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Rafael Blumenstock 1990 Ulm ungeklärter Mord

467 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Mord Ulm ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Rafael Blumenstock 1990 Ulm ungeklärter Mord

22.12.2025 um 22:16
Zitat von cocooncocoon schrieb am 18.12.2025:Er war selbst schuld weil er provoziert hat? Täter Opfer Umkehr Deluxe.
Ich glaube nicht, dass das so gemeint war. Sondern nur als eine Möglichkeit, wie es gelaufen sein könnte.

Wenn ich sage, dass Person x, als sie durch den dunklen Park gegangen ist überfallen wurde, werfe ich der Person ja auch nicht vor, dass sie selbst schuld ist, weil sie besser außen herum durch die beleuchtete Straße gegangen wäre.


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Rafael Blumenstock 1990 Ulm ungeklärter Mord

22.12.2025 um 23:46
Zitat von brigittschebrigittsche schrieb:Ich glaube nicht, dass das so gemeint war. Sondern nur als eine Möglichkeit, wie es gelaufen sein könnte.

Wenn ich sage, dass Person x, als sie durch den dunklen Park gegangen ist überfallen wurde, werfe ich der Person ja auch nicht vor, dass sie selbst schuld ist
Wenn man das Wort "provozieren" benutzt, vermittelt dies eine andere Bedeutung.

"Person X provozierte durch den Spaziergang im dunklen Park eine bestimmte Reaktion der Person Y."

Ich verstehe, dass man dies als Täter-Opfer-Umkehr interpretiert.


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Rafael Blumenstock 1990 Ulm ungeklärter Mord

23.12.2025 um 00:40
Zitat von LichtgestähltLichtgestählt schrieb:Wenn man das Wort "provozieren" benutzt, vermittelt dies eine andere Bedeutung.
Ja, und, wenn er das nun mal getan hat, ganz spielerisch und ohne sich etwas dabei zu denken und auch ohne irgendeine Absicht?

Ich verstehe nicht, wieso man daraus eine Schuldzuweisung ableitet.


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Rafael Blumenstock 1990 Ulm ungeklärter Mord

23.12.2025 um 08:21
Zitat von LichtgestähltLichtgestählt schrieb:Ich verstehe, dass man dies als Täter-Opfer-Umkehr interpretiert.
Das kam so aus dem Podcast.
Eine Frau erzählt, ihr Bruder hatte eine starke Vermutung, daß es jemand aus dem Nachbardorf war. Sind aber beide schon tot.
Eine andere Frau erzählt von dem Vorfall auf der Straße mit der angeblichen Provokation.

Das soll natürlich nicht die Tat rechtfertigen.


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Rafael Blumenstock 1990 Ulm ungeklärter Mord

24.12.2025 um 08:20
Ich möchte mich an der Stelle auch in die Diskussion einklinken, nachdem ich mich vor ein paar Nächten mal durch den "Schrei" und einige andere Podcasts gehört und YT Videos geschaut habe.

Um es kurz zu machen, wie RB geschildert wurde, war er kein einfacher Mensch. Ich persönlich würde ihn als übergriffig bezeichnen, nervig. Im Saarland bezeichnet man solche Personen als "Jubbefaller".

Vor allem bei der Geschichte mit den Schokoküssen in den Schuhen (im Schuhgeschäft) habe ich meine Augenbrauen gerunzelt. Immerhin entsteht da dem Ladenbesitzer ein Schaden und das lässt sich nicht mehr als dummer Jungenstreich abtun. Vor allem von einem erwachsenen Menschen mit einem gewissen Bildungsstand würde ich da doch mehr geistige Reife erwarten.

Bitte versteht das nicht falsch. Das rechtfertigt kein Verbrechen und ich möchte auch dem Opfer keine Schuld an dem, was geschah, zuweisen. Ich möchte es für mich nur erklären.

