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Allmystery Brawl 2013 - Finale - Drogenpolitik

Allmystery Brawl 2013 - Finale - Drogenpolitik

30.11.2013 um 20:52
Shrimp schrieb:dass Cannabiskonsum während der Pubertät nicht spurlos am Gehirn vorbeigeht. Hierbei geht es neben dem steigenden Risiko für Psychosen außerdem um IQ-Senkung.
Jupp, genau den Artikel (und andere der Art) habe ich auch gelesen.

Deswegen finde ich auch die Idee ganz interessant, Cannabisabgabe an staatlichen Stellen mit einer harten Altersgrenze von z. B. 21 Jahren einzuführen. Genau so wird das nämlich ab 1. Januar in Colorado passieren. Dort darf man ab nächstem Jahr pro Woche 1 Gramm Cannabis in speziellen Läden kaufen, aber 21 Jahren. Das Gras wird mit 10% versteuert.

Die Situation ist natürlich auch, dass eine öffentlich bekannte Altersgrenze den Konsum unter Jugendlichen nicht verhindert. Aber es erschafft ein Bewusstsein dafür, dass die Gefahr von Weed sehr stark vom Alter abhängt. Nach meinem Gefühl fehlt dieses Bewusstsein in der öffentlichen Diskussion sehr.

Was denkt ihr? Würdet ihr ein solches Modell mit Cannabis ab 21 befürworten?


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Helenus
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Allmystery Brawl 2013 - Finale - Drogenpolitik

30.11.2013 um 20:52
Aldaris schrieb:Da hast du mich missverstanden, obwohl es auch die Theorie gibt, dass durch Verbote, mehr Menschen dem Reiz erliegen, Drogen zu konsumieren. Darauf wollte ich aber nicht hinaus, können wir aber auch gerne diskutieren.
Was Du hier in laienhafter Sprache anzusprechen versuchst, sind die in der juristischen Lehre gängigen Straf- bzw. Schuldtheorien ( nach Kant, Hegel et. alter ).

Und sie kommen genau zu dem Schluss, den ich oben auf die kurze Formel: "Sucht fragt nicht nach Gesetzen" gebracht habe.

Gesetze, und das muss Dir jeder Justiziar zugeben, verfügen nicht über die Macht, Menschen von Straftaten oder sonstigen Vergehen abzuhalten.

Sinnvolle Stichworte sind hier allenfalls: "Generalprävention" oder im Umkehrschluss "Spezialprävention".

Die Strafe ächtet den Täter. Jedoch nicht um des Täters willen, sondern um mit Breitenwirkung anzuzeigen, dass die Tat ( beispielsweise der Besitz vel Verkauf von Drogen ) von der Gesellschaft im Allgemeinen nicht mitgetragen und abgelehnt wird.

Doch sag mir, was diese Erkenntnisse im Drogenjunkie auf der Platte bewirken, der auf der Suche nach dem nächsten Schuss ist? Genau! Du hast es erkannt: überhaupt nichts.


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Helenus
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Allmystery Brawl 2013 - Finale - Drogenpolitik

30.11.2013 um 20:55
Im Übrigen, da ihr euch alle, nahezu ausnahmslos, an der THC-Pflanze aufhängt und deren minder verheerende Wirkung hervorhebt:
Studie weist neurotoxische Effekte exzessiven Cannabiskonsums nach

August 2008

Bislang galt Cannabis (zumindest im humanwissenschaftlichen Bereich) als nicht-nervenschädigende Droge. Diese Annahme stellt eine neue Studie mit bildgebenden Verfahren infrage. Yücel et al. (2008) wiesen bei 15 exzessiven Dauerkiffern nun strukturelle Veränderungen in der Amygdala und dem Hippocampus nach.

Auch wenn diese Ergebnisse insbesondere aufgrund der kleinen Stichprobe sicher noch an größeren Kollektiven zu replizieren sind, so entfachen sie doch erneut die Diskussion über die Gefahren des Cannabiskonsums. Angesichts der sehr kleinen Stichprobe sind die gefundenen Effektstärken überraschend groß und dennoch korrelierten sie nicht mit zusätzlich durchgeführten Lerntests. Die klinische Bedeutsamkeit, welche gerade bei Studien mit bildgebenden Verfahren gelegentlich fraglich ist, bleibt also im Unklaren.

