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Allmystery Kurzgeschichten Wettbewerb - Juroren gesucht!

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Allmystery Kurzgeschichten Wettbewerb - Juroren gesucht!

25.07.2013 um 21:06
Alle Geschichten Teil 2:


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"Das Gewissen stribt nicht" von Hase
Spoiler

Eine Bootstour. Wie langweilig. Doch Lisa hatte es ihm schon versprochen. Phil und sie, an einem späten Abend. Sie würden gemeinsam der untergehenden Sonne entgegen paddeln und vielleicht sogar ein romantisches Picknick auf dem Boot machen. Oh, ja. So würde es sein.
Doch Lisa drehte sich der Magen um, wenn sie genauer darüber nachdachte. Viel lieber würde sie mit Henrik den heutigen Tag verbringen. Sie rief sich den gut gebauten Mann vor Augen, mit seinen braunen gewellten Haaren, die ihm immer wieder in die Augen fielen. Ein warmes Gefühl des Glücks durchfuhr sie, wenn sie sich vorstellte heute die Nacht bei ihm zu sein, statt bei ihrem Freund.

Ihr Fahrrad hielt vor dem wenig ansehnlichen Hochhaus, indem sie im dritten Stock zusammen mit Phil wohnte. Sie verdienten beide nicht viel Geld, deswegen reichte es einfach nicht für etwas schickeres, doch das war Lisa herzlich egal. Sie war nicht zimperlich und solange sie an ihrem Wohnort nicht um ihr Leben fürchten musste, konnte sie sich mit nahezu allem arrangieren.


Während sie die Eingangstür aufschloss angelte sie ihr Handy aus der Manteltasche. Keine Sms, stellte sie ernüchtert fest. Sie spürte wie sich ein Gefühl der Enttäuschung und der Wut auf sich selbst einstellte. Vielleicht verrannte sie sich da in etwas. Vielleicht wäre es besser alles zu beenden, wenn es sich ohnehin nicht lohnte.

Lisa quetschte sich in den überfüllten Aufzug, entschuldigte sich bei einer meckernden alten Dame, der sie versehentlich auf den Fuß getreten war und huschte wieder hinaus, als der kleine Bildschirm „3“ in Leuchtziffern anzeigte.

In der Wohnung sah es überraschend aufgeräumt aus. Morgens hatte es noch nach Bier gestunken und es hatten überall Flaschen herumgelegen. Phil hatte gestern einen Männerabend veranstaltet, das tat er mindestens einmal in zwei Monaten.
Lisa warf ihren Mantel ab, ging ins Wohnzimmer und ließ sich mit einem lauten Seufzer auf die Couch sinken.
„Na, hattest du mal wieder einen anstrengenden Tag, Süße?“, ertönte es aus der Küche.
Lisa gefror das Blut in den Adern. Nein, das konnte nicht wahr sein. Henrik erschien grinsend an der Tür.
„Ist mir die Überraschung gelungen?“, fragte er und zwinkerte. Lisas Brust fühlte sich an als würde sie jeden Moment platzen. Freude machte sich in ihr Breit, aber auch Aufregung und Angst.

Sie sprang auf und eilte zu ihm. „Was machst du hier?“, zischte sie und blickte sich ängstlich um als könnte ihr Freund jeden Augenblick aus einer Ecke hervorspringen.
„Ich habe dir doch gesagt, den Schlüssel sollst du nur nutzen, wenn es absolut sicher ist. Aber Phil muss gleich von der Arbeit kommen. Was hast du dir dabei gedacht?“
Henrik grinste breiter und legte seine Hände um ihre Hüften. „Ach süße, komm schon. In Wirklichkeit freust du dich doch, dass ich hier bin.“ Er legte den Kopf auf die Seite und schaute sie fragend an.
Lisa stöhnte leise. Dann huschte ein zaghaftes Lächeln über ihr Gesicht. „Vielleicht ein Bisschen.“ gestand sie. „Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass das absolut leichtsinnig war. Phil macht oft früher Feierabend, was meinst du was passiert wäre wenn er dich hier erwischt hätte, oh das mag ich mir gar nicht ausmalen.“

Ihre letzten Worte waren untergegangen, denn Henrik hatte begonnen sie inniglich zu küssen. Sanft versuchte er sie zum Bett zu schieben, doch Lisa blieb standhaft.
„Wir können jetzt nicht....“, machte sie ihm mit einem Ton in der Stimme klar, der keinen Widerspruch zuließ.
Von unten hörte man einen Motor aufheulen. Mit einer bösen Ahnung eilte Lisa zum Fenster. Es war ihr Freund, Phil.
„Du musst verschwinden.“, rief sie und wirbelte herum.
„Ich glaube eher, dein toller Freund muss langsam verschwinden.“, entgegnete Henrik und ihr war als könnte sie Ungunst aus seiner Stimme hören.
Sie betrachtete ihn kurz, ging dann langsam auf ihn zu und legte beide Arme um seinen Hals. „Ja, ich weiß. Aber gib mir noch ein bisschen Zeit.“, bat sie und setzte ein Lächeln auf, dass dem eines Engels glich. Damit hatte sie schon als Kind immer das erreicht was sie wollte.
„Ich möchte nichts überstürzen, das musst du doch verstehen. Die ganze Situation ist nicht einfach.“

„Nagut. Aber würde ich dich nicht so sehr lieben, würde ich dich in den Wind schießen.“

Sie gingen zur Wohnungstür, Lisa musste sich zusammen nehmen um ihn nicht hektisch nach draußen zu stoßen.
„Ich melde mich bei dir.“, flüsterte sie und gab ihm einen letzten Kuss auf seine zarten Lippen.
„Und danke für´s Aufräumen. Aber denk dran, so eine Aktion nie wieder.“
Henrik strich ihr über die Wange. „Ich muss doch für meine Lady interessant bleiben und die Spannung zwischen uns aufrecht erhalten.“, lachte er leise. „Ein wenig gemeinsamer Nervenkitzel kann ungeheuer anregend sein.“
Mit diesen Worten verschwand er und Lisa seufzte laut auf. Sie betete, dass er schlau genug war um darauf zu achten Phil nicht direkt in die Arme zu laufen.
*
Ein paar mit Herzen verzierte Kerzen waren auf der Ablage am Ende des Bootes aufgestellt. Es war bereits dunkel, aber noch sehr warm. Phil und Lisa saßen nebeneinander mit einer Decke um ihre Körper gewickelt und tranken Champagner.

Ein leichter Wind wehte, jedoch nicht stark. „Ist das nicht schön?“, fragte Phil. „Endlich mal wieder einen Abend nur für uns zwei.“

Lisa nickte und drückte sich zärtlich gegen die Schulter ihres Freundes. „Aber nochmehr – noch viel mehr – freue ich mich auf unsere Hochzeit.“
Die Worte trafen Lisa wie eine Ohrfeige. Phil drückte sie etwas von sich weg um ihr ins Gesicht schauen zu können. Erwartete er eine Reaktion? Gezwungen lächelte Lisa und nahm einen Schluck Champagner um Zeit zu gewinnen.
„Ja.“, entgegnete sie heiser. „Ich mich auch.“ Die Hochzeit. Phil und sie würden im Januar heiraten. Das hatte sie vollkommen vergessen, oder was viel wahrscheinlicher war, sie hatte es schlicht verdrängt.

An einem Bein vibrierte etwas. Ihr Handy. Sicher war es Henrik. Zum ersten Mal seit längerer Zeit meldete sich in ihr ein unangenehmes Gefühl, statt ein freudiges. Für gewöhnlich war eine Nachricht von Henrik der absolute Höhepunkt ihres Tages, sofern sie sich nicht selbst treffen konnten. Kein Zweifel, in ihr meldete sich ein schlechtes Gewissen. Sie nahm einen weiteren Schluck. Das Gefühl breitete sich immer weiter in ihr aus, drohte sie zu ersticken.

„Lisa?“, fragte Phil vorsichtig.
Sie war gerade im Begriff zu antworten, als ihr bewusst wurde wie enorm sich der Wind verstärkt hatte. Ihre Haar wirbelten um sie herum, doch es war ihr egal. Henrik. Phil. Henrik. Phil.
Sie erinnerte sich an die Worte Hendriks. Er wollte die Spannung aufrecht erhalten. Die Spannung zwischen ihr und Phil war hingegen schon seit einem Jahr nicht mehr das was sie einmal gewesen war.
Hatte es überhaupt mal so etwas zwischen ihnen gegeben? Bilder stiegen in ihr hoch, von ihrem ersten Treffen und ihrem Kennenlernen. Sie waren sich auf einer Tanzveranstaltung begegnet und er hatte sie aufgefordert. Zuerst hatte sie sich nicht getraut, denn sie war denkbar ungeschickt, selbst bei den einfachsten Schritten . Als sie sich irgendwann gefügt hatte, hatten sie bis spät in die Nacht hinein getanzt. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Damals hätte sie es nicht für möglich gehalten, dass sie ihn einmal eiskalt betrügen würde.