In einer der letzten Folgen von "Der Schrei" wurde nämlich noch eine Spur erwähnt, auf die leider nur am Rande eingegangen wurde: die drei männlichen Personen, denen RB einen Luftkuss zuwarf, jedenfalls wurde es in aller Knappheit so erwähnt.

Ich glaube nämlich nicht, dass RB ein Zufallsopfer war. Er und die Täter müssen sich gekannt haben. Nicht zwangsläufig persönlich, aber wenn man in den gleichen Kneipen und Clubs verkehrt, läuft man sich doch immer über den Weg und "kennt" sich dann aus der Ferne, vom Sehen. Und RB war auf diese Weise ja bekannt wie ein bunter Hund.
Meine Vermutung ist, dass RB durch sein Verhalten irgendwie in den Fokus der Täter geraten war. Vielleicht war man bereits ein- oder mehrmals aneinander gerasselt. Und in der Nacht hat sich dann die Wut auf ihn entladen. Da können dann auch homophobe Gründe mit eine Rolle gespielt haben, aber es verlagert den möglichen Täterkreis von bestimmten Gruppen (Rechtsradikale oder US Soldaten) zu:
1. Die Täter waren um 1990 regelmäßig im Ulmer Nachtleben unterwegs.
2. Die Täter kannten RB, zumindest vom Sehen.
3. Die Täter hatten ein persönliches Motiv für die Tat, auch wenn es banal war und für Außenstehende nicht nachvollziehbar.

Vielleicht hätten die Täter in der Nacht ihren Frust auch an einer anderen Person abgelassen, wenn RB ihnen nicht über den Weg gelaufen wäre. Aber vielleicht wäre ein anderes Opfer glimpflicher davongekommen, weil man hier ja schon von einem Übertöten sprechen kann...


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Rafael Blumenstock 1990 Ulm ungeklärter Mord

11.01.2026 um 13:18
Es kam vor ein paar Tagen eine Dokumentation über Aktenzeichen xy ungelöst, wie die Zusammenarbeit von XY-Redaktion und der Kripo hinter den Kulissen aussieht, wie und wo die Filmfälle aufgenommen werden usw.

Es wurde gezeigt, wie der Fall Raphael Blumenstock bearbeitet wird.

https://www.zdf.de/play/reportagen/backstage-154/aktenzeichen-xy-backstage-rudi-cerne-hinter-den-kulissen-100

Außerdem wurde der Fall der Radfahrerin, die von einem LKW-Fahrer verfolgt und vergewaltigt wurde, dargestellt.


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Rafael Blumenstock 1990 Ulm ungeklärter Mord

11.01.2026 um 18:00
Hat zwar nichts mit dem Fall selber zu tun, aber ich stelle mir die Frage, wie sich das Leben von RB ohne diese grausame Tat entwickelt hätte. Kann mir gut vorstellen, dass er auch heute noch eine bekannte Person in Ulm (sofern er natürlich nicht umgezogen wäre) wäre. Durchaus vielleicht eine Person, die sich in der Öffentlichkeit für „vermeintliche Minderheiten“ stark gemacht hätte und für Toleranz kämpfte. Klar ist das alles nur wilde Spekulation, aber neben den Angehörigen und Freunden, die einen großen Verlust hatten, hat durchaus die Gesellschaft eine Persönlichkeit verloren, die sich für nicht ganz einfache Themen stark gemacht hätte.


