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Österreichischer Hip-Hop

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Österreichischer Hip-Hop

17.01.2014 um 09:37
Hallo lieber Besucher!

Es freut mich, dass du dich für Hip-Hop Made in Austria interessierst, du dich über dieses Thema informieren möchtest, oder vielleicht konstruktiv beitragen kannst?!

Österreich ist ein kleines Land, hat demnach nicht ganz soviel zu bieten in der dortigen Hip-Hop Szenen. Jedoch sollte man diese auf keinen Fall unterschätzen! In den 90igern war Österreich bei Hip Hop Gruppen in Deutschland und auch Amerika besonders beliebt. Ähnlich wie in der Schweiz, konnte man in kürzester Zeit, Deutschland verlassen, man war im Ausland, fühlte sich in einer anderen Welt, aber dennoch kann man die Sprache und Kultur sehr gut verstehen. Mir hat es als Teenager und auch jetzt noch, sehr gut dort gefallen. Ich verbinde die Besuche immer mit Freude, Gastfreundschaft, extremer Freundlichkeit, chillen, Skifahren, Partys, Ice-Tea, hübsche nette Frauen und eine sehr überschaubare, aber ernstzunehmende und talentierte Hip Hop-Szene. Natürlich gibt es noch mehr Attribute für Österreich, aber als Teenager, habe ich die oben genannten für besonders beeindruckend empfunden. Ich selbst bin als Künstler mitte/ende der 90iger dort als deutscher, relative bekannt in der Szene gewesen. Habe über die Jahre hinweg, bis heute sehr viel mit österreichischen Künstlern und Medien zusammengearbeitet und kenne deshalb die Szene sehr gut. Man kann sagen ich bin auch indirekt ein kleiner Teil von ihr und die meisten Künstler und Personen sind Freunde oder Kollegen. Ich möchte dir mit diesem Thread die Hip Hop Kultur in Österreich etwas näher bringen und ihr auch auf diesem Weg zurückgeben, was sie mir beschert hat. Nämlich die Liebe zu Hip Hop. Wäre die Radiosendung Tribe Vibes (Radio FM4) mit dem Host Functionist und DJ DSL nicht gewesen, wäre ich ich nicht seit über 15 Jahre beruflich in der europäischen Hip Hop Szene aktiv gewesen. Für mich hat in Österreich alles angefangen, dort hatte ich auch meine erste Freundin. Diese Momente und Gefühle, habe ich später in Deutschland nie mehr so extrem heftig gespürt! Es war irgendwie hektischer, teilweiser liebloser, eben mehr Massenabfertigung. Kommerzieller wäre der richtige Ausdruck. Das Geldverdienen und der Fame stand bei den meisten im Vordergrund. In Österreich dagegen, war die Freude und der Spaß an erster Stelle! Dies machte mir die Hip Hop Kultur in Österreich natürlich besonders sympathisch.

Für mich persönlich könnte das Thema in einem vereintem Europa mehr Beachtung finden.

Ich werde auf den nächsten Seiten die Geschichte von Hip Hop aus Österreich dokumentieren. Klassiker Songs/Videos posten, die den Hip Hop in Österreich sehr geprägt haben. Einrichtungen vorstellen, wie wichtige Radiosender, Fernsehsender, Labels. Dann natürlich Portraits einzelner Gruppen präsentieren.

Jeder darf sich hierbei natürlich sehr gerne beteiligen. Aber: MUSIK ist Geschmackssache!!! Wenn du mit Hip Hop aus Österreich gar nichts anfangen kannst, ist dies dein Recht, aber verlasse den Raum bitte unauffällig und kommentarlos. Du musst es nicht mögen, aber Posts wie: "So ein scheiß, grauenhaft der Össi-Rap" bringt uns hier nicht weiter und macht den Vibe kaputt! Ich denke du verstehst was ich meine ;-)

Ach ja, noch etwas an die geschätzten Allmyster-Macher, die darüber entscheiden, ob der Thread überleben darf oder geschlossen wird: Bitte gebt dem ganzen eine Chance! Dieser Thread wird gewissenhaft und mit der nötigen Portion Herzblut geführt und es dauert natürlich, bis alle Informationen zusammengetragen werden, bzw. bis alle interessierten von der Diskussion erfahren. Aber ich bin mir sicher, mit der Zeit wird dies hier eine sehr unterhaltsame und informative Runde, die sicherlich auch viele Österreicher anzieht, die vielleicht noch nicht so viel mit Allmyster zu tun hatten. Suchmaschinen machen es möglich :-)

Eine letzte Verhaltensregel: Es wird niemand beleidigt, diskriminiert oder aufgrund von seinem persönlichem Geschmack angegriffen. UND: ALLES was hier im Thread gepostet wird, MUSS mit Hip Hop in Österreich zu tun haben! Bitte haltet euch daran ..... vielen Dank!

Euer Diskussionsleiter

Bodensee im Januar 2014

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Youtube: Texta - Nachtmensch (Instrumental)

Texta - Nachtmensch (Instrumental) 1997



In Österreich zählen folgende Gruppen/Künstler/Institutionen als sehr bedeutsam und relevant (ohne Vollständigkeitsanspruch):

Hip Hop Gruppen aus Österreich:

Texta
Total Chaos
Aphrodelics
Waxolutionists (DJ / Producer Crew)
Markante Handlungen
Die Antwort
Wisdom & Slime
Die Symbiose
Schönheitsfehler
Sua Kaan
Die Vamummten
Flip & Average
Kamp & Whizz Vienna
The Moreaus
Rooftop Clique
Fünfhaus Posse
Hörspielcrew
Rückgrat
Kayo & Phekt
Penetrante Sorte
perVers
Underground Poeten
E.A.V.


