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Der Fall Jens Söring

29.200 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Mord, Kino, Gefängnis ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
Zu diesem Thema gibt es eine von Diskussionsteilnehmern erstellte Zusammenfassung im Themen-Wiki.
Themen-Wiki: Der Fall Jens Söring

Der Fall Jens Söring

11.06.2017 um 10:33
Weiß jetzt gar nicht, ob die Diagnosen für den Fall so relevant sind. Sie wirken auf mich erstmal so, als ob sie versuchten, das, was zu dem Zeitpunkt bekannt war, zu erklären:

Falls Söring die Morde begangen hatte, und manches nicht mehr so genau weiß, wie er damals behauptet hatte, dann litt
Jens Soering [zur Tatzeit] nach meiner Überzeugung an einer endogen verursachten geistigen Anomalie, die seine Verantwortlichkeit für seine Handlungen wesentlich vermindert hat.
Und wenn wir zu der Überzeugung gelangen, dass Elizabeth Haysom Söring manipuliert habe, dann könnte es daran liegen:
Der Grad der Gestörtheit von Frl. Haysom grenzt an Psychose, und sie war im Laufe vieler Monate fähig, Soering zu überzeugen, dass er ihre Eltern töten müsse, damit sie und er als Paar überleben könnten (…). Fräulein Haysom hatte eine verwirrende und hypnotisierende Wirkung auf Soering, die zu einem abnormen psychischen Zustand führte, in dem er unfähig war, klar zu denken
(Quelle wie oben bzw hier)

Es scheint mir kein Hinweis, Indiz oder Beweis, dass sie ihn manipuliert hat, sondern eine Erklärung für ihre Manipulation, falls es diese gab. Die Diagnose scheint diese Manipulation vorauszusetzen. Die Manipulation lässt sich - vielleicht - anhand der Briefe, Tagebucheinträgen und Aussagen nachweisen. Aber nicht anhand dieser Diagnose.

So mein Eindruck.


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Der Fall Jens Söring

11.06.2017 um 11:03
Zitat von yasumiyasumi schrieb:Weiß jetzt gar nicht, ob die Diagnosen für den Fall so relevant sind
Sie sind sogar vollkommen irrelevant. Erst mal wird hier eine Quelle zitiert, die aus einem obskuren Gutachten zitieren soll. Dabei wird aber gar nicht deutlich gemacht, wie dieses Gutachten denn nun eingeschätzt wurde.

Zweitens geht es hier um ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, der für das Verfahren in Virginia komplett irrelevant ist.

Drittens, selbst wenn wir das obige Zitat hier einmal für relevant erachten, ist damit noch immer nicht die juristische Schwelle überschritten, die in Virginia gilt hinsichtlich der Straflosigkeit.

So, um es also noch einmal deutlich zu sagen: Hinsichtlich der Punkte 1, 2 und 3 ist diese "Diagnose" vollkommen irrelevant.

1. Gutachten kann jeder erstellen und vor Gericht vorlegen. Auch ein Quacksalber kann das tun. Wie jedes andere Beweismittel auch, muss ein Gutachten vom Gericht erst einmal als glaubwürdig und relevant akzeptiert werden. Ob das hier geschehen ist, geht aus dem Zitat nicht hervor. Es ist keineswegs unüblich, dass einem Gericht ein Gutachten und ein Gegengutachten vorgelegt werden, von denen, wenn überhaupt, nur eines richtig sein kann. Die Entscheidung, welches das ist, liegt allein beim Gericht.

2. Wenn ein solches Gutachten nur in Europa erstellt wurde, und nur dort vorgebracht wurde, ist es natürlich in Virginia vollkommen irrelevant. JS hätte während seinem Prozess ein Gutachten vorlegen müssen, das sowohl den Regeln Virginias entspricht als auch vom Gericht als relevant eingestuft wird. Dann hätte die Jury die Möglichkeit gehabt, über die Glaubwürdigkeit des Gutachtens zu entscheiden und entsprechende Schlüsse daraus zu ziehen.

