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Der Fall Jens Söring

18.019 Beiträge, Schlüsselwörter: Mord, Kino, Gefängnis, Messer, Karten, Sohn, Doppelmord, Unschuldig, Richter, Schuldig, 1985 + 24 weitere
Zu diesem Thema gibt es eine von Diskussionsteilnehmern erstellte Zusammenfassung im Themen-Wiki.
Themen-Wiki: Der Fall Jens Söring

Der Fall Jens Söring

05.05.2019 um 00:21
Bluelle schrieb:Wem steht es zu zu werten über andere Menschen über dessen Persönlichkeit.
Menschen werden immer beurteilt nach dem, was sie tun, ob im Guten oder Schlechten.

Und natürlich steht es Jedem frei zu sagen, ob ein Mensch unsympathisch erscheint, hochnäsig ist oder was weiß ich.
Ich kann mir nicht vorstellen, das Söring außerhalb der Gefängnismauern ein "Anderer" ist vom Charakter her.

Das, was er von sich gegeben hat, lässt schon Schlüsse zu.
Bluelle schrieb:Er kann faktisch unschuldig sein und es ist völlig egal ob dieser Mensch arrogant ist oder so wirkt, ob er sich mit Mandela vergleicht , was immer er auch anstellt.
Finde ich nicht u. es ist nicht unwichtig, wie sich ein Mensch gibt.

Je nachdem, wie sich z. B. ein Häftling führt und gibt, bringt ihm das Pluspunkte ein oder nicht.

Wirkt sich im Positiven wie im Negativen aus.

Generell natürlich auch.
Unsympathisch wirkende Menschen werden warscheinlich den Kürzeren ziehen, wenn es um einen Job geht.


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05.05.2019 um 01:14
Rick_Blaine schrieb:Aber gleich beim ersten Mal, als ich ihn in einem Video gesehen habe, habe ich eine tiefe Abneigung gegen ihn empfunden, wegen seiner himmelschreienden Arroganz. Ich halte ihn für einen der arrogantesten Menschen denen ich je (visuell) begegnet bin.

Es scheint auch, dass anderen diese Arroganz aufgefallen und auf die Nerven gegangen ist, von den Prozessbeteiligten damals bis heute. […]
Bluelle schrieb:Ich lese hier nur Wertungen, Wertungen, Vorurteile.
Ich habe mich immer schon gewundert, warum hier die Personalie JS so polemisch polarisiert. Früher eskalierte der Disput ständig, bis zum wiederholten Schließen des Threads.

Ich muss gestehen, ich finde er ist eine ganz interessante Persönlichkeit und gar nicht sooo unsympathisch;-) Vorausgesetzt man blendet die Tatsache aus, dass er höchstwahrscheinlich ein Doppelmörder ist und vermutlich uns alle belügt.

Heute würde man solche Persönlichkeiten mMn als typischen „Nerd“ (intelligenter Sonderling mit besonderen Fachkenntnissen und sozialen Defiziten) bezeichnen. Ich hatte mal einen langen Beitrag dazu geschrieben, wie ich ihn mglw im Autismus-Spektrum nach DSM-5 und ICD-10 einsortieren würde und warum. Leider wurden alle Beiträge gelöscht, weil Ferndiagnosen nicht erlaubt seien (es sollte sich lediglich um eine Meinung handeln). Ich habe viele Nerds im IT-Bereich erlebt und manche berichteten, zum Teil nach langen Irrwegen, von ihren Diagnosen und ihrem unverstandenen Welterleben. Meistens wird ihnen Arroganz, fehlende Empathie und ständige Besserwisserei vorgeworfen, während andere das Verhalten scheinbar wenig stört. Ich gehöre wohl auch zu Letzteren, obgleich ich es sehr wohl wahrnehme. BTW: der Begriff „Nerd“ wurde hier schon 72 mal in Bezug auf JS gebraucht.
Rick_Blaine schrieb:Ich empfinde bei ihm, dass er auf den gesamten Rest der Welt nur mit Verachtung herunterschaut. In seiner Welt, so scheint mir, gibt es nur einen, der zählt: das ist er selbst.
Seh’ ich auch so, aber er hatte ja auch wenig Möglichkeit sich sozial weiterzuentwickeln.