Hip Hop Einzelkünstler aus Österreich:

Falco
Skero
Chakuza
Raf 3.0 (Raf Camora)
Nazar
Flip
Average
Kamp
Jack Untawega
Gerhard
Sugar B.
Kayo
MAdoppelT



Hip Hop DJs aus Österreich:

DJ DSL
Functionists
Demon Flowers (RIP)
Trishes
DJ Phekt
Cutex
DJ Zuzee
Bionic Kid
Urbs
DJ Buzz
DJ Stickl
DJ Dan
DJ Crissfader
DJ Buk
DJ Twang
DJ DBH
DJ Megablast
DJ Beware

Hip Hop Radio Show aus Österreich:

Sendung: Tribe Vibes auf Radio FM4 immer Donnerstags von 22-24 Uhr (auch im Live Stream)

Moderartoren früher u.a. Funktionist mit DJ DSL an den Decks
Jetzt Trishes und DJ Phekt


Hip Hop Produzenten aus Österreich:

Brenk (Sinatra)
Whizz Vienna
Urbs
Functionist
Fid Mella
Trishes
Beatlefield (Chakuza & DJ Stickle)
Raf 3.0
Waxolutionists
Urbs’n Chaoz
Flip


Hip Hop Magazin aus Österreich:

The Message (Print & Online)
hiphop.at (Online Community)


Quelle:

Eigene Recherchen

Youtube: Urbs' n Chaoz - Closer to God

Urbs'n Chaoz - Closer to God (1997)

Von dem Album "Da Beauty and Da Beatz”. Diese orale Feinkost wird auch oft als FM4-Tribe Vibes-Hymne Bezeichnet. Sie repräsentiert die Goldene Dope-Beats Area in Österreich! Die Samples & der Ausdruck bringen auch 2014 noch Gänsehaut in die Ohrmuscheln. Das Produzenten/DJ-Duo geht mittlerweile musikalische getrennte Wege. Urbs ist Artist bei dem Label G-Stone Recordings.

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Österreichischer Hip-Hop ist die Bezeichnung für Hip-Hop-Musik aus Österreich. Anders als in der deutschen Hip-Hop-Szene ist ein Großteil der österreichischen Hip-Hop-Musiker nicht im Mainstream, sondern im Bereich der Untergrund-Musik – im Umfeld von Radio FM4 und gotv – tätig.

Geschichte:

Ähnlich wie beim deutschen, schweizerischen und englischen Hip-Hop begann der österreichische Hip-Hop Anfang der 1990er-Jahre. Das erste „offizielle“ Hip-Hop-Album, Swound Vibes von The Moreaus, erschien 1990. Prägende Interpreten für diese Zeit waren allerdings die Gruppen Schönheitsfehler, Fünfhaus Posse und Texta. Eine tragende Rolle wird bis heute dem Jugend-Radiosender FM4 mit der Sendung Tribe Vibes zugeteilt, der nach der Programmreform des heutigen Formatprogramms Ö3 gegründet wurde. Auch der österreichische Popmusiker Falco wurde mit seiner Art des Raps als einer der Pioniere des österreichischen Hip-Hops gesehen, obwohl er diese Rolle mehrmals abstritt.

Im Jahr 2000 schaffte die Gruppe Schönheitsfehler einen ersten kommerziellen Erfolg, nach Dauer-Airplay auf dem Radiosender FM4. Mit SexDrugsAndHipHop sowie der Single Fuck You schaffte die Crew einen überregionalen Erfolg. Zur selben Zeit bildete sich die Rooftop Clique, ein Zusammenschluss aus acht österreichischen Underground-Hip-Hop-Crews (HRC, PerVers, Sheyla J, A.geh Wirklich?, Gerard MC, Bonz und Seizu).

Mitte der 2000er-Jahre konnte sich das von der Gruppe Texta gegründete Label Tonträger Records in der alternativen Musikszene Österreichs etablieren. Unter den bekannten Interpreten sind zum Beispiel Markante Handlungen. Das Linzer Produzentenduo Beatlefield (bestehend aus Chakuza und DJ Stickle) konnte später auch in Deutschland Fuß fassen, als es Bushido Album Staatsfeind Nr. 1 produzierte und bei dessen Label ersguterjunge einen Vertrag unterzeichnete. Chakuza ist seitdem auch als Solokünstler erfolgreich. Ende 2007 wurde MC J alias Big J zum CEO der Black Wall Street Europe, dem Label vom amerikanischen Rapper The Game, ernannt.

2007 sorgte die aus Wien Ottakring stammende Gruppe Sua Kaan für mediales Aufsehen, nachdem sie ein Video mit einem vermeintlich gewaltverherrlichendem Lied veröffentlichte. Knapp drei Jahre später veröffentlichte sie ihr erstes Album und erreichte die Ö3 Austria Top 40. Anfang 2008 veröffentlichte die Gruppe Die Vamummtn die Vamummtn Krocha Hymne, eine Persiflage auf die in Wien entstandene Jugendkultur der Krocha. Der Song konnte sich, als erster einer österreichische Hip-Hop-Crew seit Langem, in den österreichischen Charts platzieren.

Zu den bekannteren Frauen im österreichischen Hip-Hop zählen Mieze Medusa, die 2007 mit Nicht meine Revolution (Mieze Medusa & tenderboy feat. Violetta Parisini) den Protestsongcontest gewann, und die Gruppe MTS (anfangs Multitaskingsistas).

Skero, Mitglied von Texta, veröffentlichte 2010 gemeinsam mit der DJane Joyce Muniz Kabinenparty, eine Adaption des Tracks Popozuada Rock n' Roll von Edu K., das Platz 4 der österreichischen Singlecharts erreichte. 2010 waren die Trackshittaz mit Oida taunz! die erste österreichische Hip-Hop-Gruppe, die es auf Platz 1 der Charts schaffte. Die Bekanntheit der Gruppe wurde zuerst durch das Internetportal YouTube und dann durch die Sendung Helden von morgen gefördert, an der Mitglied Lukas Plöchl teilnahm.

Ebenfalls vergleichsweise große Erfolge feierten die Rapper RAF Camora (später RAF 3.0) und Nazar, die Top-10-Platzierungen in den deutschen und österreichischen Verkaufscharts erreichten. Letzterer erlangte in Österreich auch durch den Dokumentarfilm Schwarzkopf größere Bekanntheit.


Quelle: Wikipedia
Wikipedia: Österreichischer_Hip-Hop


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Juvenile
ehemaliges Mitglied

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Österreichischer Hip-Hop

17.01.2014 um 09:42
Chakuza kennt man in Deutschland natürlich auch ganz gut.

Total Chaos kenn ich auch noch mit dem Song "Energy". ;)


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Österreichischer Hip-Hop

17.01.2014 um 09:47
@bodensee
Hi ich wohne in Österreich und wollte dir nur sagen dass du eine Gruppe vergessen hast (die einzige die ich auch höre) die Vamummtn (: die machen hald echten Wiener Rap und meiner Meinung nach auch den besten (:


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Bodo
ehemaliges Mitglied

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Österreichischer Hip-Hop

17.01.2014 um 09:49
@LillyFeee
Hat er nicht vergessen ;)

Bei den Gruppen oben:
bodensee schrieb:Die Vamummten


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Österreichischer Hip-Hop

17.01.2014 um 09:58
@Bodo
@LillyFeee
@Juvenile

Hallo ihr 3, hätte nie gedacht dass am ersten Tag auch nur eine Person hier reinschaut ;-)
Wow .... bin doch noch gar nicht fertig hier mit allem :-)


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Bodo
ehemaliges Mitglied

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Österreichischer Hip-Hop

17.01.2014 um 10:00
@bodensee
War keine Absicht, da ich dieses Genre generell eher meide :D
E.A.V. unter Hip Hop finde ich etwas gewagt, aber soll nicht weiter schlimm sein :)


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Österreichischer Hip-Hop

17.01.2014 um 11:54
HipHop in Österreich

(Eine Geschichtenschreibung ohne Vollständigkeitsanspruch, 1982-2012).

