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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

62 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Krieg, Hitler, Nazis ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

09.08.2026 um 11:48
Zitat von rainloverainlove schrieb:die DDR uns enteignet
aus dem Grund nahmen sich auch viele Menschen das Leben:
Suizide in der DDR
Geheime Verschlusssache
In der DDR war die Suizidrate europaweit am höchsten. Geforscht werden durfte dazu aber nicht, Statistiken blieben geheim. Manche widersetzten sich dem Forschungsverbot und nach dem Mauerfall wurden sogar verloren geglaubte Akten wiedergefunden.
„Es ist berühmt-berüchtigt diese Zeit Ende der 50er-Jahre bis hinein in die 60er-Jahre, als die Zwangskollektivierung in der Landwirtschaft stattgefunden hat. Wer so ein bisschen Erzgebirge, Lausitz kennt, der weiß, dass sich dort Bauern haufenweise umgebracht haben, dass sie teilweise einen erweiterten Suizid begangen haben mit Vernichtung von Immobilien oder ihren Wohnraum. Da gab es einen Extraboom in dieser Zeit.“
Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/suizide-in-der-ddr-100.html


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

10.08.2026 um 11:05
Mein Großvater kam in Buchenwald ums Leben: 1948. Wir alle wissen, dass 1945 der Krieg zu Ende war und auch alle Konzentrationslager aufgelöst wurden. Bereits vor vielen Jahren wollte ein Onkel mir das erklären. Ich dumme, Nicht-Geschichtsinteressierte, verstand nichts und antwortete nicht. Erst jetzt verstand ich durch einen Brief aus dem Nachlass meines Vaters, dass alle unsere Vorfahren tatsächlich Menschen waren, Gefühle hatten, Briefe schreiben konnten.

Dieser Brief meines Großvaters war an seine Frau (meine Oma) gerichtet, datiert am 03.02.1945, so voller Liebe und (Schreib-)Stil, mit dem Bewusstsein, dass er den Krieg nicht überleben würde – und so kam es auch. Er brachte mich zum Weinen, zum Verstehen, Suchen. „Sowjetische Speziallager“ ist der Begriff, den alle verschwiegen haben. Bis 1950 lebten und starben weiterhin in Buchenwald Menschen.


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

11.08.2026 um 18:15
Zitat von Ray.Ray. schrieb am 08.08.2026:Als Offizier der SS war er der hauptverantwortliche in einem KZ und entsprechend für den Tod von sehr vielen Menschen verantwortlich.
Wow. Das ist wirklich heftig.
Zitat von Ray.Ray. schrieb am 08.08.2026:Zum Ende des Krieges schickte Opa die Familie weg, er selbst starb jedoch bevor er fliehen konnte.
Wer war für seinen Tod verantwortlich? Er wurde also nicht vor Gericht gestellt, sondern kam vor den Verhandlungen ums Leben, hab ich das richtig verstanden?

Ich frage das, da ja in den Prozessen viele Haupttäter zum Tode verurteilt worden sind.


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

11.08.2026 um 20:06
Zitat von Pony2.4Pony2.4 schrieb:Wer war für seinen Tod verantwortlich? Er wurde also nicht vor Gericht gestellt, sondern kam vor den Verhandlungen ums Leben, hab ich das richtig verstanden?
Er wurde zwar tatsächlich gehängt aber ohne Prozess. Von wem genau das ist mir nicht bekannt, aber man kannte es ja von einigen anderen Fällen. Letztendlich ist es auch nicht wichtig, unverdient war es sicherlich nicht. 🤷‍♂️


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11.08.2026 um 21:12
Mein Opa hat auch nie über den Krieg gesprochen. Er war in Montecassino und hat dort ein Bein verloren, damit war der Krieg für ihn vorbei. Ein Nazi war er gewiss nicht.

Viel schlimmer war für ihn wohl der Verlust der alten Heimat. Seine Familie besaß ein Gut in Pommern mit einer Pferdezucht und wurde, wie so viele andere auch, vertrieben.

Bei Omma sah das leider anders aus. Meine Oma hat immer von der Zeit im BDM geschwärmt. "Alles andere" habe man nicht gewusst und das wurde ja hinterher auch furchtbar aufgebauscht... Man habe damals vermittelt bekommen, dass das Straf- und Arbeitslager für Kriminelle waren und das haben viele auch gern geglaubt - manche ja bis heute...

