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Der Fall Jens Söring

29.365 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Mord, Kino, Gefängnis ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
Zu diesem Thema gibt es eine von Diskussionsteilnehmern erstellte Zusammenfassung im Themen-Wiki.
Themen-Wiki: Der Fall Jens Söring

Der Fall Jens Söring

29.05.2018 um 15:14
Zitat von BluelleBluelle schrieb:Der stand unter Mordanklage - wie stellst Du Dir den weiteren Verlauf vor?
Würde mich nun aber wirklich interessieren.
Genau gegen Söring wurde in Bedford Mordanklage erhoben.

Per Gericht zugelassene Anklagen gehen per se von der höheren Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung aus.
Für diejenigen, die immer noch der Meinung sind, ob "schuldig/unschuldig" fällt doch erst im Prozess.


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29.05.2018 um 17:24
Zitat von Mr.StielzMr.Stielz schrieb am 16.05.2018:Weiterhin heißt es im Urteil, dort ebenfalls mit Anführungszeichen, offenbar ein Zitat:
counsel demonstrated to the jury during closing argument"how one of Eliza-
beth's foot impressions matched the sock print almost as well as peti-
tioner's [did]."
Haysoms Abdruck passte selbst für den Verteidiger nur fast genausogut wie Sörings; im Klartext: nicht gut genug, dass man ihn Haysom unterjubeln konnte.

Vielleicht ist das ein Thema, über das wir uns morgen die Köpfe einschlagen können. :)
Vielleicht kommen wir auch schon heute dazu...;)

https://jens-soering.blogspot.com/2018/05/der-fall-jens-soring-soring-leaks-i.html?m=1

In diesem "neutralen" blog tauchen doch chronologisch auffällig viele Deiner (et al) letzten Argumente auf. So auch die zum Thema
Socke.
Ich frage mich nur, warum Du die Übersetzung nicht gleich 1:1 mit übernommen hast.


"Herr Haffner" übersetzt hier anscheinend neutraler (weniger EH) oder einfach richtiger....:


"Weder war die Leistung des Rechtsanwalts bei objektiver Betrachtung mangelhaft, noch war Söring vorverurteilt. So wurde [beispielsweise] ein Zeuge der Anklage wegen seines Versäumnisses, die Fußabdrücke von Elizabeth Haysom mit dem Sockenabdruck verglichen zu haben ins Kreuzverhör genommen. Ferner hat Sörings Rechtsanwalt der Jury bei seinem Schlussplädoyer nochmals darauf hingewiesen, dass einer der Fußabdrücke von Elizabeth Haysom genauso gut zu dem Sockenabdruck passt [wie der von Jens]."

Wie ich mir schon übersetzungstechnisch dachte:
Dein Klartext passt nicht. Es hatte auch 0 Bedeutung für "Haysom" am Tatort

Aber über das Thema Sockenabdruck haben wir nun lang genug geredet. Das Kind liegt aber trotzdem im Brunnen.
Und durch das Urteil kam noch der Deckel drauf.


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Der Fall Jens Söring

29.05.2018 um 17:27
Zitat von Venice2009Venice2009 schrieb:das ist doch total schwachsinnig, sorry. Denn über Schuld oder Unschuld wird erst in einem Strafverfahren entschieden. Das Strafmaß, wird erst nach dem Schuldspruch gesprochen. Wie das Verfahren ausgeht, weiß man nicht im voraus. Da kann der Verdächtige so viel behaupten, wie er möchte, stimmen muss es nicht.
Wie kommt es dann, dass Updike die Todesstrafe gefordert hat, als JS noch in England einsass?
Ich kann Dir gerne den Livemittschnitt einstellen.
Ich weiss nicht ob Du überhaupt eine Ahnung vom amerikanischen Strafsystem hast und vor allem auch die Todesstrafenrate in Virginia
vor 30 Jahren.
Beschäftigst Du Dich mit so etwas, also auch mal ein Schritt weg von JS und/oder ich zitiere Mr.s schaust Du ab und zu auch mal
über den Tellerrand?


