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Allmystery Kurzgeschichten Wettbewerb - Juroren gesucht!

330 Beiträge, Schlüsselwörter: AKW
Wolfshaag
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Allmystery Kurzgeschichten Wettbewerb - Juroren gesucht!

25.07.2013 um 20:46
@chen
Du hast einfach jeden Schwachmaten, als Juror angenommen, oder? :D


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Allmystery Kurzgeschichten Wettbewerb - Juroren gesucht!

25.07.2013 um 20:48
@Wolfshaag
Die Kommata in deinem Satz sind falsch :D


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Puschelhasi
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25.07.2013 um 20:49
Jurorenbeschimpfung vor der Siegerehrung... sehr smarter move... :D


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Wolfshaag
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25.07.2013 um 20:57
@luvinia
Ja, meine Kommata sind eigentlich oft falsch, aber wenigstens traue ich mich noch, welche zu machen. :D
:D
Puschelhasi schrieb: :popcorn:
Wie ich sehe koennen einige ihre literarische Vernichtung kaum abwarten.
Mal ganz ehrlich, wenn jemand, wie Du, der nicht mal eine Geschichte hinbekommt, über jemanden urteilen möchte, der sich traut eine zu schicken, egal wie scheisse sie auch sein mag, dann kann man sich doch nur darüber wundern, oder?
Sorry, wenn Du Juror bist, dann gute Nacht.


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Allmystery Kurzgeschichten Wettbewerb - Juroren gesucht!

25.07.2013 um 20:57
Ich finde du tust denen unrecht, die haben alle tolle Bewertungen abgegeben :D

Aber stimmt schon, ich habe die nicht vorher getestet, aber die Anforderungen (sich einen kleinen Text überlegen, etc.) haben hoffentlich dafür gesorgt, dass ganz Faule abgeschreckt wurden.

Übrigens sind alle Votes da, ich poste schon einmal die Finalisten:

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25.07.2013 um 20:58
Haben wir irgendwie Allmystery gecrasht?


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Puschelhasi
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Allmystery Kurzgeschichten Wettbewerb - Juroren gesucht!

25.07.2013 um 20:58
@Wolfshaag

Und woher weisst du dass ich "keine Geschichte hinbekomme", sehr suess muss ich sagen so ein Kopfkino.

Gute Nacht.


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Wolfshaag
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25.07.2013 um 20:59
@chen
Scheint so, bei mir funzt es auch nicht. :(

@Puschelhasi
Belassen wir es dabei, ist schon ok. ;)


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25.07.2013 um 20:59
so, gleich ist es soweit. Ich speicher lieber alles Nebenbei im Texteditor so wie Allmystery gerade läuft


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Allmystery Kurzgeschichten Wettbewerb - Juroren gesucht!

25.07.2013 um 21:00
Ausgerechnet jetzt spinnt Allmy rum.


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Puschelhasi
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25.07.2013 um 21:00
Wo der Melde und Mimimi button ist, weisste ja. :P: @Wolfshaag


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25.07.2013 um 21:01
@Wolfshaag
So muss das auch sein :)


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Allmystery Kurzgeschichten Wettbewerb - Juroren gesucht!

25.07.2013 um 21:02
3/4 Allmy gehen nicht.


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Wolfshaag
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Allmystery Kurzgeschichten Wettbewerb - Juroren gesucht!

25.07.2013 um 21:02
@Puschelhasi
Bei Dir kann man sich nicht anders helfen, sonst hätte man Dich ja nicht wegen "User-Stalking" gesperrt. :D
Ich meine eine Sperre, wegen Beleidigung, oder so, ist eine gerade Nummer, aber wegen "Stalking" ist eher peinlich. ;)


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Allmystery Kurzgeschichten Wettbewerb - Juroren gesucht!

25.07.2013 um 21:02
also bei mir läufts inzwischen einigermaßen wieder..


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Allmystery Kurzgeschichten Wettbewerb - Juroren gesucht!

25.07.2013 um 21:03
Hallo zusammen!

Es ist soweit, die Juroren haben gesprochen!

13 Geschichten sind angetreten, nur diese 5 haben es in diese Runde geschafft!



Eure Stimme entscheidet, wer den Wettbewerb gewinnt!

Bitte lest erst alle durch und bewertet dann!


Die Autorennamen sind anonymisiert. Ich bitte die Autoren, auch weiterhin weder ihren Namen preiszugeben, noch sich als einer der 5 Finalisten zu bekennen, oder für ihre Geschichte Werbung zu machen. Die Reihenfolge, in der die Geschichten hier erscheinen, ist zufällig.


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"Das Ende einer Reise" von Steinbock
Spoiler

Der 2. November 1755 war im spanischen Cáceres, wie zu erwarten war, ein schon recht kühler Herbsttag, der mich und meine Freunde nach Wochen der Gastfreundschaft dazu brachte unsere Pferde zu satteln und gen Küste zu reiten. Warum es ausgerechnet dieser Tag war, an dem wir unserer Wirtin Pilar eine Hand voll Silberlinge gaben und davonzogen, war mit größter Wahrscheinlichkeit eine Fügung des Schicksals, die jedoch unser Denken und unsere Weltauffassung maßgeblich beeinflusste.
Unser Führer Juan, der uns bereits von Madrid in das verschlafene Städtchen begleitete, bot sich an uns auch bis nach Lissabon zu begleiten, wo wir hofften unseren verschollen geglaubten Vetter Martin zu finden. Unsere Reise zog sich bisher über sieben Monate, in denen ich und meine Kumpanen, Theodor und Ferdinand, jeden Hinweis zu finden versuchten, um den Menschen wiederzutreffen, den meine geliebte Großmutter vor ihrem Tode ein letztes Mal sehen wollte, und der sich vor etwa sechs Jahren irgendwo in Spanien oder Portugal niederließ. Pilar war es, welche Martin ebenfalls vor einem Jahr beherbergte und dessen frommes Gemüt ihr so in Erinnerung blieb, dass sie uns sagen konnte wohin es ihn verschlug. Wir wussten, dass es ein weiter Weg in die portugiesische Hauptstadt war, dennoch vertrauten wir auf Juans Ortskenntnisse und hofften binnen dreier Tage an unserem Ziel anzukommen und unserem Vorhaben endlich zu Ende zu bringen. Trotz des kühlen Windes und des vollkommen unbegründeten schlechten Gefühls, welches ich mir vielleicht erst später erklären konnte, ritt unsere Gruppe in einer recht zügigen Geschwindigkeit, um noch vor Sonnenuntergang das knapp 44 Meilen entfernte Badajoz an der spanisch-portugiesischen Grenze zu erreichen. Nach etwa fünf Stunden fanden wir bereits in der kleinen Gemeinde Puebla de Obando ein, wo wir uns in einer Wirtsschänke eine Cerveza mit Feigenbrot genehmigten und unsere Trinkschläuche mit frischem Wasser auffüllen ließen. Auf dem örtlichen Marktplatz gelang es uns zudem einige Decken für die Pferde zu erstehen – wir wussten, die Nacht würde kühl werden - und einige Vorräte zu besorgen. Die Menschen im Dorf
begannen hinter vorgehaltener Hand zu flüstern, als wir ihnen von unserem Vorhaben berichteten. Erst als ich den Pfarrer der Gemeinde hektisch zur Kapelle hinter dem Marktplatz gehen sah, fasste ich den Entschluss ihn nach dem Gerede der Einwohner zu fragen. „Euer Hochwürden, ich bitte um einen kleinen Moment Eurer Aufmerksamkeit. Was ist es, worüber die Leute reden?“, sprach ich, unschuldig wie ich nur war. Der alte Mann blickte mich entgeistert an und raunte, beinahe schockiert:„Ja habt Ihr es denn noch nicht gehört, Señor? Lissabon ist dem Untergang geweiht, Gott hat gesprochen und es werden weitere Ungeheuerlichkeiten geschehen, wenn sich die Menschen ihm nicht fügen wollen.“ Sekunden der Stille vergingen bis ich ein Wort fassen konnte und nach den genaueren Gegebenheiten fragen konnte. Der Pfarrer gab mir keine klare Antwort, er sprach in Formeln die ich nicht verstand – er sprach wohl von einem gigantischen Erdbeben, einer Flutwelle und einem ungeheuerlichen Feuer welche ganz Portugal auszurotten vermochten. „Warum sollte Gott so etwas zulassen?“, war meine nächste Frage, auf die der Pfarrer nur barsch entgegnete: „Weil der Mensch unwürdig ist und ihm eine gehörige Lektion zu teil werden muss, um ihn an Vernunft gewinnen zu lassen.“
Wider aller Verwirrungen und Unklarheiten brachen wir nach unserer Rast auf und erreichten Badajoz kurz nach Sonnenuntergang. Die Nacht war still, eine kalte Brise streifte über die Dächer der Grenzstadt und jeder von uns war froh, eine warme Mahlzeit zu sich zu nehmen und in einem weichen Bett schlafen zu können. Theodor und ich teilten uns ein Zimmer, mein Bett befand sich direkt vor dem nach Süden gerichteten Fenster, aus dem ich den klaren Sternenhimmel beobachten konnte, der nichts Böses ahnen ließ. Ich dachte nach, über viele Dinge die mir in den Sinn kamen. Warum sollte Gott die Menschen bestrafen, wo wir ihm doch so viel Glauben schenken und seiner, gerade am vergangenen Allerheiligen, stets preisen und ehren? Sind wir wirklich so schlecht? Nicht jeder Mensch hat einen plötzlichen Tod durch seine Hand verdient, oder doch? Bis zum Morgengrauen lag ich im Bett, welches im Nachhinein doch nicht so bequem war wie anfangs gedacht, und dachte über Sinn und Unsinn nach, stets mit der Frage im Hinterkopf ob Gott vielleicht doch nicht so gut ist, wie immer gedacht. Gleichzeitig musste ich mich innerlich selbst tadeln, und
mich davon abhalten weiterhin so grausame Dinge über unseren Schöpfer zu erfinden, die mich wahrscheinlich selbst zu einem schlechten Menschen machten.
3. November 1755. Wie geplant machten wir uns in aller Frühe auf den Weg, denn wir wollten trotz bestimmter Ungewissheiten unser Ziel nicht aus den Augen verlieren und am Ende des Tages im portugiesischen Évora einkehren. Der Wind wurde zunehmend stürmischer, auch wenn es sicherlich noch wärmer war als im kühlen November Deutschlands. Ab und an konnte ich kleine Regentropfen auf meiner Stirn spüren, die Wolken verdunkelten die morgendliche Sonne und die Luft begann nach Salz zu riechen – obwohl wir noch Meilen von der Atlantikküste entfernt waren. Die Bewohner der wenigen Häuser die wir auf unserem Weg sahen, schienen diese nicht verlassen zu wollen und auch das Vieh graste nicht auf den Weiden, sondern war nur äußerst leise aus den Ställen zu hören. Die gesamte Atmosphäre wirkte auf mich beklemmend, ganz so, als ob irgendetwas geschehen ist, was die Zeit zum Stehen gebracht hat. Bis wir am späten Nachmittag die Tore von Évora erreichten, kreuzte keine Menschenseele unseren Weg. Wir froren, und suchten in der Kälte das nächste Gasthaus auf, in dem wir auf eine wärmende und günstige Unterkunft hofften. Der Wirt blickte uns mit verzweifeltem Blick an, als wir seine Stätte betraten und um ein Bett und eine Mahlzeit baten. „Wir haben kein einziges Bett mehr frei, selbst nach Évora sind die Menschen aus Lissabon gezogen, weil die Flutkatastrophe ihnen vor wenigen Tagen all ihren Besitz geraubt hat. Essen und eine heißen Punsch kann ich euch bieten, hier in der Stadt könnt ihr jedoch kein freies Bett erwarten“. So weit war es also gekommen, zwar hatte ich Mitleid mit den Menschen, die nach dem Verlust ihres Hauses ganz nach Évora reisen mussten um Verpflegung zu bekommen, andererseits mussten wir nun vermutlich unter freiem Himmel unsere Decken aufschlagen und neben unseren Pferden nächtigen. Im Gastraum saßen Familien mit kleinen Kindern, die ihre Dankbarkeit für einen deftigen Wursteintopf nur mit Worten ausdrücken konnten, Männer und Frauen hielten sich in den Armen und weinten um ihre verstorbenen Freunde und Familienmitglieder – das war also das Zeugnis einer apokalyptischen Fügung, vielleicht nur ein Mahnmal symbolisch für das, was noch kommen würde. Wie konnte ich ahnen, dass ich all dieses Unheil selbst erblicken würde?
4. November 1755. Wir fanden am vergangenen Abend eine verlassene Hütte, die wir als Unterschlupf nutzten, und die uns ein wenig Wärme spendete um die Nacht zu überleben. Das nächste Ziel war Lissabon, auch, wenn uns die Warnungen der Portugiesen zu Denken gaben. Wahrscheinlich siegte die Neugier und der Drang meinen Vetter endlich wieder zu finden – er konnte der Katastrophe einfach nicht zum Opfer gefallen sein, ich wollte es nicht wahr haben.
In Lissabon angekommen konnten wir unseren Augen nicht trauen. Das sollte Gott der Menschheit angetan haben? Kirchen waren bis auf ihre Grundmauern zerstört, alte Frauen mit Kruzifixen beteten vor den Trümmern für ihre Familie, die Häuser waren überflutet oder aber vollkommen abgebrannt, Leichen wohin das Auge blickte. Ich hatte noch nie so viele Tote gesehen die zudem derart übel zugerichtet waren. Die letzten Verbliebenden luden Kadaver auf Karren und entledigten sie ihrer Kleidung, nachdem ein Pfarrer die Verstorbenen segnete. Ein kleiner Junge, vielleicht vier Jahre alt, stolperte verängstigt durch die Gassen. Leere Angst kam in mir hoch, gleichzeitig übermannten mich bei dem Anblick der einst prachtvollen Stadt meine Gefühle in Form von Tränen die mein Gesicht herunter rannen. „Das hast du getan“, schrie ich aus meiner tiefsten Seele, „und sowas nennt sich ‚Gott‘? Ein solches Leid hat selbst ein Mörder nicht verdient.“ Selbst nach vielen Minuten des Starrens auf die rissigen Spalten in der Erde konnte ich noch immer nicht begreifen welcher Zorn auf diese Welt gefallen sein muss um solch ein Unheil auszusprechen. Meinen Vetter Martin konnten wir auch nach Tagen langer Suche nicht finden, ob er unter den Trümmern vergraben war oder ihm die Flucht in eine der umliegenden Städte gelang, wussten wir nicht. Unsere Reise endete nicht wie erwünscht, wir mussten ohne Martin zurückreisen – sie war dennoch nicht ohne Ziel, sie war der Grund mein Kreuz fortan abzulegen.