„Ich muss dir etwas sagen!“, erklärte Lisa und erschrak sich im nächsten Augenblick. Hatte sie diese Worte gerade tatsächlich ausgesprochen?

„Einen Moment!“, rief er. Der Wind war mittlerweile zu einem Sturm geworden und Phil nahm die Ruder in die Hand um das Boot in Richtung Ufer zu lenken.
Der Sturm spiegelte beeindruckend genau das wider, was in Lisas Inneren vor sich ging.
Erst als die Wellen sich türmten und das Boot gefährlich schaukelte, registrierte sie wie fatal ihre Situation war. Ängstlich krallte sie sich an Phil fest. Es wurde immer schlimmer.
Bis zum Ufer war es noch ein ganz schönes Stück. „Wir müssen hier weg!“, schrie Lisa, doch sie hatte das Gefühl, der Sturm wehte ihre Stimme hinfort.
Die Kerzen wackelten, geistesgegenwärtig ergriff Lisa sie und warf sie kurzerhand ins Wasser.

Ab dem Moment ging alles ganz schnell und auch später konnte sie sich nur noch vage an diesen Zeitabschnitt erinnern. Das Boot kenterte, sie fielen in das eiskalte Nass. Überall war Wasser. In ihrer Nase, in ihrer Kehle. „Das ist meine Strafe.“, fuhr es Lisa blitzschnell durch den Kopf. Irgendwie gelang es ihr wieder an die Oberfläche zu kommen. Sie atmete gierig die Luft ein und versuchte Phil zu entdecken.

„Phil!“, schrie sie ohne sicher zu sein, dass diese Stimme wirklich zu ihr gehörte. Alles in ihr war nur noch voller Angst. Die Gedanken in ihrem Kopf verschwammen, sie spürte die nackte Panik in jeder Faser ihres Körpers. Ihre Augen brannten stark, nun war auch noch Regen hinzugekommen. Von irgendwo her hörte sie einen Motor. Hatte man sie bemerkt? Kam man ihnen zu Hilfe. Wo war Phil? Sie hatte Mühe sich über Wasser zu halten, der Sturm schien von Sekunde zu Sekunde stärker zu werden, immer weiter wurde sie von ihrem umgedrehten Boot weg getrieben.
Phil. Phil. Wo bist du nur?
*
Langsam öffnete sie die Augen. Weiß. Sie starrte an eine weiße Decke. Als sie sich aufrichtete, spürte sie einen stechenden Schmerz in ihrer linken Hüfte. Es dauerte ein paar Sekunden bis die Erinnerung ihr nach und nach wieder bewusst wurde. Phil. Die Angst lähmte sie. Der Sturm. Das Boot. Tränen kullerten über ihre Wange ohne, dass sie es registrierte. War er tot?

Sie blickte sich um. Anscheinend befand sie sich in einem Krankenzimmer. Lisa setzte ihre Füße auf den Boden und versuchte aufzustehen. Ihre Beine waren weich, drohten jeden Augenblick unter ihr nach zu geben.
In dem Moment wurde die Tür geöffnet und ein Mann im Kittel mittleren Alters mit einer Glatze und einem Schnauzbart trat ein. Als er Lisa sah weiteten sich seine Augen. „Ich bitte Sie, Sie dürfen noch nicht aufstehen. Ruhe sollte jetzt ihr oberstes Gebot sein.“

„Wo ist mein Freund?“, fragte Lisa und nahm wahr wie sehr sie begann zu zittern. Der Arzt betrachtete sie ernst und ihr war als würde ihr Herz jeden Moment aussetzen. „Ihr Freund ist außer Lebensgefahr, allerdings ist er noch sehr schwach. Er ist seit ein paar Minuten wieder bei Bewusstsein.“
Lisa ließ sich zurück auf das Bett sinken und weinte vor Erleichterung. „Sie hatten großes Glück!“, fuhr der Doktor fort. Sie gerieten gestern in einen sehr schlimmen Sturm. Zwei Mitarbeiter der Küstenwache sind Ihnen zur Hilfe gekommen.“

Nach einigem Drängen und Bitten gestattete er ihr schließlich Phil in seinem Zimmer zu besuchen. Als Lisa eintrat und ihren Freund sah, fragte sie sich ob sie sich schon jemals so sehr gefreut hatte ihn zu sehen, wie in diesem Moment. Er sah noch sehr blass aus, offenbar hatte er sich am Kopf verletzt, denn er trug einen Verband. Als er die Augen öffnete und sie erblickte, lächelte er sanft und streckte den Arm nach ihr aus. Wortlos setzte sich Lisa neben ihn und nahm seine Hand in die ihre. „Ich hatte Angst um dich.“, sagte sie tonlos. Er nickte. „Ich weiß.“

Lisas Blick fiel auf den kleinen Nachttisch neben Phils Bett. Dort lagen Gegenstände, die wohl aus dem Wasser gefischt wurden waren. Mechanisch ergriff sie ihr Handy, klappte es auf und schaute in ihren Posteingang. Aus den Augenwinkeln bemerkte sie Phils irritierten Blick. Die SMS von Henrik, die sie gestern im Boot erhalten hatte. „Na, süße. Hast du Lust auf ein gemütliches Abendessen zu zweit? Dann komm morgen Abend zu mir und bring etwas Zeit mit. Küss dich.“
Lisa drückte den roten Knopf ohne weiter darüber nachzudenken. „Ihre Nachricht wurde gelöscht“
Sie lächelte. Dann legte sie das Handy beiseite und gab Phil einen langen Kuss auf den Mund. Zum ersten Mal seit etlicher Zeit fiel ihr auf wie gut er roch. „Sag mal.“, begann er. „Du wolltest mir gestern auf dem Boot etwas sagen. Was war es?“ Lisa betrachtete ihn kurz, dann legte sie ihren Kopf auf seine Brust und schloss die Augen. „Ja. Ich wollte dir sagen, dass ich mich sehr auf unsere Hochzeit freue.“


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"Ein freier Tag beginnt am Meer" von Luchs
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Endlich war es wieder soweit, heute war sein freier Tag und er würde ihn verbringen wie er bisher jeden freien Tag verbrachte hatte seit er hier angekommen war. Am Strand, und zwar an seinem Lieblingsplatz in einer kleinen Bucht auf der Ostseite der Insel nur über eine versteckten Dschungelpfad zu erreichen. Hier ragten zwei Kokospalmen mit ihren Stämmen ein wenig über das Wasser, so dass er zwischen ihnen eine Hängematte aufspannen und es sich darin bequem machen konnte. Keine Hektik, kein Lärm, keine Menschen, keine Dunkelheit, nur Wärme und Licht und bei Bedarf eine erfrischende Abkühlung, kurz gesagt nur er, die Palmen und die Südsee.

Nachdem er sich mit einem sanften Schwung in eine horizontale Position ungefähr einem Meter über der Wasseroberfläche gebracht hatte ohne dabei ins selbige zu fallen, begann er mit sich und seiner Situation zufrieden ein wenig zu schaukeln und dabei gedankenverloren in den türkisblauen Himmel zu starren. Es wurde bereits merklich wärmer, obwohl das Blätterdach der fast die Wasseroberfläche berührenden Palmenkronen noch einen schützenden Vorhang gegen den Horizont bildeten über dem die Sonne gerade aufgegangen war. Er konnte also noch mindestens eine Stunde relaxen, bevor er sich samt seiner Hängematte einen neuen Platz suchen musste, um den brennenden Strahlen zu entgehen, denen er mit steigendem Sonnenstand bald schutzlos ausgeliefert sein würde. Eine Stunde aber würde reichen, um ein wenig entspannen zu können. Er schloss genüsslich die Augen und versuchte mit ganzer Kraft einen tiefen Atemzug der salzhaltigen Meeresluft zu nehmen als er merkte, dass diesmal irgendetwas anders war als sonst. Ein kaum beachtenswertes Detail passte heute nicht in den nun schon fast zur Routine gewordenen Ablauf seines freien Tages.