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Der Fall Jens Söring

29.05.2018 um 19:26
Söring wollte verhindern, dass er in den USA angeklagt wird. Er wollte nach Deutschland. Die Androhung der Todesstrafe wollte er nutzen, um einer Auslieferung zu entgehen.

Die Situation stellte sich dann - so wie ich das verstehe - folgendermaßen dar:

Auf der einen Seite Sörings Geständnis, zwei Menschen ermordet zu haben.
Auf der anderen Seite eine Anklage, die zur Todesstrafe führen konnte.

Das war - das zumindest ist sicher - die Konstellation, die verhinderte, dass Großbritannien Jens Söring in die USA auslieferte. Söring hatte gestanden und Updike hatte daraufhin eine Anklage wegen "capital murder" erhoben, so dass Söring die "capital punishment" - also die Todesstrafe - fürchten musste. Die Todesstrafe verhinderte aber die Auslieferung.

Das kann man dann auch folgendermaßen interpretieren:
Ändert sich eine der beiden Seiten, könnte das zur Folge haben, dass einer Auslieferung in die USA nichts mehr im Wege steht. Bleibt Söring bei seinem Geständnis, muss sich Updike bewegen. Das tat dieser, indem er zusicherte, nicht die Todesstrafe zu fordern. Deshalb konnte Söring in die USA ausgeliefert werden.

Wir wissen nicht, was passiert wäre, wenn Söring sein Geständnis vorzeitig widerrufen hätte. Aber die Konstellation, die die Auslieferung verhinderte, hätte sich dadurch verändert. Vielleicht hätte ohne Sörings Geständnis Updike auf eine Anklage wegen "capital murder" verzichtet und die Todesstrafe wäre automatisch vom Tisch gewesen. Vielleicht wäre es im Endeffekt aufs Gleiche hinausgelaufen. Wir wissen es nicht.

Letztendlich behaupten die einen: sie hätten das Risiko einer sofortigen Auslieferung auf sich genommen und das Geständnis so schnell wie möglich widerrufen - damit 30 Jahre später ihnen niemand in einem Forum vorwerfen kann, sie hätten gelogen.

Die anderen sagen: das Risiko wäre ihnen zu groß gewesen, und sie hätten - so wie es Söring tat - das Geständnis erst nach seiner Auslieferung zum Prozess widerrufen. Das eigentliche Ziel war ja, überhaupt nicht in den USA angeklagt zu werden. Und bis zuletzt bestand eine Chance, der Auslieferung zu entgehen.

So stellt sich für mich die Situation dar.


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Der Fall Jens Söring

29.05.2018 um 19:49
Zitat von yasumiyasumi schrieb:Vielleicht hätte ohne Sörings Geständnis Updike auf eine Anklage wegen "capital murder" verzichtet und die Todesstrafe wäre automatisch vom Tisch gewesen. Vielleicht wäre es im Endeffekt aufs
DAS ist für mich ein wichtiger Punkt... ich überlege immer wieder, warum JS das Geständnis nicht schon in GB zurückgenommen hat. Die Bedingung, dass es nicht zur Todesstrafe kommt, wenn er dennoch des Mordes verurteilt wird, hätte man doch trotzdem stellen können. Ich frage mich, ob das wirklich ein rechtlicher oder ein psychologischer "Schachzug" war oder einfach nur Naivität. Aber letzteres kann ich mir nicht vorstellen. Er wird doch alle Eventualitäten mit einem Anwalt besprochen haben?


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Der Fall Jens Söring

29.05.2018 um 20:25
Zitat von yasumiyasumi schrieb:Ändert sich eine der beiden Seiten, könnte das zur Folge haben, dass einer Auslieferung in die USA nichts mehr im Wege steht.
das leuchtet mir nicht ein. Denn die USA hätte deswegen nicht auf die Anklage wegen Doppelmordes verzichtet. Die Strafe wäre gleich geblieben, bei einem Schuldspruch. DAs Ende des Strafverfahrens hätten die Briten nicht vorhersehen können. Daher hätte er, trotz dass er plötzlich auf unschuldig plädiert hätte, trotzdem hingerichtet werden können. Der Zusammenhang will sich mir wirklich nicht erschließen. Sinn hätte es nur gemacht, wenn Updike davon abgewichen wäre, ihn wegen Mordes anzuklagen. Dann hätte einer Auslieferung sowieso nichts mehr im Wege gestanden, denn für alles andere, hätte es nicht die Todesstrafe gegeben.