3. Wie ich vor langer Zeit schon einmal dargestellt habe, sind in den USA ganz andere Regeln als in Europa anzuwenden, wenn es um die Frage von Zurechnungsfähigkeit geht. Hier gilt weitgehend die M'Naghten Regel und deren Schwelle zur Straflosigkeit ist weitaus höher als in Europa. Ein Gutachten muss in Virginia also die Frage beantworten, ob der Angeklagte hinsichtlich dieser Regel zurechnungsfähig war oder nicht. Antworten auf europäische Fragen bringen vor einem Gericht in Virginia nicht weiter. Schon aus diesem Grund wäre ein Gutachten, das in Europa erstellt wurde, vermutlich unbrauchbar.

Daher ist diese ganze, seitenlange Diskussion hier um irgendwelche psychiatrischen Diagnosen zur Feststellung der juristischen Schuld komplett irrelevant.

Einen interessanten Punkt gibt es aber noch: es ist logisch schwierig, zu argumentieren man habe die Tat gar nicht begangen, und sei nicht zurechnungsfähig gewesen, als man sie begangen hat. Das sollte man auch hier bei der Diskussion bedenken.


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Der Fall Jens Söring

11.06.2017 um 11:41
Zitat von Rick_BlaineRick_Blaine schrieb:Einen interessanten Punkt gibt es aber noch: es ist logisch schwierig, zu argumentieren man habe die Tat gar nicht begangen, und sei nicht zurechnungsfähig gewesen, als man sie begangen hat.
Die einen wollen erklären, warum Söring für (mit?) Elizabeth Haysom den Doppelmord begangen hat. Die anderen wollen erklären, warum Söring clean auf Drogenkurierfahrt ist, unwissend ein falsches Alibi geliefert hat, unschuldig geflüchtet ist, heldenhaft eine Mörderin gedeckt hat.

Also ziehen ausnahmsweise einmal alle am selben Strang. :)


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11.06.2017 um 12:07
Zitat von Rick_BlaineRick_Blaine schrieb:Einen interessanten Punkt gibt es aber noch: es ist logisch schwierig, zu argumentieren man habe die Tat gar nicht begangen, und sei nicht zurechnungsfähig gewesen, als man sie begangen hat. Das sollte man auch hier bei der Diskussion bedenken.
Hier sollte man nicht evtl. fehlerhafte Schlüsse ziehen.

Normalerweise werden solche Argumente vor Gericht nur "hilfsweise"  vorgebracht. Sprich, erst WENN ein Gericht überzeugt sein sollte, dass man die Tat begangen hat, soll es die hilfsweise vorgetragenen Gründe betrachten. So etwas ist legitim, damit man nicht, falls es u.U. doch zu einer u.U. auch falschen Feststellung kommt, damit einem der Vortrag anderer Gründe, welche ein geringeres Strafmaß bewirken könnten, nicht verwehrt ist, die für sich genommen rein theoretisch ein Schuldanerkenntnis gleichkommen könnten.

Aus meiner Sicht sollte man sich daher hüten, aus diesem evtl. nur scheinbaren Gegensatz Schlüsse zu ziehen.


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12.06.2017 um 08:53
Zitat von Rick_BlaineRick_Blaine schrieb:Daher ist diese ganze, seitenlange Diskussion hier um irgendwelche psychiatrischen Diagnosen zur Feststellung der juristischen Schuld komplett irrelevant.
Ich bin mir gar nicht so sicher, ob es den Diskussionsteilnehmers wirklich um die Feststellung der juristischen Schuld des Doppelmörders JS ging. Es kann doch durchaus Faktoren geben, die formaljuristisch keine Rolle spielen (dürfen), für die Bewertung der Schuldfrage aber trotzdem relevant sind. Schließlich passt die Geisteskrankheit, die JS diagnostiziert wurde wie die Faust aufs Auge zu der Tat und liefert letztlich das Motiv.

Zudem geht es ja darum, JS die Maske des weißen Ritters herunter zu reißen. Diese Selbstbeweihräucherung des braven Ritters ohne Fehl und Tadel nervt. Vor allem wenn Super- Jens keine Gelegenheit auslässt zu erwähnen, dass EH mutmaßlich an einer Borderline Störung litt. Ziel hierbei ist natürlich die Diskreditierung der Person EH. Welcher juristische Laie springt nicht darauf an? Ach die Elizabeth, die war ja sowieso eine pathologische Lügnerin und Schlimmeres. Sie muss also die Mörderin sein! Armer unschuldiger Jens!