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05.05.2019 um 03:00
MyMysteryMan schrieb:aber er hatte ja auch wenig Möglichkeit sich sozial weiterzuentwickeln.
Scheinbar hat es ihm gänzlich bzw. zum grössten Teil daran gefehlt, das geht aus den Briefen hervor, die er mit Elizabeth schrieb u. seine ganze Verwicklung in dem Fall u. die Indizien gegen ihn zeugen auch davon.
MyMysteryMan schrieb:Meistens wird ihnen Arroganz, fehlende Empathie und ständige Besserwisserei vorgeworfen, während andere das Verhalten scheinbar wenig stört. Ich gehöre wohl auch zu Letzteren, obgleich ich es sehr wohl wahrnehme.
Dann hast Du meinen Respekt. Wenn man so einen Menschen zum Freund hat, löst das eigentlich schon was in einem aus, wenn derjenige keinerlei Empathie, keine tröstenden Worte in einer Extremsituation überhat, alles besser wissen will u. auch noch arrogant ist, man also immer unter ihm steht, nicht für voll genommen wird.

Wer hält das in einer Freundschaft lange aus u. was hat man davon, mit so einem Menschen befreundet zu sein...
MyMysteryMan schrieb:, ich finde er ist eine ganz interessante Persönlichkeit und gar nicht sooo unsympathisch;-
Könnte ich nicht sagen, das er eine interessante Persönlichkeit darstellt, was beeindruckend ist, mag seine Intelligenz unibezogen sein. Ansonsten ein verurteilter Doppelmörder, der anderen Menschen Fehler unterstellt u. über seine einstmals "große Liebe" auch keine guten Worte mehr über hat usw.


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05.05.2019 um 06:24
MyMysteryMan schrieb:Ich habe mich immer schon gewundert, warum hier die Personalie JS so polemisch polarisiert
MyMysteryMan schrieb:Ich muss gestehen, ich finde er ist eine ganz interessante Persönlichkeit und gar nicht sooo unsympathisch;-) Vorausgesetzt man blendet die Tatsache aus, dass er höchstwahrscheinlich ein Doppelmörder ist und vermutlich uns alle belügt.
MyMysteryMan schrieb:Heute würde man solche Persönlichkeiten mMn als typischen „Nerd“ (intelligenter Sonderling mit besonderen Fachkenntnissen und sozialen Defiziten) bezeichnen.
Ich bin überrascht, wie gut du formuliert hast, was ich denke und worauf ich hinauswollte.

Einige äußern eine ungewöhnlich starke Abneigung gegen Söring und das sind dann noch ausgerechnet User, die ich wegen ihrer Sachlichkeit und Objektivität sehr schätze, während andere das wiederum so sehr zu stören scheint, als würden sie für JS besondere Sympathie entgegenbringen. So ganz emotionslos scheint man ihm generell eher nicht gegenüberzustehen.

Mir geht es ähnlich wie dir, ich muss aber dazu sagen, dass ich mich mehr mit seinem Fußabdruck beschäftigt habe, als mit Interviews von ihm oder seiner sonstigen Selbstdarstellung in Büchern oder auf Facebook.

Darsow macht es anders, den nimmt man gar nicht wahr, die PR-Arbeit leistet seine Frau und die hat erstens nichts getan und kommt zweitens sympathisch rüber.
Rick_Blaine schrieb:finde ich z.B. Anja Darsow sehr sympathisch
Also schon deswegen ein grundsätzlich besseres Konzept.

Für Avery ist MaM eine hervorragende mediale Offensive und seine Anwältin hat auch eine Art, reißerische Litigation-PR zu betreiben, die anscheinend eine ordentliche Anhängerschaft findet.

Bei JS kommt dann noch die konstruierte Alibi-Story dazu, die kaum einer wirklich glauben kann. Allerdings ist die Story, mit der die Anwältin Averys Blut im Auto des Opfers erklärt wird, noch absurder.

Unabhängig davon entscheiden die Gerichte aber ja (hoffentlich) nicht nach Sympathie, der Wirksamkeit des Kampagnenkonzepts oder der Zahl der Unterstützer.

Ob bei der Entscheidung des Gouverneurs Sympathie eine Rolle spielt? Wenn, dann wohl auch nur untergeordnet, nehme ich an.


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05.05.2019 um 07:18
seps13 schrieb:Darsow macht es anders, den nimmt man gar nicht wahr, die PR-Arbeit leistet seine Frau und die hat erstens nichts getan und kommt zweitens sympathisch rüber.

Also schon deswegen ein grundsätzlich besseres Konzept.