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Der Fall Jens Söring

29.05.2018 um 20:34
Zitat von AxolotlAxolotl schrieb:Die Bedingung, dass es nicht zur Todesstrafe kommt, wenn er dennoch des Mordes verurteilt wird, hätte man doch trotzdem stellen können.
Er wollte ja, dass es "zur Todesstrafe kommt". Denn das war die Voraussetzung, dass er sich gegen eine Auslieferung juristisch wehren konnte. Sein Ziel war eine Anklage in Deutschland.
Zitat von Venice2009Venice2009 schrieb: das leuchtet mir nicht ein. Denn die USA hätte deswegen nicht auf die Anklage wegen Doppelmordes verzichtet. Die Strafe wäre gleich geblieben, bei einem Schuldspruch
Updike hätte auch wegen "first-degree murder" anklagen können.
In Virginia there are three classes of murder: capital murder, first-degree murder, and second-degree murder. [...]

Capital murders can be punishable by the death penalty.
https://statelaws.findlaw.com/virginia-law/virginia-murder-laws.html


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Der Fall Jens Söring

29.05.2018 um 20:59
Zitat von yasumiyasumi schrieb:Letztendlich behaupten die einen: sie hätten das Risiko einer sofortigen Auslieferung auf sich genommen und das Geständnis so schnell wie möglich widerrufen - damit 30 Jahre später ihnen niemand in einem Forum vorwerfen kann, sie hätten gelogen.
Gute Gesamtbetrachtung, Yasumi.
Jetzt interessiert aber auch der Punkt, warum war das nicht schon Gegenstand im Prozess?
Leider haben wir nicht das volle Material. Updike verkauft den Geschworenen und dem Gericht, dass es moralisch verwerflich sei
zu fliehen, wiederholt zu gestehen und dann in einer kleinen Performance vor Gericht zu widerrufen. Klar war Updike genervt. Auch im Pretrail hearing wird sich ein "unschuldig" nicht schon abgezeichnet haben.

Mal Updikes eigene moralische Facetten aussen vor. Da er zusätzlich Charaktereigenschaften wie kaltblütig usw. für Söring darauf folgen lässt und er mit der notwendigen Verurteilung wegen doppelten Mordes abschliesst, hat er für die Jury ein komplettes Bild skizziert, welches ja auch immer noch genügend Anhänger findet.

Hätte Neaton die Begründung für die Geständniskette nicht auch vor der Jury erklären müssen? Also ein weiterer Punkt auf Neatons Negativliste?


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Der Fall Jens Söring

29.05.2018 um 21:05
Zitat von yasumiyasumi schrieb:Die Bedingung, dass es nicht zur Todesstrafe kommt, wenn er dennoch des Mordes verurteilt wird, hätte man doch trotzdem stellen können.
Er wollte ja, dass es "zur Todesstrafe kommt". Denn das war die Voraussetzung, dass er sich gegen eine Auslieferung juristisch wehren konnte. Sein Ziel war eine Anklage in Deutschland.
Vielen Dank!


Ich beschäftige mich erst aktuell näher mit diesem Fall. Lese gerade das Buch von Englade und habe nat. "Das Geständnis" gesehen sowie einige Interviews verfolgt. Kann sein, dass ich Fragen stelle, die für viele hier schon xmal durchgekaut sind.

Mein Eindruck bisher: Hochbegabt hin oder her sind die beiden emotional vernachlässigte Menschen. Ich kann die Wut, die EH auf ihre Eltern hatte, nachvollziehen. Ich halte beide für schuldig im Sinne der Anklage. Für gerecht halte ich die Strafe nicht. Ich gehe da mit dem deutschen Rechtssytem konform und hätte mir gewünscht, dass sie nach unserem Jugendstrafrecht verurteilt worden wären (was zumindest für EH rechtlich nicht möglich gewesen wäre.... ist klar). Es wäre für JS besser gewesen, er wäre nach D geflüchtet.

