Interessierst Du dich für Polen?
01.02.2026 um 17:26ah!parabol schrieb:und viele polnische Buchstaben sind für Deutsche kaum auszusprechen
mittlerweise ist in umfragen so viel los, dass ich mich für jeden beitrag persönlich bedanken will :-)
ah!parabol schrieb:und viele polnische Buchstaben sind für Deutsche kaum auszusprechen

Polen und Deutsche: „Deutschland ist nicht mehr das Vorbild für uns“Quelle: https://www.msn.com/de-de/nachrichten/other/polen-und-deutsche-deutschland-ist-nicht-mehr-das-vorbild-f%C3%BCr-uns/ar-AA218gbp
Artikel von Stefan Locke, Warschau
• 1Tage
„Deutschland war in den Augen der meisten Polen einfach das Land, an dem man sich orientierte.“ Starke Wirtschaft, Demokratie, Sozialstaat und die besten Autos der Welt. Für das Ziel, in NATO und EU anzukommen, habe Polen vieles mit der Faust in der Tasche akzeptiert, sagt Abraham.Fehlende Wahrnehmung?
Diese Zeit ist vorbei. Nach einer entbehrungsreichen Aufbauphase zeigt sich Polen längst als selbstbewusster Bündnispartner. Seit 1999 Mitglied der NATO und seit 2004 der EU, ist Warschau ein beispielloser Aufstieg gelungen. Heute zählt das Land zu den 20 größten Industrienationen der Welt, was auch zu einem veränderten Rollenverständnis führt.
„Deutschland ist nicht mehr das Vorbild für uns“, sagt die Politikwissenschaftlerin Anna Kwiatkowska. Die Deutschlandkennerin arbeitet am Warschauer Zentrum für Oststudien und betreibt seit einiger Zeit einen Podcast mit dem Titel „Niemcy w ruinie?“ („Deutschland in Trümmern?“), wo sie gemeinsam mit dem Philosophen Marek Cichocki Woche für Woche einen realistischen, bisweilen auch ironischen Blick auf Deutschland wirft. Dass Deutschland in Problemen steckt, ist vielen Polen bekannt, und sie wollen wissen, warum, denn das Nachbarland ist für viele nach wie vor ein Bezugspunkt.
Zwar konstatiert auch sie die „sehr wichtige Rolle Deutschlands“ beim Weg Polens in NATO und EU. Doch sei es Berlin und Westeuropa lange nicht gelungen, das „Lehrer-Schüler-Verhältnis“ hinter sich zu lassen und Polen als gleichberechtigten Partner wahrzunehmen.Quelle: ebenda
Als Polen 2003 den USA in den Irakkrieg folgte, um das Bündnis mit Amerika zu festigen, hagelte es aus Deutschland und Frankreich unflätige Kritik. Frankreichs Präsident Jacques Chirac, der wie Bundeskanzler Gerhard Schröder den Krieg ablehnte, tadelte Polen und andere osteuropäische Staaten als „kindlich“ und „schlecht erzogen“ und erklärte, dass diese „eine gute Gelegenheit zu schweigen“ verpasst hätten. Vielen Polen, auch jenen, die den Irakkrieg ablehnten, ist das bis heute in schlechter Erinnerung.
„Damals kippte die Stimmung“, erinnert sich Janusz Reiter. Nur, dass es in Deutschland kaum jemand wahrgenommen habe. Der nächste Schlag folgte nach der EU-Osterweiterung, als Deutschland sieben Jahre lang keine Arbeitnehmerfreizügigkeit gewährte. Viele Polen gingen damals in andere Länder, vor allem nach Großbritannien. Es folgte Streit, etwa um das Stimmgewicht im Europäischen Rat, bei dem sich Polen nicht durchsetzen konnte.
Ein weiterer Konfliktpunkt war das Verhältnis zu Moskau. Bis heute verstehen viele Polen nicht, warum Deutschland die Warnungen aus Osteuropa vor einem aggressiven Russland in den Wind schlug. Anna Kwiatkowska erklärt die Gefühlslage vieler Polen: „Wir, die Neuen, noch dazu aus dem Osten, durften einfach nicht recht haben.“Quelle: ebenda
Das Schlimmste in dieser Hinsicht sei der Bau der Ostseepipeline Nord Stream gewesen, „vor allem der zweite Strang noch nach der Krim-Besetzung“, sagt Kwiatkowska. Deutschland habe sich über alle Warnungen hinweggesetzt. „Wir wurden als russophob dargestellt, und es hieß, dass wir nur das eigene Transitgeld (über bestehende Leitungen durch Polen) im Sinn hätten.“ Dabei habe sich Deutschland „letztlich zutiefst gefährlich und illoyal gegenüber der gesamten EU“ verhalten. Sein eigenes Handeln aber habe Berlin stets für pragmatisch erklärt.
