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Wie bewirbt man sich mit einem verkorksten Leben?

148 Beiträge, Schlüsselwörter: Arbeit, Ausbildung, Betrieb, Umschulung

Wie bewirbt man sich mit einem verkorksten Leben?

17.01.2020 um 11:16
Servus Ihr,
ich sitze gerade vor der Aufgabe, ein Anschreiben zu formulieren und mir will nichts vernünftiges mehr einfallen. Ich habe gelernt, das meine Bewerbungsbemühungen unweigerlich eine Absage zur Folge haben. Das ist schon fast ein teuflisches Denken. Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung - wenn man so will. Doch Fehler müssen nun mal dazu geführt haben, das ich nie ausgewählt wurde…

aber bevor ich ein Anschreiben aufsetzt, es hier einstelle und es von euch, natürlich, auseinandergenommenen wird, würde ich euch gerne einige Fragen stellen:

Bei mir im Lebenslauf sind einige große Lücken. Das hat mit meinem damaligen „physischen und psychischen“ Zustand zu tun (bin es langsam selbst Leid, das zu erklären) Depression, Krankheit. Nach meiner ersten Ausbildung als Bürokaufmann fand ich auch deswegen keinen Job. Heute, 6 Jahre später, ist alles wieder Super und mein Leben hat sich komplett gewandelt. Bis auf den Umstand, das ich mich unglaublich schwer tue, Anschluss zu finden.

Durch einen berufspsychologischen Test beim Arbeitsamt habe ich doch nochmal neue Motivation gefunden. Ich werde für eine Umschulung zum Fachinformatiker empfohlen. Jedoch will ich unbedingt eine betriebliche Ausbildung oder Umschulung!

Aber wie formuliere ich bloß ein Anschreiben? Offensichtlich sind meine Anschreiben nicht gut genug. Ich bemerke selbst, das diese vielleicht zu „weinerlich“/persönlich herüberkommen.

Praktisch hab ich in jenen 6 Jahren nichts produktives gemacht. Ich kann also keine Auslandsreise, Selbstfindungsphase, Neuorientierung oder andere Scherze anführen. Ich hab meine private Situation grundlegend verbessert und im Anschluss nichts gefunden bzw. dann sind weitere schlimme Dinge vorgefallen. Das wars.

Ich hab auch keine tollen Praktika oder Empfehlungen. Ich hab noch nie gearbeitet und bin 33.

Okay. Was steht auf der Haben-Seite?
Ein guter Realschulabschluss – wobei mir natürlich klar ist, das dieser Umstand, nach so vielen Jahren, nur noch wenig Gewicht hat. Die Überzeugung Motiviert und Lernfähig zu sein (auch durch den Test. Dennoch ist das auch nur sehr Schwach). Mein privates Interesse an der IT. Meine Logische und Analytische herangewachsene an Dingen.
Die Möglichkeit eine Gleichstellung zu erhalten. Ja, klar, man sollte vor allem der Leistung wegen ausgewählt werden. Doch ich will alles in den Ring werfen.

Mir ist bewusst, das dass eine beschissene Grundlage ist. Überlegungen wie „hättest du mal“ helfen nichts. Es ist so wie es ist.

Während ich dies schreibe, frage ich mich, ob ich die Chance überhaupt noch in einem Betrieb suchen soll? Dann werd ich mich einfach über die Möglichkeit freuen, eine Umschulung bei einem Bildungsträger machen zu können.

Ich hätte mich ohnehin bei Arbeitgeber beworben die verstärkt Menschen mit Behinderung suchen. Aber ist dieses Argument so stark?

Manchmal frage ich mich, weshalb nicht einfach auch mal ein Praktikum ausreicht um einem Unternehmen zu zeigen, das man etwas kann?!


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17.01.2020 um 11:35
@Negev
Ich würde die sechs Jahre im Lebenslauf als „Krankheit“ deklarieren und im Bewerbungsschreiben nur in einem Nebensatz erwähnen, dass du „krankheitsbedingt“ noch keine Gelegenheit hattest berufliche Erfahrungen zu machen.

Vorher würde ich mich aber nochmal informieren, ob du sowas im Zweifel belegen müsstest. Ich könnte mir vorstellen, dass du nicht dazu verpflichtet bist, es aber sinnvoll wäre die Lücke zu erläutern.