Dass er bis heute an der "neuen Version" festhält ist menschlich verständlich. Er hat immer noch Hoffnung auf Freilassung und würde bei einem Eingeständnis einen großen Teil der Unterstützer verlieren. Tragedy!


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Der Fall Jens Söring

29.05.2018 um 21:18
Zitat von AxolotlAxolotl schrieb:Ich kann die Wut, die EH auf ihre Eltern hatte, nachvollziehen. Ich halte beide für schuldig im Sinne der Anklage. Für gerecht halte ich die Strafe nicht.
Trotzdem die Frage, handelt Einzeltäter JS nach Deiner Theorie wg transferierten Hasses auf die Eltern, oder aus Angst EH zu verlieren, oder will er Eindruck schinden?


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Der Fall Jens Söring

29.05.2018 um 21:28
Zitat von mr_majesticmr_majestic schrieb:Trotzdem die Frage, handelt Einzeltäter Söring nach Deiner Theorie aus Hass auf die Eltern oder als Angst EH zu verlieren, oder will er Eindruck schinden?
Ich denke, sie hat ihren Hass auf ihn projiziert. Um das zu verstehen, muss man sich mit der Psychodynamik beschäftigen, die zwischen Borderlinern und anderen in der Kindheit vernachlässigten (ich unterstelle ihm an dieser Stelle bewusst keine Diagnose) entstehen kann. Leider ist es so, dass allein das Wort Projektion oft dafür sorgt, den, der projiziert, zu dämonisieren. Und ich bin fern davon, jemanden zu dämonisieren. Er fühlte sich von ihr abhängig und wollte ihr beweisen, dass er alles für sie tun würde.

Insofern treffen alle deine drei aufgezählten Motive zu.


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Der Fall Jens Söring

29.05.2018 um 21:29
Zitat von yasumiyasumi schrieb:Updike hätte auch wegen "first-degree murder" anklagen können.
ok, danke.

@Axolotl
ich stimme dir zu, dass er mittlerweile keine andere Wahl mehr hat, als bei der Geschichte zu bleiben.

Auch finde ich, dass man, insbesondere als so junger Mensch, eine zweite Chance verdient hätte.
Sofern man resozialisiert ist und keine weitere Gefahr darstellt. Vielleicht wäre das eher ein Punkt gewesen, weshalb man ihm Bewährung gewähren würde bzw. gewährt hätte? Schwer einzuschätzen. Denn bei EH blieben die Bewährungsgesuche bisher auch erfolglos. Und sie ist "nur" wegen Anstiftung verurteilt.


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Der Fall Jens Söring

29.05.2018 um 21:35
Zitat von AxolotlAxolotl schrieb:Ich denke, sie hat ihren Hass auf ihn projiziert. Um das zu verstehen, muss man sich mit der Psychodynamik beschäftigen, die zwischen Borderlinern und anderen in der Kindheit vernachlässigten (ich unterstelle ihm an dieser Stelle bewusst keine Diagnose) entstehen kann. Leider ist es so, dass allein das Wort Projektion oft dafür sorgt, den, der projiziert, zu dämonisieren. Und ich bin fern davon, jemanden zu dämonisieren. Er fühlte sich von ihr abhängig und wollte ihr beweisen, dass er alles für sie tun würde.

Insofern treffen alle deine drei aufgezählten Motive zu.
Hey, das finde ich interessant. Man gerät nicht alltäglich an Personen, die in irgendeiner Form "projizieren". Das zu erkennen dauert eine ganze Weile. Kennst Du Dich damit etwas aus?
Sieht Du noch andere Ansätze von Projektionen in dem Fall? Die Diagnosen hast Du ja mitbekommen.


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Der Fall Jens Söring

29.05.2018 um 21:52
Zitat von mr_majesticmr_majestic schrieb:Hey, das finde ich interessant. Man gerät nicht alltäglich an Personen, die in irgendeiner Form "projizieren"
Doch. Das tun alle Menschen. Wird aber erst richtig "spannend/unheimlich/gefährlich", wenn zwischen beiden eine emotionale Bindung besteht und einer/beide sehr empfänglich sind.

