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Der Giftmord an Heinz Kern (Graz, 1972)

54 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Mord, Österreich, Gift ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Der Giftmord an Heinz Kern (Graz, 1972)

07.12.2020 um 00:54
Hallo zusammen,

dieser Fall war letzte Woche Thema beim KURIER-Podcast "Dunkle Spuren" und da es hierzu noch keinen Thread gab, wollte ich mal einen aufmachen. Laut dem Podcast handelt es sich hierbei übrigens um den ältesten noch ungelösten Cold Case Europas.

Nachfolgend fasse ich den Fall mal zusammen. Es ist jedoch empfehlenswert, sich trotzdem zunächst einmal den (zweiteiligen, Teil 1 ist weiter unten) Podcast anzuhören: https://dunklespuren.podigee.io/

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Heinz und Helga Kern

Heinz Kern, geboren 1939, war in den 1960er Jahren ein sehr erfolgreicher Turniertänzer. Gemeinsam mit seiner Tanzpartnerin und späteren Ehefrau Helga gewann er viele Trophäen und Auszeichnungen. Nachdem sie 1969 den Welt Cup gewonnen hatten, beendeten die beiden ihre aktive Karriere. Im Anschluss eröffneten sie eine Tanzschule in Graz.

Am 13. September 1972 erhielten die Kerns in ihrer Grazer Wohnung ein Paket. In einem Schuhkarton befand sich ein Lebensmittelpaket. Dieses bestand aus einem Laib Brot, mehreren Würsten, sowie drei Dosen Löwenbräu, was damals noch eine relativ unbekannte Marke war (laut Podcast), sowie einem Glas "Verhackert", einem österreichischen Fleischaufstrich. Letzteres war mit einer tödlichen Dosis Arsen vermischt.

Weiterhin befand sich in dem Paket ein Brief, der mit "Josef Mautner" unterzeichnet war und angeblich in Schladming, etwa 2 Stunden von Graz entfernt, geschrieben wurde. Der Absender auf dem Paket war "Heinz Pitzer". Beide Namen existierten jedoch nicht.

begleitschreibenOriginal anzeigen (0,8 MB)
Der Brief aus dem Paket

Nachdem es Heinz Kern in der folgenden Nacht zusehends schlechter ging, kam er schließlich ins Krankenhaus. Leider konnte dort jedoch nicht festgestellt werden, was ihm genau fehlte. Er starb nach wenigen Stunden an dem Gift.

Der Fall ist bis heute ungelöst. Zwar konnte ermittelt werden, dass ein Mann, der zwischen 30 und 35 Jahre alt war und unauffällig, das Paket am Vortag zu einem Postamt, das nur wenige hundert Meter von Heinz Kerns Wohnung entfernt war, abgegeben hatte. Die Postangestellte erinnerte sich daran, da sie es ungewöhnlich fand, dass der Mann das Paket nicht persönlich überbrachte. Dieser Mann konnte jedoch nie ermittelt werden.

Es wird davon ausgegangen, dass der Täter Heinz Kern persönlich kannte. Heinz Kern unterrichtete nämlich gelegentlich auch in Schladming, wo der Brief und das Paket angeblich her stammten. Außerdem wird davon ausgegangen, dass der Täter wusste, dass er das Verhackert auf jeden Fall essen würde, da nur dieses vergiftet war. Im Podcast werden insbesondere zwei Theorien beleuchtet: einmal, dass Heinz Kern eventuell von einem Konkurrenten ermordet wurde, der nicht akzeptieren wollte, dass er eine Tanzschule eröffnete. Außerdem käme eine enttäuschte Affäre, von denen er möglicherweise mehrere hatte, oder deren Lebensgefährte bzw. Ehepartner als Täter*in in Betracht.

Schließlich ist noch zu bemerken, dass an dem Paket im Nachhinein eine DNA-Spur sichergestellt werden konnte. Wie aussagekräftig diese ist, ist jedoch fraglich, da mit den Beweismitteln nicht sonderlich vorsichtig umgegangen worden war. Zum Beispiel wurde der Inhalt des Pakets kurz nach dem Mord in der Sendung Aktenzeichen XY im Original im Studio gezeigt. Der Moderator fasste dabei die Gegenstände mehrmals an.

Hier nochmal ein ausführlicher Artikel, der den Fall gut zusammenfasst: https://kurier.at/chronik/oesterreich/das-toedliche-geschenk-der-giftmord-an-heinz-kern/401117265

Was meint ihr?