Ich schwanke bis heute zwischen den Annahmen, dass Oma ein Vorzeige-Nazi war oder dass das eine Strategie ist, mit dem Erlebten abzuschließen.


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18.08.2026 um 13:19
Mein Großvater war von 1915 bis 1918 in Frankreich, er war bei der Artillerie. Einzelne "Annekdoten" will ich hier gar nicht wiedergeben, aber jetzt, als alter weißer Mann, verstehe ich ihn ein wenig besser.
Wie fast alle aus der Generation, ist er schwer traumatatisiert zurück gekommen, das, was heute PtBS genannt wird.
Die Veteranen behandelten ihr Trauma mit sehr viel Alkohol und er lebte sein Leben, als ob er sich im Krieg geschworen hätte "wenn ich das hier überlebe, werde ich mein Leben in vollen Zügen genießen."

Zu Anfang des zweiten Weltkrieges wurde er nochmals Soldat, wurde dann aber, nach kurzer Zeit entlassen, aus Altersgründen, er war Jahrgang 1895.

Ich weiß nicht, wann für ihn der Krieg wirklich zuende war, eventuell nie, für ihn persönlich war der 2. Weltkrieg aber nicht so einschneidend, keine Flucht, keine Vertreibung, kein naher Angehöriger, der gefallen ist.
Er war, natürlich, im Stahlhelm, wie fast alle Veteranen in unserem Dorf, ist aber nicht mit in die SA gegangen.
Er war in der Partei und Ortsbauernführer, hat den moralischen Kompass dabei aber nicht verloren, sein Trauma aus dem 1. Weltkrieg zieht sich wie ein roter Faden durch die Familiengeschichte, mit einem ganz starken Echo über mindestens eine Generation hinweg.


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18.08.2026 um 16:27
Nun, ich hatte einen Arbeitskollegen, der bis er 95 Jahren starb, bei uns gearbeitet hatte.cEr war natürlich im Krieg.
Ich hatte auch ein freundschaftlisches Verhältnis zu ihm und wir besuchten uns auch privat.
Oft wenn ich bei ihm war, kamen wir auf das Thema Krieg... Ich könnte jetzt sicherlich terabytelange Posts verfassen und Geschichten schreiben da würde mir dann aber sichlerlich mein eigener Tod "dazwischen kommen" ;)

Daher in Kürze:
Seine Erzählungen waren für mich so bildlich und "greifbar", als wäre ich fast dabei gewesen, kann man so sagen.
Ob es dabei um undramatische Geschichten ging oder um sehr dramatische und auch emotionale, er brachte sie fast rüber, als wären sie live und ich dabei.
Dazu kam noch, dass er gebürtiger Berliner war, dort auch viel Zeit seiner Kindheit/Jugend verbracht hatte und dass er eine "typische berliner Schnauze" hatte. Ihm konnte ich stundenlang zuhören.

Jede seiner Erzählungen aber zeigte mir mehr und mehr als jede Doku es kann, die Unsinnigkeit, den Irrsinn, das mutwillige, sinnlose Zerstören von uns und anderen auf und brachte mich mehr und mehr zu der Frage:
Der Mensch ist das EINZIGE Lebewesen, das über die Konsequenzen seines Handelns VORHER NACHDENKEN kann. Wieso tut er das nicht und wieso lernt er nichts daraus? Ist der Mensch so "gleichgültig"?

Gucky.


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

01.09.2026 um 15:07
Mein Opa (Vater Seite) war Soldat im zweiten Weltkrieg und auch an der Front.
Er war auch stolzer Soldat, wenn man das so sagen kann.

Haben viele Bilder im Archiv.
Persönlich habe ich ihn nie kennengelernt, er fiel nicht im Krieg, starb aber bevor ich geboren wurde.

Meine Oma (Vater Seite) hatte harte Zeiten durchgemacht denn die Alliierten haben die Ortschaften hier mächtig zerbombt.
Für meine Oma und meinen Vater hieß es damals oft Fliegeralarm und ab in den Keller.

Wir haben auch die Vermutung (auch wenn meine Oma es nie geäußert hat), dass sie von den Aliierten während der Besatzung vergewaltigt wurde, da vieles darauf schließen ließ.