Am 1. November 1755 verursachte ein eine gewaltige Naturkatastrophe – ein Erdbeben mit der Stärke 8,5 – 9, eine Tsunamiwelle und ein Großbrand - welche einen großen Teil der portugiesischen Hauptstadt Lissabon zerstörte, für Aufruhr in ganz Europa. Es wurde zum Thema in Kunst, Literatur und Philosophie und warf die Frage der Theodizee (bspw. bei Leibnitz) neu auf.


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"Wüstensturm" von Elch
Spoiler

Was für ein Unwetter. Rings um den alten Datsun war bedrückende Finsterniss. Dicke Regentropfen trommelten aufs Autodach, und nur der Lichtkegel der Scheinwerfer erhellte ein Stück weit die einsame Straße. Doyle befand sich mitten im Nirgendwo, irgendwo ander Grenze zwischen Colorado und New Mexico. Seine Finger umklammerten das Lenkrad so fest, wie ein Alkoholiker seine Schnapsflasche. Er wollte zwar vorwärts kommen, aber im Graben landen musste er deswegen ja nicht. Die Schweisperlen ronnen ihm über seinen grauen Stoppelbart. Seit Stunden hatte er kein anderes Auto gesehen. Niemand ausser ihm war so dumm, bei so einem Dreckswetter durch die Wüste zu fahren. Doch eine Erinnerung trieb ihn an, wobei es eher ein Gefühl war. Das Gefühl einer alten Liebe, welchem nachzugehen, er sich verplichtet sah. Nina war in Schwierigkeiten, zumindest nahm er das an. In all der Zeit, in der sie verheiratet waren, hatte sie sich nie so unglücklich angehört. Seit über 20 Jahren hatte er nichts von ihr gehört, auch wenn er immerwieder an sie gedacht hatte. Sie war sein Mädchen, er würde bis ans Ende der Welt fahren, um sie zu sehen. Die Blitze veranstalteten ein Feuerwerk aus gelben und blauen Lichtern am Horizont. Der Donner schlug ihm mit der Wucht eines Baseballschlägers hart auf die Nerven, während die Schwüle ihn schwitzen ließ, als befände er sich in einer Raumkapsel, die um die Sonne kreist. Der Regen nahm ihm immer mehr die Sicht auf das wenig Sraße vor ihm.
"Verdammte Scheisse", murmelte er vor sich hin.
Es war nicht zu ändern, er würde stehenbleiben müssen. Die Weiterfahrt war bei einem so biblischen Sturm zu gefährlich. Das Auto kam zum stillstand und Doyle legte seinen Kopf in den Nacken.
"Nina ... was ist los?"
Sie hatte am Telefon nichts weiter gesagt, nur vor sich hingeschluchzt und ihn flehend gebeten, sofort zu kommen. Ein Flugticket konnte er sich bei seinem mageren Hilfsarbeiterlohn nicht leisten, und das war der Grund warum er nun umgeben von Sand mitten in Amerikas toter Ecke festsaß. Sehr wohl war ihm nicht dabei. Man nannte diese staubige Straße den Highway ins Nichts. Alle paar Monate verschwanden Leute spurlos in dieser Gegend, immer während solch ausufernder Stürme, wie es auch dieser war. Doyle schloss die Türen ab und steckte sich eine Zigarette an. Er kam sich seltsam verloren vor. Im Rückspiegel lag ein Leben voller Entbehrungen, welches nicht viel zu bieten hatte, welches ihn alt und hart werden hat lassen. Keine Familie, keine Freunde, nur das allabendliche Bierchen nach der Arbeit in einem Lokal, wo er in 12 Jahren niemanden kennengelernt hatte. Auf der Straße vor ihm lag eine unsichere Zukunft mit einem Mädel, das vieleicht nur nach dem grössten Trottel aus ihrer Vergangenheit gesucht hatte. Vieleicht um sich Geld zu leihen, denn dazu war er den Leuten gut genug.. Doyle war mitten dazwischen und der alte Datsun ächzte im Seitenwind. Die Schwärze der Nacht und die Unruhe in der Luft unterstrichen seine sich anschleichende Lethargie. Es gab nur zwei Wege, den zurück, oder den nach vorn.
"Nina ich komme", flüsterte er, doch der Sturm verschluckte seine Worte.
Da klopfte es an die Beifahrerscheibe.
Doyle schreckte hoch aus seinen schweren Gedanken und fühlte sich mit einem mal so wach, als hätte einer der Blitze in sein Auto eingeschlagen. Es klopfte erneut. Wer mochte das sein ... hier ... mitten in der Wüste? Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen Highwaykiller handelte war kaum vorhanden, dennoch musste Doyle schwer schlucken. Doch den Mann einfach draussen stehen zu lassen, konnte er auch nicht, das wäre bei diesem Mistwetter eine Sünde vor dem Herrn. Es handelte sich wohl um einen Tramper, der aller Wahrscheinlichkeit nach noch verlorener war, als er selbst. Ausserdem war Doyle weder gebrechlich noch mutlos, er würde mit diesem Typen schon umzugehen wissen, wenn dieser sich nicht zu benehmen wüsste. Doyle entriegelte die Tür und winkte den Unbekannten mit einer einladenden Geste herein. Die Tür ging auf und ein hochgebauter, dunkelhaariger, hagerer Mann in einer dunkelblauen Fliegerjacke setzte sich zu ihm ins Auto. Sein Haar war schütter und seine Haut ledrig.
"Was machen sie denn mitten hier in der Wüste, wenn es pisst wie aus Kübeln?" Doyles worte kamen holpernd aus ihm heraus, doch seine neugier war nicht gespielt.
Der Fremde schwieg.
"Zigarette?", fragte Doyle und hielt ihm sein Etui hin..
"Ich muss mich bei ihnen bedanken. Sehr christlich von ihnen." Seine Stimme war rauh und heiser.
"Ach, kein Problem Kumpel. Sie hätten sich da draussen noch den Tod geholt."
Der Fremde nahm eine Zigarette und steckte sie sich zwischen seine gesprungenen Lippen.
"Wohin gehts denn?", fragte er, als wüsste er die Antwort bereits.
"Noch 120 Meilen in den Süden. Hab dort was zu erldigen."
Der Fremde schnippte etwas Asche in den Aschenbecher, so gekonnt, als wäre er der Sohn des Marlboroman.
"Es ist wegen einer Frau, nicht wahr?"
"Gut geraten Kumpel", seufzte Doyle und machte das Radio an. "Verdammt noch mal ..."
Er drehte hektisch an den Knöpfen, doch konnte keinen Sender einstellen. Nur ein Rauschen und elektrische Störsignale erklangen in dem beengenden Auto, während der Regen weiterhin aufs Dach klopfte.
"Tja tut mir leid Kumpel, aber das verdammte Teil will einfach nicht."
Der Fremde stierte aus der Beifahrerscheibe und wischte den Beschlag vom Glas. In der Ferne tobten die Blitze, als wär es der letzte Tag auf Erden.
"Das liegt am Sturm", sagte er beinah apathisch, seinen Blick in den Regen gerichtet. "Manche Menschen fürchten sich vor Unwettern. Doch ich mag sie. Sie erinnern mich an alte Zeiten."
Doyle sah ihn skeptisch an.
"Das mag ja sein, aber jetzt sitzen wir hier fest."
Der Fremde drehte sich zu Doyle, seine dunklen Augen funkelten wild aus ihren Höhlen.
"Sie scheinen ihre Freundin nicht besonders zu lieben, hm?"
"Ach, ich wünschte sie wäre meine Freundin."
"Sie sitzen hier ... in ihrer rostigen Kiste, anstatt aufs Gaspedal zu treten und die Nacht durchzufahren."
Doyle überlegte kurz, ob er sich angegriffen fühlen sollte, aber der Kerl schien es nicht böse zu meinen. Es war ihm lieber, die Leute sagten, was sie dachten.
"Nichts für ungut Kumpel, aber jetzt weterzufahren, wäre glatter Selbstmord."
"Vieleicht fühlen sie sich ja wohl hier, im Nichts, umgeben von der Eisamkeit der Wüste."
Doyle sah ihn fragend an, während der Fremde beinahe flüsternd weitersprach:
"Man kann nie wissen, wie lange sich so ein Unwetter hält. Die Regentropfen lassen uns vergessen. Die Wolken umhüllen uns. Die Welt schläft ein. Und irgendwo steht ein einsamer Wagen am Straßenrand und fährt vielleicht nie mehr weiter."
Der Wind pfiff durch die Ritzen des Autos und lies den Wagen eine traurige Melodie singen. Doyle lehnte sich zurück in seinen Sitz. Er begriff die Worte des Fremden, auch wenn sie kaum mehr waren als Echos des Sturms. Der Fremde legte ihm eine Hand auf die Schulter, sein Griff war eisern und väterlich.
"Wenn sie wollen bleib ich hier bei ihnen, solange der Sturm anhält."
Doyle schluckte, seine Augen waren glasig geworden.
"Sie haben recht", sagte er.
Er drehte den Zündschlüssel und der alte Datsun röhrte knarzend auf. Er legte sein Zigaretten Etui auf den leeren Beifahrersitz und über seine Lippen zischte ein leises:
"Es tut mir leid Nina."
Der Wagen setzte sich in Bewegung und die Dunkelheit und die Wüste verschluckten ihn.

Zwölf Jahre später, in einem rustikalen Reihenhaus in einem unbedeutenden Kaff in New Mexiko, blätterte Nina Harris in einem vergessenen Fotoalbum. Sie war alt geworden, genau wie ihre Erinnerungen. Die Bilder waren so verblichen wie ihr Leben. Sie starte seit fünf Minuten auf die Abbildung eines jungen Mannes, welcher unbeschwert zu ihr hochsah. Vieleicht, so dachte sie, hätte sie ihn nicht verlassen sollen. Vieleicht hatte Doyle Burkhouse noch ne Chance verdient. Sie ging zum Telefon uns schaute es eine Weile an. Erinnerungen und Gedanken tauchten auf und verschwanden wieder. Sie müsste nur den Hörer abheben und anrufen, er würde schon verstehen, er hatte immer verstanden. Sie entschied sich dagegen. Sie legte das Fotoalbum weg und setzte sich vors Fenster. Ein Sturm zog auf, und sie wusste, er würde kein normaler Sturm werden.


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"APOCALYPSO" von Dachs
Spoiler

Klaus kräuselte verwundert seine Stirn als er aus dem Küchenfenster seiner Doppelhaushälfte schaute. Der personifizierte Wahnsinn zur Frühstückszeit, wie ihm ein Blick auf die Wanduhr bestätigte. Sieben Uhr Dreißig. Perfekt für eine ungesunde Mahlzeit. Rührei mit Speck, Toast mit Marmelade und auch mit Nussnugatcreme. Dies lies er sich nicht nehmen. Nicht Heute. Nicht an diesem Tag. Irgendwo braucht man einen sicheren Hafen, wenn auch nur für kurze Zeit. Ein Morgenritual ist essentiell, wie auch Zähneputzen, Kniebeugen nach dem Aufstehen oder der Lieblingssender im Radio. Heute jedoch war kein Sender zu empfangen. Leider.

Die Menschen hetzten sinnlos durch die Straßenzüge. Zu Fuß, per Auto oder anderen Transportmitteln. Geschrei und die schrillen Töne diverser Autohupen tönten disharmonisch durch die Häuserschluchten, untermalt durch berstende Scheiben und knackende Blechteile. Ein Hund jaulte auf als ein Auto ihn mit rasender Geschwindigkeit touchierte um dann einen über die Straße eilenden Mann frontal zu erfassen, der seitlich auf dem Gehweg mit einem hässlich schmatzenden Geräusch aufschlug und dabei Teile seines Schädelinhaltes preisgab der sich gerecht in alle vier Himmelsrichtungen verteilte.. Dies konnte er nicht überlebt haben. Es interessierte auch keinen der ziellos umher eilenden Menschen. Klaus schaute ungerührt auf seine Pfannen die nun die richtige Temperatur für Rührei und Speck aufwiesen und sogleich füllte er diese, um bald zu frühstücken. Etwas Salz, Pfeffer noch hinzugeben, einige Kräuter und ab und an wenden.