Kritik aus Osteuropa dagegen wurde als emotional und innenpolitisch motiviert kritisiert. Als Polen 2011 mit dem Bau eines Flüssiggas-Terminals in Swinemünde (Świnoujście) begann, um seine Abhängigkeit von Russland zu verringern, hätten manche in Deutschland das als „Geldverschwendung“ kritisiert. Und als Polen 2015 vor den Folgen der Aufnahme zu vieler Flüchtlinge auf einmal warnte, sei man von deutschen Politikern und Medien als rassistisch gebrandmarkt worden.
Dagegen führten simple, aber in der Öffentlichkeit sehr sichtbare extreme Meinungen dazu, die Zahl der Deutschland-Gegner zu überschätzen. Die polnische Gesellschaft sei größtenteils weder stark polarisiert noch eindeutig in ihrer Sicht auf Deutschland geprägt. Vielmehr dominiere ein pragmatischer Ansatz, demzufolge Polen und Deutsche gemeinsame Interessen haben und die Zusammenarbeit beider Länder gut für ein stabiles Europa ist.Quelle: ebenda
Und umgekehrt solle Deutschland Polen als Partner auf Augenhöhe behandeln.Quelle: ebenda
„Die Zukunft der polnisch-deutschen Beziehungen wird weitgehend nicht von sozialen Emotionen abhängen“, konstatieren auch Formuszewicz und Cichocki. „Sondern von der Fähigkeit der politischen Eliten beider Länder, Vertrauen aufzubauen – vor allem dort, wo es heute am meisten fehlt: im Bereich Sicherheit und Sorge für das Gleichgewicht der Partnerschaft.

83. Jahrestag des Aufstands im Warschauer Ghetto: Auf den Spuren der Geschichte im Museum POLINQuelle: https://www.polskieradio.pl/400/7765/Artykul/3675333,83-jahrestag-des-aufstands-im-warschauer-ghetto-auf-den-spuren-der-geschichte-im-polin
19.04.2026 10:11
Wir begeben uns auf einen Rundgang durch die Geschichte – von Jahrhunderten jüdischen Lebens in Polen bis zu den Ereignissen des Jahres 1943.
Am 19. April jährt sich der Aufstand im Warschauer Ghetto – ein Symbol für Mut und Widerstand unter aussichtslosen Bedingungen.Quelle: ebenda
Wir sind heute in Warschau, im Stadtteil Muranów – an einem Ort, der lange Zeit einfach ein Wohnviertel war und doch eine der größten Tragödien der europäischen Geschichte in sich trägt – als Teil der Geschichte dieser Stadt.
In dieser Sendung gehen wir diesen Spuren nach: Es geht nicht nur um den Aufstand selbst, sondern um das Leben der Jüdinnen und Juden in Polen vor dem Krieg, um den Alltag im Ghetto – und um den Moment, in dem aus Verzweiflung Widerstand wurde.

Als tiefgreifende humanistische Fotografien erschöpfen sie sich nicht im unmittelbar Sichtbaren. In ihrem Ausdruck der einzigartigen Widerstandskraft und Vitalität des menschlichen Geistes sind sie Warnung vor dem Zerstörungspotenzial totalitärer Regime und zugleich eine Anklage gegen die freie Welt, die solche Verbrechen nicht verhindert hat.Quelle: https://berlin.instytutpileckiego.pl/de/exhibitions/berlin/warschaus-neuanfang-1945-1949-fotografien-vom-leben-in-den
Das von NS-Deutschland zerstörte Warschau weckt Assoziationen zu Aleppo, Khartum und Mariupol und zwingt zur Reflexion: Wie können wir verhindern, dass Kinder jemals wieder barfüßig zwischen den Trümmern zerstörter Städte spielen müssen?
Warschau nach dem KriegNeuanfang in TrümmernQuelle: https://taz.de/Warschau-nach-dem-Krieg/!6169845/
Anders als Paris oder Prag haben die Deutschen Warschau dem Erdboden gleichgemacht. Warum eine Ausstellung über seinen Neuanfang nach Berlin gehört
Polen sollte als Kulturnation verschwindenQuelle: ebenda
Es ist gut, dass die Ausstellung, die zuerst im Warschauer Haus der Begegnung mit der Geschichte zu sehen war, nach Berlin gekommen ist. Vielleicht muss man Bilder wie diese gesehen haben, um zu verstehen, dass die Verbrechen der deutschen Besatzer in Polen tief im kollektiven Gedächtnis verankert sind.