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Der Giftmord an Heinz Kern (Graz, 1972)

07.12.2020 um 17:30
@laikaaaaa


...ein außergewöhnlicher fall- danke für das einstellen hier im forum!

nachfolgend die original-sequenz aus der damaligen xy-sendung vom 22.09.72 (minuten 05:43 bis 08:36):

Youtube: Aktenzeichen XY Komplette Sendung 22.09.1972 Teil 1
Aktenzeichen XY Komplette Sendung 22.09.1972 Teil 1



ich habe noch einen anderen podcast gefunden, den ich mir jetzt gleich anschauen werde- doch vorab noch die frage: wo bleiben unsere österreichischen schriftexperten?


mfg: domlau


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Der Giftmord an Heinz Kern (Graz, 1972)

07.12.2020 um 18:00
...ein update zu diesem fall gab es dann noch in der xy-sendung vom 17.11.72 (minuten 04:42 bis 06:17):


Youtube: Aktenzeichen XY Komplette Sendung vom 17.11.1972 Teil 1
Aktenzeichen XY Komplette Sendung vom 17.11.1972 Teil 1



quelle: www.youtube.com (auch für den filmbeitrag "xy 22.09.72", eins obendrüber)


mfg: domlau


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Der Giftmord an Heinz Kern (Graz, 1972)

07.12.2020 um 18:07
Der Fall hat damals für ziemlich Aufsehen gesorgt. immerhin war das Ehepaar Kern-Theissl in Graz durchaus bekannt - schon wegen der Karriere als erfolgreiche Turnier-Tänzer und durch die Tanzschule. Dazu ließ die Tat viel Raum für Spekulationen. Gleichzeitig gab es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Berichte in der „Kronen Zeitung“ oder der „Kleinen Zeitung“, wodurch der Mord nicht in Vergessenheit geriet. Auch in einem Buch des steirischen Journalisten Hans Breitegger wird die At ausführlich behandelt

Im Magazin „Krone Verbrechen“ gab es dazu schon Anfang Juli einen entsprechenden Bericht, wo auf die DNA-Spur eingegangen wurde. Es soll sich um eine „Misch-Spur“ handeln, die derzeit aber noch nicht detaillier ausgewertet werden kann. Bereits damals wurde die Beauftragung des linguistischen Gutachters erwähnt - was offenbar einige Zeit dauert, wenn man dem Podcast glaubt. Ebenso die Herkunft des Arsens, das wahrscheinlich aus einer „Rauchkuchl“ stammen dürfte. Im Magazin wird erklärt, dass die Polizei nun von einer Beziehungstat ausgeht. So könnte es mehrere Tatbeteiligte gegeben haben, darunter eine Frau.

Zitiert werden im Artikel auch Staatsanwalt Mühlbacher, Cold-Case-Ermittler Linzer und die Witwe Helga Kern. Da sich der Artikel und der jetzige Podcast in den Kernaussagen ziemlich decken, gehe ich davon aus, dass die Polizei hier bewusst versucht noch einmal Druck zu machen. Die Story in verschiedenen Medien zu platzieren, macht ja durchaus Sinn. Ich hoffe - vor allem für die Angehörigen - dass hier wirklich noch eine Klärung möglich ist.


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Der Giftmord an Heinz Kern (Graz, 1972)

07.12.2020 um 20:01
Ohne Schriftexperte zu sein, sehen mir die Schriften vom Vornamen und die Schrift vom Nachnamen sehr unterschiedlich aus. Ob sie mit Absicht verstellt wurde, oder ob verschiedene Leute unterschrieben haben?

Interessant ist sicher auch das Schriftbild der Schreibmaschine, da kann man doch anhand von kleinen Besonderheiten nachvollziehen, welche Schreibmaschine infrage kommt, falls man schon eine "verdächtige" hat.


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Der Giftmord an Heinz Kern (Graz, 1972)

07.12.2020 um 20:42
...hier mal noch der andere podcast (bis minute 15:18):


https://www.kleinezeitung.at/steiermark/graz/podcast_lautgedacht/5673535/Mit-Kriminalreporter-Hans-Breitegger_Neuer-Podcast_Mord

quelle: www.kleinezeitung.at


mfg: domlau


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Der Giftmord an Heinz Kern (Graz, 1972)

07.12.2020 um 22:52
Interessanter Fall, aber der am längsten ungeklärte Mord in Europa ist es nicht. Vielleicht in Österreich, aber wir haben in Deutschland mehrere, die noch weiter zurück liegen und ungelöst sind.
Am längsten liegen die Hamburger Trümmermorde zurück, die sich bereits 1947 ereigneten.
Haben wir hier einen Thread zu.
Zitat von laikaaaaalaikaaaaa schrieb:dieser Fall war letzte Woche Thema beim KURIER-Podcast "Dunkle Spuren" und da es hierzu noch keinen Thread gab, wollte ich mal einen aufmachen. Laut dem Podcast handelt es sich hierbei übrigens um den ältesten noch ungelösten Cold Case Europas.
Wollte ich nur mal richtig stellen.


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Der Giftmord an Heinz Kern (Graz, 1972)

08.12.2020 um 15:00
Danke euch allen für die Beiträge und danke @IamSherlocked für die Klarstellung! Komisch, im Podcast wurde das so behauptet.

Was ich mich ehrlich gesagt frage ist, warum Heinz Kern überhaupt etwas aus diesem Paket gegessen hat, da er die Namen darauf ja offensichtlich nicht kannte. Wurden ihm öfter solche Dinge zugeschickt? Und wieso konnte der Täter davon ausgehen, dass er es tut? Das spricht halt dafür, dass er nicht wusste, dass ihn jemand derartig gehasst hat und das könnte auch u.U. etwas über die Hintergründe der Tat sagen.