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Rafael Blumenstock 1990 Ulm ungeklärter Mord

03.04.2026 um 18:52
Zitat von cappucino317cappucino317 schrieb am 11.01.2026:Klar ist das alles nur wilde Spekulation, aber neben den Angehörigen und Freunden, die einen großen Verlust hatten, hat durchaus die Gesellschaft eine Persönlichkeit verloren, die sich für nicht ganz einfache Themen stark gemacht hätte.
Das sehe ich tatsächlich anders, sehr anders sogar.
Ich finde nicht, dass er sich für "nicht ganz einfach Themen stark gemacht" hat, sondern eher durch seine provokantes und penetrantes Auftreten Vorurteile und Abneigung gegen "andere" geschürt hat. Ich empfand sein Verhalten, wie es in XY dargestellt wurde, als sehr übergriffig und rücksichtslos, teilweise würde ich sogar von Stalking reden. Ich sehe nicht, dass das Verhalten geeignet war, Menschen positiv auf Themen wie nicht-binäres Selbstverständnis aufmerksam zu machen; schon gar nicht in der Zeit, in der sich das ereignete, aber nicht mal heute. Nur weil er ein Opfer einer abscheulichen und natürlich durch nichts zu rechtfertigenden Tat geworden ist, muss man ihn und sein Benehmen doch nicht als "Paradiesvogel" oder "lustiger Till Eulenspiegel der immer zu einem Spaß aufgelegt war" verniedlichen.


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Rafael Blumenstock 1990 Ulm ungeklärter Mord

09.10.2026 um 09:51
Zitat von GrillageGrillage schrieb am 03.04.2026:Das sehe ich tatsächlich anders, sehr anders sogar.
Ich finde nicht, dass er sich für "nicht ganz einfach Themen stark gemacht" hat, sondern eher durch seine provokantes und penetrantes Auftreten Vorurteile und Abneigung gegen "andere" geschürt hat. Ich empfand sein Verhalten, wie es in XY dargestellt wurde, als sehr übergriffig und rücksichtslos, teilweise würde ich sogar von Stalking reden. Ich sehe nicht, dass das Verhalten geeignet war, Menschen positiv auf Themen wie nicht-binäres Selbstverständnis aufmerksam zu machen; schon gar nicht in der Zeit, in der sich das ereignete, aber nicht mal heute. Nur weil er ein Opfer einer abscheulichen und natürlich durch nichts zu rechtfertigenden Tat geworden ist, muss man ihn und sein Benehmen doch nicht als "Paradiesvogel" oder "lustiger Till Eulenspiegel der immer zu einem Spaß aufgelegt war" verniedlichen.
Ich habe mir den Podcast angehört und stimme dir zu. Im XY-Fall selbst empfand ich ihn als sympathisch und offen, vielleicht ein bisschen übergriffig. Aber was im Podcast als „der wollte alle zum Lachen bringen“ dargestellt wurde, war schlicht, entschuldigt meine Wortwahl, respektloses Scheißverhalten, das man einem fünfjährigen, unerzogenen Kind zutrauen würde, aber keinem erwachsenen Mann. Schokoküsse in Schuhe in einem Schuhladen zu schmieren, ist halt null lustig, sondern Sachbeschädigung.

Über andere Aktionen wurde ja schon gesprochen, und gerade von der Familie und dem Pfarrer wurden sie auch noch verniedlicht und kleingeredet. All das rechtfertigt keinen Mord, aber wir wissen alle, dass es leider genug Menschen mit einer zu kurzen Zündschnur gibt. In allen Gesellschaftsschichten. Wir alle kennen diese eine Person, bei der die Hand ausrutscht, obwohl der Grund gar nicht so schlimm war. Und jeder kennt diesen einen Typen im Ort, den man je nach Tageszeit, Thema und Promille besser nicht anspricht, wenn man sich keine fangen will und froh sein kann, wenn es dann bei einer Faust bleibt. Und je größer der Ort, desto mehr solcher Menschen gibt es leider.


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Rafael Blumenstock 1990 Ulm ungeklärter Mord

10.10.2026 um 12:22
Die Einordnung seines Verhaltens scheint wesentlich mit seiner queeren/flamboyanten Erscheinung und seiner sexuellen Orientierung verknüpft zu sein.

Fremde Leute angraben, anschnorren, provozieren oder geringfügige Sachbeschädigung machen viele extrovertierte oder vielleicht auch mental belastete junge Menschen, ohne dass sie einem unaufgeklärten Mord mit Übertötung und gezielter Verstümmelung zum Opfer fallen.