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12.06.2017 um 09:10
da kann ich @ElvisP  zustimmen. Es ist in der Tat so, dass, Eh häufig hasserfüllte Kommentare erntet. Nicht unbedingt auf dieser Seite, hier sind sie lediglich negativ, aber auf anderen.

Die Aussagen von JS werden einfach so übernommen, ohne sich selber davon zu überzeugen, ob es der Wahrheit entspricht. Was man natürlich ohne Weiteres nicht feststellen kann. Dann kann man aber auch nicht mit Überzeugung behaupten, sie sei manipulativ und hätte sich den armen JS als Opfer gesucht damit sie ihre Eltern los wird. Das scheint aber viele nicht zu stören, sie haben vollstes Vertrauen zu JS und glauben ihm alles.
Wenn man hier teilweise die Kommentare liest, auf Nachfragen wird die Diskussion beendet, man wolle darüber nicht weiter sprechen. Irgenwie ein seltsames Verhalten in einer Diskussion, wenn man eigentlich neutral eingestellt ist.


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Der Fall Jens Söring

12.06.2017 um 09:15
Zitat von ElvisPElvisP schrieb:die formaljuristisch keine Rolle spielen (dürfen), für die Bewertung der Schuldfrage aber trotzdem relevant sind. Schließlich passt die Geisteskrankheit, die JS diagnostiziert wurde wie die Faust aufs Auge zu der Tat und liefert letztlich das Motiv.
Eine "Gesteskrankheit" ist noch lange kein Motiv. Diese könnte eher erklären, warum er der Verurteilten hörig war und vielleicht die Tat begangen hat oder eben nur ein falsches Geständnis abgelegt hat. Ob er die Tat wirklich begangen hat, kann  man so einfach nicht sagen, denn Beide hatten die Tat urspünglich gestanden. Erst durch den Einfluss des StA ist die Verurteilte von dem Geständnis abgerückt. Ob in solchen sehr seltsamen Konstellationen, dann eine Jurry für die man im Alltag nichts vergleichbares kennt, das richtige Urteil fällt, kann man dann durchaus bezweifeln.

Es gibt schon viele merkwürdige Dinge unter diesem Himmel, beispielsweise der kürzlich vor dem Gericht verhandelte Fall einer Studentin, welche dem damaligen Partner mit einer Kreissäge den Kopf abgetrennt hatte. Als der spätere Freund das Verbrechen entdeckt hatte, half er bei der Beseitigung der Leiche, eigentlich unfassbar, da setzt jegliche Logik dann aus, denn er hätte natürlich der nächste sein können.


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12.06.2017 um 09:38
In dieser Diskussion wurde wiederholt darauf hingewiesen, u.a. von @Rick_Blaine, dass im US-amerikanischen Strafrecht das Prinzip "in dubio pro reo" oder "beyond a reasonable doubt", nur bei dem ursprünglichen Prozess gilt, nicht aber im Nachhinein. Mit anderen Worten: Bei der nachträgliche Feststellung der Unschuld liegt die Beweislast ausschließlich bei dem Betroffenen, das heißt, er muss seine Unschuld nachweisen. Manche der Diskussionsteilnehmer haben daraus geschlossen, dass JS nie freikommen wird, da er seine Unschuld nicht hundertprozentig beweisen kann.

In den letzten Wochen habe ich mehr oder weniger durch Zufall zwei interessante Artikel zu amerikanischen "high profile cases" gelesen, die zeigen, dass Menschen, die angeblich unschuldig inhaftiert waren, nicht immer zwingend ihre Unschuld zu hundert Prozent beweisen mussten (wobei der eine dieser Artikel, der von O. J. Simpson handelt, dies nur indirekt tut, indem er auf die Macht und den Einfluss sogenannter "Narrativen" verweist).

