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Moral: Relativ, objektiv oder rational begründbar?

11 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Psychologie, Philosophie ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
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Moral: Relativ, objektiv oder rational begründbar?

13.08.2026 um 17:01
Ich denke, dass es eine Art universelle Moral geben könnte, auch wenn ich eigentlich nie behauptet habe, dass es eine objektive Moral gibt. Ich meine vielmehr, dass es Moralvorstellungen gibt, die mehr Sinn ergeben als andere, und dass Macht nichts mit der Güte eines Arguments zu tun hat.

Bestimmte Handlungen werden in nahezu allen Kulturen als moralisch problematisch angesehen. Mord beispielsweise gilt grundsätzlich als etwas Unmoralisches. Trotzdem gibt es Gesellschaften, in denen die Tötung eines Menschen unter bestimmten Umständen als gerechtfertigt angesehen wird, etwa durch die Todesstrafe für schwere Straftaten. Ebenso gibt es Länder, in denen Sex außerhalb der Ehe als schweres moralisches Vergehen betrachtet und sogar mit der Todesstrafe bestraft wird.

Deshalb würde ich zwischen grundlegenden moralischen Prinzipien und ihrer konkreten gesellschaftlichen Auslegung unterscheiden. Dass das Töten eines Menschen grundsätzlich moralisch problematisch ist, kann eine weit verbreitete moralische Vorstellung sein, während die Frage, wann eine Tötung gerechtfertigt ist, unterschiedlich beantwortet wird.

Gleichzeitig bin ich der Meinung, dass Moral nicht allein deshalb richtig ist, weil eine Gesellschaft oder eine mächtige Person sie akzeptiert oder durchsetzen kann. Moral muss zumindest argumentativ gerechtfertigt werden. Wenn beispielsweise ein Herrscher behauptet, Sklaverei sei moralisch in Ordnung, wird diese Aussage nicht dadurch richtig, dass er die Macht besitzt, sie gesetzlich durchzusetzen. Macht entscheidet darüber, was sich gesellschaftlich durchsetzen lässt, aber nicht darüber, ob ein Argument tatsächlich gut oder moralisch überzeugend ist.

Wenn man beispielsweise behauptet, Sklaverei sei moralisch in Ordnung, reicht es also nicht aus zu sagen: „Das ist eben unsere Kultur.“ Man müsste begründen können, warum es moralisch vertretbar sein soll, einen Menschen als Eigentum eines anderen Menschen zu behandeln.

Natürlich ist Moral etwas Menschliches und hat deshalb sehr viele Facetten. Unterschiedliche Gesellschaften können zu unterschiedlichen moralischen Vorstellungen gelangen. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass jede dieser Vorstellungen gleichermaßen sinnvoll oder überzeugend ist. Es besteht ein Unterschied zwischen der Tatsache, dass Menschen unterschiedliche moralische Überzeugungen haben, und der Behauptung, dass deshalb alle diese Überzeugungen gleich gut begründet sind.

Letztlich geht es für mich also weniger darum, zu behaupten, dass es eine objektiv feststehende Moral gibt. Mir geht es vielmehr darum, dass wir moralische Vorstellungen anhand ihrer Argumente beurteilen sollten – und nicht danach, wer die Macht besitzt, sie durchzusetzen.


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Moral: Relativ, objektiv oder rational begründbar?

13.08.2026 um 17:28
Zitat von Mr.CrimeMr.Crime schrieb:dass es Moralvorstellungen gibt, die mehr Sinn ergeben als andere
Das ist von Person zu Person verschieden, leider. Wenn jeder das Leben so respektieren würde wie es ist, hätten wir viele Sorgen weniger.
Zitat von Mr.CrimeMr.Crime schrieb:Macht entscheidet darüber, was sich gesellschaftlich durchsetzen lässt, aber nicht darüber, ob ein Argument tatsächlich gut oder moralisch überzeugend ist.
Genau, wir leben in einer Demokratie, wir als Volk entscheiden, wer uns regiert.
Zitat von Mr.CrimeMr.Crime schrieb:Unterschiedliche Gesellschaften können zu unterschiedlichen moralischen Vorstellungen gelangen.
Ja das sehen wir in anderen Religionen ganz klar, in Islamischen Regierungen finden Hinrichtungen, Steinigungen, Auspeitschen und Folter statt. Bei uns Undenkbar aber dort moralisch gerechtfertigt durch die Sharia. Und die Bevölkerung geht damit dacor.
Zitat von Mr.CrimeMr.Crime schrieb:Letztlich geht es für mich also weniger darum, zu behaupten, dass es eine objektiv feststehende Moral gibt. Mir geht es vielmehr darum, dass wir moralische Vorstellungen anhand ihrer Argumente beurteilen sollten – und nicht danach, wer die Macht besitzt, sie durchzusetzen.
Völlig richtig, wir entscheiden jeden Tag neu und reagieren auf politische und globale, gesellschaftliche Prozesse und Themen. Einen guten Moralkompass zu haben ist dafür entscheident, die Menschenrechte etc durchzusetzen egal was komme. Wir leben nichtmehr im Mittelalter und haben uns weiterentwickelt, unsere Moral entscheidet über unsere zukünftigen Handlungen. Also muss der Kompass immer geeicht sein und immer neu geprüft werden. Vielleicht sehen uns Menschen in tausend Jahren als genauso babarisch wie im Mittelalter, weil wir z.b. Tiere medizinisch missbrauchen und essen aus ihnen gewinnen. Wer weiß, Moral entwickelt sich stetig. Große Gesellschaftliche und weltliche Geschehnisse richten diese oft neu aus, siehe Corona etc.