Ich finde auch nicht dass die Familie oder Freunde das kleingeredet haben. Die haben ja gesagt dass das Verhalten aus ihrer Sicht provokant war und sie Angst hatten dass es mal zur schweren Körperverletzung kommt.

Aber halt im Kontext davon dass das Opfer optisch und affektiv als nicht heteronormativ wahrgenommen wurde, auf Männer stand und das wohl nach außen getragen hat.

Meine Vermutung ist dass RB sich heute als non binär/transfem oder als binäre trans Frau identifizieren würde.

Dafür spricht dass wohl schon früh im Kindesalter weibliche Pronomen und Namen bevorzugt wurden etc.

Dass der männliche Körper mutmaßlich später als schön empfunden wurde muss nichts heißen. Der gesellschaftliche Druck sich mit der qua Geburt zugewiesenen Geschlechterrolle zu identifizieren ist enorm hoch und die Pubertät, wenn sich der Körper entgegen der Geschlechtsidentität entwickelt, für Betroffene in der Regel extrem traumatisch.

Das Opfer hat da in den 90ern wahrscheinlich relativ früh gemerkt dass die Welt eher ein feindlicher Ort ist. Anscheinend war RB vor der Tat auch schon länger suizidal, wurde bedroht und/oder wollte abhauen und eventuell ein neues Leben in einer Stadt in Berlin beginnen.

Das Geld das gefordert wurde war vermutlich eher dafür gedacht nach einer letzten Partynacht in der Heimat die Stadt zu verlassen.

Für eine Operation wären die Beträge um die es ging viel zu niedrig und damals waren das Medical Gatekeeping/Pathologisierung extrem hoch und die Informationen um das Thema Transidentität noch derart schlecht dass ich kaum glaube dass damit eine geschelechtsangleichende Oeration privat finanziert werden sollte.

Die Theorie dass das Opfer von Rechtsextremen oder queerfeindlichen US-Soldaten bedroht und dann ermordet wurde halte ich daher am plausibelsten. Denkbar wäre auch eine Vorbeiziehung mit romantischem/sexuellen Kontakt. Also nicht aus der offenen queeren Szene sondern ein Täter der mit dem Opfer sexuellen Kontakt hatte, aber nach außen hin eine heteronormative Fassade aufrechterhalten wollte und deshalb vielleicht sogar die Tat begangen hat.

Aber da Queerfeindlichkeit extrem weit verbreitet ist könnten es natürlich auch Täter gewesen sein die in der Nacht zufällig auf das Opfer getroffen sind.

Dazu kommt dass die Polizei da eventuell auch nicht optimal ermittelt hat. Bei marginalisierten Opfergruppen war der Ermittlungsdruck vor allem damals wahrscheinlich nicht so hoch wie bei gesellschaftlich akzeptierteren Opfern.

Eventuelle politische Verwerfungen bei einem queeren Opfer das durch sein Verhalten die Tat nach Auffassung Vieler irgendwie selbst verschuldet hat, hat man da vielleicht lieber vermieden und die Hinweise auf Involvierung von US-Soldaten nicht ganz so eingehend verfolgt. Schließlich weiß man ja dass die nach ein paar Monaten wieder in Übersee sind und vielleicht wurde der Täter auch so aus dem Verkehr gezogen falls es interne Hinweise oder diskreten politischen Druck gab. Also das der oder die Täter ohne einen politischen Skandal zu verursachen klammheimlich in die USA abkommandiert wurde(n). Es war ja noch die Zeit des kalten Krieges und die US-Soldsten eine Lebensversicherung für die BRD.

Jedenfalls deutet auch diese Aussage ab Minute 1:10 auf derartige "Ermittlungspannen" hin:

https://www.ardsounds.de/episode/urn:ard:episode:ff4924b26295c0d2/


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