Zunächst spürte er nur einen kühlen ablandigen Luftzug, kaum wahrnehmbar, doch sehr ungewöhnlich für den Beginn eines heißen Sommertags in diesen Breiten.
Etwa 10 Sekunden lang redete er sich ein, vollkommen überspannt zu seine und demzufolge einer Täuschung zu unterliegen. Half aber nichts, der Eindruck wurde eher stärker als schwächer. Also öffnete er neugierig die Augen und blickte landeinwärts als ihm der Gedanke kam, dass etwas fehlte. Bloß was ? Er sah zum Himmel, blau und wolkenlos wie immer. Dann blickte er auf den dichten Dschungel hinter sich als ihm plötzlich klar wurde was er seit einigen Augenblicken vermisste. Ein Geräusch im Hintergund, das beruhigende Geräusch der gleichmäßig an den Strand schlagenden kleinen Wellen, dass er so sehr liebte war jetzt beim besten Willen nicht mehr zu hören. Er drehte ein wenig den Kopf in Richtung Meer und bemerkte erstaunt, dass neben dem Geräusch auch das Meer selbst vom Ufer verschwunden war und sich langsam aber stetig in Richtung Horizont zurückzog. Unter sich konnte er bereit den von Muscheln und kleinen zappelnden Fischen übersäten Meeresboden sehen, in dem einige Rinnsale noch davon kündeten, dass es hier irgendwann einmal Wasser gegeben haben musste. Das konnte nur eins bedeuten und schien zunächst völlig unmöglich zu sein. Ein bereits etwas hecktischer Blick zum Horizont machte ihm schlagartig klar dass hier nichts aber auch gar nichts unmöglich war. Scheiße, dass gibt’s doch nicht, zuckte es durch sein Hirn, als er den weißen Streifen bemerkte der sich über sein gesamtes Blickfeld erstreckte und das Blau darunter schnell größer wurde. Das konnte eigentlich nur eins bedeuten. TSUNAMI, Ich glaub‘s einfach nicht hörte er sich leise flüstern, diesmal von einem nervöses Rumoren im Darm begleitet, als müsse er dringend aufs Klo.

Sein Hirn weigerte sich noch immer das Wahrgenommene als Realität zu betrachten während sein Körper sich bereits aus ungewohnter Höhe auf den jetzt blankliegenden ehemaligen Meeresboden fallen lies. Unvermeidlich sich an den scharfkantigen Muscheln die Handflächen aufschneidend wurden seine Füsse wenigstens durch die Plastiklatschen geschützt, ohne die es sowieso äußerst schmerzhaft war den Bereich des Ufers zu betreten. Er bemerkte das er bereits blutete doch das war ihm egal. Sein verstand hatte jetzt mit seinem Körper gleich gezogen und signalisierte den einzig möglichen Ausweg. Jetzt hieß es Land gewinnen und zwar so schnell wie möglich. Er schätzte die Flutwelle auf mindestens 10 m und überlegte ob es auf dieser Insel wenigstens einen Punkt gab der mehr als 5 m die Wasseroberfläche überragte. Im fiel keiner ein. So schnell er konnte versuchte er
durch das matschige Etwas unter seinen Füßen den Strand zu erreichen. Nicht einfach bei den vielen Stolpergelegenheiten, denen es auszuweichen galt. Er hörte plötzlich ein pfeifendes Geräusch, wähnte die Wellenwand bereits kurz hinter seinem Rücken als er merkte das es sein Atem war der sich lautstark bemerkbar machte. Das konnte doch nicht das Ende sein, nicht auf diese unlogische Art. Der Gedanke welche Schlagzeilen sein Tod machen würde und bei allem Beileid auch eine gewisse Heiterkeit hervorrufen würde verdoppelte schlagartig seine Kräfte.

Er erreichte den Strand und konnte schon allein aus Atemnot der Versuchung nicht widerstehen sich noch einmal kurz umzublicken. Die Welle hatte bereits die den äußeren Bereich der Lagune erreicht. Er schätzte sie jetzt auf annähernd 15 m. Er überlegte kurz, ob er mit ausgebreiteten Armen und einem letzten Stoßgebet die Welle über sich hereinbrechen lassen sollte. Jedoch wieder gab sein Körper klar die Richtung vor. Panisch schreiend rannte er den Strand hinauf. Es gab nur noch einen Ausweg dem Ganzen zu entrinnen, er musste sich jetzt blos konzentrieren. Das Tosen der Wassermassen hinter ihm überdeckte bereits vollständig seine japsenden Atemgeräusche als er den Rand des Waldes erreichte. Irgendwo hier musste die einzig mögliche Rettung verborgen sein, aber wo ? Er konnte nicht sehen, dass die Welle, nun ungefähr 20m hoch, gerade die beiden Palmen samt Hängematte unerbittlich zu Kleinholz verarbeitete und den drum herum befindlichen kurzzeitig trocken gelegten Meeresboden wieder begierig in Besitz nahm. Er musste sich konzentrieren, obwohl er am liebsten gekotzt oder sich in die Hosen gemacht hätte, am besten gleichzeitig. Wie durch ein Wunder entdeckte er schließlich auf dem Trampelpfad den Stein mit der roten Markierung. Die Welle schwappte bereits über den Strand als er den Sensor auslöste und sich vor ihm in einiger Entfernung wie aus dem Nichts ein Tor öffnete. Er war noch ungefähr 10 Schritte vom Tor entfernt und hörte nun nichts mehr als das tödliche Brausen von herabstürzenden Wassermassen. In seiner Verzweiflung setzte er nach einem lächerlich wirkenden Sprint mit den letzten zur Verfügung stehenden Kräften zum Sprung auf das erst halb geöffnete Schott an und schlug nach einer gefühlten Ewigkeit hart auf kaltem Stahlboden auf. Die Welle war augenblicklich verschwunden. Seine ganzer Körper schmerzte. Er konnte es immer noch nicht fassen. Sein Holodeck hatte gerade versucht ihn umzubringen.