Du warst beim Arbeitsamt? Dort gibt es ja auch Bewerbungstrainings, das wäre doch vielleicht was für dich? Und dann deine Fragen dort gezielt stellen.

Und für ein Praktikum ist es jetzt auch noch nicht zu spät! Du kannst dich ja auf Ausbildung bewerben und trotzdem noch ein Praktikum machen und wenn es nur ein paar Tage wären. Sind ja noch ein paar Monate bis September. Da würd ich mich mal freundlich durchtelefonieren.

Auf mein letztes Bewerbungsgespräch habe ich mich auch mit youtube videos vorbereitet, da waren hilfreiche Tipps dabei.
Negev schrieb:ch hätte mich ohnehin bei Arbeitgeber beworben die verstärkt Menschen mit Behinderung suchen
Oder halt bei Unternehmen die nicht Profit-Orientiert sind (öffentlicher Dienst/sozialer Bereich, kirchliche Träger usw.).

Lass den Kopf nicht hängen, es ist noch nicht zu spät!


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17.01.2020 um 12:03
Verstehe die Frage nicht ganz. Wenn du dir schon selbst einredest dass dein Leben verkorkst ist, erwarte nicht das ein Chef freudestrahlend auf dich zukommt.

Lücken im Lebenslauf kann man kreativ füllen.

Ich frage mich, und das ist kein Vorwurf, warum du bis jetzt den arsch nicht hochbekommen hast.

Du bist 33 und hast kaum etwas vorzuweisen, warum sollte man dich einstellen?

Du sagst du hast eine Ausbildung als Kaufmann gemacht. War das nichts?

Die Zeit für den Thread hättest du nutzen können um bei Firmen persönlich vorbeizugehen und nach einem Praktikum zu fragen.

Das zeigt Initiative und Motivation die ein Anschreiben so nicht rüberbringt.

Das Leben ist kein Ponyhof, du solltest das nehmen was du bekommst und darauf aufbauen.

Es kann nur besser werden.

Übrigens gab es in meiner Ausbildung auch zwei Leute die über 30 waren. Heutzutage kein Problem.

Nur Mut

Für eine betriebliche Umschulung musst du natürlich in der jeweiligen Firma auch Angestellt sein.


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17.01.2020 um 12:25
Wenn du schreibst, dass es physische und psychische Gründe für den Leerlauf gab, gehe ich davon aus, dass du von der Reha-Abteilung der Arbeitsagentur betreut wirst.
Ich würde dir eine vom Amt finanzierte Umschulung mit medizinischer und psychologischer Unterstützung in einem Berufsförderungswerk empfehlen.

Es ist nicht so ganz ohne nach sechs Jahren der Krankheit wieder voll einzusteigen und das Berufsförderungswerk fängt dich in deiner Lebenssituation auf.
Wenn du die Umschulung erfolgreich bestehst hast du auch gleich etwas in der Hand und stehst nicht so ganz ohne vorm nächsten Arbeitgeber.


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17.01.2020 um 12:37
Richtig. Klein anfangen, sicher werden und dann mit voller Kraft in die Zukunft.

Wünsche dir alles gute!


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17.01.2020 um 12:40
Negev schrieb:Bei mir im Lebenslauf sind einige große Lücken. Das hat mit meinem damaligen „physischen und psychischen“ Zustand zu tun (bin es langsam selbst Leid, das zu erklären) Depression, Krankheit. Nach meiner ersten Ausbildung als Bürokaufmann fand ich auch deswegen keinen Job. Heute, 6 Jahre später, ist alles wieder Super und mein Leben hat sich komplett gewandelt. Bis auf den Umstand, das ich mich unglaublich schwer tue, Anschluss zu finden.

Durch einen berufspsychologischen Test beim Arbeitsamt habe ich doch nochmal neue Motivation gefunden. Ich werde für eine Umschulung zum Fachinformatiker empfohlen. Jedoch will ich unbedingt eine betriebliche Ausbildung oder Umschulung!
Stop.

Bin exakt in der gleichen Situation. Nur das ich meine Ausbildung als Dachdecker abgebrochen habe.

