söring

30.12.2019 um 15:06
Zitat von Seps13Seps13 schrieb:Den Voodoo-Teil wollte er nicht gestehen wegen der befürchteten Höherbestrafung. Vielleicht war er es auch nicht selbst, sondern Haysom, der konnte er es aber ja nicht zuschreibe
das mit dem Voodoo kam doch schon zuvor zustande. Weil man sich die Tat nicht erklären konnte. Wahrscheinlich auch hinterher nicht, als feststand, wer diese Tat begangen hat und warum diese Tat so brutal ausgeführt worden ist.

Im Grunde genommen finde ich das Verhör bezüglich des Voodoo´s aber ganz aufschlussreich. Denn besorgt war er nie und zu keiner Zeit um EH gewesen, sondern lediglich nur um sich selber. Alles dreht sich dort nur um ihn. Dabei war er doch gar nicht am Tatort gewesen ;)


melden

Der Fall Jens Söring

30.12.2019 um 15:28
Hat JS das mit der gedachten Immunität eigentlich auch im Prozess vorgetragen?

Oder kam das ausschließlich in seinen literarischen Werken vor?
Weiß das jemand spontan?
Ich habe es nur im Gedächtnis aufgrund seiner Unschuldsbekundungen in seinen Büchern.


2x zitiertmelden

Der Fall Jens Söring

30.12.2019 um 15:29
Zitat von Seps13Seps13 schrieb:Sein Wissen über einen blutenden Täter kann er nicht aus der Zeitung haben, denn bei leisestem Verdacht auf einen Komplizen hätte er nach eigener Aussage nicht gestanden. Er hat also nur gestanden, weil er wusste, dass das Blut von ihm ist. Das Blut ist definitiv Täterwissen.

Den Voodoo-Teil wollte er nicht gestehen wegen der befürchteten Höherbestrafung. Vielleicht war er es auch nicht selbst, sondern Haysom, der konnte er es aber ja nicht zuschreiben.
Naja wenn ich möchte dass ich verdächtigt werde, würde ich auch alle Mittel heranziehen, damit die mir auch ja glauben der Täter zu sein.
Welche Höherbestrafung? Wird die Todesstrafe in Etappen durchgeführt?

Er fragt ja Gardner explizit in Bezug auf USA, also keine Frage in Richtung höhere Bestrafung in D oder sonstwo.


1x zitiertmelden

Der Fall Jens Söring

30.12.2019 um 15:35
Zitat von colalightcolalight schrieb:Hat JS das mit der gedachten Immunität eigentlich auch im Prozess vorgetragen?
dazu ist leider zu wenig bekannt. Es gibt die Bänder des Prozesses, die aber unter Verschluss gehalten werden. Schade eigentlich. Ich glaube es waren 10 oder 12 VHS-Bänder gewesen, da kann es ja nicht die ganze Zeit lediglich um den Sockenabdruck gegangen sein.

Er hat allerdings in keinem seiner veröffentlichten Verhöre auf seinen diplomatischen Status hingewiesen. Würde man das nicht tun, wenn man davon überzeugt ist, einen zu besitzen? Das war doch eigentlich so mit EH abgesprochen gewesen.


melden

Der Fall Jens Söring

30.12.2019 um 16:10
Schade, dass hätte mich schon interessiert, wie er das vor Gericht dargestellt hätte.

Er musste ja selbst lächeln und schmunzeln, als er seine Alibidrogenelterndarstellung kund getan hat.

Ich gehe davon aus, dass er das im Prozess nicht ausgesagt hat, lediglich vom Gefühl her.

Sehr bedauerlich mit den VHS - Bändern, die anscheinend die Witwe von Richter Sweeney im Besitz und im Eigentum hat.

Was auch interessant wäre, ob es irgendwie möglich ist an die Zeugenliste ranzukommen, welche Partei wen und wann aufgerufen hat.

Ich habe auch nichts gefunden, wann der Bericht oder das Buch von Terry W. erscheinen soll.


melden

Der Fall Jens Söring

30.12.2019 um 17:08
Zitat von BluelleBluelle schrieb:Welche Höherbestrafung? Wird die Todesstrafe in Etappen durchgeführt?
Andersrum wird ein Schuh draus.
Laut englischem Blog strebte Söring eine Minderbestrafung an, mittels Plea-Deal wie EH. Die Tötung wollte er gestehen, nicht jedoch den Overkill / "Voodoo". Auf diesem Weg wollte er die Todesstrafe vermeiden.

Gardner war dazu nicht befugt, Updike war bekanntlich draußen, und allgemein scheint man wenig Interesse gehabt zu haben, dem mutmaßlichen Haupttäter beim Strafmaß entgegenzukommen.
Zitat von colalightcolalight schrieb:Hat JS das mit der gedachten Immunität eigentlich auch im Prozess vorgetragen?
Ja, als Erklärung für die angeblich falschen Geständnisse.


2x zitiertmelden

Der Fall Jens Söring

30.12.2019 um 17:12
Zitat von Mr.StielzMr.Stielz schrieb:Andersrum wird ein Schuh draus.
Laut englischem Blog strebte Söring eine Minderbestrafung an, mittels Plea-Deal wie EH. Die Tötung wollte er gestehen, nicht jedoch den Overkill / "Voodoo". Auf diesem Weg wollte er die Todesstrafe vermeiden.
Das ist aber auch reine Interpretation genau so wie meine Überlegung.
Er konnte sich wohl ausrechnen, dass der Deal mit EH nur zustande kam indem sie gegen ihn aussagt als Hauptzeugin und ihn belastet.
Sie dachte ja durch die damalige Gesetzgebung sie kommt früher raus.

Unlogisch für mich.

Auf zwei Morde ohne Verstümmelung stand ganz sicher in Virginia auch die Todesstrafe.
Wenn man ihm das überhaupt abgenommen hätte. Wie mir scheint hat Gardner kein Wort davon geglaubt, wie mir schien.
Ich glaube so ein russisches Roulette spielt man in solch einer Situation nicht.


1x zitiertmelden

Der Fall Jens Söring

30.12.2019 um 18:17
Zitat von BluelleBluelle schrieb:Er konnte sich wohl ausrechnen, dass der Deal mit EH nur zustande kam indem sie gegen ihn aussagt als Hauptzeugin und ihn belastet.
Dieses Vernehmungsprotokoll stammt vom 7.Juni. Elizabeth Haysom hat erst hinterher ihren Deal eingefädelt. Zu diesem Zeitpunkt standen Söring also noch alle Optionen offen
Zitat von BluelleBluelle schrieb:Auf zwei Morde ohne Verstümmelung stand ganz sicher in Virginia auch die Todesstrafe.
Möglich, aber was sollte Söring denn machen? Ein Deal oder wenigstens die strafverschärfende Grausamkeit vom Tisch. Es kann sein, dass er sich bei dieser Vernehmung ein Hintertürchen offengelassen hat zu Ungunsten von EH. Seine Nachfrage, ob die beiden Morde und die "anschließende" Verstümmelung als eine Tat oder als drei gewertet werden, lässt die Möglichkeit zu, die Schuld auf zwei Schultern zu verteilen. Davon hat er dann aber im Prozess keinen Gebrauch gemacht.


1x zitiertmelden