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"Das Meeting der Teufel" von Hirsch
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So verehrter Leser, ich möchte sie mitnehmen, zum jährlichen Meeting in der Hölle. Wie jedes Jahr ist die Apokalypse, wie sie stattfinden soll, wann sie eintreten soll und was alles passieren wird. Anwesend sind Satan, welcher den Vorsitz führt. Er Trägt wie immer nur eine zerrissene Hose, hat die Füße auf dem Tisch, in seiner Linken ein Glas mit dem besten Whiskey und mit seinem Schweif hält er eine dicke, lange Zigarre aus Kuba.. Zu seiner Rechten sitzt Luzifer, der wie immer Berichte von der Eroberfläche hat. Wie üblich ist er nach der Mode, einer der Jugendkulturen gekleidet. Dieses mal trägt er schwere Lederstiefel, eine abgerissene Jeans Hose, das T-Shirt einer Metalgruppe und einen ledernen Cowboyhut. Ihm gegenüber sitzt Mephistopheles, der wie immer das Protokoll führt. Er ist gekleidet, wie er das Letzte mal auf der Erde war, mit einer schwarzen Wollstoffhose, Hemd, Manschetten, Papierkragen, Weste, und einem Gehrock. Neben seinem Papier liegt sein Zylinder. Einen Platz weiter neben Mephistopheles sitzt Lillith, wie üblich unbekleidet. Aber da alle Anwesenden sie schon einmal hatten, lässt sie dieser anblick kalt, so kalt es bei einer Gemütlichen Raumtemperatur von 45°C sein kann. Ihr gegenüber und zum ersten Mal dabei, Loki, der sich seine Beste Rüstung angetan hat.
„So, Jungs, Mädel, nachdem wir letztes Jahr Leviathan rausgeschmissen haben, vielleicht kommen wir endlich mal zu einer Einigung. Mit geht’s so langsam auf die Eier, dass wir so lange mit der Apokalypse brauchen. Immer wenn wir mal n bisschen Werbung machen, können wir uns nicht einigen, wie wir die Party starten. Also, Luzi, erzähl mal was so da oben los ist“, eröffnete Satan die Versammlung.
„Also Leute, es gibt noch einige die dran glauben, das wir's endlich schaffen, obwohl die da oben versuchen uns zuvor zu kommen. Der Kleine Koreaner macht Stunk, Russland ärgert mal wieder die Amis und die Araber gehen mal sich wieder gegenseitig und dem Rest der Welt auf die Eier. Die meisten haben angst, da sie nicht wissen, was für'n Spaß das wäre, wenn wir endlich mal loslegen. Einige wenige wünschen sich die Apokalypse, weil sie keinen Bock auf ihresgleichen haben“, erklärte er und fügte in einer kuschelig weichen Stimme hinzu: „Aber wir sollen doch bitte bitte die restlichen Lebewesen in ruhe lassen“
„Und was ist mit der Klimaerwärmung? Arbeitet die für uns?“, fragte Mephistopheles.
„Wenn wir noch 1000 Jahre warten, dann geht Levi's Wunsch in Erfüllung und alle saufen ab, aber wer will das schon? Die Letzte Poolparty hat ja auch nicht geklappt und die Pappnasen da oben, haben sich durch den Obermotz auf seinen Wölkchen gerettet. Da waren wir echt nah dran!“
„Wieso können wir nicht solange warten, bis dahin ist die Nagelfar auch endlich fertig. Wer ist bloß auf die Idee gekommen das Schiff mit Fingernägeln zusammen zu nageln?“ palaverte Loki dazwischen, hocherfreut das er endlich dabei sein darf.
„Klappe Loki!“, kam es von allen Richtungen und er schrumpfte etwas in sich zusammen.
„Wollen wir uns nicht einfach wieder ne neue Geschlechtskrankheit und neue Perversionen ausdenken und den Menschen einpflanzen. Da könnte ich auch endlich wieder mal n bisschen Spaß haben. Verdammt ich vermisse Donatain.“ schwärmte Lillith vor sich hin und bekam einen träumerischen ausdruck in die Augen.
„Verdammt, ok, Lillith können wir in der nächsten halben Stunde nicht mehr gebrauchen. Ok, Dann jetzt mal n paar vernünftige Vorschläge und Mephistopheles wenn du irgendwas aus den Büchern von Goethe zitierst, dann bringe ich dich um“, knurrte Satan und ließ den Stuhl wieder nach vorne kippen.
„Also ich würde sagen, wir bringen den Menschen einfach noch mehr bei. Was haben sich unsere Labors denn an neuen Waffen ausgedacht, Meph?“ schlug Luzifer vor.
„So einiges, wir haben die Atombomben noch wirkungsvoller gemacht aber das intressiert dich ja nicht. Wir haben endlich den 'Roten Knopf' fertig und neue biologische Kampfmittel. In 2 Jahren könnten wir eine Zombieapokalpse entfesseln“, entgegnete Mephistopheles nachdenklich, Luzifer bekam bei dem Wort „Zombieapokalypse“ ein Leuchten in die Augen. Er hatte schon seit Jahren darauf gewartet diese Nachricht zu bekommen.
„Ok, ja aber daran arbeiten die Menschen auch, was haben wir davon wenn die sich gegenseitig vernichten und wir nichts dazu beitragen außer ihnen das Werkzeug dazu in die Hand zu geben?“, fragte Loki etwas verwirrt. „Da könnten wir auch einfach losgehen und von ein Paar Atommächten Raketen losschicken und auch zusehn.“
„Das wäre das Gemütlichste, wir könnten uns hinsetzen und gemütlich Bier trinken während die die ganze Arbeit machen!“, antwortete Luzifer.
„Wie wäre es wenn wir einfach Feuer vom Himmel regnen lassen und Horden von unseren untergebenen über die Erde schicken. Da können wir auch ein bisschen mitmischen und haben auch unseren Spaß“, gab Loki zu bedenken.
„Das klingt gut, vielleicht können wir noch ein paar Meteoriten einbauen oder noch besser den Mond auf die erde Schleudern“, stimmte Mephistopheles zu, der die Zerstörung liebte.
„Bullshit, zu viel Arbeit, warten wir doch einfach bis wir soweit sind und die Zombieapokalypse entfesseln können. Bis dahin hab ich das perfekte Mixtape dazu!“ wiedersprach Luzifer.
„Jetzt hör doch endlich mal mit deinen Zombies auf! Langsam nervt das!“, polterte Satan, der die Diskussion bis dahin hatte laufen lassen. Er nahm einen letzten tiefen Zug von seiner Zigarre und drückte sie langsam und genüsslich auf der Nase von Luzifer aus der daraufhin wie wild brüllte und fluchte. Wäre die Haut Satans nicht ohnehin schon rot, würde selbst er unter dieser Flut von Schimpfworten erröten.
„Schmeißen wir doch einfach den Mond auf die erde und den ganzen Klumpatsch dann in die Sonne und ruhe ist. Dann können wir uns endlich einen neuen Planeten suchen den wir verderben und terrorisieren können!“, stöhne Mephistopheles genervt.
„Und du, jetzt hör auf, alles kaputt machen zu wollen, was glaubst du was es mich kostet, hier immer alles Reparieren zu lassen, wenn du mal wieder besoffen warst, also jeden einzelnen verfluchten Tag. Meine Arschbacken sind immer noch nicht aufgetaut seit du hier alle Feuer gelöscht hast als du und Leviathan alles unter Wasser gesetzt haben!“
„Ihr entschuldigt mich, ich muss mal wohin“, fiepte Lillith und rannte raus, und mühte sich, nicht an sich herumzufingern.
„Verdammte Nymphomanin, aber Satan, du vergisst wen du hier vor dir hast. Wie Goethe schon schrieb:
Ich bin der Geist der stets verneint!
Und das mit recht, denn alles was entsteht,
ist wert, dass es zugrunde geht;
Drum besser wär's dass nichts entstünde.
So ist den ahhhh...“
Erst ein Schlag von Satan brachte Mephistopheles zum verstummen, der diesen aber sofort erwiderte. Luzifer sprang von hinten auf Satans Rücken und zog mit aller macht an seinen Hörnen.
„So ist denn alles was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz das Böse nennt,
Mein eigentliches Element:“ vollendete Loki die Textstelle die Mephistopheles begann und sofort hatte er den schweif Satans um seinen Hals geschlungen.
An dieser Stelle wollen wir diese Versammlung verlassen, da so gut wie jedes Meeting in einer Prügelei endet, nur Lillith macht nie mit, sie wird jedes mal von ihrer eigenen Lust übermannt. So wird wohl jedes Meeting enden und sofern die Menschheit eine Apokalypse will, muss sie selbst dafür sorgen.



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"APOCALYPSO" von Dachs
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Klaus kräuselte verwundert seine Stirn als er aus dem Küchenfenster seiner Doppelhaushälfte schaute. Der personifizierte Wahnsinn zur Frühstückszeit, wie ihm ein Blick auf die Wanduhr bestätigte. Sieben Uhr Dreißig. Perfekt für eine ungesunde Mahlzeit. Rührei mit Speck, Toast mit Marmelade und auch mit Nussnugatcreme. Dies lies er sich nicht nehmen. Nicht Heute. Nicht an diesem Tag. Irgendwo braucht man einen sicheren Hafen, wenn auch nur für kurze Zeit. Ein Morgenritual ist essentiell, wie auch Zähneputzen, Kniebeugen nach dem Aufstehen oder der Lieblingssender im Radio. Heute jedoch war kein Sender zu empfangen. Leider.

Die Menschen hetzten sinnlos durch die Straßenzüge. Zu Fuß, per Auto oder anderen Transportmitteln. Geschrei und die schrillen Töne diverser Autohupen tönten disharmonisch durch die Häuserschluchten, untermalt durch berstende Scheiben und knackende Blechteile. Ein Hund jaulte auf als ein Auto ihn mit rasender Geschwindigkeit touchierte um dann einen über die Straße eilenden Mann frontal zu erfassen, der seitlich auf dem Gehweg mit einem hässlich schmatzenden Geräusch aufschlug und dabei Teile seines Schädelinhaltes preisgab der sich gerecht in alle vier Himmelsrichtungen verteilte.. Dies konnte er nicht überlebt haben. Es interessierte auch keinen der ziellos umher eilenden Menschen. Klaus schaute ungerührt auf seine Pfannen die nun die richtige Temperatur für Rührei und Speck aufwiesen und sogleich füllte er diese, um bald zu frühstücken. Etwas Salz, Pfeffer noch hinzugeben, einige Kräuter und ab und an wenden.

Vor seinem Haus rotteten sich einige Anwohner zusammen um dann dem Supermarkt an der Ecke einen Besuch abzustatten. Bewaffnet mit Stahlrohren, Harken und … ach schau an, Heinrich von Haus Nummer 2 sogar mit einer laufenden Kettensäge. Ja klar, jetzt mit Kettensäge und martialischem Auftreten, aber bei der Gartenarbeit immer eine körperliche Unzulänglichkeit vortäuschen. Ein Freundschaftsbesuch wird das wohl nicht. Zumal auch die Damen durchaus lange Küchenmesser oder Fleischbeile mit sich führten. Aber es geht immerhin nicht gegen die Belegschaft des Marktes. Die ist schlichtweg nicht mehr anwesend.
Wofür Herr Jantzek unbedingt den Laubbläser braucht beim kapern eines verlassenen Supermarktes, wird wohl sein Geheimnis bleiben.
Diese armseligen Kreaturen plündern um Vorräte zu sichern. Egoismus und Verdorbenheit, Hand in Hand. Nun ja. Es ist sowieso sinnlos und sollte den Frühstücksgenuss nicht trüben. Noch ein wenig den Speck braten lassen, die Rühreier sind schon mal fertig.

