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LGBTIQ-Politik weltweit

322 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Weltweit, Queer, LGBTIQ ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

LGBTIQ-Politik weltweit

13.07.2026 um 08:58
Zitat von martenotmartenot schrieb:Die Frage ist halt vielleicht schon, ab wann es als "Protestieren" ausgelegt wird. Soweit ich mitbekommen habe, gilt es in Russland schon als "Propaganda", wenn man in irgendeiner Weise eine gleichgeschlechtliche Lebensweise als positiv darstellt. Das scheint bisweilen sehr weitläufig ausgelegt zu werden. Ich denke, in Ländern wie Russland oder der Türkei akzeptiert man LGBTs höchstens, wenn sie stumm und unauffällig möglichst so tun, als ob sie hetero wären (den eigenen Partner gibt man am besten als Kumpel, Bruder oder Cousin aus).
Gut, da bräuchte es konkrete Erfahrungsberichte oder Urteile um hier eine konkrete Aussage treffen zu können.

Die Türkei ist keineswegs LGBTQ freundlich. Wo ich missverstanden wurde ist lediglich, dass es zwischen LGBTQ-Freund und Gefahr für LGBTQ Menschen noch eine riesen Lücke gibt.

Die Türkei ist unter Erdogan nach Rechts und auch ins konservative gerutscht. Abgesehen von seiner eigenen Überzeugung, die sicher nicht LGBTQ freundlich ist, besteht auch seine Wählerschaft, bzw. die der AKP aus sehr konservativen Menschen. Da darf man also keine LGBTQ-Freundliche Politik erwarten.

Bezogen auf Proteste und auch Propaganda ist die Türkei sehr restriktiv, nicht nur auf LGBTQ bezogen. Als Linke ist man schnell ein Terrorist - Demos sind generell sehr ungern gesehen - das soll die LGBTQ thematik nicht runterspielen, ist aber sicher nochmal ein Multiplikator.


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13.07.2026 um 09:08
Zitat von Ataraxie89Ataraxie89 schrieb:Also halten wir fest, dass es nicht bedeutet dass es für LGBTQ Menschen gefährlich ist nur weil man ein als offensichtlich LGBTQ Schiff gekennzeichnetes Schiff in einem streng muslimischen Land nicht anlegen lässt.
"Wir" halten da gar nichts fest und es wird auch nicht wahrer, wenn Du es wiederholst. Das mit dem Schiff ist nur eines der Symptome der Entwicklung unter Erdogan:

https://www.bpb.de/themen/europa/tuerkei/541824/die-lage-der-lgbt-community-in-der-tuerkei/


Zu Deinen Großstadterfahrungen:
Eine LGBTT-Community findet sich vorrangig in Istanbul sowie in geringerem Umfang in Ankara, Antalya und Izmir. Insbesondere in ländlichen Regionen in der Türkei gilt Homosexualität als Tabuthema.
Wikipedia: Homosexualität in der Türkei


Ägypten lässt sie übrigens auch nicht anlegen. Auch ein "konservatives" Land:
Wikipedia: Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in Ägypten


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13.07.2026 um 11:15
Zitat von soomasooma schrieb:"Wir" halten da gar nichts fest und es wird auch nicht wahrer, wenn Du es wiederholst. Das mit dem Schiff ist nur eines der Symptome der Entwicklung unter Erdogan:
Komplett gelesen und vieles gelesen dass mich in meiner Auffassung bestätigt. Das Thema ist politisiert und ja, die Türkei ist nicht fortschrittlich aber eine Gefahr kann ich auch konkret aus dem Artikel nicht rauslesen.


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13.07.2026 um 11:52
Zitat von Ataraxie89Ataraxie89 schrieb:aber eine Gefahr kann ich auch konkret aus dem Artikel nicht rauslesen.
Kommt drauf an, wie man "Gefahr" definiert. Ab wann ist der Besuch eines Landes eine Gefahr für einen Besucher? Erst wenn er um sein Leben fürchten muss, oder schon, wenn das Risiko einer Verhaftung und/oder Haftstrafe besteht?