Für Avery ist MaM eine hervorragende mediale Offensive und seine Anwältin hat auch eine Art, reißerische Litigation-PR zu betreiben, die anscheinend eine ordentliche Anhängerschaft findet.
Es ist ganz interessant, dass wir hier drei Fälle mit ganz unterschiedlichen "Kampagnen" haben. Anja Darsow hat mit ein paar treuen Freunden aus ihrem Wohnzimmer begonnen, die wohl von Anfang an bestehenden Zweifel am Urteil zu formulieren, zu verbreiten, und es dann auch in die Medien geschafft. Ihr ist der coup gelungen, einen relativ bekannten Strafverteidiger zu finden, der professionell an den Fall geht und sich ab und zu einmal, aber doch recht dezent, auch in der Öffentlichkeit äussert. Es hilft m.E. natürlich auch, dass Anja Darsow eine gutaussehende junge Mutter ist, und somit einen gewissen Öffentlichkeitsappeal hat. Der juristisch völlig unbedarfte Bürger kann sich auch relativ gut in die Darsows hineinversetzen, eine junge Familie, Mittelklasse, die versuchte sich ihren Traum vom eigenen kleinen Reihenhaus zu verwirklichen und jäh aus diesem Traum gerissen wurde. Und ja, vom Täter selbst, um dessen Unschuld es ja geht, hört und sieht man kaum etwas.

In diesem Fall sind die inhaltlichen Fakten relativ gut bekannt, und gerade Beobachter mit etwas Erfahrung in der Materie sehen wenig Erfolgchancen für die Darsows. Unterm Strich aber bleibt irgendwie eine menschlich positive Begegnung, Sympathie, eventuell etwas Mitleid vor allem eben mit der Familie des Täters.

Ganz anders der Avery Fall. Hier haben wir eine bisher beispiellose Medienkampagne, der Fall ist vielen Millionen Zuschauern im In- und Ausland nun bekannt - bzw. glauben diese, den Fall zu kennen. Was sie in Wirklichkeit kennen ist eine extrem medial gesteuerte Pseudowelt. Wir Zuschauer bekommen einen oft viel zu intensiven Einblick in die geistig und materiell doch sehr einfache Familie, ja, die sogenannte "Dokumentation" bietet gefühlte 75% der Sendezeit diese Einblicke, die man eigentlich gar nicht so tief haben möchte. Jedenfalls nicht der Zuschauer, der am Fall selbst interessiert ist.

Dazu kommt eine medial sehr aggressive Anwältin, deren Verhalten ganz anders als das des deutschen Anwalts Strate ist. Zellner produziert Aussagen am laufenden Band, die nur für die Medien und keineswegs für die Richter gedacht sind und setzt sich in Szene. Avery wird zum knuddeligen Teddybär, der seiner "Staranwältin" selig vertraut. Die Fakten aus seiner recht langen Kriminalgeschichte, die ein anderes Bild von ihm malen, werden selten erwähnt und geraten schnell in Vergessenheit. Dafür sehen wir die Anwältin in der Rolle einer Detektivin, wie sie bei jedem "wichtigen" forensischen Versuch dem Ergebnis entgegenfiebert...

Man vergleiche das nur mal mit Strates Verhalten, der nüchtern und sachlich einfach nur sagt: ich werde das Gutachten beurteilen und dann die Ergebnisse veröffentlichen, wenn es so weit ist.

Unterm Strich aber gibt es bisher interessanterweise das gleiche Ergebnis in beiden Fällen: weder die hübsche Laienkämpferin Darsow noch die aggressive Medienprofi Zellner haben juristisch auch nur einen einzigen Erfolg vorzuweisen. Denn was im Fernsehen schnell vergessen oder übersehen wird: die beteiligten Richter in den Fällen durchschauen all dieses Medienspektakel und bewerten allein die juristischen Fakten. Und die sprechen in beiden Fällen klar für die Schuld des Täters.

Meine Prognose für diese beiden Fälle: In zehn Jahren wird man sich noch an Anja Darsow erinnern, den Vornamen ihres Ehemanns schon vergessen haben und beide irgendwie ein wenig bedauern. An Avery selbst wird man sich kaum noch erinnern, aber an die "Staranwältin," auch wenn sie am Ende erfolglos war. Das wird sein wie bei OJ Simpson, wo man sich weit mehr an seinen Staranwalt Johnnie Cochran ("if it doesn't fit you must acquit") erinnert, als an OJ selbst.