Im Fall der West Memphis Three, die im August 2011 nach achtzehn Jahren Haft entlassen wurden, konnten die Beschuldigten bzw. ihre Unterstützer auch nicht hundertprozentig beweisen, dass sie tatsächlich unschuldig waren. Wie folgender interessanter Artikel zeigt (https://theunredacted.com/the-west-memphis-three-a-deal-with-the-devil/), trug eine Trilogie von reißerisch aufgemachten Dokumentarfilmen nicht unwesentlich zu dem Endergebnis bei. Eine mögliche Erklärung, warum dies so war, liefert ein Artikel, der neulich in der Printausgabe des Spiegel unter dem Titel: "Der Freispruch, der Amerika zerstört hat" erschien (Ausgabe 21/2017). Darin wird u.a. die nicht zu unterschätzende Macht von sogenannten "Narrativen" behandelt. Solche Narrative spielen auch im Fall Jens Söring eine wesentliche Rolle. Seine Unterstützer verfolgen seit Jahren hartnäckig ein inzwischen wohlbekanntes Narrativ, und diejenigen hier im Forum, die von der Schuld des Protagonisten überzeugt sind, tun das Gleiche.

Ob JS am Ende freikommen wird oder nicht, hängt meines Erachtens nicht unwesentlich davon ab, welches Narrativ (ungeachtet dessen, was tatsächlich im Frühjahr 1985 passiert ist) die nötige Durchsetzungskraft entfaltet. Es könnte durchaus geschehen, dass der Gouverneur von Virginia sich aus rein pragmatischen Gründen für eine Begnadigung entscheidet. Dann wäre nämlich endlich mal Ruhe um diesen Fall, die Steuerzahler von Virginia würden entlastet werden, und der lästige Störenfried JS wäre endlich weg und könnte von Deutschland aus ohnehin niemandem in den USA mehr gefährlich werden.

Denn eines ist sicher: Entscheidet McAuliffe gegen ein Pardon, wird es in den Medien keine Ruhe geben. Das Narrativ vom unschuldigen Justizopfer würde weiterhin durch die Medien geistern und für Kontroverse sorgen.


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Der Fall Jens Söring

12.06.2017 um 09:40
Zitat von KältezeitKältezeit schrieb:Das mit dem Staatsanwalt entnahm ich dem Bericht des Sheriffs, der hier auch schon verlinkt wurde.  Ich gehe nicht davon aus, dass er hier unwahre Behauptungen in den Raum diesbezüglich stellt, ohne dass er bisher Konsequenzen fürchten musste.
In dem Bericht des Sheriffs steht kein Wort davon, dass der Staatsanwalt "krank" war. Wie kann man das ernsthaft behaupten?
Zitat von KältezeitKältezeit schrieb:Übrigens behalte ich mir selbst das Recht vor, auf User nicht zu antworten, die mir mit ihrem Diskussionsverhalten gehörig gegen den Strich gehen.
Wenn du hier im Thread Behauptungen aufstellst ohne diese mit einer Quelle zu belegen, musst du dir schon gefallen lassen, dass nachgefragt wird. Und gemäß den Allmy Regeln hast du die Quelle dann nachzuliefern. Das haben die Mods in diesem Thread kürzlich sehr deutlich klargestellt.

Also: Liefere doch bitte die Quelle dafür, dass der Staatsanwalt krank war (du hattest das gleich zweimal geschrieben).
Zitat von Venice2009Venice2009 schrieb:Wenn man hier teilweise die Kommentare liest, auf Nachfragen wird die Diskussion beendet, man wollte darüber nicht weiter sprechen.
Wie wahr, wie wahr.

@SCMP77

Natürlich ist die Geisteskrankheit von JS kein Beweis für seine Schuld. Aber eben ein Puzzleteil, wie so vieles in diesem Fall. So sehe ich es. Zum Motiv: Wenn EH ihre Eltern wirklich gehasst hat (mutmaßlicher Kindsmissbrauch) und ihr Wahn dann auf JS übertragen wurde, liefert das eben ein Motiv. Aber auch hier gilt natürlich: Nur ein Puzzleteil. Am Ende muss man halt sehen, ob sich ein schlüssiges Gesamtbild ergibt. Die 12 Geschworenen haben es offenkundig so gesehen wie ich: JS hat diese schrecklichen Taten begangen.


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Der Fall Jens Söring

12.06.2017 um 09:45
@Tecolote

Wobei Du hier zwischen juristischen Verfahren und politischen unterscheiden musst. Juristisch müsste JS in diesem Status seines Verfahrens seine Unschuld beweisen.