Vor seinem Haus rotteten sich einige Anwohner zusammen um dann dem Supermarkt an der Ecke einen Besuch abzustatten. Bewaffnet mit Stahlrohren, Harken und … ach schau an, Heinrich von Haus Nummer 2 sogar mit einer laufenden Kettensäge. Ja klar, jetzt mit Kettensäge und martialischem Auftreten, aber bei der Gartenarbeit immer eine körperliche Unzulänglichkeit vortäuschen. Ein Freundschaftsbesuch wird das wohl nicht. Zumal auch die Damen durchaus lange Küchenmesser oder Fleischbeile mit sich führten. Aber es geht immerhin nicht gegen die Belegschaft des Marktes. Die ist schlichtweg nicht mehr anwesend.
Wofür Herr Jantzek unbedingt den Laubbläser braucht beim kapern eines verlassenen Supermarktes, wird wohl sein Geheimnis bleiben.
Diese armseligen Kreaturen plündern um Vorräte zu sichern. Egoismus und Verdorbenheit, Hand in Hand. Nun ja. Es ist sowieso sinnlos und sollte den Frühstücksgenuss nicht trüben. Noch ein wenig den Speck braten lassen, die Rühreier sind schon mal fertig.

Ein rituelles, Cholesterin beladenes Frühstück ist nichts, ohne Musik. Wenn die Sender schlapp machen, dann muss halt der CD Player herhalten. Klaus fischte sich aus seinem Regal eine seiner Lieblings CDs und legte sie ein. Harry Belafonte mit „Banana Boat Song“. Calypso. Er liebte diese Musik. Zwar zierten seine umfangreiche Sammlung auch CDs aus diversen anderen Bereichen. Aber Calypso ist eine positive, stimmungsvolle Musik und genau passend für diesen skurrilen und merkwürdigen Morgen. „Apocalypso“ Er kicherte. Dieses Kunstwort hatte eine gewisse Daseinsberechtigung. Beschwingt wurde der Toaster bestückt und Marmelade und Nugatcreme bereitgestellt. Der Speck war fertig. Er beließ ihn in der Pfanne.

Auf den Straßen nahm nun der Wahnsinn vollends seinen Lauf.
Mit prall gefüllten Einkaufwagen und einer für diese sperrigen Karren durchaus rasanten Geschwindigkeit, kamen die Lebensmittel-Korsaren aus dem Supermarkt zurück.
Frau Jantzek war jedoch recht lahm im Gegensatz zu ihren Mitbewerbern im Einkaufswagenrennen und verlor Dutzende Meter auf die doch relativ kurze Distanz zum Eigenheim. Da Frau Jantzek auch recht zierlich wirkte und sich eines nicht unbeträchtlichen Alters rühmen konnte, war sie jedoch auch bevorzugtes Opfer einer Gang aus Kleinkriminellen... Na ja, an sich ware es nur die obligatorische gröhlende Jugendbande, bestehend aus dreizehn- bis fünfzehnjährigen, die meist ab Freitag Mittags die Schule schmissen um danach ganz cool Kleinkinder auf einem Spielplatz anzupöbeln bis diese weinend nach Hause liefen. Wahrscheinlich alles Versager, auf deren Zukunft gesehen. Wieder musste er kichern. „Zukunft“. Das Wort entbehrte nicht einer gewissen Lächerlichkeit. Wie dem auch sei. Frau Jantzek verlor das Gerangel um den zum Bersten mit Wasserflaschen gefüllten Einkaufswagen, trotzt des nicht ganz so erfolglosen Einsatzes eines Fleischbeils, welches einem Jugendlichen den Kopf fast vom Rumpf trennte und einem anderen den linken Arm bis auf den Knochen verletzte. Das Beil war definitiv scharf. Aber eine Rotte von Acht Jugendlichen konnte nur gegen diese ältere Dame gewinnen. Den Einsatz eines zum Speer angespitzten Besenstils konnte sie nicht verhindern. Getroffen sank sie mit erstauntem Blick zu Boden. Sie war tot bevor sie aufschlug. Dies war nicht nur dem Speer zuzuschreiben, ihr Herz blieb schlichtweg stehen. Glückliche Frau. Interessanterweise nahm Herr Jantzek keine Notiz vom Verlust seiner Lebensgefährtin, mit der er letzten Monat noch Goldene Hochzeit gefeiert hatte. Aber immerhin erreichte er genauso wie die anderen Plünderer noch sein Heim.
Wahrscheinlich schaften sie ihre Vorräte alle in die jeweiligen Keller, die sie in den letzten Wochen ausgebaut haben. Sogar die Kellerfenster waren vermauert. Wer Walzblei auftreiben konnte, hatte dieses noch schnell mit verbaut. Ansonsten sind einige Wagenladungen Stahlblech, Rohre, Wassertanks, Sauerstoffflaschen und so weiter abgeliefert worden. In dieser „ach so tollen“ Nachbarschaft. Wen interessiert das eigentlich, nicht mal Belafonte, der Lichtgestalt des Calypso, dessen Song „Cu Cu Ru Cu Cu Paloma“ durchs Haus schallte.

Die Toast waren fertig und mit Marmelade und Nugatcreme bestrichen und wurden genauso wie Rührei und Speck auf einem Tablett deponiert welches bereits mit Besteck, Serviette und einer kleinen Vase mit einer gelben Tulpe, bestückt war. Frisch gepresster Orangensaft und schwarzer Kaffee hielten ebenfalls Einzug. Klaus schleppte das Tablett auf den Tisch im Vorgarten, zog sich den Gartenstuhl heran und setzte sich. Ein schöner Tag, Sonne satt und nur wenige Schleierwolken, die sanft durch das Himmelsgewölbe zogen. Belafonte war noch im Hintergrund zu hören mit „Island in the sun“. trotz des Lärms in der Straße. Klaus ließ es sich schmecken. Sein Blick wanderte zur Tordurchfahrt gegenüber in der ein Mann eine Minderjährige, die sich heftig wehrte, vergewaltigte. „Armes Kind“ durchfuhr es Klaus, „aber Du wirst nicht mehr lange leiden und dieser Mistkerl wird seine gerechte Strafe schon bald bekommen“.
Dieser Kerl war ja bekannt im Viertel. Er saß wegen Pädophelie und ist erst vor einigen Wochen hinzu gezogen. Als die Vergangenheit dieses angeblich geheilten Sünders ans Licht kam, bildete sich spontan eine Bürgerinitiative um ihn zu vertreiben. Es nutzte nichts. Er lebte bei seinem Bruder und der Kommune waren rechtlich die Hände gebunden. Es hätte niemanden verwundert, wenn die Bürgerinitiative ihn ähnlich gejagt und gestellt hätte, wie die Bauern das Monster in „Frankenstein“. Nur war hier sowieso keine Mühle weit und breit. Wir könnten auch „Mühle“ mit „Gesetzeshüter“ tauschen. Der Status ist der selbe. Weit und breit nichts zu sehen.
Das Mädchen winselte nur noch und der Päderast hätte sie auch, wie in früheren Fällen, gerne noch erwürgt. Jedoch konnte er dieses Vorhaben nicht durchführen, da ihm aufgebrachte Eltern gerade an Ort und Stelle kastrierten. Vielleicht waren es die selben Eltern, die den mutmaßlichen Schulhofdealer wohl in der Nacht an einer Straßenlaterne aufgeknüpft haben.

Ach, die Mahlzeit war herrlich, der Kaffee schmeckte vorzüglich, die Unterhaltung war unvergleichlich und vor allen Dingen, live! Klaus stand auf... und schaute gen Himmel,
der sich mittlerweile trübte, was zu erwarten war. Wolken waren nicht die Ursache. Vielmehr waren unzählige Kondensstreifen zu erkennen. Von Ost nach West, von Nord nach Süd und umgekehrt. Man könnte ein prima „Vier gewinnt“ oder „Tic Tac Toe“ spielen.

Na das passt zeitlich jetzt ganz gut. Das Frühstück ist verzehrt und Belafontes Welthit „Matilda „ klang nun langsam aus. Abräumen brauchte er nicht und der Anzug, das war wichtig, ist sauber geblieben und sitzt tadellos. Na ja, die Krawatte muss noch ein wenig ordentlicher geknotet werden. Sind die Schuhe sauber? Ja. Oh.. Rasur vergessen, aber auch das ist nun unerheblich. Leider fehlt nämlich dazu die Zeit. Die Armbanduhr zeigt 9 Uhr. Wenigstens auf die Zeit ist noch Verlass. Die Sonnenbrille mit UV Schutz ( Sicher ist Sicher ) noch aufgesetzt. Fertig für das Finale. Wenn heute dem Tod begegnet wird, dann mit vollem Magen und mit Stil.
Am Horizont blitzte es hier und da grell auf sodass man besser die Augen schloss. Gefolgt wurden die Blitze durch heftige Donnerschläge, mit zunehmender Intensität.
Erst im Hintergrund, dann lauter werdend und steigernd bis zu einem infernalischen Kreischen drang ein Stahlkörper durch die mittlerweile diffuse Wolkenschicht. Klaus lächelte.....und pfiff dann leise eine Passage aus „The End“ von den Doors. Es muss ja nicht immer nur Calypso sein.......

Dann ein Blitz, große Hitze... alle anderen Begebenheiten nahmen Klaus, Herbert, Herr Jantzke, die Spielplatzproleten-Teenies, das vergewaltigte Mädchen, die marodierenden Eltern, Harry Belafonte .... und auch alle anderen Lebewesen nicht mehr war.... das sie schlichtweg Einbußen bei der Empfindung hatten, die begründet waren auf das spontane Verdampfen bei einer Atombombenexplosion in näherer Umgebung.

Anmerkung des Autors:

Jeder von uns kann ein Klaus sein, sofern wir einen derartigen Irrsinn jemals erleben sollten was Gott/Allah/Buddha/mein Postbote, verhindern möge.
Man könnte auch ein Herr Jantzke sein, was im Endeffekt aber vertane Zeit ist. Und mit einem Laubbläser in ein Gefecht zu ziehen.. mal ehrlich... das sieht doch einfach albern aus.



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"Ein stürmisches Treffen" von Biber
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Ich kann gar nicht so genau sagen, wie lange es mich schon gibt. Die Winde flüsterten in einem wilden Tanz der Leidenschaft meinen Namen – und ich war geboren. Die Natur ist eine stille Mutter und ich war mit dem Wissen entstanden, eine Laune ihrerseits gewesen zu sein. Ausgestattet mit der Macht, die nächste Umgebung meines unsteten Daseins ins Chaos zu stürzen, eine neue Umwelt zu kreieren. Es gibt da eine Lebensform, auf sie übe ich anscheinend eine besondere Faszination aus.

Sie gaben mir sogar einen Namen in ihrer Sprache. Die Einen sprechen ihn verärgert, bedrückt oder angstvoll aus, die Anderen sind von Faszination erfüllt. Mich interessiert das herzlich wenig. Wenn ich komme, dann reiße ich ihre Besitztümer mit mir – und manchmal auch Jemanden aus ihren Reihen. Dies ist mein Beitrag zu dem fehlenden Ausgleich, welcher durch ihre Einmischung in unsere Ordnung nötig ist. Immer wieder kreuzen Gebilde aus natürlichen Verwandten von diesen Wesen zusammengestellt meine Wege. Wie zum Spott versuchen sie sich damit Schutz vor eben jener Natur zu schaffen, der sie diese beraubt haben. Es steht ihnen frei dies zu tun, viele tierische Genossen machen es nicht anders, aber diese sorgen zumindest auch früher oder später auf ihre Weise für Entschädigung. Ein Nehmen setzt auch ein Geben voraus, so wurde es mich gelehrt. So hieß es von der Stimme um mich herum, die mich leitet.
Da es aber nun einmal eine große Differenz zu dem Maß dieses Attributes gab, schlüpfe ich in die Rolle des wütenden Richters. Dabei gebe ich zu, es macht mir Spaß. Auch ich bin ein Element innerhalb des Kreislaufes und meine wilde Art kommt gerade bei Akten der Vergeltung auch sehr direkt zum Ausdruck.
Umso verrückter, was ich da nun vor mir sehe. Ich befinde mich derzeit wieder auf dem Weg zu einer Ansammlung der regelmissachtenden Lebewesen. Doch statt vor mir zu flüchten, verfolgt mich eine kleine Gruppe dieser Rasse mit ihren Gerätschaften. Was wollen die von mir?

Diese Seltsamkeit ist mir nicht ganz geheuer. Wenn ich Pech habe, wollen sie mich auf irgendeine Art so missbrauchen wie meine Verwandten. Diese Narren, wenn sie mich wirklich zähmen wollen, werde ich sie hinweg pusten. Das wird ein netter Anblick, wie sich ihre Bande in alle Richtungen verstreut. Es kribbelt mir leicht in meinen wirbelnden Aufwinden, ja kommt ruhig noch etwas näher – damit ich euch packen kann!