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Moral: Relativ, objektiv oder rational begründbar?

13.08.2026 um 17:38
@rainlove
Zitat von rainloverainlove schrieb:Das ist von Person zu Person verschieden, leider. Wenn jeder das Leben so respektieren würde wie es ist, hätten wir viele Sorgen weniger.
Wie meinst du das genau ? kannst du mir ein Beispiel geben ?


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Moral: Relativ, objektiv oder rational begründbar?

13.08.2026 um 17:58
Zitat von Mr.CrimeMr.Crime schrieb:Wie meinst du das genau ? kannst du mir ein Beispiel geben ?
Wenn z.b. jeder Respekt vor Leben hätte würde jeder Kriege ablehnen. Mitmenschlichkeit, hohe Moral, Respekt vor Leben. Unsere Welt wäre eine Bessere, ohne Egoisten, Sozio- und Psychohphaten.


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Moral: Relativ, objektiv oder rational begründbar?

13.08.2026 um 18:14
@rainlove
Ja klar, aber du hast ja auf meine Aussage
Zitat von Mr.CrimeMr.Crime schrieb:dass es Moralvorstellungen gibt, die mehr Sinn ergeben als andere
gesagt, dass das von Mensch zu Mensch unterschiedlich sei. An sich verstehe ich das, aber wenn ich sage, dass es Moralvorstellungen gibt, die mehr Sinn ergeben als andere, dann verstehe ich deine Aussage nicht ganz.


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Moral: Relativ, objektiv oder rational begründbar?

13.08.2026 um 23:34
Zitat von Mr.CrimeMr.Crime schrieb:Gleichzeitig bin ich der Meinung, dass Moral nicht allein deshalb richtig ist, weil eine Gesellschaft oder eine mächtige Person sie akzeptiert oder durchsetzen kann. Moral muss zumindest argumentativ gerechtfertigt werden.
Immanenter Widerspruch für mich.
Ich habe meine ganz persönliche Moral und weiß genau das sie von den moralischen Vorstellungen anderer Menschen - selbst in meinem engstem Umkreis - abweicht. Jeder bringt für seine Moral eigene Argumente vor die eine jeweils eigene Wichtung haben.
MMn gibt es einen groben Moral-Korridor der viele Menschen vereint, innerhalb dessen jedoch sehr viele Abzweigungen und am Ende bist alleine in deinem eigenen Ende des moralischen Astes.

Echt interessanter Topic.


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Moral: Relativ, objektiv oder rational begründbar?

14.08.2026 um 13:31
@behind_eyes
Also ist moral vollkommen subjetiv ?


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Moral: Relativ, objektiv oder rational begründbar?

14.08.2026 um 16:23
Wir haben wohl das Pech als Menschheit selbst entscheiden zu müssen was für uns die beste Moral ist.
Das ganze ist noch in der Entwicklung.

Abendländische Ideen, morgenländliche Ideen; da gibt es -wie wohl jeder weis-, umfangreiche Gedanken und Schriftstücke zu.
Gestern hörte ich -bei einem (random) Alexander Kluge Interview- einige für mich gut verständliche Einblicke über die japanische Kultur. Einige Dinge die mit Wasser –zu tun hatten, und das dort meiner Auffassung nach der Egoismus eher verpönt ist. Ich bitte um Korrektur wenn das falsch ist.
Das hat mich den ganzen Tag fast nicht losgelassen, dass da eine Gesellschaft in Japan offenbar großen Wert auf Harmonie legt. Bei Interesse, das Interview
In dem Zusammenhang ging mir ein Gegengedanken nicht aus dem Kopf; jener, dass wir vielleicht im Westen einen krankhaft starken Egoismus leben. Kein Urteil, also das war nur ein Gedanke.
Wie gesagt, ich denke wir haben noch unglaubliche Fähigkeiten, die, gäbe es Weltfrieden, in Zukunft zu einer Weltgemeinschaft führen wird, zu einem sozialen miteinander sozusagen, dass, würden wir es heute schon sehen, wahrscheinlich dazu führen würde, dass wir nur noch weinen würden über das Elend in dem wir gerade mit unseren ganzen Zeitgeistern stecken.
Es ist für uns alle wohl besser, garnicht erst zu durchblicken, in welcher Verwirrung und in welchen Ängsten wir gehalten werden, –nicht verschwörerisch sondern ganz simpel von Menschen wie du und ich.