Prag und Paris haben die Deutschen nicht zerstört, das „Paris des Ostens“ sollte verschwinden. Bei den Bombenangriffen 1939, nach dem Ghettoaufstand 1943, nach dem Warschauer Aufstand 1944, dem mehr als 200.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Heinrich Himmler hatte damals gesagt: „Warschau ist dem Erdboden gleichzumachen, um Europa zu zeigen, was es bedeutet, einen Aufstand gegen die Deutschen zu unternehmen.“
Zdzisław Wdowiński, der Fotograf, der die Frauen bei der Arbeitspause mit den Suppentellern aufgenommen hat, hat selbst am Warschauer Aufstand teilgenommen. Seine Fotografien sind somit auch ein Beispiel dafür, dass es den Deutschen nicht gelungen ist, Polen als Kulturnation auszulöschen.

Laut der neuesten Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird Polen bis 2030 in Bezug auf das BIP pro Kopf (Kaufkraftparität (KKP)): vier entwickelte Länder überholen: Israel, Spanien, Neuseeland und Japan. In den 1990er Jahren gehörte Polen noch zu den ärmsten Ländern Europas. Heute nähert sich das Land dank stabilem Wachstum und konsequenter Modernisierung dem Niveau der westeuropäischen Volkswirtschaften an.Quelle: https://hlb-poland.global/de/prognose-des-iwf-polen-wird-japan-spanien-und-israel-beim-pro-kopf-bip-bis-2030-ueberholen/
Nun reagiert er auf die Kritik an der sogenannten E3-Runde, die sich erst vor gut zwei Wochen in London mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj getroffen hatte.Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/macron-meloni-starmer-und-tusk-zu-gast-bei-merz-auf-die-grossen-funf-in-europa-kommt-es-jetzt-an-15748692.html
An diesem Mittwoch sind neben Macron und Starmer auch die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Polens Regierungschef Donald Tusk zu einem Abendessen im Bundeskanzleramt eingeladen.
Letzterer nannte sein Land kürzlich „ein absolut unverzichtbares Bindeglied, um ernsthaft über die Zukunft der Ukraine und der Region zu sprechen“. Und Tusk berichtete zudem, auch Meloni sei von den E3-Treffen nicht begeistert.

Polens Wandel zum ZuwanderungslandQuelle: https://www.bpb.de/themen/europa/polen/542447/polens-wandel-zum-zuwanderungsland/
10.11.2023 / 10 Minuten zu lesen
Die polnische Bevölkerung war lange Zeit von Auswanderungen geprägt. Erst seit 2016 sind es mehr Zu- als Abwanderungen. Wie ist es dazu gekommen? Und welche Migrationsbewegungen waren zentral für Polen?
How Chicago Became a Distinctly Polish American CityQuelle: https://culture.pl/en/article/how-chicago-became-a-distinctly-polish-american-city
Marek Kępa
Reading time: 19 min
With a history of Polish migration dating back to the 1830s – and more than one million people of Polish descent in its metropolitan area today – Chicago is the traditional capital of the Polish diaspora in the United States. Culture.pl takes a look at the long history of the Windy City’s Polish community and the impact Poles have made there.
Chicago’s Polish TriangleQuelle: https://www.nationalgeographic.com/travel/article/chicagos-polish-triangle
Published August 28, 2015
•3 min read
Next to Warsaw, Chicago has the world’s second largest Polish population.
The Polonia Triangle, center of the city’s original Polish Downtown, is the Illinois city’s oldest, most prominent Polish settlement, full of local Polish shops and restaurants.
Rüstungsdeal zwischen Warschau und den USAQuelle: https://www.focus.de/politik/ausland/die-supermacht-lockt-polen-bis-zu-1000-neue-panzer-sind-im-spiel_88a0e892-9af2-44c5-a8db-fed77c8959fd.html
Bis zu 1000 Panzer: Polen stockt auf und produziert selbst
Daniel Georg Kuhn
Donnerstag, 02.07.2026
Polen nimmt die eigene Aufrüstung weiterhin sehr ernst und wird sich künftig stärker an der Produktion von Abrams-Panzern beteiligen. 2025 gab das Land 4,48 % seines BIPs für Verteidigung aus – deutlich über dem vereinbarten Nato-Ziel und sogar noch vor den USA.Quelle: ebd.