Ein Gouverneur wird für seine politische Entscheidung, zu begnadigen oder nicht, vielleicht nicht einen solchen Masstab anlegen. Allerdings sind dem Gouverneur von Virginia hier durch das Gesetz enge Grenzen gesetzt.


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Der Fall Jens Söring

12.06.2017 um 09:56
@Rick_Blaine
Zitat von Rick_BlaineRick_Blaine schrieb: Allerdings sind dem Gouverneur von Virginia hier durch das Gesetz enge Grenzen gesetzt.
Ich bin mir nicht sicher, ob die gesetzlichen Grenzen tatsächlich so eng sind. Immerhin hat der frühere Gouverneur Tim Kaine im Spätherbst 2009 entschieden, JS im Rahmen einer Haftüberstellung in ein deutsches Gefängnis überführen zu lassen. Da JS nach deutschem Recht bereits nach zwei Jahren formaler Haft mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit freigekommen wäre, kam diese Entscheidung mehr oder weniger einer de-facto-Begnadigung gleich.


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Der Fall Jens Söring

12.06.2017 um 10:11
Möglich ist alles. Es könnte aber genauso gut sein, dass seine Unterstützer genau das Gegenteil mit ihren Aktionen erreichen. Bei einem Donald Trump könnte ich mir vorstellen, dass er sich denkt, so jetzt erst recht nicht, mein Guter. Du bleibst schön da wo du bist.

Wobei ich den jetzigen Gouverneur nicht so einschätzen würde. Allerdings ist dieser auch nicht mehr lange im Amt. Wer weiß wann er seine Entscheidung trifft und dann steht schon der nächste Gouverneur vor der Tür, der alles wieder zurücknehmen könnte und eher knallhart regiert. Vorausgesetzt, dass er tatsächlich begnadigt wird.

Er hat einen Antrag auf Absolut Pardon gesellt. Ich kann mir bei bestem Willen nicht vorstellen, dass diesem tatsächlich nachgekommen wird. Begnadigung u. U. aber Anerkennung seiner völligen Unschuld? Kaum vorstellbar.


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Der Fall Jens Söring

12.06.2017 um 13:02
Zitat von ElvisPElvisP schrieb:So sehe ich es. Zum Motiv: Wenn EH ihre Eltern wirklich gehasst hat (mutmaßlicher Kindsmissbrauch) und ihr Wahn dann auf JS übertragen wurde, liefert das eben ein Motiv.
Naja, das ist eine reine Annahme, dass ein "Wahn" übertragen worden sein sollte und ein Motiv ist der Wahn alleine natürlich nicht. Es wird eben wahrscheinlich so gewesen sein, dass EH sich seiner bediente und an diesem Punkt gibt es eben mehrere Möglichkeiten. Neben der bekannten Variante kann es eben auch anders gewesen sein, dass eben so war, wie EH es ursprünglich wohl behaupte und der "Wahn" eben nur bewirkt hat, dass er die Tat zugegeben hatte, weil sie hofften so von Bestrafung zum Großteil verschont zu werden.

Ja, es ist ein Puzzleteil, aber das Puzzleteil fügt sich in verschiedene Szenarien nahtlos ein.

Welches die Wahrheit widerspiegelt, weiß ich nicht.


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Der Fall Jens Söring

12.06.2017 um 14:03
@Tecolote

Wenn auf amerikanischen Druck hin amerikanische Inhaftierte frei kommen, weil die Ermittler Fehler gemacht, einseitig ermittelt oder Beweise unterschlagen haben, finde ich das in Ordnung und nachvollziehbar. Ich gehe davon aus, dass die amerikanische Öffentlichkeit das amerikanische Rechtssystem besser kennt und einschätzen kann als der durchschnittliche Deutsche. Im Fall von JS sind es im Wesentlichen deutsche Unterstützer, die das amerikanische Justizsystem ablehnen, und einige Amerikaner, die aus unterschiedlichen Gründen an Jens' Unschuld glauben. Ich denke daher nicht, dass er freikommt.

@Venice2009
Den wesentlichen Grund warum Jens so viele deutsche Unterstützer hat, sehe ich (abgesehen von Verliebtheit einzelner Anhängerinnen) darin, dass die Deutschen immer jemanden brauchen, den sie anbeten können. Und wenn es dann noch ein Deutscher ist, der so belesen, eloquent und z. T. sympathisch auftritt, ist es perfekt. Seine Flucht und anfängliche Schuldübernahme geben dem Ganzen dann noch einen abenteuerlichen Touch, der sich vom eigenen z. T. langweiligen Alltag abhebt.