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13.07.2026 um 11:57
Zitat von Ataraxie89Ataraxie89 schrieb:Das Thema ist politisiert und ja, die Türkei ist nicht fortschrittlich aber eine Gefahr kann ich auch konkret aus dem Artikel nicht rauslesen.
Das sieht das Auswärtige Amt anscheinend anders.
Homosexuelle Handlungen sind in der Türkei nicht strafbar. Die „Pride Parade“ wird von den türkischen Behörden jedoch regelmäßig untersagt; Teilnehmenden droht strafrechtliche Verfolgung. Auch 2025 kam es am Rande nicht genehmigter Pride-Veranstaltungen in der Türkei zu zahlreichen Festnahmen, auch ausländische Staatsangehörige waren betroffen. Nicht-genehmigte Demonstrationen/Versammlungen werden von den türkischen Behörden ggf. unter Einsatz von Wasserwerfern, Gummigeschossen oder Tränengas aufgelöst. Zudem sind gewalttätige Übergriffe auf LGBTIQ-Personen von nicht-staatlicher Seite bekannt. Es sollte mit z.T. starken Vorurteilen gegenüber LGBTIQ in der türkischen Gesellschaft gerechnet werden.
https://www.auswaertiges-amt.de/de/reiseundsicherheit/tuerkeisicherheit-201962


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13.07.2026 um 12:21
Zitat von martenotmartenot schrieb:Kommt drauf an, wie man "Gefahr" definiert. Ab wann ist der Besuch eines Landes eine Gefahr für einen Besucher? Erst wenn er um sein Leben fürchten muss, oder schon, wenn das Risiko einer Verhaftung und/oder Haftstrafe besteht?
Valider Punkt. Für mich besteht Gefahr dann, wenn ich bei Einreise mit Verhaftung, körperlicher Gewalt oder juristischen Problemen rechnen muss. Ganz offensichtlich besteht dieses Risiko nicht, zumindest dann nicht, wenn ich nicht öffentlich für Rechte von LGBTQ oder ähnlichem Protestiere.

Ich mein, mal ehrlich. Wenn ich in ein streng muslimisches Land reise und dann das Verlangen habe das auch mit Regenbogenfarben oder anderen Symbolen nach Außen zu tragen dann muss ich in Ländern wie der Türkei oder auch anderen Ländern die konservativ gestimmt sind, mit entsprechender Reaktion rechnen.

Ich bin zum Beispiel Atheist, auch mich würde man wohlmöglich anfeinden wenn ich in Anatolien mit einem Anarchistenzeichen vor einer Moschee hausiere.

Wenn ich wert darauf lege, oder auch öffentlich meine Sexualität ausleben möchte, dann ist die Türkei und auch Ägypten oder andere arabische Länder tatsächlich das falsche Ziel. So wie für mich als Ahteist, wohlmöglich der Vatikan das falsche Ziel ist - zumindest wenn ich mit Atheistensympbolen oder einem auftatoowiertem, Kreuz welches verbrannt oder durchgebrochen wird in den Vatikan einreise.


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13.07.2026 um 12:25
Zitat von Ataraxie89Ataraxie89 schrieb:Ich mein, mal ehrlich. Wenn ich in ein streng muslimisches Land reise und dann das Verlangen habe das auch mit Regenbogenfarben oder anderen Symbolen nach Außen zu tragen dann muss ich in Ländern wie der Türkei oder auch anderen Ländern die konservativ gestimmt sind, mit entsprechender Reaktion rechnen.
Ist für mich aber dann eben kein Reiseland. Ich hätte keine Lust, jederzeit akribisch darauf achten zu müssen, dass man mir nicht irgendwie dann doch unterstellt, ich hätte da irgendwas "nach außen" getragen. Ich reise eben nur in Länder, in denen es genügend Rechtssicherheit gibt, dass mir daraus kein Strick gedreht werden kann.