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Der Giftmord an Heinz Kern (Graz, 1972)

08.12.2020 um 19:20
Zitat von laikaaaaalaikaaaaa schrieb:Was ich mich ehrlich gesagt frage ist, warum Heinz Kern überhaupt etwas aus diesem Paket gegessen hat
Da find ich auch
Ich würde nix essen was mir wer Unbekanntes zudchickt 🙈


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Der Giftmord an Heinz Kern (Graz, 1972)

08.12.2020 um 20:36
Ich denke, dass Heinz Kern möglicherweise öfters von begeisterten Kursteilnehmern oder vielleicht auch vom einen oder anderen Wirtshaus, in dem er etwas organisiert hat, kulnarische Geschenke erhalten hat. Im ländlichen Raum ist diese Form der Danksagung nicht unüblich, vor allem von Leuten, die nebenbei vielleicht noch eine Landwirtschaft haben. Eine Brettljause ist ja ein typisch steirisches Kulturgut;-)

Die Polizei geht von einer Beziehungstat aus. Nicht unwahrscheinlich ist, dass der/die Täter/in über die kulinarischen Vorlieben von Heinz Kern Bescheid gewusst hat. Bei einem Vegetarier wäre der Mordversuch wahrscheinlich erfolglos geblieben. Bei jemandem, der deftige Speisen mag, ist das wahrscheinlich anders. Wer immer das Paket geschickt hat, dürfte das Opfer also etwas näher gekannt haben.

Spannender finde ich, dass auch Löwenbräu-Bier im Paket war. Heute bekommt man das in jedem Interspar. Vor 50 Jahren gab es in der heimischen Gastronomie aber noch das Bierkartell. Die Supermärkte waren auch noch nicht in dem heutigen Ausmaß vorhanden, stattdessen gab es noch jede Menge Greißler. Ein Löwenbräu-Bier zu ergattern, wird daher gar nicht so einfach gewesen - außer vielleicht in Grenzregionen. Auf der anderen Seite könnte der/die Täterin bewusst auf ein heimisches Bier verzichtet haben, weil durch das Kartellsystem vielleicht Rückschlüsse auf ein bestimmtes Gebiet möglich war.


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Der Giftmord an Heinz Kern (Graz, 1972)

08.12.2020 um 20:42
@laikaaaaa
@Kamikazediebin

Ich glaube, dass er von dem Paket gegessen hat, kann man nur aus der Zeit heraus verstehen.

In den 60 und 70 er Jahren waren viele Leute noch sehr sparsam, Lebensmittel gab es noch nicht so in dem Überfluss, wie heute, wer einen Garten und/oder privat Nutztiere, wie zb Hühner oder Kaninchen, wie bei uns, auch manchmal ein Schwein hielt, schlachtete selber und kochte viel ein und das wurde dann auch verschenkt. Der selbst aufgesetzte Kirschlikör meiner Oma war zb sehr begehrt. Das Versenden von Lebensmittelpaketen war nichts Ungewöhnliches. Heute würde man vielleicht Karten für ein Event verschicken, wenn jemandem etwas Gutes tun will, aber in der Zeit waren auch Lebensmittel ein Zeichen von Wertschätzung.

Das Opfer war ein bekannter Tanzlehrer, seine Mutter hatte laut des Berichts einen gut gehenden Krämerladen. Dass man Menschen, die etwas bekannter waren, solche Zuwendungen zuteil werden liess, war in der damaligen Zeit nichts Ungewöhnliches. Das Opfer wird sich gar nichts dabei gedacht haben, die übersandten Waren zu essen.
Dass er dabei den Namen des Absenders bzw Unterschreibenden nicht kannte, ändert daran nichts. Er wird sicher sehr viele Leute gekannt haben, aber sie sich sicherlich nicht alle mit Namen gemerkt haben.


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Der Giftmord an Heinz Kern (Graz, 1972)

08.12.2020 um 20:59
Zitat von Coconut19Coconut19 schrieb:In den 60 und 70 er Jahren waren viele Leute noch sehr sparsam, Lebensmittel gab es noch nicht so in dem Überfluss, wie heute, wer einen Garten und/oder privat Nutztiere, wie zb Hühner oder Kaninchen, wie bei uns, auch manchmal ein Schwein hielt, schlachtete selber und kochte viel ein und das wurde dann auch verschenkt. Der selbst aufgesetzte Kirschlikör meiner Oma war zb sehr begehrt. Das Versenden von Lebensmittelpaketen war nichts Ungewöhnliches. Heute würde man vielleicht Karten für ein Event verschicken, wenn jemandem etwas Gutes tun will, aber in der Zeit waren auch Lebensmittel ein Zeichen von Wertschätzung.
@Coconut19
Genau so war das. Gut beschrieben.
Dazu noch, dass Anfang der 70er andere Hygienemaßstäbe galten. Da hatten die Wurstverkäuferinnen keine Latexhandschuhe an. Wurst Fleisch wurden in rosa Papier gehauen, Fisch in Zeitungspapier eingewickelt. Ich erinnere mich noch an Bonbontüten, in denen die Drops mit dem Papier verklebt waren. Da hat man dann die letzten Bonches mit dem angeklebten Papier gegessen, was nochmal ein anderer kulinarischer Genuss war.