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Der Fall Jens Söring

12.06.2017 um 14:38
Zitat von Venice2009Venice2009 schrieb:Es ist in der Tat so, dass, Eh häufig hasserfüllte Kommentare erntet. Nicht unbedingt auf dieser Seite, hier sind sie lediglich negativ, aber auf anderen.
Auch wenn wir hier nicht den Fehler machen sollten, und uns zu einem EH Fanclub verwandeln sollten, im Kontrast zu Söring wird EH hier fast wie eine Heilige verehrt.
Und dies, ist sie mit Sicherheit nicht.
Zitat von TecoloteTecolote schrieb:nicht immer zwingend ihre Unschuld zu hundert Prozent beweisen mussten (wobei der eine dieser Artikel, der von O. J. Simpson handelt,
Ein JS wäre wohl wie fast jeder, mit den Anwälten von O. J. Simpson freigesprochen worden. O. J. Simpson hatte eine Ansammlung der besten Staranwälte, die man mit Geld kaufen kann, obwohl die Indizien bei O. J. Simpson noch viel schwerwiegender waren als bei JS und besonders dies wäre nicht passiert:
Zitat von ErnelloErnello schrieb am 17.02.2015:Sein Anwalt Neaton hat die Bedeutung des Sockenabdrucks in seinen Ausführungen nach der Sockenabdruckpräsentation und in seinem Schlussplädoyer allerdings gewürdigt bzw. dessen Beweiswert bestritten. Für ein Sachverständigengutachten fehlte ggf. Geld oder die Einsicht, dass das unbedingt gemacht werden müsste, möglicherweise wurde die Bedeutung im Prozess von Söring und seinen Anwälten nicht erkannt. Eine Anfechtung erst im Revisionsverfahren war daher von vornherein aussichtslos.
Was selbst Gardner (den Sockenabdruck) , im TV als hogwash (Quatsch) bezeichnete.


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Der Fall Jens Söring

12.06.2017 um 15:27
Zitat von Kristin73Kristin73 schrieb: Ich gehe davon aus, dass die amerikanische Öffentlichkeit das amerikanische Rechtssystem besser kennt und einschätzen kann als der durchschnittliche Deutsche. Im Fall von JS sind es im Wesentlichen deutsche Unterstützer, die das amerikanische Justizsystem ablehnen ...
Ich kann nicht für andere Unterstützer sprechen, aber in meinem Fall ist das anders. Ich kenne das US-amerikanische Rechtssystem, da ich über ein Jahrzehnt in den USA gelebt habe und u.a. im Laufe meines Studiums der Amerikanistik an einer amerikanischen Uni einige Seminare in amerikanischer Rechtsgeschichte belegt hatte. Außerdem ist eine langjährige amerikanische Freundin von mir eine ehemalige Staatsanwältin und seit etwa zehn Jahren Strafverteidigerin in Arizona. Und ich lehne das amerikanische Justizsystem keinesfalls per se ab. Im Gegenteil: Ich bewundere die Rolle, die der Supreme Court im Kampf für Bürgerrechte gespielt hat (zum Beispiel bei Urteilen, die die Rechte von Angeklagten stärkten, wie z.B. Miranda v. Arizona oder Brady v. Maryland ... beides Entscheidungen aus den 1960er Jahren). Was ich dagegen aufs Schärfste ablehne, sind extrem lange Strafen für Delikte wie Drogenkonsum oder Drogenhandel im Rahmen des völlig schwachsinnigen "War on Drugs". Oder wie im Beispiel einer Highschool-Lehrerin irgendwo im Süden der USA, die Sex mit Schülern im Teenager-Alter hatte und dann zu siebzehn Jahren verurteilt wurde. So etwas kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen.

Positiv finde ich auch im Rechtssystem der USA, dass unschuldig Verurteilte nach Anerkennung ihrer Unschuld in manchen Fällen Entschädigungen in Millionenhöhe erhielten. Natürlich braucht man dafür wohl gute Anwälte. Aber immerhin, es gab solche Fälle. Im Vergleich zur Praxis in Deutschland, wo die Entschädigung für Justizopfer ein Witz ist (oder vielmehr eine Beleidigung und Verhöhnung des Opfers), kommt die amerikanische Justiz hier besser weg.


