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Prozessauftakt Mirco

631 Beiträge, Schlüsselwörter: Prozess, Mirco, Grefrath
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Begründung: Fall geklärt
Cleo1956
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Prozessauftakt Mirco

13.07.2011 um 14:19
13.07.11
Olaf H. Der Angeklagte vor Prozessbeginn: Mit einer Mappe, Sonnenbrille und Mütze versteckte er sich vor den Fotografen.

Olaf H. schweigt
Das lange Warten auf den Prozess gegen Olaf H., den Mörder der kleinen Mirco (†10) aus Grefrath, sollte gestern ein Ende haben. Endlich kommt Licht ins Dunkel, das hofften alle. Die monatelange Ungewissheit, was den "Biedermann aus Schwalmtal" dazu brachte, einen unschuldigen Jungen, der sein ganzes Leben noch vor sich hatte, zu töten, sollte endlich ein Ende haben. Denn der Angeklagte Olaf H. wollte zu Prozessbeginn eine Erklärung abgeben. Stattdessen spricht jedoch sein Anwalt Gerd Meister für ihn, während er schweigt und ab und zu lächelt.

Sein Mandant werde nicht sprechen, so Meister, schließlich sei er selbstmordgefährdet. Zwar stimme er im Großen und Ganzen der Anklage zu. Den Mord aus Ärger über eine ausgebliebene Erektion und das Zustechen mit einem Messer streitet er aber ab. Dies ist die mittlerweile fünfte Version zum Tathergang. Der Vorsitzende Richter Herbert Luczak, auch "das lächelnde Fallbeil' genannt, hatte am ersten Prozesstag viele Fragen an den Angeklagten. Akribisch sezierte er die Vernehmungsprotokolle.

Erste Version: Mirco verletzt gefunden
Wie der Angeklagte beim ersten Verhör angab, habe er den halbnackten Mirco verwundet gefunden und ihm helfen wollen. Doch es sei zu spät gewesen. Er sei mit dem Toten zum späteren Fundort der Leiche gefahren und habe ihn dort abgelegt.

Zweite Version: Aus Versehen erstickt
H. habe sich dringend erleichtern müssen, habe deswegen an dem späteren Fundort von Mircos Fahrrads angehalten. Plötzlich sei Mirco schreiend auf ihn zu gefahren, sei vor ihm stehen geblieben und habe gerufen: "Lassen Sie mich in Ruhe!" Dann habe der Junge plötzlich mit dem Rücken an seinen Bauch gelehnt gestanden, und H. habe ihn beruhigen wollen, was ihm nicht gelungen sei. Daraufhin habe er Mirco den Mund zugehalten. Irgendwann sei das Kind weggesackt, und H. habe realisiert, dass er ihn offenbar erstickt habe. Panik habe sich breit gemacht, und er habe den vermeintlich Toten in seinen Wagen geladen, um mit ihm zum späteren Tatort zu fahren. Er müsse die Leiche loswerden, schließlich habe er Mirco berührt und bestimmt Spuren hinterlassen, habe er gedacht. Deswegen habe er den Jungen an der bekannten Stelle abgelegt und ausgezogen, seine Hände auf Mircos Hände gelegt.

Eine ähnliche Version erzählte er später einem Sachverständigen. Dabei schwor er "aufs Leben seiner kleinen Tochter", dass er Mirco nicht sexuell missbraucht habe. Sein Anwalt rechtfetigt dies mit einem "Verdrängungsprozess" seines Mandanten.

Dritte Version: Mirco sei zu schnell gefahren
H. sei sauer gewesen, dass ein Fahrradfahrer (Mirco) so schnell gefahren sei, sodass er "in die Eisen" gehen musste. Deshalb sei er ihm hinterher gefahren und habe ihn dann zur Rede gestellt. Der Rest habe sich so abgespielt wie in der zweiten Version.


Der vorsitzende Richter Herbert Luczak Er sezierte vier Stunden lang die Vernehmungsprotokolle des Angeklagten: vorsitzende Richter Herbert Luczak.