Informiere dich bitte über das berufsförderungswerk. Die sind speziell dafür da Leute mit Erkrankungen im psychischen Bereich in eine duale Ausbildung mit Betrieb unterzubringen.

Dort hast du gleich gesinnte und der Abschluss ist vollwertig. Bin gerade dabei und es läuft alles super, mache die Ausbildung zum fachinformatiker Systemintegration. Falls du Fragen hast antworte mir via PN. Ich habe alle Unterlagen da und kann sie dir zu schicken (infomaterial)
Es gibt zusätzlich jeden Freitag, zumindest hier in Bayern, einen zwanglosen infotag wo du dir einen ersten Überblick verschaffen kannst.

Lg


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17.01.2020 um 14:00
Für Auslandsreisen (Persönliche Reife...) gibt es ja keine Beweispflicht.
Negev schrieb:Ich bemerke selbst, das diese vielleicht zu „weinerlich“/persönlich herüberkommen.
Versuche auf alle Fälle sachlich und seriös zu bleiben. Rechtfertigungen haben da nichts verloren. Warum schickst du dein Anschreiben nicht jemand den du gut kennst und lässt dir ein Feedback geben?

Und versuche nicht so abwertend dir selbst gegenüber zu sein! Du hattest eben schwierige Zeiten durchlebt und gelöst. Das ist viel wert. Jetzt geht es weiter...


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17.01.2020 um 14:05
Schau dir seine Videos an.

Youtube: Anschreiben Bewerbung: Perfekter Aufbau – so geht’s

Setze deine Stärken und Fähigkeiten in den Vordergrund. Deine Motivation.

Verfasse kein Standartanschreiben. Sei ehrlich und authentisch. Ich würde erwähnen, dass du krank warst die 6 Jahre. Du aber nie die Hoffnung aufgegeben hast und die Krankheit langsam besiegt hast. Du motiviert bist dein Einsatz in den Unternehmen zu zeigen und so einen Mehrwert für das Unternehmen zu bieten.


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17.01.2020 um 14:14
In Berlin gibt es z.B. den
https://daa-berlin.de/unsere-angebote/projekte/lernladen/
Vielleicht gibt es sowas in der Art auch in deiner Nähe. Einrichtungen vom Arbeitsamt würde ich dir bei Bewerbungen eher nicht empfehlen. Sicher kannst du dort (Lernladen) auch mal anonym anrufen und um Beratung bitten.


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17.01.2020 um 18:41
Negev schrieb:Mir ist bewusst, das dass eine beschissene Grundlage ist. Überlegungen wie „hättest du mal“ helfen nichts. Es ist so wie es ist.
Früher als Führungskraft und jetzt als Arbeitgeber bin ich ein großer Fan von etwas älteren Mitarbeitern mit "gebrochenen" Erwerbsbiografien, die schwere Zeiten hinter sich haben. Ich habe diesbezüglich bislang nur positive Erfahrungen gemacht. Wenn man ihnen eine Chance gibt, sie anständig behandelt und sie konsequent fordert und fördert, leisten sie stets 110% und sind die loyalsten Mitarbeiter, die man sich nur wünschen kann. Im Kontrast dazu stehen all die Schneeflöckchen mit ihren super Noten und ihrem seit der Grundschule lückenlosen, mit allerlei sinnfreien Praktika und sonstigem Müll aufgehübschten Lebenslauf, die sich beim geringsten Gegenwind krankschreiben lassen und sich heimlich nach einem neuen Arbeitgeber umsehen.

Ich glaube nicht, dass ich mit dieser Ansicht allein stehe.


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17.01.2020 um 18:51
Hab gerade versucht, ein - zwei Säzte zu schreiben. Schon alleine wenn ich daran denke (bzw. es aufschreibe) meine so genannten "Leistungen" zu Papier zu tragen - bekomm ich einen Würgereiz.


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17.01.2020 um 18:59
Ich kenne mich nicht gut aus, aber ich würde mir ein unbezahltes Praktikum besorgen oder beim Arbeitsamt nach einer Wiedereingliederungshilfe fragen.

