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Ist man das, was man vorgibt zu sein?

oneisenough
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Ist man das, was man vorgibt zu sein?

23.01.2013 um 23:12
@Primordium
Primordium schrieb:Es gibt nur das Ich, das stets unveränderlich bleibt. Ich bin ich, auch wenn ich mal anders denke.
Wenn du genau hinschaust und es hinreichend aufmerksam untersuchst, wirst du zunächst bemerken, dass immer dann, wenn man vom Ich redet, man tatsächlich von zwei unterschiedlichen Qualitäten spricht.

Die erste Qualität ist das, was dir ermöglicht, mal so und mal so zu denken. Diese Qualität ist seit jenem Zeitpunkt, an dem du etwas zum allerersten mal bemerkst hast und dich daran erinnern kannst, bis heute unverändert geblieben. Es ist immer genau diese Qualität, die jeden Morgen als dein Ich aufwacht. Denn es ist noch niemals vorgekommen, dass du als jemand anderer aufgewacht bist. Auch das wirst du eindeutig bestätigen können. Diese Qualität nennt man auch das ICH BIN, ohne jegliche Zusätze von "Ich bin dieses" oder "Ich bin jenes", sondern sie steht einzig und allein für das Gefühl deiner Anwesenheit, für die Gewissheit, dass es dich gibt. Diese Qualität ist die Voraussetzung für alles, was du damit anstellst. Und damit kommen wir zur zweiten Qualität.

Die zweite Qualität ist dann das Ergebnis dieser Ermöglichung, mit der du bemerken und sagen kannst "Ich bin fröhlich" oder "Ich bin ein Kind" oder "Ich fühle mich einsam" oder "Ich bin ein Mann", etc. - Diese wechselhaften Ergebnisse sind immer nur flüchtig und vorübergehend, wie jeder bestätigen kann. Wir können hier also keinesfalls von einer Unveränderlichkeit reden.

Wie aber ist es nun mit der ersten Qualität? Ist sie wirklich unverändert oder zeigt auch sie ein wechselhaftes Verhalten?

Du kannst auch hier eindeutig bestätigen, dass diese erste Qualität nicht ständig vorhanden ist. Denn sobald du eingeschlafen bist, sind alle Qualitäten verschwunden. Dann weißt du nicht mal mehr, ob es dich gibt, geschweige denn, ob du Männlein oder Weiblein bist, und ob du eine Familie hast. All das gibt es dann für dich nicht mehr. Einem tatsächlich unveränderlichen Ich würde das nicht passieren. Was bedeutet das?

Das bedeutet: Wenn du hier sagst, dass das Ich stets unveränderlich ist, dann darf es auch keine Veränderungen zeigen. Das tut es aber sehr offensichtlich, wie jeder feststellen kann.

Wenn ich nun komme und danach frage, was deine wahre unveränderliche Natur ist, dann kann es sich unmöglich um das Ich handeln, welche Qualität damit auch immer gemeint sein sollte.

Und damit ist es bewiesen und unwahr, wenn du sagst, dass Ich ist stets unveränderlich.

Kannst du die Begründung nachvollziehen?


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24.01.2013 um 14:13
@oneisenough
oneisenough schrieb:Du kannst beobachten, dass du manchmal so bist, und manchmal ganz anders.

Du kannst beobachten, je nach Ausprägungsform deines Körpers, dass du dich manchmal für ein Kind hälst, und manchmal für einen Erwachsenen.

Du kannst beobachten, dass du dich manchmal für lustig, für ernsthaft, für traurig, für liebevoll, für wütend, für rücksichtsvoll und noch vieles mehr hälst. Immer abwechselnd.

Wenn du all das beobachten kannst, und dir dies nun im übertragenen Sinne vorstellst, wie du in einem Theater in der ersten Reihe sitzt und auf die Bühne schaust, auf der du den Akteur in all seinen Kostümen und verschiedenen Rollen beobachten kannst, - wer von beiden bist du?
Der Zuschauer in der ersten Reihe oder der Akteur auf der Bühne?

Was ist deine wahre unveränderliche Natur?
Ich bin der Zuschauer, kann mich aber wohl tief genug in das Erleben des Akteurs hineinversetzen.


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libertarian
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24.01.2013 um 22:59
Das Ich besteht aus dreierlei Qualitäten:

- Das potentielle Ich: Oder auch: Ich bin (noch) nicht. Das Ich, wie es sich noch nicht manifestiert findet und vollkommen unbekannt ist. Eingehüllt in sich selbst. Im Tiefschlaf treffen wir dieses Ich. Denn im Tiefschlaf sagt weder einer Ich Bin, noch sagt er, Ich bin Das. Hier sagen wir vom Ich: Ich bin nicht.