Vierte Version: Mord als Stressventil
4. Version: Mord als Stressventil
H. sei permanent von seinem Chef "zusammengefaltet" worden. Am Tattag sei seine Tochter krank gewesen und er zu Hause geblieben. Durch den schönen Vormittag mit dem Kind sei er wieder runtergekommen. Dann sei ein Anruf von seinem Chef gekommen, der ihn erneut zusammengefaltet habe. "Nervlich erregt" sei er mit dem Auto herumgefahren, dann soll Mirco schreiend auf ihn zugefahren und gerufen haben: "Lassen Sie mich in Ruhe, sonst rufe ich die Polizei!" Das habe H. Angst gemacht. Er gibt an, den Jungen überwältigt und ins Auto gesetzt zu haben. Auf dem Weg habe Mirco seinen Peiniger gebeten, ihn doch bitte gehen zu lassen. Er würde zu Hause sagen, er sei spät dran, weil er sich die Fahrradkette abgefahren habe. Doch H. habe ein Gefühl der Kontrolle gespürt, den Jungen missbraucht, dann festgestellt: "Das ist nicht mein Ding", und ihn mit seinem Arm erwürgt. Später gibt er an, Mirco mit einer Schnur erstickt zu haben, die er zufällig im Seitenfach seines Autos gehabt habe, in das er unbewusst gegriffen habe. Um sicherzugehen, dass der Junge tot ist, sei er später noch einmal zum Tatort zurückgekehrt und habe ihm mit einem Messer, dass er zufällig im Auto liegen gehabt habe, ins Bein gestochen. Dann habe er das Blut mit Mircos T-Shirt abgewischt, sich bei dem Jungen entschuldigt – mit den Worten: "War nicht so gemeint." Er sei fertig gewesen, da Mirco ihn plötzlich an seinen Sohn erinnert habe und habe die Leiche oder wie er sagt: "den kleinen Jungen nicht allein im dunklen Wald zurücklassen" wollen. Doch er habe nicht gewusst, wohin mit ihm. Also habe er ihn abgelegt, das Vater Unser gebetet und ihn gefragt, ob er ihm einen Namen geben dürfe: "Mike". Das Skurrile an der Sache: Seine Frau und er wollten die gemeinsame Tochter Mike nennen, wäre sie ein Junge geworden. Dann habe er sich von dem Jungen verabschiedet und auf dem Rückweg geweint. Um sicherzugehen, dass Mirco auch wirklich tot ist, sei er dann noch einmal zurück gefahren und habe ihm mit einem Messer in den Hals gestochen. Dieses zeichnete er später bei einer Vernehmung nach.

Zweifel des Gerichts: Wenn er nun sagt, dass er nicht zugestochen habe, warum zeichnete er das Tatmesser dann in der Vernehmung? Und wieso habe er angegeben, das Messer an Mircos T-Shirt abgewischt zu haben? Was war außerdem der Grund, ca. 200 Kilometer in der Gegend herumzufahren, wenn nun eindeutig bewiesen sei, dass es diesen Anruf vom Chef nie gegeben habe?



H. als Kind sexuell missbraucht - Wahrheit oder Lüge?
"Die Frage, ob sich das so abgespielt hat, ist zu stellen", sagte der Vorsitzende Richter Herbert Luczak in Richtung Anklagebank. "Das Gericht muss nicht jede Einlassung glauben." Dabei geht es um einen Brief, den H. seinem Verteidiger geschrieben hat. Darin schildert der 46-jährige Familienvater die sexuellen Übergriffe, die er selbst als Kind erlebt haben will. Auf Zustimmung des Angeklagten leitete Meister den Brief an einen Sachverständigen weiter. Dass er vor Gericht verlesen wird, will Olaf H. aber nicht. Das sei ihm höchst unangenehm, so sein Anwalt. Manchmal, räumt Luczak ein, würden derlei Dinge auch erzählt, um einen Fall in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. "Will er bei der Aussage bleiben?", fragt er den Verteidiger. Der wiegelt ab. Der Missbrauch sei lange her, nicht mehr zu beweisen. Er wolle sich mit seinem Mandanten beraten.

Luczak riet dem Angeklagten auch in Hinblick auf das spätere Strafmaß, sich noch einmal zu überlegen, ob er sich nicht doch im Laufe des Prozesses Stellung beziehen wolle. Es gibt viele Fragen – doch Olaf H. schweigt. Anwalt Meister kündigte vor Gericht an, er wolle sich mit seinem Mandanten beraten, doch das sei komplex und könne nicht in den nächsten drei Tagen abgehandelt werden.