Die Autoren hält dies nicht davon ab, ihre Ergebnisse als Argument gegen eine Entkriminalisierung anzuführen. Dies ist schon daher kritisch zu bewerten, da exzessiver Alkoholkonsum zu deutlich größeren Hirnschädigungen führt und wohl kaum jemand deshalb ein Verbot fordert. Es wird also noch immer mit verschiedenerlei Maß gemessen. Schließlich lassen sich diese Ergebnisse auch nicht einfach auf einen moderaten Konsum übertragen und können daher nicht ohne weiteres auf die Mehrheit der Cannabiskonsumenten generalisiert werden.

Quelle: Yücel, M. et al. (2008).
Noch liegen uns keine gesicherten Erkenntnisse ( i. S. v. unverrückbar ) vor, dass Cannabis-Konsum schädlich oder unschädlich ist. Das Gros, insbesondere in der Rechtsprechung, geht jedoch davon aus, dass dem Traum-Kraut mehr strafrechtliche Beachtung zu schenken ist, als dem Alkohol.


Darüber hinaus hat das Bundesverfassungsgericht, 90. Band, 145. Entscheidung , das "Recht auf Rausch" verneint und auf die Gefährlichkeit von Cannabis hingewiesen:
4. Der Gleichheitssatz gebietet nicht, alle potentiell gleich schädlichen Drogen gleichermaßen zu verbieten oder zuzulassen. Der Gesetzgeber konnte ohne Verfassungsverstoß den Umgang mit Cannabisprodukten einerseits, mit Alkohol oder Nikotin andererseits unterschiedlich regeln.
Quelle:
http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv090145.html


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Shrimp
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Allmystery Brawl 2013 - Finale - Drogenpolitik

30.11.2013 um 21:01
@Helenus
Ergo: Die Situation Betroffener ändert sich nicht, wenn Gesetze fallen, die Drogenkonsum verbieten.

Sucht fragt nicht nach Gesetzen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Individuum der Population abhängig wird oder andere Folgeschäden erleidet, sinkt durch einen erschwerten Zugang zur Droge.

Ich halte eine gewisse Bevormundung aus menschlicher Sicht vertretbar und auch notwendig, wenn andere das Gefahrenpotenzial zu gering einschätzen und darum leichtsinnig handeln.

Wir lassen ja auch nicht jedem Quacksalber freie Hand, obwohl es ja jedem Patienten freisteht, sich eine bestimmte Therapiemaßnahme auszusuchen.

@chen
Aber es erschafft ein Bewusstsein dafür, dass die Gefahr von Weed sehr stark vom Alter abhängt. Nach meinem Gefühl fehlt dieses Bewusstsein in der öffentlichen Diskussion sehr.
So wie bei Alkohol?

"Ey, du bist doch 18, oder? Hast du deinen Ausweis mit? Wir geben dir das Geld nachher auch wieder."

Ich denke, es führt dazu, dass diejenigen, die es daheim anbauen, noch weniger ein schlechtes Gewissen haben als vorher.

Ich erinnere mich noch selbst an meine Jugendzeit, wie ich mit Cannabis konfrontiert wurde. Nur der Tabak sei schädlich. Die Schulsozialarbeiterin fragte mich, ob ich mal gekifft hätte, probieren könne man ja mal, das könne sie auch total verstehen und da sei ja nichts bei. Und man müsse unbedingt mal kiffen, weil Schokolade danach total geil schmecke. Und es fördere so stark die eigene Kreativität.

Ich hab es dann probiert als Jugendlicher, bin nun mehrere Jahre clean ohne irgendwelche Folgeschäden.

Unsinn, man muss es überhaupt nicht mal probiert haben. Ich mache meinem Umfeld keinen Vorwurf, dass es schlecht informiert war und mir keinen Vorwurf, dass ich mich beeinflussen lassen habe, aber was sollte das?

Das ist eine wichtige Präventivmaßnahme, die unbedingt irgendwie realisiert werden muss. Die soziale Akzeptanz von Cannabis und Alkohol muss allgemein wieder sinken.