Die ersten HipHop-Impulse in Österreich kamen eigentlich von Pop-Musikern, die dem jungen Genre Tribut zollten oder sich seiner Ästhetik bedienten. So war „Der Kommissar“ von Falco 1982 zwar die erste Platte mit Rap aus Österreich, Falco fühlte sich aber nie als Teil der HipHop-Kultur - obwohl es ein Gipfeltreffen mit dem „Godfather“ Afrika Bambaataa in New York gab und ihn die Ö3 Sendung Musicbox sogar eine deutsche Übersetzung von Grandmaster Flash & The Furious 5’s “The Message” einsprechen ließ. Die steirische Gruppe EAV reagierte wiederum auf den überraschenden Welterfolg von „Rapper’s Delight“ der Sugar Hill Gang mit ihrem „Alpenrap“.

Youtube: Der Kommissar - Falco


Der E.A.V. - Alpenrap bei der ZDF Hitparade 1983:

Youtube: EAV - Alpenrap - ZDF-Hitparade - 1983


The Moreaus

Fünf Jahre später stellten The Moreaus aus Wien erstmals ihre anarchistische Vision von HipHop vor. Songs wie „Neanderthal Man“, „I Hear The Ladies“ oder „Waikiki“ glänzten durch freizügige Verwendung bekannter Samples und eine Mischung aus englischsprachigem Singsang und Rap. Die Band brachte es zu Plattenvertrag und Video und gilt heute dank der späteren Solo-Erfolge ihrer Mitglieder (Peter Kruder, Rodney Hunter, Sugar B. und DJ DSL) als Keimzelle der Wiener Elektronik-Szene der 90er Jahre.

The Moreus - Get Loose (1990) sozusagen die erste österreische Hip Hop Gruppe:

Youtube: The Moreaus - Get Loose (1990)


Austrian Flavors

Ab 1990 gab es im Rahmen der Ö3 Musicbox auch eine wöchentliche HipHop-Radioshow namens „Tribe Vibes & Dope Beats“, gestaltet von Katharina Weingartner, DJ DSL und später auch Werner Geier alias Demon Flowers. 1992 veranstalteten die Sendungsmacher einen Wettbewerb, um die größten Rap- und Scratch-Talente Österreichs zu finden. Nachdem überraschend viele und gute Einsendungen aus allen Ecken des Landes gekommen waren, lud man die Gewinner ein, Musik für den Sampler „Austrian Flavors Vol.1“ einzuspielen. Bei den Aufnahmen trafen die späteren Aphrodelics erstmals aufeinander, nebenbei absolvierten auch Total Chaos, DJ Cutex und DJ Megablast über Instrumentale von Peter Kruder, Rodney Hunter und Werner Geier ihre ersten Schritte auf Vinyl.

https://www.youtube.com/watch?v=ddRDMDplq6c

Aphrodelics aus Wien mit ihrem Hit "Rollin' on chrome"


Schönheitsfehler

Megablast war gemeinsam mit Marimba, CM Flex, Masta Huda und Operator Burstup auch Teil der Urformation von Schönheitsfe(h)ler. 1993 veröffentlichte die Wiener Crew den ersten Tonträger mit deutschsprachiger HipHop-Musik in Österreich: Die EP „Broj Jedan“ (Nummer Eins). Mangels einschlägiger Industrie gründeten sie dafür das eigene Label Duck Squad, auf dem in Folge auch die Debüt-Platten von Total Chaos („Aus dem Wilden Westen“) und Texta („Geschmeidig“) veröffentlicht werden sollten. Im Song “Ichdran” reflektierte MC Marimba seinen Alltag als Kind jugoslawischer Gastarbeiter in Zeiten ansteigender Ausländerfeindlichkeit in Österreich. Dieses Thema zog sich immer wieder durch die Texte von Schönheitsfehler, besonders explizit wurde es auch im teilweise auf Serbokroatisch gerappten „Tu Sam Ja (Druga Generacija)“ angesprochen.

Youtube: Total Chaos - Traurig aber Wahr

Total Chaos aus Innsbruck - Traurig aber wahr


Youtube: Texta - Nachtmensch

Texta - Nachtmensch


Musikalisch war die Band im Laufe ihrer Karriere immer für Experimente gut: Von den Acid-Basslines auf “Knarzige 303- und Breakbeat-Energie” über den ersten Wiener Dialektrap-Song „A Guata Tag“ bis hin zur Kollaboration mit der Indierockband Heinz auf „Mein Ruf Ist Im Eimer“. Dass sie auf dem 2000er Album „Sex, Drugs & HipHop“ etwas offensiv in Richtung Mainstream schielten, wurde der Band allerdings von manchem alten Fan übel genommen. Das erste Ö3 Airplay gelang ihnen aber überraschenderweise erst mit „Kopf Hoch“ von ihrem 2004 erschienenen Abschieds-Doppelalbum “Aussenseiter Spitzenreiter”.

Gemeinsam mit Schönheitsfehler bildeten Total Chaos und Texta in den 90er Jahren relativ unumstritten das österreichische Triumvirat in Sachen deutschsprachiger HipHop-Musik. Auch auf der 1995 erschienen ersten Szene-Rundschau „Das Gelbe Vom Ei“ waren hauptsächlich Songs dieser drei Gruppen vertreten. Nennenswerte Ausnahmen: Die Untergrund Poeten, die eine österreichische Deutung des US-Gangsta Rap verkörperten und als erste Gruppe einen Plattenvertrag mit dem Majorlabel Universal hatten, sowie Das Dampfende Ei, ein Zusammenschluss von Marimba, DJ Cutex und Skero von Texta.