Im vorliegenden Fall handelt es sich m. M. n. um projektive Identifizierung. JS hat "gefühlt", was EH gefühlt hat. Daher war ihm die "Übertötung" möglich/erschien ihm sinnvoll.

Dass er das heute alles nicht mehr nachvollziehen kann ist keine Abgehobenheit, sondern verständlich.

Wenn beide in den Genuss einer Psychotherapie kämen, könnten sie sich selbst und den anderen besser verstehen.
Zitat von mr_majesticmr_majestic schrieb:Die Diagnosen hast Du ja mitbekommen.
Meinst du die, dass JS ein Narzisst sein soll? Ist das belegt oder sind das Privatdiagnosen einiger User? Er hat sicher narzisstische Züge...


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Der Fall Jens Söring

29.05.2018 um 21:59
Zitat von Venice2009Venice2009 schrieb:Auch finde ich, dass man, insbesondere als so junger Mensch, eine zweite Chance verdient hätte.
Sofern man resozialisiert ist und keine weitere Gefahr darstellt.
Absolut! Das Rechtssytem in den USA ist eine Schande!


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Der Fall Jens Söring

30.05.2018 um 10:30
Zitat von AxolotlAxolotl schrieb:Meinst du die, dass JS ein Narzisst sein soll? Ist das belegt oder sind das Privatdiagnosen einiger User? Er hat sicher narzisstische Züge...
Bei EH wurde Borderline diagnostiziert und bei Söring eine wahnhafte Störung oder (alternativ) eine induzierte wahnhafte Störung "Folie à deux". Beauftragt wurden die Psychiater 1986 mWn. von Sörings Eltern respekt. Anwälten und ich denke es ging darum, seine Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt anzugreifen, denn er hatte ja gestanden.


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Der Fall Jens Söring

30.05.2018 um 10:44
Zitat von ligalaligala schrieb:Du hattest mich gestern angesprochen zu der Frage, warum Soering das Geständnis spät - erst 1990 widerrufen hat oder nicht wenigstens die Eltern aufgeklärt hat.
Danke. Deine Erklärung, warum Söring seine Geständnisse erst 1990 widerrufen hat, ist eine 1:1-Kopie der Aussagen von Jens Söring, auch die FAZ bezieht sich ausschließlich auf die Aussagen von Söring.

Ein Doppelmörder behauptet viel, wenn der Tag lang ist. Sollte man sowas glauben? Nein!

Zugunsten von Söring gehe ich davon aus, dass er zwar 1987 schon eine gewisse Absicherung gegen die Todesstrafe hatte, das Ganze aber erst am 1. August 1989 - nach dem Hochklagen EuGH - eine für Viriginia zwingend bindende Prämisse der Auslieferung darstellte.

Und natürlich visierte er einen Prozess in D an, wer würde das nicht tun bei einem Blick auf das Strafmaß und die Handhabung desselben in Virginia?
Zitat von ligalaligala schrieb:Dazu: Dass er seinen Eltern nichts gesagt hat, wissen wir doch gar nicht. Aber was ändert das?
Doch, das wissen wir, weil Söring in MT ganz klar sagt, dass er bis 1990 weder seinen Eltern noch seinen Anwälten die "Wahrheit" sagte.

Seine Begründung DAFÜR lautet, dass die Besuchsräume im Knast seiner Meinung nach abgehört wurden und man das Abgehörte (die inoffiziellen vertraulichen Gespräche mit Familie und Anwälten) gegen ihn (in seinen laufenden offiziellen Verfahren, Klage bis EuGH) verwendet hätte.

Mir geht es nicht mal darum, dass er - der Unschuldige - seine Geständnisse nicht offiziell zurücknahm und damit ggfs. sein Verfahren bis zum EuGH gefährdete, sondern darum, dass er seinen Eltern und Anwälten sehr wohl vertraulich die "Wahrheit" hätte sagen können und müssen.

