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Jack Unterweger - Ein Fall, der viele Fragen offen lässt...

companero
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Jack Unterweger - Ein Fall, der viele Fragen offen lässt...

04.06.2013 um 18:19
Hola y buenes dias. Hallo und guten Tag.
Beim stoebern durch das WWW traf ich euch. Nicht durch Zufall, denn ich suchte nach, ob es etwas zu Jack Unterweger gibt.
Ich habe vieles gelesen, auch eure Diskusion.
Auch wenn es bereits einige Zeit her ist.

Darf ich den schwarzen Peter uebernehmen?

Alle, die an Verschwoerung glauben, an Unstimmigkeiten (ob Astrid oder sonstwer) bezueglich von Jack, kann und muss ich versichern, dass er leider der Taeter war, als dessen er angeklagt wurde.
Ich habe Jack viele Jahre gekannt. Ich habe Texte von ihm publiziert. Mit ihm, nach seiner Entlassung, telefoniert, mit ihm im Briefverehr gestanden, nachdem er in Miami verhaftet wurde. Bis zum Ende seiner Tage hatten wir Kontakt.
Vertrauensvollen Kontakt.

Kurz vor seiner Selbsttoetung hatte er mir ihn einem Brief gestanden, Schuldig zu sein.
Auf welchem Wege dieser Brief an mich gelangte und wie die einzelnen Saetze lauteten, will ich aus Diskretionsgruenden nicht offenbaren.

So traurig es ist, Jack war ein Massenmoerder.

Er war aber weder Gefuehllos noch Eisig wie behauptet wurde.
Er litt unter dem Vertrauensbruch seiner damaligen Freundin, die, nachdem er in Haft kam, seine Wohnung in Wien komplett pluenderte und alles verkaufte was Jack gehoerte, ohne ihn zu fragen natuerlich. Das nentn man eigentlich Leichenfledderei.

Was war geschehen? Wir jemand einfach so Massenmoerder, wie man Fahrgast im Bus wird?
Nein.
Nach seinem ersten Mord kam er in Haft. Anstatt dass sich die Justiz darum kuemmerte, dass ein solcher Taeter die Moeglichkeit hat, sich mit sich und der Tat und den Hintergruenden auseinanderzusetzen, hat sie, die Justiz, die moerderischen Impulse im Menschen gefoerdert.

Der brutalen Lieblosigkeit und Menschenverachtung, die in einem Knast existiert, fordert nur das was man zu verhindern behaupten will.
Pornos der brutalen Art zum Beispiel sind im Knast Gang und Gaebe. Pornos, an denen sich gestoerte Menschen ihre "Befriedigung" holen koennen. Doch damit wird deren Grundeinstellung manifestiert und nicht etwa therapiert.
Das interssiert ja niemanden in der Justitz und Oeffentlichkeit.

Natuerlich gibt es Eigenverantwortugn. Aber wir alle sind determiniert und von der Umwelt abhaengig.
Also, verurteilen wir nicht vorschnell.
Und wer am lautesten ruft "Kopf ab", dessen Einstellung unterschiedet sich in der Basis in Nichts vom Taeter.
Die Foltervorschlaege so mancher "braver Buerger" Angesichts von Gewalttaten sind oft gruseliger und gemeingefaehrlicher, als die Taten, die sie angeblich verurteilen.

Also, in diesem Sinne, Jack!


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companero
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Jack Unterweger - Ein Fall, der viele Fragen offen lässt...

04.06.2013 um 18:33
Last mich noch etwas ergaenzen:

Die sadistischen Momente in der Biographie von Jack wurden nie durch Drogen freigesetzt, Es sind (waren) tiefsitzende Impulse, die den Menschen ueberkommen und die er, wenn sie ihn ueberkommen, nicht steuern kann.

Zu seiner bedingten Haftentlassung:
In den 70er und 80er Jahren zeigte die Gesellschaft, bewegt durch die 68er Generation, mehr Verstaendnis fuer dne Menschen udn seine Not. Es gehoerte einfahc dazu, jedem eine weitere Chance zu lassen.
Erinnern wir usn:
Die Verurteilten KZ-Moerder, die z.B. wegen 100.000 fachen Mordes Lebenslang bekamen, wurden im Schnitt nach 22 Jahren (in den 70er udn 80er Jahren) entlassen. Weil, wie der BGH so richtig urteilte, zur Menschenwuerde gehoert eine Zukunft in Freiheit zu haben.