Ein rituelles, Cholesterin beladenes Frühstück ist nichts, ohne Musik. Wenn die Sender schlapp machen, dann muss halt der CD Player herhalten. Klaus fischte sich aus seinem Regal eine seiner Lieblings CDs und legte sie ein. Harry Belafonte mit „Banana Boat Song“. Calypso. Er liebte diese Musik. Zwar zierten seine umfangreiche Sammlung auch CDs aus diversen anderen Bereichen. Aber Calypso ist eine positive, stimmungsvolle Musik und genau passend für diesen skurrilen und merkwürdigen Morgen. „Apocalypso“ Er kicherte. Dieses Kunstwort hatte eine gewisse Daseinsberechtigung. Beschwingt wurde der Toaster bestückt und Marmelade und Nugatcreme bereitgestellt. Der Speck war fertig. Er beließ ihn in der Pfanne.

Auf den Straßen nahm nun der Wahnsinn vollends seinen Lauf.
Mit prall gefüllten Einkaufwagen und einer für diese sperrigen Karren durchaus rasanten Geschwindigkeit, kamen die Lebensmittel-Korsaren aus dem Supermarkt zurück.
Frau Jantzek war jedoch recht lahm im Gegensatz zu ihren Mitbewerbern im Einkaufswagenrennen und verlor Dutzende Meter auf die doch relativ kurze Distanz zum Eigenheim. Da Frau Jantzek auch recht zierlich wirkte und sich eines nicht unbeträchtlichen Alters rühmen konnte, war sie jedoch auch bevorzugtes Opfer einer Gang aus Kleinkriminellen... Na ja, an sich ware es nur die obligatorische gröhlende Jugendbande, bestehend aus dreizehn- bis fünfzehnjährigen, die meist ab Freitag Mittags die Schule schmissen um danach ganz cool Kleinkinder auf einem Spielplatz anzupöbeln bis diese weinend nach Hause liefen. Wahrscheinlich alles Versager, auf deren Zukunft gesehen. Wieder musste er kichern. „Zukunft“. Das Wort entbehrte nicht einer gewissen Lächerlichkeit. Wie dem auch sei. Frau Jantzek verlor das Gerangel um den zum Bersten mit Wasserflaschen gefüllten Einkaufswagen, trotzt des nicht ganz so erfolglosen Einsatzes eines Fleischbeils, welches einem Jugendlichen den Kopf fast vom Rumpf trennte und einem anderen den linken Arm bis auf den Knochen verletzte. Das Beil war definitiv scharf. Aber eine Rotte von Acht Jugendlichen konnte nur gegen diese ältere Dame gewinnen. Den Einsatz eines zum Speer angespitzten Besenstils konnte sie nicht verhindern. Getroffen sank sie mit erstauntem Blick zu Boden. Sie war tot bevor sie aufschlug. Dies war nicht nur dem Speer zuzuschreiben, ihr Herz blieb schlichtweg stehen. Glückliche Frau. Interessanterweise nahm Herr Jantzek keine Notiz vom Verlust seiner Lebensgefährtin, mit der er letzten Monat noch Goldene Hochzeit gefeiert hatte. Aber immerhin erreichte er genauso wie die anderen Plünderer noch sein Heim.
Wahrscheinlich schaften sie ihre Vorräte alle in die jeweiligen Keller, die sie in den letzten Wochen ausgebaut haben. Sogar die Kellerfenster waren vermauert. Wer Walzblei auftreiben konnte, hatte dieses noch schnell mit verbaut. Ansonsten sind einige Wagenladungen Stahlblech, Rohre, Wassertanks, Sauerstoffflaschen und so weiter abgeliefert worden. In dieser „ach so tollen“ Nachbarschaft. Wen interessiert das eigentlich, nicht mal Belafonte, der Lichtgestalt des Calypso, dessen Song „Cu Cu Ru Cu Cu Paloma“ durchs Haus schallte.

Die Toast waren fertig und mit Marmelade und Nugatcreme bestrichen und wurden genauso wie Rührei und Speck auf einem Tablett deponiert welches bereits mit Besteck, Serviette und einer kleinen Vase mit einer gelben Tulpe, bestückt war. Frisch gepresster Orangensaft und schwarzer Kaffee hielten ebenfalls Einzug. Klaus schleppte das Tablett auf den Tisch im Vorgarten, zog sich den Gartenstuhl heran und setzte sich. Ein schöner Tag, Sonne satt und nur wenige Schleierwolken, die sanft durch das Himmelsgewölbe zogen. Belafonte war noch im Hintergrund zu hören mit „Island in the sun“. trotz des Lärms in der Straße. Klaus ließ es sich schmecken. Sein Blick wanderte zur Tordurchfahrt gegenüber in der ein Mann eine Minderjährige, die sich heftig wehrte, vergewaltigte. „Armes Kind“ durchfuhr es Klaus, „aber Du wirst nicht mehr lange leiden und dieser Mistkerl wird seine gerechte Strafe schon bald bekommen“.
Dieser Kerl war ja bekannt im Viertel. Er saß wegen Pädophelie und ist erst vor einigen Wochen hinzu gezogen. Als die Vergangenheit dieses angeblich geheilten Sünders ans Licht kam, bildete sich spontan eine Bürgerinitiative um ihn zu vertreiben. Es nutzte nichts. Er lebte bei seinem Bruder und der Kommune waren rechtlich die Hände gebunden. Es hätte niemanden verwundert, wenn die Bürgerinitiative ihn ähnlich gejagt und gestellt hätte, wie die Bauern das Monster in „Frankenstein“. Nur war hier sowieso keine Mühle weit und breit. Wir könnten auch „Mühle“ mit „Gesetzeshüter“ tauschen. Der Status ist der selbe. Weit und breit nichts zu sehen.
Das Mädchen winselte nur noch und der Päderast hätte sie auch, wie in früheren Fällen, gerne noch erwürgt. Jedoch konnte er dieses Vorhaben nicht durchführen, da ihm aufgebrachte Eltern gerade an Ort und Stelle kastrierten. Vielleicht waren es die selben Eltern, die den mutmaßlichen Schulhofdealer wohl in der Nacht an einer Straßenlaterne aufgeknüpft haben.

Ach, die Mahlzeit war herrlich, der Kaffee schmeckte vorzüglich, die Unterhaltung war unvergleichlich und vor allen Dingen, live! Klaus stand auf... und schaute gen Himmel,
der sich mittlerweile trübte, was zu erwarten war. Wolken waren nicht die Ursache. Vielmehr waren unzählige Kondensstreifen zu erkennen. Von Ost nach West, von Nord nach Süd und umgekehrt. Man könnte ein prima „Vier gewinnt“ oder „Tic Tac Toe“ spielen.

Na das passt zeitlich jetzt ganz gut. Das Frühstück ist verzehrt und Belafontes Welthit „Matilda „ klang nun langsam aus. Abräumen brauchte er nicht und der Anzug, das war wichtig, ist sauber geblieben und sitzt tadellos. Na ja, die Krawatte muss noch ein wenig ordentlicher geknotet werden. Sind die Schuhe sauber? Ja. Oh.. Rasur vergessen, aber auch das ist nun unerheblich. Leider fehlt nämlich dazu die Zeit. Die Armbanduhr zeigt 9 Uhr. Wenigstens auf die Zeit ist noch Verlass. Die Sonnenbrille mit UV Schutz ( Sicher ist Sicher ) noch aufgesetzt. Fertig für das Finale. Wenn heute dem Tod begegnet wird, dann mit vollem Magen und mit Stil.
Am Horizont blitzte es hier und da grell auf sodass man besser die Augen schloss. Gefolgt wurden die Blitze durch heftige Donnerschläge, mit zunehmender Intensität.
Erst im Hintergrund, dann lauter werdend und steigernd bis zu einem infernalischen Kreischen drang ein Stahlkörper durch die mittlerweile diffuse Wolkenschicht. Klaus lächelte.....und pfiff dann leise eine Passage aus „The End“ von den Doors. Es muss ja nicht immer nur Calypso sein.......