Nun haben wir noch JS. Er hat weder eine hübsche Ehefrau noch eine Staranwältin. Er hat eine treue Anhängerschaft, die auch ein paar Medienprofis einschliesst. Aber er ist mit dem Versuch gescheitert, sich einen Mythos aufzubauen, der ihn als den unschuldigen verfolgten deutschen Mandela in den Fängen der schrecklichen, weil amerikanischen, Justiz befindet. Genauso wie er vor ein paar Jahren daran gescheitert ist, den Mythos des im Knast gläubig gewordenen und daher Vergebung verdienenden einsamen Inhaftierten aufzubauen. Und dem Mythos, er sei ein politischer Gefangener, der nur wegen der Unfähigkeit deutscher und der Bosheit amerikanischer Politiker im Knast sitzt.

Und das ist sein Problem: vom ersten Tag an strickt er an immer wieder anderen Mythen, die ihm ausser den einfältigsten Fans aber niemand abkauft, vor allem nicht in der Masse: der aufopfernd Liebende, der sein Leben für seine Traumfrau gibt, in einem an Romantik und Tragik nicht zu übertreffenden Versprechen. Nun, die Fakten haben schnell gezeigt, dass das nichts als ein Mythos ist.

Dann wurde aus der Traumfrau die böse lügende Hexe, die das arme naive deutsche Muttersöhnchen schamlos ausgenutzt hat und sein Leben zerstört hat. Auch das hat nicht funktioniert.

Dann kam der schon erwähnte reumütige aber immer unschuldige Christ, der so selbstlos ist, dass er den schrecklich rückständigen Amerikanern in seinem Buch auch noch zeigt, wie ein moderner Strafvollzug sein soll. Auch der Versuch ist krachend gescheitert.

Der politische Häftling, den schrecklichen Republikanern ausgeliefert... da haben weder Obama noch Merkel mitgespielt.

Zum Schluss muss es dann mit der Brechstange sein: obskure DNA Ergebnisse, die kaum ein Laie versteht müssen es mit Hilfe eines obskuren ehemaligen Sheriffs richten. Funktioniert auch nicht so recht.

Was bei all diesen Mythen aber konsequent bleibt, ist der Eindruck, den viele Beobachter mitnehmen: hier ist jemand, der konsequent alle anderen für dumm verkaufen will. Schlimm, wenn nach all den Jahren und Mythen dann doch immer eines im Gedächtnis bleibt: das herablassende Grinsen im Zeugenstand, als der Staatsanwalt entgeistert fragt: lachen Sie uns hier eigentlich aus?

Drei Fälle, drei ganz unterschiedliche Öffentlichkeitswahrnehmungen. Und das, obwohl in allen drei Fällen alle Protagonisten unhaltbare Dinge vorbringen: Kaum jemand nimmt Anja Darsow ab, dass es doch eigentlich gar keine Lärmbelästigungen der Tolls gegeben hat. Niemand wird Zellner und Avery glauben, dass zwei ebenso einfältige Familienmitglieder ein gewaltiges Vertuschungsspiel vorgelegt haben, mit Leichenteilen, die plötzlich in Averys Feuerstelle auftauchen. Und niemand wird JS die unbekannten Meuchelmörder abnehmen, die mit oder ohne Elizabeth auf Socken deren Eltern meucheln.

Alle drei werden am Ende ein ganz unterschiedliches Sympathiepunktekonto haben. Aber am Ende werden rational denkende Menschen rational entscheiden. Das ist meine Prognose.


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Der Fall Jens Söring

05.05.2019 um 07:58
@Rick_Blaine: Super! Das isses, wozu ich mir Gedanken machen wollte - wie läuft so etwas in den verschiedenen Fällen mit der gleichen Grundsatzprämisse (Behauptung eines Justizirrtums) parallel oder unterschiedlich ab und welchen Erfolg hat es. Es ist so wie du beschrieben hast und ganz spannend zu beobachten. Gibt ja noch weitere Fälle, die man dazu nehmen könnte, das hier sind nur die, mit denen ich mich mal näher befasst habe.

An anderer Stelle wurde von anderen Usern zu Recht die Befürchtung geäußert, dass die oft bauernfängerische Art und Weise, dabei grundsätzlich Kritik am Justizsystem und der Arbeit von Ermittlern, Staatsanwälten und Richtern zu äußern, sich vielleicht zu sehr in den Köpfen als Meinung festsetzt. Da sollte man den Blick fürs Wesentliche und eine vernünftige Einschätzung der Interessen nicht aus den Augen verlieren.
Rick_Blaine schrieb:Dann wurde aus der Traumfrau die böse lügende Hexe, die das arme naive deutsche Muttersöhnchen schamlos ausgenutzt hat und sein Leben zerstört hat. Auch das hat nicht funktioniert.
Das ist natürlich noch eine Besonderheit an diesem Fall. Ich glaube, dass die Person EH (so wie sie damals war) für sich ebenfalls ganz faszinierend ist, sie ebenfalls polarisiert und einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Meinung zum Fall hat.
Einfach gesagt: Wer sie nicht mag, bringt JS gleich mehr Verständnis und Sympathie entgegen.