Und auf mich wirkt es jedenfalls so, dass man bei Fragen nach dem Familienstand oder Partnerschaft am besten in beredtes Schweigen ausbricht, schnell das Thema wechselt, oder eine vorbereitete Lügengeschichte präsentiert (liebevolle Ehefrau muss zuhause auf die Kinder aufpassen, etc.). Vielleicht sollte man generell die Story von einer fleißigen Ehefrau vorbereitet haben, die eben nicht mit auf Reisen kommen kann, weil sie daheim die Wäsche waschen und die Kinder hüten muss.


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13.07.2026 um 12:30
Zitat von martenotmartenot schrieb:Ist für mich aber dann eben kein Reiseland. Ich hätte keine Lust, jederzeit akribisch darauf achten zu müssen, dass man mir nicht irgendwie dann doch unterstellt, ich hätte da irgendwas "nach außen" getragen. Ich reise eben nur in Länder, in denen es genügend Rechtssicherheit gibt, dass mir daraus kein Strick gedreht werden kann.
Was ja dein gutes Recht ist. Ist sehr schade, da die Türkei ein kulturell sehr wertvolles Land ist - aber leider ist dem so. Gerade unter Erdogan hat die Türkei gerade in diesen Bereichen ordentliche Schritte zurück gemacht.


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13.07.2026 um 12:31
Zitat von Ataraxie89Ataraxie89 schrieb:Ist sehr schade, da die Türkei ein kulturell sehr wertvolles Land ist - aber leider ist dem so.
Das trifft leider auch auf etliche andere sehr interessante Länder zu, die ich unter anderem Umständen gern mal bereisen würde.


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13.07.2026 um 12:47
Zitat von martenotmartenot schrieb:Das trifft leider auch auf etliche andere sehr interessante Länder zu, die ich unter anderem Umständen gern mal bereisen würde.
Ja, das ist halt echt schade, dass es Länder gibt die hier noch sehr restriktiv sind.
Zitat von martenotmartenot schrieb:Und auf mich wirkt es jedenfalls so, dass man bei Fragen nach dem Familienstand oder Partnerschaft am besten in beredtes Schweigen ausbricht, schnell das Thema wechselt, oder eine vorbereitete Lügengeschichte präsentiert (liebevolle Ehefrau muss zuhause auf die Kinder aufpassen, etc.). Vielleicht sollte man generell die Story von einer fleißigen Ehefrau vorbereitet haben, die eben nicht mit auf Reisen kommen kann, weil sie daheim die Wäsche waschen und die Kinder hüten muss.
Ich kann halt nur aus meiner sehr subjektiven Sicht sprechen, dass ich in Antalya z.B. bei meinem letzten Besuch einen homosexuellen Animateur kennengelernt habe, der ganz offen darüber gesprochen hat, dass er eben homosexuell ist. Das auch lauthals in öffentlichen Verkehrsmitteln und auch optisch, konnte man das sehen da auch seine Kleidung verraten hat - will da jetzt nicht zu sehr pauschalisieren aber er hat z.B sichtbar einen String getragen, der auch oben aus der Hose rausguckte.

Mit Ihm gemeinsam sind wir auch außerhalb seiner Arbeitszeit durch die Stadt geschlendert, haben Clubs besucht und selbst bei den Türstehern scheinte es so, als ob er einen ganz guten Ruf genießt (wir haben durch ihn immer gute Tische bekommen, hatten teils freien Eintritt ohne zu warten etc).

Er war also gut vernetzt und auch anerkannt.

Aber das ist halt sehr subjektiv und in den Ferienorten wohlmöglich anders, als jetzt in Anatolien oder in den wirklichen konservativen Gegenden wie Adana, Diyarbakir und co.