Dennoch, mein Hauptziel ist die Siedlung. Am Ende ist das nur ein Ablenkungsmanöver, opfern sich für den Rest ihrer Brut. So ganz schlau werde ich aus ihrem Verhalten nie so richtig. Sie nähern sich mir tatsächlich immer mehr. Allmählich fühle ich mich bedrängt. Es ist besser, wenn ich mich beeile – also verstärke ich meine Winde. Es hat etwas animalisches, wie mein unantastbarer Körper die Erde unter mir mitzieht. Aus irgendeinem Grund entfährt mir ein pfeifendes Lachen, selbst das dürfte auf meine Verfolger bedrohlich wirken.

Jetzt wird mir komisch – die fahren ernsthaft IN MICH REIN??!
Was denken die sich bloß? Aber gut, dann haben sie es so gewollt. Mein Fokus wechselt auf ihr Fortbewegungsmittel, ich werde es krallen, mit ihm spielen – bis ich an meinem Ziel bin wird das eine nette Unterhaltung. So greifen meine untersten Lüfte nach ihnen. Doch sie sind gut, mein erster Griff streift sie nur. Sie dringen weiter vor. Das gefällt mir nicht, ich muss sie jetzt kriegen!
Noch einmal wanderten meine Griffel hinab, ich heule tobend auf. Da! Fast hätte ich sie gehabt, doch da war ich zu ungestüm. Gerammt habe ich sie, dass ihre Kiste sich zur Hälfte drehte.

Noch ergeben sie sich aber nicht. Ungläubig beobachte ich ihr Vorhaben, immer näher kommen sie meinem inneren Kern. Nicht gut, gar nicht gut. Dort kann ich ihnen nichts mehr entgegensetzen. Wissen sie das etwa?

Plötzlich gibt es noch einen Schub und sie sind drin. Es fühlt sich wie eine Niederlage an. Was immer sie da treiben, sie sind nun am Zentrum meiner verheerenden Erscheinung. Warum lächle ich? Ich weiß es nicht, aber etwas an dieser Situation erheitert mich. Ja, ich frohlocke regelrecht. Nach einem für mich unendlich lange wirkenden Aufenthalt in meinem sicheren Zentrum scheinen sie wieder Abschied von mir nehmen zu wollen. Es wundert mich, aber Enttäuschung steigt in mir auf. Andererseits, vermutlich war das nur das Gefühl etwas Neues erlebt zu haben. Diese Wesen waren schon mysteriös. Als sie wieder auf die inneren Luftwände drücken, zeigte ich Erbarmen. Mit ein wenig Rückenwind gebe ich sie wieder frei.

Noch ein letztes Mal blicke ich zurück auf ihr Gefährt – und ändere meinen Kurs, abseits ihrer Artgenossen. So viel Mut – oder Wahnsinn – verdient auch von mir Respekt.

Das nächste Mal, sage ich mir noch und wehe fort.



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"DFM 47" von Waschbär
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Wie konnte das nur passieren ? Sicher, bei Gasriesen musste man mit allem rechnen, aber eine solche Entladung war untypisch, selbst über einem Sturmsystem von diesen Ausmaßen. Fluchend erhob sich Shelby von der offenen Kommandokonsole. Es war zwecklos, der Schaden ließ sich nicht reparieren, jedenfalls nicht hier. Seit Stunden schon versuchte er dem Sturmwirbel zu entkommen, um doch nur immer tiefer zu sinken. Nun tat der Autopilot seine Arbeit und hielt die Maschine und die Trägheitsdämpfung am laufen, viel mehr aber auch nicht.
Es war nur eine Frage der Zeit, bis dem Schiff die Energie ausging und er unweigerlich in die Tiefe gezogen wurde, wo der atmosphärische Druck mörderisch war und von wo es keine Rückkehr gab. Er sah aus dem Fenster, auf das ständige Wechselspiel von bunten Wolken und kreisenden Himmel; bildete er es sich nur ein oder drehte sich das Schiff nun noch schneller ? Er sah auf die Anzeige. Verdammt ! Schon wieder war er tiefer gesunken ! Schneller noch, als der Bordcomputer es berechnet hatte. Seit ihn diese Entladung getroffen hatte, wurde er vom Pech verfolgt. Nein eigentlich begann es schon, als ihm diese Mission zugeteilt wurde.
Ihm, Commander Sam Shelby, Pilot eines Erkundungsgleiters beim Deep Field Mission Command, dem stellaren Erkundungsprogramm der Erde. Er erinnerte sich noch genau an den Tag, als er zum ersten mal die Werbung des DFMC auf einem Teleschirm verfolgt hatte, an die vielen bunten Bilder von fremden Welten, an den patriotischen Aufruf etwas zum Wohle der Menschheit zu tun, auf die tiefe Kameradschaft unter Sternenreisenden, die sich für Jahre auf einen Forschungskreuzer verpflichteten und an die Mahnung an die Piloten, sich für die Erkundungsgleiter zu melden. Sie wären die ersten, hieß es, die die neuen Welten zum Wohle der Menschheit in Beschlag nähmen, die ersten, die nach Rohstoffen suchten und nach neuem Leben, dem höchsten und stolzesten Ziel, dem sich die Forschenden verpflichtet fühlten. Sie seien die Speerspitze der Menschheit und könnten sich so, neben einer ausgezeichneten Bezahlung und lebenslangen Gesundheitsfürsorge auch noch ewigen Ruhm erwerben.
Damals hatte er der Werbung geglaubt, damals als er als drittbester seines Jahrgangs abgeschlossen hatte und noch nicht recht wusste, was er aus seiner frisch erworbenen Pilotenlizenz machen wollte; so bewarb er sich also - trotz der negativen Bewertungen seiner Vorgesetzten, die ihn für talentiert aber undiszipliniert hielten - und machte sich keine großen Hoffnungen, angenommen zu werden. Zu seiner Überraschung wurde er mit offenen Armen aufgenommen, seine negative Bewertung seitens seiner Vorgesetzten habe keinen Einfluss auf die Entscheidung gehabt, hieß es, da er als Pilot des DFMC keinen direkten Vorgesetzten habe, zumindestens nicht, wenn er sich auf einer Mission befand. Er sei sein eigener Herr und müsse lediglich die Scannerdaten und einen Bericht abgeben. Mit negativer Bewertung angenommen zu werden, klang beinahe zu schön um wahr zu sein, aber als er sich in den Räumen des DFMC näher umsah, hatte er auch nicht allzu viele Bewerber bemerkt.
In den folgenden Monaten wurde er dann auf den Gleiter geschult und erhielt eine wissenschaftliche Grundbildung. Die Mission war einfach: da es zu aufwendig und potentiell gefährlich war, einen Forschungskreuzer in jedes wenig bekannte System fliegen zu lassen, wurde zunächst ein Erkundungsgleiter geschickt, um die Lage zu sondieren; nach seinen gesammelten Daten wurde dann entschieden, ob in dem System etwas verwertbar war. Es ging in erster Linie um Rohstoffe und um kolonialen Grund, den man irgendwann in ferner Zukunft in Beschlag zu nehmen hoffte; und um Leben, das man bisher nur in einfachen Formen gefunden hatte.
Nun war er schon einige Jahre dabei und alles war Routine geworden, den großen Wurf hatte er noch nicht gelandet und nur mit wenig Begeisterung schließlich auch diese Mission übernommen, seine Deep Field Misson 47, oder kurz, DFM 47, ein System mit einem Roten Zwergstern, einem großen Gasriesen und einigen Trümmern, eigentlich nichts mehr als eine Pflichtübung und so ziemlich der mieseste Ort, an dem ein Deep Field Pilot aktiv sein wollte. Und der Ort, an dem er wahrscheinlich sterben würde. Dann blieb von ihm nur noch ein kleiner silberner Blechstern übrig, an der Wand des Ruhms in der großem Halle des Deep Field Misson Command, gleich gegenüber der Wand, an der die großen Entdeckungen einzelner Piloten mit einem goldenen Stern vermerkt wurden, und vielleicht die Erinnerungen einiger Kameraden.
Sinnend sah er aus dem Fenster, auf die wechselvolle Spiel aus Farben, Wolken, Sternen und einem gelegentlichen Blick in einen dunklen bodenlosen Strudel, in das Auge des Sturms. Sollte das schon alles gewesen sein ? Ein simpler Blechstern ? Vielleicht gab es ja doch noch einen Ausweg: er konnte immer noch seinen Treibstofftank zünden und so hoffen, das ihn die Explosionswelle aus dem Sturm drückte. Aber würde sie auch stark genug sein, um ihn auch aus dem Einflussbereich des Riesen zu bringen ? Er wäre in dem Fall in der Lage, mit der Notreserve den Kreuzer zu erreichen, wenn auch nur so gerade eben, vorausgesetzt der Gleiter überstünde die Explosion. Es war eben keine Standardprozedur, sondern nur eine aus der Not der Verzweiflung geborene Idee, doch ihm blieb keine Wahl. Shelby bemühte den Bordcomputer und fütterte ihn mit den Daten, um sich nach einer Weile resigniert zurück zu lehnen, es reichte einfach nicht, um der Anziehung zu entkommen; vielleicht mit Hilfe der Reserve, aber an die kam er nicht heran. Und wenn er den Riesen nur umrunden würde, und dann auf Hilfe wartete ?
Er überschlug gerade die neuen Werte, als eine zweite Entladung das Schiff so schwer traf, das für einen Moment die Trägheitsdämpfung ausfiel und er mit großer Wucht gegen die Wand geschleudert wurde. Mühsam rappelte er sich auf, nur um mit zu bekommen, das sich das Schiff nun noch schneller drehte und er seinem Ende wieder ein Stück näher gekommen war. Was zur Hölle war das schon wieder ?Shelby analysierte schnell die Signatur und verglich sie mit derjenigen der ersten Entladung; sie waren nahezu identisch. Das konnte kein Zufall sein, für ein fluktuierendes natürliches Phänomen war die Übereinstimmung einfach zu groß.
Aufgeregt analysierte er die übrigen Sensorwerte und es gelang ihm, ein unscharfes visuelles Abbild der Quelle auf den Schirm zu bekommen: es war ein großes flaches gleichförmiges Objekt mit einigen symmetrischen Erhebungen und es pulsierte regelmäßig. Eine Warnmeldung blinkte auf: unbekannte Lebensform. Nicht zu fassen ! Hier war er also, der Jackpot, auf den er solange vergeblich gewartet hatte: fremdes Leben, und dazu an einem so seltsamen von allen Göttern verlassenen Ort.
Sicher es gab da einmal eine Theorie über Leben in der Atmosphäre von Gasriesen, aber als man schon so viele untersucht hatte und auch theoretische Erwägungen dagegen sprachen, wurde sie irgendwann endgültig fallen gelassen. Warum fand er gerade jetzt den ultimativen Gegenbeweis, seinen goldenen Stern ? Jetzt, wo er der Tiefe des Strudels kaum noch entkommen konnte ?
Er war so gut wie tot, und das Vieh da draußen, schien das auch zu wissen, denn es näherte sich nun langsam. Shelby hielt sich fest, wenn er auch verloren war, so wollte er doch bis zuletzt bei Bewußtsein bleiben und sich nicht durch einen unglücklichen Sturz um die wenige Zeit bringen lassen, die er noch am Leben sein würde.
Der Ruck, der nun durch das Schiff ging, war sehr heftig, und doch hielt er stand; die Lebensform scheuerte mit ihrem riesigen Körper am Rumpf des Schiffes und brachte es langsam zum Stehen. Dann sah er sie: dutzende winziger roter Augen ragten aus den Erhebungen einer flachen Masse hervor, die beständig ihre Farbe zu ändern schien, vielleicht ein Tarnmechanismus ? Neugierig schienen die zahlreichen Augen jede Nuance des Schiffes abzutasten, fast wie ein Kind, das ein seltsames Spielzeug gefunden hatte, während sie langsam immer tiefer sank und den Gleiter dabei mitnahm. Das Ende war nahe, aber immerhin war es kein Tod wie jeder andere; es war nur schade, das er niemanden davon erzählen konnte.
Dann passierte etwas unerwartetes. Eine zweite gleichartige Kreatur tauchte plötzlich auf und rammte seinen Begleiter, so das er plötzlich wieder frei kam. Shelby bediente routiniert den Analysator, während er nach draußen sah, um so viel von dem Geschehen mit zu bekommen wie nur möglich, ein vorbildlicher Pilot bis zuletzt, auch wenn die aufgezeichneten Daten bald in den Tiefen des Gasriesen verschwunden sein würden. Es sah nach einem Streit aus, wie ein Streit zweier Kinder um einen Ball oder ein Feuerwehrauto, und das Spielzeug war sein Gleiter. Schließlich gewann eine Kreatur die Oberhand, und stieß ihren Widersacher mit aller Kraft in die Tiefe.
In diesem Moment kam Shelby eine Idee: wenn es ihm gelänge, von außen wie eine dieser Kreaturen zu wirken, dann konnte er sie vielleicht damit provozieren. In aller Eile bediente er die Steuerelemente, sichtete die aufgezeichneten Daten und veränderte die äußere Signatur seines Schiffes so, das es von außen wie eine angreifende Kreatur aussehen musste; nun konnte er nur hoffen, das sein kleiner Freund den Köder auch schluckte.
Und das tat er: mit einer stetig steigenden Geschwindigkeit näherte die Kreatur sich dem Schiff, dessen Pilot nunmehr alle Energie auf die Schilde gab. Der Stoß war enorm stark, die Trägheitsdämpfung tat ihr äußerstes und doch konnte sie nicht verhindern, das er abermals herumgeschleudert wurde. Der Gleiter schnellte nach oben und erhob sich über das Auge des Sturms; mühsam richtete Shelby sich auf, schleppte sich zur Steuerkonsole, öffnete den Tank und zündete den Treibstoff. Ein zweiter gewaltiger Ruck ging durch das Schiff und es entkam der Anziehungskraft des Gasriesen, während er sich unter dem Sitz fest gekeilt hatte und mit Schmerzen die enorme Beschleunigung ertrug. Mit letzter Kraft setzte er einen Kurs zurück zum Forschungskreuzer und die Notreserve wurde freigegeben.
Es dauerte eine Weile, bis er sich wieder ganz auf den Pilotensitz setzen konnte, völlig erschöpft und sehr erleichtert. Er musste Lachen. Er war noch am Leben ! Nun war es endlich geschafft: sein Stück vom Ruhm, sein goldener Stern und die letzte große Anerkennung, die ihm die Werbung und die Ausbilder immer versprochen hatten, und von der doch so wenig zu sehen war. Ein goldener Stern, eine große Leistung für die Wissenschaft und eine Gehaltszulage. Was wollte man mehr ? Bald würde man hier eine Station errichten, um das neu entdeckte Leben zu untersuchen; sie würden die Kreaturen einfangen und sezieren, und vielleicht auch klonen, sicher aber ihr Verhalten ausführlich studieren. Wenn sie dann genug über sie wüssten, dann würden die Touristen kommen, vielleicht nicht viele, aber sehr zahlungskräftige. Später würden sie dann in irdischen Zoos landen, in denen sie der breiten Masse als Unterhaltungsobjekt dienen; sicher, viele der Kreaturen würden daran zugrunde gehen, bis man endlich herausgefunden hätte, wie man sie in Gefangenschaft am Leben erhält, aber am Ende hätten alle etwas davon, außer eben die Kreaturen. Shelby dachte nach. Außer ihnen gab es nichts im System, was eine menschliche Präsens rechtfertigte, keine Rohstoffe, keine anderen Planeten oder interessante Monde. Hier gab es nichts außer ein paar Trümmer; wahrscheinlich würde nach ihm niemand mehr den Weg hierher finden, wenn es denn nicht die Kreaturen gäbe. Vielleicht sollte er...
„Hier ist Mission Control ! Commander Shelby, bitte kommen ! Commander Shelby, melden Sie sich !“
„Hier Commander Shelby melde mich zurück !“
„Commander Shelby ! Endlich erreichen wir Sie !“
„Ja, der Funk war eine Weile gestört, wie das manchmal so ist, in der Nähe von Gasriesen.“
„Haben Sie irgendetwas verwertbares gefunden ?“
Shelby dachte kurz nach. „Nein, nichts besonderes. Keine verwertbaren Mengen an Rohstoffen, kein Siedlungsraum und kein Leben, eben nichts was wir brauchen könnten. Ein mieser Ort, wenn sie mich fragen...“
„Ja, da haben sie wohl diesmal wieder das kurze Holz gezogen“, der Funker lachte.
„Sieht wohl so aus.“
Shelby schaltete das Funkgerät ab und löschte die Aufzeichnungen, die er gemacht hatte. Auf dem Kreuzer wartete ein warmes Essen aus der Kantine auf ihn, vielleicht noch ein Drink an der Bar und vor allem ein Bett. Er dachte an die Kreatur im Auge des Sturms. Für den silbernen Stern hat es heute nicht gereicht und auch nicht für den goldenen, aber es war eine Entscheidung, mit der Sie beide leben konnten...