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05.05.2019 um 08:23
@Rick_Blaine
@seps13
nach d Ausführungen von @Rick_Blaine ist bei allen drei Fällen eine Gemeinsamkeit erkennbar, keine Chance der Täter ihren derzeitigen Status ihre residenz zeitnah oder jemals verlassen zu können. Ausnahme evtl Herr Darsow, daß er vor der Rente entlassen werden könnte.
Egal wo man hinschaut , egal welche spektakulären Fälle man weltweit verfolgt, erstaunlich viele der rechtskräftig verurteilten beharren auf : nicht schuldig.
Und jeder einzelne rekrutiert seine Fanclubs, seine Unterstützer vip's , seine Liebesbrief Schreiberinnen. Und natürlich seine RA'e die , egal wie das Hornberger schießen ausgeht , sich medial dezent oder laut ins Zeug legen.
Mich würde lediglich mal interessieren ob die jeweiligen RA'e so im tiefsten inneren da an den Erfolg ihrer Mission glauben . zB Hr Strate mit d WA . Ein Körnchen Hoffnung f Frau Darsow .


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05.05.2019 um 08:52
Calligraphie schrieb:nach d Ausführungen von @Rick_Blaine ist bei allen drei Fällen eine Gemeinsamkeit erkennbar, keine Chance der Täter ihren derzeitigen Status ihre residenz zeitnah oder jemals verlassen zu können. Ausnahme evtl Herr Darsow, daß er vor der Rente entlassen werden könnte
Ich sehe bei JS evtl. noch eine kleine Chance, mit EH gleichzuziehen. Dafür müsste er aber mMn. nochmal umschwenken.

Strategisch klügeres Vorgehen wäre im Nachhinein die Verkündung folgender Story gewesen (egal, ob wahr oder unwahr):

EH hat ihn überredet, die verhassten Eltern zur Rede zu stellen, notfalls auch umzubringen, worauf er sich aus Liebe zu ihr eingelassen hat. Sie waren zum Tatzeitpunkt beide da. Sie hat dann im Streit mit den Eltern den Gewaltexzess begonnen, er hat nur eingegriffen, als der Vater auf Elizabeth losging, um seine Freundin zu beschützen.
Später hat er ihr versprochen, sie aus allem herauszuhalten. Er bereut die Tat sehr. Zusätzlich hätte er entlastend noch Alkohol- und Drogeneinfluss mit ins Spiel bringen können.

Diese Story hätten ihm wohl viele Menschen geglaubt. Nun ist es aber zu spät dafür. Falls der Gouverneur seinen Antrag ablehnt, bliebe ihm meiner Meinung nach noch die offizielle Ankündigung, sich zurückzuziehen, nichts mehr zum Fall zu sagen und zu gegebener Zeit nach Elizabeths Entlassung wieder Anträge zu stellen.


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Der Fall Jens Söring

05.05.2019 um 09:20
Calligraphie schrieb:Mich würde lediglich mal interessieren ob die jeweiligen RA'e so im tiefsten inneren da an den Erfolg ihrer Mission glauben . zB Hr Strate mit d WA . Ein Körnchen Hoffnung f Frau Darsow .
Ja, in diesen Fällen ist m.E. die Chance, die ursprünglichen Urteile aufzuheben gering. Aber das bedeutet sicherlich nicht, dass es keine Fehlurteile gibt, das zu glauben wäre ebenfalls fatal.

Ich selbst habe in meinem nun schon recht langen Leben auch durchaus erfolgreich für Mandanten erreicht, dass ihre Urteile aufgehoben wurden. Dabei unterscheide ich die Fälle, wo es sich um Rechtsfehler handelte, wie letztens in einem Fall, in welchem mein Mandant immerhin fast 5 Jahre im Gefängnis verbrachte. In dem Fall war es egal, ob er wirklich die Tat begangen hatte oder nicht, das Verfahren selbst war das Problem. Und, als ich in den Fall involviert wurde, war die "Wahrheit" schon nicht mehr wirklich festzustellen, das vermeintliche Opfer sagte nun, dass alles ganz anders gewesen sei und mein Mandant sowieso und so weiter. Wir konnten aber nachweisen, dass das Gericht hier sich auf eine gesetzliche Regelung verliess, die am Ende verfassungswidrig und daher unhaltbar war.