Dann ein Blitz, große Hitze... alle anderen Begebenheiten nahmen Klaus, Herbert, Herr Jantzke, die Spielplatzproleten-Teenies, das vergewaltigte Mädchen, die marodierenden Eltern, Harry Belafonte .... und auch alle anderen Lebewesen nicht mehr war.... das sie schlichtweg Einbußen bei der Empfindung hatten, die begründet waren auf das spontane Verdampfen bei einer Atombombenexplosion in näherer Umgebung.

Anmerkung des Autors:

Jeder von uns kann ein Klaus sein, sofern wir einen derartigen Irrsinn jemals erleben sollten was Gott/Allah/Buddha/mein Postbote, verhindern möge.
Man könnte auch ein Herr Jantzke sein, was im Endeffekt aber vertane Zeit ist. Und mit einem Laubbläser in ein Gefecht zu ziehen.. mal ehrlich... das sieht doch einfach albern aus.



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"Im Herzen wohnen" von Iltis
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Der Duft der frischgewaschenen Decke lässt mich meine Augen schließen und tief einatmen. Ich spüre die Wärme und den weichen Stoff auf meinen Armen.Unter mir bemerke ich, wie weich meine Couch doch ist.
Noch enger kuschele ich mich in die Decke und strecke nur einen Arm heraus, um nach dem Tee zu greifen, der vor mir auf einem kleinen, hellbraunen Couchtisch dampft und darauf zu warten scheint, mich auch von innen aufwärmen zu dürfen.
Während ich mich umsehe, überkommt mich eine Welle von Glück und Zufriedenheit. Das knisternde Feuer im -zugegeben etwas altmodischen- Kamin, die warmen Farben die mich in diesem Raum umgeben- das alles ist so wunderschön und gemütlich. Und es ist mehr als nur das. Es ist vor allem eins- sicher.
Viele Menschen haben einen Ort, an dem sie sich in Decken kuscheln und Tee trinken. Es sind zum Teil wunderschöne Plätze und doch genießt kaum einer diesen Luxus.
Aber ich komme von draußen. Aus Sturm und Regen. Gewitter und Kälte.
Ewig lange bin ich durch das kalte Nass der Welt draußen gegangen, gelaufen, gerannt und auch einige Male gekrochen.
Ich sah Leute, die schon angekommen waren in ihren persönlichen Schlössern. Wie oft haben sie diese nicht gepflegt und nicht wertgeschätzt.
Einige gingen freiwillig hinaus, weil sie dachten sie wären dann frei- ich sah wie sie nicht weit kamen, bevor der Blitz sie eines besseren belehrte.
Nur die Wenigsten, denen ich auf dieser Reise- dieser Suche nach meinem Ziel- begegnete, hatten Recht auf die Straße zu fliehen weil hinter ihnen alles zusammenbrach und sie sonst erschlagen hätte.
All das habe ich auf meinem Weg erlebt und was ich sah, raubte mir fast den Glauben.
Was, wenn ich sogar ein Plätzchen finden sollte nach so langer Zeit und es sofort wieder zusammenbrach? Die Geschichten der Fliehenden und Suchenden um mich herum ließen mich dann und wann fast aufgeben.
Wozu laufen und suchen ohne zu wissen ob es überhaupt ein Ziel gibt?

Aber jetzt sitze ich hier im Warmen. Meine trockene,rissige Haut wird durch wärmende Pflege geheilt.
Ich habe fast vergessen, wie es ist zu frieren und auch Dunkelheit gibt es nur noch außerhalb meines Reichs.
Wenn ich durch die Fenster sehe, sehe ich Leute die sich aus Schlössern davonstehlen, durch Wind und Wetter rasen und kurz danach verloren sind. Ich sehe Leute, die aus ihren Ruinen flüchten, dem Sturm die kalte Schulter zeigen, sich durchkämpfen und ganz in meiner Nähe in ähnliche Wärme gelangen.
Aber egal was ich sehe, eins weiß ich.
Ich bin zu Hause angekommen. Ich bin in Sicherheit. Und ich hoffe, ich muss nie nie wieder hier weg. <3



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Allmystery Kurzgeschichten Wettbewerb - Juroren gesucht!

25.07.2013 um 21:07
und Teil 3:


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"Endzeit" von Eichhörnchen
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Eis. Nichts als Eis. Als die Atombomben auf die großen Städte der Welt fielen, riss die Wucht fast alles um und tötete unzähliges Leben. Verdampft oder zerrissen durch die Kraft der Bomben. Alles geschah plötzlich und somit ist die Welt, so wie sie war, verloren.
Jemand stapfte noch durch die Eiswüste. Ausgehungert, halb erfroren und durch die Strahlenkrankheit gezeichnet. Die Haare waren alle Opfer des unsäglichen Windes geworden, der über die karge Steppe tobte. Dick eingepackt versuchte er sich gegen die Kälte zu wappnen, die sich durch seine Kleidung fraß. Ein Schritt. Noch ein Schritt. Die Kraft hatte ihn schon längst verlassen. Er hoffte jedoch, wenn er über die karge Eislandschaft hinweg war, irgendwo Nahrung und Wärme zu finden. Der Wind wurde immer stärker und machte es unmöglich weit zu sehen. Wie eine Wand aus Luft und Eis wurde der Mann umfasst. Hinter ihm die Wand. Vor ihm die Wand. Langsam tastete er in seiner Manteltasche herum. Er streichelte sanft sein Iphone. Wenigstens etwas Normalität, auch wenn das Handy schon lange nicht mehr funktionierte. Was würde er nur dafür geben, dass er noch Zeit gehabt hätte. Zeit zu sagen: Ich liebe Dich. Oder ich brauche dich. Aber diese Chance hatte er nie bekommen. Er konnte nur hoffen, dass sie noch lebte. Aber im tiefsten Inneren wusste er bereits, dass sie schon längst gestorben war. Sie, die unbedingt eine Woche nach New York wollte. Er hatte auch gebucht, aber seine Arbeit kam ihm dazwischen. Wie immer. So flog sie allein. New York – eine der Städte, wo auch eine Atombombe ihr Unheil verrichtet hatte. Verzweiflung schnürte ihm die Brust zu und Tränen drohten aus den Augenwinkeln zu strömen. Hastig fuhr er mit den Händen über das Gesicht und ermahnte sich ruhig zu bleiben. Die Gestalt holte tief Luft und stieß sie wieder aus. Plötzlich ragte aus dem Boden ein kleiner Baumstumpf. Konnte er dieses Holz dazu benutzen, um Feuer zu machen? Er hatte mal im Fernsehen gesehen, wie so ein Typ Feuer mit zwei Stöckern machte. Was der Typ konnte, dass konnte er doch auch oder? Wie schwer wird das schon sein? Er kramte in seiner Tasche und holte ein Taschenmesser hervor. Wo war nur Bear Grylls, wenn man ihn brauchte? Mit der Kraft der Verzweiflung versuchte der Mann zwei Stücke Holz aus dem Stamm zu sägen. Nach einer gefühlten Stunde brach ihm dann endgültig die Klinge ab. Dafür war sie einfach nicht geschaffen worden. Entmutigt lies er sich auf die Knie fallen. Ich kann nicht mehr, dachte er. Vielleicht sollte ich mich einfach nur ein bischen ausruhen? Nur ein paar Minuten. Die Augen fielen ihm schon zu. Langsam schaufelte er mit seinen Händen etwas Schnee von dem Baumstamm. Dann lehnte er sich daran. Langsam schloss er die Augen. Wie Blei fühlten sich seine Glieder und seine Augen an. Und ihm war so unsäglich heiß. Schlafen. Einfach nur schlafen. Danach werde ich wieder aufstehen und endlich Essen finden. Vielleicht ein Kaninchen fangen? Wer weiß. Der Wind strich über eine Gestalt und deckte sie langsam mit Schnee zu.