Schon jetzt beteiligen die USA Polen an einem großen Teil der Abrams-Produktionskette. Laut „WNP“ produzieren aktuell acht polnische Unternehmen insgesamt 52 Komponenten der Fahrzeuge. In Zukunft sollen in Polen nun auch Bestandteile Motors hergestellt werden. Das wäre in Europa einzigartig.Quelle: ebd.
Am 18. Mai unterzeichneten USA und Polen dafür ein Kooperationsabkommen. In Dęblin in Ostpolen soll ein Service-Zentrum entstehen. Dazu kommt ein 20-Quadratkilometer großes Industriegelände in Poznań für die Panzerproduktion.
02.07.2026. Im Oktober letzten Jahres ist der Autor und Perlentaucher-Kolumnist Richard Herzinger im Alter von 69 Jahren gestorben. Heute erscheint der Band "Letztes Wort Freiheit" mit Essays Herzingers seit 1992. Es geht um Heiner Müller, deutsche Intellektuelle nach Srebrenica, den 11. September, Botho Strauß, die 68er, die RAF, die Gefahr des Rechtsextremismus, die Ukraine, - und viele andere Themen. Herzinger war mehr als ein Leitartikelschreiber - seine Essays gehören in die große Tradition antitotalitären Denkens. Aus den Essays bringen wir aus Anlass des Erscheinens einige Gedankensplitter, die zeigen, wie früh Herzinger jene Tendenzen benannte, denen die Demokratien heute zu erliegen drohen.Quelle: https://perlentaucher.de/intervention/gedankensplitter-aus-richard-herzingers-essays-seit-1992.html
Vorbemerkung:Quelle: ebd.
Richard Herzingers Tod war überraschend. Keine lange Krankheit bereitete ihn und seine Umgebung auf sein Verschwinden aus der Öffentlichkeit vor. Seitdem fehlt seine Stimme ...
Den Band zu machen, die alten Texte neu oder wieder zu lesen, war für mich ein zwiespältiges Vergnügen. Immer wieder legte ich kleine, beiläufig formulierte Gedankensplitter Richards beiseite, die noch die Gegenwart schlaglichartig beleuchten: Die noch heute von Steinmeier und co. verfochtene Idee des "Wandels durch Annährung" etwa hatte er schon 1996 in einem Zeit-Essay erledigt. Einige dieser Gedankensplitter habe ich hier, als Anregung den Band zu lesen, gesammelt. Klarheit, Schärfe, Humanität bestimmen sein Schreiben. Die Arbeit bescherte mir zugleich zugleich Freude über diese Geistesblitze und Trauer über das verschwendete, viel zu früh gekappte Potenzial.
Thierry Chervel
Herzingers Kassandrarufe - Zitate aus dem Essayband "Letztes Wort Freiheit", nach Jahren geordnet.
Als Massaker von Wola (polnisch Rzeź Woli) wird der von der deutschen Besatzungsmacht begangene Massenmord an polnischen Zivilisten des Warschauer Stadtteiles Wola während des Zweiten Weltkrieges bezeichnet.Quelle: Wikipedia: Massaker von Wola
Kurz nach Ausbruch des Warschauer Aufstandes im August 1944 wurde auf Befehl Heinrich Himmlers die im Wesentlichen aus SS-Einheiten und Abteilungen der Ordnungspolizei bestehende „Kampfgruppe Reinefarth“ zum Sturm auf das von der Polnischen Heimatarmee besetzte Wola befohlen. Im Verlauf der Kämpfe kam es – vor allem zwischen dem 5. und 7. August – neben brutalen Übergriffen vielfach zu Massenexekutionen an der Bevölkerung. Die Zahl der in diesen drei Tagen ermordeten polnischen Zivilisten wird auf etwa 30.000 geschätzt.[1][2][3] Bis zum 12. August 1944 verloren nach Schätzungen sogar bis zu 50.000 Einwohner Wolas ihr Leben.[4][5][6] Die von Adolf Hitler bestimmte Aktion sollte den Kampfwillen der polnischen Truppen brechen, ihnen den Rückhalt durch die Bevölkerung entziehen und so den deutschen Einheiten erwartete Verluste im Häuserkampf ersparen. Dieses Ziel wurde nicht erreicht. Das Wola-Massaker war, gemessen an den Opferzahlen, das größte Kriegsverbrechen auf europäischem Boden im Zweiten Weltkrieg.[7]
Dynamik ist derzeit aber vor allem in Warschau zu beobachten. Zum Beispiel am Boulevard an der Weichsel. In einem städtebaulichen Kraftakt hat Warschau die Uferstraße in einen Tunnel versenkt und Platz geschaffen für eine der aufregendsten Flusspromenaden Europas. Im Sommer scheint ganz Warschau seinen Fluss feiern zu wollen.Quelle: https://taz.de/35-Jahre-Staedtepartnerschaft/!6204012/
Auch die Touristen strömen inzwischen zur Weichsel. Auf der neuen Brücke für Fußgänger und Radfahrer gelangen sie nicht nur bequem ins aufstrebende Praga am rechten Weichselufer mit seinen lange Zeit bröckelnden Fassaden an Fabriken und Mietskasernen. Von der Brücke aus hat man auch einen guten Blick auf die Warschauer Skyline. Spätestens in diesem Moment verbietet sich jeder Vergleich mit Berlin.
