Philter schrieb:Meines Wissens handelt es sich bei morphogenetischen Feldern um ein theoretisches Hilfsmittel innerhalb eines heuristischen Modells. Er stützt sich auf alte Konzepte und die metaphorische Sprache der Entwicklungsbiologie. In der realen Biologie werden unter Feldern im Wesentlichen chemische Gradienten und Signalwege verstanden, die das Wachstum, die Differenzierung und die Musterbildung von Zellen und Gewebe koordinieren.
Die Formulierung lässt den Eindruck entstehen, dass morphogenetische Felder in der heutigen Biologie etabliert und allgemein anerkannt seien. Das stimmt so aber nicht.
Magst du erläutern, durch welches andere Konzept das ursprüngliche Konzept des morphogenetischen Feldes in der Biologie ersetzt worden ist?
Du scheinst dich mit dieser Frage ja gut auszukennen.
emanon schrieb:Eine kurze Erklärung, wie die Beteiligung der morphischen Felder bei der Artaufspaltung nun genau aussieht, könnte dem Thread vielleicht weiterhelfen.
Wie ich bereits geschrieben habe, wurde in der verlinkten Diskussion mittels einer Implikation die Falschbehauptung aufgestellt, Sheldrakes Überlegungen zu morphischen Feldern seien unvereinbar mit dem Umstand, dass es den Prozess der Artaufspaltung gibt. Es muss also um die Darlegung der Tatsache gehen, dass Sheldrakes Überlegungen zu morphischen Feldern sich mit der Existenz des Prozesses der Artaufspaltung vereinbaren lassen.
Es geht hingegen nicht um die Frage, ob der Einfluss der morphischen Felder der Angehörigen einer Art bei allen denkbaren Möglichkeiten der Artaufspaltung, die die Art theoretisch erfahren kann, eine Rolle spielt.
Sheldrake bestreitet nicht, dass neue Arten durch die verschiedenen Prozesse der Artbildung entstehen können, die es aus Sicht der heutigen Biologie gibt. Er erweitert die Erklärungen, die es hinsichtlich der Frage gibt, mit welchem Ereignis der Weg hin zu einer Artaufspaltung beginnen kann, allerdings um die folgende Erklärung:
Der Weg hin zu einer Artaufspaltung kann theoretisch damit beginnen, dass ein Verhalten oder ein körperliches Merkmal, das bei einem Angehörigen einer Art neu entstanden ist, infolge des Einflusses morphischer Resonanz bei weiteren Angehörigen der Population, der er angehört, und bei Angehörigen anderer Populationen der Art entsteht.
emanon schrieb:Unterm Strich gehts aber doch um das große Ganze.
Und da sieht es, meines Wissens, doch so aus, dass es keine belastbaren Belege für Sheldrakes Hypothese gibt.
Was wäre deiner Meinung nach denn ein belastbarer Beleg für Sheldrakes Hypothese?
emanon schrieb:Seine Hypothese lässt sich weder belegen noch falsifizieren und hat daher naturgemäß in den Naturwissenschaften einen schweren Stand.
Dann müsste sich die Aussage, dass sich Sheldrakes Hypothese nicht belegen lässt, ja bei Wikipedia finden. Das ist aber nicht so.
Du ignorierst in Bezug auf die Frage, ob Sheldrakes Hypothese theoretisch belegbar ist, den Ausschnitt aus dem Essay von Alex Gomez-Marin, den ich in meinem Beitrag vom 28.02. (
Beitrag von Weserdampfer (Seite 40)) zitiert habe. Gomez-Marin erläutert in dem zitierten Abschnitt seines Essays, dass sich Sheldrakes Hypothese experimentell testen lässt.
Sheldrake schreibt in Bezug auf die Frage, ob es für seine Hypothese Belege gibt, auf seiner Internetseite Folgendes:
Do you have evidence for your hypotheses?
Yes. For the hypothesis for morphic resonance, several other scientists and I have tested it in the realms of human and animal behaviour over the last 30 years. This evidence is summarised in the third edition of my book A New Science of Life (2009), called Morphic Resonance in the US, and I propose 10 new tests in the Appendix to this book. In addition, there is a great deal of circumstantial evidence from experiments with crystals, cell cultures, fruit flies, rats and humans which I summarize in The Presence of the Past (1988; new edition 2011).
For my hypotheses about the extended mind and telepathy, much evidence is summarized in my papers on these subjects, and in my books Dogs That Know When Their Owners Are Coming Home and The Sense of Being Stared At.
https://www.sheldrake.org/about-rupert-sheldrake/frequently-asked-questions
emanon schrieb:Zudem würde mich interessieren, wie die Felder mit den Individuen kommunizieren/interagieren.
Das ist alles in meinen Augen ziemlich unausgereift.
Und wenn Sheldrake mit seiner Hypothese recht behält, dann ist es visionär.
In dem Ausschnitt aus den Frequently Asked Questions der Internetseite Sheldrakes, den ich in meinem Beitrag vom 28.02. zitiert habe (
Beitrag von Weserdampfer (Seite 40)) trifft Sheldrake die Aussage, dass er annimmt, dass morphische Resonanz auf bislang unentdeckten physikalischen Effekten beruht.