Somit hätten seine Anwälte und Eltern eine Verteidigung basierend auf der "Wahrheit" aufbauen können. Sie hätten schon ab Oktober 1986 (wo EH "das Versprechen" platzen ließ) vor Ort in Virginia Beweise sammeln können, zB beim Kinobesitzer. Sie hätten bei Sörings Prozess bezeugen können, dass Söring "Das Versprechen" ab dem Zeitpunkt aufgab, wo EH es platzen ließ. Sie hätten nachweisen können, dass Söring nicht fast 4 Jahre an seinen Geständnissen festhielt, sondern nur 4 Monate, dabei geht es um Glaubwürdigkeit.

Es stellt sich die Frage, wieso der schlaue 20-jährige JS auf die Vorteile einer frühzeitigen inoffiziellen Zurücknahme der Geständnisse verzichtete?

Meiner Meinung nach deshalb, weil er seine Story "Das Versprechen" zu dem Zeitpunkt selbst noch nicht kannte und weil er mind. Mittäter war.

Anders gesagt: Wäre er 1987 nach Deutschland ausgeliefert worden, dann hätte er dort mMn. seine Geständnisse NICHT widerrufen, sondern sich mit einer abgeschwächten Version als Täter oder Mittäter schuldig bekannt. Das war mMn. von Anfang an (vor der Tat) seine Intention und sein Kalkül, sprich das deutsche Jugendstrafrecht hat ihn weniger abgeschreckt, als EH ihn beeindruckte.

In Virginia dagegen war ihm klar, dass er nicht einmal als Alibi-Komplize in Washington DC auftreten konnte, wenn er die Sonne noch mal sehen wollte. Das machte seine Unschuldig-Geschichte - im Gegensatz zu der von EH - noch unglaubwürdiger, als sie es durch die Flucht und die Geständnisse eh schon war.


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Der Fall Jens Söring

30.05.2018 um 10:57
Zitat von Seps13Seps13 schrieb:Was für einen Sinn macht diese Aussage, wenn er unschuldig ist und mit seinem (dann ja komplett falschen) Geständnis einzig und allein so glaubwürdig wie möglich seine Freundin von jedem Verdacht freimachen möchte? Warum sagt er nicht, Elizabeth war ganz sicher nicht dabei? Warum will er ausgerechnet diesbezüglich Erinnerungslücken haben?
Wenn er unschuldig ist, lügt er bei diesem Geständnis. Bei einer Lüge hat man alle Aussagefreiheiten. Man kann sich die beste Story ausdenken und alles passend machen. Er war dann in Wahrheit übrigens auch weder alkoholisiert noch hatte er Erinnerungslücken. Er lügt nach eigenem spätererem Bekunden angeblich, um E. zu schützen. Und sagt dann: „Vielleicht war sie auch da“? Da gäbe es aber bessere Lügengeschichten zum Schutz seiner Freundin. Da hätte man den Alkohol und die Erinnerungslücken einfach streichen und eine klare Aussage zur Abwesenheit von E. machen können.

Diese weiß-nicht-Aussage macht weder richtig Sinn, wenn er der alleinige Täter war und die Wahrheit sagen möchte (auch dann würde er als aufrichtiger Geständiger ja vermeiden, seine zumindest im Hinblick auf die Tatausführung unschuldige Freundin mit hineinzuziehen), noch, wenn er unschuldig war und sein einziges Ziel ist, mit dem Geständnis E. aus allem herauszuhalten.

Diese Aussage macht am ehesten Sinn, wenn E. in Wirklichkeit dabei war, beide den Mord gemeinsam begangen haben, und er das zwar nicht so direkt kommunizieren will (evtl., weil er es ihr tatsächlich versprochen hat), aber sie auch nicht völlig heraushalten möchte. Also hintenherum andeuten, dass sie durchaus anwesend und alles auch ganz anders gewesen sein könnte.
Danke, sehr interessant. Ein weiterer Aspekt, der aus meiner Sicht für einen abgezockten 20-jährigen Söring spricht, dem es nur um sich selbst ging. Neben der Sache mit dem Messer und weiteren Details.
Ich schließe nicht aus, dass es sowas wie "Das Versprechen" gab, aber eher für den Worst Case, als zur Rettung von EH.

