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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

42 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Krieg, Hitler, Nazis ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

08.08.2026 um 11:34
Meine Omas haben den Krieg sehr unterschiedlich überlebt.
Die eine wurde ausgebombt und ist zu ihrer wohlhabenden Schwester geflohen, sonst wäre sie verhungert.
Die andere hat als Krankenschwester im Lazarett gearbeitet und wurde zum Kriegsende von einem "Befreier" vergewaltigt und musste dieses Kind austragen. Das waren zeitlebens schwierige Verhältnisse bei uns in der Familie dadurch.

Von den Opas weiß ich nichts weiter. Sie waren schon verstorben, als ich auf die Welt kam und beide Omas erzählten nie wirklich viel über diese Zeit. Zumindest sind beide Opas lebendig vom Krieg heimgekehrt und waren auch nicht in Gefangenschaft, glaube ich.

Ansonsten sind einige sehr junge Verwandte an der Front gefallen. Die Bilder blutjunger Knaben hingen bei den Omas immer an der Wänden.

Mein Bruder betreibt seit Jahren Ahnenforschung, weshalb wir dadurch auch die Informationen der zwei dänischen Verwandten haben, welche in der DNSAP waren und die dann freiwillig zur Wehrmacht gingen und für Hitler kämpften. Unglaublich, wie naiv man eigentlich die ganzen Jahre über die Augen geschlossen hat. Denn ich habe immer, beim betrachten alter Fotos, gesagt, dass X und Y deutsche Uniformen tragen und wie das sein kann. Es wurde immer damit abgetan, dass Uniformen damals gleich aussahen..


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

08.08.2026 um 11:38
Ich möchte noch was zu meinem potentiellen Naziuropa sagen: ich versuche eine Erklärung zu finden, warum seine Entnazifizierungsakte so umfangreich ist.

Aus seiner Heiratsurkunde weiß ich, dass er im ersten Weltkrieg nicht an der Front war, sondern als "Kanzleidiener" im Garnisonslazarett Prenzlau gearbeitet hat und dort auch sein Wohnsitz gemeldet war.

Vielleicht hat er auch weiterhin diesen, ich nenne ihn "Staatsjob", gemacht und wurde deswegen genauer überprüft?

Dagegen spricht, dass er auf seiner NSDAP-Mitgliederkartei 1933 als Beruf bereits "Pensionär" angegeben hat. Da war er allerdings erst 50 Jahre alt und es stellt sich die Frage, warum er in diesem Alter bereits pensioniert war. Ich habe keine Ahnung.


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

08.08.2026 um 12:13
@pony2.4
War er vielleicht krank? Berufsunfähig gab's ja damals net. Heute würde man soetwas vllt "frührentner" nennen oder gibt das einen Sinn für dich?


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

08.08.2026 um 17:37
Dank guter Aufzeichnungen, sowie Dokumenten und Bilder und der nicht selten vom meiner Oma, als die schönste Zeit ihres Lebens betitelte Einstellung kann ich durchaus sehr genau sagen welche Rolle mein Opa im System gespielt hat.

Aber erstmal zurück. Ich bin ohne Opa groß geworden, und mit einer sehr offenen Erziehung im Bezug auf den Personenkreis den man damals als Feindbild betitelte. Meine Oma war auch kein schlechter Mensch. Sie hat das Erlebte auf einen kleinen Teil fokussiert und den Rest ausgeblendet. Sie hat meinen Opa geliebt und durch die Kinder und einem für damalige Verhältnisse gutem Familienleben war es wahrscheinlich auch irgendwie ihre schönste Zeit.

Wie viele sich jetzt vielleicht denken können... mein Opa war Täter. Ja, man muss es so trocken sagen, denn alles andere würde seine Taten runterspielen.
Als Offizier der SS war er der hauptverantwortliche in einem KZ und entsprechend für den Tod von sehr vielen Menschen verantwortlich. Beim Thema, wie also meine Angehörigen durch den Krieg kamen muss ich zwei Seiten trennen. Die Arbeit und das private, denn in der Realität kamen Oma und Opa sehr gut durch die Kriegsjahre. Sie bewohnten eine kleine Villa, Oma baute Gemüse an und kümmerte sich um die Kinder. Man ging gemeinsam spazieren und aß eigentlich auch immer gemeinsam. Feierlichkeiten gab es auch regelmäßig, genauso wie Ausflüge. Kurz gesagt, sie hatten wahrscheinlich ein innigeres Familienleben wie die meisten anderen. Zum Ende des Krieges schickte Opa die Familie weg, er selbst starb jedoch bevor er fliehen konnte.