Texta/B]

Anfang der 90er Jahre wurde auch Linz vom HipHop-Fieber gepackt. Inspiriert von den ersten Advanced Chemistry-Songs entschlossen sich fünf Musiker, die zuvor teilweise in Hardcore- und Rockbands wie Groove, Babelfish oder Seven Sioux gespielt hatten, es auch mit Beats und Raps auf Deutsch zu versuchen. Das Resultat hieß Texta und ist heute die mit Abstand längst dienende HipHop-Crew Österreichs. Mit ihrem Label Tonträger etablierten sie auch eine Plattform für andere Künstler vor allem aus Oberösterreich und brachten so Linz zeitweise den Status der „HipHop-Hauptstadt“ des Landes ein.

Youtube: texta - so oder so

Texta aus Linz - So oder So


Youtube: Texta feat. Soprano & Average - Grotesk Mr. Urbs´ Diplomatic Ripoff

Texta feat. Soprano & Average - Grotesk Remix (Mr. Urbs)


Es war die Kombination aus Producer Flip's einprägsamen Beats, konzeptlastigen Texten von Huckey, Laima, Skero und ihm sowie DJ Dan's sorgfältig ausgewählten Scratch-Zitaten, die ab „3 Uhr 10“ für unzählige Radio-Hits von Texta sorgten: Im Song „Walkmania“ wurde dem heute antiquierten mobilen Musikabspielgerät gewürdigt, „Sprachbarrieren“ versuchte die Verständigungsschwierigkeiten zwischen Österreichern und Deutschen mittels eines gerappten Wörterbuches zu durchbrechen und in „(So schnö kaust gor ned) schaun!“ begründete die Band mit den Proberaumnachbarn von Attwenger das Genre „Austrofunk“ - um nur einige Beispiele zu nennen.

Ihre weithin bekannte Diskographie sorgt auch dafür, dass Texta bis heute sehr regelmäßig und erfolgreich Konzerte im ganzen Land spielt. Nebenbei betreut Flip die Linzer Location Kapu, wo jedes Jahr unzählige HipHop-Konzerte stattfinden, und gemeinsam betreibt die Band das Label Tonträger Records, das seit den späten 90er Jahren die hoffnungsvollsten HipHop-Künstler und Crews aus Oberösterreich veröffentlicht: Von den Dystopiern Brotlose Kunst, zu wortspielverliebten MCs wie Kayo, Die Antwort oder dem brillianten Marquee (alias Tibor Foco alias Jack Untawega oder auch Kroko Jack) und seiner Crew Das Rückgrat.

Youtube: Die Antwort "SCH"

Die Antwort - Sch....



In den späten 2000ern veröffentlichten Flip, Huckey und Skero jeweils auch Solo- beziehungsweise Seitenprojekte. Skero schaffte mit dem vom brasilianischen Baile Funk inspirierten Song „Kabinenparty“ 2010 sogar einen Sommerhit – wenn auch erst ein Jahr nach der Veröffentlichung des Albums „Memoiren Eines Riesen“.


Total Chaos

Total Chaos wurden 1989 in Innsbruck gegründet, und bestanden damals aus Manuva, DJ DBH und dem britischen MC Creative Destruction. Nach ihrer Teilnahme beim Tribe Vibes & Dope Beats Contest und dem daraufhin auf “Austrian Flavors Vol. 1” veröffentlichten englischsprachigen Song “Muthaland” wurden bald die Weichen für ihre 1994 erschienene Debütplatte “Aus dem Wilden Westen” gelegt. Darauf fanden sich eine Liebeserklärung an HipHop ebenso wie ein Kommentar zur steigenden Ausländerfeindlichkeit in Österreich: “Traurig, Aber Wahr”.

Youtube: Total Chaos - werwaswannwiewo

Total Chaos - Werwaswannwo

Youtube: Total Chaos - Oft wunder ich mich

Total Chaos - Oft wundere ich mich

https://www.youtube.com/watch?v=cIKpYHnU7qc

Total Chaos - Energie

In den kommenden Jahren verfeinerten die mittlerweile nach München übersiedelte und zum Duo geschrumpfte Band ihren jazzigen Sound und die durchdachten Lyrics weiter, um sie dann 1997 auf dem Album “Werwaswannwiewo” beim deutschen Label Move zu veröffentlichen. Bald darauf zogen Manuva und DJ DBH nach Wien weiter, wo sie in Folge gemeinsam mit den Waxolutionists und der Symbiose die Gruppe Supercity Soundsystem gründeten und das Goalgetter Studio sowie einen gleichnamigen Plattenladen und –mailorder eröffneten. 2001 erschien ihr letztes Album “Worte & Beats” bei Intonation Records, das leider kurz nach der Veröffentlichung durch den Mutterkonzern Libro mit in den Bankrott gerissen wurde.

Youtube: Twang - Diggin Deep feat. Manuva [in progress]

DJ Twang feat. Manuva (Total Chaos) - Diggin Deep

Um die Jahrtausendwende meldete sich mit zum Beispiel den Waxolutionists, Das Rückgrat und Kamp die nächste Generation von österreichischen HipHop-Künstlern zu Wort. Auf den zwei „Boom Bap“ Compilations „Teil3VomEi“ und „Die Boombastische Vier“ lässt sich die Aufbruchsstimmung dieser Zeit gut Nachhören. In den Jahren darauf traten auch Gruppen und Künstler wie Wisdom & Slime, Kayo & Phekt, A.Geh, die Hörspiel Crew und MAdoppelT auf den Plan.

Youtube: Wisdom & Slime - Windmühlen

Wisdome & Slime - Windmühlen

Youtube: Wisdom&Slime - Das Element

Wisdome & Slime - Das Element

Waxolutionists

1997 schlossen sich DJ Zuzee und DJ Meister Petz (später The Bionic Kid) zusammen, um gemeinsam das ausgefeilte Mixtape “Starmix 603” zu gestalten. Zuzee war zu diesem Zeitpunkt in Wien schon länger als B-Boy und DJ bekannt, Petz erst vor kurzem aus Vorarlberg gekommen, wo er schon in Gruppen wie Boys In The Chilling House (später Mad Mission bzw. Gute Frage...) aktiv gewesen war. Als sie kurz darauf DJ Buzz trafen, entwickelte sich die Idee, jazzige HipHop-Produktion mit musikalischen Elementen von Turntablism (wo der Plattenspieler als Musikinstrument gesehen wird) zu kombinieren. Das Resultat, ihr Debütalbum “The Smart Blip Experience” war tatsächlich eine Erfahrung der anderen Art: 18 ineinander fließende Tracks weitgehend instrumentaler HipHop-Musik mit viel Jazz und Scratches. Zwischendrin verbargen sich aber auch zwei Songs mit Stimme, darunter “Nachtschattengewächs” mit Manuva, das für Connaisseure noch immer zu den Sternstunden der deutschsprachigen HipHop-Musik zählt.