Polen gebe heute auch Deutschland Wachstumsimpulse. „Man muss in Deutschland nicht immer nur nach Westen oder die Alpen schauen.“Quelle: ebd.
Riss durch Europa. Die Folgen des Hitler-Stalin-PaktsQuelle: https://www.bpb.de/themen/europaeische-geschichte/onlineausstellung-riss-durch-europa/548698/der-pakt/
Der Pakt
01.10.2024 / 8 Minuten zu lesen
Im August 1939 schlossen das Deutsche Reich und die Sowjetunion einen für beide Seiten vorteilhaften Vertrag. Im Anschluss kam es zu deutsch-sowjetischen Kooperationen auf unterschiedlichen Feldern. Die Erinnerung daran unterscheidet sich in Deutschland und Russland sehr stark.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verurteilte die russische Staatsführung zunächst den Pakt, ohne aber die gewaltsame Besatzung weiter Teile Ostmitteleuropas und das begangene Unrecht anzuerkennen. Schließlich kehrte sie schrittweise zur sowjetischen Interpretation zurück. Seit dem Angriff auf die Ukraine 2014 bemüht die russische Regierung erneut sowjetische Propagandalosungen, um den russischen Expansionsdrang zu verschleiern. Dieses Mal müssten Russinnen und Russen vor Unterdrückung und Verfolgung geschützt werden.Quelle: https://www.bpb.de/themen/europaeische-geschichte/onlineausstellung-riss-durch-europa/548698/der-pakt/
(...)
Seit den 2000er Jahren wurde Stalin in Russland zunehmend populärer. Der russische Staat bezeichnet die internationale Diskussion um Stalins historische Verantwortung für den Pakt und seine Folgen als Verfälschung der Geschichte. Ein Gesetz von 2014, das 2021 eine Erneuerung erfuhr, stellt das unter Strafe. Damit brach in Russland die Diskussion um die historische Verantwortung ab.
„Die Lehre aus dem Jahr 1939 für das Jahr 2026 ist eindeutig: Zugeständnisse führen zu einer Eskalation des Krieges statt zum Schutz des Friedens“, schrieb Andrij Sybiha zum 87. Jahrestag der Unterzeichnung des Hitler-Stalin-Pakts. Der ukrainische Außenminister erinnerte daran, dass das Abkommen zwischen Nazi-Deutschland und der Sowjetunion geheime Vereinbarungen über die Aufteilung Mittel- und Osteuropas enthielt. Wie er betonte, teilten die beiden totalitären Staaten anschließend Polen untereinander auf. Die Folgen ihrer Politik waren Krieg, Verfolgung und die langjährige Unterjochung der europäischen Völker.Von der Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und auch von den Vertretern der baltischen Staaten.
Der estnische Außenminister Margus Tsahkna betonte seinerseits, dass sich hinter dem als Nichtangriffspakt dargestellten Abkommen in Wirklichkeit die Aufteilung Europas in Einflusszonen verbarg.Quelle: https://www.polskieradio.pl/400/7764/Artykul/3672922,Jahrestag-der-Massendeportation-polnischer-B%C3%BCrger
Eine neue Ausstellung im Pilecki-Institut über historische Gegebenheiten, Fragen der Gegenwart und Lösungen für die Zukunft.Quelle: https://berlin.instytutpileckiego.pl/de/exhibitions/berlin/solidarnosc
Im Sommer 1980 wurde Polen von einer noch nie dagewesenen Streikwelle heimgesucht. Sie mündete in der Entstehung der legendären Arbeitergewerkschaft Solidarność, die zugleich so viel mehr war als nur das: Schließlich forderte sie nicht nur Brot, bessere Arbeitsverhältnisse und freie Gewerkschaften, sondern auch das Recht auf Meinungsfreiheit und eine schrittweise Öffnung, Liberalisierung des politischen Systems.