Als ich mir den thread anguckte, ist mir als erstes die aussergewöhnlich schöne Ehefrau aufgefallen.

Ich denke, dass jemand einen Hass auf das Opfer hatte. Wie stark in der Tanzschulszene gekämpft wurde und wie weit Konkurrenten zu gehen bereit waren, kann ich überhaupt nicht einschätzen.

Hat es einen eifersüchtigen Ehemann gegeben, dessen Frau für Herrn Kern geschwärmt hat?
Es muss sich nicht um eine Affaire gehandelt haben.

Ich könnte mir auch vorstellen, dass ein verschrobener Mann in Frau Kern verschossen war und ihren Gatten aus dem Weg räumen wollte.


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Der Giftmord an Heinz Kern (Graz, 1972)

08.12.2020 um 21:16
Ein sehr guter Artikel, der auch den Hintergrund beleuchtet.
Kerns Tanzschule in Graz hat damals viele verärgert.

Ich kürze stark
Wer war Heinz Kern?

Heinz Kern wurde als ältester von vier Söhnen im Jahr 1939 geboren. Ehrgeiz, Fleiß und Drang zur Perfektion begleiteten ihn von Beginn an. Seine Mutter besaß einen Krämerladen, der florierte und sie lehrte den Söhnen von klein auf, dass Leistung und Erfolg besonders wichtig seien im Leben. Stimmen aus dem Umfeld beschreiben die Kerns ähnlich einem Clan, nichts ging über die Familie.

Schon bald erkannte Heinz Kern seine Affinität zum Turniertanz. Als er 21 Jahre alt war, lernte er die damals 16-jährige Helga Theissl kennen. Sie war groß, sie war schlank - genau so eine Tanzpartnerin sollte es sein. Dass sie bis zu diesem Zeitpunkt keine Tanzschule von innen gesehen hatte, störte ihn nicht. Immerhin sei sie dann noch nicht von falschen Lehrern verdorben, entgegnete Heinz Kern. “Er hat mich ausgesucht, so könnte man das formulieren”, erzählt die heute 77-jährige Helga Kern-Theissl, ...

“Von da an haben wir zusammen den Tanzsport betrieben, sein Ehrgeiz sprang auf mich über und wir feierten zahlreiche Erfolge”, erzählt Helga Kern-Theissl weiter. Im Jahr 1969 erreichten die beiden schließlich den internationalen Höhepunkt, sie gewannen den Weltcup und beschlossen, die Karriere zu beenden, wenn sie am schönsten ist.

Der Fokus richtete sich fortan auf die Gründung einer klassischen Tanzschule in Graz. Und das könnte dem einen oder anderen bitter aufgestoßen haben. Zu diesem Zeitpunkt existierten bereits vier renommierte Tanzschulen in der Stadt, dass der ambitionierte und immer erfolgreiche Heinz Kern nun auch in dieser Branche Fuß fassen wollte, sehen einige als mögliches Mordmotiv.

Bloß konnte zu keinem Zeitpunkt jemandem etwas nachgewiesen werden. Ein Name, der in diesem Zusammenhang zu hören ist: Ernst Schweighofer - einer der vier anderen Tanzschulbesitzer. Eigentlich waren Heinz Kern und er viele Jahre sehr gute Freunde. Angeblich hätte Heinz Kern ihm versprochen gehabt, niemals ebenso eine Tanzschule in Graz zu eröffnen.

Doch in der Saison 1969/70 brach Kern das Versprechen und drängte auf den Markt.
“Dabei war es eigentlich meine Idee”, erzählt Helga Kern-Theissl heute. “Schweighofer war so erzürnt und beleidigt, dass er komplett mit uns gebrochen hat. Das kostete uns in Folge viele Freundschaften, wir waren dann komplett isoliert.”

Ernst Schweighofer lebt heute nicht mehr, hört man sich in der Grazer Tanzcommunity jedoch um, so glaubt niemand daran, dass er den Mord begangen haben könnte. Keiner traut ihm das zu. Für seine Freunde und Bekannten wäre es auch viel zu augenscheinlich. Selbst Helga Kern-Theissl kann sich nicht vorstellen, dass Ernst Schweighofer es war, der hinter dem Giftpaket steckt. “Er hat sich damals bei den Vernehmungen der Polizei sehr ungeschickt angestellt. Aber das ist typisch für ihn gewesen.”

Ein Besuch beim Leiter der Staatsanwaltschaft in Graz, Dr. Thomas Mühlbacher, gibt Aufschluss über die aktuellsten Ermittlungen,...
Der letzte große Schritt war ein kriminal-linguistisches Gutachten des beigefügten Schreibens. “Dadurch können wir aufschlussreiche Ergebnisse über Sprachgewohnheiten in gewissen Gesellschaftsschichten und gewissen Regionen gewinnen”, erzählt er weiter. Die Auswertung sei aktuell in Arbeit. ..