Meine Oma erzählte früher viel von der Zeit, was sie als Familie so alles erlebt hatten. Die andere Seite hat sie nie erwähnt.


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

08.08.2026 um 17:50
@Ray.

Bei meiner Oma absolut dasselbe. Ich weiß, dass sie ein sogenanntes "Blitzmädchen" war und bei einem Aufstand, bin mir nicht sicher ob es der Warschauer Aufstand war, wohl auch sehr viele Freunde verloren hat bzw. deren Tod miterlebte.

Gesprochen hat sie fast gar nicht über diese Zeit. Mein Opa, ja auch er war Täter, ebenfalls SS-Offizier, wurde gegen Kriegsende von den Russen verschleppt und kam um 1952/53 zurück nach Dresden. Er hat die Russen bis zu seinem letzten Tag gehasst.

Das war mütterlicher Seite.

Über die väterliche Seite im Krieg weiß ich gar nichts, da macht man ein riesen Geheimnis daraus.


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

08.08.2026 um 18:34
also ein Großvater war fünf Jahre im Krieg, und hatte da echt Glück, er hat überlebt, und das unverwundet, und er entkam auch der Kriegsgefangenschaft

"ihr könnt heimgehen - der Krieg ist vorbei" hieß es - das waren aber paar Meter bis nach Hause - ich habe keine Ahnung wie er nach Hause kam,
die zogen halt mal schnell die Uniformen aus, um ganz klar nicht als Soldat erkannt zu werden, und um der Gefangenschaft zu entgehen

der hatte echt Glück, und nach dem Krieg zog er seine Sachen durch - direkt im Anschluss Meisterprüfung, dann Eheschließung, Selbständigkeit etc.pp.
der hat nicht über den Krieg geredet, bei seinen "Soldatentreffen", da haben die mit Sicherheit über den Krieg geredet

und die eine Oma war Krankenschwester im Krieg, die hat auch nicht darüber gesprochen, was sie da an schweren Kriegsverletzungen etc. mitbekam

es wurde eher getan, als sei da nie etwas gewesen - das war für die wohl alles normal wie es war ? ich finde das natürlich alles nicht so normal, das sind völlig andere Generationen, die hatten dazu eine andere Einstellung


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

08.08.2026 um 19:18
Zitat von pony2.4pony2.4 schrieb:Beide Uropas waren in der NSDAP
mein Opa der im Krieg war, war das, was man einen typischen Mitläufer nennt, ich weiß da nix über eine Parteizugehörigkeit zur NSDAP - ich schätze der war da nicht drin - das würde mich wenn, ganz klar auch interessieren, zumindest wollte ich dem mal nachgehen, wo er im Krieg war

mein anderer Großvater zählte zum "weißen Jahrgang" Wikipedia: Weißer Jahrgang
der war das, was man allgemeinhin einen "Humanist" nennt (meine Familie ist etwas unterschiedlich) - der verhalf Juden zur Flucht, das weiß ich aber nicht von ihm selbst (ich war noch 1 Kind als er starb, aber ich hatte mit ihm zu tun, ich kannte ihn etc.)
und bei Nachfragen (Onkel) wurde verhalten darüber gesprochen, und etwas erzählt, und alles bestätigt
der hatte zu der Zeit die Möglichkeiten dazu das zu tuns, mit 1 LKW, und er hatte auch damals bereits einen PKW

bei ihm hatte ich aber Sorge (man bekommt da halt komische Gedanken), er könnte sich so bereichert haben, also die Not der Juden ausgenutzt haben, denn er wurde auf verschiedenen Wegen, mit diversen Dingen bezahlt, nicht nur durch Geld, vielleicht waren es Sachen die die ohnehin nicht mit nahmen
aber auch darüber, über seine Courage die er hatte, wurde nicht gesprochen !