Entdecken Sie das Europäisches Zentrum der Solidarność: Eine Hommage an die Solidarität in GdanskQuelle: https://www.gdansk-tours.com/de/european-solidarity-center/about/
Das Europäische Solidaritätszentrum ist ein Ort, der den Geist der Widerstandsfähigkeit, der Einigkeit und des Strebens nach Freiheit verkörpert. Dieses Zentrum in Danzig bewahrt die Erinnerung an die polnische Solidarność-Bewegung und ist ein lebendiges Zeugnis für den unbezwingbaren menschlichen Willen, Unterdrückung zu überwinden und nach einer besseren Zukunft zu streben. Auf dieser Seite finden Sie alles über das berühmte Europäische Solidaritätszentrum in Danzig.
Das umfangreiche und fantastisch detaillierte Buch ist Ergebnis einer deutsch-polnischen Kooperation von sechs Partnern – der Polnisch-Redaktion der Deutschen Welle, der Wochenzeitung Newsweek Polska, des Deutsch-Polnischen Magazins DIALOG, des Internetportals DIALOG-Forum sowie des Europäischen Solidarność-Zentrums in Danzig und der Bundeszentrale für politische Bildung.Quelle: https://forumdialog.eu/2023/05/24/solidaritaet-ist-keine-wohltaetigkeit/
Ergänzt werden die Beiträge durch eine Bildstrecke, eine Chronologie der Ereignisse und Kartenmaterial. Das einzige kleine Manko des wirklich fantastischen Bandes ist die Darstellung der Reaktionen auf die Solidarność in Westdeutschland: Während drei Essays der Wahrnehmung in der DDR (auf offizieller Seite wie auch in der Opposition) gewidmet sind, ist die Darstellung der Wahrnehmung in der BRD eher anekdotisch und auf einzelne Personen beschränkt. Dabei standen weite Teile gerade der westdeutschen Linken der Solidarność lange Zeit extrem kritisch gegenüber, reagierten mit Zurückweisung und zum Teil wütendem Protest. 1982 bezeichnete SPD-Politiker Egon Bahr in einem Artikel im Parteiorgan „Vorwärts“ die polnische Gewerkschaft als „Gefahr für den Weltfrieden“, und wie Philosoph Bruno Schoch in seinem Essay „Russische Märchenstunde“ in „Testfall Ukraine“ (Suhrkamp Verlag 2015) schreibt:Quelle: https://forumdialog.eu/2023/05/24/solidaritaet-ist-keine-wohltaetigkeit/
„Zu Beginn der achtziger Jahre tat sich die gesamte bundesdeutsche Linke schwer, die freie Gewerkschaft Solidarność zu unterstützen. Als das kleine „Sozialistische Büro“ im April 1981 eine Veranstaltung „Solidarität mit Solidarność“ organisierte, blieb anders als erwartet die Stadthalle in Offenbach gähnend leer. Das Selbstverständnis vieler noch so undogmatisch oder libertärer Linker war mit der internationalen Teilung stärker verwoben, als ihnen lieb war: Solidarność lehrte zwar das Regime das Fürchten, doch ihr Nationalismus und Katholizismus ließen uns fremdeln, auch, weil Lech Wałęsa vom Papst und Ronald Reagan empfangen wurde.“
Eine Vertiefung dieses Themas (das in den Gesprächen mit Lech Wałęsa und Joachim Gauck angedeutet wird) wäre das sprichwörtliche Tüpfelchen auf dem I gewesen, schmälert aber die Lektüre in keinster Weise. Entstanden ist hier ein Standardwerk über die Geschichte und Bedeutung der Solidarność nicht nur für Polen und Europa, sondern global – ein Standardwerk, welches sich nicht nur durch seinen Facettenreichtum und Details auszeichnet, sondern auch den fast prophetischen Untertitel. Die noch nicht abgeschlossene Geschichte der Solidarność im europäischen Kontext steht in direktem Zusammenhang mit dem Euromaidan in der Ukraine, der russischen Reaktion darauf und dem russischen Angriffskrieg, wie Herausgeber Katharina Raabe und Manfred Sapper in „Testfall Ukraine“ (Suhrkamp Verlag 2015) schreiben: „Dass ausgerechnet die ukrainische Gesellschaft im Namen europäischer Ideale die machtvollste Freiheitsbewegung seit der polnischen Solidarność auf die Beine stellte, überraschte die Europäer und stürzte etliche in Verlegenheit.“