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

01.09.2026 um 15:27
Zitat von KangarooKangaroo schrieb:Wir haben auch die Vermutung (auch wenn meine Oma es nie geäußert hat), dass sie von den Aliierten während der Besatzung vergewaltigt wurde, da vieles darauf schließen ließ.
Was lässt für dich darauf schließen? Oder hast du einen guten Link zu dem Thema?
Falls es dir zu privat ist, musst du das natürlich nicht ausführen. Mir ist die Sensibilität des Themas bewusst - sofern es für die Angehörigen (und sofern noch lebend, die damaligen Betroffenen) in Ordnung ist, finde ich es aber auch wichtig, zumindest Verhalten und mögliche Gründe zu benennen ohne ins Detail zu gehen. Das schafft m.E. auch Verständnis für Verhalten.
Als Kind fand ich es z.B. merkwürdig, dass eine meiner Omas
Zitat von RaspelbeereRaspelbeere schrieb am 07.08.2026:bei in der Wohnung offengelassenen Schränken panisch
reagierte und konnte ihr Verhalten auch nicht einordnen. Warum kriegt Oma da so einen riesen Schreck? Warum schimpft sie? Später wurde es klarer für mich.


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

01.09.2026 um 15:50
Ein kleines Update zu meinen beiden Berliner Uropas:

bei dem mit der umfangreichen Entnazifizierungsakte gibt es noch nichts neues. Ich warte, dass mir die Unterlagen zugeschickt werden und habe absolut keine Ahnung, was mich da erwartet.

Beim anderen Uropa habe ich im Landesarvchiv Berlin auch nach einer Entnazifizierungsakte gefragt. Letzte Woche erhielt ich eine Antwort:
Eine Entnazifizierungsakte existiert. Da sie nur aus, ich glaube, 19 Seiten besteht, würden sie mir netterweise direkt digital und kostenlos zugestellt.

Das Entnazifizierungsverfahren wurde nie abgeschlossen, mein Uropa hat sich wohl irgendwann nicht mehr zurückgemeldet und hat es wohl einfach ausgesessen. Demnach wurde er auch nicht in "Nazi Stufe I bis V" kategorisiert.

Hier Erklärungen zu den fünf Kategorien:
https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/bsfb/themen/politische-bildung/historisch-politische-bildung/5-belastungskategorien-entnazifizierung-273948

Ich denke nicht, dass er "schlimmer Nazi" oder Täter war, eins, zwei Dinge ließen mich aber schon hellhörig werden. So gab er an, führendes Mitglied im Volksbund der Kinderreichen gewesen zu sein (seine Frau hat 17 Kinder geboren). Das war schon was sehr nazihaftes. Es ging darum, deutschen, arischen Nachwuchs zu generieren.

Zudem hat die Akte mir wieder gezeigt, wie ärmlich diese Seite meiner Familie gewesen sein muss. So gab er zum Beispiel Anfang der 50er an, noch neun Kinder versorgen zu müssen, in einer 2-Zimmerwohnung mit 50 DM Wochenlohn, was damals für einen Arbeiter sogar noch unterdurchschnittlich gewesen ist.

Bei Interesse lade ich gerne Teile der Akte hoch, würde das aber nochmal mit den Kollegen in der Verwaltung abklären.

Für mich hochinteressant und ich kann es anderen Interessierten nur empfehlen, auch nach diesen Akten zu fragen.

Meine andere Familienseite scheint übrigens völlig clean zu sein. Auch aus Erzählungen hörte ich immer, dass sie Hitler ablehnten. Nach meinen Recherchen dürfte dies auch tatsächlich zutreffen.

Das ist auch recht interessant und man kann dies durchaus auch auf die heutige Situation beziehen: Väterlicherseits keine hohe Bildung, Armut, einfache Arbeiter, NSDAP-Mitglieder und vermutlich den Nazis nicht abgeneigt. Mütterlicherseits hohe Bildungsabschlüsse, keine Armut, fast alles Beamte und studierte und keine Spuren zu Nazis.


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

01.09.2026 um 16:06
@Pony2.4
Guter Hinweis bzgl. der Entnazifizierungsakten.

Habe gerade mal im Archiv von NRW nachgesehen, zu meinem Opa gibt es tatsächlich solch eine Akte.
Leider ist sie (wie andere) nicht digital einsehbar.
Zitat von RaspelbeereRaspelbeere schrieb:Was lässt für dich darauf schließen?
Sie hatte in Gespräche gegenüber meiner Mutter und anderen Familienangehörigen andeutungen gemacht, dass etwas passiert sei.
Wenn man sie gezielt ansprach oder etwas nachbohrte ist sie sehr Emotional geworden und wollte das Thema meiden.