- Das aktuelle Ich, auch bekannt als Ich Bin: Dieses ist der Beobachter und stets losgelöst von allem, was es beobachtet, es ist davor, unbekannt und durch keine Sinnesqualitäten zu sehen. Vielmehr ist es das, durch was die Sinne sehen. Es manifestiert bzw. emaniert sich aus dem potentiellen Ich.

- Das identifizierte Ich: Zur Aussage Ich Bin gesellt sich ein Das: Ich bin Das: Name, Adresse, Erinnerungen, Tendenzen usw... Dieses Ich ist das, von dem wir meinen oder vorgeben, es zu sein. Wenn wir zur Rolle werden. Wenn wir uns mit der Filmleinwand und ihren Akteuren identifizieren. Es manifestiert bzw. emaniert sich aus dem aktuellen Ich.

Im Hinduismus nennt man diese drei Formen des Ichs auch: Avyakta, Vyakta und Vyakti.


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matraze106
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24.01.2013 um 23:38
nein, meistens ist man im kern das totale gegenteil davon. deswegen grenzt man sich ja überhaupt erst von etwas ab. im grunde sind beide fronten, polaritäten, dualismen, identisch, sobald sie in den selben abgrund blicken.
Wikipedia: Schatten_%28Archetyp%29
http://de.wikiquote.org/wiki/Abgrund


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matraze106
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25.01.2013 um 00:27
im grunde gibt es nur 2 typen in verschiedenen ausprägungen und facetten: die einen stieren nach den unterschieden, versuchen sich abzuheben und am anderen einen grund zu finden, ihn zu hassen (wobei sie es selbst sind, der sich zu hassen begonnen hat), und die anderen wissen um die gemeinsamkeiten und bilden sich auf nix was ein. haters gonna hate.


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25.01.2013 um 00:45
Mir ist Verstellen zu anstrengend. Ich verzichte lieber auf Kontakte mit anderen als das zu tun. Zumal ich mich immer extrem schlecht fühle wenn ich einmal irgendwie nach außen hin anders agiere als ich eigentlich bin (aus Nettigkeit zB) es sei denn ich schauspielere offensichtlich und aus Spaß. Das andere bringt ja auch garnichts. Andersmachen kenne ich nur wenn ich generell einen Charakterzug an mir selbst nicht mag, dann ändere ich das aber immer (oder versuche es immer) egal wer da um mich rum ist bzw auch wenn garniemand um mich rum ist, einfach weil ich in echt so sein will wie ich geistig sein will oder gerne wäre. Ich denke schon, dass sowas beeinflusst bzw. man sich tatsächlich dahingehend ändert wenn man sich immer wieder dazu zwingt eine bestimmte Reaktion zu haben oder nicht. Vorausgesetzt natürlich man will das auch wirklich. Wenn jetzt jemand anderen immer hilft aber das nur tut um beliebt zu sein ist da z.B. kein direkter Wille dahinter. Denn die Person will ja nicht anderen helfen und hat daran garkeinen Spaß noch erfreut sie sich an einem altruistischen Charakter sondern sie will nur die Beliebtheit haben.


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matraze106
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25.01.2013 um 00:47
auch ganz passend
Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden.
Sokrates


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oneisenough
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25.01.2013 um 12:17
@libertarian
libertarian schrieb:Das Ich besteht aus dreierlei Qualitäten:

- Das potentielle Ich: Oder auch: Ich bin (noch) nicht. Das Ich, wie es sich noch nicht manifestiert findet und vollkommen unbekannt ist. Eingehüllt in sich selbst. Im Tiefschlaf treffen wir dieses Ich. Denn im Tiefschlaf sagt weder einer Ich Bin, noch sagt er, Ich bin Das. Hier sagen wir vom Ich: Ich bin nicht.

- Das aktuelle Ich, auch bekannt als Ich Bin: Dieses ist der Beobachter und stets losgelöst von allem, was es beobachtet, es ist davor, unbekannt und durch keine Sinnesqualitäten zu sehen. Vielmehr ist es das, durch was die Sinne sehen. Es manifestiert bzw. emaniert sich aus dem potentiellen Ich.

