GLOBAL JUSTICE REPORT 2026 (T. Piketty et al.)
um 12:50Mythen-Check: Macht der Kapitalismus am Ende alle reicher?
Die finnische Zeitschrift Maailman Kuvalehti berichtet über eine neue Studie (April 2026), die eine weit verbreitete Annahme infrage stellt, nämlich die, dass arme Länder durch freie Märkte und Wachstum irgendwann zu den reichen aufschließen.
Der Anthropologe Jason Hickel und der Forscher Dylan Sullivan haben dafür die Einkommen in 173 Ländern von 1960 bis 2023 verglichen.
Ihre wichtigsten Ergebnisse: der Abstand zwischen reichen und armen Ländern ist in dieser Zeit nicht geschrumpft, sondern um 170 bis 270% gewachsen.
Dass oft angenommen wird, dass die weltweite Ungleichheit sinkt, liegt fast nur am Aufstieg Chinas und teilweise Indiens. Viele kleinere arme Länder sind weiter zurückgefallen.
Länder wie Südkorea und Taiwan, die es geschafft haben, durften mit staatlicher Industriepolitik, Subventionen und Schutzzöllen arbeiten, also genau mit dem, was vielen anderen Ländern durch Auflagen von IWF und Weltbank verwehrt wurde.
Die Autoren ziehen daraus einen harten Schluss: unter den heutigen Bedingungen bleibt die große Mehrheit der Menschheit dauerhaft arm, weil der Reichtum des Nordens auch auf billiger Arbeit und Rohstoffen aus dem Süden beruht.
Die Daten stammen aus der World Inequality Database, die T. Piketty und sein Team aufgebaut haben. Gleiche Zahlen, aber eine deutlich härtere Schlussfolgerung als im Global Justice Report.
Denn der Global Justice Report sieht es etwas optimistischer. Angleichung sei möglich, aber nur mit tiefen Reformen, etwa dem Weltfonds, einem gerechteren Währungssystem und mehr Mitspracherecht für den Süden. Einig ist man sich aber darin, dass es von alleine nicht passiert.
Kritiker verweisen gern darauf, dass in Asien Millionen Menschen der Armut entkommen sind. Aber wie bereits gesagt, liegt das vor allem an China, und selbst China erreicht erst 22 bis 38 % der Einkommen der reichen Länder. Der Rest der ärmeren Länder holt nicht auf, und das sind keine Einzelfälle. Zu den ärmeren Ländern gehören laut Studie 86 % der Menschheit.
Maailman Kuvalehti (finnisch): https://maailmankuvalehti.fi/2026/vain-verkossa/yhteiskunta-ja-talous/tutkimus-uskomus-jonka-mukaan-kapitalismi-kuroo-globaalit-tuloerot-umpeen-ei-pida-paikkansa/
Die Studie (englisch, frei zugänglich): https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/13563467.2026.2659076
Die finnische Zeitschrift Maailman Kuvalehti berichtet über eine neue Studie (April 2026), die eine weit verbreitete Annahme infrage stellt, nämlich die, dass arme Länder durch freie Märkte und Wachstum irgendwann zu den reichen aufschließen.
Der Anthropologe Jason Hickel und der Forscher Dylan Sullivan haben dafür die Einkommen in 173 Ländern von 1960 bis 2023 verglichen.
Ihre wichtigsten Ergebnisse: der Abstand zwischen reichen und armen Ländern ist in dieser Zeit nicht geschrumpft, sondern um 170 bis 270% gewachsen.
Dass oft angenommen wird, dass die weltweite Ungleichheit sinkt, liegt fast nur am Aufstieg Chinas und teilweise Indiens. Viele kleinere arme Länder sind weiter zurückgefallen.
Länder wie Südkorea und Taiwan, die es geschafft haben, durften mit staatlicher Industriepolitik, Subventionen und Schutzzöllen arbeiten, also genau mit dem, was vielen anderen Ländern durch Auflagen von IWF und Weltbank verwehrt wurde.
Die Autoren ziehen daraus einen harten Schluss: unter den heutigen Bedingungen bleibt die große Mehrheit der Menschheit dauerhaft arm, weil der Reichtum des Nordens auch auf billiger Arbeit und Rohstoffen aus dem Süden beruht.
Die Daten stammen aus der World Inequality Database, die T. Piketty und sein Team aufgebaut haben. Gleiche Zahlen, aber eine deutlich härtere Schlussfolgerung als im Global Justice Report.
Denn der Global Justice Report sieht es etwas optimistischer. Angleichung sei möglich, aber nur mit tiefen Reformen, etwa dem Weltfonds, einem gerechteren Währungssystem und mehr Mitspracherecht für den Süden. Einig ist man sich aber darin, dass es von alleine nicht passiert.
Kritiker verweisen gern darauf, dass in Asien Millionen Menschen der Armut entkommen sind. Aber wie bereits gesagt, liegt das vor allem an China, und selbst China erreicht erst 22 bis 38 % der Einkommen der reichen Länder. Der Rest der ärmeren Länder holt nicht auf, und das sind keine Einzelfälle. Zu den ärmeren Ländern gehören laut Studie 86 % der Menschheit.
Maailman Kuvalehti (finnisch): https://maailmankuvalehti.fi/2026/vain-verkossa/yhteiskunta-ja-talous/tutkimus-uskomus-jonka-mukaan-kapitalismi-kuroo-globaalit-tuloerot-umpeen-ei-pida-paikkansa/
Die Studie (englisch, frei zugänglich): https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/13563467.2026.2659076