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13.07.2026 um 12:56
Zitat von Ataraxie89Ataraxie89 schrieb:Aber das ist halt sehr subjektiv und in den Ferienorten wohlmöglich anders, als jetzt in Anatolien oder in den wirklichen konservativen Gegenden wie Adana, Diyarbakir und co.
Ich vermute, dass es in den Ferienorten ggf. eher geduldet und hingenommen wird, solange es dazu beiträgt, zahlungskräftige Gäste ins Land zu bringen. Aber alles in allem würde ich trotzdem sagen, dass man sich auf dünnem Eis bewegt, das jederzeit "einbrechen" kann, wenn es keine Rechtssicherheit gibt. Ansonsten ist man halt auf den guten Willen derjenigen Menschen angewiesen, mit denen man zu tun hat. Und wenn man mal bei jemandem in Ungnade gefallen ist, kann das Thema wahrscheinlich schnell zum Druckmittel werden (da die Rechtsprechung es einem dann leicht macht, so jemanden "auszuliefern").


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18.08.2026 um 22:02
@blueavian

Darauf basiert die Karte:
The survey included questions on social acceptance of LGBTQ+ communities, regional priorities and regional risks, acceptance of individual subgroups, legal equality, dealing with authorities and healthcare systems and risks when using social networks.
Die Umfrage umfasste Fragen zur gesellschaftlichen Akzeptanz von LGBTQ+-Communities, zu regionalen Schwerpunkten und regionalen Risiken, zur Akzeptanz einzelner Untergruppen, zur rechtlichen Gleichstellung, zum Umgang mit Behörden und Gesundheitssystemen sowie zu Risiken bei der Nutzung sozialer Netzwerke.
Quelle: https://www.global-monitoring.com/en/tourism/lgbtqplusriskmap/lgbtq-survey/


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15.09.2026 um 10:51
Was gerade in der Türkei passiert, finde ich schon ziemlich erschreckend.

Bei landesweiten Razzien gegen LGBTQ-Aktivisten und -Organisationen sind zahlreiche Menschen festgenommen worden. Betroffen sind offenbar nicht nur einzelne Aktivisten, sondern auch Vereine und andere Organisationen; dazu kommen Durchsuchungen und Einschränkungen von LGBTQ-Angeboten im Netz.

https://www.tagesschau.de/ausland/tuerkei-razzien-102.html

Begründet wird das Vorgehen unter anderem mit dem „Schutz der Familie und der Kinder“ und dem Kampf gegen angebliche Obszönität.

Homosexualität ist in der Türkei zwar weiterhin nicht strafbar. Trotzdem wird die LGBTQ-Community dort zunehmend politisch zum Feindbild gemacht und staatlich unter Druck gesetzt.

Und genau da liegt für mich der entscheidende Punkt: Das ist irgendwann nicht mehr einfach konservative Gesellschaftspolitik oder eine restriktive Haltung zur Pride, sondern staatliche Repression gegen eine Minderheit und gegen zivilgesellschaftliche Organisationen.

Gerade im internationalen Vergleich finde ich es deshalb wichtig, nicht nur auf Länder zu schauen, in denen Homosexualität formal verboten ist. Auch dort, wo Homosexualität legal ist, können die Lebensbedingungen für LGBTQ-Menschen massiv schlechter werden, wenn der Staat die Community systematisch zum gesellschaftlichen Problem erklärt.

Und genau deshalb macht mir die Entwicklung in der Türkei auch mit Blick auf Deutschland ein bisschen Sorgen. Eine AfD-Regierung würde natürlich nicht automatisch zu türkischen Verhältnissen führen – aber angesichts ihrer Vorstellungen von „traditioneller Familie“, ihrer Ablehnung von Genderpolitik und ihrer Rhetorik gegenüber LGBTQ-Themen hätte ich durchaus die Befürchtung, dass sich auch bei uns das gesellschaftspolitische Klima gegenüber LGBTQ-Menschen verschlechtern könnte.