Das ist der Hintergrund.
Jack hatte sich bemueht. Die Gesellschaft war hellhoerig, gerade wir Kuenstler, also gab man ihm die Chance.
Beschaemend war es, dass der VS, der Verband der Schriftsteller, nach Jacks 2. Verhaftung saemtliche Empoerungsorgien an den Tag legte, zu denen man faehig war. Empoerung ueber Jack. Unschuldsvermutungen wurden sofort zur Seite geschoben. Jeder hatte Angst, sein angeblich weisses Hemdchen bekaem durch eine Solidaritaet mit dem Schriftsteller (!) Unterweger einen Flecken.
Niemand ist "nur" Moerder. Auch Moerder haben Vater und Mutter und Geschwister und kennen die Liebe und die Trauer. Ihn auf seiner einzigen Taeterrolle zu reduzieren ist Verachtung des restlichen Daseins.
Er war also auch Schriftsteller. In dieser Rolle habe ich ihn auch akzeptiert, voll und ganz, auch als sich der Rest der Kollegen von ihm heuchlerisch abwandten.


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Jack Unterweger - Ein Fall, der viele Fragen offen lässt...

06.06.2013 um 11:59
@companero
Schade dass Sie in Ihrer flammenden Verteidigungsrede mit keinem Wort die Opfer erwähnen! Der arme Vorverurteilte Schriftsteller! Nachdem die österreichische Schickeria im Jahre 1989 ihren Freund Udo verloren hat, machten sich die Haberer auf den Weg in die Offentlichkeit den verurteilten Mörder nach 15 Jahren aus dem Häfen zu bringen! In dieser, von der österreichischen Intelligenzija, vorgebrachten Petition, gibt es Paralellen zu Ihrer Verteidigungsschrift! Richtig! Kein Wort über die Opfer!
Das ist der wahre Ekel, an diesem Fall. Johann "Jack" Unterweger ein OPFER der Justiz! Abscheulich, das Ganze!


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Jack Unterweger - Ein Fall, der viele Fragen offen lässt...

06.06.2013 um 14:41
Ich habe mir mal die Seiten im Net durchgelesen, welche es über Jack gibt.

Da mich Kriminalfälle sehr interessieren, wurde auch mein Interesse an diesem Fall geweckt . Alle Seiten dieses Threads durchgelesen , komme ich nun zu dem Entschluss , dass Jack schon der Richtige war. Richtige in dem Sinne , welcher verurteilt wurde.

Schade das @companero gesperrt worden ist. An Ihn hätte ich noch einige Fragen gehabt.

Nunja, dann diskutiert mal weiter. Ich werde weiterhin still mitlesen.


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Jack Unterweger - Ein Fall, der viele Fragen offen lässt...

06.06.2013 um 21:44
companero schrieb:Er war aber weder Gefuehllos noch Eisig wie behauptet wurde.
Er litt unter dem Vertrauensbruch seiner damaligen Freundin, die, nachdem er in Haft kam, seine Wohnung in Wien komplett pluenderte und alles verkaufte was Jack gehoerte, ohne ihn zu fragen natuerlich. Das nentn man eigentlich Leichenfledderei.
Das war sicher eine enorme Kränkung für einen derartig narzisstischen Menschen. Das hat aber nichts mit Empathie oder ähnlichen Gefühlsregungen zu tun, sondern ist rein ein Gefühl der Machtlosigkeit, das der Psychopath nunmal auf den Tod nicht ausstehen kann.
companero schrieb:Pornos der brutalen Art zum Beispiel sind im Knast Gang und Gaebe. Pornos, an denen sich gestoerte Menschen ihre "Befriedigung" holen koennen. Doch damit wird deren Grundeinstellung manifestiert und nicht etwa therapiert.
Einen Porno der "brutalsten Art" bekommt man in Freiheit weitaus leichter, als im Knast. Angucken wird ihn sich hüben wie drüben aber ohnehin nur jemand, der damit ein bestehendes (sadistisches) Bedürfnis befriedigt.

Also Pornos machen genauso wenig sadistische Mörder, wie Killerspiele Amokläufer. Man kann allerdings in beiden Fällen davon ausgehen, dass ein übermäßiger Konsum auf ein bestehendes psychisches Problem hindeutet.