Als Architekt der Ostpolitik unter Willy Brandt setzte Egon Bahr auf Annährung. Diese Politik habe den Weg zur Wiedervereinigung bereitet, wird oft behauptet. Der Historiker Jan Behrends hat Zweifel, ob das stimmt. Der Mythos müsse hinterfragt werden, sagt er.Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/wandel-durch-annaeherung-egon-bahrs-ostpolitik-kritisch-hinterfragt-dlf-kultur-11e651e3-100.html
Am Dienstag, den 1. September 2025, versammeln sich Vertreter:innen aus Politik und Zivilgesellschaft im Zentrum Berlins, um gemeinsam an den 87. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen zu erinnern. Anlässlich des 87. Jahrestags des deutschen Überfalls auf Polen laden das Deutsche Polen-Institut sowie die Stabsstelle Deutsch-Polnisches Haus bei der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas zu einer Reihe von Veranstaltungen in Berlin ein. Vertreter:innen aus Politik und Zivilgesellschaft versammeln sich im Zentrum Berlins, um gemeinsam an die Opfer der Republik Polen während des Zweiten Weltkriegs zu erinnern.Quelle: https://www.deutsches-polen-institut.de/aktuelles-termine/termine/gedenkveranstaltung-zum-87-jahrestag-des-deutschen-ueberfalls-auf-polen
Im Mittelpunkt des diesjährigen Programms steht das Gedenken an die Opfer der Massaker von Piasnitz westlich von Danzig im Herbst 1939. Die dortigen Massenerschießungen gelten als eine der ersten systematischen Mordaktionen des nationalsozialistischen Deutschlands in Europa.
Jahrestag Zweiter WeltkriegQuelle: https://www.sueddeutsche.de/politik/jahrestag-zweiter-weltkrieg-polnische-expertin-afd-macht-druck-auf-ns-gedenkstaetten-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-260901-930-612430
Polnische Expertin: AfD macht Druck auf NS-Gedenkstätten
1. September 2026
In Sachsen-Anhalt, wo am kommenden Sonntag (6.9.) gewählt wird, will die AfD ihrem Programm zufolge das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste schließen. Es sucht in deutschen Museen nach unrechtmäßig erworbenen Kulturgütern. Für das ab Kriegsbeginn 1939 besetzte Polen ist Herkunftsforschung wichtig, weil damals viele seiner Museen, Archive und Privatsammlungen geplündert wurden.Quelle: ebd.
Ab 1939 seien Polinnen und Polen wie in andere deutsche Regionen auch nach Sachsen-Anhalt zur Zwangsarbeit verschleppt worden, sagte Radziejowska weiter. Sie mussten in der Landwirtschaft, in der Chemieindustrie und in Bergbau und Rüstung im Harz arbeiten. In vielen Fällen sei deren Schicksal nicht erforscht. „Es gibt viele Friedhöfe mit vergessenen polnischen Opfern, die ohne Namen begraben wurden. Wir sollten uns darum kümmern, diese Namen zurückzubringen, wenn es noch möglich ist.“
In Deutschland sei das Wissen über die Nazi-Besatzung in Polen immer noch gering, beklagte die Historikerin in einem Gespräch zum Jahrestag des Kriegsbeginns, des deutschen Überfalls am 1. September 1939. „Es war von Anfang an ein Vernichtungskrieg gegen die polnische Intelligenz, gegen die polnischen Juden.“
Viele Deutsche betrachteten den Angriff auf die Sowjetunion 1941 als das wichtigere Ereignis im Zweiten Weltkrieg; und sie sorgten sich bis heute mehr um das Verhältnis zu Russland.
Deutsche Verbrechen in Polen im Zweiten Weltkrieg: Wichtig wäre ein Gedenken an den 1. September 1939Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/deutsche-verbrechen-in-polen-im-zweiten-weltkrieg-wichtig-ware-ein-gedenken-an-den-1-september-1939-15977012.html
Weiß man hierzulande noch von den Verbrechen, die Deutsche zwischen 1939 und 1944 an Polen begangen haben? Eine Gedenkstunde im Bundestag jährlich am 1. September wäre ein leicht zu setzendes Zeichen.