Also nicht: „AfD = Erdogan“. Aber die Richtung, in die sich das gesellschaftspolitische Klima entwickeln könnte, würde ich durchaus kritisch beobachten.


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15.09.2026 um 10:55
Zitat von DasdeeeenizDasdeeeeniz schrieb:Und genau deshalb macht mir die Entwicklung in der Türkei auch mit Blick auf Deutschland ein bisschen Sorgen. Eine AfD-Regierung würde natürlich nicht automatisch zu türkischen Verhältnissen führen – aber angesichts ihrer Vorstellungen von „traditioneller Familie“, ihrer Ablehnung von Genderpolitik und ihrer Rhetorik gegenüber LGBTQ-Themen hätte ich durchaus die Befürchtung, dass sich auch bei uns das gesellschaftspolitische Klima gegenüber LGBTQ-Menschen verschlechtern könnte.
Diese Befürchtungen teile ich auch. Zwar gibt sich die AfD meistens islam- und auch Erdogankritisch, aber wenn man genau hinschaut, gibt es mehr Parallelen zwischen einem strengen Islam und der AfD, als sie selbst zugeben würde. Und da gehört leider auch die starke Fixierung auf die "traditionelle Familie" dazu, was gleichzeitig halt meistens bedeutet: "Wer nicht in einer traditionellen Familie lebt, der wird nicht unterstützt oder sogar zum Feindbild erklärt".


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15.09.2026 um 11:19
Zitat von martenotmartenot schrieb:Diese Befürchtungen teile ich auch. Zwar gibt sich die AfD meistens islam- und auch Erdogankritisch, aber wenn man genau hinschaut, gibt es mehr Parallelen zwischen einem strengen Islam und der AfD, als sie selbst zugeben würde. Und da gehört leider auch die starke Fixierung auf die "traditionelle Familie" dazu, was gleichzeitig halt meistens bedeutet: "Wer nicht in einer traditionellen Familie lebt, der wird nicht unterstützt oder sogar zum Feindbild erklärt".
Ja, genau diese Fixierung auf die „traditionelle Familie“ finde ich dabei auch interessant. Die AfD grenzt sich zwar rhetorisch massiv vom Islam und insbesondere von dessen konservativen Familien- und Geschlechtervorstellungen ab, übernimmt bei diesen Fragen aber teilweise erstaunlich ähnliche Vorstellungen davon, wie Familie und gesellschaftliche Rollen auszusehen haben.

Natürlich sind AfD und Islamismus deshalb nicht dasselbe. Aber die Gemeinsamkeit, dass eine bestimmte Vorstellung von Familie zum gesellschaftlichen Leitbild erhoben wird und Abweichungen davon schnell als problematisch oder gesellschaftsschädlich gelten, ist schon bemerkenswert.

Und gerade deshalb finde ich die Entwicklung in der Türkei als Warnsignal interessant: Nicht erst das Verbot von Homosexualität verändert die Lebenssituation einer Minderheit. Es reicht schon, sie politisch zunehmend als gesellschaftliches Problem darzustellen.


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15.09.2026 um 12:03
Zitat von DasdeeeenizDasdeeeeniz schrieb:Und gerade deshalb finde ich die Entwicklung in der Türkei als Warnsignal interessant: Nicht erst das Verbot von Homosexualität verändert die Lebenssituation einer Minderheit. Es reicht schon, sie politisch zunehmend als gesellschaftliches Problem darzustellen.
Umso befremdlicher finde ich, dass es auch unter den LGBTs zunehmend anscheinend Leute gibt, die der AfD zugetan sind. Habe ich erst vor kurzem in einer Whatsapp-Diskussion erlebt, dass jemand sich über die PRÜF-Demo am Wochenende aufgeregt hat, statt froh zu sein, dass es noch Menschen gibt, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen (von denen wir alle profitieren, insbesondere auch die LBGTs).