Glaube ich, dass mein Mandant ganz und gar unschuldig war, wie er immer noch sagt? Es ist egal. Ich habe daran geglaubt, dass das Urteil so wie es erging falsch war.

Ich habe aber auch zwei Wiederaufnahmeverfahren erfolgreich durchgeführt, in welchen es wirklich nur um die Frage der Täterschaft ging. Beide hatten dann gemeinsam, dass ich sehr bald davon überzeugt gewesen bin, die Verurteilten waren wirklich unschuldig. In beiden Fällen kamen wir schnell zu dem Schluss: so wie es die Staatsanwaltschaft vorgestellt hatte und wie es die Gerichte dann geglaubt haben, konnte es einfach nicht gewesen sein. In einem half uns dann die Wissenschaft: wir konnten einen Nachweis führen, dass biologische Spuren schlicht und ergreifend nicht passten. Zum Glück, denn die Mandantin hatte in der öffentlichen Meinung einen schweren Stand, was sicher auch zu ihrer Verurteilung beigetragen hatte. Aber am Ende liess sich ein Gericht dann trotz aller negativen Sympathiewerte usw. von den wissenschaftlichen Resultaten überzeugen.

Im anderen Fall war es schwieriger, da es hier vor allem um Psychologie ging. Auch hier war die Mandantin in einer denkbar schlechten Position, die Öffentlichkeit hätte sie am liebsten aufgehängt, wenn ich das mal so sagen darf. Aber auch hier siegten am Ende rationale Überlegungen. Der Fall war allerdings noch vor Netflix und Massen-Internet und mich schaudert der Gedanke, wie das heute wohl ausgehen würde.

Dieser Fall, am Anfang meiner Karriere, hat mich allerdings sehr geprägt: mein Mentor, der Rechtsanwalt, der den Fall leitete, hat sich von all dem ganz und gar nicht beirren lassen und selbst viele persönliche Anfeindungen erlitten, und am Ende siegte die Vernunft. Inzwischen fragt sich jeder, der den Fall kennt, wie man "damals" bloss die Mandantin verurteilen konnte. Das sah am Anfang aber ganz anders aus.

Daher, ja, in diesen Fällen bin ich schnell zu einer Überzeugung der Unschuld gekommen und habe insofern an den Fall "geglaubt," bzw. der Mandantin "geglaubt."

In Fällen, wo ich vom Gegenteil überzeugt wäre, käme es darauf an, was wir erreichen wollen: will der Mandant unbedingt einen Freispruch auf Basis der Fakten erreichen, dann werde ich ihm vermutlich recht bald sagen: ich selbst sehe da keinen Weg. Das würde ich z.B. Anja Darsow oder JS sagen wenn sie zu mir kämen und ich nach Aktenstudium nicht mehr wüsste als ich jetzt von ihren Fällen weiss. Mir wäre sehr unwohl, wenn ich meinen Mandanten nach zwei oder mehr Jahren sagen müsste: sehen Sie, wir haben verloren, und das habe ich von Anfang an gewusst.

Ich kann jetzt nicht für die anderen Anwälte sprechen. Glaubt Strate, dass Darsow unschuldig ist? Oder glaubt er nur, dass die Gutachten, welche das Gericht überzeugten, anfechtbar sind?

Glaubt Zellner, dass Avery unschuldig ist? Oder glaubt sie, dass sie soviele Zweifel säen kann, dass diese Frage am Ende ungelöst bleibt und Avery nach dem Grundsatz in dubio pro reo freigelassen werden muss?

Wenn ich einen Fall übernehme, dann glaube ich in der Regel auch dass ich das erreichen kann, was ich dem Mandanten in Aussicht stelle, oder anders gesagt: ich verspreche nie etwas, von dem ich selbst nicht glaube, dass ich es halten kann. Das bedeutet aber eben nicht, dass ich in allen Fällen an die "Unschuld" glauben muss.


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05.05.2019 um 09:31
@Rick_Blaine
Großartig, danke.
Jetzt verstehe ich auch , warum evtl während mancher verfahren nach einem anderen strafverteiger verlangt wird.
Wenn dem Mandanten nicht gefällt was im äußersten für ihn drin ist lt Verteidigung.
Ich habe mal nebenher eine Doku rund um das verteidigerteam von Frau tschäpe angeschaut. Das war f mich als Laien noch mal ein x tra Spektakel und gab gute Einblicke in die recht mühsame Arbeit dieser strafverteiger auch hinsichtlich ihrer Mandantin.