Irritiert und zunehmend verständnislos reagiert man daher in Polen, wenn Deutsche zum Beispiel bekunden, nie etwas vom Warschauer Aufstand von 1944 gehört zu haben (den die deutschen Besatzer mit der totalen Zerstörung der Hauptstadt und der Ermordung oder Verschleppung Hunderttausender von zivilen Einwohnern ahndeten).Quelle: ebd.
Polen sind auch konsterniert, wenn sie sehen, dass die meisten Deutschen nichts wissen über die massenhafte Vertreibung von Polen aus den 1939 annektierten polnischen Westgebieten oder etwa über die „Aktion Zamość“, bei der Ende 1942 mehr als 100.000 polnische Einwohner der Region verschleppt, vertrieben oder ermordet wurden, um „deutschen Siedlungsraum im Osten“ zu schaffen. Die Liste der Weltkriegsverbrechen, die Deutsche in Polen begangen haben, die aber kaum erinnert werden (Zwangsarbeit, ethnische Säuberungen, Verschleppung von Zivilisten in KZs), ist lang.
Welche Gefahr könnte hier möglicherweise aufkommen? Woran ist dabei konkret zu denken?Quelle: https://dialogonline.net/2026/09/02/afd-an-der-macht-in-sachsen-anhalt-risiken-fuer-polen/
Zu denken wäre an eine Krisenlage, in der Polens Sicherheit bedroht wäre und in der Truppen oder Schwerlasten der NATO zu transportieren wären. Eine Landesregierung kann einen solchen Transport nicht blockieren, doch stellen wir uns einmal vor, sie würde ihn erheblich erschweren und mit bürokratischen Maßnahmen verzögern. Selbst eine Verzögerung um ein oder zwei Tage aus bürokratischen und formalen Gründen könnte darüber entscheiden, ob die Transporte rechtzeitig in Polen eintreffen. Und das gibt den Ausschlag für unsere Sicherheit.
Warum sollte eine von der AfD geführte anhaltinische Landesregierung bei solchen Entscheidungen zögern?
Das ist aus der sehr prorussischen Haltung der Partei zu schließen. Auf Bundesebene strebt die AfD eine Annäherung an Russland an, die Landes-AfD in Sachsen-Anhalt und die in diesem Landesverband ideologisch den Ton angebenden Leute gehen sogar noch weiter. Sie sind der Auffassung, jede militärische Hilfe für die Ukraine lasse den Konflikt eskalieren, sie sprechen offen von einem Verschulden der NATO und stellen Opfer‑ und Täterrolle völlig auf den Kopf. Während die AfD insgesamt die wirtschaftliche Öffnung zu Russland und die Reparatur der Nord Stream-Gaspipelines anstrebt, ist ihr Landesverband Sachsen-Anhalt geradezu von Putin fasziniert, und sie betrachten das von ihm in Russland aufgebaute System als Vorbild.
Es gibt meiner Meinung nach andere und bedenklichere Hinweise. Nehmen wir allein Sachsen-Anhalt. Ich spreche davon, dass die AfD Personen beschäftigt, die in neonazistischen Organisationen tätig waren, zum Beispiel in der Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ). Das war eine offen revisionistische Organisation, die 2009 unter anderem deshalb verboten wurde, weil sie Kinder im nationalsozialistischen Geist erzog. Grenzrevisionismus war dort sehr zentral.Quelle: ebd.
Es gibt weitere Leute aus anderen radikalen Gruppierungen, welche die AfD als parlamentarische Plattform benutzen, um Zugang zu den Regierungsstrukturen zu erhalten. Diese Gruppierungen erkennen die gegenwärtige Grenze nicht an, wie die sogenannten Reichsbürger. Vorläufig befinden sie sich auf einer Liste von Organisationen, welche die AfD von der Zusammenarbeit ausschließt, doch der thüringische Parteivorsitzende Björn Höcke bemühte sich unlängst darum, die Liste dahingehend zu verändern, dass einige Organisationen gestrichen würden, was praktisch die Basis der Radikalen erweitern würde, die in der AfD tätig werden könnten. Ich denke, die Partei könnte sich genau in diese Richtung entwickeln. Dass Alice Weidel sich des Ausdrucks „Mitteldeutschland“ bediente, ist nichts im Vergleich dazu, welche Leute und Ansichten in naher Zukunft den Ton in der AfD angeben könnten.
Aus dem Polnischen von Andreas R. Hofmann