"später", also nach dem Krieg, hieß es, in allen/vielen Familien hätten welche geholfen ! schon deshalb erzähle ich sonst nicht darüber

aber ich kannte diesen Familienteil recht gut ! deren Haltung und Einstellung etc.


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

08.08.2026 um 19:25
Zitat von superuschisuperuschi schrieb:ein sogenanntes "Blitzmädchen"
Was versteht man denn darunter?


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

08.08.2026 um 20:06
Der Opa väterlicherseits war in der NSDAP, wurde aber nicht zur Waffe gezwungen, da er als Maschinenbauingenieur in seiner Stellung zu wichtig war. Opa mütterlicherseits war '36 bei der Olympiade in Berlin als Mitglied einer Läuferstaffel und geriet später in sowjetische Gefangenschaft.
Das Elternhaus meiner Mutter wurde von einem Brandkanister getroffen, der bis in den Keller durchschlug, sich aber nicht entzündete (Blindgänger). Die Stelle im Flur habe ich noch gesehen. Der Terrazoboden wurde zwar irgendwann geflickt, aber nicht gut. Die Stelle blieb immer erkennbar.

Wir sind im Mannesstamm bis etwas vor 1650 zurück. 1673 verstarb der letzte bekannte Vorfahr im Alter von 46 Jahren. Die Geburtsurkunde haben wir nicht gefunden, vor 1650 wirds dünn, es sei denn, man war adelig oder ein Verbrecher. :)


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

08.08.2026 um 20:10
Zitat von nairobinairobi schrieb:Was versteht man denn darunter?
Funkerin. Deren Battalionszeichen war iwi ein Sendemast und ein Blitz


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

08.08.2026 um 20:45
@emanon
Zitat von emanonemanon schrieb:Wir sind im Mannesstamm bis etwas vor 1650 zurück. 1673 verstarb der letzte bekannte Vorfahr im Alter von 46 Jahren.
umso mehr man über die eigene Familie/Vorfahren weiß, umso besser ! da gibt es einiges aufzustöbern
in der einen Linie von meiner Großmutter, da hat sich jemand die Mühe gemacht Ahnenforschung etc. zu betreiben, da habe ich auf Portalen etwas gefunden
das sind für mich aber nur Namen - wer das so alles war etc. - was die so getrieben haben ? also diese ganzen Familiengeschichten und auch Familienlügen, vor allem die Familiengeheimnisse herauszufinden, das finde ich schon wichtig
keiner kann etwas dafür, was ein Vorfahre getan hat, das ist klar, aber man versteht mehr und besser, je mehr man über die Familie/Vorfahren weiß

man ist kein unbeschriebenes Blatt, man wurde von denen geprägt, erzogen und und und, auch wenn man seinen eigenen Weg geht, los wird man die Familie nie, zumindest geht es mir so


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

08.08.2026 um 20:53
Meine Familie gibt nicht so viel her.
Waren alle nix Besonderes.
Kein Schloss, keine Ländereien o. Ä.
Bis ins 19. Jahrhundert waren sie durchgehend Knechte und Ackerer.
Mittlerweile sind die Personenstandsarchive ja zum größten Teil digitalisiert, das erleichtert es erheblich. Ich hab noch Kirchenbücher gewälzt und Microfiche-Kataloge.


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

08.08.2026 um 21:13
@emanon
Zitat von emanonemanon schrieb:Meine Familie gibt nicht so viel her.
das denk mal ja nicht ! ich bin mir sicher, in jeder Familie schlummern unzählige Geschichten ! Figuren/Charaktere usw. Romanstoff !

"Jeder einzelne Mensch ist schon eine Welt, die mit ihm geboren wird und mit ihm stirbt. Unter jedem Grabstein liegt eine Weltgeschichte."
Heinrich Heine
Zitat von emanonemanon schrieb:Kein Schloss, keine Ländereien o. Ä.
darum geht es nicht !
Zitat von emanonemanon schrieb:Ich hab noch Kirchenbücher gewälzt und Microfiche-Kataloge.
da hast du dich schon angestrengt ! ich kaue bislang immer mal wieder nur die durch, die ich persönlich kannte, der älteste war mein Uropa