Also bei allem Respekt, lieber Companero, wenn Du wirklich zur österreichischen Intelligenzija gehören mögen, dann war die "Analyse" armselig und bestenfalls einer nostaligisch-romantischen Vorstellung der 68er-Ideale geschuldet. Die moderne Hirnforschung lehrt uns aber, dass es eben durchaus Menschen gibt, die -wie eine gute Freundin zu sagen pflegt- beim Töten ungefähr so starke Gefühlsregungen haben, wie andere beim Staubsaugen.


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traces
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Jack Unterweger - Ein Fall, der viele Fragen offen lässt...

19.06.2013 um 21:26
@companero
companero schrieb am 04.06.2013:Darf ich den schwarzen Peter uebernehmen?
....wie schade, dass sich deine Bitte so rasch realisiert hat. Das hätte ein ganz interessanter Diskurs werden können. Naja, vielleicht kommste ja nochmal wieder.

Für diesen Fall hinterlasse ich einfach mal meine und Unterwegers Gedanken an dieser Stelle :D

( http://www.mediathek.at/atom/011D030D-183-001A7-00000BBC-011C3764 )
Was war geschehen? Wird jemand einfach so Massenmoerder, wie man Fahrgast im Bus wird?
Nein. Wie man im alten Asien so schön sagte: "Selbst ein Weg von tausend Meilen beginnt mit einem ersten Schritt". Ich hoffe, die Japaner verzeihen es mir, dass ichs in diesem Kontext anführe. Im Anfang war die Phantasie...

Eigentlich ne ganz spannende Frage, die du hier gestellt hast. Ausnahmsweise mal nicht zu fragen, wie jemand Mörder wird, sondern warum jemand beim Morden bleibt. Und wie lässt sich das besser beantworten, wenn nicht durch einen Mörder selbst. Wenn ein erster Mord mit einem Benefit verbunden ist, als eine positive Erfahrung erlebt wird, mögen die Chancen steigen, dass eine Wiederholung folgt. Schauen wir uns also mal an, was Unterweger so bei seinem "ersten" Mord erlebte:

Wie sagte er doch so schön: "Es war wie eine Neugeburt. Diese Tat - dieser Höhepunkt der Tat war eine Neugeburt meiner Person." (ab Min 21)

Nun mochte der geneigte (Literaturzirkel-)Zuhörer gern so etwas wie "Läuterung" herausgehört haben, aber der Reihe nach:

Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Der "Höhepunkt" der Tat. Das ist für gewöhnlich der Tod des Opfers. Oder auch der Moment, kurz bevor dessen Tod eintritt. Unterweger konkretisiert hier sogar, dass es nicht die Tat als ganzes Ereignis war, die ihn "verändert" habe, sondern der "Höhepunkt", d.h. der Akt des Tötens.

Klar, das kann einen schon verändern - macht man ja schließlich nicht alle Tage, mal eben so ne finale moralische, menschliche und juristische Grenze zu übertreten

Aber was genau ist es, das dann in ihm "neu geboren" wurde?
Dankenswerter Weise hilft uns auch hier Unterweger selbst auf die Sprünge:


"In dem Moment, wo man Angst verbreitet und sieht den anderen dann ängstlich zittern, dann kriegt man ein wahnsinniges Siegergefühl, obwohl man weiß, was man Schweinisches getan hat. Man beobachtet, wie man den quält, wie man den bedient und wie der leidet." (ab Min 11)

Wow! Endlich mal Sieger sein, nicht mehr Verlierer! Wie schön! Tolles Klischee, sollte man meinen, aber: auch hier, Unterweger sei Dank, darf die Nachwelt erfahren, dass es keine Plattitüde ist, sondern es tatsächlich realen Bezug hat:

"Mit dieser Tat hat eines geendet: Ich habe mich nicht mehr als Opfer gesehen, es war endlich ein gewisses blitzartiges Erkennen da, dass ich kein Opfer mehr bin, sondern ein Täter. Und damit war die Wehleidigkeit weg. Und damit war es möglich, klarere Sicht für die eigene Person zu bekommen." (ab Min 18)
companero schrieb am 04.06.2013:Nach seinem ersten Mord kam er in Haft. Anstatt dass sich die Justiz darum kuemmerte, dass ein solcher Taeter die Moeglichkeit hat, sich mit sich und der Tat und den Hintergruenden auseinanderzusetzen, hat sie, die Justiz, die moerderischen Impulse im Menschen gefoerdert.
Diese entwaffnende Ehrlichkeit von dir, die find ich toll. Denn wann bekommt ein sicherungsverwahrter Straftäter, der lebenslang einfährt (Urteil damals: mind. 30 Jahre), schon die Möglichkeit, zu schreiben, zu publizieren, sich eine Bühne auf dem Rücken seiner Tat zu schaffen, die die Kulturschaffenden dieses Landes von Rang und Namen mobilisiert - und das aus dem Knast heraus? Schreiben war seine "Therapie", wie er so schön sagte. Und die Früchte seiner Aufarbeitung durften dann auch die heiligen Gefängnishallen verlassen. Und letztlich durften die Kulturschaffenden in ihrer geistreichen Petition auch darüber befinden, inwieweit diese Aufarbeitung erfolgreich verlief, oder nicht. Die Justiz war dann auch so freundlich, dieses Urteil zu berücksichtigen, indem der Petition Gehör geschenkt wurde. Ja, da komme selbst ich nicht umhin mir zu denken, dass ggf. alle nachfolgenden Morde hätten verhindert werden können, wenn man die "mörderischen Impulse" nicht noch gefördert hätte, indem man Unterweger gestattete, seinen perversen Phantasien (siehe "Fegefeuer") und seiner Stilisierung als Täter-Opfer eine Bühne zu geben.

Schade eigentlich, wenn man bedenkt, dass Unterwegers erster Gutachter bereits zu dem Schluss kam, dass er auf Grund der Schwere seiner Persönlichkeitsstörung gepaart mit der sexuell-sadistischen Neigung nicht resozialisierbar ist, sondern immer eine Gefahr für seine Umwelt bleiben würde. Dass sich ein Gutachter zu solch einer absoluten Aussage hinreißen lässt, ist eine Rarität. In diesem Fall entsprach sie der Realität.
companero schrieb am 04.06.2013:Die Foltervorschlaege so mancher "braver Buerger" Angesichts von Gewalttaten sind oft gruseliger und gemeingefaehrlicher, als die Taten, die sie angeblich verurteilen.
....keine Ahnung, wie es dir geht, aber mir als "bravem Bürger" fällt es schwer, einen noch brutaleren Foltervorschlag bzgl. Unterweger zu ersinnen, als er an seinen Opfern ausgeübt hat.
companero schrieb am 04.06.2013:Niemand ist "nur" Moerder. Auch Moerder haben Vater und Mutter und Geschwister und kennen die Liebe und die Trauer. Ihn auf seiner einzigen Taeterrolle zu reduzieren ist Verachtung des restlichen Daseins.
Tja, dumm nur, dass Unterweger selbst es war, der im "Täter" (also Mörder) seine Rolle gefunden und sich über sie sowohl persönlich als auch literarisch definiert hat. Siehe oben. Laut seiner eigenen Aussage war er nur ein Mal "Sieger". Als er quälte und schließlich tötete. Den Rest seiner Existenz, nämlich das "Opfer-Dasein", konnte er ja nicht ertragen.


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Jack Unterweger - Ein Fall, der viele Fragen offen lässt...

22.06.2013 um 12:58
@traces
Wow....ganz starker Post.
"Mit dieser Tat hat eines geendet: Ich habe mich nicht mehr als Opfer gesehen, es war endlich ein gewisses blitzartiges Erkennen da, dass ich kein Opfer mehr bin, sondern ein Täter. Und damit war die Wehleidigkeit weg. Und damit war es möglich, klarere Sicht für die eigene Person zu bekommen." (ab Min 18)
Und damit ist auch völlig klar, dass er das niemals hätte sein lassen können.
Es ist wie mit einem Junkie - der weiß auch, dass ihn das zu Grunde richtet, was er da tut, aber der eine, meist nur kurze, Moment, in dem er innerlich zum Sieger, zu einer imposanten, selbstbewussten, wichtigen Persönlichkeit wird, ist genug, um die -subjektiv- geringen Nachteile in Kauf zu nehmen.