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"Das Ende einer Reise" von Steinbock
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Der 2. November 1755 war im spanischen Cáceres, wie zu erwarten war, ein schon recht kühler Herbsttag, der mich und meine Freunde nach Wochen der Gastfreundschaft dazu brachte unsere Pferde zu satteln und gen Küste zu reiten. Warum es ausgerechnet dieser Tag war, an dem wir unserer Wirtin Pilar eine Hand voll Silberlinge gaben und davonzogen, war mit größter Wahrscheinlichkeit eine Fügung des Schicksals, die jedoch unser Denken und unsere Weltauffassung maßgeblich beeinflusste.
Unser Führer Juan, der uns bereits von Madrid in das verschlafene Städtchen begleitete, bot sich an uns auch bis nach Lissabon zu begleiten, wo wir hofften unseren verschollen geglaubten Vetter Martin zu finden. Unsere Reise zog sich bisher über sieben Monate, in denen ich und meine Kumpanen, Theodor und Ferdinand, jeden Hinweis zu finden versuchten, um den Menschen wiederzutreffen, den meine geliebte Großmutter vor ihrem Tode ein letztes Mal sehen wollte, und der sich vor etwa sechs Jahren irgendwo in Spanien oder Portugal niederließ. Pilar war es, welche Martin ebenfalls vor einem Jahr beherbergte und dessen frommes Gemüt ihr so in Erinnerung blieb, dass sie uns sagen konnte wohin es ihn verschlug. Wir wussten, dass es ein weiter Weg in die portugiesische Hauptstadt war, dennoch vertrauten wir auf Juans Ortskenntnisse und hofften binnen dreier Tage an unserem Ziel anzukommen und unserem Vorhaben endlich zu Ende zu bringen. Trotz des kühlen Windes und des vollkommen unbegründeten schlechten Gefühls, welches ich mir vielleicht erst später erklären konnte, ritt unsere Gruppe in einer recht zügigen Geschwindigkeit, um noch vor Sonnenuntergang das knapp 44 Meilen entfernte Badajoz an der spanisch-portugiesischen Grenze zu erreichen. Nach etwa fünf Stunden fanden wir bereits in der kleinen Gemeinde Puebla de Obando ein, wo wir uns in einer Wirtsschänke eine Cerveza mit Feigenbrot genehmigten und unsere Trinkschläuche mit frischem Wasser auffüllen ließen. Auf dem örtlichen Marktplatz gelang es uns zudem einige Decken für die Pferde zu erstehen – wir wussten, die Nacht würde kühl werden - und einige Vorräte zu besorgen. Die Menschen im Dorf
begannen hinter vorgehaltener Hand zu flüstern, als wir ihnen von unserem Vorhaben berichteten. Erst als ich den Pfarrer der Gemeinde hektisch zur Kapelle hinter dem Marktplatz gehen sah, fasste ich den Entschluss ihn nach dem Gerede der Einwohner zu fragen. „Euer Hochwürden, ich bitte um einen kleinen Moment Eurer Aufmerksamkeit. Was ist es, worüber die Leute reden?“, sprach ich, unschuldig wie ich nur war. Der alte Mann blickte mich entgeistert an und raunte, beinahe schockiert:„Ja habt Ihr es denn noch nicht gehört, Señor? Lissabon ist dem Untergang geweiht, Gott hat gesprochen und es werden weitere Ungeheuerlichkeiten geschehen, wenn sich die Menschen ihm nicht fügen wollen.“ Sekunden der Stille vergingen bis ich ein Wort fassen konnte und nach den genaueren Gegebenheiten fragen konnte. Der Pfarrer gab mir keine klare Antwort, er sprach in Formeln die ich nicht verstand – er sprach wohl von einem gigantischen Erdbeben, einer Flutwelle und einem ungeheuerlichen Feuer welche ganz Portugal auszurotten vermochten. „Warum sollte Gott so etwas zulassen?“, war meine nächste Frage, auf die der Pfarrer nur barsch entgegnete: „Weil der Mensch unwürdig ist und ihm eine gehörige Lektion zu teil werden muss, um ihn an Vernunft gewinnen zu lassen.“
Wider aller Verwirrungen und Unklarheiten brachen wir nach unserer Rast auf und erreichten Badajoz kurz nach Sonnenuntergang. Die Nacht war still, eine kalte Brise streifte über die Dächer der Grenzstadt und jeder von uns war froh, eine warme Mahlzeit zu sich zu nehmen und in einem weichen Bett schlafen zu können. Theodor und ich teilten uns ein Zimmer, mein Bett befand sich direkt vor dem nach Süden gerichteten Fenster, aus dem ich den klaren Sternenhimmel beobachten konnte, der nichts Böses ahnen ließ. Ich dachte nach, über viele Dinge die mir in den Sinn kamen. Warum sollte Gott die Menschen bestrafen, wo wir ihm doch so viel Glauben schenken und seiner, gerade am vergangenen Allerheiligen, stets preisen und ehren? Sind wir wirklich so schlecht? Nicht jeder Mensch hat einen plötzlichen Tod durch seine Hand verdient, oder doch? Bis zum Morgengrauen lag ich im Bett, welches im Nachhinein doch nicht so bequem war wie anfangs gedacht, und dachte über Sinn und Unsinn nach, stets mit der Frage im Hinterkopf ob Gott vielleicht doch nicht so gut ist, wie immer gedacht. Gleichzeitig musste ich mich innerlich selbst tadeln, und
mich davon abhalten weiterhin so grausame Dinge über unseren Schöpfer zu erfinden, die mich wahrscheinlich selbst zu einem schlechten Menschen machten.
3. November 1755. Wie geplant machten wir uns in aller Frühe auf den Weg, denn wir wollten trotz bestimmter Ungewissheiten unser Ziel nicht aus den Augen verlieren und am Ende des Tages im portugiesischen Évora einkehren. Der Wind wurde zunehmend stürmischer, auch wenn es sicherlich noch wärmer war als im kühlen November Deutschlands. Ab und an konnte ich kleine Regentropfen auf meiner Stirn spüren, die Wolken verdunkelten die morgendliche Sonne und die Luft begann nach Salz zu riechen – obwohl wir noch Meilen von der Atlantikküste entfernt waren. Die Bewohner der wenigen Häuser die wir auf unserem Weg sahen, schienen diese nicht verlassen zu wollen und auch das Vieh graste nicht auf den Weiden, sondern war nur äußerst leise aus den Ställen zu hören. Die gesamte Atmosphäre wirkte auf mich beklemmend, ganz so, als ob irgendetwas geschehen ist, was die Zeit zum Stehen gebracht hat. Bis wir am späten Nachmittag die Tore von Évora erreichten, kreuzte keine Menschenseele unseren Weg. Wir froren, und suchten in der Kälte das nächste Gasthaus auf, in dem wir auf eine wärmende und günstige Unterkunft hofften. Der Wirt blickte uns mit verzweifeltem Blick an, als wir seine Stätte betraten und um ein Bett und eine Mahlzeit baten. „Wir haben kein einziges Bett mehr frei, selbst nach Évora sind die Menschen aus Lissabon gezogen, weil die Flutkatastrophe ihnen vor wenigen Tagen all ihren Besitz geraubt hat. Essen und eine heißen Punsch kann ich euch bieten, hier in der Stadt könnt ihr jedoch kein freies Bett erwarten“. So weit war es also gekommen, zwar hatte ich Mitleid mit den Menschen, die nach dem Verlust ihres Hauses ganz nach Évora reisen mussten um Verpflegung zu bekommen, andererseits mussten wir nun vermutlich unter freiem Himmel unsere Decken aufschlagen und neben unseren Pferden nächtigen. Im Gastraum saßen Familien mit kleinen Kindern, die ihre Dankbarkeit für einen deftigen Wursteintopf nur mit Worten ausdrücken konnten, Männer und Frauen hielten sich in den Armen und weinten um ihre verstorbenen Freunde und Familienmitglieder – das war also das Zeugnis einer apokalyptischen Fügung, vielleicht nur ein Mahnmal symbolisch für das, was noch kommen würde. Wie konnte ich ahnen, dass ich all dieses Unheil selbst erblicken würde?
4. November 1755. Wir fanden am vergangenen Abend eine verlassene Hütte, die wir als Unterschlupf nutzten, und die uns ein wenig Wärme spendete um die Nacht zu überleben. Das nächste Ziel war Lissabon, auch, wenn uns die Warnungen der Portugiesen zu Denken gaben. Wahrscheinlich siegte die Neugier und der Drang meinen Vetter endlich wieder zu finden – er konnte der Katastrophe einfach nicht zum Opfer gefallen sein, ich wollte es nicht wahr haben.
In Lissabon angekommen konnten wir unseren Augen nicht trauen. Das sollte Gott der Menschheit angetan haben? Kirchen waren bis auf ihre Grundmauern zerstört, alte Frauen mit Kruzifixen beteten vor den Trümmern für ihre Familie, die Häuser waren überflutet oder aber vollkommen abgebrannt, Leichen wohin das Auge blickte. Ich hatte noch nie so viele Tote gesehen die zudem derart übel zugerichtet waren. Die letzten Verbliebenden luden Kadaver auf Karren und entledigten sie ihrer Kleidung, nachdem ein Pfarrer die Verstorbenen segnete. Ein kleiner Junge, vielleicht vier Jahre alt, stolperte verängstigt durch die Gassen. Leere Angst kam in mir hoch, gleichzeitig übermannten mich bei dem Anblick der einst prachtvollen Stadt meine Gefühle in Form von Tränen die mein Gesicht herunter rannen. „Das hast du getan“, schrie ich aus meiner tiefsten Seele, „und sowas nennt sich ‚Gott‘? Ein solches Leid hat selbst ein Mörder nicht verdient.“ Selbst nach vielen Minuten des Starrens auf die rissigen Spalten in der Erde konnte ich noch immer nicht begreifen welcher Zorn auf diese Welt gefallen sein muss um solch ein Unheil auszusprechen. Meinen Vetter Martin konnten wir auch nach Tagen langer Suche nicht finden, ob er unter den Trümmern vergraben war oder ihm die Flucht in eine der umliegenden Städte gelang, wussten wir nicht. Unsere Reise endete nicht wie erwünscht, wir mussten ohne Martin zurückreisen – sie war dennoch nicht ohne Ziel, sie war der Grund mein Kreuz fortan abzulegen.