Ich arbeite beruflich an einer Brennpunktschule mit einem Zug, der Erwachsene mit schräger Vita nachqualifiziert. Wir hatten auch schon Menschen, die sich aus der Obdachlosenszene wieder gefangen hatten, nach Drogenentzug oder nach langen Haftstrafen. Mit wundert immer wieder, dass eine schräge Vita nicht automatisch dazu führt, dass man mit dem Arbeitsmarkt abschließt - aber es klappt wirklich sehr oft, oft auch über Praktikas und oft bezahlt das Arbeitsamt einen Zuschuss oder die Lohnkosten für einen längeren Zeitraum.


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17.01.2020 um 19:01
@Negev
Ich war vor wenigen Jahren in einer ähnlichen Situation wie du. Psychisch und physisch krank mit der Folge, dass ich sowohl ein Studium als auch eine Ausbildung abbrechen musste und dann erst mal fast ein Jahr in medizinisch-beruflicher Reha war, um überhaupt wieder vollständig arbeitsfähig zu werden. Dann kam die Umschulung und mein erstes richtiges Geld habe ich dann mit 30 verdient.

Glücklicherweise bekam ich während der Reha auch einige gute Tipps für Anschreiben und Vorstellungsgespräch: Ehrlich sein und die Lücke knapp erklären - an dem Punkt sollte man das Ganze wirklich noch allgemein als Krankheit bzw. Phase der Rekonvaleszenz abhandeln - , aber das Augenmerk bei der Formulierung nicht auf die Vergangenheit legen, sondern auf die Gegenwart, bzw. auf den Umstand, dass du jetzt wieder gesund bist und im Leben noch etwas erreichen möchtest. In Vorstellungsgesprächen, habe ich, je nachdem, wie ich mich gefühlt habe, dann sogar tatsächlich erwähnt, dass ich unter Depressionen litt (ich hatte nicht nur Depressionen, aber mit dem Begriff können die meisten etwas anfangen und reagieren auch eher mitfühlend), aber wiederum immer sehr deutlich betont, dass ich wieder gesund bin.

Teilweise konnte ich auch gar nicht verhindern, dass meine Arbeitgeber wenigstens ungefähr wussten, dass ich an einer psychischen Erkrankungen leide, denn tatsächlich stand am Anfang eine Menge Praktika, die ersten noch in der beruflichen Phase meiner Reha. Die wurden dann auch von der Rehaeinrichtung begleitet. Negative Erfahrungen habe ich damit keine gemacht, im Gegenteil. Ich würde jederzeit dazu raten, erst mal 1-2 Praktika von 2-4 Wochen im Wunschberuf zu machen, ehe es ans Eingemachte geht. Schon allein deshalb, weil man so schon mal einen Fuß in die Tür bekommt, aber auch, weil man ziemlich schnell merkt, ob man für den Job nur in der Wunschvorstellung oder auch in der Realität geschaffen ist. Tatsächlich hatte ich meine erste Stelle in einer Einrichtung, in er ich zuvor schon ein Praktikum gemacht habe und meine jetzige, endlich unbefristete Stelle habe ich unter anderem auch, weil ich von dort weiter empfohlen wurde.

Entgegen anderer Meinung würde ich eine Ausbildung im Betrieb aber immer einer in einem Berufsförderungswerk vorziehen. Und das sage ich als jemand, der die Umschulung über ein solches BFW gemacht hat. :D Es mag Unterschiede zwischen den einzelnen Einrichtungen geben, aber ich konnte Praxiserfahrung im Beruf nur über externe Praktika sammeln, hatte danach auch nicht wie in einem Betrieb wenigstens die Chance, übernommen zu werden und auch künftigen Arbeitgebern ist das Konzept BFW nach eigener Erfahrung meistens erst mal suspekt. Ich war dann leider nach meinem Abschluss auch noch mal etwas über ein Jahr arbeitslos, ehe ich was gefunden habe - und das dann auch nur, weil ich dann noch mal ein Praktikum gemacht habe, um wenigstens so Arbeitserfahrung zu sammeln.


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17.01.2020 um 19:09
@Sterntänzerin
Danke, das du deine Erfahrungen hier mitteilst!
Sterntänzerin schrieb:Ich war dann leider nach meinem Abschluss auch noch mal etwas über ein Jahr arbeitslos, ehe ich was gefunden habe - und das dann auch nur, weil ich dann noch mal ein Praktikum gemacht habe, um wenigstens so Arbeitserfahrung zu sammeln.
Vor diesem Szenario hab ich sehr große Angst. Genau deswegen will ich es unbedingt nochmal bei einem Betrieb versuchen.