Schließlich habe man aber herausgefunden, dass sich auf der Stelle hinter der Briefmarke doch noch DNA befand. “Nun müssen wir warten, bis die Technik so weit ist, auch aus diesen alten Spuren nähere Schlüsse ziehen zu können. So weit sind wir leider noch nicht. Aber diese Wissenschaft macht rasante Fortschritte”, sagt Mühlbacher.

Außerdem konnten die Ermittler herausfinden, dass es sich bei dem verwendeten Arsen, genauer Arsenik, um unreines Scherben-Arsen handelt, das früher als Aufputschmittel verwendet wurde oder für die Rosstäuscherei. Verabreichte man es den Tieren, dann waren sie voll Elan und das Fell hat geglänzt, der Preis konnte erhöht werden. Drei Tage danach war das Ross nur noch ein Schatten seiner selbst, aber verkauft.

Es war leicht zu bekommen, allerdings mit den Jahren immer schwieriger. “Auch im Jahr 1972 war es nicht mehr so einfach, das Gift zu beschaffen”, sagt Mühlbacher. Aber wir arbeiten hier nach dem Sherlock-Holmes-Prinzip: Eine Bezugsquelle nach der anderen ausschließen.”

Heinz Kerns letzte Stunden waren qualvoll. Er ist gestorben und niemand hatte es geahnt. Seine Frau und selbst das Krankenhauspersonal dachten an verdorbene Lebensmittel, bis sein Kreislauf und seine Nieren schließlich versagten und alles zu spät war. “Arsen greift in den Stoffwechsel ein, in die Physiologie. Man muss hier unterscheiden zwischen der akuten Wirkung und der chronischen Wirkung. Bei der akuten Wirkung einer toxischen Dosis werden vor allem Enzyme inaktiviert, die für den Stoffwechsel relevant sind. Es kommt zu Durchfall, Erbrechen. Das heißt, der Körper versucht das Gift wieder los zu werden”, erklärt der Toxikologe Günter Gmeiner. “Danach folgen langsam auch jene Wirkungen, die ins Nervensystem drängen, nämlich Krämpfe und Koliken. Das kann bis zum Koma reichen und der Tod tritt letztlich durch Kreislauf- und Nierenversagen ein.”

Helga Kern-Theissl vermutete eventuell ein ärztliches Versäumnis, doch als sie nach der gerichtsmedizinischen Untersuchung erfahren musste, dass es ein Giftmord war, brach sie zusammen. Wochenlang sperrte Helga Kern-Theissl sich zuhause ein und verwehrte sich den Fragen und Anschuldigungen der Boulevardpresse. Sie war zu diesem Zeitpunkt noch in frühem Stadium schwanger. Das Paar wusste überhaupt nicht, dass sie in Erwartung waren.

Wer hat es getan?

Die Tanzsport-Karriere war im Jahr 1969 beendet. Man könnte daher davon ausgehen, dass es kein internationaler Konkurrent war, der Heinz Kern tot sehen wollte. Aber wir wissen es nicht. Schnüren wir den regionalen Kreis enger und blicken auf die Steiermark, Graz, dann bleibt die Tanzschule-Szene, in der die Kerns zuletzt nicht sonderlich beliebt waren. Neben Ernst Schweighofer haben mehrere Community-Mitglieder mit den Kerns gebrochen, vielleicht ist dort ein Schuldiger oder eine Schuldige zu finden.

Es gibt da aber noch Heinz Kerns andere Seite, die ihm vielleicht zum Verhängnis wurde. Selbst Helga Kern-Theissl macht kein Geheimnis daraus, dass ihr damaliger Mann gerne “der Hahn im Korb” war. Er hätte gerne geflirtet, tat dies sogar, wenn sie dabei war. Manchmal wäre es ihr zu viel gewesen, aber “das war halt die Zeit”. Bei den fremden Damen wäre er sehr beliebt gewesen: ein charmanter, großgewachsener, gutaussehender und arrivierter Mann.

Es sei ihr erst lange nach dem Mord so richtig bewusst geworden, aber heute geht Helga Kern-Theissl mit Sicherheit davon aus, dass ihr Mann Affären hatte.
“Er war oft in Schladming und hat dort Tanzkurse gegeben. Vielleicht hatte er dort oder auf der Strecke zurück nach Graz irgendwo Freundinnen oder Anbeterinnen”, sagt sie. “Und vielleicht ist da eine sehr vergrämte dabei.” Helga Kern-Theissl hält dies für weitaus wahrscheinlicher, als die Variante, dass Heinz Kern von einem Tanz-Konkurrenten umgebracht wurde.

Hört man sich in der Grazer Tanz-Community etwas um, so festigt sich dieses Bild. “Die Täterin muss nicht zwingend die weibliche Affäre gewesen sein, vielleicht war es auch der Mann dieser Affäre, weil er es herausgefunden hat”, sagt Manfred Mohab, ein ehemaliger Tänzer aus Graz.