Man muss aufpassen, was Verwandte erzählen. Also gut gelogen wird da schon auch, oder verschwiegen ! die erzählen nicht alles, was sie so wissen, oder woran sie an unschönem Verhalten am Ende selbst beteiligt waren, und schlecht dastehen - das wird nicht so gern erzählt !

also bereits in meiner Jugend stand ich vor diesem Problem, der unterschiedlichen Darstellungen, die von verschiedenen Familienteilen kam
das stimmte selten (fast nie) überein, im Gegenteil, völlig verschiedene Darstellungsweisen waren das


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

08.08.2026 um 21:33
@emanon
also ich weiß nicht, woher die alle eventuell mal kamen ? - sorry, mit dem Ursprungsthema Krieg hat das nur noch entfernt zu tun

also reden wir mal von der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg, die Zuwanderungen damals, wegen der Entvölkerung usw.
ich selbst weiß viel zu wenig über so etwas - lokale Ansässigkeit etc., und eventuelle frühere Herkunft ? aus anderen Regionen etc.

viel los war ja überall mal - an Bewegung usw.

oder Zeiten der Auswanderung, nach Übersee zum Beispiel, da haben viele auch noch Verwandtschaft - Auswanderungswellen etc.usw.

es kamen und gingen Menschen, die machten sich ja immer mal wieder auf die Beine usw.

viele haben Vorfahren aus Sudetendeutschland z.Bsp., und das liegt nun noch nicht so lange zurück ! und das prägt Menschen über Generationen !


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

gestern um 00:41
Zitat von rainloverainlove schrieb:Nach der Wende klagte mein großonkel vor hohen Gerichten wegen Enteignung aber die jetzigen eigentümer hatten bessere anwälte.
Du meinst den Staat, nach der DDR die Bundesrepublik?
LPGs waren Staatseigentum, die Flächen wurden nach der Wende verkauft vom Staat, bis heute.
Enteignete Alteigentümer haben erfolglos gegen diese Praxis geklagt, Gerichte urteilten hier zu Gunsten des Staates.
Ein sehr unrühmlicher Teil der Wiedervereinigung und wie der Staat dann fremdes Eigentum verhökerte und sich damit bereicherte.


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

gestern um 01:01
@Röhrich
Richtig der Staat hat gewonnen. Wir hatten um den altteil unseres Ortes große flächen mit weiden, bach großen Pappeln etc. Wir sind dort gern aber es schmerzt, dort direkt heute noch Zucht LPG was weiß ich gebäude, dort stinkts gewaltig, wörtlich und finanziell. Riesen Schweinehunde. Die Nazis haben uns eingedeutscht, staatl. Und namentlich und eingeschränkt, dann nach dem Krieg mussten wir fliehen weil uns "zu wenig Widerstand" vorgeworfen würde. Unsere länderein acker Hof geraubt, dann in Nachkriegsdeutschland neu angefangen, Schmuck und alles verkauft und dann kurz darauf unrechtmäßig enteignet.
Deutsche ob linke oder rechte, ob kommunisten oder Nazis ob Polen oder Russen, jeder ist uns in den rücken gefallen. Wir sind heute noch arm. Weder entschädigung noch Wiedergutmachung. Obwohl der Staat reich ist. 2 Onkel haben Suizid begangen wegen familiären gründen.
Manchmal kommt es mir vor wie eine Art "Fluch".


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

gestern um 01:54
Einer meiner Uropas war lange an der Front im Russlandfeldzug. Er wird direkt oder indirekt bei den Vernichtungsaktionen beteiligt gewesen sein, zu deren Opfern ja auch viele millionen Frauen und Kinder gehörten.
Das wurde ja dort von der SS zusammen mit der Wehrmacht gemacht.
Wie ich damit umgehe? Beim Auseinandersetzen mit der Zeit wurde mir bewusst, dass wir unter einer andauernden Propaganda größtenteils auch wieder dazu gebracht werden könnten.