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12.06.2017 um 15:34
Zitat von TecoloteTecolote schrieb:Ob JS am Ende freikommen wird oder nicht, hängt meines Erachtens nicht unwesentlich davon ab, welches Narrativ (ungeachtet dessen, was tatsächlich im Frühjahr 1985 passiert ist) die nötige Durchsetzungskraft entfaltet.
Das mag sein. Der juristische Ansatz lässt sich vielleicht anhand eines anderen Falls seines Anwaltes Steve Rosenfield ablesen - der sich, vielleicht aus gutem Grund, erst gar nicht groß mit der etwas wirren Story abgibt.

Der Fall, bei dem Rosenfield zuletzt erfolgreich war, weist Parallelen auf: Ein Mord, ein Tatbeteiligter, der sich als Zeuge der Anklage zu Verfügung stellt, ein zurückgezogenes Geständnis inklusive Täterwissen. Keine eindeutigen forensische Spuren. Am Ende eine Verurteilung.

Der Fall: In einem kleinen Ort in Virginia im Jahr 2003 brennt ein Haus, eine junge Frau und eines ihrer kleinen Kinder sterben. Es stellt sich heraus: die Frau wurde ermordet und das Feuer absichtlich gelegt. Schnell geraten die Geschwister Rocky und Jessica F. (19 und 15) in Verdacht. Sie geben die Tat zu, sagen aber, ein weiterer Schüler ihrer Highschool, der 18-jährige Robert D., wäre ebenfalls beteiligt gewesen. Robert D. wird festgenommen. Nach mehrstündiger Befragung gesteht er schließlich, mit einem Messer die junge Mutter von hinten erstochen zu haben. Danach beteuert er jedoch wieder seine Unschuld.

Vor Gericht überredete Pflichtverteidiger Rosenfield ihn zu einem Alford plea (der Angeklagte erkennt an, dass die Beweise für eine Verurteilung ausreichen, ohne sich schuldig zu bekennen), da die Kombination aus Belastungszeuge und Geständnis ihn in einem Jury-Prozess vermutlich lebenslang hinter Gitter gebracht hätte. Robert D. wurde zu 23 Jahren Gefängnis verurteilt. (Die beiden anderen waren ebenfalls verurteilt worden)

Die Strategie von Anwalt Rosenfield war wohl, im Nachhinein beim Governor ein Pardon zu erreichen. Das, was er jetzt auch bei Söring versucht.

Zwei Jahre nach dem Urteil sagte der eine Belastungszeuge: Robert D. war nicht dabei. Das half aber nichts. Dann sagte auch die andere Tatbeteiligte: Er hat nichts mit der Tat zu tun. Ein Pardon wurde dennoch nicht gewährt.

Ein Gutachten des Verhör-Experten Andrew Griffiths gelangte dann zu der Überzeugung, dass das Geständnis beeinflusst wurde - der selbe Experte schrieb auch zu Söring ein Gutachten. (Dieses Gutachten konnte ich bisher nirgends finden, weiß jemand wo man das einsehen kann?)

Diesmal gewährte Governor Terry McAuliffe ein "conditional pardon", nach 13 Jahren Gefängnis. Das ist kein Freispruch: D. muss sich regelmäßig melden, muss eine elektronische Fußfessel tragen.

Das wird im Großen und Ganzen die Strategie sein. Was einmal gut funktioniert hat, wird vielleicht ein weiteres mal gelingen. Gut, Elizabeth Haysom wird von ihrer Aussage nicht abrücken. Aber die Zutaten sind ähnlich: Ein junger Angeklagter, ein (möglicherweise falsches) Geständnis. Eine Belastungszeugin, die für einen Deal vor Gericht aussagte. Trotz neuer Analysen keine Tatortspuren, die sich eindeutig Söring zuordnen lassen. Damit lassen sich Zweifel säen. (Es gibt natürlich auch deutliche Unterschiede zwischen den beiden Fällen - D. wirkte beim Verhör deutlich labiler als Söring es vermutlich war z.B.)