Quelle: https://kurier.at/chronik/oesterreich/das-toedliche-geschenk-der-giftmord-an-heinz-kern/401117265



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Der Giftmord an Heinz Kern (Graz, 1972)

08.12.2020 um 21:59
@frauzimt
Interessanter Gedanke, dass ein unbekannter Verehrer von Helga Kern-Theissl dahinterstecken könnte. Ich halte es aber aus einem Grund für sehr unwahrscheinlich. Der/die Täter/in hätte in Kauf genommen, dass es auch sie erwischen könnte. Es ist bei Ehepaaren nicht unüblich gemeinsam essen und da hätte auch sie eine tödliche Menge vom Verhackerten zu sich nehmen könnten. Ich bilde mir ein, dass sie erwähnt hat, ebenfalls gekostet zu haben und gemeint hat, dass es ein Zufall war, dass sie nicht mehr davon gegessen hat. Wenn jemand in sie schwer verliebt wäre, würde er das wohl kaum riskieren.

Für mich ist eher interessant, dass hier eine Tötungsart zum Einsatz kommt, die in der Kriminalistik sehr oft mit Täterinnen in Zusammenhang gebracht. Bekanntestes Beispiel in Österreich war Elfriede Blauensteiner. Andererseits hat das Paket zweifelsfrei ein Mann aufgegeben. Es erscheint mir daher durchaus möglich, dass vielleicht zwei Personen daran beteiligt waren.


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Der Giftmord an Heinz Kern (Graz, 1972)

08.12.2020 um 22:28
Zitat von InspektorWirzInspektorWirz schrieb:Für mich ist eher interessant, dass hier eine Tötungsart zum Einsatz kommt, die in der Kriminalistik sehr oft mit Täterinnen in Zusammenhang gebracht.
@InspektorWirz

In dem von mir verlinkten Artikel äussert die Witwe genau diesen Verdacht:
Zitat von frauzimtfrauzimt schrieb:“Er war oft in Schladming und hat dort Tanzkurse gegeben. Vielleicht hatte er dort oder auf der Strecke zurück nach Graz irgendwo Freundinnen oder Anbeterinnen”, sagt sie. “Und vielleicht ist da eine sehr vergrämte dabei.”
Das könnte schon sein.
Zitat von InspektorWirzInspektorWirz schrieb:Andererseits hat das Paket zweifelsfrei ein Mann aufgegeben.
Die Frau im Postamt hat den Mann sogar angesprochen, dass er das Paket persönlich abgeben könne.
Die Frau am Schalter macht den Mann darauf aufmerksam, dass die Empfänger-Adresse nur ein paar Schritte entfernt liegt, er könne das Paket doch am besten selbst hinbringen. Darauf war er wohl nicht vorbereitet, etwas konsterniert besteht er auf den Versand.
Quelle: https://kurier.at/chronik/oesterreich/das-toedliche-geschenk-der-giftmord-an-heinz-kern/401117265

Ich finde eigenartig, dass das Päckchen so dicht an der Wohnadresse des Opfers abgegeben wurde.
Würde ein Täter nicht einen entfernteren Bezirk wählen? Natürlich nicht das eigene Postamt.

Dein Einwand, ob der Täter nicht riskiert hätte Frau Kern zu Töten (die ja tatsächlich mitgegessen hat), wenn er in sie verschossen war:

Ich würde dazu sagen, dass einem Täter, der vergiftetes Essen verschickt, egal ist, wen es trifft. Der Inhalt war für einen Herrn komponiert: Bier und diese Streichwurst. Er wird schon den Geschmack des Herrn Kern getroffen haben.

Es gibt Menschen, die zuerst lieben (sie halten ihr Gefühl für Liebe) und hassen, wenn sie sich abgewiesen fühlen.
Vielleicht wollte der Täter den Ehemann töten, um auch die Frau emotional zu treffen? und ob sie sich mit vergiftet, war dem Täter egal. Also eine Rache an ihr.

Es würde schon passen, wenn die Täter eine enttäuschte Verehrerin- oder Ex-Affaire von ihm gewesen wäre.
Aber das Paket wurde nun mal von einem Mann aufgegeben.
Hat die Täterin jemanden bezahlt, damit er das Paket für sie abgibt?
Hätte sich der Bote nicht gemeldet?

Es gibt Menschen, die mit der Polizei nichts zu tun haben wollen. Aus Angst in "etwas hineingezogen zu werden" z.B.


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Der Giftmord an Heinz Kern (Graz, 1972)

08.12.2020 um 22:34
gibt es eig. ein phantombild? Die frau am postschalter hat ja dann zumindest paar sätze mit ihm gewechselt und er "fiel" ihr auf wegen der nahen adresse..


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Der Giftmord an Heinz Kern (Graz, 1972)

08.12.2020 um 22:54
Zitat von TimScottTimScott schrieb:gibt es eig. ein phantombild?
@TimScott

Phantombilder werden überbewertet.
In Kriminalfilmen ist es immer so, dass nach einem erstellten Phantombild sofort der Täter festgenommen wird.

In der Realität gucken die Leute nicht so genau hin, bzw. haben viele ein Allerweltsgesicht.
Durch ein Phantombild, in dem viele ihre Nachbarn erkennen, werden haufenweise Unschuldige gemeldet. Der Täter kann sich freuen, denn er sieht dem Bild nicht ähnlich. Man tut ihm sogar einen Gefallen.