Sie hatte auch eine Abneigung gegenüber den Alliierten, obwohl sie anderen Nationen gegenüber sehr aufgeschlossen war.
Meine Mutter kommt aus dem nahen Osten und sie hatte ein prima Verhältnis mit ihr.

Es gibt auch lokale Berichte, in denen Übergriffe durch die Aliierte dokumentiert wurden.


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

01.09.2026 um 17:56
Zitat von Pony2.4Pony2.4 schrieb:Das ist auch recht interessant und man kann dies durchaus auch auf die heutige Situation beziehen: Väterlicherseits keine hohe Bildung, Armut, einfache Arbeiter, NSDAP-Mitglieder und vermutlich den Nazis nicht abgeneigt. Mütterlicherseits hohe Bildungsabschlüsse, keine Armut, fast alles Beamte und studierte und keine Spuren zu Nazis.
Meine Vorfahren haben ebenso zuallermeist eine relativ geringe Bildung (noch mein Vater hat nur 8. Klasse Volksschule, keine Berufsausbildung, ab 14 Jahren als Fabrik-Hilfsarbeiter gearbeitet; bei anderen Vorfahren sah es ähnlich aus: ärmlich, kinderreich, kleine Verhältnisse, auch keine z.B. Handwerksmeister darunter). Meine Großmutter mütterlicherseits sticht da noch heraus: Realschulabschluss, Bauzeichnerin. Ähnlich bei der Familie meines Mannes: Alles ganz kleine Verhältnisse. Die Eltern kamen beide nach der 8. Klasse aus der Schule.
(Ich bin selbst in der Familie die erste/einzige mit Abitur. Selbiges bzgl. meinem Mann in seiner Familie.)

Bei keinem von ihnen ist mir eine NSDAP-Mitgliedschaft bekannt - Betonung auf "bekannt", d.h.: konnte nichts finden.
Ich würde das gar nicht mal unbedingt dem Charakter, den ich großteils gar nicht kannte (und den ich, wenn, auch nicht als besonders weltgewandt, offen und bildungsinteressiert* eingeordnet habe), pauschal zuordnen. Möglicherweise lag es auch am dörflichen Wohnort, auch keine größeren Städte in der Nähe (gewesen) - wie viel da wohl "los" war?

*was ich damit sagen will: Sehr wohl kann ja jemand z.B. trotz geringer formaler Bildung bildungsinteressiert, belesen sein. Durchaus kenne ich das von manchen älteren (jetzt schon verstorbenenen) Menschen aus der Gegend. Bei meinen Großeltern, die ich noch kannte, wäre mir das nicht aufgefallen.

@Kangaroo
Danke!


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01.09.2026 um 20:03
Mein Opa kam aus Sangerberg, war dann im Krieg, danach in russischer Gefangenschaft. Ich habe alle Briefe die er an die Familie geschrieben hat hier bei mir. Es ist schwer sie zu lesen ohne zu weinen.
Er hat durch eine Tante in Frankfurt irgendwann erfahren, dass seine Familie hier in Hessen gelandet ist. Wäre seine Tante damals umgezogen, hätte es vermutlich ewig gedauert. So hatte er wenigstens die Chance Kontakt mit Mutter und Bruder zu halten.
Der Vater ist im Krieg gefallen, das hat er auch so durch die Briefe erfahren.

Meine Oma wohnte schon immer hier bei uns im Ort. In der Nähe befand sich eine Tötungsanstalt, je nach Wetter hat man den Rauch gesehen und auch an der Wäsche gemerkt.
Sie sagt man hat am Anfang gar nichts geahnt, irgendwann sind behinderte Kinder aus dem Ort verschwunden...
Auch vom Bombenalarm hat sie viel erzählt, auch dass die Amerikaner, als sie dann kamen, eigentlich ganz nett waren. Zumindest zu ihnen.


Beide haben viel erzählt, aber auch erst als sie älter wurden.