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22.06.2013 um 12:58
@traces
Wow....ganz starker Post.
LivingElvis schrieb:"Mit dieser Tat hat eines geendet: Ich habe mich nicht mehr als Opfer gesehen, es war endlich ein gewisses blitzartiges Erkennen da, dass ich kein Opfer mehr bin, sondern ein Täter. Und damit war die Wehleidigkeit weg. Und damit war es möglich, klarere Sicht für die eigene Person zu bekommen." (ab Min 18)
Und damit ist auch völlig klar, dass er das niemals hätte sein lassen können.
Es ist wie mit einem Junkie - der weiß auch, dass ihn das zu Grunde richtet, was er da tut, aber der eine, meist nur kurze, Moment, in dem er innerlich zum Sieger, zu einer imposanten, selbstbewussten, wichtigen Persönlichkeit wird, ist genug, um die -subjektiv- geringen Nachteile in Kauf zu nehmen.


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traces
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Jack Unterweger - Ein Fall, der viele Fragen offen lässt...

22.06.2013 um 13:52
...ja, in jedem Narzissten steckt ein Junkie. Tragisch eigentlich, wenn man bedenkt, dass er es zu jener Zeit ja tatsächlich schaffte, zu einer imposanten, wichtigen Persönlichkeit zu werden - ehrlich anerkannt von Mitmenschen, aufrichtig beachtet in seinen Talenten, Fähigkeiten und Können als Literat, geliebt von den Frauen und geschätzter Gast, dem man gern Aufmerksamkeit und Raum schenkte und dessen Meinung Gehör bekam und als wichtig erachtet wurde. Tragisch, wenn die größtmöglichen Formen der Anerkennung, die Menschen geben können, dann doch nicht genügen und wenn das, wonach er sich sehnt, gleichzeitig das ist, was er nicht aushalten kann.


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Vernazza2013
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Jack Unterweger - Ein Fall, der viele Fragen offen lässt...

17.06.2014 um 17:16
Letztes Update am 15.06.2014, 03:16
Jack Unterwegers Vertraute: "Habe einen Mörder geliebt"

Was die Anwältin Astrid Wagner an dem zu Lebenslang Verurteilten faszinierte.

Vor 20 Jahren wurde der Mädchenmörder und Häfenliterat Jack Unterweger wegen neunfachen Prostituiertenmordes ein zweites Mal zu lebenslanger Haft verurteilt. Wenige Stunden danach erhängte er sich in seiner Zelle. Die Rechtsanwältin und Autorin Astrid Wagner (ihr Buch "Unfassbar" beschreibt die Schattenseiten der Justiz) war als junge Juristin Unterwegers Vertraute. Eine Liebe, die sich auf Berührungen der Fingerspitzen, durchgedrückt durch ein Fliegengitter im Gefängnis, beschränken musste; auf schmachtende Briefe aus der Haft ("... sonst brennt da was unten – lass Dich umarmen, kuscheln"); und darauf, seine Wäsche waschen zu dürfen: "Dabei befällt mich ein zärtliches Gefühl." Am 24. Juni erscheint Astrid Wagners neues Buch "Verblendet" (Seifert Verlag) über ihre Beziehung zu Jack Unterweger.

Astrid Wagner: Es war ein Kontrast zu dem Bild, das man sich von ihm über die Medien gemacht hatte: sehr blass, schäbig, armselig, ärmlich. Wir hatten vorher Briefverkehr. "Halten Sie durch", habe ich ihm geschrieben, und ihm ein Hölzel gelegt, dass ich im Gericht in Graz Rechtspraktikantin war und um die Ecke wohne. Er war gleich per Du, das war typisch für ihn.

Haben Sie sich gleich verliebt?

Zuerst war da noch die Bianca (Unterweger war mit der 18-Jährigen während der Fahndung auf der Flucht, Anm.), aber der U-Richter hat die Briefe verwechselt und mir Jacks Brief an sie und ihr seinen Brief an mich geschickt. Ihr hat’s dann gereicht und ich habe das Wäschekommando von ihr übernommen. Das war ein Gefühl der Verbundenheit, seine Wäsche zu waschen und ihm ins Gefängnis zu bringen. Er hat dann kleine Aufmerksamkeiten darin versteckt, und ich ihm..., eine Haarlocke...

Hätte es damals schon die so genannte Kuschelzelle gegeben...

Die hätten wir schon genutzt. Wir konnten uns ja nur durch ein Fliegengitter im Besuchstrakt berühren, von einer Hand zur anderen. Das war der einzig mögliche Kontakt. Es war wie bei einem Kochtopf, wenn der Deckel drauf ist. Ich hab’ ein tolles Kleid angezogen, und er hat gesagt, wie toll ich ausschau. Es war halt eine Liebe, wie sagt man? Platonisch? Nur im Kopf. Wenn ich im Bett gelegen bin, habe ich schon an den Jack gedacht, ich war ein romantisches Ding, aber kein Dummchen. Er hat viele Jahre im Knast verbracht und konnte besser damit umgehen. Er hat nie so plump über Sex geredet, letztlich war er ja ein Feingeist.

