Warum wachsen soziale Spannungen und warum haben wir Angst vor echten Lösungen?Überall auf der Welt scheint Unzufriedenheit bis tiefe Unzufriedenheit zu herrschen. Die gesellschaftlichen Spannungen nehmen spürbar zu, und der Frust entlädt sich immer häufiger in heftigen Konflikten, wie man den Nachrichten auch entnehmen kann. Sehr viele schütteln darüber nur den Kopf oder schimpfen über die Wut der Menschen, verurteilen sie. Nur ... tiefe Enttäuschung und Verbitterung entstehen nicht aus Nichts. Sie sind unübersehbare Symptome einer Krankheit: der extremen Ungleichheit.
Wenn Menschen das Gefühl verlieren, dass sich ehrliche Arbeit überhaupt noch lohnt, während die Vermögen an der Spitze leistungslos explodieren, bricht der soziale Vertrag. Wenn Staaten angeblich kein Geld mehr für funktionierende Krankenhäuser, Schulen, bezahlbaren Wohnraum oder sichere Renten haben, weil sie die Steuern für Konzerne und Superreiche Jahrzehntelang gesenkt haben, erzeugt das puren, existentiellen Frust. Das ist der eigentliche Nährboden für die allgemeine Verbitterung und leider auch für den Rechtspopulismus.
Dennoch haben viele Menschen eine seltsame Hemmung, das Problem an der Ursache anzugehen, und Multikonzerne und Milliardäre fair zu besteuern. Warum blockieren wir uns selbst?
1. Das "Stockholm-Syndrom". Uns wurde eingetrichtert: "Geht es den Konzernen gut, geht es uns allen gut." Aus Angst vor "Abwanderung" verteidigen normale Arbeiter, Angestellte, klein- und mittelständische Unternehmer die Privilegien von Milliardären, obwohl die Forschung längst zeigt, dass international koordinierte Mindeststeuern diese Fluchtwege effektiv abschneiden (in D z.B. die Wegzugsteuer).
2. Die Illusion des "temporär verarmten Millionärs". Der Autor John Steinbeck hat mal sinngemäß gesagt, dass sich viele Menschen nicht als Arbeiter sehen, sondern als Millionäre, die nur gerade eine finanzielle Durststrecke durchmachen
:) Wir bekämpfen Steuern für Superreiche, weil wir insgeheim hoffen, irgendwann selbst mal dazuzugehören. Ein psychologischer Trick des Systems
;)3. Die organisierte Ohnmacht. Man hat propagiert, gegen Tech-Giganten wie Amazon oder Google könne man ohnehin nichts tun. So verharrt man in Passivität, anstatt politische Veränderungen einzufordern.
Dabei zeigt die Realität, dass es geht! Die ARTE-Doku "Tax Wars" belegt echt eindrucksvoll, wie die jahrelange Arbeit von Ökonomen dazu geführt hat, dass sich 140 Staaten auf eine globale Mindeststeuer geeinigt haben. Zwar nur auf 15% aber immerhin. Das ist machbare Politik!
mitH2CO3 schrieb:https://www.arte.tv/de/videos/106711-000-A/tax-wars-krieg-der-steuern/
Und hier setzt der
Global Justice Report an. Er liefert die soziale Deeskalations-Strategie, die wir dringend brauchen. Piketty will den Kapitalismus nicht abschaffen, sondern die leistungslosen Supergewinne ganz oben an der Spitze durch eine progressive Vermögens- und Einkommenssteuer fair umverteilen. Dieses Geld fließt direkt zurück in die Gesellschaft. Es sorgt dafür, dass die Steuern auf ehrliche Arbeit für 90% der Menschen massiv sinken und die existenziellen Dinge des Lebens (Bildung, Gesundheit, Pflege und bezahlbares Wohnen) solidarisch getragen werden und für jeden zugänglich sind.
Wenn man den Menschen die existentielle Angst nimmt, entzieht man der Spaltung und der Frustration den Nährboden. Das ist keine Utopie! Es ist eine Frage des politischen Willens.