- Das identifizierte Ich: Zur Aussage Ich Bin gesellt sich ein Das: Ich bin Das: Name, Adresse, Erinnerungen, Tendenzen usw... Dieses Ich ist das, von dem wir meinen oder vorgeben, es zu sein. Wenn wir zur Rolle werden. Wenn wir uns mit der Filmleinwand und ihren Akteuren identifizieren. Es manifestiert bzw. emaniert sich aus dem aktuellen Ich.

Im Hinduismus nennt man diese drei Formen des Ichs auch: Avyakta, Vyakta und Vyakti.
Ich kenne diese 3er-Gliederung auch, aber hier werden offensichtlich sprichwörtlich Äpfel mit Birnen verglichen.

Für das Auflisten von Qualitätskriterien benötigt man immer etwas Vorhandenes, das diese Qualität zeigt. Ein nicht vorhandenes Ich hat überhaupt keine Qualität. Es ist der Ausdruck für ein totales Fehlen jeglicher Qualität und sonstiger Merkmale.

Wir wir den Begriff Qualität immer für etwas benutzen, um damit eine Wirkung zu beschreiben, dann kann man den Begriff Qualität nicht verwenden, um etwas zu beschreiben, was es noch nicht gibt. Das beschreibt man dann Äpfel und Birnen gemischt. Ein mögliches Potenzial, das in der Lage ist, etwas hervorbringen zu können, hat selbst keine beschreibbare Qualität. Es läßt sich nicht abgrenzen und unterscheiden von etwas anderem. Ein Potenzial ist noch keine Wirkung. Es befindet sich a priori zu allen Wirkungen/Qualitäten.

Ein Beispiel dafür, was ich meine:

Wenn du eine Qualitätsliste von Fahrzeugen erstellen sollst, dann wirst du darin alle bereits bestehenden Fahrzeuge auflisten, und keine, die erst noch erfunden und gebaut werden müssen. Das heißt: Ein potenziell mögliches Fahrzeug hat selbst noch keine Qualität, und man kann hier weder von einem Fahrzeug noch von einem Nicht-Fahrzeug reden, das man durch irgendeine Qualitätsbeschreibung charakterisieren könnte. Nicht-Fahrzeug haben in einer solchen Auflistung nichts verloren. Dieses Beispiel mag es veranschaulichen.

Ich kann auch nicht bestätigen, wenn du schreibst, dass wir im Tiefschlaf das potenzielle Ich treffen. Im Tiefschlaf treffe ich nie irgendetwas oder irgend jemanden. Ich kann vielmehr nur im Wachzustand bestätigen, dass es eine Lücke in der sonst üblicherweise stattfindenden, sich fortsetzenden Phase eines anhaltenden Beobachtens gibt, die man Tiefschlaf nennt Und dieser Tiefschlaf ist durch eine vollständige Abwesenheit von Allem charakterisiert. Eine absolute Qualitätslosigkeit.


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libertarian
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25.01.2013 um 22:03
@oneisenough
Da hast du sicher nicht ganz unrecht. Jedoch gibt es dich auch, gibt es das Ich auch noch während du schläfst, andernfalls könnte es kein Erwachen für dich, für das Ich geben, und auch niemand schlafen, denn nur ein Ich kann schlafen und nur ein Ich kann wieder erwachen und sich als sich erkennen. Folgendes geschieht da: Ich reflektiert sich selbst: Ich <-> Ich. Ich Bin.
oneisenough schrieb:Ich kann auch nicht bestätigen, wenn du schreibst, dass wir im Tiefschlaf das potenzielle Ich treffen. Im Tiefschlaf treffe ich nie irgendetwas oder irgend jemanden. Ich kann vielmehr nur im Wachzustand bestätigen, dass es eine Lücke in der sonst üblicherweise stattfindenden, sich fortsetzenden Phase eines anhaltenden Beobachtens gibt, die man Tiefschlaf nennt Und dieser Tiefschlaf ist durch eine vollständige Abwesenheit von Allem charakterisiert.
Ich bestätige im Tiefschlaf mein Nicht-Vorhandensein. Klar, das kann ich auch nicht, denn um ein Nicht-Vorhandensein zu bestätigen, brauche ich auch wieder Zwei: Mich, und die Bestätigung meines Nicht-Vorhandenseins, welches ich dadurch bestätige, dass ich es vom Vorhandensein abgrenzen kann; um dies aber zu können, müsste ich vorhanden sein, was im Widerspruch zur Aussage steht, dass ich nicht vorhanden wäre. Nun ist aber gerade die Qualität des Tiefschlafs, dass es dort nichts gibt, gar nichts. Wie auch du schon nanntest, treffe ich dort nicht auf mich, und auch nicht auf sonst irgendetwas. Denn um wahrzunehmen und auf etwas treffen zu können, dazu braucht es zwei; Den Wahrnehmenden und das, was er wahrnimmt. Den Treffenden, und das, auf was er trifft. Da wo es aber zwei gibt, kann kein Tiefschlaf sein. Keine Dualität. Im Tiefschlaf gibt es nämlich nur die Einheit, Eines, nicht mehr. Dort ist man sich vollkommen selbst genüge, könnte man sagen. Nichts weiter wird benötigt. Nichts.

