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Allmystery Brawl 2013 - Finale - Drogenpolitik

Shrimp
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Allmystery Brawl 2013 - Finale - Drogenpolitik

30.11.2013 um 21:41
@Helenus
Helenus schrieb:Das steht nicht wirklich dem entgegen, was ich schrieb. Es bestätigt es vielmehr.
Du kannst nicht sagen, man müsse differenzieren und nur Unterschiede aufzählen und behaupten, wenn ich die Gemeinsamkeiten nenne, ich hätte dir Recht gegeben. Bitte argumentier sauberer!


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Helenus
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Allmystery Brawl 2013 - Finale - Drogenpolitik

30.11.2013 um 21:43
chen schrieb:- Fettiges Essen ist extrem ungesund, erhöht die Wahrscheinlichkeit von Herzkrankheiten u.ä.
- Motorradfahren ist stets mit einem hohen Unfallrisiko verbunden.
- Autofahren ohne Gurt erhöht die Verletzungsgefahr bei Unfällen extrem.
Exakt. Jedes Verhalten, das in irgendeiner Weise pathologische Züge annehmen kann, ist gefährlich.

Dennoch sind diese Beispiele nicht mit einer Sucht im engeren Sinne zu vergleichen. Allenfallsfalls die sogenannte "Fresssucht".
Shrimp schrieb:Bei selbstzerstörerischem Verhalten kann psychiatrisch interveniert werden.
Prinzipiell kann man das also durchaus rechtfertigen.
Hier herrscht ein sehr, sehr starkes Rechtfertigungsbedürfnis von Seiten des Staates. Man mag es nicht glauben, aber eine Zwangseinweisung ist juristisch kaum zu rechtfertigen, jedenfalls nicht wegen selbstverletzenden Verhaltens. Nur aufgrund einer potentiellen Fremdschädigung kann zu solch einem Mittel gegriffen werden. Ich sehe, dass nach 10 Jahren Alexander Holdt, viel Aufbauarbeit zu leisten ist :D
Aldaris schrieb:Die crack-abhängige Prostituierte wäre vielleicht niemals in diese Lebenslage gekommen, wenn der Verkauf von Drogen im Rahmen einer Legalität abgelaufen wäre. Der Drogenkrieg in Mexiko, bei dem mehr Menschen als im Afghanisten-Krieg starben, wäre mit einer anderen Politik vermeidbar gewesen.

.
Du hast soeben einen sog. "hypothetischen Kausalverlauf" in Reinform formuliert. Das würde Dir jeder Strafrechtsprofessor rot anstreichen. Außer er hat die Petition unterzeichnet und befindet sich aktuell auf Wolke 7 :D


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Shrimp
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Allmystery Brawl 2013 - Finale - Drogenpolitik

30.11.2013 um 21:49
@Helenus
Helenus schrieb:Hier herrscht ein sehr, sehr starkes Rechtfertigungsbedürfnis von Seiten des Staates. Man mag es nicht glauben, aber eine Zwangseinweisung ist juristisch kaum zu rechtfertigen, jedenfalls nicht wegen selbstverletzenden Verhaltens.
Falls eine gesetzliche Grundlage existiert für die Zwangseinweisung von z.B. einer suizidalen Person, hast du dafür einen Text parat? Vielleicht könnte man darauf aufbauend über Modifikationen nachdenken oder wir würden merken, dass dort eine Sackgasse ist, weil die Grundlage zu dünn ist.


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Allmystery Brawl 2013 - Finale - Drogenpolitik

30.11.2013 um 21:50
@Helenus

Derartige Konsequenzen lassen sich direkt dieser Drogenpolitik zuordnen. Im Übrigen diskutiere ich nicht als Jurist. Wenn wir bei dem Beispiel des mexikanischen Drogenkrieges bleiben, dann lässt sich unschwer feststellen, dass zwischen der gehandhabten Politik und den Gemetzeln ein Kausalzusammenhang besteht, der darin zu finden ist, dass Kokain und ähnliche Stoffe über Mexiko in die USA transportiert werden und der Schwarzmarkt an den Grenzorten kollabiert.