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Der Giftmord an Heinz Kern (Graz, 1972)

08.12.2020 um 23:25
Zitat von InspektorWirzInspektorWirz schrieb:Interessanter Gedanke, dass ein unbekannter Verehrer von Helga Kern-Theissl dahinterstecken könnte. Ich halte es aber aus einem Grund für sehr unwahrscheinlich. Der/die Täter/in hätte in Kauf genommen, dass es auch sie erwischen könnte. Es ist bei Ehepaaren nicht unüblich gemeinsam essen und da hätte auch sie eine tödliche Menge vom Verhackerten zu sich nehmen könnten. Ich bilde mir ein, dass sie erwähnt hat, ebenfalls gekostet zu haben und gemeint hat, dass es ein Zufall war, dass sie nicht mehr davon gegessen hat. Wenn jemand in sie schwer verliebt wäre, würde er das wohl kaum riskieren.
Volle Zustimmung! Außerdem hätte sich dieser Verehrer dann doch entweder vorher oder nachher bei Helga Kern gemeldet bzw. wäre ihr irgendwie aufgefallen. Die These ist ja auch, dass der oder die Täter u.a. eine Affäre von Heinz Kern und/oder deren Ehemann/Partner gewesen sein könnte. Das würde für mich mehr Sinn machen, gerade auch, weil es den Tätern ja dann egal gewesen sein kann, dass es sie auch erwischt. Dasselbe gilt für die Theorie, dass es ein Neider wegen der Tanzschule war, wobei ich das fast für eine zu krasse Reaktion auf sowas halte.
Zitat von frauzimtfrauzimt schrieb:Ich finde eigenartig, dass das Päckchen so dicht an der Wohnadresse des Opfers abgegeben wurde.
Würde ein Täter nicht einen entfernteren Bezirk wählen? Natürlich nicht das eigene Postamt.
Das finde ich auch sehr seltsam. Möglicherweise war es auch aus Versehen, da der Mann vllt nicht wusste, wo die Adresse lag.
Zitat von frauzimtfrauzimt schrieb:Aber das Paket wurde nun mal von einem Mann aufgegeben.
Hat die Täterin jemanden bezahlt, damit er das Paket für sie abgibt?
Hätte sich der Bote nicht gemeldet?

Es gibt Menschen, die mit der Polizei nichts zu tun haben wollen. Aus Angst in "etwas hineingezogen zu werden" z.B.
Auch möglich.
Zitat von frauzimtfrauzimt schrieb:In der Realität gucken die Leute nicht so genau hin, bzw. haben viele ein Allerweltsgesicht.
Wäre aber trotzdem hilfreich, eins zu machen, einfach um dann später ausschließen zu können, ob jemand als Täter infrage kommt. Komisch, dass gar nicht erwähnt wurde, ob überhaupt eins gemacht wurde.


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Der Giftmord an Heinz Kern (Graz, 1972)

09.12.2020 um 00:19
Zitat von frauzimtfrauzimt schrieb:Ich würde dazu sagen, dass einem Täter, der vergiftetes Essen verschickt, egal ist, wen es trifft. Der Inhalt war für einen Herrn komponiert: Bier und diese Streichwurst. Er wird schon den Geschmack des Herrn Kern getroffen haben.
Egal, wenn es trifft, würde ich nicht sagen. Dann hätte er den Brief vielleicht an beide Eheleute adressiert. Es wurde aber dezidiert der Mann im beiliegendem Brief angesprochen und Paket war ja an ihn adressiert. Also denke ich, dass schon er bewusst als Opfer vorgesehen war. Frau Kern hat übrigens wenig später erfahren, dass sie schwanger ist. Im schlimmsten Fall hätte es also drei Tote geben können. Laut der Untersuchung war das Arsen übrigens nur im Verhackerten, dort aber sehr hoch dosiert. Das Essen von Hausmannskost war damals übrigens weiter verbreitet und mit Sicherheit nicht so typisch männlich, wie es vielleicht heute angesehen wird. Ich denke, dem/der Täter/in ging es in erster Linie um Heinz Kern, etwaige „Kollateralschäden“ dürften ihm/ihr aber egal gewesen sein. Deswegen glaube ich nicht, dass es die verschmähte Liebe zu Frau Kern war.