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

gestern um 08:53
Zitat von nairobinairobi schrieb:Meiner ist auch wieder ausgetreten
Wir haben heute eine familiäre Zusammenkunft und da werde ich nochmal genau nach den Daten fragen. Noch kann ich es 🙏
Zitat von NukaNuka schrieb:Meine Omas haben den Krieg sehr unterschiedlich überlebt.
Die eine wurde ausgebombt und ist zu ihrer wohlhabenden Schwester geflohen, sonst wäre sie verhungert.
Die andere hat als Krankenschwester im Lazarett gearbeitet und wurde zum Kriegsende von einem "Befreier" vergewaltigt und musste dieses Kind austragen. Das waren zeitlebens schwierige Verhältnisse bei uns in der Familie dadurch.
Bei meinen war es so ähnlich. Beide Omas (und Opas) hatten ja als Kinder auch schon den 1. Weltkrieg erlebt 😖
Die Oma mütterlicherseits wurde zwei Mal ausgebombt. Später wurden sie woanders hingeschickt und mussten da von einer fremden Familie aufgenommen werden. Zu 5t waren sie in einem Zimmer. Die Oma hat nach dem Krieg höchstens 40 Kilo gewogen. Sie hat sich sehr bemüht, aus Gardinen Kleidung genäht usw.
Die andere Oma (die durch den Krieg zur Witfrau wurde) lebte in einer Gegend, wo es keine nennenswerte Industrie gab. Insofern auch keine Bombenabwürfe (nur einmal ist einige km entfernt eine Bombe herunter gegangen, wahrscheinlich ein Versehen). Sie hatte das große Pfarrhaus mit dem riesigen Garten mit vielen Obstbäumen (mein Opa hatte diese ganzen Bäumen lassen, alles gerodet und gepflanzt). Dann kamen etliche Flüchtlinge. Sie nahm diese alle auf und in dem Garten wurde jeder Familie ein Stück Land zugewiesen. Sie hielt Geflügel und ein Schwein wurde gefüttert, leider in einer Nacht heimlich geschlachtet und entwendet.
Diese Oma ist irgendwann mal von russischen Soldaten vergewaltigt worden.
Zitat von NukaNuka schrieb:Von den Opas weiß ich nichts weiter. Sie waren schon verstorben, als ich auf die Welt kam und beide Omas erzählten nie wirklich viel über diese Zeit.
Den einen Opa habe ich zwar noch kennen gelernt, aber er starb, als ich gerade 10 war. Über den Krieg wurde nicht gesprochen. Ich glaube, das wollte man alles vergessen. Opa war Schlosser oder sogar Autoschlosser und er hat den Krieg auch äußerlich unbeschadet überstanden, weil er als Chauffeur gearbeitet hat.
Zitat von NukaNuka schrieb:Zumindest sind beide Opas lebendig vom Krieg heimgekehrt und waren auch nicht in Gefangenschaft, glaube ich.
Der eine Opa meines Mannes war ich glaube 7 Jahre in amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Täglich wurden er und andere Gefangene zu einer Farm gefahren, wo sie gearbeitet haben.
Zitat von NukaNuka schrieb:Ansonsten sind einige sehr junge Verwandte an der Front gefallen. Die Bilder blutjunger Knaben hingen bei den Omas immer an der Wänden.
Ja, mindestens zwei Brüder meiner Oma sind als junge Männer gefallen. Die andere Oma war ein Einzelkind.
Zitat von NukaNuka schrieb:die dann freiwillig zur Wehrmacht gingen und für Hitler kämpften. Unglaublich, wie naiv man eigentlich die ganzen Jahre über die Augen geschlossen hat.
Aus heutiger Sicht ja.
Die Propaganda war schon sehr ausgefeilt. Und dann gab es Arbeit. Dass das im Grunde strategischen Zwecken gedient hat und schon Vorbereitung für den Krieg war oder die Großmannssucht von Hitler befriedigen sollte mit seinen monumentalen Bauwerken hat sicher nicht jeder durchschaut oder es war egal - wichtiger war es, die Familie ernähren zu können. Das soziale Netz wie heute, wo jeder Arbeitsunfähige, Arbeitsscheue oder Arbeitssuchende aufgefangen wird, existierte da ja noch nicht.
Zitat von rainloverainlove schrieb:War er vielleicht krank? Berufsunfähig gab's ja damals net.
Genau, Lebens- und Invaliditätsversicherungen konnten sich wohl die wenigsten leisten.
Zitat von ParcoursParcours schrieb:ein Großvater war fünf Jahre im Krieg, und hatte da echt Glück, er hat überlebt, und das unverwundet, und er entkam auch der Kriegsgefangenschaft
Da hatte er Glück. Aber die seelischen Wunden trug er sicherlich zeitlebens mit sich herum.
Für psychologische Betreuung war das auch noch nicht die Zeit.
Zitat von ParcoursParcours schrieb:das sind völlig andere Generationen, die hatten dazu eine andere Einstellung
Da war erst mal Wiederaufbau angesagt, über viele Jahre.
Zitat von ParcoursParcours schrieb:die zogen halt mal schnell die Uniformen aus, um ganz klar nicht als Soldat erkannt zu werden, und um der Gefangenschaft zu entgehen
Das erzählte mein Vater auch. Die Soldaten rissen sich das ganze Zeug vom Leib und schmissen alles weg. Das war auch nicht ungefährlich für Kinder, die das fanden und untersuchen wollten. Ein Junge aus meines Vaters Dorf kam so zu Tode.
Zitat von SiegelschildSiegelschild schrieb:dass wir unter einer andauernden Propaganda größtenteils auch wieder dazu gebracht werden könnten.
Sehr bedenkliche Entwicklungen und Parallelen, die mir Angst machen.