Youtube: Waxolutionists - Nachtschattengewächs ft. Manuva

Waxolutionists feat. Manuva (Total Chaos) - Nachtschattengewächs (1999)
Für mich der beste Song aus Österreich!! Zeitlose Kunst

Youtube: Waxolutionists - Freifach Musik

Waxolutionists - Freie Musik


Auf den folgenden Alben „Plastic People“, „Counterfight“ und „We Paint Colors“ traten die Turntablism-Elemente zugunsten von produzierten Songs mit meist internationalen Gastvokalisten in den Hintergrund.

DJ DSL, Urbs & Cutex

Ebenfalls dem instrumentalen HipHop-Sound mit internationaler Ausrichtung verschrieben sich Wiener Dopebeat-Meister wie DJ DSL, Urbs & Cutex. Ersterer hatte mit seinen schnellen und präzisen Mixes in der Sendung „Tribe Vibes“ ganze Generationen österreichischer DJs geprägt und schaffte es mit seinem bislang einzigen Produzentenalbum „#1“ auch international zu punkten. DJ Urbs hatte ja in den 90er Jahren gemeinsam mit dem Untergrund Poeten Produzenten Chaoz schon das hymnische „Closer To God“ produziert - im Duo mit Cutex erschienen zwei Alben, bei denen die Liebe zu jazzigen Loops im Mittelpunkt stand. Urbs lieferte dann 2005 mit „Toujours Le Meme Film“ eine Platte ganz im Zeichen vor allem französischer Film-Soundtracks ab und blieb auch in den folgenden Jahren mit Produktionen und Remixes für Skero, JSBL aber auch Der Nino aus Wien im Gespräch.


Markante Handlungen

Die zweite Generation Linzer HipHop-Musiker trat kurz vor der Jahrtausendwende erstmals ins Rampenlicht: Die drei Crews Das Rückgrat, Kayo und Die Antwort traten nach ihren jeweiligen Debüt-Veröffentlichungen so oft zusammen auf, dass der Zusammenschluss zur Supergroup Markante Handlungen der logische nächste Schritt war. Das 2005 erschienene Album „Vollendete Tatsache“ markiert auch einen Qualitätssprung für den Slang-Rap aus (Ober)österreich. Nach weiteren Zusammenarbeiten unter dem Mantel von Die Unsichtbaren und den Tonträger Allstars gingen die Musiker aber Großteils getrennte Wege: Markee von Das Rückgrat veröffentlichte unter den Künstlernamen Tibor Foco, Jack Untawega und Kroko Jack Solo-Alben, schloß sich schließlich mit Bum Bum Kunst zu Sodom & Gomorrha zusammen und begründete das Slangsta Movement mit, Kayo brachte 2011 sein Album „Des sogt eigentlich ois“ heraus und „Glutamat“ war 2007 die bisher letzte Die Antwort-Platte.


Kamp/B]

Schon mit 16 Jahren fiel der junge Kamp MC in der Wiener HipHop-Szene als großes Talent auf - vor allem beim improvisierten Freestyle Rap. Als er sich dann in der FM4-Sendung „Tribe Vibes“ selbst zum Besten in Österreich erklärte, war der Name „Kamp“ im ganzen Land ein Begriff. Und spätestens mit der Konzept-EP „d.K.d.t.B.“, die sehr präzise Beobachtungen zu den politischen Zuständen in Österreich in einer märchenhaften Rahmenhandlung voller Santa Kläuse und Osterhasen unterbrachte, musste man ihm eine gewisse Ausnahmestellung auch neidlos zugestehen.

Youtube: Kamp & Whizz Vienna Versager

Kamp & Whizz Vienna - Versager


Youtube: Kamp und Whizz Vienna - Malinkaya (don't go)

Kamp & Whizz Vienna - Malinkaya (don't go)

Mit seinem ersten Album ließ sich Kamp lange Zeit und schob noch zwei EPs und zwei „Mode“-Kassetten ein, bevor 2009 dann das in Kollaboration mit dem Produzenten Whizz Vienna entstandene „Versager ohne Zukunft“ erschien. Die Kombination aus den sehr Soul-lastigen Beats und tiefen Einblicken in Kamp’s Psyche machten die Platte zu einem Ausnahmefall. Auch in Deutschland wurde das Album von Fans und Fachpresse gefeiert – und trug so mit zum Paradigmenwechsel weg vom damals noch vorherrschenden Gangsta Rap bei.

Trotz seiner Wurzeln in den Armenvierteln der USA war HipHop in Österreich lange Zeit eher ein Mittelschicht-Phänomen. Den meisten Bands und Künstlern ging es in ihren Texten um Alltagsbeobachtungen, Wortspiele oder gesellschaftspolitische Aussagen - ein Gegenstück zum amerikanischen Gangsta Rap gab es mit Ausnahme der Untergrund Poeten lange Zeit nicht. Nach dem Aufschwung des „Strassenrap“ in Deutschland wurden der Tonfall aber auch in Österreich härter, unter anderem bei Künstlern wie Phat Frank & EMC, Sua Kaan oder Chakuza.

Chakuza

Ende der 90er Jahre formierte sich in Linz Verbale Systematik, bestehend aus Big J, Chakuza und DJ Stickle. Über ein Demotape kam die Gruppe Mitte der 2000er mit dem damals in Deutschland schon sehr erfolgreichen Bushido ins Gespräch, der schließlich Chakuza und Stickle zu sich nach Berlin holte. Dort waren sie als Produktionsteam an zahlreichen seiner Alben beteiligt, gleichzeitig wurde Chakuza auch als Rapper beim Label ersguterjunge unter Vertrag genommen und veröffentlichte von 2006 bis 2010 gleich sechs Platten und Mixtapes. Big J startete unterdessen in Österreich eine Solo-Karriere und war zeitweilig Leiter des Labels Black Wall Street Europe. Während es Chakuza irgendwann wieder nach Linz zurückzog, ist DJ Stickle bis heute in Berlin und arbeitet dort mit aufstrebenden Künstlern wie Casper oder dem Österreicher Gerard zusammen.