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05.05.2019 um 09:43
Oh ja, der NSU Prozess ist seinen eigenen Thread wert. Hier ist das OT. Aber man sieht da eben genauso wie hier im Fall JS, dass natürlich immer auch psychologische Faktoren eine Rolle spielen. Am Ende muss jedem klar sein, dass alle Beteiligten im Justizsystem Menschen sind. Und Menschen können auch Fehler machen.

Rechtswissenschaft wird zwar im deutschen Sprachraum als "Wissenschaft" bezeichnet, aber in Wirklichkeit ist es eher eine Kunst. Wie in der Malerei auch gibt es ein wissenschaftliches Fundament, aber die Ausübung hat immer menschliche Faktoren.


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05.05.2019 um 10:11
Rick_Blaine schrieb:Und das ist sein Problem: vom ersten Tag an strickt er an immer wieder anderen Mythen, die ihm ausser den einfältigsten Fans aber niemand abkauft, vor allem nicht in der Masse: der aufopfernd Liebende, der sein Leben für seine Traumfrau gibt, in einem an Romantik und Tragik nicht zu übertreffenden Versprechen. Nun, die Fakten haben schnell gezeigt, dass das nichts als ein Mythos ist.
Danke, das trifft den Nagel auf den Kopf.

Er benötigt immer wieder neue Ausreden um seine Geschichte weiter plausibel zu halten. Ein Beispiel, sein Geständnis dass er erst nach 4 Jahren zurückgezogen hat, obwohl EH schon längst verurteilt war und kein Grund mehr bestand, weiter daran festzuhalten. So suchte er sich eben eine neue Ausrede, der Gerichtshof für Menschenrechte war der Grund gewesen,weiter daran festzuhalten, und so zieht es sich durch den ganzen Fall.

Seine Fingerverletzung z.b. die Narbe präsentierte er den Ermittlern. Plötzlich war es eine Verletzung aus Kindertagen gewesen. Also alles ganz harmlos usw. usf.


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05.05.2019 um 10:15
@Venice2009
Genau so ist es. Das bewirkt genau das Gegenteil von dem, was er erreichen will. Man glaubt ihm nun gar nichts mehr.


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05.05.2019 um 10:56
@Rick_Blaine
@all
Genau darüber habe ich nachgedacht, es scheint in all diesen Jahren für JS niemanden gegeben zu haben der eine Art dämpfende beraterfunktion übernommen hätte. Ich zumindest sehe nur stiefellecker um ihn herum.
Das ist schade für ihn. Es ist wie bei einem Superstar, niemand im Umfeld wagt sich ihn zu regulieren. Er hat in den ganzen Jahren wie ein verzogenes Kleinkind nur Applaus gehört aus seiner Ecke und alles andere ausgeblendet . Da wo er ist , wird ihn auch niemand spiegeln . Irgendwie scheint er mir wie Peter Pan . Nur bockiger und so unerwachsen . Daher denke ich auch , jetzt ist es für ihn zu spät um noch eine Entwicklung in Richtung aufrichtigen Bedauerns u Verantwortung zu zeigen was d Opfer betrifft.
Das wird er in Haft nicht mehr leisten können, aufgrund fehlender Lebenserfahrungen in freier Wildbahn.


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05.05.2019 um 12:04
@Calligraphie
"Mit genauso ist es" wird sich auf Sörings Seite jedenfalls nicht beweihräuchert.

Damit es wieder sachlich bleibt, wie bewertet der Jurist @Rick_Blaine
in diesem konkreten Fall (hat der Fall so wenig Substantielles zu bieten, dass zur OT-Kiste gegriffen werden muss?) ein Indiz, was zur Verurteilung eines Menschen von Menschen beigetragen hat dass sich in Schall und Rauch auflöst? Oder ist der Zimmernachbar Sörings jetzt 34 Jahre später ein Berufszeuge von "Spiessgesellen" wie etwa Buchanan, der "keine" Glaubwürdigkeit hat. Dieses ist nur ein Beispielindiz was aber einen hohen Beispielcharakter hat für berechtigte Kritik an Fehlern. Gardner lächelt immer noch in die Kamera, und erzählt von den Geständnissen und der Wunde und Blutgruppe 0 und Updike wurde nie zu dem Zeugen befragt, den er in Jahre später spontan in den Zeugenstand berief.

Also da werden über Jahre Fehler in diesem Fall zusammengetragen und @seps13 sagt korrekt nur der finale Unschuldsbeweis liefert ein juristisches Kippmoment.