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15.09.2026 um 12:08
Zitat von DasdeeeenizDasdeeeeniz schrieb:Natürlich sind AfD und Islamismus deshalb nicht dasselbe. Aber die Gemeinsamkeit, dass eine bestimmte Vorstellung von Familie zum gesellschaftlichen Leitbild erhoben wird und Abweichungen davon schnell als problematisch oder gesellschaftsschädlich gelten, ist schon bemerkenswert.
@Dasdeeeeniz

Allerdings unterscheiden sich die geforderten Konsequenzen schon. Keine Regenbogenflaggen an öffentlichen Gebäuden und keine Frühsexualisierung in der Schule sind ja schon doch etwas Anderes als echte Verfolgung oder Erhängen an einem Baukran.

Umgekehrt wundere ich mich, wie unkritisch aus der LQGBT Szene häufig der politische Islam gesehen wird, als ob der unsere gesellschaft nun gar nicht verändern würde. Am Verrücktesten erscheinen mir da die Queers for palestine.

Immerhin oblag mit CSD Anttentat eine islamistische Motivation, aber man kämpft weiter nur gegen rechts, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.


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15.09.2026 um 12:09
Zitat von sacredheartsacredheart schrieb:Umgekehrt wundere ich mich, wie unkritisch aus der LQGBT Szene häufig der politische Islam gesehen wird
Und wie unkritisch auch die AfD inzwischen gesehen wird, obwohl sie deutliche Ähnlichkeiten mit dem Islam hat, was die Einstellungen bzgl. der "traditionellen Familie" betrifft.

Ich persönlich möchte jedenfalls weder in einem AfD- noch in einem islamregierten Land leben.


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15.09.2026 um 12:15
Zitat von martenotmartenot schrieb:Umso befremdlicher finde ich, dass es auch unter den LGBTs zunehmend anscheinend Leute gibt, die der AfD zugetan sind. Habe ich erst vor kurzem in einer Whatsapp-Diskussion erlebt, dass jemand sich über die PRÜF-Demo am Wochenende aufgeregt hat, statt froh zu sein, dass es noch Menschen gibt, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen (von denen wir alle profitieren, insbesondere auch die LBGTs)
Das finde ich tatsächlich auch ziemlich befremdlich. Gerade bei LGBTQ-Menschen würde ich eigentlich erwarten, dass man besonders sensibel dafür ist, wenn eine politische Bewegung bestimmte Vorstellungen von „richtiger“ Familie und gesellschaftlicher Normalität zum Leitbild erhebt.

Und bei der PRÜF-Demo finde ich die Reaktion ebenfalls etwas eigenartig. Man muss ja nicht jede konkrete Forderung oder jeden Teilnehmer sympathisch finden. Aber dass Menschen überhaupt für Demokratie und Menschenrechte auf die Straße gehen, sollte doch gerade aus LGBTQ-Perspektive eher etwas sein, worüber man sich freut. Schließlich sind es genau diese demokratischen und rechtsstaatlichen Strukturen, die uns unsere eigenen Rechte garantieren.

Man muss eine Demo nicht mögen. Aber sich darüber zu ärgern, dass Menschen für die eigenen Grundrechte demonstrieren, finde ich schon ziemlich kurzsichtig.
Zitat von sacredheartsacredheart schrieb:Allerdings unterscheiden sich die geforderten Konsequenzen schon. Keine Regenbogenflaggen an öffentlichen Gebäuden und keine Frühsexualisierung in der Schule sind ja schon doch etwas Anderes als echte Verfolgung oder Erhängen an einem Baukran.