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Allmystery Kurzgeschichten Wettbewerb - Juroren gesucht!

25.07.2013 um 21:03
ja jetzt gehts besser.


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Puschelhasi
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Allmystery Kurzgeschichten Wettbewerb - Juroren gesucht!

25.07.2013 um 21:03
@Wolfshaag

Ja weil du so lange rumgeheult hast, bis irgendein Mod dir diese Story abgekauft hat, das nenne ich.... :popcorn:


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Allmystery Kurzgeschichten Wettbewerb - Juroren gesucht!

25.07.2013 um 21:03
Beitrag kaputt


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Allmystery Kurzgeschichten Wettbewerb - Juroren gesucht!

25.07.2013 um 21:06
Alle Geschichten Teil 1:

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"Kuschinskis Weg" von Murmeltier
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Kuschinski zog die Haustür leise ins Schloss, wie er es eigentlich jeden Tag gemacht hatte, wenn er das graue Haus, in dem er seit über 20 Jahren lebte verlies. Nur das heute kein Tag, wie jeder andere war.

"Heute gegen 17:25 Uhr, meine Damen und Herren, werden Sie Zeuge des Weltuntergangs..."
erläuterte ein bekannter Nachrichtensprecher geschäftsmäßig in Kuschinskis Kopf, als würde er eine eher unwichtige Nachricht verlesen.

Kuschinski schaute nach unten, neben seine Schuhe, von wo sein treuer Freund Willi, mit einem gewissen Interesse, hechelnd zu ihm aufschaute. Willi war Kuschinskis in die Jahre gekommener Rauhaardackel und ebenso wie er selbst, plagten ihn die ersten Zipperlein, aber gegen ein bisschen Ball spielen, hatte er noch immer nichts, weswegen Kuschinski in seine Tasche, an seinem alten verschlissenen Ledermantel langte und Willis grünen Lieblingsball hervorzauberte.
Willi quittierte Kuschinskis kleine Überraschung mit einem vorfreudigem Schnaufen und begann mit seinem Schwanz zu wedeln. Kuschinski lächelte und tat etwas, was er in all den Jahren, in denen er hier lebte, nie getan hatte, er warf den grünen Ball ein paar Meter voraus, mitten auf die Hauptstraße. Erfreut und so schnell ihn seine kurzen Beinchen trugen, stürzte Willi hinter seinem Ball her.
"Eines ist sicher", dachte Kuschinski, "auch ein Weltuntergang hat seine Vorteile".

Jeder der es sich irgendwie leisten konnte war längst irgendwo auf der Südhalbkugel des Planeten. Zwar hatten sämtliche Radio und Fernsehsender den Betrieb vor knapp 24 Stunden eingestellt, aber Kuschinski erinnerte sich an die letzte Tagesschau, die er gesehen hatte und die natürlich nur ein Thema hatte, den bevorstehenden Meteoriten-Regen, der die Nordhalbkugel der Erde in ca. einer Stunde treffen würde, nachdem ein Abfangversuch der USA, Chinas und Russlands, mittels Atomraketen, nur dazu geführt hatte, dass der Meteor, welcher ursprünglich ca. 20 km groß gewesen war, nun in tausende kleinerer Einzelstücke zerborsten war.
Keiner hatte ihn kommen gesehen, nicht die NASA, nicht die ESA, nicht die Russen und auch nicht die Chinesen, denn Nirbibu 2.0, wie ihn ein offensichtlicher Scherzkeks, wahrscheinlich aus Südafrika, genannt hatte, war aus der Sonne gekommen, ähnlich wie ein Jagdflieger im Krieg und man hatte ihn erst vor ca. 3 Wochen entdeckt.
Nachdem Niribu 2.0 entdeckt worden war, hatten alle möglichen Astronomen den Einschlagsort berechnet und waren zu dem Ergebnis gekommen, dass er im Nordatlantik einschlagen würde.
Bis zu 15km hohe Tsunamis wurden für die Küstengebiete der Staaten am Atlantik vorher gesagt. Artensterben sämtlicher Fischarten im atlantischen Ozean und was weiß der Teufel nicht noch alles. Also hatte man beschlossen, den Meteoriten mit Atomwaffen abzulenken. Das hatte nur leider nicht funktioniert und Niribu 2.0 war vor einer Woche in tausende von Einzelteilen, welche nun trotzdem die Nordhalbkugel treffen würden, zersprungen. Durch diese Einschläge würde es überall auf der Nordhalbkugel zu gewaltigen Feuersbrünsten kommen, ein Feuersturm wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte, galt als unvermeidlich.
Gerade so, als würde ein Wahnsinniger glühenden Schrot auf ein Benzinfass feuern.
Eine planvolle Evakuierung, hatte sich, wie Kuschinski vorher gesehen hatte, als völlig undurchführbar erwiesen, so dass jeder der konnte, versuchte mit einem Flugzeug, oder Schiff, soweit südlich zu kommen, wie nur möglich.
Weniger Betuchte hatten sogar Züge gen Süden bestiegen, andere versuchten verzweifelt mit dem Auto zu entkommen, was nur dazu führte, dass Italien, Spanien und oder auch Mexiko, eher einem gigantischem Kaufhausparkplatz in der Vorweihnachtszeit glichen, es gab kein Vor und kein Zurück. Von denen, die hier geblieben waren, hatten sich viele in ihrer Verzweiflung, in alte Bunker aus dem letzten Krieg, Bergwerke und U-Bahnschächte verkrochen.
Andere blieben schlicht in ihren Wohnungen, oder wussten, wie Kuschinski, das es egal war, wo genau man gerade war, hier gab es kein Entkommen mehr.

Kuschinski aber hatte kein Geld für ein maßlos überteuertes Flugticket und sein rostiger alter Ford wäre nicht mal bis Wanne-Eickel-Süd gekommen. Also hatte er sich mit seinem Schicksal abgefunden und war geblieben, wo er war, nämlich in dem alten grauen Haus, in dem er schon seit Jahrzehnten lebte, in der Stadt in der er geboren war und in der er, wie es aussah nun auch das Zeitliche segnen würde.
"I met my love by the gas works wall.
Dreamed a dream at the old canal.
I kissed my girl by the factory wall...
Dirty old town, dirty old town..."
sangen die Pogues melancholisch in Kuschinskis Schädel.

Kuschinski wurde von Willi aus seinen trüben Gedanken gerissen, der fröhlich schnaufend, mit dem grünen Ball in der Schnauze, zu ihm zurückgekehrt war und den Ball nun erwartungsvoll vor Kuschinskis Füße rollte. Mit einem leisen Lächeln nahm Kuschinski den Ball in die Hand und warf ihn dieses Mal ein wenig weiter vor sich auf die Hauptstraße. Worauf Willi engagiert seinem hüpfendem Ball folgte.

Währenddessen griff Kuschinski in die Innentasche seines Mantels und zog eine Flasche Johnny Walker Red Label heraus. Er ging ein paar Schritte. Den Whiskey hatte er extra für einen besonderen Anlass aufgehoben, sicher nicht der beste Whisky der Welt, aber Kuschinski war auch kein reicher Mann und viele besondere Anlässe würde es wohl für ihn auch nicht mehr geben. Er drehte den Verschluss auf und prostete Willi zu, der gerade zurück gekehrt war und nun leicht erschöpft neben seinem Herrchen, samt grünem Ball im Maul, her tapste. Dann nahm er einen tiefen Zug aus der Whiskey-Flasche und schlenderte, mit Willi neben sich, weiter die menschenleere Straße entlang.