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

02.09.2026 um 02:04
Zitat von Pony2.4Pony2.4 schrieb am 07.08.2026:fing ich kürzlich an, nach der Kriegsgeschichte meiner Opas und Uropas zu recherchieren.
Falls es nicht schon bekannt sein sollte:

https://wehrmacht-auskunftstelle.de/die-wast-oder-abteilung-pa-des-bundesarchives/

https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/personen-und-familienforschung/personenbezogene-unterlagen-militaerischer-herkunft/


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02.09.2026 um 12:26
Mein Großvater mütterlicherseits war im 1. Weltkrieg im Einsatz gewesen und war dort zum Invaliden geworden. Deswegen musste er im 2. Weltkrieg nicht mehr einrücken. Soweit ich von meiner Mutter weiß und auch selbst mitbekommen und in Erinnerung hatte, war er aber in den Dreißiger- und Vierzigerjahren ein Anhänger der NSDAP gewesen, hatte aber selbst vergleichsweise wenig unter Einschränkungen zu leiden (von Versorgungsengpässen abgesehen).

Meine Mutter war während des 2. Weltkriegs noch ein Kind gewesen. Sie hat aber oft berichtet, dass sie die Zerstörung der heimischen Stadtkirche selbst beobachtet hat (der Kirchturm fing nach einem Bombenangriff Feuer, brannte ab und stürzte ein). Ansonsten hatte sie eher Erinnerungen aus einer kindlichen Perspektive (sie wusste noch, dass sie damals Angst vor dem Gleichschrittgeräusch der marschierenden Soldaten bei Aufmärschen hatte).


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02.09.2026 um 12:57
Zitat von TeegardenTeegarden schrieb am 08.08.2026:Ich bleibe auf alle Fälle dran an der Sache,
Ich bin drangeblieben und habe nochmal weiter gefragt.
Zitat von TeegardenTeegarden schrieb am 08.08.2026:Zusätzlich ist ein weiteres Detail aufgefallen, mein Uropa kann überhaupt nicht mein Uropa sein, denn er ist Jahre vor der Geburt meines Opas gestorben. Also konnte er überhaupt keinen Nachweis erbringen.
Da scheint es wohl irgendwelche Probleme mit den Daten zu geben, laut Verwandten hat mein Opa seinen Uropa gekannt. Ich habe aber nochmal einen Tipp bekommen wo ich mich genauer informieren kann.
Zitat von TeegardenTeegarden schrieb am 08.08.2026:Eingetreten ist mein Opa 1937 in die NSDAP, damals gab es eine Massenaufnahme, denn von 1933 bis 1937 gab es einen Aufnahmestopp, das wusste ich vorher auch nicht. Ob mein Opa vorher schon Interesse hatte, weiß ich nicht. Ansonsten kann ich bisher nichts finden, also ob er was höheres in der NSDAP war oder einfach nur ein Mitglied.
Auch das habe ich erzählt bei einem Familienmitglied. Die Reaktion war ähnlich wie meine. Ich dachte ja der Opa väterlicherseits könnte irgendwie was mit der NSDAP zu tun haben. Es wurde also tatsächlich als erstes der Opa väterlicherseits vermutet, nachdem ich erzählt habe was ich rausgefunden habe. Das habe ich dann verneint und es wurde mit Kaum geglaubt, dass es die andere Seite ist. Es wurden dann mehrfach die Namen und Adressem verglichen, sowie weitere Vorahren. Das hat gepasst. Trotzdem gab es die Überlegung ob icj in eine falsche/andere Ahnenlinie geraten bin. Mütterlicherseits hat wohl niemand dran geglaubt.
Auch hier stehe ich noch am Anfang, werde aber weiter suchen.


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02.09.2026 um 20:31
Eure Nachforschungen finde ich sehr interessant.

Ich weiß es bei mir nur von manchen Vorfahren.

Die Großeltern väterlicherseits sind gestorben, bevor mein Vater meine Mutter überhaupt kennengelernt hat. Ich weiß nicht mal ihre Namen.

Mein Großvater mütterlicherseits war während des Krieges noch recht jung. Er lenkte einen Flak-Scheinwerfer auf dem Dach einer großen Firma bei uns im Dorf. Als er 18 wurde, wurde er einberufen. Mit anderen neu einberufenen maschierte er los. Als sie im Nachbarort ankamen, kam die Nachricht, dass der Krieg vorbei ist. Glück gehabt.