Die Grenzen zwischen Schein und Sein waren zum Prozessauftakt im Gerichtssaal 167 des Krefelder Landgerichts manchmal verschwommen, nicht mehr klar erkennbar. Auch das Motiv von Olaf H. ist weiterhin unklar. Nicht einmal sein Anwalt kennt es.

Morgen wir Sandra S., Mircos Mutter, in den Zeugenstand gerufen. Dann wird sie dem Mörder ihres Sohnes zum ersten Mal begegnen.


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Luminarah
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Prozessauftakt Mirco

13.07.2011 um 20:51
@Cleo1956
Erst mal vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Habe ich so noch nirgendwo gefunden. Warst Du selber im Gerichtsaal oder hast du eine Quelle?

Ansonsten ist doch klar,dass der Typ wie gedruckt lügt. Das einzige,was ich ihm glaube,dass der Kleine gebettelt hat,ihn bitte freizulassen und er sich daran noch aufgegeilt hat.

Mir ist dieser Typ in seiner Jämmerlichkeit eigentlich wurscht, der erzählt jetzt nur passende Stories mit dem Verteidiger abgestimmt . Wichtig ist nur die besondere schwere der Schuld und ich hoffe doch sehr,dass er die bekommt.


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Luminarah
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Prozessauftakt Mirco

13.07.2011 um 20:56
Cleo1956 schrieb: Und wieso habe er angegeben, das Messer an Mircos T-Shirt abgewischt zu haben? Was war außerdem der Grund, ca. 200 Kilometer in der Gegend herumzufahren, wenn nun eindeutig bewiesen sei, dass es diesen Anruf vom Chef nie gegeben habe?
Ich glaube, da muss man nicht lange raten. Wenn Mirco sein erstes Opfer war,wäre das erstaunlich.


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Cleo1956
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Prozessauftakt Mirco

13.07.2011 um 21:24
@Luminarah
Nein,leider war ich nicht dort(wohne in BS)
Hier die Quelle

http://www.rtl.de/medien/information/rtlaktuell/12cee-c4492-51ca-29/die-fuenf-versionen-des-killers-wie-starb-mirco-10-w...


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Prozessauftakt Mirco

13.07.2011 um 22:40
Hallo Cleo und auch danke :),

also, was mir schwer zu denken gibt, ist diese Aussage, daß er sich bei dem Jungen verabschiedet hat nach der Tat, ihm die Hände gefaltet hätte und ihm den Namen MIKE gegeben hätte. Mike hätten sie ihr Kind genannt, wenn es statt einer Tochter ein Sohn geworden wäre.

DAS ist was, was ich mir nicht erklären kann.

Sorry @ all, daß ich jetzt keine Quelle benennen kann; aber ich weiß nicht mehr, wo ich es gelesen habe. Vielleicht hat noch jemand davon gehört?


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Prozessauftakt Mirco

13.07.2011 um 22:40
Boaaaah, schon wieder so ein Fauxpas. Sorry. Es steht ja in Deinem Eingangspost.

Entschuldigung für die Verwirrung.


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Prozessauftakt Mirco

13.07.2011 um 23:17
Das es zu wiedersprüchlichen Aussagen kommt, war ja irgendwo klar,... allerdings ist mir die vierte und letzte Version als erstes in Erinnerung gekommen. Das war die offizielle, die auch durch die Medien ging oder?

Das Stressventil..

Glaubwürdiger finde ich, das er selber ein Dominanzverhalten genoss, was sonst nur Leute empfinden, die eine Situation oder einen "Verlauf" kontrollieren können.
Mag sein, das es irgendwann unkontrolliert wurde aber bis zu einem gewissen (befriedigenden) Maße, hatte er etwas unter Seiner Kontrolle. Das Leben eines Menschen... und dabei spielte es eine sehr große Rolle, das es ein junger Mensch war. Ein Kind lässt sich schneller unter Kontrolle bringen als ein Teenager oder Erwachsener.
Und genau da fängt es an Vorsätzlich zu werden,... bei der Auswahl (wenn es eine gab)


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Luminarah
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Prozessauftakt Mirco

14.07.2011 um 08:00
Im ersten Fall hat der Typ sich jahrelang mit derartigen Phantasien beschäftigt und ist an dem Abend rumgefahren um zu sehen,ob sich ein günstiges Opfer findet. War bestimmt schon öfters "mal gucken".

Im zweiten Fall war es nicht seine erste Tat und er hatte schon Erfahrung.