Ja, Praktikum also... das werd ich sofort angehen.
Auch um Argumente für dieses vermaledeite Anschreiben zu sammeln.


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17.01.2020 um 19:23
@Negev
Ich sag mal so: Bevor man sich ungelernt in Berufen abrackert, die irgendwie für einen abfallen und mies bezahlt werden, sollte man auf jeden Fall die Möglichkeit wahrnehmen eine Ausbildung/Umschulung zu machen und sei es über ein BFW. Wenn man alternativ aber auch die Möglichkeit hat, innerhalb eines Betriebes umzuschulen, dann würde ich diese Chance nutzen.

Wenn du vom Amt unterstützt wirst, bedeutet das ja wahrscheinlich, dass weiterhin finanziell vom Amt unterstützt wirst, während du die Umschulung macht und du den Betrieb, bei dem du lernst, weit weniger kostest als ein normaler Azubi. Erfahrungsgemäß ist es deshalb nicht verkehrt, sich einen nicht allzu großen Betrieb zu suchen, der nicht sowieso schon jedes Jahr zig Azubis ausbildet und im besten Falle auch zu schätzen weiß, dass du mit 33 Jahren aus deinen Flegeljahren raus bist und weißt, was du für die Zukunft willst - und dort erstmal während eines Praktikums von deiner Leistung zu überzeugen. Da gehst du nicht so leicht unter, bist kein Teil der Menge, der irgendwann nicht so funktioniert hat wie der Rest, sondern kannst zeigen, dass du diese Ausbildung/diesen Beruf wirklich möchtest und das grundlegende Handwerkszeug dafür mitbringst.


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17.01.2020 um 19:38
Negev schrieb:Hab gerade versucht, ein - zwei Säzte zu schreiben. Schon alleine wenn ich daran denke (bzw. es aufschreibe) meine so genannten "Leistungen" zu Papier zu tragen - bekomm ich einen Würgereiz.
Mach dich doch nicht selber fertig.
Es herrscht Fachkräftemangel und teils ist man schon froh, wenn ein Bewerber Deutsch sprechen kann. - schon erster Plus Punkt.

Klar, Informatiker ist schon nicht ohne.
Dennoch versteh ich nicht, warum du es nicht versuchst, wenn du Lust drauf hast.
Machs einfach, klassisch, E-Mail, telefonisch und/oder persönlich.
Vielleicht wirst du überrascht.
Das schlimmste was passieren kann, ist, dass alles so bleibt, wie es ist.

So wie ich das sehe, hast du also rein gar nichts zu verlieren.


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17.01.2020 um 19:43
@Negev
Ich verstehe das auch recht gut. Ich habe zwar andere Gründe und eine größere Lücke aber merke zur jeder Zeit, dass es nicht leicht ist. Was man schreibt ist dabei sogar fast egal. Die Ergebnisse sind immer die selben. Viel Glück bei deinem Weg.


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17.01.2020 um 20:07
@Negev
Ich wäre jetzt nicht so demotiviert, auch wenn du psychisch krank bist und das vermutlich auch dein ganzes Leben lang bleiben wirst ist es nicht einfach zu sagen, was jetzt das richtige ist, da du schon 6 Jahre krank bist hast du schon sicherlich die Höhen und Tiefen der Krankheit erkannt aber das Leben zu nehmen lernen ist nicht einfach, wie soll ich das beschreiben, du musst einfach sagen, dass es egal ist ob du jetzt 6 Jahre krank, inaktiv, unprofitabel warst, lass dir nichts einreden JEDER kann krank werden und das meine ich ernst, lass den Kopf nicht hängen es geht aber weiter.
Es ist aber möglich aktiv zu werden, mir wurde es und das empfehle ich auch dir, eine Werkstatt für Behinderte zu besuchen, dort lernst du andere Leute kennen, die so krank sind wie du oder vielleicht noch kränker, das kommt auf die Werkstatt drauf an. Ein kleines Zubrot ist auf jeden fall drin, die Sozialhilfe ist ja knapp bemessen, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Versuch erstmal ein halbes oder ein jahr in der Werkstatt zu arbeiten und einfach rauszukommen, das ist bei Depression wichtig, einfach unter Leute und was machen, aktiv werden.
Wenn du das geschafft hast wirst du vielleicht eine betreute Ausbildung machen können, es gibt IMMER Betriebe die auch psychisch Kranke einstellen, das hätte ich früher auch nicht gedacht, in jeder großen Stadt gibt es solche Einrichtungen, wo du wohnen kannst und gleichzeitig gechützt eine Ausbildung machen kannst. Dein Traum vom Fachinformatiker ist also nicht unrealisitisch, geh es aber LANGSAM an, setz dich nicht unter Druck, wenn du gerade ein Hoch hast, kann es sein, dass du Bäume ausreißen kannst, ich kenn das da ist einfach alles möglich, denkt man jeden falls aber in der Ruhe liegt die Kraft, glaube mir