Meine Oma und mein Opa mütterlicherseits trennten sich, bevor ich auf die Welt kam. Meine Oma heiratet neu und ihr zweiter Mann war für mich wie ein zweiter Opa. Was ich als Kind nicht verstand, war wie sehr er diese Ideologie gefressen hatte.
Als junger Soldat war er angeschossen worden und verlor einen Arm. Er gab immer seinen Kameraden die Schuld, weil sie die Verletzung seiner Meinung nach zu fest abgebunden hatten. Wenn er bestimmte Lieder hörte kamen ihm die Tränen (Junge komm bald wieder und das Rübezahllied). Als ich ungefähr 8 Jahre alt war, sagte er zu mir "Hitler hätte noch mehr Juden töten sollen". Selbst in dem Alter war ich geschockt und wusste, dass es Unrecht ist. Ich sagte zu ihm "aber was ist mit den jüdischen Kindern?". Er antwortet "die auch".
Generell war er ein Mensch der sich immer benachteiligt gefühlt hat, sah sich als "kleiner Leut". Er war Beamter und konnte sich ein großes Haus mit Garten leisten, von wegen "kleine Leut".
Mit dem Nachbarn legte er sich an, weil der einen Deutschen Schäferhund hatte, der bellte (interessant, das er Deutsche Schäferhunde, wie alle anderen Hunde, nicht mochte). Nach dem Streit zogen mein Großeltern um. Mit den neuen Nachbarn stritt er sich, weil der Anstrich ihres Zaunes zu sehr roch. In Wirklichkeit störte es ihn, dass sie Italiener waren. Er hätte niemals eine Orange oder Tomate gekauft oder gegessen. Viel zu ausländisch. Bananen und Kartoffeln waren komischerweise kein Problem.
Im Dorf meiner Großeltern freundete ich mich mit einem geistig behinderten Mädchen an. Die mochte mein Stiefopa total gerne. Als ich so 8 oder 9 Jahre alt war, wollte ich nicht mehr mit ihr spielen. Das lag nicht an ihr, sondern an ihrem ebenfalls behinderten 16-jährigen Bruder, der mir hinterher stieg. Das konnte ich meinen Großeltern natürlich sagen, die hätten den ganzen Ort hochleben lassen. Mein Stiefopa dachte sofort, dass meine Mutter mir verboten hätte mit dem Mädchen zu spielen, weil sie behindert war. Das fand er such normal, dass meine Mutter es verbieten könnte. Wir waren dann zumindest noch jahrelang Brieffreundinnen.
Das klingt alles ziemlich unangenehm, aber er hatte trotzdem auch gute Seiten, war viel mit mir wandern und brachte mir alte Volkslieder bei. Natürlich hatten die Lieder auch einen ideologischen Gedanken. Als erstes lernte ich das komplette "Lied der Deutschen". Er hatte ein Gesangbuch in dem nur die Strophe gedruckt war, sie heute unsere Nationalhymne ist. Er hat das Lied auf der Seite nebendran mit den anderen beiden Strophen überklebt, die er fein säuberlich abgetippt hatte.
Wenn ich tiefer drüber nachdenke, würden mir wahrscheinlich noch mehr Beispiele einfallen.

Die Mutter meines Stiefvaters lebte in Frankfurt (Main). Mein Stiefvater war noch ein Kind und hatte eine kleine Schwester. Der Vater war in Kriegsgefangenschaft. Sie hatte häufig Bombenalarm. Meine Stiefoma sagte immer "ich konnte gerade so noch ein frisches Höschen für meine kleine Tochter einpacken". Als sie eines Tages aus dem Bombenkeller kamen, war das Haus in dem sie lebten weg. Ihr tat es immer sehr weh, wie stark Frankfurt zerstört wurde.
Zuvor hatten sie einen Nachbarn mit Hund. Mein Stiefvater erzählte mir, dass der Hund eines Tages weg war und der Nachbar ihnen selbst eingekochtes Fleisch anbot. Ob es der Hund war, weiß natürlich keiner


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02.09.2026 um 21:17
Zitat von JuleJule schrieb:irgendwann sind behinderte Kinder aus dem Ort verschwunden...
Schlimm, sie sind bestimmt nach Hadamar oder in ähnliche "Einrichtungen" gekommen.


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

02.09.2026 um 21:17
Zitat von UndingUnding schrieb:Schlimm, sie sind bestimmt nach Hadamar oder in ähnliche "Einrichtungen" gekommen.
Ja, Hadamar. Richtig


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Wie haben eure Vorfahren den Krieg erlebt?

02.09.2026 um 21:21
Zitat von JuleJule schrieb:Ja, Hadamar. Richtig
Das war naheliegend. Kommt ja auch immer mehr über die Anstalt bzw. eher Tötungsstation in Hadamar raus.


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