So einfach stellt es sich für mich da.


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Cleo1956
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Prozessauftakt Mirco

14.07.2011 um 13:37
Hier noch ein Artikel,ähnlich wie der oben..
http://www.stern.de/panorama/mirco-prozess-in-krefeld-ein-mord-in-sieben-versionen-1705417.html


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Prozessauftakt Mirco

14.07.2011 um 14:24
Heute hat die Mutter ausgesagt, hier ein Artikel

http://www.augsburger-allgemeine.de/panorama/Mirco-Prozess-Der-schwere-Gang-der-Mutter-id15895061.html


Kann mir einer erklären wieso dieses Schwein sich noch schön hinter einer Sonnenbrille und ner MÜtze verstecken darf? Kein Zeuge darf vor Gericht eine Mütze tragen. Aber der Angeklagte darf das? Soll er doch sein Gesicht zeigen! Sowas regt mich tierisch auf.


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Cleo1956
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Prozessauftakt Mirco

14.07.2011 um 19:53
Hallo,auch wenn es jetzt nicht so passt,die Eltern hätten Mirko zumindest entgegenfahren müssen bei dieser Dunkelheit.Olaf H.konnte nicht wissen,das um 10 Uhr noch ein Kind abzugreifen ist.Muß wohl doch eine Spontantat gewesen sein.Für mich sieht das so aus.
Die Richter und auch sein Anwalt sind ja echt ratlos.Warum tut so ein normaler Mann das??
Ich frage mich das schon die ganze Zeit....habt ihr eine Idee?
Vielleicht hat er wirklich vorher nie etwas in dieser Art getan.Aber warum an dem Abend?
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14.07.2011, 13:00
Interview: Lena Jakat

Mircos mutmaßlicher Mörder hat die Tat gestanden. Doch viele Fragen bleiben: Was lässt sich aus dem Tatmuster ableiten? Wie kann ein solcher Täter zuvor so lange unauffällig bleiben? Eine Antwortsuche mit dem Kriminalpsychologen Rudolf Egg.




Fünf Monate lang fehlte jede Spur von Mirco, einem zehn Jahre alten Jungen aus Grefrath am Niederrhein. Erst als die Ermittler im Januar Olaf H. verhaften, ist klar: Mirco wurde schon kurz nach seinem Verschwinden sexuell missbraucht und getötet. Der Prozess gegen H. hat am Dienstag mit einem Geständnis begonnen. Doch viele Fragen bleiben. Eine Antwortsuche mit dem Kriminalpsychologen Rudolf Egg, Direktor der Kriminologischen Zentralstelle e. V. in Wiesbaden, einer zentralen Forschungs- und Dokumentationseinrichtung des Bundes und der Länder.

sueddeutsche.de: Der Angeklagte verstrickt sich bei seinen Aussagen in Widersprüche. In einer Vernehmung gab er Stress im Beruf als Motiv für seine Tat an. Was ist davon zu halten?

Rudolf Egg: Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies das eigentliche Tatmotiv ist. Das sieht eher nach einer klassischen Schutzbehauptung aus oder nach dem Versuch, einfach irgendetwas zu sagen und sich selber als Opfer darzustellen. Jemand, der ein solch schreckliches Verbrechen begangen hat, ist allerdings selten gleich derjenige, der darüber vollständige Aufklärung geben könnte. Der Täter ist ja selbst am meisten verstrickt in das Geschehen und versucht natürlich zunächst, die Sache in einem für ihn günstigeren Licht erscheinen zu lassen.
sueddeutsche.de: Der mutmaßliche Täter hat angeblich bislang ein völlig unauffälliges Leben geführt. Ist das überhaupt möglich?

Egg: Es gibt eine Gruppe von Sexualstraftätern, bei denen vor der Tat äußerlich nicht festzustellen war, dass sie massive Gewaltphantasien in Bezug auf Kinder haben. Solche Täter zeigen das nicht, weil sie eben ein ganz normales, manchmal sogar biederes Leben führen. Sie spalten gewissermaßen diese gewaltsame Seite ihrer Person von dem nach außen gezeigten Verhalten ab. Dass also jemand 45 Jahre alt wird, um dann urplötzlich so gewalttätig zu werden, ist sehr unwahrscheinlich. Es dürfte vielmehr so sein, dass er zumindest solche Gedanken schon länger hatte.

sueddeutsche.de: Warum?

