Ein kleines Update zu meinen beiden Berliner Uropas:
bei dem mit der umfangreichen Entnazifizierungsakte gibt es noch nichts neues. Ich warte, dass mir die Unterlagen zugeschickt werden und habe absolut keine Ahnung, was mich da erwartet.
Beim anderen Uropa habe ich im Landesarvchiv Berlin auch nach einer Entnazifizierungsakte gefragt. Letzte Woche erhielt ich eine Antwort:
Eine Entnazifizierungsakte existiert. Da sie nur aus, ich glaube, 19 Seiten besteht, würden sie mir netterweise direkt digital und kostenlos zugestellt.
Das Entnazifizierungsverfahren wurde nie abgeschlossen, mein Uropa hat sich wohl irgendwann nicht mehr zurückgemeldet und hat es wohl einfach ausgesessen. Demnach wurde er auch nicht in "Nazi Stufe I bis V" kategorisiert.
Hier Erklärungen zu den fünf Kategorien:
https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/bsfb/themen/politische-bildung/historisch-politische-bildung/5-belastungskategorien-entnazifizierung-273948Ich denke nicht, dass er "schlimmer Nazi" oder Täter war, eins, zwei Dinge ließen mich aber schon hellhörig werden. So gab er an, führendes Mitglied im Volksbund der Kinderreichen gewesen zu sein (seine Frau hat 17 Kinder geboren). Das war schon was sehr nazihaftes. Es ging darum, deutschen, arischen Nachwuchs zu generieren.
Zudem hat die Akte mir wieder gezeigt, wie ärmlich diese Seite meiner Familie gewesen sein muss. So gab er zum Beispiel Anfang der 50er an, noch neun Kinder versorgen zu müssen, in einer 2-Zimmerwohnung mit 50 DM Wochenlohn, was damals für einen Arbeiter sogar noch unterdurchschnittlich gewesen ist.
Bei Interesse lade ich gerne Teile der Akte hoch, würde das aber nochmal mit den Kollegen in der Verwaltung abklären.
Für mich hochinteressant und ich kann es anderen Interessierten nur empfehlen, auch nach diesen Akten zu fragen.
Meine andere Familienseite scheint übrigens völlig clean zu sein. Auch aus Erzählungen hörte ich immer, dass sie Hitler ablehnten. Nach meinen Recherchen dürfte dies auch tatsächlich zutreffen.
Das ist auch recht interessant und man kann dies durchaus auch auf die heutige Situation beziehen: Väterlicherseits keine hohe Bildung, Armut, einfache Arbeiter, NSDAP-Mitglieder und vermutlich den Nazis nicht abgeneigt. Mütterlicherseits hohe Bildungsabschlüsse, keine Armut, fast alles Beamte und studierte und keine Spuren zu Nazis.