Youtube: Chakuza - Ich komme

Chakuza - Ich komme

Youtube: Chakuza Monster

Chakuza - Monster

https://www.youtube.com/watch?v=to5m8o85_SA

Chakuza - Ich lauf


Nazar

Der Wiener mit persischen Wurzeln ist zwar noch nicht so lange im Rampenlicht, hat dafür seit seinem 2008er Debütalbum „Kinder des Himmels“ jedes Jahr einen Longplayer veröffentlicht. Dank seines Arbeitsethos und einer starken Social Media Präsenz (mehr als 160.000 Facebook Fans) schaffte er es mit den letzten zwei Platten auch in die Top Ten der österreichischen und deutschen Albumcharts. 2011 war er zudem Hauptdarsteller der Kino-Dokumentation „Schwarzkopf“ von Arman T. Riahi.

Youtube: NAZAR - VOLIM TE/ OUTRO (KAPITEL 2) (OFFICIAL HD VERSION AGGROTV)

Nazar - Volim te / Outro

Youtube: RAF Camora - RAF 3.0 feat. Nazar - Fallen

Raf 3.0 feat. Nazar - Fallen

Youtube: RAF 3.0 - Phantom (16BARS.TV PREMIERE)

Raf 3.0 - Phantom


Die Vamummtn

Erstmals machten sich die drei Wiener mit einem Diss-Video in Richtung der „SBG Hot Boys“ einen Namen, die frühen Youtube-Erfolge konnten aber mit der auf Universal veröffentlichten „Krocha Hymne“ auch in einen ersten physikalischen Release umgemünzt werden. Seitdem mobilisieren die „Vamus“ mit ihrem undogmatischen Dialektrap regelmäßig Fans zu ausgedehnten Touren in Österreich und Süddeutschland und veröffentlichten 2011 ihr letztes Album „Rap Is (K)a Ponyhof“.


Brenk Sinatra

Anfänglich von Kamp’s DJ Fester und Produzenten Saiko unterstützt, entwickelte sich der Producer aus Wien-Kaisermühlen schnell zu einer der besten Adressen für HipHop-Beats in Europa. Er hat seine musikalischen Spuren schon auf dutzenden österreichischen und deutschen Platten hinterlassen und beim Kölner Label MPM veröffentlichte er auch selbst 3 Instrumentalalben. Kürzlich erschien auch „Supa Soul Shit“, das Debütalbum seiner Kollaboration mit dem US-Sänger Miles Bonny und für 2013 darf man ein weitgehend von Brenk produziertes Album der kalifornischen Rap-Legende MC Eiht erwarten

Affine Records

Obwohl die Affine Posse meist im Kontext elektronischer Musik gesehen wird, sind sowohl die Musiker als auch die Labelbetreiber HipHop-verwurzelt. Die elektronische Funkband JSBL steht dabei im Mittelpunkt, wobei die Bandmitglieder Dorian Concept, The Clonious und Cid Rim als Solo-Produzenten weit bekannter sind. Neben Veröffentlichungen bei ihrem Wiener Heimlabel sind alle drei auch bei international anerkannten Plattenfirmen wie Ninja Tune, Kindred Spirits, Ubiquity oder LuckyMe aktiv.

Ones To Watch Out For

Der ursprünglich aus Wels stammende Gerard ist wahrlich kein Newcomer mehr, dürfte aber jetzt zum richtigen Zeitpunkt seinen Sound gefunden zu haben. Schon die ersten beiden Vorboten für sein 2013 erscheinendes Album „Blausicht“ bekamen in den deutschen Medien euphorisches Echo, von ihm wird man mit Sicherheit noch mehr hören!

Der Linzer Def Ill ist trotz jungen Jahren ebenfalls schon lange im Geschäft, lieferte er doch seinen ersten Gastvers schon mit 12 auf dem Texta-Stück „Verstanden“ ab. Jetzt arbeitet er oft gemeinsam mit dem Kärntner MC/Producer Digga Mindz an einer düsteren Variante von Boom Bap Beats mit Texten zwischen Battle-Rap und politischen Aussagen.

Weitere Hoffnungsträger des österreichischen HipHop hören zum Beispiel auf Namen wie Monobrother, T-Ser und Crack Ignaz.


Verfasser: Stefan Trischler
Videoselection: Bodensee

Quelle: Music Austria
http://www.musicaustria.at/magazin/pop-rock-elektronik/artikel-berichte/hiphop-oesterreich


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Österreichischer Hip-Hop

17.01.2014 um 14:47
A wie Austropop
Von EAVs „Alpenrap“ (1983) über ein Reihe von Falco-Singles Mitte der 80er bis zum Cut-Up-Wahnsinn von „Bring Me Edelweiss“ (1988), das nach KLFs Bauanleitung für einen Hit und mit ersten Scratches von DJ DSL wild collagiert wurde – Austropop hat HipHop in Österreich popularisiert, selbst wenn die vier Grundsäulen des HipHop auf Entertainment-Schablonen verkürzt wurden.

B wie Sugar B
1986 gab es das erste Demo, 1990 ist es dann rausgekommen: „Swound Vibes“ von den Moreaus war Österreichs erstes, reinrassiges HipHop-Album. Sugar B gründete die Band gemeinsam mit Peter Kruder, DJ DSL und Rodney Hunter. Seine wöchentliche Sendung „Swound Sound“ ist älter als FM4 selbst. Mitsamt seiner längjährigen Tätigkeit als Host des „Dub Club“ im Wiener Flex war eine Sugar B-Coverstory in The Gap 062 schon überfällig. Eines der besten Gap-Cover ever übrigens.

C wie HipHopConnection
Seit zehn Jahren fördert der Wiener Verein HipHopConnection die örtliche Kultur mit Gigs, Contests, Workshops und internationaler Vernetzung. Zum Jubiläum konzertieren heuer die Legenden Afrika Bambaataa und Torch. Auf dass auch künftig Rap, Djing, Graffiti und Breakdance in Event-Formate eingebunden werden.

D wie DJ
Doris Mitterbacher erklärt und beschreibt die bekanntesten heimischen DJs und Turntablisten auf Seite 28 ausführlich. Eine zeitlang war der bekannteste Kulturbotschafter von HipHop aus Österreich sogar ein DJ: DJ DSL nämlich, dem in seiner Zeit in Hamburg City eine typisch Wiener Gemütlichkeit angedichtet wurde. Andere DJs beweisen ebenfalls einen äußerst souveränen Umgang mit Nadel und Rille.

E wie Ente
Duck Squad hieß das erste deutschsprachige HipHop-Label in Österreich. 1993 legten die Firmengründer Schönheitsfehler mit „Broj Jedan“ einen wesentlichen Szenegrundstein. Auch die Debüts von Texta, Total Chaos, Das Dampfende Ei oder legendäre Sampler wie „Das Gelbe vom Ei“ oder „Boombap“ folgten. Mit Ausklang der 90er endete die Ära der Ente.