Egg: Jemand der so blitzartig handelt - ein Kind sieht, es überfallt, missbraucht, tötet: Das spricht für eine sehr hohe kriminelle Energie, die nicht auf einmal da ist, sondern eine Vorgeschichte haben muss. Vielleicht hat er vorher nur entsprechende Wünsche gehabt und noch nie ein Kind angefasst oder berührt, vielleicht aber doch. Bei diesem Tatmuster muss man das zumindest in Erwägung ziehen. Deswegen prüft die Polizei auch, ob der Angeklagte auch in anderen Fällen als Täter in Frage kommt.

sueddeutsche.de: Was lässt sich aus diesem Tatmuster ablesen?

Egg: Es gibt bestimmte Tatmerkmale, die, vor allem wenn sie in Kombination auftreten, alle Warnlampen aufleuchten lassen müssen: Wenn fremde Kinder zu Opfern werden, wenn dies überfallartig und äußerst brutal geschieht. Auch das Verhalten nach der Tat ist auffällig: Es gibt Sexualstraftäter, die an sich zweifeln, die weinen, die sich fragen, warum sie das getan haben. In diesem Fall spricht der Angeklagte dagegen mit scheinbar großer Gelassenheit über das Verbrechen. Er gesteht zwar die Tat, aber sie scheint ihn irgendwie nicht zu berühren. Das zeigt, welche emotionale Distanz er zu dem Ganzen aufgebaut hat.

sueddeutsche.de: Das Verbrechen an Mirco endete mit dem brutalen Tod des Jungen.

Egg: Nach den Informationen, die bislang an die Öffentlichkeit gelangt sind, sieht es so aus, als handle es sich um einen sogenannten Verdeckungsmord, das heißt, Mirco wurde getötet, um den vorherigen Missbrauch zu verschleiern. Bei einem sadistischen Sexualmörder dagegen wäre die Tötung von vornherein gewollt, sozusagen als Höhepunkt seiner Phantasien. Das scheint hier nicht der Fall gewesen zu sein - die Tat wird dadurch aber nicht weniger grausam.

sueddeutsche.de: Im Prozess sollen 40 Zeugen aussagen, die meisten kommen aus dem Umfeld des Täters. Was hat das zu bedeuten?

Egg: Das Gericht gibt sich offenbar große Mühe, herauszufinden, was die Hintergründe der Tat waren, was das eigentlich für ein Mensch ist. Das finde ich gut, denn es ist auch im Interesse der Familie des Opfers und der Öffentlichkeit. Alle fragen sich doch, wie jemand dazu kommt, einem Kind etwas so Schreckliches anzutun. Etwas, das man intellektuell begreift, kann man auch besser verarbeiten.

sueddeutsche.de: Die Öffentlichkeit hat auf Mircos Tod mit großem Entsetzen reagiert. Sie haben täglich beruflich mit solchen Fällen zu tun - reagiert man da anders?

Egg: Ein solches Verbrechen löst natürlich bei jedem Schrecken aus, besonders wenn ein Täter vorher so unauffällig gelebt hat. Auch bei mir. Doch es wäre falsch, aus diesem Fall zu schließen, dass alle, die ein Kind missbrauchen, ebenfalls hochgefährlich und potentielle Mörder sind. Das ist eine zwar weitverbreitete, aber zum Glück nicht richtige Annahme. Viele Sexualtäter gehen ganz anders, nicht gewaltsam, vor. Sie verführen zum Beispiel Kinder mit Geschenken und Aufmerksamkeiten und lassen sich nach einer Verurteilung durch die Strafe und therapeutische Maßnahmen positiv beeinflussen, so dass sie nach der Entlassung nicht mehr auffällig werden.

sueddeutsche.de: Was bedeutet das für die Prävention?

Egg: Es ist richtig und wichtig, Kinder darüber aufzuklären, dass es Menschen gibt, die sich zwar äußerlich sehr freundlich zeigen, aber Böses im Sinn haben. Kinder sollten also wissen, dass sie nicht jedem Menschen ihr Vertrauen schenken dürfen. Kinder sollten auch lernen, das sie nein sagen dürfen zu Dingen, die sie nicht wollen und dass es richtig ist, den Eltern mitzuteilen, wenn sich jemand zudringlich verhalten hat. Letztlich gibt es aber keinen absoluten Schutz. Dass Mirco, ein zehnjähriger Junge, alleine mit dem Fahrrad unterwegs war, ist ja ganz normal. Er hat alles richtig gemacht. Ich glaube - so schrecklich es klingen mag -, dass Mirco an jenem Tag einfach zur falschen Zeit am falschen Ort war.