Er hat sich mMn. ganz offensichtlich und absichtlich Backdoors in seine Geständnisse eingebaut. Er hielt sich damals schon für schlauer als alle anderen und tut es heute immer noch.

Zum Tatort und zum rekonstruierten Tatablauf fehlt uns das Wissen. Ebenso zum Inhalt aller Anhörungen, Verhöre und Geständnisse, wozu u.a. Mimik und Gestik und eine Vorführung des Tatablaufs durch JS gehört, was man aus dem geschriebenen Text alles nicht ableiten kann. Daher können wir die Fragen "Täterwissen" und "Glaubwürdigkeit" auch nicht wirklich beurteilen.

Eine gemeinsame Täterschaft von JS und EH bleibt für mich weiterhin ein wahrscheinliches Szenario. Ebenso ein Tatzeitpunkt vor oder nach dem Trip nach Washington DC. Dann wäre die Kilometer-Differenz Absicht (und das "Tatfahrzeug" ein anderes) und Teil eines kompliziert schlauen Alibi-Spiels gewesen, in dem die Polizei im Worst-Case nie hätte nachweisen können, wer von beiden am Tatort und wer in DC war.

Dann hätten beide eigenes Täterwissen sowie eigenes DC-Wissen und beide hätten am Tatort Spuren hinterlassen können. Das jeweilige Wissen würde dennoch differieren, je nachdem, wer was gemacht und wer wen getötet hat. Diesem Szenario folgend konnten und können das beide bis heute auch nicht zugeben oder beweisen, da es für beide kontraproduktiv wäre.


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30.05.2018 um 11:48
Zitat von AxolotlAxolotl schrieb:Meinst du die, dass JS ein Narzisst sein soll? Ist das belegt oder sind das Privatdiagnosen einiger User? Er hat sicher narzisstische Züge...
Für eine genauere Auseinandersetzung mit dem Thema Diagnosen, resultierendes Verhalten, Konsequenzen auf Beziehung und Tatverhalten der beiden empfehle ich die Doku Parents Slashers.
Der Querschnitt an Meinungen zu dem Thema bildet ein Gerichtsgutachter Psychologe Showalter (EHs Prozess), Forensischer Psychologe, Englade (Krimiautor) und dazwischen die Ermittler (immerhin über 10min nur zu dem Thema "Psyche").

ca. ab: 16:00
https://www.youtube.com/watch?v=OdzuSTQN6Gc (Video: The Parent Slashers - Teen Murderers Elizabeth Haysom & Jens Soering (Crime Documentary))
Zitat von Sector7Sector7 schrieb:Bei EH wurde Borderline diagnostiziert und bei Söring eine wahnhafte Störung oder (alternativ) eine induzierte wahnhafte Störung "Folie à deux". Beauftragt wurden die Psychiater 1986 mWn. von Sörings Eltern respekt. Anwälten und ich denke es ging darum, seine Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt anzugreifen, denn er hatte ja gestanden.
Ab Minute 41 begründet der Forensische Psychologe warum er nicht überzeugt sei, dass hier bei Söring eine "Folie à deux" vorliegen würde.

Wenn man keine Schizophrenie hat oder an einer Psychose/Drogenpsychose leidet, dann ist eine "Folie à deux" das Maximale was man in Richtung fremdgesteuert und Wahn für eine eingeschränkte Schuldfähigkeit diagnostizieren kann. Ich denke auch wie Du, dass diese Diagnose motiviert war.


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30.05.2018 um 11:49
Zitat von Sector7Sector7 schrieb:Ein Doppelmörder behauptet viel, wenn der Tag lang ist. Sollte man sowas glauben? Nein!



Doch, das wissen wir, weil Söring in MT ganz klar sagt, dass er bis 1990 weder seinen Eltern noch seinen Anwälten die "Wahrheit" sagte.
Das widespricht sich etwas findest Du nicht.
Es gibt den Brief, den Du gerne übersiehst, vor seiner Flucht an seine Eltern und an Gardner, in beiden bestreitet er die Tat.


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