Der/die Täter/in haben sich allerdings sehr bemüht, dass Heinz Kern kaum einen Verdacht schöpfen konnte. Immerhin gab er ja Kurse im Raum Schladming, wo er mit Sicherheit nicht jeden Teilnehmer beim vollen Namen kennen konnte. Außerdem hat vielleicht vor oder nach einem Kurs einmal eine Brettljause in einem Lokal bestellt. In der Regel wählt man da ja eher Sachen, die man gerne isst und irgendjemand ist das aufgefallen. Wie schon vorher einmal erwähnt, dass Löwenbräu-Bier finde ich interessanter. Das der/die Täter/in aus Schladming kommen, glaube ich nicht, dann hätten sie eine direkte Spur gelegt, was mir eher unwahrscheinlich bei dem Verschleierungsaufwand erscheint.
Zitat von laikaaaaalaikaaaaa schrieb:Das finde ich auch sehr seltsam. Möglicherweise war es auch aus Versehen, da der Mann vllt nicht wusste, wo die Adresse lag.
Genau, merkwürdig ist es in der Tat. Wenn man bedenkt, wieviel Energie in die Täuschung des Opfers investiert wurde. Im Brief wurde ja z.B. von einem Neffen erzählt, der aus Studiengründen auf Quartiersuche nach Graz fuhr und das Paket überbringen sollte. Vielleicht stand deshalb auch eine anderer Absender auf dem Paket, der nicht mit der Unterschrift im Brief identisch war. Offenbar rechneten der/die Täter/in damit, dass Heinz Kern vielleicht Verdacht schöpfen würde, falls er hinten den Poststempel aus Graz sehen würde bzw. Unterschrift im Brief und Absender nicht identisch waren. Durch den Brief wurde das ja erklärt. So nach dem Motto, die Leute haben den Brief und die Brettljause beim Neffen deponiert und der hätte sie persönlich abgeben sollen. Der junge Mann hätte sich dann vielleicht aus Zeitgründen für den Postweg innerhalb von Graz entschieden.

Allerdings ist dabei etwas passiert, dass niemand einkalkuliert hatte. Das Postamt lag am Bahnhof: Eigentlich ideal, weil dort wahrscheinlich der Stammkundenanteil niedriger ist als in anderen Filialen und ein Fremder nicht so auffällt. Man kann bequem aus anderen Teilen der Steiermark mit dem Zug anreisen bzw. auch mit dem Auto rasch einen Parkplatz finden. Was die Täter nicht bedacht haben ist, dass die Kerns nur rund 80 Meter entfernt vom Postamt wohnten. Dadurch fiel der Mann beim Aufgeben des Pakets auf, weil ihn die Schalterbeamtin darauf ansprach. Die Frau fragte ihn ja, würde er nicht die paar Schritte zu Fuß gehen würde.

Jemand aus Graz wüsste das wissen und hätte ein Postamt gewählt, das weniger auffällig ist und nicht in unmittelbarer Nähe liegt. Drum scheidet auch der andere Tanzschulbesitzer für mich aus, weil er ja gewusst haben dürfte, wo der ehemalige Freund und jetzige Konkurrent wohnt. Immerhin lief der Betrieb ja schon einige Zeit.


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Der Giftmord an Heinz Kern (Graz, 1972)

09.12.2020 um 00:59
Zitat von InspektorWirzInspektorWirz schrieb:Durch den Brief wurde das ja erklärt. So nach dem Motto, die Leute haben den Brief und die Brettljause beim Neffen deponiert und der hätte sie persönlich abgeben sollen. Der junge Mann hätte sich dann vielleicht aus Zeitgründen für den Postweg innerhalb von Graz entschieden.
So hatte ich den Brief bisher gar nicht interpretiert (habe irgendwie das so verstanden, dass der Briefeschreiber und seine Frau den Neffen nach Graz begleiten, auf ihrem Weg "nach Süden"), aber guter Punkt, glaube das war auch so gemeint.

Der Brief ist sowieso äußerst seltsam. Erstens mal, dass der Absender und der angebliche Briefeschreiber verschieden sind: warum zwei verschiedene Namen wählen, wenn man sie sich sowieso ausdenkt? Der Neffe würde ja, auch wenn er das Paket verschickt, nicht seinen Namen auf das Paket schreiben, oder? Und warum verschickt man es nicht aus Schladming, wenn man schon behauptet, dass man daher kommt? Das spricht wiederum dafür, dass die Täter vielleicht doch aus der Nähe von Graz kommen könnten.

Dagegen spricht wiederum das:
Zitat von InspektorWirzInspektorWirz schrieb:Jemand aus Graz wüsste das wissen und hätte ein Postamt gewählt, das weniger auffällig ist und nicht in unmittelbarer Nähe liegt.
Dann sowieso die Tatsache, dass das Paket angeblich aus Schladming stammen soll, das über zwei Stunden von Graz entfernt ist, aber zu dem Heinz Kern ja trotzdem eine Verbindung hat. Natürlich liegt, wie hier schon jemand geschrieben hat, die Vermutung nahe, dass der/die Täter dann eben NICHT aus Schladming kommen, da es ja bescheuert wäre, so auf sich aufmerksam zu machen. Andernfalls muss aber höchstwahrscheinlich irgendeine Verbindung zu Schladming und dem Tanzunterricht dort bestehen, weil man ja sonst nicht einfach so zufällig gerade diese Stadt auswählen.

Was ich auch interessant finde ist der letzte Satz an dem Brief: "wieder einen guten Start in der kommenden Saison". Was für eine Saison war da gemeint, da er ja seine aktive Tanzkarriere bereits beendet hatte? Vielleicht, weil er auch als Richter an Turnieren teilnahm? Das wäre auch noch ein mögliches Motiv und würde diese Bemerkung erklären.


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