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Helenus
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30.11.2013 um 21:51
Falls eine gesetzliche Grundlage existiert für die Zwangseinweisung von z.B. einer suizidalen Person, hast du dafür eine Rechtsgrundlage parat?
Da müsste man jetzt sehr stark konstruieren. Wenn die Person plant, sich vor einen Zug zu werfen, so muss das Interesse des Bahnfahrers an körperlicher Unversehrtheit ( ebenfalls Art. 2 GG ), gegen das Freiheitsrecht des Suizidalen gewichtet werden. Im Regelfall würde man dort dann Maßnahmen ergreifen. Aber das ist, wie gesagt, sehr weit hergeholt.
Aldaris schrieb:Im Übrigen diskutiere ich nicht als Jurist.
Was ist denn Drogenpolitik für dich, wenn nicht das Ineinanderwirken von Rechtsstaat und Rechtsprechung? Bzw. von Regierung und Justiz, um die Kinder beim Namen zu nennen?

"nullum crimen, nulla poena sine lege" - "kein Verbrechen, keine Strafe ohne Gesetz".

Das sind juristische Erwägungen in ihrer reinsten Form.


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Shrimp
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Allmystery Brawl 2013 - Finale - Drogenpolitik

30.11.2013 um 21:55
@Helenus

Aber wenn sich jemand einfach nur im Bad die Pulsadern aufschlitzt, so existiert dort keine Grundlage, um die Leute festzuhalten?

Geschieht das sozusagen im Prinzip illegal? Ich meine jetzt natürlich abgesehen von den lebensrettenden Maßnahmen.

Wie siehst du denn persönlich die Fürsorgepflicht? Hältst du sie für notwendig in einer Gesellschaft? Ich spreche hiermit auf dein reines Bauchgefühl an, wissend, dass du an der Gesetzeslage nichts drehen kannst.


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Helenus
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30.11.2013 um 21:58
@Shrimp
Shrimp schrieb:Aber wenn sich jemand einfach nur im Bad die Pulsadern aufschlitzt, so existiert dort keine Grundlage, um die Leute festzuhalten?
Das sind die tiefsten Windungen der rechtlichen Dogmatik. Wir gehen nach herrschender Meinung davon aus, dass Selbsttötung rechtens und damit legal ist. Der Grundsatz aus Artikel 2 GG kann selbstverständlich auch negativ angewandt werden, indem jemand selbst daran mitwirkt, seine körperliche Unversehrtheit nicht zu erhalten, sondern ihr zu schaden.

Der versuchte Selbstmord ist jedoch strafbar, da er unmittelbare Auswirkung auf Dritte hat ( Suizid vom Hochhaus, vor die Bahn werfen etc. ).

Der vollendete Suizid bleibt indes immer straffrei :D

Was meine persönliche Meinung angeht, so würde ich mir natürlich wünsche, dass Anzeichen rechtzeitig erkannt und dem Menschen geholfen wird :Y:


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Allmystery Brawl 2013 - Finale - Drogenpolitik

30.11.2013 um 22:04
Helenus schrieb:Was ist denn Drogenpolitik für dich, wenn nicht das Ineinanderwirken von Rechtsstaat und Rechtsprechung? Bzw. von Regierung und Justiz, um die Kinder beim Namen zu nennen?
Drogenpolitik befasst sich mit vielen Dingen. Dazu zählt beispielsweise das Ausgestalten von Präventionsmaßnahmen und Diplomatie bzw. das Erreichen von diplomatischen Übereinkommen, da es um ein globales Problem geht - selbst wirtschaftspolitische Aspekte spielen hier eine Rolle - Schließlich geht es bei der ganzen Drogenproblematik um volkswirtschaftliche Belastungen in einer gigantischen Höhe. Die Bedeutung der Rechtssprechung ist durchaus ein wichtiger Bestandteil der Drogenpolitik, aber keinesfalls der einzige.


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Helenus
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Allmystery Brawl 2013 - Finale - Drogenpolitik

30.11.2013 um 22:06
Aldaris schrieb: Die Bedeutung der Rechtssprechung ist durchaus ein wichtiger Bestandteil der Drogenpolitik, aber keinesfalls der einzige.
Exakt! Dergleichen habe ich auch nie behauptet. Sondern gleich zu Beginn aufgelistet, woraus sich Drogenpolitik meiner Meinung nach konstituieren sollte:
Helenus schrieb:I. Anthropologischer Ansatz
1. Drogen und ihre Bedeutung für den Menschen
2. Gefahren für die geistig-seelische Gesundheit
3. Soziologischer Nutzen des Drogenkonsums

II. Historischer Ansatz
1. Drogenkonsum in Altertum und Moderne
2. Geschichtliche Analogien: Opium-Kriege und Prohibition
3. „l'Heur vertre“ - Frankreich im Absinthrausch
4. Der Führer und die Drogen: Krankenakte A. Hitler
5. Morphinismus: Reichsjägermeister Göring und die süße Morphia