Um nochmal mein Schema aufzugreifen: Ich sagte, der Tiefschlaf sei dadurch charakterisiert, dass man dort nicht sei, es treffe die Aussage zu, ich bin nicht. Dies stimmt, und es stimmt doch paradoxerweise auch nicht. Denn im Tiefschlaf trifft auch Folgendes zu: Ich. Und zwar nur dies: Ich. Wenn da nun einer schläft, dann ist da nur: Ich. Nur das Selbst, könnte man auch sagen. Nun aber sieht es nichts, kann sich an nichts erfreuen, aber auch nichts fürchten, das Leben scheint abwesend. Darum verspürt es den Drang, sich zu vermehren; es schafft sich ein Bin. So ensteht das Ich Bin. Dieses ist Liebe, Liebe zum Dasein. So teilte sich das Ich in zwei, indem es sich scheinbar vermehrte. Ich + Bin. Dieses nun scheint als Einheit. Auch dieses, das seinen Ursprung nicht kennt, sagt von sich wieder; wohlan, ich möchte mich in zwei teilen, ich möchte mich vermehren. Es lässt aus sich das Ich Bin Das hervorkommen. So möge also der Ursprung unbekannt und nicht fassbar sein, so ist er doch vorhanden, somit wird die Zweiheit von der wir meinen tatsächlich in eine Dreiheit. Ich + Bin + Das.

Alle Aussagen, ich sei nicht gewesen, war vor meiner Geburt noch nicht, da war nichts, war im Tiefschlaf nicht, das Nichts; alle diese Aussagen sind nur Abwandlungen vom Ich-Sein. Alle diese Aussagen, ich liebe allumfassend, ich bin pures Sein, pures Bewusstsein, Ich lebe, ich nehme wahr, ich schwebe über den Dingen; alle diese Aussagen sind nur Abwandlungen vom Ich-Bin-Sein. Alle Aussagen, ich komme hierher, ich gehöre dazu, das sei meine Abstammung, das meine Erinnerungen, ich liebe dies und das, ich habe dies und das; alle diese Aussagen, sind nur Abwandlungen vom Das-Sein.


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oneisenough
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26.01.2013 um 16:55
@libertarian

Ich stimme dir grundsätzlich zu, und ich muß hinzufügen, dass du es sehr anschaulich beschrieben hast.

Was ich jedoch nicht bestätigen kann ist, dass man bei einem "Ich bin nicht" dennoch etwas Konkretes als vorhanden annimmt. Das ist schon deswegen nicht möglich, weil ja ein "Ich bin nicht" ein Nichtvorhandensein zum Ausdruck bringen soll. Man kann also nicht einerseits sagen, dass ein "Ich bin nicht" das Nichtvorhandensein zum Ausdruck bringt, und anderseits gleichzeitig damit meinen, dass trotzdem ein "Ich" vorhanden ist. Das wäre widersprüchlich.

Es ist durchaus etwas vorhanden, aber eben nicht als "Ich" oder in einer sonstigen Form. Es ist vielmehr das vorhanden, was eine Form wie der eines Ich ermöglicht, aber eben noch kein Ich ist.

Ich nenne diese Ich-bin-nicht-Phase: Schlafen ist Sein ohne Ich.


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ch_pike
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27.01.2013 um 11:04
Im Steinzeitalter durfte man noch so sein, wie man wollte! Nein, wir Männer mussten uns nicht rasieren, dass wir wie Frauen aussehen! Wir mussten kein dickes Bankkonto haben, damit die Frauen uns wollen. Wir mussten stark sein, wir durften so fressen wie wir wollten, da gab es noch kein Knigge! Ich wünschte ich hätte in dieser Zeit gelebt, ich hätte mit den Händen Fleisch fressen können, und jetzt muss ich zu Messer und Gabel greifen, das kann es doch nicht sein oder...