Nach kurzer Zeit erreichten sie die Einmündung einer kleinen Seitenstraße, in die die Kuschinski und Willi einbogen. Auch hier hätte man auf den ersten Blick denken können, es wäre ein autofreier Sonntagmorgen im Disneyland für Greenpeace-Aktivisten, hätten nicht die Türen des Supermarktes sperrangelweit offen gestanden, ohne dass irgendwer weit und breit zu sehen war , lediglich ein paar leere Verpackungen wiegten sich im lauen Wind, der sich durch die offenen Türen, in noch leereren Regalen verlor. Schon seit Tagen war dort alles geplündert und es hatte regelrechte Schlägereien, um ein paar Tüten Milch gegeben, wie Kuschinski gesehen hatte. Doch nun war alles still, bis auf das leise Knarren der Regale im lauen Wind.
"And an evening breeze,
comming from the east
that kissed the riverside"
Kuschinski nahm einen weiteren tiefen Schluck aus seiner Whiskey-Flache und blinzelte dabei in die Sonne. "Komisch", dachte er, "irgendwie hatte ich mir einen Weltuntergang anders vorgestellt, nicht bei blauem Himmel und Sonnenschein, an einem schönen Spätsommernachmittag". Dann folgte er Willi, der neugierig schnüffelnd schon einige Meter vorgelaufen war.
Langsam kam das Mykonos, das alte griechische Restaurant in sein Sichtfeld. Das Mykonos war schon vor einigen Jahren geschlossen worden, seit dem stand das Ladenlokal leer und nur noch ein verblassender Schriftzug über der ehemaligen Eingangstür erinnerte an seine einstige Existenz.
Doch für Kuschinski gab es immer einen Stich ins Herz, wenn er daran vorbei ging. Früher war er dort oft gewesen, weniger wegen dem griechischen Essen, mehr wegen der hübschen Bedienung, die er später geheiratet hatte. Kleoniki. Oder kurz Niki, wie sie alle genannt hatten. Über zehn Jahre lang hatte er sie hier jeden Abend von der Arbeit abgeholt und war mit ihr durch die Strassen nach Hause geschlendert. Ihre großen dunklen Kulleraugen tauchen vor seinem geistigen Auge auf, ihre langen pechschwarzen Haare, ihre zierliche Figur.
Doch dann hatte sie ihn vor drei Jahren plötzlich verlassen, für jemanden der besser aussah, als er, mehr Geld hatte, als er und vielleicht auch einfach klüger war, als er, zumindest aber neu. Anfangs hatte sie ihn noch zu seinem Geburtstag angerufen und ihm gratuliert, doch ihm fehlten immer die Worte, bis auch das irgendwann eingeschlafen war.
Er hatte es verstanden irgendwie, manchmal verstand er es auch nicht, doch es ließ sich nicht ändern, sie war gegangen und er wusste nicht einmal wo sie jetzt war. Aber hier hatte er sie das letzte Mal gesehen, nur war er es nicht gewesen, der sie abgeholt hatte.
"The last time I saw you, were down at the Greeks,
there were Whiskey on Sunday and tears on your cheek..."
Mit einem energischen Schluck aus seiner Flasche wischte Kuschinski seine Gedanken beiseite, es war nicht mehr weit bis zu seinem Ziel, denn am Ende der Strasse begann der kleine Park mit dem Aussichtshügel in seiner Mitte. Er schaute nach Willi, der bereits ein gutes Stück vorgelaufen war und nun am Anfang des gewundenen Parkweges wartete, der auf den Aussichtshügel führte.
Kuschinski beeilte sich, um zu Willi aufzuschließen. Gemeinsam tauchten sie in den kleinen Park ein und stiegen hinauf auf die Kuppe des Aussichtshügels. Auf seiner Spitze war der Hügel abgeflacht und baumlos, lediglich eine kleine Wiese zog sich, wie bei einem glatzköpfigen Mann über den Kamm.
Und mitten auf dieser Wiese stand eine alte hölzerne Parkbank, die Kuschinski zielstrebig ansteuerte, bevor er sich darauf plumpsen ließ. Er schaute auf seine Armbanduhr, mittlerweile war es 17:15 Uhr, um 17:25 Uhr sollte "es" beginnen. Von der Parkbank aus konnte man weit über das Häusermeer der Stadt schauen, weit, beinahe über die ganze Region.
Kuschinski trank einen Schluck Whiskey und rief dann Willi zu sich. Willi kam und er nahm ihm den Ball aus dem Maul. Willi schnaufte erfreut. Kuschinski warf den Ball ein Stück weit auf die Wiese und Willi beeilte sich ihn wieder zu fangen, bevor der Ball den Abhang hinunter rollen konnte.
Eine kleine Weile spielten Kuschinski und Willi so weiter, der eine sorglos, der andere gedankenverloren.
Dann durchbrach plötzlich ein lauter Knall das vermeintliche Idyll. Willi erschrak, ließ seinen grünen Ball achtlos fallen und suchte Schutz bei seinem Herrchen.

Kuschinski schaute erst gar nicht auf seine Uhr, er nahm mit einer Hand seinen verängstigten Freund hoch und presste ihn an sich, während er ihm leise ins Ohr flüsterte: "Warte eine Minute, mein Freund, dann spielen wir an einem schöneren Ort weiter."
Danach schaute er über das Häusermeer der Stadt hinweg zum Horizont, wo sich eine gewaltige Wand aus Staub, Asche und Dunkelheit gebildet hatte, welche nun im rasendem Tempo auf ihn und Willi zugeschossen kam. Kuschinski nahm einen nicht minder gewaltigen Schluck aus seiner Flache und schleuderte sie dann achtlos zur Seite, umgriff Willi ganz fest und stemmte sich gegen den nun aufkommenden Sturm, während er, mit trotzigem Blick, aus Leibeskräften gegen das Getöse anschrie: "Fick Dich, Du gottverdammter Steinklumpen!"
"May they all sleep tight,
down in hell tonight,
or wherever they may be."
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"Wüstensturm" von Elch
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Was für ein Unwetter. Rings um den alten Datsun war bedrückende Finsterniss. Dicke Regentropfen trommelten aufs Autodach, und nur der Lichtkegel der Scheinwerfer erhellte ein Stück weit die einsame Straße. Doyle befand sich mitten im Nirgendwo, irgendwo ander Grenze zwischen Colorado und New Mexico. Seine Finger umklammerten das Lenkrad so fest, wie ein Alkoholiker seine Schnapsflasche. Er wollte zwar vorwärts kommen, aber im Graben landen musste er deswegen ja nicht. Die Schweisperlen ronnen ihm über seinen grauen Stoppelbart. Seit Stunden hatte er kein anderes Auto gesehen. Niemand ausser ihm war so dumm, bei so einem Dreckswetter durch die Wüste zu fahren. Doch eine Erinnerung trieb ihn an, wobei es eher ein Gefühl war. Das Gefühl einer alten Liebe, welchem nachzugehen, er sich verplichtet sah. Nina war in Schwierigkeiten, zumindest nahm er das an. In all der Zeit, in der sie verheiratet waren, hatte sie sich nie so unglücklich angehört. Seit über 20 Jahren hatte er nichts von ihr gehört, auch wenn er immerwieder an sie gedacht hatte. Sie war sein Mädchen, er würde bis ans Ende der Welt fahren, um sie zu sehen. Die Blitze veranstalteten ein Feuerwerk aus gelben und blauen Lichtern am Horizont. Der Donner schlug ihm mit der Wucht eines Baseballschlägers hart auf die Nerven, während die Schwüle ihn schwitzen ließ, als befände er sich in einer Raumkapsel, die um die Sonne kreist. Der Regen nahm ihm immer mehr die Sicht auf das wenig Sraße vor ihm.
"Verdammte Scheisse", murmelte er vor sich hin.
Es war nicht zu ändern, er würde stehenbleiben müssen. Die Weiterfahrt war bei einem so biblischen Sturm zu gefährlich. Das Auto kam zum stillstand und Doyle legte seinen Kopf in den Nacken.
"Nina ... was ist los?"
Sie hatte am Telefon nichts weiter gesagt, nur vor sich hingeschluchzt und ihn flehend gebeten, sofort zu kommen. Ein Flugticket konnte er sich bei seinem mageren Hilfsarbeiterlohn nicht leisten, und das war der Grund warum er nun umgeben von Sand mitten in Amerikas toter Ecke festsaß. Sehr wohl war ihm nicht dabei. Man nannte diese staubige Straße den Highway ins Nichts. Alle paar Monate verschwanden Leute spurlos in dieser Gegend, immer während solch ausufernder Stürme, wie es auch dieser war. Doyle schloss die Türen ab und steckte sich eine Zigarette an. Er kam sich seltsam verloren vor. Im Rückspiegel lag ein Leben voller Entbehrungen, welches nicht viel zu bieten hatte, welches ihn alt und hart werden hat lassen. Keine Familie, keine Freunde, nur das allabendliche Bierchen nach der Arbeit in einem Lokal, wo er in 12 Jahren niemanden kennengelernt hatte. Auf der Straße vor ihm lag eine unsichere Zukunft mit einem Mädel, das vieleicht nur nach dem grössten Trottel aus ihrer Vergangenheit gesucht hatte. Vieleicht um sich Geld zu leihen, denn dazu war er den Leuten gut genug.. Doyle war mitten dazwischen und der alte Datsun ächzte im Seitenwind. Die Schwärze der Nacht und die Unruhe in der Luft unterstrichen seine sich anschleichende Lethargie. Es gab nur zwei Wege, den zurück, oder den nach vorn.
"Nina ich komme", flüsterte er, doch der Sturm verschluckte seine Worte.
Da klopfte es an die Beifahrerscheibe.
Doyle schreckte hoch aus seinen schweren Gedanken und fühlte sich mit einem mal so wach, als hätte einer der Blitze in sein Auto eingeschlagen. Es klopfte erneut. Wer mochte das sein ... hier ... mitten in der Wüste? Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen Highwaykiller handelte war kaum vorhanden, dennoch musste Doyle schwer schlucken. Doch den Mann einfach draussen stehen zu lassen, konnte er auch nicht, das wäre bei diesem Mistwetter eine Sünde vor dem Herrn. Es handelte sich wohl um einen Tramper, der aller Wahrscheinlichkeit nach noch verlorener war, als er selbst. Ausserdem war Doyle weder gebrechlich noch mutlos, er würde mit diesem Typen schon umzugehen wissen, wenn dieser sich nicht zu benehmen wüsste. Doyle entriegelte die Tür und winkte den Unbekannten mit einer einladenden Geste herein. Die Tür ging auf und ein hochgebauter, dunkelhaariger, hagerer Mann in einer dunkelblauen Fliegerjacke setzte sich zu ihm ins Auto. Sein Haar war schütter und seine Haut ledrig.
"Was machen sie denn mitten hier in der Wüste, wenn es pisst wie aus Kübeln?" Doyles worte kamen holpernd aus ihm heraus, doch seine neugier war nicht gespielt.
Der Fremde schwieg.
"Zigarette?", fragte Doyle und hielt ihm sein Etui hin..
"Ich muss mich bei ihnen bedanken. Sehr christlich von ihnen." Seine Stimme war rauh und heiser.
"Ach, kein Problem Kumpel. Sie hätten sich da draussen noch den Tod geholt."
Der Fremde nahm eine Zigarette und steckte sie sich zwischen seine gesprungenen Lippen.
"Wohin gehts denn?", fragte er, als wüsste er die Antwort bereits.
"Noch 120 Meilen in den Süden. Hab dort was zu erldigen."
Der Fremde schnippte etwas Asche in den Aschenbecher, so gekonnt, als wäre er der Sohn des Marlboroman.
"Es ist wegen einer Frau, nicht wahr?"
"Gut geraten Kumpel", seufzte Doyle und machte das Radio an. "Verdammt noch mal ..."
Er drehte hektisch an den Knöpfen, doch konnte keinen Sender einstellen. Nur ein Rauschen und elektrische Störsignale erklangen in dem beengenden Auto, während der Regen weiterhin aufs Dach klopfte.
"Tja tut mir leid Kumpel, aber das verdammte Teil will einfach nicht."
Der Fremde stierte aus der Beifahrerscheibe und wischte den Beschlag vom Glas. In der Ferne tobten die Blitze, als wär es der letzte Tag auf Erden.
"Das liegt am Sturm", sagte er beinah apathisch, seinen Blick in den Regen gerichtet. "Manche Menschen fürchten sich vor Unwettern. Doch ich mag sie. Sie erinnern mich an alte Zeiten."
Doyle sah ihn skeptisch an.
"Das mag ja sein, aber jetzt sitzen wir hier fest."
Der Fremde drehte sich zu Doyle, seine dunklen Augen funkelten wild aus ihren Höhlen.
"Sie scheinen ihre Freundin nicht besonders zu lieben, hm?"
"Ach, ich wünschte sie wäre meine Freundin."
"Sie sitzen hier ... in ihrer rostigen Kiste, anstatt aufs Gaspedal zu treten und die Nacht durchzufahren."
Doyle überlegte kurz, ob er sich angegriffen fühlen sollte, aber der Kerl schien es nicht böse zu meinen. Es war ihm lieber, die Leute sagten, was sie dachten.
"Nichts für ungut Kumpel, aber jetzt weterzufahren, wäre glatter Selbstmord."
"Vieleicht fühlen sie sich ja wohl hier, im Nichts, umgeben von der Eisamkeit der Wüste."
Doyle sah ihn fragend an, während der Fremde beinahe flüsternd weitersprach:
"Man kann nie wissen, wie lange sich so ein Unwetter hält. Die Regentropfen lassen uns vergessen. Die Wolken umhüllen uns. Die Welt schläft ein. Und irgendwo steht ein einsamer Wagen am Straßenrand und fährt vielleicht nie mehr weiter."
Der Wind pfiff durch die Ritzen des Autos und lies den Wagen eine traurige Melodie singen. Doyle lehnte sich zurück in seinen Sitz. Er begriff die Worte des Fremden, auch wenn sie kaum mehr waren als Echos des Sturms. Der Fremde legte ihm eine Hand auf die Schulter, sein Griff war eisern und väterlich.
"Wenn sie wollen bleib ich hier bei ihnen, solange der Sturm anhält."
Doyle schluckte, seine Augen waren glasig geworden.
"Sie haben recht", sagte er.
Er drehte den Zündschlüssel und der alte Datsun röhrte knarzend auf. Er legte sein Zigaretten Etui auf den leeren Beifahrersitz und über seine Lippen zischte ein leises:
"Es tut mir leid Nina."
Der Wagen setzte sich in Bewegung und die Dunkelheit und die Wüste verschluckten ihn.

Zwölf Jahre später, in einem rustikalen Reihenhaus in einem unbedeutenden Kaff in New Mexiko, blätterte Nina Harris in einem vergessenen Fotoalbum. Sie war alt geworden, genau wie ihre Erinnerungen. Die Bilder waren so verblichen wie ihr Leben. Sie starte seit fünf Minuten auf die Abbildung eines jungen Mannes, welcher unbeschwert zu ihr hochsah. Vieleicht, so dachte sie, hätte sie ihn nicht verlassen sollen. Vieleicht hatte Doyle Burkhouse noch ne Chance verdient. Sie ging zum Telefon uns schaute es eine Weile an. Erinnerungen und Gedanken tauchten auf und verschwanden wieder. Sie müsste nur den Hörer abheben und anrufen, er würde schon verstehen, er hatte immer verstanden. Sie entschied sich dagegen. Sie legte das Fotoalbum weg und setzte sich vors Fenster. Ein Sturm zog auf, und sie wusste, er würde kein normaler Sturm werden.