Feingeist? Er hat ein Mädchen umgebracht und danach sehr wahrscheinlich noch mindestens neun Frauen.

Ja, ich habe einen Mörder geliebt. Ich war schwer verblendet. Dass er ziemlich brutal eine 18-Jährige umgebracht hat, habe ich ausgeblendet und mir schöngeredet. Aber ich war auch fasziniert von ihm, er hatte eine maskuline Ausstrahlung, hat schon auf der Reeperbahn sein Unwesen getrieben, ich fand das toll. Ich bin in einem Vorort von Paris aufgewachsen, in Hietzing zur Schule gegangen, die Berührung mit Underdogs stand nicht auf dem Programm.
Auch andere Frauen sind ihm erlegen, wie man so sagt. War das kein Problem für Sie?

Ich habe mich mit einigen von ihnen getroffen: Eine Schauspielerin, eine Professorin, eine Bergbäuerin, eine Klosterschwester aus einem strengen Orden. Er war ja ein Flirter. Eine Domina sagte zu mir: Er war ja so putzig, hat das Frühstück geholt. Er hat Frauen aber auch ausgenutzt. Es gibt auch Menschen, die seine andere Seite kennengelernt haben, mit Handschellen an den Heizkörper fesseln... Es gibt Opfertypen, vielleicht hat er es gerochen. Wenn das dem Kind von jemandem passiert, so was kann man nicht verzeihen. Mir gegenüber war er korrekt.

Zweifeln Sie immer noch an seiner Schuld?

Ich weiß es nicht, aber fairer Prozess war es keiner. Und an elf Tatorten keine biologische Spur zu hinterlassen, ist schon eine Leistung. Aber ich habe ihn ad acta gelegt. Und heute hätte er keine Chance mehr bei mir. Ich habe als Anwältin mit schweren Jungs zu tun. Zerstörte Kindheit und so, das zieht jetzt nicht mehr bei mir.

Hätten Sie ihn damals geheiratet?

Eine gemeinsame Freundin hat uns das geraten, damit sich die Geschworenen vielleicht erweichen lassen. Aber er hat gesagt, nicht unter den Umständen, nur als freier Mann. Meine Mutter wollte ihn kennenlernen und hat ihn mit mir im Gefängnis besucht. Und ich habe seine Mutter besucht. Es war schon in Richtung Eheanbahnung. Es wurde dann eine tragische Geschichte daraus.

Was blieb Ihnen von ihm?

Seine goldene Füllfeder. Und seine Swatch-Uhr, am Uhrband hat er mit Filzstift seinen Todestag hingeschrieben, den 29. Juni 1994. Ich habe mir den Obduktionsakt besorgt, auf den Bildern liegt er ganz friedlich da, wie arrangiert. Nicht mit heraushängender Zunge, wie man sich das so vorstellt.

Der uneheliche Sohn eines US-Soldaten und einer Wienerin wurde 1976 wegen Mordes an einer 18-jährigen Deutschen zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Gefängnis begann er zu schreiben, dichtete Liedtexte („Kennt ihr mein kaputtes Leben? Liebe hat es nie gegeben“) und veröffentlichte Bücher, z. B. „Fegefeuer oder die Reise ins Zuchthaus“. Künstler machten sich für die Entlassung des als Paradebeispiel für Resozialisierung gefeierten Häfenpoeten stark, 1990 kam Unterweger aus Stein frei und wurde in Talkshows eingeladen. Bald darauf begann die Serie von Morden an Prostituierten in Prag, Graz, Bregenz, Wien und Los Angeles, alle nach dem gleichen Muster. Die Frauen wurden mit ihrer Unterwäsche erdrosselt. Unterweger hatte sich bei Lesungen aus seinen Büchern jeweils in Tatortnähe aufgehalten. Dann fand man ein Haar einer Toten in seinem Ford Mustang, er wurde gejagt, floh nach Miami, wurde 1992 festgenommen und am 28. Juni 1994 in Graz wegen neunfachen Mordes ein zweites Mal zu Lebenslang verurteilt. In der Nacht darauf erhängte er sich.

http://kurier.at/chronik/oesterreich/jack-unterwegers-vertraute-habe-einen-moerder-geliebt/70.357.231

verblendet


http://www.seifertverlag.at/liest/astrid-wagner-verblendet/


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traces
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Jack Unterweger - Ein Fall, der viele Fragen offen lässt...