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Wie bewirbt man sich mit einem verkorksten Leben?

17.01.2020 um 20:14
Etzela schrieb:Ich würde erwähnen, dass du krank warst die 6 Jahre. Du aber nie die Hoffnung aufgegeben hast und die Krankheit langsam besiegt hast. Du motiviert bist dein Einsatz in den Unternehmen zu zeigen und so einen Mehrwert für das Unternehmen zu bieten.
Das wollte ich dir auch gerne so mitteilen. Hat Etzela aber auch schon wunderbar formuliert.

Wirklich sagen, dass du die 6 Jahre krank warst. Niemand wird das bis ins detail weiter vertiefen. So ist das nunmal. Es geht nicht jedem immer gut und nicht alle sind Gesund und haben einen lückenlosen Lebenslauf. Jetzt ist deine Sache soweit durchgestanden und es geht weiter für sich. Das ist richtig vermittelt er super stark.

Liebe Grüße uns viel Erfolg


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17.01.2020 um 20:32
Negev schrieb:Praktisch hab ich in jenen 6 Jahren nichts produktives gemacht. Ich kann also keine Auslandsreise, Selbstfindungsphase, Neuorientierung oder andere Scherze anführen.
Kommt es immer auf Irgendwelche Auslandsreisen an? Ich mein klar, das lässt dich interessant erscheinen, aber jene vorgeschichte würde ich jetzt an deiner stelle auch nicht als Makel sehen.
Eine Selbstfindungsphase und Neuorientierung hast du gehabt, auch wenn es nicht freiwillig war und man diese Episode in dem sinne nicht als Höhepunkt werten kann.
Negev schrieb:Überlegungen wie „hättest du mal“ helfen nichts. Es ist so wie es ist.
Ja, dieses hättest du mal kenn ich auch. Ich denk, dass ist eher eine Illusion, dass du glaubst, dass du nur dieses und jenes besser hättest machen sollen. Nachdem was du schreibst hast du ja eh alles gemacht was in deiner macht steht um dich rauszuziehen, was auch schon viel ist.
n0skillz93 schrieb:Verstehe die Frage nicht ganz. Wenn du dir schon selbst einredest dass dein Leben verkorkst ist, erwarte nicht das ein Chef freudestrahlend auf dich zukommt.
Warum man sein leben so wahrnimmt in dieser Situation kann ich gut verstehen. Man sieht, was andere gemacht und erreicht haben und schaut auf so ein leben zurück, da kommt man sich nicht wie ein gewinner vor.
n0skillz93 schrieb:Die Zeit für den Thread hättest du nutzen können um bei Firmen persönlich vorbeizugehen und nach einem Praktikum zu fragen.
Vielleicht hat er das getan und es hat nichts geholfen? Deshalb hat er den Thread eröffnet, oder er macht das noch oder hat es getan.
n0skillz93 schrieb:Das Leben ist kein Ponyhof, du solltest das nehmen was du bekommst und darauf aufbauen.
Ich denke, jemand mit so einer vorgeschichte hat es längst verstanden, das weiß ich aus eigener Erfahrung.
Negev schrieb:Hab gerade versucht, ein - zwei Säzte zu schreiben. Schon alleine wenn ich daran denke (bzw. es aufschreibe) meine so genannten "Leistungen" zu Papier zu tragen - bekomm ich einen Würgereiz.
Kann es sein, dass es dir an Selbstbewusstsein fehlt?


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