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"DFM 47" von Waschbär
Spoiler

Wie konnte das nur passieren ? Sicher, bei Gasriesen musste man mit allem rechnen, aber eine solche Entladung war untypisch, selbst über einem Sturmsystem von diesen Ausmaßen. Fluchend erhob sich Shelby von der offenen Kommandokonsole. Es war zwecklos, der Schaden ließ sich nicht reparieren, jedenfalls nicht hier. Seit Stunden schon versuchte er dem Sturmwirbel zu entkommen, um doch nur immer tiefer zu sinken. Nun tat der Autopilot seine Arbeit und hielt die Maschine und die Trägheitsdämpfung am laufen, viel mehr aber auch nicht.
Es war nur eine Frage der Zeit, bis dem Schiff die Energie ausging und er unweigerlich in die Tiefe gezogen wurde, wo der atmosphärische Druck mörderisch war und von wo es keine Rückkehr gab. Er sah aus dem Fenster, auf das ständige Wechselspiel von bunten Wolken und kreisenden Himmel; bildete er es sich nur ein oder drehte sich das Schiff nun noch schneller ? Er sah auf die Anzeige. Verdammt ! Schon wieder war er tiefer gesunken ! Schneller noch, als der Bordcomputer es berechnet hatte. Seit ihn diese Entladung getroffen hatte, wurde er vom Pech verfolgt. Nein eigentlich begann es schon, als ihm diese Mission zugeteilt wurde.
Ihm, Commander Sam Shelby, Pilot eines Erkundungsgleiters beim Deep Field Mission Command, dem stellaren Erkundungsprogramm der Erde. Er erinnerte sich noch genau an den Tag, als er zum ersten mal die Werbung des DFMC auf einem Teleschirm verfolgt hatte, an die vielen bunten Bilder von fremden Welten, an den patriotischen Aufruf etwas zum Wohle der Menschheit zu tun, auf die tiefe Kameradschaft unter Sternenreisenden, die sich für Jahre auf einen Forschungskreuzer verpflichteten und an die Mahnung an die Piloten, sich für die Erkundungsgleiter zu melden. Sie wären die ersten, hieß es, die die neuen Welten zum Wohle der Menschheit in Beschlag nähmen, die ersten, die nach Rohstoffen suchten und nach neuem Leben, dem höchsten und stolzesten Ziel, dem sich die Forschenden verpflichtet fühlten. Sie seien die Speerspitze der Menschheit und könnten sich so, neben einer ausgezeichneten Bezahlung und lebenslangen Gesundheitsfürsorge auch noch ewigen Ruhm erwerben.
Damals hatte er der Werbung geglaubt, damals als er als drittbester seines Jahrgangs abgeschlossen hatte und noch nicht recht wusste, was er aus seiner frisch erworbenen Pilotenlizenz machen wollte; so bewarb er sich also - trotz der negativen Bewertungen seiner Vorgesetzten, die ihn für talentiert aber undiszipliniert hielten - und machte sich keine großen Hoffnungen, angenommen zu werden. Zu seiner Überraschung wurde er mit offenen Armen aufgenommen, seine negative Bewertung seitens seiner Vorgesetzten habe keinen Einfluss auf die Entscheidung gehabt, hieß es, da er als Pilot des DFMC keinen direkten Vorgesetzten habe, zumindestens nicht, wenn er sich auf einer Mission befand. Er sei sein eigener Herr und müsse lediglich die Scannerdaten und einen Bericht abgeben. Mit negativer Bewertung angenommen zu werden, klang beinahe zu schön um wahr zu sein, aber als er sich in den Räumen des DFMC näher umsah, hatte er auch nicht allzu viele Bewerber bemerkt.
In den folgenden Monaten wurde er dann auf den Gleiter geschult und erhielt eine wissenschaftliche Grundbildung. Die Mission war einfach: da es zu aufwendig und potentiell gefährlich war, einen Forschungskreuzer in jedes wenig bekannte System fliegen zu lassen, wurde zunächst ein Erkundungsgleiter geschickt, um die Lage zu sondieren; nach seinen gesammelten Daten wurde dann entschieden, ob in dem System etwas verwertbar war. Es ging in erster Linie um Rohstoffe und um kolonialen Grund, den man irgendwann in ferner Zukunft in Beschlag zu nehmen hoffte; und um Leben, das man bisher nur in einfachen Formen gefunden hatte.
Nun war er schon einige Jahre dabei und alles war Routine geworden, den großen Wurf hatte er noch nicht gelandet und nur mit wenig Begeisterung schließlich auch diese Mission übernommen, seine Deep Field Misson 47, oder kurz, DFM 47, ein System mit einem Roten Zwergstern, einem großen Gasriesen und einigen Trümmern, eigentlich nichts mehr als eine Pflichtübung und so ziemlich der mieseste Ort, an dem ein Deep Field Pilot aktiv sein wollte. Und der Ort, an dem er wahrscheinlich sterben würde. Dann blieb von ihm nur noch ein kleiner silberner Blechstern übrig, an der Wand des Ruhms in der großem Halle des Deep Field Misson Command, gleich gegenüber der Wand, an der die großen Entdeckungen einzelner Piloten mit einem goldenen Stern vermerkt wurden, und vielleicht die Erinnerungen einiger Kameraden.
Sinnend sah er aus dem Fenster, auf die wechselvolle Spiel aus Farben, Wolken, Sternen und einem gelegentlichen Blick in einen dunklen bodenlosen Strudel, in das Auge des Sturms. Sollte das schon alles gewesen sein ? Ein simpler Blechstern ? Vielleicht gab es ja doch noch einen Ausweg: er konnte immer noch seinen Treibstofftank zünden und so hoffen, das ihn die Explosionswelle aus dem Sturm drückte. Aber würde sie auch stark genug sein, um ihn auch aus dem Einflussbereich des Riesen zu bringen ? Er wäre in dem Fall in der Lage, mit der Notreserve den Kreuzer zu erreichen, wenn auch nur so gerade eben, vorausgesetzt der Gleiter überstünde die Explosion. Es war eben keine Standardprozedur, sondern nur eine aus der Not der Verzweiflung geborene Idee, doch ihm blieb keine Wahl. Shelby bemühte den Bordcomputer und fütterte ihn mit den Daten, um sich nach einer Weile resigniert zurück zu lehnen, es reichte einfach nicht, um der Anziehung zu entkommen; vielleicht mit Hilfe der Reserve, aber an die kam er nicht heran. Und wenn er den Riesen nur umrunden würde, und dann auf Hilfe wartete ?
Er überschlug gerade die neuen Werte, als eine zweite Entladung das Schiff so schwer traf, das für einen Moment die Trägheitsdämpfung ausfiel und er mit großer Wucht gegen die Wand geschleudert wurde. Mühsam rappelte er sich auf, nur um mit zu bekommen, das sich das Schiff nun noch schneller drehte und er seinem Ende wieder ein Stück näher gekommen war. Was zur Hölle war das schon wieder ?Shelby analysierte schnell die Signatur und verglich sie mit derjenigen der ersten Entladung; sie waren nahezu identisch. Das konnte kein Zufall sein, für ein fluktuierendes natürliches Phänomen war die Übereinstimmung einfach zu groß.
Aufgeregt analysierte er die übrigen Sensorwerte und es gelang ihm, ein unscharfes visuelles Abbild der Quelle auf den Schirm zu bekommen: es war ein großes flaches gleichförmiges Objekt mit einigen symmetrischen Erhebungen und es pulsierte regelmäßig. Eine Warnmeldung blinkte auf: unbekannte Lebensform. Nicht zu fassen ! Hier war er also, der Jackpot, auf den er solange vergeblich gewartet hatte: fremdes Leben, und dazu an einem so seltsamen von allen Göttern verlassenen Ort.
Sicher es gab da einmal eine Theorie über Leben in der Atmosphäre von Gasriesen, aber als man schon so viele untersucht hatte und auch theoretische Erwägungen dagegen sprachen, wurde sie irgendwann endgültig fallen gelassen. Warum fand er gerade jetzt den ultimativen Gegenbeweis, seinen goldenen Stern ? Jetzt, wo er der Tiefe des Strudels kaum noch entkommen konnte ?
Er war so gut wie tot, und das Vieh da draußen, schien das auch zu wissen, denn es näherte sich nun langsam. Shelby hielt sich fest, wenn er auch verloren war, so wollte er doch bis zuletzt bei Bewußtsein bleiben und sich nicht durch einen unglücklichen Sturz um die wenige Zeit bringen lassen, die er noch am Leben sein würde.
Der Ruck, der nun durch das Schiff ging, war sehr heftig, und doch hielt er stand; die Lebensform scheuerte mit ihrem riesigen Körper am Rumpf des Schiffes und brachte es langsam zum Stehen. Dann sah er sie: dutzende winziger roter Augen ragten aus den Erhebungen einer flachen Masse hervor, die beständig ihre Farbe zu ändern schien, vielleicht ein Tarnmechanismus ? Neugierig schienen die zahlreichen Augen jede Nuance des Schiffes abzutasten, fast wie ein Kind, das ein seltsames Spielzeug gefunden hatte, während sie langsam immer tiefer sank und den Gleiter dabei mitnahm. Das Ende war nahe, aber immerhin war es kein Tod wie jeder andere; es war nur schade, das er niemanden davon erzählen konnte.
Dann passierte etwas unerwartetes. Eine zweite gleichartige Kreatur tauchte plötzlich auf und rammte seinen Begleiter, so das er plötzlich wieder frei kam. Shelby bediente routiniert den Analysator, während er nach draußen sah, um so viel von dem Geschehen mit zu bekommen wie nur möglich, ein vorbildlicher Pilot bis zuletzt, auch wenn die aufgezeichneten Daten bald in den Tiefen des Gasriesen verschwunden sein würden. Es sah nach einem Streit aus, wie ein Streit zweier Kinder um einen Ball oder ein Feuerwehrauto, und das Spielzeug war sein Gleiter. Schließlich gewann eine Kreatur die Oberhand, und stieß ihren Widersacher mit aller Kraft in die Tiefe.
In diesem Moment kam Shelby eine Idee: wenn es ihm gelänge, von außen wie eine dieser Kreaturen zu wirken, dann konnte er sie vielleicht damit provozieren. In aller Eile bediente er die Steuerelemente, sichtete die aufgezeichneten Daten und veränderte die äußere Signatur seines Schiffes so, das es von außen wie eine angreifende Kreatur aussehen musste; nun konnte er nur hoffen, das sein kleiner Freund den Köder auch schluckte.
Und das tat er: mit einer stetig steigenden Geschwindigkeit näherte die Kreatur sich dem Schiff, dessen Pilot nunmehr alle Energie auf die Schilde gab. Der Stoß war enorm stark, die Trägheitsdämpfung tat ihr äußerstes und doch konnte sie nicht verhindern, das er abermals herumgeschleudert wurde. Der Gleiter schnellte nach oben und erhob sich über das Auge des Sturms; mühsam richtete Shelby sich auf, schleppte sich zur Steuerkonsole, öffnete den Tank und zündete den Treibstoff. Ein zweiter gewaltiger Ruck ging durch das Schiff und es entkam der Anziehungskraft des Gasriesen, während er sich unter dem Sitz fest gekeilt hatte und mit Schmerzen die enorme Beschleunigung ertrug. Mit letzter Kraft setzte er einen Kurs zurück zum Forschungskreuzer und die Notreserve wurde freigegeben.
Es dauerte eine Weile, bis er sich wieder ganz auf den Pilotensitz setzen konnte, völlig erschöpft und sehr erleichtert. Er musste Lachen. Er war noch am Leben ! Nun war es endlich geschafft: sein Stück vom Ruhm, sein goldener Stern und die letzte große Anerkennung, die ihm die Werbung und die Ausbilder immer versprochen hatten, und von der doch so wenig zu sehen war. Ein goldener Stern, eine große Leistung für die Wissenschaft und eine Gehaltszulage. Was wollte man mehr ? Bald würde man hier eine Station errichten, um das neu entdeckte Leben zu untersuchen; sie würden die Kreaturen einfangen und sezieren, und vielleicht auch klonen, sicher aber ihr Verhalten ausführlich studieren. Wenn sie dann genug über sie wüssten, dann würden die Touristen kommen, vielleicht nicht viele, aber sehr zahlungskräftige. Später würden sie dann in irdischen Zoos landen, in denen sie der breiten Masse als Unterhaltungsobjekt dienen; sicher, viele der Kreaturen würden daran zugrunde gehen, bis man endlich herausgefunden hätte, wie man sie in Gefangenschaft am Leben erhält, aber am Ende hätten alle etwas davon, außer eben die Kreaturen. Shelby dachte nach. Außer ihnen gab es nichts im System, was eine menschliche Präsens rechtfertigte, keine Rohstoffe, keine anderen Planeten oder interessante Monde. Hier gab es nichts außer ein paar Trümmer; wahrscheinlich würde nach ihm niemand mehr den Weg hierher finden, wenn es denn nicht die Kreaturen gäbe. Vielleicht sollte er...
„Hier ist Mission Control ! Commander Shelby, bitte kommen ! Commander Shelby, melden Sie sich !“
„Hier Commander Shelby melde mich zurück !“
„Commander Shelby ! Endlich erreichen wir Sie !“
„Ja, der Funk war eine Weile gestört, wie das manchmal so ist, in der Nähe von Gasriesen.“
„Haben Sie irgendetwas verwertbares gefunden ?“
Shelby dachte kurz nach. „Nein, nichts besonderes. Keine verwertbaren Mengen an Rohstoffen, kein Siedlungsraum und kein Leben, eben nichts was wir brauchen könnten. Ein mieser Ort, wenn sie mich fragen...“
„Ja, da haben sie wohl diesmal wieder das kurze Holz gezogen“, der Funker lachte.
„Sieht wohl so aus.“
Shelby schaltete das Funkgerät ab und löschte die Aufzeichnungen, die er gemacht hatte. Auf dem Kreuzer wartete ein warmes Essen aus der Kantine auf ihn, vielleicht noch ein Drink an der Bar und vor allem ein Bett. Er dachte an die Kreatur im Auge des Sturms. Für den silbernen Stern hat es heute nicht gereicht und auch nicht für den goldenen, aber es war eine Entscheidung, mit der Sie beide leben konnten...