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Helenus
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30.11.2013 um 21:07
Eine andere Frage wurde bisher, nach meinem Dafürhalten, wenig beleuchtet:

Der erste deutsche "Coffee"-Shop ist in Planung. Das kommt dem legalisierten Konsum schädlicher Substanzen doch bereits relativ nahe.

Doch was bringt es? Stünden Drogen bzw. deren Konsum nicht mehr unter Strafe, welche Auswirkungen hätte das auf den Einzelnen und auf die Gesellschaft?

Würde niemand mehr in die Abhängigkeit rutschen?

Und die staatliche Kontrolle würde wirklich über jedes in Umlauf gebrachte Gramm Haschisch, Koks oder Pepp wachen?

Das glaube ich nicht. Denn eins dürft ihr nicht vergessen: Mit Drogen wird Geld verdient. Daher ist jede Einrichtung, die damit handelt, auf Profit bedacht.

Ich glaube kaum, dass es Drogendealer gibt, die ihren Kunden die Nadel aus der Hand schlagen und sagen: "Für heute hast Du genug. Behalte dein Geld!"

@chen
@Shrimp
@Aldaris


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30.11.2013 um 21:07
Shrimp schrieb:Warum sollte man das legalisieren? Damit auch wirklich jeder mit einem Risikofaktor die Chance bekommt, seine Psychose erfolgreich zu triggern?
Die derzeitige Lage ist ja schon semi-legal, dass ist ja auch ein großes Problem. Durch dieses Wischiwaschi mit privatem Konsum, 10g-Grenzen und Strafverfolgung je nach Lust und Laune des Staatsanwaltes wird meines Erachtens eine sehr gefährliche Grauzone geschaffen. Ich will um Gottes Willen nicht irgendwelche Psychosen fördern.

Man muss sich denke ich den Tatsachen stellen - weite Teile der Bevölkerung nimmt Cannabis nicht mehr als gefährlich oder illegal wahr. Es hat mehr den Status einer kleinen Ordnungswidrigkeit.

Solche Läden würden einem auch die Möglichkeit geben, gleichzeitig Prävention zu betreiben. Z.B. in dem man auf die Rückseite des Cannabispäckchens Gesundheits- und Suchthinweise packt. Wie das auch bei Zigaretten und Lottoscheinen der Fall ist.


Ich finde Lotto eigentlich ein gutes Beispiel wo der Staat schon lange das Monopol betreibt und rund um das Lottospiel viel gegen Spielsucht unternimmt. Ohne das staatliche Lottomonopol wären illegale Glücksspiele wesentlich weiter verbreitet. Analog sehe ich auch ein Cannabismonopol.


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Helenus
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30.11.2013 um 21:12
chen schrieb:Wie das auch bei Zigaretten und Lottoscheinen der Fall ist.
Und einen durchschlagenden Erfolg für sich verbuchen kann. In Deutschland raucht ja seit Jahren schon niemand mehr. Und die Lottofee ist auch in Rente.... huch, jetzt ist mir meine Zigarette auf den Lottoschein gefallen...Feuer :nerv:


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Aldaris
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30.11.2013 um 21:14
Helenus schrieb:Was Du hier in laienhafter Sprache anzusprechen versuchst
Werd mal nicht überheblich, Schnecke.
Helenus schrieb:Gesetze, und das muss Dir jeder Justiziar zugeben, verfügen nicht über die Macht, Menschen von Straftaten oder sonstigen Vergehen abzuhalten.
Was man beispielsweise daran sieht, dass trotz Todesstrafe weiterhin Morde und ähnliche Verbrechen begangen werden. Die potentiell-abschreckende Wirkung scheint zumindest keine signifikanten Erfolge vorzuweisen.

