Weserdampfer schrieb:Aufgrund des gerade dargelegten Sachverhalts handelt es sich bei dem von Sheldrake beschriebenen Experiment um ein Experiment, das sich hervorragend dafür eignen würde, Sheldrakes Hypothese der Formenbildungsursachen zu überprüfen. Es ist daher eigentlich zu erwarten, dass die Kritiker Sheldrakes die Durchführung dieses Experiments befürworten.
Wenn das Experiment durchgeführt würde und das Ergebnis liefern würde, das die Kritiker Sheldrakes erwarten (keine schnellere Kristallisation des Stoffes in den verschiedenen über die ganze Welt verteilten Laboren nach erstmaliger Kristallisation) so wäre Sheldrakes Hypothese der Formenbildungsursachen widerlegt.
Es stellt sich also die Frage, warum Wissenschaftler, die Sheldrakes Hypothese der Formenbildungsursachen für Unsinn halten, bislang noch nicht darauf hingearbeitet haben, dass dieses Experiment durchgeführt wird.
Nur zur Klarstellung, worauf sich meine Bemerkung zur fehlenden statistischen Basis bezieht:
Die Beispiele zur Kristallisation und der Verweis auf Wiberg zeigen, dass sich das Kristallisationsverhalten eines neu synthetisierten Stoffes im Laufe der Zeit lokal ändern kann – durch Keimbildung, Verunreinigungen etc. Das ist, wie aufgezeigt wurde, offenbar gut bekannte Lehrbuch‑ und Laborerfahrung. Ich verstehe Sheldrake aber so, dass er erklären will, warum sich überall auf der Welt solche Strukturen vermeintlich unabhängig voneinander herausbilden, also als globale, nichtlokale Effekte. Er stellt damit keine These darüber auf, ob sich innerhalb ein und desselben Versuchsaufbaus im Labor veränderte Verhaltensweisen einstellen. Für die behaupteten globalen Effekte fehlt meines Wissens jede belastbare statistische Basis, geschweige denn systematisch dokumentierte Beobachtungen in ausreichender Zahl. Mit "statistischer Signifikanz" meine ich Effekte, die so klar und reproduzierbar über dem Hintergrundrauschen liegen, dass sie sich einer Zufallserklärung entziehen und damit überhaupt erst eine belastbare Thesenbildung rechtfertigen würden. Genau eine solche Ebene sehe ich bei Sheldrake bzw. in Dürrs Skizze derzeit nicht (ich kenne aber auch nur dass, was hier so gehandelt wurde) - weder werden robuste, statistisch auswertbare Effekte präsentiert, die klar über Zufall, Hörensagen und Anekdoten hinausgehen, noch gibt es replizierte Studien, die diesen behaupteten Fernwirk‑Mechanismus wirklich tragen würden.
Mein Hinweis auf eine fehlende statistische Basis zielte also nicht auf die konventionelle Erklärung der lokalen Kristallisation, sondern auf Dürrs sehr vorsichtig formulierte Überlegung, dass extrem schwache elektromagnetische Felder "in principle" als physikalischer Träger für Sheldrakes morphische Felder dienen könnten. Für genau diesen zusätzlichen Mechanismus – also eine nichtlokale Fernwirkung über ein hypothetisches Trägerfeld – werden im zitierten Text weder eigene Messreihen noch eine quantitative, statistische Auswertung präsentiert. In diesem Sinne verfügt diese Annahme derzeit über keine ausgewiesene statistische Grundlage und keinen nachgewiesenen signifikanten Effekt, sondern bleibt ein theoretischer Vorschlag. Bei dieser Ausgangslage darf man von der Science Community kein uneingeschränktes Wohlwollen voraussetzen oder erwarten.
Ein zweiter Punkt ist dann eben die Frage der Beweislast. Sheldrake stellt eine sehr weitreichende, im Sinne wie ich eben beschroeb unfundierte Hypothese in den Raum, einschließlich der Idee eines zusätzlichen physikalischen Trägermechanismus. Nach wissenschaftlichen Gepflogenheiten liegt es dann zunächst bei ihm (bzw. seinen Anhängern), klar definierte Experimente durchzuführen, diese sauber zu veröffentlichen und unabhängige Replikationen zu ermöglichen. Dass Kritiker bislang kein größeres Kristallisations‑ oder Fernwirk‑Experiment organisiert haben, ist deshalb kein Argument gegen die Kritik, sondern schlicht Ausdruck des normalen wissenschaftlichen Standards: Nicht die Skeptiker müssen eine spekukative Zusatzannahme aktiv falsifizieren, sondern derjenige, der sie einführt, muss eine überzeugende Datenlage aufbauen. Solange das nicht passiert, bleibt die Hypothese methodisch eine interessante Idee ohne belastbare empirische Absicherung.