17.06.2014 um 18:10
..dann wurde sie ja doch noch ein bisschen von der Erkenntnis geküsst - wie schön.

Dass man damit Geld verdienen kann.... erstaunt mich immer wieder. Sorry, aber ich sitze grad vorm PC und kann mich nicht entschließen, ob ich würgen oder lachen soll. Einfach zu herrlich, ihre Pointen:

" ich war ein romantisches Ding, aber kein Dummchen."

Ja ja, Astrid, träum mal schön weiter :D :
Vernazza2013 schrieb:er hatte eine maskuline Ausstrahlung, hat schon auf der Reeperbahn sein Unwesen getrieben, ich fand das toll. Ich bin in einem Vorort von Paris aufgewachsen, in Hietzing zur Schule gegangen, die Berührung mit Underdogs stand nicht auf dem Programm.
Na klar, und sich im ersten Buch ganz pöhs intellektuell über all die jungen Dinger echauffieren, die auf das Underdog-Ding reingefallen sind, ja klar, Astrid! ^^
Vernazza2013 schrieb:Er hat dann kleine Aufmerksamkeiten darin versteckt, und ich ihm..., eine Haarlocke...
Ich kann mir bildlich vorstellen, wie Jack angesichts dieser kleinen Aufmerksamkeit die Gesichtszüge entglitten sind. Er will nen juristischen Vorteil und sie schickt ihm ne HAARLOCKE! -.-
Vernazza2013 schrieb:Zuerst war da noch die Bianca

Na Gott sei Dank hat die ja freiwillig die Schusslinie freigegeben, wa, Astrid?
Vernazza2013 schrieb:Ihr hat’s dann gereicht und ich habe das Wäschekommando von ihr übernommen. Das war ein Gefühl der Verbundenheit, seine Wäsche zu waschen
Yeah! Wären alle Menschen in der Lage, so ne tiefe Bindung aufzubauen, gäbs keine Scheidungen mehr.
Vernazza2013 schrieb:Es gibt Opfertypen, vielleicht hat er es gerochen.
Wahrscheinlich ganz besonders bei dir, Astrid.
Vernazza2013 schrieb:Ich habe als Anwältin mit schweren Jungs zu tun. Zerstörte Kindheit und so, das zieht jetzt nicht mehr bei mir.
Oh, ist Astrid auch ein "ganz schweres Mädchen" geworden, ja?
Vernazza2013 schrieb:Meine Mutter wollte ihn kennenlernen und hat ihn mit mir im Gefängnis besucht. Und ich habe seine Mutter besucht. Es war schon in Richtung Eheanbahnung.
Fehlt nur noch der Satz: "Meine Mama fand auch, dass er der absolute Traum einer jeden Schwiegermama ist". Was hätte Papa wohl dazu gesagt? Öhm....

Oh Mann, selten so gelacht! :D :D :D

Danke @Vernazza2013 für's Einstellen dieses Postings!


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17.06.2014 um 19:09
@traces
Ich hab´ bei dem Artikel jetzt auch nur mit dem Kopf schütteln müssen, aber Dein Beitrag hat mich dann auch zum Lachen gebracht. Treffender, obwohl gemein, ging es nicht.
Das schlimme daran war/ist: genau das war seine Masche - und sie hat es nicht erkannt. Mit dieser Art hat er sich präsentiert, produziert, vermarktet und ist angekommen.

Das erste Buch von ihr habe ich damals nie gelesen, weil es damals schon als relativ umstritten angesehen wurde, aber ich fand den Fall an sich immer interessant.

Er hätte das Morden auch definitiv nie gelassen, davon bin ich 200% überzeugt. Er hätte sich andere Örtlichkeiten gesucht, nachdem ein Gebiet verbrannt gewesen wäre, das wäre immer so weiter gegangen.
Für meine Begriffe war er beherrscht von seinen Taten und der die Suche nach immer weiteren Opfern hat ihn angetrieben.


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Jack Unterweger - Ein Fall, der viele Fragen offen lässt...