Aber was bedeutet das jetzt für diese Diskussion? Zumindest wissen wir, dass trotz Verboten Drogen rund um den Planeten munter weiter konsumiert werden. Scheinbar kommen wir mit der Politik nicht weiter, denn ansonsten müssten wir feststellen, dass sich dahingehend etwas verbessert hat. Hat es nicht. Also sollten wir uns fragen, wo die Probleme liegen und wie wir diese lösen könnten.
Shrimp schrieb:Das ist eine wichtige Präventivmaßnahme, die unbedingt irgendwie realisiert werden muss. Die soziale Akzeptanz von Cannabis und Alkohol muss allgemein wieder sinken.
Die Akzeptanz von Alkohol sollte sicherlich sinken, was allerdings einen sehr langen Prozess bedeutet. Was Cannabis angeht, da sollten wir zunächst einmal dahin kommen, dass wir die Konsumenten nicht mehr kriminalisieren. Denn so finden wir keinen Zugang zu den Menschen. Es wäre fatal, zu glauben, dass man das mit Verboten regeln könnte. Solange man als Konsument von Cannabis als kriminell eingestuft wird, ist kein öffentlicher und vernünftiger Diskurs möglich. Meiner Meinung nach sind Drogenkonsumenten keine Aufgabe der Justiz, sondern der Medizin, Psychologie und Psychiatrie.
Helenus schrieb:Doch was bringt es? Stünden Drogen bzw. deren Konsum nicht mehr unter Strafe, welche Auswirkungen hätte das auf den Einzelnen und auf die Gesellschaft?

Würde niemand mehr in die Abhängigkeit rutschen?
Natürlich würden auch dann Menschen in die Abhängigkeit rutschen. Auch bei legalen Drogen wie Koffein, Nikotin und Alkohol rutschen Menschen in die Abhängigkeit. Die Frage ist doch: Soll man bestrafen oder helfen? Der typische Konsument ist grundsätzlich nicht daran interessiert, Straftaten zu begehen. Er rutscht erst durch die Sucht, die mit einer Kriminalisierung verbunden ist, in diesen Sumpf hinein.


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Shrimp
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30.11.2013 um 21:14
@Helenus
Helenus schrieb:Doch was bringt es? Stünden Drogen bzw. deren Konsum nicht mehr unter Strafe, welche Auswirkungen hätte das auf den Einzelnen und auf die Gesellschaft?
Du würdest auf jeden Fall die von @chen angesprochene Grauzone ausweiten und Beamte würden noch öfter ein Auge zudrücken.
Und die staatliche Kontrolle würde wirklich über jedes Gramm Haschisch, Koks oder Pepp wachen?
Nein, du würdest die Vielfalt am Markt erhöhen. Wem das mit dem privaten Dealer zu heikel ist oder wem die Connections fehlen, der kann dann seinen lizensierten Dealer bei Google Maps suchen.

Dadurch würdest du den Konsum steigern. Cannabis ist nicht so beliebt, weil es verboten ist, sondern weil ihm so viele positive Eigenschaften zugesprochen werden. Vielen ist einfach nur die Beschaffung zu riskant. Das fiele dann ja weg.

@chen
@Helenus
Helenus schrieb:Und einen durchschlagenden Erfolg für sich verbuchen kann. In Deutschland raucht ja seit Jahren schon niemand mehr.
Was wäre also die Alternative? Die Leute ihrem Schicksal überlassen, weil sie die Gefahren einer Droge zwar wie ein Gedicht rezitieren können, aber nicht mit vollem Verstand begreifen, was es für ihren Körper bedeutet?


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30.11.2013 um 21:15
Shrimp schrieb:So wie bei Alkohol?

"Ey, du bist doch 18, oder? Hast du deinen Ausweis mit? Wir geben dir das Geld nachher auch wieder."
Klar, das wird es sicher dann auch bei Cannabisläden geben. So wie mit dem Fluppenautomat mit Karte oder wie früher in Pornovideotheken.

Trotzdem sehe ich das nicht unbedingt als Argument dagegen. Wenn ich einen kleinen Bruder würde ich ihm nie Gras im Cannabisladen kaufen. Die Dimension ist schon eine andere.


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Shrimp
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Allmystery Brawl 2013 - Finale - Drogenpolitik

30.11.2013 um 21:16
@chen
chen schrieb:Wenn ich einen kleinen Bruder
Von den Teenagern, die mich gefragt haben, war kein einziger mit mir verwandt. Teilweise kannte ich sie nur wenige Stunden.