III. Juristisch-Kriminologischer Ansatz
1. Art. 2 I GG – allgemeine Handlungsfreiheit
2. Bevormundung durch den Staat?
3. BtMG – Betäubungsmittelgesetz
4. Kriminalität durch/wegen Drogen
5. Änderung des Strafrechts/Initiativen

IV. Realpolitischer Ansatz
1. „Gebt das Hanf frei!“ - Ströbele und Die Grünen
2. Kiffende Koalierende – Parteien mit Drogen-Schwerpunkt
3. Eigengebrauch und Handel – die Legislative denkt um?
4. Blick über die Grenzen: Holland und die Niederlande

V. Theologisch-Religiöser Ansatz
1. Transzendenz oder „der himmlische Trip“
2. Gotteserfahrungen unter Drogeneinfluss
3. kultischer Drogenkonsum

VI. Materielle Abgrenzung
1. Harte und weiche Drogen
2. Einstiegsdrogen – Jugendliche im Fokus
3. Volksdrogen: Alkohol und Nikotin(rafft die halbe Menschheit hin)
Ziffern I bis VI.

Denn ich bin mir, spätestens nach den beiden letzten Runden bewusst, dass eine enggeführte Betrachtungsweise oft nicht zweckdienlich ist.

Die juristische Betrachtung rangiert bei mir, obwohl vom "Fach", nur auf Platz 3.


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Allmystery Brawl 2013 - Finale - Drogenpolitik

30.11.2013 um 22:10
Verzeiht meine Pause. Von soviel diskutieren über Gras hab ich die Munchies bekommen :D
Aldaris schrieb:Aber warum müssen wir das diskutieren? Die Gefahren, die z.B. auch von Alkohol ausgehen, sollten doch hinreichend bekannt sein. Es geht hier doch um die Frage nach der Drogenpolitik und das geht leider irgendwie unter hier.
Die Themen sind meiner Meinung nach sehr schwer zu trennen. Mein Vorschlag zur Drogenpolitik hierzulande ist ja gerade dadurch geformt, dass mir die hohe Zahl der Konsumenten (2-4 Mio.), die momentane rechtliche Grauzone und die besonder Gefahr für Jugendliche bekannt ist. Als Konsequenz erscheint mir ein Staatsmonopol mit sehr sehr strengen Auflagen als die beste Lösung.
Helenus schrieb:Dennoch sind diese Beispiele nicht mit einer Sucht im engeren Sinne zu vergleichen. Allenfallsfalls die sogenannte "Fresssucht".
Waren auch nicht als Suchtbeispiele gemeint. Nur als Dinge, die Menschen schaden.



Was haltet ihr eigentlich von dem Coffeeshop in Berlin der jetzt eröffnet werden soll?
http://www.sueddeutsche.de/panorama/drogenpolitik-berlin-plant-deutschlands-erstes-marihuana-cafe-1.1830889


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Helenus
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30.11.2013 um 22:16
Die Auseinandersetzung mit @Aldaris brachte mich ( wohl von ihm unbeabsichtigt ) auf einen weiteren Punkt, der mir zwischenzeitlich entfallen war:

Die Bedeutung von Drogen für die Kunst. Drogen wirken, abgesehen von ihrer relaxanten Wirkung, unbestrittener Weise als kreatives Moment.

Ich denke ich teile die Auffassung der modernen Kunstkritik, wenn ich sage, dass viele Kunstwerke sicherlich nicht in der Art, in der wir sie heute bestaunen, entstanden wären, hätte der Künstler keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu bewusstseinserweiternden Mitteln gehabt.

Das virulenteste Beispiel dürfte wohl dieser Absinth-Liebhaber sein:

gogh.bandaged-ear
chen schrieb:Was haltet ihr eigentlich von dem Coffeeshop in Berlin der jetzt eröffnet werden soll?
Ich glaube, meine Meinung dazu schon am Beginn der Diskussion formuliert zu haben, aber ich tue es gerne erneut. Ich sehe die Errichtung dieses Shops insofern kritisch, als meines Ermessens nach die rechtlichen und politischen Gegebenheiten dem aktuell noch entgegenstehen.

Natürlich wird das eingehend von den zuständigen Kontrollinstanzen überprüft werden. Doch meiner Meinung nach wird es nur zwei mögliche Szenarien geben:

A) Die Gesetzeslage im Land bleibt unverändert, der Shop wird nicht eröffnet.

B) Der Shop wird eröffnet, nachdem eine Änderung oder Modifikation des aktuell geltenden BMtG beschlossen und vollzogen wurde.