F wie Falco
1983 war Falcos Single „Der Kommissar“ eine der ersten Rap-Singles eines Weißen, wurde von Stars wie Afrika Bambaata häufig gespielt und war gleich quer über den Globus in den Charts. Mit Sozialkritik oder Flow hatte Falco allerdings nichts am Hut. Er verwandelte stattdessen Gangster, Hustler und Pimps in einen Wiener Strizzi mit gut gegeeltem Haar.

G wie Gangster Rap
Eine österreichische Tradition: 1994 eröffneten die Untergrund Poeten mit „Umstritten wie noch nie!“ (Duck Squad) den Straßenkampf auf Vinyl. 2004 kämpften Eternal Masters Of Ceremony mit ihrem Best-Of „Wien 10 Domination Compilation“ weiter. Heute erobern die bösen Buben ihre Straßen via MySpace oder YouTube. Bludzbrüder, Totschlag oder RapTerror klingen heute vielleicht rauer, die Themen blieben aber gleich: Ghetto-Romantik und die gewaltvolle Flucht nach vorne.

H wie Hochkultur
SPÖ Wien („Ich bin Wien“) und Wiener Festwochen („Street Academy“) haben neuerdings HipHop für sich entdeckt. Onur Bakis hat in Salzburg den Förderpreis für Kunst und Kultur für seinen Breakdance-Verein „Doyobe!“ bekommen. Graffiti und Street Art sind ohnehin schon längst in den Galerien angekommen. HipHop erfährt schon länger massive Annäherungsversuche des etablierten Kulturbetriebs.

I wie Ironiefrei
Das I könnte auch synonym für Iso Fresh (alias Young IP) stehen. Ein junger Nachwuchs- YouTube-MC aus Wien, der mehr als 60.000 Klicks für unfreiwillig komisches, d.h. unglaublich ironiefreies Rap-Holpern vorweisen kann. Ähnlich erfolgreich strapazieren die SBG Hot Boyz aus „Hustler City“ Salzburg das Zwerchfell. Believe the Hype!

J wie Big J
... war mit Chakuza und DJ Stickle aktiv (Verbale Systematik), bis diese 2005 ohne ihn Karriere mit Bushido machen. Von 2007 bis 2009 führte Big J das Sub-Label Black Wall Street Europe für den US-Star The Game. Sein Album „Brooklinz Finest“ (2009) sollte „HipHop in Österreich salonfähig machen“. Solche Ansagen und ein sarkastischer Track gegen hiesige Szenesäulen, „Opferliste“, machen ihn, trotz internationaler Achtungserfolge, sehr umstritten.

K wie Kamp
Das Ober-Zniachterl der Nation zelebriert das Scheitern, zieht seine Referenzen ganz eng innerhalb Österreichs und ist damit ausgerechnet in Deutschland relevant wie kein anderer heimischer Reimaufschneider zuvor. Zum Glück war sein Debüt angekündigterweise gleich sein Letztes. So ist die Gefahr weiterer Alben des Monats (März 2009, /Juice/) gebannt und Kamp kann stattdessen beim Festival „Am Strom“ organisieren und Karten zwicken.

L wie Lokalkolorit
„Aufpudeln“ von der Wiener Fünfhaus Posse war 1997 das erste HipHop-Album in Dialektsprache. Versuche wie „A guata Tag (in da Betonwüste)“ (1996) von Schönheitsfehler verklangen bis 2003. Erst die Single „Dreckige Rapz“ der Linzern Rückgrat mischte die Landkarten neu. Ihr Album „Konfrontation“ bildete den Aufbruch zu den Sprachen der Bundesländer. Akteure wie Jack Untawega, A.geh Wirklich?, Hinterland, Yo!Zepp, Raptoar, Die Vamummtn oder das Slangsta-Label Twomorrow färben ihre Authentizität seither in buntem Lokalkolorit.

M wie Medien
Die wichtigsten, klassischen Medien der Szene lassen sich an einer bescheidenen Hand ablesen: die wöchentliche Radioshow Tribe Vibes auf FM4, das vierteljährlich erscheinende Printmagazin /The Message/, und die Internetplattform www.hiphop.at. Blogs wie jener von DJ Hooray (http://hillbillysoul.blogspot.com/) erweitern langsam den Informationsfluss.

N wie „Null Uhr“
So lautet 2004 der Titel des Debüts von MAdoppelT. Der hungrige und talentierte Wiener verschaffte sich große Präsenz deutsch-österreichischen Medien genauso, wie zwei Nominierungen für den Amadeus Award. Teile der Szene schienen seinen Bemühungen um Fortschritt und Publikum nicht immer wohl gesonnen. Seine Reime und Produktionen (vor allem Soul-Schmied Brenk) sprechen jedenfalls für ihn. Entsprechend interessant dürfte im Mai sein drittes Album „Hybrid“ werden.

O wie ORF Radios
In Österreichs Radios redete Werner Geier zuerst geschwungenen Beats und Reimen das Wort. Anfangs in der Ö3-Musicbox, später auf FM4 – wo er maßgeblich HipHop im Senderprofil verankerte. Mittlerweile beackern auf FM4 mindestens die Redakteure Beware, Functionist, Sugar B, Natalie Brunner, Trishes und Phekt das weite Feld von HipHop und tiefer gelegten Beats.

P wie Produzenten
Österreichische Beat-Produzenten stehen für hohe Qualität und sind international gefragt. Pioniere wie DJ DSL, Functionist, die Waxolutionists, Flip oder neuere Vertreter wie die Wahlberliner Beatlefield (Chakuza und DJ Stickle). Jüngstes Beispiel: Über das Kölner Label Melting Pot Music veröffentlichen Brenk und Fid Mella mit „Chop Shop“ nun Volume 4 in der „Reihe Hi-Hat Club“. Er produziert außerdem zusammen mit DJ Premiere das neue Album von Legende MC Eiht. Straight outta Kaisermühlen!

Q wie Qualität bei fehlender Quote
Der ORF bleibt der wichtigste Multiplikator für Musik in Österreich. Allerdings scheint es, dass lokal gefertigter HipHop irgendwann komplett von Ö3 zu FM4 umgeschichtet wurde. Das bringt Credibility, aber keine Stars und Hits der Szene hervor. Mit der jüngsten Selbstverpflichtung zur Quote (30% insgesamt quer über alle Sender, Ö3 muss davon weniger tragen, Ö2 mehr) wird auch HipHop aus A vermehrt auf beiden Sender reimen und schallen.