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27.01.2013 um 12:09
@ch_pike

Das hört sich so an, als ob du heute keine Hände mehr hättset um Fleisch essen zu können, wer zwingt dich denn Messer und Gabel zu nehmen???


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libertarian
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28.01.2013 um 04:23
oneisenough schrieb:Was ich jedoch nicht bestätigen kann ist, dass man bei einem "Ich bin nicht" dennoch etwas Konkretes als vorhanden annimmt. Das ist schon deswegen nicht möglich, weil ja ein "Ich bin nicht" ein Nichtvorhandensein zum Ausdruck bringen soll. Man kann also nicht einerseits sagen, dass ein "Ich bin nicht" das Nichtvorhandensein zum Ausdruck bringt, und anderseits gleichzeitig damit meinen, dass trotzdem ein "Ich" vorhanden ist. Das wäre widersprüchlich.
Das ist in der Tat auf den ersten Blick widersprüchlich. Aber auch dein Sein ohne Ich kommt nicht darüber hinweg, dass das Ich nicht tatsächlich verschwunden ist. Denn wäre es das, gäbe es niemanden, der wieder erwachen könnte. Was ich hier mit Ich, und nur: Ich, meine, das ist, dass es dort nichts weiter gibt, als das Eine. Wie auch immer man dies bezeichnen möge. Jedes Wahrnemen und somit auch das Erkennen eines Ich benötigt aber eine Zweiheit: Wahrnehmendes und Wahrgenommenes.

Dazu noch kurz aus den Upanishaden, das es gut auf den Punkt bringt:
Wenn einer dann nicht sieht, so nimmt er, obschon sehend, Sichtbares nicht wahr. Der Sehende verliert zwar nicht seinen Gesichtssinn, weil dieser nicht schwindet, aber es gibt kein Zweites, Anderes, Verschiedenes, das er sehen könnte.
Wenn einer dann nicht erkennt, so erkennt er, obschon erkennend, das Erkennbare nicht. Zwar kommt der Erkenner nicht um sein Erkennen, weil dieses nicht schwindet; aber es gibt kein Zweites, Anderes, Verschiedenes, was er erkennen könnte.
oneisenough schrieb:Es ist durchaus etwas vorhanden, aber eben nicht als "Ich" oder in einer sonstigen Form. Es ist vielmehr das vorhanden, was eine Form wie der eines Ich ermöglicht, aber eben noch kein Ich ist.
Das unterschreibe ich. Es ist das, was ein Ich erst ermöglicht, ein Ich, wie wir es kennen. Ich-Bin oder Bin-Das. Mein Ich sollte man eher als Metapher für das Eine, den Form-Geber, verstehen.


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oneisenough
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28.01.2013 um 14:18
@libertarian
libertarian schrieb:Es ist das, was ein Ich erst ermöglicht
Einverstanden, nennen wir es einfach "Das, was ein Ich ermöglicht".

Setzen wir voraus, dass es so etwas gibt, dann gibt es zwangsläufig eine Phase, in der noch kein Ich ermöglicht wurde. Nennen wir dies einfach "Vor dem Ich".

Und genau für diese Phase des "Vor dem Ich" habe ich nun zwei Fragen, bei denen mich deine Antworten interessieren:

Ist es aktiv oder völlig inaktiv?
Ist es aufmerksam oder nicht aufmerksam?

Was denkst du, trifft zu?


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libertarian
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29.01.2013 um 03:59
@oneisenough
oneisenough schrieb:Ist es aktiv oder völlig inaktiv?
Beiderlei. Sowohl als auch. Inaktiv ist es für mich in meinem subjektiven Eindruck, da, wenn es für mich aktiv wäre, dies voraussetzen würde, dass ich es wahrnehmen könnte, womit aber ein Ich-Sein gegeben wäre. Aktiv ist es bei objektiver Betrachtung, denn wäre es das nicht, könnte es gar kein Ich bilden, da gar nicht die Möglichkeit dazu vorhanden wäre, es würde nie etwas zustande kommen, wäre es wirklich vollkommen inaktiv. Letztlich ist es jenseits sowohl der Aktivität, als auch der Inaktivität, will ich meinen. Und doch ist es auch beides.
oneisenough schrieb:Ist es aufmerksam oder nicht aufmerksam?
Das kommt darauf an, mit welcher Bedeutung du diesen Begriff füllst. Aber ich nehme die Definition, wie du sie mit anzuschlagen scheinst: Sagen würde ich durchaus, dass es eine gewisse Qualität der Aufmerksamkeit besitzt, denn aus etwas absolut Unaufmerksamen könnte nichts Aufmerksames enstehen. Aufmerksamkeit ensteht aus Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit ist Aufmerksamkeit. Alles ist Aufmerksamkeit, da es nur durch solche bemerkt werden kann.