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

gestern um 09:43
also mir braucht da keiner etwas anderes zu erzählen, die Nachwirkungen vom Krieg, wirken bis heute
so wie immer noch Bomben aus dieser Zeit geräumt und entschärft werden, oder die Munition irgendwo herumliegt
Die Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs sind noch heute zu spüren - zum Beispiel in der Psyche von Kriegskindern und Kriegsenkeln. Die Autorin Sabine Bode hat sich mit diesem Thema beschäftigt.
Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/kriegsende/Die-vergessene-Generation-Ueber-Leid-von-Kriegskindern,kriegskinder128.html


also mein Opa der im Krieg war, auch wenn er da echt Glück hatte, andere starben ! wurden schwer verwundet etc. er wurde nie verwundet !
andere waren in Kriegsgefangenschaft, dem entkam er auch !
einen Kriegsschaden hatte der trotzdem - z. Bsp.: der hat in großen Metalltonnen Mehl und Zucker (unverderbliche Ware) gehortet, als ich ihn als Kind fragte, warum er das tut, sagte er "falls es mal Krieg gibt"

also mit denen stimmte es hinten und vorne nicht mehr, und das kann ich gut verstehen

so hat der sein Leben knallhart (diszipliniert) durchgezogen - nie arbeitslos und das Gedöns halt - angepasst etc. - finanziell abgesichert usw.usf.
also so wie es sein soll, da gab es nix was man auf den ersten Blick hätte sagen können, alles immer in Ordnung - Haus/Garten etc. Lebensstil einwandfrei - trotzdem !


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

gestern um 11:08
Zitat von two-centstwo-cents schrieb:Ich kann mir vorstellen, dass sich akustisch eine leichte Irritation eingeschlichen hat: Wurzelrothn = Wurzelrode.
Genau, Wurzelroden, ehem. Posen.
https://ehemalige-ostgebiete.de/de/place/222547-korzeniew
Zitat von rainloverainlove schrieb:Ja von meinem Vater. Vieles würde mit der Roten Armee ausgelöscht, es waren nicht mehr als einige gehöfte.
So sieht es heute aus:
https://mapcarta.com/de/18536010

Historisches:
https://de.knowledgr.com/00028064/WoiwodschaftGrosspolen
Nach dem deutschen Einmarsch 1939 wurde Großpolen in das nationalsozialistische Deutschland eingegliedert und wurde zur Provinz Reichsgau Posen, später Reichsgau Wartheland (Warthe als deutsche Bezeichnung für den Fluss Warta). Die polnische Bevölkerung wurde unterdrückt, viele ehemalige Beamte und andere als potenzielle Feinde von den Nazis inhaftiert oder hingerichtet, darunter im berüchtigten Konzentrationslager Fort VII in Posen. Posen wurde in der Schlussphase des Krieges zur Festungsstadt erklärt, die von der Roten Armee in der Schlacht von Posen, die am 22. Februar 1945 endete, eingenommen wurde.
Die erzählte Familiengeschichte gibt es ja leider zuhauf.


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