Am 1. November 1755 verursachte ein eine gewaltige Naturkatastrophe – ein Erdbeben mit der Stärke 8,5 – 9, eine Tsunamiwelle und ein Großbrand - welche einen großen Teil der portugiesischen Hauptstadt Lissabon zerstörte, für Aufruhr in ganz Europa. Es wurde zum Thema in Kunst, Literatur und Philosophie und warf die Frage der Theodizee (bspw. bei Leibnitz) neu auf.


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"Wos fira Wind" von Reh
Spoiler

„Wos fira Wind!“
„Oida! Wos fira Wind!“
„Zum letzten Mal gab's so einen Wind in Wolfsberg. Aber da war ich ja eh nicht mehr.“
„Na, Oida!“
„Zu meiner Zeit waren wir in Rom. Gewonnen haben wir.“
„Jo, Oida!“
Platsch. Ein Hinternklescher.
„Heast, Schatzi, bring' ma nu a Viertel Sturm!“
„Geht klar, Herr Präsident!“
Mizzi lacht, läuft weg.
„Wos a geila Has'! De wär' was für später!“
„Jo, Oida!“
„In Rom war's aber auch a Schaaß!“
„Wir haben aber g'wonnen! Warum a Schaaß? Wir haben eh abkassiert von der UEFA.“
„Jo, eh. Nur daham haben uns die Katzelmocher einpapierlt.“
„A wieder wahr, Oida.“
Platsch. Ein Hinternklescher.
„Bitte, Herr Präsident. Ein Vierterl Sturm.“
„Mizzi! Host an Platz bei dir im Bett? So a Wind draußen. Da mag man gar nicht z'Haus.“
Mizzi lacht, läuft weg.
„Wos a geiler Has'!“
„Jo, Oida!“
„Kannst di an Budapest erinnern?“
„Gwonnen? Waaaß nimmer.“
„I a ned.“
„Wos redtst dann?“
„Na, de Weiber!“
„Oida, de Piroskas!“
„Jo.“
„Oida, zweimal waren ma dort.“
„Wenigstens ned 2006. Da hat's vier Leit derschlagen.“
„Oida! Echt? Wer?“
„Ned wer! Der Wind war's.“
„Oida, fürchterlich.“
„Jo.“
„Oida! Wie beim Ödön.“
„Wölcher Ödön.“
„Na, Oida, der Horvath ist doch a derschlagen worden.“
„Wölcher Horvath? Von wem?“
„Na, vom Wind. In Paris. Der Schriftstöller. Oida!“
„Schlimm. Wenn ich ihn g'kennt hätt', wär' ich jetzt traurig.“
„Jo, Oida.“
Platsch. Ein Hinternklescher.
„Heast, Schatzi, bring' ma nu a Viertel Sturm!“
„Geht klar, Herr Präsident!“
Mizzi lacht, läuft weg.
„Wos a geila Has'! De wär' was für später!“
„Jo, Oida!“
„Wenn' ich den Karl ned hätt.“
„Jo, Oida!“
„Ich wär' im Häfen.“
„Oida, das wär' ein Schaaaß.“
„Fünf Jahr'.“
„Lange Zeit, Oida.“
„Jo.“
Der Herr Präsident schaut aus dem Fenster.
„Wos fira Wind.“
„Jo, Oida.“
„Sechs Mille muss ich auch zahlen.“
„Oida!“
„Die hätt' ich schon. Aber fünf Jahr' ohne Weiber.“
„Zaaach, Oida.“
„Jo.“
Platsch. Ein Hinternklescher.
„Bitte, Herr Präsident. Ein Vierterl Sturm.“
„Hat aber lang' braucht!“
„Hab' auch noch andere Gäst'!“
„Mizzi! Host an Platz bei dir im Bett? So a Wind draußen. Da mag man gar nicht z'Haus.“
„Dienstschluss! Gezahlt wird beim Herrn Papa!“
Mizzi lacht, läuft raus.
„Wos a geiler Has'!“
„Jo, Oida!“
„In den Wind is' sie raus.“
„Jo, Oida.“
„Wos fira Wind!“



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Allmystery Kurzgeschichten Wettbewerb - Juroren gesucht!

25.07.2013 um 21:09
Vielen Dank an alle Teilnehmer und schon einmal vorläufigen Glückwunsch an die 5 Finalisten! Wenn deine Geschichte nicht dabei war, gräme dich nicht! Der nächste Wettbewerb kommt bestimmt.

An dieser Stelle auch vielen Dank noch einmal an die Juroren, ihr seid echt toll! Eure Bewertungen werden aber erst zur Siegerehrung vorgestellt.


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Puschelhasi
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25.07.2013 um 21:10
Und wo kann man jetzt abstimmen und woher weiss wer welche Geschichte geschrieben hat?


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25.07.2013 um 21:11
Hier:

Umfrage: Allmystery-Kurzgeschichten-Wettbewerb 2013! - - - - - FINALE

Habe beide im Abstand von 10 Sekunden eröffnet :)


Die Autoren bleiben bis zur Siegerehrung anonym!


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25.07.2013 um 21:12
Endlich hören die Kinder auf zu quengeln! :D


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25.07.2013 um 21:22
@chen

Hmm.. Autoren hätte man bei der Umfrage ausschließen müssen :)


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25.07.2013 um 21:23
Ist technisch nicht wirklich möglich :)

Außerdem gehen die sowieso in der Masse der User unter.


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25.07.2013 um 21:24
@chen

Wie lang soll den denn die Abstimmung überhaupt laufen? Habe ich jetzt nicht mitbekommen..


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25.07.2013 um 21:24
Sonntag 20 Uhr.


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25.07.2013 um 21:25
@chen

Ah.. okay. :)


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25.07.2013 um 21:27
@Gwyddion
Haben Sire sich auch als Poet versucht?


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25.07.2013 um 21:27
Ich hab gerade nochmal mit ein paar Juroren gesprochen. Ich erlaube euch nun, zu sagen wenn ihr es nicht unter die ersten 5 geschafft habt. Damit ihr etwas Frust ablassen könnt :D

Umgekehrt aber bitte nicht! Wenn ihr einer der 5 seid, RUHE BITTE!


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25.07.2013 um 21:29
@DiePandorra

Werte Dame,

des Poeten Leidenschaft versuchen wir jeden Tage zu frönen.


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25.07.2013 um 21:30
@Gwyddion
Was Euch auch vortrefflich gelingt. :D


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25.07.2013 um 21:40
Irgendwie ist das Kacke mit dieser ganzen Anonymität und die bei tausend Einzelfragen immer neu abwägen zu müssen :D

Wir behalten das jetzt erstmal bei aber mal gucken wie das beim nächsten Wettbewerb gehandhabt wird.


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Allmystery Kurzgeschichten Wettbewerb - Juroren gesucht!

28.07.2013 um 19:38
@DiePandorra
@Befen
@BlackPearl
@Dr.AllmyLogo
@neonbible
@Aldaris
@Daga
@Lamm
@panurg
@Mantrailer
@ahri
@gonzolina
@Shinosa

Wollte euch nochmal fragen, ob es ok ist wenn eure Bewertungen mit Namen erscheinen oder wollt ihr das lieber anonym?

Um 20 Uhr wollte ich neben der Verkündung des Siegers auch alle Bewertungen und Punktzahlen posten.


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28.07.2013 um 19:40
Ist mir egal.

@chen


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28.07.2013 um 19:44
@chen
Vollkommen okay :)


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Allmystery Kurzgeschichten Wettbewerb - Juroren gesucht!

28.07.2013 um 19:44
@chen

Kein Problem


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