R wie Roxy
Das Roxy ist mit dem Café Leopold und, hmm, vielleicht ja doch dem Volksgarten die wichtigste Einlaufstelle für HipHop in Wien. Samt und Holz dominieren die Location. Clubs wie „The Loud Minority“ und „The Message“ holen regelmäßig internationales Programm, aber auch weniger bekannte DJs cutten, juggeln und scratchen sich dort die Finger wund. Direkt gegenüber liegt in der Faulmanngasse (4., Wien) dann noch der einschlägige Bounce Record Store.

S wie Stereotyp
Stefan Moerth operiert als Stereotyp seit Jahren an den Rändern von HipHop. Mit den Alben „My Sound“ (2002) und „Keepin’ Me“ (2006) vermischte er Dub, Soul, Rapping und futuristische Beats. Seit ungefähr zwei Jahren arbeitet er an einem neuen Hybriden. Auf der Label-Booking-Party-Plattform „Crunchtime“ versucht er den Genre-verbindenden /Barefoot/-Sound zu etablieren.

T wie Texta/Tonträger Records
Wer Texta sagt, muss Tonträger, muss Linz sagen. Seit über 16 Jahren bespielt, bereichert und gestaltet die wichtigste Crew des Landes ihre Szene. Mit dem eigenem Label haben sie ab 2003 nicht nur Dialekt-Rap zur Kunstform erkoren, sondern auch zahlreiche Projekte ihrer Wegbegleiter realisiert. 2009 – im selben Jahr des hervorragenden Solodebüts von Texta-Member Skero – wurde die fünfköpfige Instanz schließlich mit dem Music Award Amadeus geehrt – völlig zu Recht.

U wie Untergrund
Bei den bundesdeutschen Nachbarn ein beliebtes Spiel, waren verbale Kämpfe zwischen Untergrund und Mainstream in Österreich nie ein Problem, weil es den Mainstream erst gar nicht gab. HipHop bleibt in Österreich Minderheitenprogramm. Schönheitsfehler, Total Chaos und Texta haben es Ende der 90er versucht, aber den Status von Kollegen wie den Beginnern, Sammy Deluxe, Fanta 4 oder Fettes Brot nie erreicht.

V wie Vammumtn
Mit der „Krocha Hymne“ haben die stets maskierten Die Vamummtn erstmals so etwas wie Technorap nach Österreich gebracht (inkl. Amadeus-Nominierung). Gedacht war das derbe Liedgut mit Wiener Gosch’n allerdings als Satire. Mittlerweile konnten Die Vamummtn den Wiener Gasometer beinahe füllen. Österreichischer Technorap steckt allerdings allgemein mit unbedarften Tracks wie Aykido & Rocoulets „Vodka Vodka“ und MC Escobar noch in den Kinderschuhen.

W wie Waxolutionists
Gemeinsam mit Manuva (früher Total Chaos) kümmern sich die beiden Waxos Bnckd und DJ Buzz um den alltäglichen Kram des einzigen 360-Grad-HipHop-Indies: Supercity ist die gemeinsame Plattform für einen HipHop-Blog, Partys, ein Label, Events und Booking-Agentur. Außer Auftritten im DJ-Kollektiv veröffentlichten sie konstant hochwertige Alben und erhielten schon 2001 einen Amadeus-Award.

X wie Xenophobie
Rechtspopulist Heinz Christian Strache (FPÖ) plakatiert seine xenophoben, islamophoben oder anders unerträglichen Parolen nicht nur, sondern versucht sein politisches Kleingeld auch mit „Rap“ zu machen. Die Szene hat auf diese Bemühungen mit diversen Diss-Tracks geantwortet. Quasi: Disrespect statt rechter Reck.

Y wie Yasmo MC
Ob auf Poetry Slams oder HipHop-Jams, die erst 19-jährige Yasmin Hafedh beherrscht die Dichtung am Mikrofon. Als Yasmo MC erinnert sie gelegentlich zwar an die Münchner Kollegin Fiva MC, der Vorfreude auf ein erstes eigenes Album der Hoffnungsträgerin tut das aber keinen Abbruch. Gedanklich existiere dieses ihr zufolge auch schon. Die Spannung steigt.

Z wie Zersplitterung
Die österreichische HipHop-Szene ist heterogen, auf qualitativ sehr hohem Niveau und wird zunehmend ausgefranster. Es sollte bis zum Jahr 2009 dauern, bis sich endlich ein eigenes Festival ihrer würdig erwies. Erst „Am Strom“ (in Niederösterreich) versucht als landesweite Plattform die vielen kleinen Einzelteile im Sinne von „One Love“ zusammenzuführen. Ähnliches versucht die Grazer Festival-Institution Four Elements seit 2006. In der Steiermark übt man sich jedoch eher in überregionalem Austausch und internationaler Integration. Es wird zusammengerückt.


von Klaus Buchholz, Stefan Niederwieser

Quelle:
thegap http://www.thegap.at/rubriken/stories/artikel/hiphop-von-a-bis-z/


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Österreichischer Hip-Hop

17.01.2014 um 14:59
So, hier noch die ersten 3 Teile einer TV Doku über Hip Hop in Austria:



Youtube: A Hip Hop Story Österreich part1/6


Youtube: A Hip Hop Story Österreich part2/6



Youtube: A Hip Hop Story Österreich part3/6


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Österreichischer Hip-Hop

20.01.2014 um 19:49
Youtube: Texta - Millionen Personen


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Österreichischer Hip-Hop

15.05.2018 um 16:46
bodensee schrieb am 17.01.2014:O wie ORF Radios
In Österreichs Radios redete Werner Geier zuerst geschwungenen Beats und Reimen das Wort. Anfangs in der Ö3-Musicbox, später auf FM4 – wo er maßgeblich HipHop im Senderprofil verankerte.
@bodensee


Stimmt, da seelige Werner Geier († 12. November 2007) war oft zwischen 15 - 16 Uhr in der Musicbox präsent mit unverwechselbarer Stimme!

Youtube: Rollins Band - Live @ Fritz, Vienna, Austria, 10/14/88 [Ö3 Musicbox Live Broadcast]
Ö3 Musicbox Live presented by Werner Geier

Super, mal wieder Werner Geiers Stimme zu hören & die Musicbox :)


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Österreichischer Hip-Hop

18.05.2018 um 08:39
EAV und Falco sind kein Hip Hop.
Das ist welcher:
Youtube: Al Pone & Spello - Intro | Wenn ich ka Rapper wär


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