Ob daraus etwas wird, was dem Governor zusagt, werden wir sehen.

Zum Fall Robert D.: Artikel und Video


Rosenfield war auch Teil des Teams, das den Deal für Elizabeth Haysom ausgehandelt hat. Er war wohl auch derjenige, der der Verteidigung von Söring vor dessen Prozess angeblich Informationen gegen Geld anbieten wollte. Jetzt möchte er ein Pardon für Söring erreichen.

Ich weiß nicht ob man daraus irgendwelche Schlüsse ziehen kann. Aber Rosenfield dürfte eine sehr einzigartige Sicht auf den Fall Söring haben.


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Der Fall Jens Söring

12.06.2017 um 15:36
Zitat von Venice2009Venice2009 schrieb:Es könnte aber genauso gut sein, dass seine Unterstützer genau das Gegenteil mit ihren Aktionen erreichen.
Ein berechtigtes und plausibles Argument. Genau aus diesem Grund war ich persönlich gegen die letzte Briefwelle an Gouverneur McAuliffe, die der Unterstützerkreis angeleiert hatte. Aus meiner langjährigen Erfahrung in den USA weiß ich, dass die Amerikaner äußerst bockig sein können, wenn Kritik oder Druck von außen kommt. In diesem Land herrscht in vieler Hinsicht eine ausgeprägte Wagenburgmentalität. Ich hielt diese Aktion daher für kontraproduktiv und habe nicht daran teilgenommen.


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12.06.2017 um 15:58
Für mich ist JS eher unschuldig, da das Abschlachten, ja die Übertötung der Eltern von EH, nicht zu Jemandem passen, der emotional nicht involviert ist.

Welches Motiv soll er gehabt haben? Auf diese Frage finde ich keine plausible Antwort.
Es ist leicht, mit dem Finger auf jemandem zu zeigen, der damals verurteilt wurde, weil kräftig geschlampt wurde, aber ein plausibles Motiv ist nirgends zu finden. Also abseits von den "er wollte sich mal toll fühlen und er liebte EH ja ach so sehr"-Hypothesen.

Ich weiss nicht, ob dieser Bericht schon eingestellt wurde, aber hier wird auch der Profiler angesprochen, der ein Täterprofil - kurz nach der Tat erstellte - und meinte, dass EHs Mutter sicherlich nicht im Morgenmantel aufgewartet hätte, wenn sie Besuch von Fremden gehabt hätte.

https://www.youtube.com/watch?v=WTuHs5CDrk4 (Video: SternTV 2017-04-26 - Warum Jens Söring trotz neuer Beweise nicht freikommt)


Wie gesagt .. einige Indizien sprechen für ihn, und einige dagegen.

Hätte er damals nicht gestanden und von Anfang an geleugnet, der Täter gewesen zu sein, wäre er niemals verurteilt worden, denn so konnte sich EH auch als "Anstifterin" aus der Affäre ziehen.


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Der Fall Jens Söring

12.06.2017 um 16:21
Zitat von KältezeitKältezeit schrieb:Wie gesagt .. einige Indizien sprechen für ihn, und einige dagegen.
Das ist genau meine Position. Ich kann mir nicht anmaßen, ihn für hundertprozentig unschuldig zu halten, habe aber starke Zweifel an seiner Schuld. Wobei es bei mir in der Vergangenheit Phasen gab, wo ein Teil von mir sogar insgeheim hoffte, dass er der Täter war, denn den Gedanken, dass jemand völlig unschuldig drei Jahrzehnte im Knast saß und immer noch sitzt, fand ich unerträglich und emotional zutiefst belastend. Aber wie ich früher schon angedeutet habe, steht die Schuldfrage für mich gar nicht mal so sehr im Vordergrund. Selbst wenn JS die Tat begangen hätte (woran ich, wie gesagt, massive Zweifel habe), würde ich für seine Freilassung plädieren. Denn gesetzt den Fall, er war es wirklich, so ist der Jens Söring von heute ein anderer Mensch als der psychisch labile junge Mann, der einer Frau hörig war. Meines Erachtens ist JS vollkommen rehabilitiert ... eine Behauptung, die sogar der frühere Gouverneur von Virginia, Robert McDonnell, einmal gegenüber der Anwältin Gail Ball geäußert haben soll.


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