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30.11.2013 um 21:18
Mich hat noch nie irgendjemand gebeten, für ihn Schnapps zu kaufen :D
Helenus schrieb:Noch liegen uns keine gesicherten Erkenntnisse ( i. S. v. unverrückbar ) vor, dass Cannabis-Konsum schädlich oder unschädlich ist.
Das halte ich für falsch. Nach meinen Kenntnissen kann man inzwischen sehr gut sagen, dass viele Schäden entstehen, gerade bei Jugendlichen. SirDoge hatte dazu ja einiges gepostet.


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Helenus
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Allmystery Brawl 2013 - Finale - Drogenpolitik

30.11.2013 um 21:20
Doch, ohne es jetzt pejorativ zu meinen, die Diskussion geht mir wieder einmal an den Kernpunkten vorbei.

Ihr schreibt viel über Gesetze, Regelungen und Sicherheitshinweise auf Cannabis-Päckchen. Doch die eigentlichen Fragen, die diese Diskussion erst auszulösen vermochten, tangiert ihr nicht: Gehört die Droge ( gleich welcher Art ) nicht seit Menschengedenken zur Mentalität und Kultur des "homo sapiens"? Warum also der Aufschrei? Warum die Petitionen?

Ist es nicht deshalb, weil der Mensch verlangt, was eigentlich schon immer zu ihm gehört? Wenn ihr den Blick weg von Europa und zu den Urvölkern und Indianern richtet, so werdet ihr feststellen, dass diese einen nahezu naiv-unverfänglichen Umgang mit Drogen aller Art pflegen. Weil sie ungebildeter sind? Weil es ihre Tradition verlangt? Oder weil es "natürlich" ist?

Ist es nicht vielleicht doch das "Recht auf Rausch", das das BVerG noch verneinte?
chen schrieb:Das halte ich für falsch. Nach meinen Kenntnissen kann man inzwischen sehr gut sagen, dass viele Schäden entstehen, gerade bei Jugendlichen. SirDoge hatte dazu ja einiges gepostet.
Da spielst Du mir in die Karten. Denn auch meiner Meinung nach reicht der bloße "Verdacht" bzw. die Unsicherheit in Bezug auf die Schädlichkeit einer Substanz aus, einen vorsichtigen und besonnen Umgang mit ihr zu pflegen.

Dass Cannabis heuer fast als unschädlicher als Alkohol (ja, auch solche Argumente werden vorgebracht) gehandelt wird, zeigt doch deutlich, dass etwas in der Wahrnehmung der Konsumenten nicht stimmt ..... wahrscheinlich zu viel gekifft :D


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Shrimp
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30.11.2013 um 21:27
@chen
@Helenus
Helenus schrieb:Dass Cannabis heuer fast als unschädlicher als Alkohol (ja, auch solche Argumente werden vorgebracht) gehandelt wird, zeigt doch deutlich, dass etwas in der Wahrnehmung der Konsumenten nicht stimmt .....
Dass wir bei diesem Punkt übereinstimmen, muss ja nichts Negatives sein.
Gehört die Droge ( gleich welcher Art ) seit Menschengedenken zur Mentalität und Kultur des "homo sapiens"? Warum also der Aufschrei? Warum die Petitionen?
Im Laufe der Evolution hat der Homo sapiens viele Eigenschaften erworben, die früher sein Überleben gesichert haben, die aber im heutigen Kontext der modernen Zivilisation nachteilig sind.

http://www.deutschlandradiokultur.de/gewalt-gehoert-zu-unserem-leben.1005.de.html?dram:article_id=159228

Mord und Gewalt sind typische Eigenschaften des Homo sapiens, dennoch werden sie gesetzlich reguliert.

Nur weil Menschen das Verlangen haben, einen Rauschzustand zu erleben, der vielleicht dem Wunsch nach einer spirituellen Erfahrung oder Gotteserfahrung nahekommt, bedeutet das nicht, dass diese Komponente im heutigen Kontext irgendwie gut für den Menschen allgemein ist.


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Helenus
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30.11.2013 um 21:30
@Shrimp
Da würde ich aber stark differenzieren wollen: "Gewalt" ist eine Art Affekt, ein Trieb, der ohnehin, egal wie hoch die Entwicklung auch fortschreitet, ausgemerzt werden kann.