17.06.2014 um 19:28
@ARWEN1976

Hi, schön, dich wieder zu lesen! :)

Naja, ich hatte noch viel gemeinere Gedanken^^ :D Ich hatte mich damals ziemlich geärgert, als ich das erste Buch gekauft habe. Es waren zwar nur 4 Euro (aufm Flohmarkt - es hätte mir schon zu denken geben sollen *gg*). Auf dem Cover stand recht verheißungsvoll, dass über den Prozess und Verfahrensfehler berichtet würde. Als ich es dann las und nur Schmalz darin verbreitet wurde, habe ich zum ersten Mal die Investition von 4 Euro bereut. In einem Rubbellos wäre es sinnvoller angelegt gewesen.
Nach DIESEM Interview allerdings bekommt es irgendwie fast sowas wie einen Kultstatus ;)

Ich bin auch überzeugt, dass er weitergemordet hätte. In dem o.g. Radiointerview beschrieb er ja regelrecht, wie diese Morde seine Persönlichkeit gestärkt haben - quasi als eine Konsolidierung und Stabilisierung seines Selbstbilds.

An dem Interview von Astrid Wagner freut mich nur eine Sache wirklich:

Dass sie zugibt, den "ersten" Mord an Magret Schäfer ausgeblendet und geleugnet zu haben. Nicht nur das, sie hat diese Tat im ersten Buch bagatellisiert. Aber gut, wenigstens eine winzig kleine Rehabilitierung dieses Opfers.
Im Übrigen gab es vor Magret Schäfer schon einmal ein Opfer, das auf die gleiche Weise ermordet wurde, nur gab es damals ähnlich wie in fast allen weiteren Fällen, kaum Täterspuren. Bis heute ist Unterweger der heißeste Kandidat für diese Tat.

Ich werde mir dieses zweite Buch von ihr nicht kaufen, allerdings hoffe ich, dass es darin auch ein Kapitel geben wird, worin sie sich vielleicht etwas näher mit den Opfern auseinandersetzt und ihnen den Platz einräumt, den sie im ersten Buch kaum erhalten haben. Aber so, wie das Interview klang, wird es auch im zweiten Buch in erster Linie um Jack, in weiterer Linie um sie gehen. Und die Opfer?.....ach ja, die gab's ja auch noch...^^


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17.06.2014 um 20:43
Vernazza2013 schrieb:Ich habe mir den Obduktionsakt besorgt, auf den Bildern liegt er ganz friedlich da, wie arrangiert. Nicht mit heraushängender Zunge, wie man sich das so vorstellt.
Alle Wetter....die romantisiert da echt ne zusammengestopfte Leiche auf nem Edelstahltisch.....


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17.06.2014 um 20:46
@LivingElvis

...naja, andere stellen sich Portrait-Fotos aufn Nachttisch :D


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17.06.2014 um 20:48
@traces
Solang er heute nie mehr ne Chance bei ihr hätte.... :O


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17.06.2014 um 20:51
@LivingElvis

nee, Astrid ist ja jetzt schon groß und überhaupt. Würde ihr nie Nie NIE wieder passieren! Komisch nur, warum ihr die Wäsche-Wasch-Aktion und der unautorisierte Akten-Zugriff für einen letzten Blick auf das friedliche Antlitz einer Leiche in ihren Schilderungen nicht peinlich sind. Wenn sie doch draus gelernt hat.... ^^


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17.06.2014 um 20:55
@traces
Wahrscheinlich steht sie da jetzt einfach drüber....und die gelegentlichen Blick in die Kopie....nuja, war halt schon ne schöne Zeit. Aber so einer wie der Jack kommt nicht mehr ins Haus!

Weiß man, mit wem die jetzt liiert ist? Dennis Rader oder Sascha Spesiwtsew?


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traces
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17.06.2014 um 20:58
@LivingElvis

Na, für mich liest sich das eher wie das genussvolle Schwelgen in einer schönen Zeit als dass sie drüber stehe *gg*

Rader? Nee, der passt nich.... ich muss mal das Gruselkabinett der Serienmörder durchforsten....da findet sich bestimmt wer passenderes :D Würde Bundy noch leben, wäre er das passende match, oder?


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17.06.2014 um 21:00
oh Gott! Hab grad nen Link gefunden mit dem Titel "Kannibalen unter sich - eine schrecklich nette Familie" °.° *uaaaahhh!*


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