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"Hauer gegen Krallen im Sturm" von Igel
Spoiler

Heute soll es regnen, so richtig stürmen soll es und genau aus dem Grund werden wir unserem alljährlichen Ritual nachgehen, nackerlnd im Sturm tanzen und unsere Sinne vom Winde berauschen lassen. Der Erste zieht sich schon die Kleider vom Leib, der Nächste tut es ihm gleich, es folgen immer mehr, auch ich, automatisch von der Masse gezogen, entledige mich meiner Tracht. Tanzend bewegen wir uns im Kreis. Donner ertönt, Blitze sind sichtbar, wir drehen uns immer mehr. Eine Stimme ruft: „Gleich werden wir einander die Hände halten und uns energetisch von den Blitzen aufladen lassen.“ „Also, gibt euch die Hände.“ Gemeinsam sprechen wir: „Gib uns die Kraft, wir sind nackerlnd, frei von Stoffen, wir möchten die Kraft des Sturms, lasst es uns zukommen, damit wir gegen die Feinde ankämpfen können.“

Nachdem ne Menge an Energie in Form von grellen Blitzen in uns eindringt, machen wir uns auf, Richtung Norden, zuvor wird die Kampfrüstung angelegt. „Auf auf, ihr Männer und Frauen, auf zur Schlacht, der Sturm ist ein Zeichen dafür, dass wir genau das Richtige planen, jetzt wo wir die Kraft erlangt haben, müssten wir gutes Spiel haben.“

Die Katapulte sind aufgestellt, jetzt schleudern wir Mengen von Margarine in Richtung Feind. So viel, bis jeder einzelne von ihnen damit eingesifft ist und sich nicht mehr halten kann. Allesamt flutschen sie den Berg hinunter, direkt in die von uns gebuddelte Grube. Nass vom Regen möchten wir unseren Sieg feiern, die Kraft des Sturms hat uns die leuchtende Idee gebracht. Doch dann, was passiert da, die Feinde glitschen sich mit voller Kraft aus der Grube, wie Gummi schleudern sie durch die Gegend, es ist uns unmöglich, ihn zu stoppen während er durch unsere Leute hindurchflutscht und sämtliche von uns zu Boden befördert.

Ich vernehme wieder den Sturm, es regnet verstärkt, die Hoffnung keimt auf, dass unser Fehler, vom Feinde weggewaschen wird.
Klargespült und befreit von Margarine sind wir ihnen wieder ebenbürtig.
Aber bevor wir zum nächsten Schlag ausholen können, werden wir von Baumlianen gefesselt.
Doch es zischt ein Blitz aus dem Himmel, die Liane ist entzwei und wir wieder frei. Mehre Blitzte umkreisen uns jetzt, wir sind regelrecht eingekesselt von Blitzen, welche sich fortwährend in unsere Rücken entladen, den Rückenmark hochfahren und im Gehirn ihre volle Wirkung entfalten. Euphorisch nehmen wir eine Veränderung in uns wahr.

Wir wissen, wir dürfen nicht übermütig sein, denn auch der Feind besitzt Kräfte, unglaubliche, denn nur so konnte er uns überwinden, auch wenn es nur für kurze Dauer war. Eines der Kräfte die der Feind besitzt ist sich so oft es geht die Zähne aus dem Maul zu hacken, damit er uns damit beschießen kann, in sekundenschnelle wachsen ihm die Hauer wieder nach.
Drei Zähne stecken in meiner Stirn, wimmernd liege ich auf dem Boden. „Ah, uh, wie grausig, was soll ich bloß machen, es geht mit mir zu Ende.“
Doch die Hauer in mir drehen sich, ich spüre mich wieder jung und frisch, ich besitze eine neue körperliche Waffe, Stirnhauer. Wenn ich jetzt meinen Schädel gegen den Feind donnere, dann wird es ihm nicht gut bekommen. Ich sehe wie auch vielen anderen aus meiner Truppe verschiedene Varianten von Hauern wachsen, bestehend aus den Zähnen mit denen sie zuvor beschossen wurden.

Der Wind bläst sehr stark, man kann sich nur schlecht halten, wir hackerln uns mit den Hauern in den Boden um nicht weggeweht zu werden, doch er ist bereit uns unsere nächste Kraft zu demonstrieren, wir erheben uns vom Boden und fliegen mit Hilfe des Sturms in Richtung Feind, nach und nach können wir sie bekämpfen, von oben überraschen wir jeden einzelnen und wickeln sie in Baumrinde ein. Doch dem Feind wachsen jetzt ellenlange Nägel. Fuß-und Fingerkrallen, meterlang. Damit durchschneidet er die Baumrinde und schafft es mit Kraft der langen Fußnägel sich zu uns zu hoppeln. Bei jedem neuen Stoß biegen sich die Nägel leicht zusammen, um so Energie für neue Sprünge zu konzentrieren und dann freizusetzen.

Jetzt stehen wir uns gegenüber, der Feind auf der einen Seite und wir auf der anderen. Sie mit langen krausligen Fußnägeln und wir mit Zahnhauern im Leibe als Waffe. Wir rennen aufeinander zu, unsere Zahnhauer und deren Krallen dringen ineinander ein. Wir und sie sind gleichermaßen eingefangen, es gibt kein entkommen, wir können nicht anders und müssen uns mit dem Feind verbünden. Im Team gelingt es uns uns zu befreien, unsere Zähne von deren Nägel zu lösen. Kaum sind wir befreit ist es uns schier unmöglich den Feind noch Feind zu nennen, denn dies ist er nicht mehr. Wir merken, dass eine neue Kraft in uns allen wächst, im ehemaligen Feind, wie in uns. Eine Kraft des Geistes.

Der Sturm bläst erneut äußerst stark, wir vernehmen wie er uns folgende Worte überbringt. „Ihr seid jetzt vereint und doppelt so stark, nutzt die Kraft um so gegen echte Feinde zu bestehen. Ich merke wie die Zähne innerhalb meiner Stirn sich verkleinern und ganz in sich zusammenziehen, bis sie nicht mehr vorhanden sind. Alle Zähne, außer natürlich die im Munde, verschwinden. Der Feind schneidet sich die ellenlangen Nägel ab um so den Frieden zu demonstrieren.

Gemeinsam und vereint reichen wir uns im Kreise die Hände und tanzen nackerlnd in dem Sturm, der die ganze Zeit nicht von unsere Seite wich.


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"Ein stürmisches Treffen" von Biber
Spoiler
Ich kann gar nicht so genau sagen, wie lange es mich schon gibt. Die Winde flüsterten in einem wilden Tanz der Leidenschaft meinen Namen – und ich war geboren. Die Natur ist eine stille Mutter und ich war mit dem Wissen entstanden, eine Laune ihrerseits gewesen zu sein. Ausgestattet mit der Macht, die nächste Umgebung meines unsteten Daseins ins Chaos zu stürzen, eine neue Umwelt zu kreieren. Es gibt da eine Lebensform, auf sie übe ich anscheinend eine besondere Faszination aus.

Sie gaben mir sogar einen Namen in ihrer Sprache. Die Einen sprechen ihn verärgert, bedrückt oder angstvoll aus, die Anderen sind von Faszination erfüllt. Mich interessiert das herzlich wenig. Wenn ich komme, dann reiße ich ihre Besitztümer mit mir – und manchmal auch Jemanden aus ihren Reihen. Dies ist mein Beitrag zu dem fehlenden Ausgleich, welcher durch ihre Einmischung in unsere Ordnung nötig ist. Immer wieder kreuzen Gebilde aus natürlichen Verwandten von diesen Wesen zusammengestellt meine Wege. Wie zum Spott versuchen sie sich damit Schutz vor eben jener Natur zu schaffen, der sie diese beraubt haben. Es steht ihnen frei dies zu tun, viele tierische Genossen machen es nicht anders, aber diese sorgen zumindest auch früher oder später auf ihre Weise für Entschädigung. Ein Nehmen setzt auch ein Geben voraus, so wurde es mich gelehrt. So hieß es von der Stimme um mich herum, die mich leitet.
Da es aber nun einmal eine große Differenz zu dem Maß dieses Attributes gab, schlüpfe ich in die Rolle des wütenden Richters. Dabei gebe ich zu, es macht mir Spaß. Auch ich bin ein Element innerhalb des Kreislaufes und meine wilde Art kommt gerade bei Akten der Vergeltung auch sehr direkt zum Ausdruck.
Umso verrückter, was ich da nun vor mir sehe. Ich befinde mich derzeit wieder auf dem Weg zu einer Ansammlung der regelmissachtenden Lebewesen. Doch statt vor mir zu flüchten, verfolgt mich eine kleine Gruppe dieser Rasse mit ihren Gerätschaften. Was wollen die von mir?

Diese Seltsamkeit ist mir nicht ganz geheuer. Wenn ich Pech habe, wollen sie mich auf irgendeine Art so missbrauchen wie meine Verwandten. Diese Narren, wenn sie mich wirklich zähmen wollen, werde ich sie hinweg pusten. Das wird ein netter Anblick, wie sich ihre Bande in alle Richtungen verstreut. Es kribbelt mir leicht in meinen wirbelnden Aufwinden, ja kommt ruhig noch etwas näher – damit ich euch packen kann!

Dennoch, mein Hauptziel ist die Siedlung. Am Ende ist das nur ein Ablenkungsmanöver, opfern sich für den Rest ihrer Brut. So ganz schlau werde ich aus ihrem Verhalten nie so richtig. Sie nähern sich mir tatsächlich immer mehr. Allmählich fühle ich mich bedrängt. Es ist besser, wenn ich mich beeile – also verstärke ich meine Winde. Es hat etwas animalisches, wie mein unantastbarer Körper die Erde unter mir mitzieht. Aus irgendeinem Grund entfährt mir ein pfeifendes Lachen, selbst das dürfte auf meine Verfolger bedrohlich wirken.

Jetzt wird mir komisch – die fahren ernsthaft IN MICH REIN??!
Was denken die sich bloß? Aber gut, dann haben sie es so gewollt. Mein Fokus wechselt auf ihr Fortbewegungsmittel, ich werde es krallen, mit ihm spielen – bis ich an meinem Ziel bin wird das eine nette Unterhaltung. So greifen meine untersten Lüfte nach ihnen. Doch sie sind gut, mein erster Griff streift sie nur. Sie dringen weiter vor. Das gefällt mir nicht, ich muss sie jetzt kriegen!
Noch einmal wanderten meine Griffel hinab, ich heule tobend auf. Da! Fast hätte ich sie gehabt, doch da war ich zu ungestüm. Gerammt habe ich sie, dass ihre Kiste sich zur Hälfte drehte.

Noch ergeben sie sich aber nicht. Ungläubig beobachte ich ihr Vorhaben, immer näher kommen sie meinem inneren Kern. Nicht gut, gar nicht gut. Dort kann ich ihnen nichts mehr entgegensetzen. Wissen sie das etwa?

Plötzlich gibt es noch einen Schub und sie sind drin. Es fühlt sich wie eine Niederlage an. Was immer sie da treiben, sie sind nun am Zentrum meiner verheerenden Erscheinung. Warum lächle ich? Ich weiß es nicht, aber etwas an dieser Situation erheitert mich. Ja, ich frohlocke regelrecht. Nach einem für mich unendlich lange wirkenden Aufenthalt in meinem sicheren Zentrum scheinen sie wieder Abschied von mir nehmen zu wollen. Es wundert mich, aber Enttäuschung steigt in mir auf. Andererseits, vermutlich war das nur das Gefühl etwas Neues erlebt zu haben. Diese Wesen waren schon mysteriös. Als sie wieder auf die inneren Luftwände drücken, zeigte ich Erbarmen. Mit ein wenig Rückenwind gebe ich sie wieder frei.

Noch ein letztes Mal blicke ich zurück auf ihr Gefährt – und ändere meinen Kurs, abseits ihrer Artgenossen. So viel Mut – oder Wahnsinn – verdient auch von mir Respekt.

Das nächste Mal, sage ich mir noch und wehe fort.



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