Der Konsum von Drogen hingegen ist ein Brauch, die Verwendung eines "Genussmittels" ( wenn man den Terminus "Rauschmittel" aussparen will).

Das eine ist ein tierisches Überbleibsel. Das andere eine Kulturleistung. Insofern finde ich den Vergleich wenig bis gar nicht statthaft.


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30.11.2013 um 21:30
Shrimp schrieb:Was wäre also die Alternative? Die Leute ihrem Schicksal überlassen, weil sie die Gefahren einer Droge zwar wie ein Gedicht rezitieren können, aber nicht mit vollem Verstand begreifen, was es für ihren Körper bedeutet?
Das ist für mich einer der Kernpunkte der ganzen Drogenproblematik - Eigenverantwortung vs. Fürsorgepflicht der Gesellschaft.

Man kann das noch weiter ausweiten. Ich nenne mal 3 Beispiele.

- Fettiges Essen ist extrem ungesund, erhöht die Wahrscheinlichkeit von Herzkrankheiten u.ä.
- Motorradfahren ist stets mit einem hohen Unfallrisiko verbunden.
- Autofahren ohne Gurt erhöht die Verletzungsgefahr bei Unfällen extrem.

Das wichtigste: JEDER WEISS DAS. Wir nehmen die Risiken trotzdem in Kauf, aus verschiedenen Gründen.

Trotzdem hat der Staat nur 1 der 3 Sachen verboten, nämliche Autofahren ohne Gurt, und das auch nur nach langer öffentlicher Diskussion. Heute erinnern wir uns kaum daran, aber damals in den 70ern war das ein Riesenthema und viele Menschen protestierten gegen den Zwang. Heute gibt es wahrscheinlich niemanden, der das Verbot für falsch hält.

Motorradfahren und fettes Essen ist hingegen nicht verboten, weil es für viele Menschen auch Lebensfreude bedeutet. Für mich ist Cannabis auf einem ähnlichen Level - auch wenn ich selbst gar kein Gras konsumiere.

Klar, die Frage nach dem "Recht auf Rausch" ist nicht neu und wird vom BVerfg verneint. Aber rein ethisch finde ich es schwer, da wirklich klare Positionen zu entwickeln.


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Shrimp
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30.11.2013 um 21:35
@Helenus
Helenus schrieb:"Gewalt" ist eine Art Affekt, ein Trieb, der ohnehin, egal wie hoch die Entwicklung auch fortschreitet, ausgemerzt werden kann.
Du kannst deine Triebe nicht durch Intelligenz ausmerzen. Du kannst lesen, so viel zu willst, du wirst deinen Hunger oder deine Müdigkeit nicht besiegen. So kannst du auch nicht den Wunsch nach einer dominanten Position in der Hierarchie stillen oder deinen inneren Wunsch, jemandem Gewalt anzutun, weil du dich ungerecht behandelt fühlst oder weil du etwas von ihm möchtest.

Die Handlung kannst du regulieren. Die Wut in dir bleibt, der Wunsch.
Helenus schrieb:Der Konsum von Drogen hingegen ist ein Brauch, die Verwendung eines "Genussmittels" ( wenn man den Terminus "Rauschmittel" aussparen will).
Die Sehnsucht nach einer höheren Entität, die über uns wacht, ist tief bei sehr vielen Menschen verankert. Das zeigt der Erfolg von heutigen Religionen. Gleichzeitig wollten Menschen mit dieser Sphäre immer in Kontakt treten und haben Drogen konsumiert, um sich in einen "höheren" Bewusstseinszustand zu heben. Der Rauschzustand hat diese Sehnsucht, diesen inneren Drang gestillt.

Es ist nicht der Brauch, sondern der Wunsch.


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Helenus
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30.11.2013 um 21:36
Da reißt @chen einen elementaren Punkt an.

Der Artikel 2 Absatz 1 unseres Grundgesetzes verbürgt für jeden Menschen ( ein sog. "Jedermann"-Recht ) das Recht "zu tun und zu unterlassen, was er will" ( so der erste Entwurf von Herrenchiemsee ).

Doch gerade hier muss eine Regulierung mittels verfassungsrechtlich oder einfach-rechtlicher Schranken zwischengeschaltet werden. Denn das Recht des einen endet dort, wo es das Recht des anderen beschneidet oder verletzt.