Lassen wir Söring und den "Stiefelleckern" (merkwürdige Betrachtung) trotzdem ihr Recht solche Fehler doch aufzudecken.
Das Kippmoment kann ja jeder für sich bewerten.


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Der Fall Jens Söring

05.05.2019 um 13:30
@JohnnyGWatson
Sorry f meine Wortwahl, ich hätte besser, Unterstützer, Gefolgsleute, getreue, Fanbase, Freunde, Follower verwenden sollen .
Der eigentliche Inhalt meines letzten Post's war doch nur der Hinweis, daß einige dieser Menschen mit ihrem Aktionismus nicht wirklich etwas für seine Sache tun könnten. Eher im Gegenteil. Wie schon einige Foristen hier erwähnten , ist eine soggn außenwirkung des betroffenen sicher nicht zu unterschätzen . Und da denke ich , war er nicht immer gut beraten.


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Der Fall Jens Söring

05.05.2019 um 13:48
Calligraphie schrieb:. Und da denke ich , war er nicht immer gut beraten.
So ist es. Manchmal wäre ein wenig Bescheidenheit und sich weniger in den Vordergrund drängen wesentlich hilfreicher und effektiver gewesen.
Jetzt hat er daraus gelernt, der Zug ist jedoch bereits abgefahren. Keine Newsletter und auch keine sonstigen Statements mehr.
Das hätte viel früher erfolgen müssen. Aber das hat ihm niemand gesagt und in den 80ern war es vielleicht noch Gang und Gäbe sich seiner Empörung über andere öffentlich Luft zu machen, sie anzugreifen und bloßzustellen. Was heutzutage nicht mehr zeitgemäß ist. Da überzeugt man durch gute Argumente, deckt Widersprüche auf, alles auf einer sachlichen Basis. Anstatt soviel Energie in die Verfehlungen anderer zu investieren. Wobei, wenn man ehrlich ist, den wahren Täter kann und wird er nicht aufspüren können, denn der sitzt bereits.


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Der Fall Jens Söring

06.05.2019 um 11:06
@Venice2009
@Calligraphie
Die Art, welche Berater JS akzeptiert und zu welchen Aktivitäten er sich hinreissen lässt, zeigt ja gerade seine Persönlichkeit. Ihm fehlen innere Ruhe und Gelassenheit und (vermutlich) auch ein reines Gewissen. Er scheint von seiner Grundpersönlichkeit nicht die Fähigkeit zu haben, vorhandene Schuld einzugestehen, den Ball flach zu halten und einfach abzuwarten. Für viele hat sich das bereits ausgezahlt. Es ist ja nicht so, dass in den USA nie jemand (auf Bewährung) entlassen wird. Stattdessen sucht JS immer die schnelle Ablenkung.


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06.05.2019 um 11:55
Kristin73 schrieb:Ihm fehlen innere Ruhe und Gelassenheit und (vermutlich) auch ein reines Gewissen. Er scheint von seiner Grundpersönlichkeit nicht die Fähigkeit zu haben, vorhandene Schuld einzugestehen, den Ball flach zu halten und einfach abzuwarten
Ein wenig absurd wie ich finde. Für mich ist EH ruhig weil sie schuldig ist.
Bei JS:
Ruhe und Gelassenheit in einem kleinen Raum mit Mithäftling seit über 30 Jahren?
Kein Gehen können wann man will, keine Privatsphäre zu haben?
Kein Rückzug, Türen werden abgesperrt und und und.

Da von Grundpersönlichkeitsmerkmalen zu sprechen ist fast schon Hohn, wenn man davon ausgeht, dass, ob schuldig oder nicht, die Strafe längst abgesessen wäre.


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Der Fall Jens Söring

06.05.2019 um 12:25
@Bluelle
Nein, das ist überhaupt nicht absurd, bewundernswert eher, dass einige Gefangene das schaffen, nach einiger Zeit der Wut und Hoffnungslosigkeit über die Jahre hinweg zu Hoffnung und Gelassenheit zu finden. Mir sind zumindest einige Fälle aus den USA bekannt, die zu Freilassungen führten, sei es, dass die Unschuld bewiesen wurde oder auch, dass Täter nach eingestandener Schuld und viel Geduld auf Bewährung entlassen wurden. Ohne viel Medienwirbel im Vorfeld.
Ja, EH ist schuldig, hat sich mit ihrer Schuld auseinandergesetzt und daher ruhig. Sie vertraut (vermutlich zu Recht) darauf, 2032 auf Bewährung freizukommen.


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