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saba_key
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29.01.2013 um 06:31
@misterbaer

Ich nur zum Teil, das gebe ich zu.

Das Ergebnis ist immer das gleiche, so bald du eine persönliche Schwäche eingestehst kommen die Allmy-Geier und weiden dich aus. Es gibt da einige, die haben nen absoluten tic, wo bel wenn ich es mir überlege, an der lömographie geht nichts vorbei. Ende der Durchsage.


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oneisenough
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29.01.2013 um 12:31
@libertarian

Vielen Dank für deine anschaulichen Antworten.


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Lasker
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30.01.2013 um 12:21
libertarian schrieb am 25.01.2013:Um nochmal mein Schema aufzugreifen: Ich sagte, der Tiefschlaf sei dadurch charakterisiert, dass man dort nicht sei, es treffe die Aussage zu, ich bin nicht. Dies stimmt, und es stimmt doch paradoxerweise auch nicht. Denn im Tiefschlaf trifft auch Folgendes zu: Ich. Und zwar nur dies: Ich. Wenn da nun einer schläft, dann ist da nur: Ich. Nur das Selbst, könnte man auch sagen. Nun aber sieht es nichts, kann sich an nichts erfreuen, aber auch nichts fürchten, das Leben scheint abwesend. Darum verspürt es den Drang, sich zu vermehren; es schafft sich ein Bin. So ensteht das Ich Bin. Dieses ist Liebe, Liebe zum Dasein. So teilte sich das Ich in zwei, indem es sich scheinbar vermehrte. Ich + Bin. Dieses nun scheint als Einheit. Auch dieses, das seinen Ursprung nicht kennt, sagt von sich wieder; wohlan, ich möchte mich in zwei teilen, ich möchte mich vermehren. Es lässt aus sich das Ich Bin Das hervorkommen. So möge also der Ursprung unbekannt und nicht fassbar sein, so ist er doch vorhanden, somit wird die Zweiheit von der wir meinen tatsächlich in eine Dreiheit. Ich + Bin + Das.
@libertarian

Zustimmung. Im traumlosen Tiefschlaf ist das ICH oder BEWUSSTSEIN anwesend. Wie sonst sollte sich jemand erinnern können, nicht geträumt zu haben.

LeChiffre


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oneisenough
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Ist man das, was man vorgibt zu sein?

30.01.2013 um 14:10
Jemand, der sagt, dass Bewusstsein eine andere Qualität als die von Erfahrbarkeit hat, und dass Bewusstsein auch abseits jeglicher Erfahrbarkeit vorhanden ist, ist das Opfer seines eigenen Verstandes.

Jemand, der nicht akzeptiert, dass während des Schlafens eines Lücke vorhanden ist, die durch das absolute Fehlen jeglichen Bewusstseins charakterisiert ist, ist ebenfalls das Opfer einer solchen Denkgewohnheit.

Uneinsichtigkeit ist die am schwierigsten aufzulösende Denkgewohnheit des Verstandes, die es gibt.


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Lasker
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30.01.2013 um 20:29
@oneisenough

Ich habe die Homepage vom WeltverschwoerungsWerner "Gloabal awareness - Das Erkennungsprinzip Aufmerksamkeit - ausgiebig studiert...bevor sie abgemeldet wurde, nachdem ich Dir diesen Link auf Allmy mehrmals präsentiert hatte, ohne dass Du dich dazu äußern mochtest, und das obwohl dort in aller ethischer Breite und Tiefe dein Lieblingscredo "Viva Aufmerksamkeit" zelebriert wurde.

Das Universum kennt keine Zufälle!

Dort wo WeltverschwoerungsWerner, mit dem Du natürlich nichts gemein hast, in sein Diagramm "Aufmerksamkeit" stehen hat...musst du nach meiner Weltenformel "BEWUSSTSEIN" (in großen Lettern und zu von Bewusstheit zu unterscheiden) einsetzen.

Das verhilft Dir zur Einsichtigkeit ;)

http://www.weltverschwoerung.de/neuzugaenge-uservorstellung/22634-awaresum-stellt-sich-vor.html

Warum ich - intuitiv - eine Verbindung von WVW zu Dir sehe...guckst du hier:

http://www.allmystery.de/fcgi/?m=search&query=Awaresum

LeChiffre

@TheLolosophian


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