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buddel
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Prozessauftakt Mirco

14.07.2011 um 20:14
und was soll dieser thread jetzt ?

soll jemand mal nach der todesstrafe schreien ?

zu eurer beruhigung :
es gibt ganz aktuell einen fall,
der eure herzen sicher noch mehr berührt:

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,774542,00.html

mit fackelnder picke

buddel


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buddel
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Prozessauftakt Mirco

14.07.2011 um 20:31
@Cleo1956
ich finde solche einstellung dreckselend und absolut ausserhalb meines humanistischen verständnisses, wie völlig unbeteiligte solch drakonische strafen fordern

buddel


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Luminarah
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Prozessauftakt Mirco

14.07.2011 um 23:22
Mir würde es schon reichen,wenn lebenslänglich auch lebenslänglich wäre und die Typen nicht immer neue Opfer suchen könnten. :)))))


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Prozessauftakt Mirco

15.07.2011 um 01:50
@Luminarah
Ganz genau. Find ich lächerlich, dass 'lebenslänglich' nur so'n paar läppische Jahre sind, als ob das was bringt und ändert.

Aber hier war vielleicht was los, kam mir vor wie in 'nem Film.

Wobei ich mich frage - und selbstverständlich tun mir Mircos Eltern unendlich leid, bitte nicht falsch verstehen - warum um Mirco so ein "Aufstand" gemacht wurde?
Tagtäglich verschwinden so viele Kinder in Deutschland, und nicht nur hier, und wie selten werden so große Suchaktionen durchgeführt? Finde ich irgendwie unfair gegenüber den anderen trauernden Eltern :/


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souljah
ehemaliges Mitglied

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Prozessauftakt Mirco

15.07.2011 um 01:58
@ThePaleEmpress

man kann zu "lebenslänglicher" haft mit anschließender sicherheitsverwahrung, verurteilt werden.

desweiteren, verstehe ich deine argumentation nicht. weil derart große suchaktionen, nicht immer durchgeführt werden, sollten es diese, in dem umfang gar nicht mehr stattfinden, oder was?


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Prozessauftakt Mirco

15.07.2011 um 02:12
@souljah

Und ich sage noch - nicht falsch verstehen.
Natürlich sollten sie stattfinden, ich find's auch toll, dass man das gemacht hat, aber anstelle von anderen Eltern, die nicht das gleiche Glück haben, dass ihre vermissten Kinder überall mit Tornados usw gesucht werden, würde ich mich wahrscheinlich fragen "Warum wird ihr Kind so gesucht - und unseres nicht?"
Falls du meinen Gedankengang nachvollziehen kannst.

Ja, Sicherheitsverwahrung ist mir durchaus bekannt, ich leb nicht hinter'm Mond. Aber lebenslänglich heißt nun mal so wie es heißt, und dann finde ich den Titel falsch gewählt.
Zumal in Sicherheitsverwahrung, nach meinem Kenntnisstand, doch eigentlich alles fast so ist, wie außerhalb eines Gefängnisses, nur, dass die Insassen mehr oder minder bewacht werden, oder irre ich mich ?


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souljah
ehemaliges Mitglied

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Prozessauftakt Mirco

15.07.2011 um 02:22
@ThePaleEmpress

ich verstehe deinen gedankendank. nur mit deiner argumentation hatte ich schwierigkeiten. die aufklärungsrate in deutschland generell, ist sehr hoch. ich vertraue der professionellen arbeit der ermittlungsbehörden. man muß, von fall zu fall entscheiden. wir sollten auch nicht vergessen, das auch die polizei nicht alles richtig macht / machen kann.
darüberhinaus, haben die medien einen entscheiden anteil, an dem bekanntheitsgrad eines falles, in der bevölkerung.

Die Sicherungsverwahrung ist im deutschen Strafrecht eine freiheitsentziehende Maßregel der Besserung und Sicherung. Sie soll dazu dienen, die Allgemeinheit vor gefährlichen Straftätern zu schützen und hat somit Präventivfunktion. -wikipedia


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