Nun müsste allerdings gefragt werden, wo und inwieweit der Drogenkonsum des Einzelnen die Rechte oder Freiheiten des Gemeinwesens einschränkt oder beschränkt?

Da könnte man allenfalls die schon erwähnte Fürsorgepflicht anführen: kann ein Drogenabhängiger sein Leben nicht mehr selbst bewältigen, so muss die Gemeinschaft ihn "auffangen".

Doch ist der im realen Leben der Fall? Ja und Nein. Es gibt durchaus Abhängige, die in keinster Weise das Gemeinwesen belasten. Sie schlagen sich eigenständig durch.

Andererseits verdanken wir dem naiven Umgang mit Drogen auch einige unserer Pflegefälle.
Shrimp schrieb:Du kannst deine Triebe nicht durch Intelligenz ausmerzen. Du kannst lesen, so viel zu willst, du wirst deinen Hunger oder deine Müdigkeit nicht besiegen. So kannst du auch nicht den Wunsch nach einer dominanten Position in der Hierarchie stillen oder deinen inneren Wunsch, jemandem Gewalt anzutun, weil du dich ungerecht behandelt fühlst oder weil du etwas von ihm möchtest.

Die Handlung kannst du regulieren. Die Wut in dir bleibt, der Wunsch.
Das steht nicht wirklich dem entgegen, was ich schrieb. Es bestätigt es vielmehr.
Shrimp schrieb:Es ist nicht der Brauch, sondern der Wunsch..
same here :D


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Shrimp
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Allmystery Brawl 2013 - Finale - Drogenpolitik

30.11.2013 um 21:39
@Helenus
@chen

Bei selbstzerstörerischem Verhalten kann psychiatrisch interveniert werden.
Prinzipiell kann man das also durchaus rechtfertigen.

Die von @Helenus angesprochenen Pflegefälle, die zusätzlich die Kassen belasten, kann man damit sogar komplett ausklammern. Die obige Rechtfertigung würde eine Intervention erlauben, noch lange bevor sich ein problematischer Pflegefall manifestiert hat. Danach natürlich erst recht.


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Aldaris
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30.11.2013 um 21:40
chen schrieb:Das halte ich für falsch. Nach meinen Kenntnissen kann man inzwischen sehr gut sagen, dass viele Schäden entstehen, gerade bei Jugendlichen. SirDoge hatte dazu ja einiges gepostet.
Nun, Cannabis ist in der Lage, latent-vorhandene Psychosen auszulösen und natürlich scheppert das Ganze erst recht, wenn man noch jung und/oder ohnehin psychisch instabil ist bzw. Probleme hat. Aber warum müssen wir das diskutieren? Die Gefahren, die z.B. auch von Alkohol ausgehen, sollten doch hinreichend bekannt sein. Es geht hier doch um die Frage nach der Drogenpolitik und das geht leider irgendwie unter hier.
chen schrieb:Das ist für mich einer der Kernpunkte der ganzen Drogenproblematik - Eigenverantwortung vs. Fürsorgepflicht der Gesellschaft.
Richtig. Die Verantwortung, die der Staat hier trägt, ist vor allem dahingehend sehr wichtig: Durch das Verbieten erschafft er direkt einen Schwarzmarkt, der eine Reihe an negativen Folgeerscheinungen mit sich bringt. Durch das aktive Verbieten entsteht der Gesellschaft, aber auch der Wirtschaft etc. ein großer Schaden. Es geht also nicht nur um die Eigenverantwortung des Einzelnen bzgl. des Umgangs mit Drogen, sondern auch um die großen, globalen Konsequenzen, die dazu beitragen, dass der Einzelne darunter zu leiden hat, obwohl er selbst unter dem Konsum an sich nicht leidet bzw. leiden müsste.

Die crack-abhängige Prostituierte wäre vielleicht niemals in diese Lebenslage gekommen, wenn der Verkauf von Drogen im Rahmen einer Legalität abgelaufen wäre. Der Drogenkrieg in Mexiko, bei dem mehr Menschen als im Afghanisten-Krieg starben, wäre mit einer anderen Politik vermeidbar gewesen.

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