Umgekehrt wundere ich mich, wie unkritisch aus der LQGBT Szene häufig der politische Islam gesehen wird, als ob der unsere gesellschaft nun gar nicht verändern würde. Am Verrücktesten erscheinen mir da die Queers for palestine.
Natürlich unterscheiden sich die konkreten Forderungen. Aber „keine Regenbogenflaggen“ und „keine Frühsexualisierung“ sind eben nicht die einzigen bzw. zwangsläufigen Konsequenzen einer Politik, die eine bestimmte Familien- und Geschlechtervorstellung zum gesellschaftlichen Leitbild macht.

Und bei der „Frühsexualisierung“ wird schon die Prämisse übernommen, dass Aufklärung über unterschiedliche Lebens- und Familienformen irgendeine Form von Sexualisierung von Kindern sei. Das ist ein ziemlich praktischer Kampfbegriff, aber kein besonders guter Ausgangspunkt für eine sachliche Diskussion.

Vor allem ging es in meinem Beitrag gar nicht darum, AfD und Islamismus gleichzusetzen. Mir ging es um eine Gemeinsamkeit im politischen Mechanismus: Eine bestimmte Vorstellung davon, wie Familie und Gesellschaft auszusehen haben, wird zum Leitbild erhoben und Abweichungen davon werden als gesellschaftlich problematisch dargestellt. Dass die daraus geforderten Konsequenzen bei AfD und Islamisten völlig unterschiedlich weit gehen können, steht dem überhaupt nicht entgegen.

Und ja: Politischer Islamismus innerhalb der LGBTQ-Szene kann und sollte man selbstverständlich kritisieren. Das ist kein Widerspruch zu einer Kritik an der AfD. Menschenrechte werden nicht dadurch weniger wichtig, dass derjenige, der sie einschränken möchte, politisch aus einer anderen Richtung kommt.

Der Hinweis auf „Verfolgung oder Erhängen am Baukran“ ist deshalb letztlich nur eine Ablenkung: Niemand hat behauptet, dass das dasselbe sei. Die relevante Frage ist, in welche Richtung sich gesellschaftliche und staatliche Ausgrenzung entwickelt – und nicht, ob wir bereits bei der extremsten denkbaren Stufe angekommen sind.


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15.09.2026 um 12:15
Zitat von sacredheartsacredheart schrieb:Allerdings unterscheiden sich die geforderten Konsequenzen schon. Keine Regenbogenflaggen an öffentlichen Gebäuden und keine Frühsexualisierung in der Schule sind ja schon doch etwas Anderes als echte Verfolgung oder Erhängen an einem Baukran.
Naja, im kleinen fängts halt an. Wer weiß wie eine stark radikalsisierte und extremistische Regierung am Ende wirklich gehen würde.
Bei "keinen Regenbogenflaggen an öffentlichen Gebäuden" würde es auf Dauer wohl nicht bleiben. Vorallem wenn ich mir ansehe, wie stark der Hass vorallem in der rechtsextremistischen Szene ist.
Ich könnte mir schon vorstellen, dass irgendwann auch sowas wie die CSDs verboten werden, aus angeblichem Kinderschutz und dergleichen. Da spielt ja schon die vermeintliche "Frühsexualisierung" darauf ab.
Auch könnte die Politik radikal gegen Queere Verbände vorgehen, eben so ähnlich wie in der Türkei. Sicher nicht morgen, auch nicht übermorgen, aber lass mal einer extremistische Regierung genug Zeit.
Zitat von sacredheartsacredheart schrieb:Umgekehrt wundere ich mich, wie unkritisch aus der LQGBT Szene häufig der politische Islam gesehen wird, als ob der unsere gesellschaft nun gar nicht verändern würde. Am Verrücktesten erscheinen mir da die Queers for palestine.
Ich denke einem Großteil ist schon sehr bewusst, dass Homophobie im Islam sehr weit verbreitet ist. Vorallem wenn es um den politischen Islam geht. Man sieht es ja an den Gesetzen in Ländern, die so regiert werden.
Wir sollten aber nicht den Fehler machen und alle Muslime perse als Homophob betrachten.


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