cejar schrieb:Ich rede nicht von Einmal-Einkäufen, sondern von Deinem Stammladen.
Nun habe ich tatsächlich keinen Stammsupermarkt, sondern so 3-4 unterschiedliche Läden, in denen ich regelmäßig Lebensmittel einkaufe (und scanne, falls es die Möglichkeit gibt, meine Ware sowieso am liebsten selbst ab), aber irgendwie glaube ich dennoch nicht, dass sich das Personal im Kaufland oder im unterbesetzten Penny meine Bongewohnheiten oder auch nur meinen Namen merken würde, selbst wenn ich nur noch dort einkaufen würde. Das klappt vermutlich eher im Rewe auf dem Dorf, weil man sich da auch abseits des Geschäfts kennen könnte und der Kundenkreis kleiner ist.
Man kennt meinen Namen z.B. in meiner Stammbuchhandlung. Da arbeiten aber auch keine ständig wechselnden Leute zum Mindestlohn und im Akkord. Außerdem wäre ich sicherlich ganz fix keine Kundin mehr, wenn ich das Gefühl hätte, dass das Personal meine Anwesenheit nur toleriert. Während sich manche Lebensmittel ganz blöd oder überhaupt nicht online einkaufen lassen oder zu einem höheren Preis, liefert mir jede andere Buchhandlung Buch X zu selben Preis und ohne Versandkosten am nächsten Tag nach Hause.
In Supermärkte wiederum gehe ich nicht mehr, wenn es dort dreckig ist oder wenn die Obst- und Gemüseabteilungen aussieht, als wolle man dort Biowaffen heranzüchten. Oder wenn die Auswahl nicht zu meinen Essensgewohnheiten passt.
Außerdem mache ich persönlich auch noch mal einen Unterschied zwischen Namen und irgendwelchen Treuepunkten/Kassenbons/Stempeln/wasauchimmer. Ich arbeite z.B. selbst in einem Beruf, in dem ich den Leuten zwar nichts verkaufe, in dem sie aber bei Verlangen einen Bon bekommen (mit einem Datum drauf). Manche wollen den auch, manche vertrauen aber auch auf unsere Erinnerungsmails, wieder andere benutzen unsere App. Nun merke ich mir von meinen Stammkunden die Namen. Ich merke mir sogar, wie ihre Kinder heißen und ggf. persönliche Interessen, wenn die irgendwann mal erwähnt wurden.
Aber weder ist mein Gehirn ein Supercomputer, der sich unbegrenzt alles merken kann, noch bedeutet das Vorhandensein der App auf dem Smartphone zwangläufig, dass diese Person da vor mir deshalb keinen Bon möchte. Ich meine, ich antworte auf die Frage, ob ich den Kassenbon im Supermarkt möchte, manchmal auch mit "Ja", obwohl ich das Ding dann daheim ungesehen in den Müll schmeiße. Ich habe also irgendwann beschlossen, dass ich a) die Frage Bon oder App standardmäßig bei allen volljährigen Nutzenden stelle (Kinder kriegen den Bon von mir immer in die Hand gedrückt), um mich b) auf die wichtigeren Informationen konzentrieren kann. Dafür weiß der Kassierer im Supermarkt dann ggf. vielleicht Namen und Treuepunktepräferenzen, aber nicht, dass man mich darauf hinweisen könnte, dass mir die neue Sorte Strawberry Matcha schmecken könnte, die seit dieser Woche im Regal steht.