Ich beschäftige mich schon länger mit Ahnenforschung. Für mich hoch Interessant und es macht mir Spaß, in alten Kirchenbüchern zu stöbern usw. Eine Bekannte sagte mal: "Das ist wie puzzeln, nur mit Menschen." Dem schließe ich mich an :D

Aufgrund eines Hexenschusses und daraus resultierender Bettlägerigkeit, fing ich kürzlich an, nach der Kriegsgeschichte meiner Opas und Uropas zu recherchieren.

Nunja, ich habe schon einiges rausgefunden, stellenweise ist es besorgniserregend. Ich habe bisher bloß väterlicherseits verifizierte Spuren gefunden und berichte euch davon:

Die Uropas:

Beide Uropas waren in der NSDAP.

Einer ist 1933 eingetreten, 1934 ausgetreten und 1935 wieder eingetreten. Was war da los? Mehr habe ich bisher nicht in Erfahrung gebracht. Es ist auch nicht ganz so einfach, denn es handelt sich um Familie Müller aus Berlin. Der worst case würde ich sagen :D

Mein anderer Uropa... ja, der ist mein Sorgenkind. Er ist ebenfalls 1933 in die NSDAP eingetreten und hier bin ich weiter: ich habe vor geraumer Zeit im Landesarchiv Berlin nachgefragt, ob über ihn eine Entnazifizierungsakte besteht. Ja, es gibt sie. Mir wurde per Mail mitgeteilt, ich könne die Akte im Lesesaal des Archivs einsehen. Da Berlin sehr weit weg ist, fragte ich nach möglichen Kopien. Vor ein paar Tagen kam die Antwort. Ich kann mir Kopien nach Hause schicken lassen, es sind 65-70 bedruckte Seiten.

Das ist ziemlich auffällig, denn die meisten Entnazifizierungsakten bestehen aus wenigen Seiten. Oft sind es nur drei. Wenn ich Google frage, sagt die KI das:


Screenshot 20260807 141128 ChromeOriginal anzeigen (0,5 MB)
Quelle: Google KI

Nun stellt sich mir natürlich sie Frage, warum er so eine dicke Akte hat. Wurde er entlastet? War er ein "strammer Nazi", hat er irgendetwas verwerfliches getan?
Ich habe Kopien der Akte nun nach Hause bestellt, allerdings dauert dies möglicherweise Monate, bis sie eintrifft.

Meine Opas:

Beide waren im Krieg junge Männer anfang 20.
Glücklicherweise gibt es keine Hinweise auf eine NSDAP-Mitgliedschaft.

Opa 1: aus Erzählungen weiß ich, dass er in Russland an der Front war und schwer verwundet wurde. Lungendurchschuss. Als Kind fand ich den Oberkörper meines Opas faszinierend, denn man sah eine große Wölbung nach innen, als wurde ein Stück Brustkorb fehlen. Ihm wurde von hinten in den Rücken geschossen und die Kugel trat vorne durch den Brustkorb wieder raus. Nach dieser schweren Verletzung war der Krieg für Opa vorbei.
Online hab ich über ihn nichts herausgefunden. Dies ist das, was ich noch aus meiner Kindheit weiß.

Opa 2: Opa zwei war Funker in einem JU-88 Bomber. Im April 1941 saß er mit drei weiteren Männern im Flugzeug auf dem Weg nach England, um anzugreifen. Über Südengland wurde das Flugzeug über einem Bauernhof abgeschossen. Der Pilot und ein weiterer Mann starben dabei. Mein Opa und ein anderer junger Soldat überlebten verletzt und kamen in Kriegsgefangenschaft. Mit einem Schiff wurden sie von England nach Kanada gebracht und verbrachten dort mehrere Jahre. Opa hat immer positiv von der Zeit gesprochen (wie man halt "positiv" vom Krieg spricht, er wäre mit Sicherheit lieber zuhause gewesen.). Die Kanadier haben die deutschen Gefangenen gut behandelt und an Geburtstagen gab es zum Beispiel einen Kuchen. Sie konnten Fußball spielen und hatten ausreichend zu essen usw. In russischer Kriegsgefangenschaft hätten die Menschen von sowas nur träumen können. Opa hatte auf vielen Ebenen Glück. Ich mein, wtf ... er hat einen Flugzeugabschuss überlebt.

Und nun ihr: interessiert ihr euch auch dafür, was eure Angehörigen im Krieg gemacht haben? Habt ihr interessante Geschichten? Oder haben eure Opas/ Uropas vielleicht nie über die Zeit im Krieg gesprochen? Habt ihr Lust zu recherchieren? Mittlerweile kann man online schon einiges herausfinden, beispielsweise sind die Entnazifizierungsakten aus NRW alle online einsehbar, ganz ohne irgendwelche Anträge auszufüllen.

Eure Geschichten interessieren mich sehr und vielleicht interessiert es auch den einen oder anderen User.