Einerseits sind da sehr unterschiedliche Kulturen im Moment, aber das wird von alleine gehen in Zukunft, da bin ich 100% sicher. Das braucht nur genügend Generationen, und zwar auf dem Fundament des Friedens.

Ein anderer Punkt wäre die Wirtschaft.
Die Idee, dass es was besseres geben könnte, ist ja ein großes Thema. Ich frage mich nur, wie der Übergang von dem einen in das andere System von statten gehen soll.
Die unfassbar komplexe Wirtschaft–unzählige Dinge die im Zusammenhang stehen.
Schlaue Leute werden das in sehr kleinen Schritten über Dekaden, eher Jahrhunderte dann den tatsächlichen Möglichkeiten Anpassen müssen, denn es muss ja sicher funktionieren bei jeden kleinsten Zahnradwechsel.

So wie jetzt geht das nicht. Das geht nur in sehr viel größeren vereinten Ländern, schlussendlich dann am einfachsten in einer "One Human One Justice" Weltregierung.
Ja schon klar, hört sich illusorisch an,–leider so wie Weltfrieden :/ .

2200 könnte es das geben, 2300 sollte es das geben, und 2500 wird sich kaum noch jemand was anderes vorstellen können. Sei's drum, wenn es erst im Jahr 3000 soweit ist. So lang ist das nicht und kommen wird das so oder so.
Zitat von rainloverainlove schrieb:Genau, wir leben in einer Demokratie, wir als Volk entscheiden, wer uns regiert.
Hallo, ja wir entscheiden, aber wir entscheiden leider nicht, welche Meinungen, Medien und Werbespots uns den ganzen Tag um die Ohren fliegen.

Durch die Ängste die dort in uns gefüttert werden, sind wir nicht so objektiv wie wir es sein könnten. Dann ist Egoismus und schlechte soziale "Techniken" dann der Überlebensmechanismus, und ganz nach dem Motto 'never change a working system' bleibt man dabei, durch den Erfolg oder durch die soziale Anerkennung in der Gesellschaft.
Ich garantiere dir, wären alle Medien durchweg nur an Bildung und Wahrheit interessiert, käme die A,F'Ð keinesfalls über 5%.
Dumm sein ist leider einfach und nicht selten kultiviert, fast schon Familien Tradition, sei es nun bei Fanbase72 Sharia Leuten oder alten Nazis.

Im Grunde kann man sich wohl gerade glücklich schätzen, frei zu sein, in einem gewissen Wohlstand, sich auf's Wochenende in Frieden zu freuen und irgendwas ohne bedenken oder Konsequenzen in ein Forum schreiben zu können.
Vielleicht macht es auch keinen Sinn unsere Moral in einer Friedensblase noch weiter zu detaillieren, wärend wo anders sich Leute terminieren.


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Moral: Relativ, objektiv oder rational begründbar?

14.08.2026 um 17:27
Zitat von Mr.CrimeMr.Crime schrieb:Also ist moral vollkommen subjetiv ?
Eher dazwischen - intersubjektiv

Menschen haben ähnliche Bedürfnisse (wie Schmerzvermeidung). Daraus entstehen Regeln, die fast jede Gesellschaft braucht. Sie wirken objektiv, bleiben aber menschengemacht.

Meine Meinung.


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Moral: Relativ, objektiv oder rational begründbar?

17.08.2026 um 12:56
@behind_eyes
also irgendwie sowie ich es gesagt habe. oder ?
Zitat von Mr.CrimeMr.Crime schrieb am 13.08.2026:Deshalb würde ich zwischen grundlegenden moralischen Prinzipien und ihrer konkreten gesellschaftlichen Auslegung unterscheiden. Dass das Töten eines Menschen grundsätzlich moralisch problematisch ist, kann eine weit verbreitete moralische Vorstellung sein, während die Frage, wann eine Tötung gerechtfertigt ist, unterschiedlich beantwortet wird.



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Moral: Relativ, objektiv oder rational begründbar?

17.08.2026 um 13:00
@Mr.Crime
Korrekt, mit der Anmerkung das für mich die "grundlegenden moralischen Prinzipien" eben von der Gesellschaft kommen, die konkrete Auslegung aber individuell ist.


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