Dazwischen kann ich mir persönlich nichts vorstellen.

Denn würde man den Shop ohne vorhergehende Gesetzesänderung eröffnen, so würde man unwillentlich eine Art "Rechtsfreie Zone" mitten in Berlin erschaffen, die sich höchsten auf ein Sonderstatut oder Privilegium stützt, aber nicht auf der Basis allgemeiner Rechte erbaut ist.


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Shrimp
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Allmystery Brawl 2013 - Finale - Drogenpolitik

30.11.2013 um 22:20
@Helenus

Eigentlich sind der anthropologische Ansatz und der theologisch-religiöse Ansatz im Kern identisch, da sich die Bedeutung von Drogen aus dem immanenten Bedürfnis des Menschen nach Spirituellem ergibt.

Teilweise haben wir das auch eben besprochen, als es um andere typische Eigenschaften des Homo sapiens ging.
Sicherlich spielt auch die Realitätsflucht und der Abbau von Stress allgemein eine Rolle beim Drogenkonsum.

Prinzipiell denke ich, ist damit auch alles Wichtige gesagt, warum Menschen gern einen Rausch erleben wollen.

Wo wir allerdings meiner Meinung nach deutlich stillstehen, das sind die Präventivmaßnahmen. Wir haben Vorschläge gemacht, scheinen uns aber relativ einig zu sein, das nichts den positiven Ruf von z.B. Cannabis (um bei einem handfesten Beispiel zu bleiben) in ein rechtes Licht rücken kann.

@chen
chen schrieb:Die Themen sind meiner Meinung nach sehr schwer zu trennen. Mein Vorschlag zur Drogenpolitik hierzulande ist ja gerade dadurch geformt, dass mir die hohe Zahl der Konsumenten (2-4 Mio.), die momentane rechtliche Grauzone und die besonder Gefahr für Jugendliche bekannt ist.
Die Grauzone sollte aber nicht erweitert, sondern verkleinert werden. Und das am besten, ohne die Konsumenten weiter zu kriminalisieren, wie @Aldaris es ansprach.

Auf jeden Fall müsste man am positiven Image der Drogen rütteln, aber wie? Thementage in Schulen oder Vorträge bringen nicht wirklich was, die gibt es ja schon. Das wichtigste für einen Teenager ist seine Peer-Group und die erzählt ihm dauernd von ihren positiven Erfahrungen mit Drogen.

@Helenus

Ich denke nicht, dass ein kreativer Mensch Drogen benötigt, um ein Kunstwerk zu schaffen, welches vom Beobachter Drogenkonsum vermuten lässt.


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30.11.2013 um 22:21
Aldaris schrieb:Drogenpolitik befasst sich mit vielen Dingen. Dazu zählt beispielsweise das Ausgestalten von Präventionsmaßnahmen und Diplomatie bzw. das Erreichen von diplomatischen Übereinkommen, da es um ein globales Problem geht
Da hast du allerdings recht und bisher wurde dieser Aspekt auch noch wenig angesprochen. Allerdings muss man natürlich auch sagen, dass im Fall von Cannabis sehr vieles aus Deutschland kommt und der Rest (vermute ich mal, finde gerade keine verlässlichen Zahlen) aus dem europäischen Ausland kommt.

Bei dem harten Kram ist das sicherlich anders. Aber ich finde es schwierig, wie man als Staat da konkret politisch tätig sein kann. Wir könnten natürlich unsere militärische Präsenz in Afghanistan verstärken und die Opiumfelder abbrennen, aber viele würde das wiederum zu weit gehen.

Wichtig halte ich allerdings eine verbesserte internationale (oder zumindest EU-weite) Kommunikation. Gerade auf dem Gebiet der neuen psychoaktiven Substanzen, die künstlich zusammengemixt werden und alle paar Tage neu auf den Markt kommen, kann es noch viele Verbesserungen im Ablauf geben.


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30.11.2013 um 22:24
@Helenus

Es ist ja schön, dass du auf deine Liste verweist, aber so kommen wir nicht weiter. Vielleicht können wir uns auf den kriminologischen Aspekt konzentrieren, denn gerade daher kommen starke Stimmen, die auf ein Veränderung der Politik pochen.

@chen

Hoffentlich gut gegessen.
chen schrieb:Als Konsequenz erscheint mir ein Staatsmonopol mit sehr sehr strengen Auflagen als die beste Lösung.
Da gehe ich konform mit dir. Zumindest wäre das eine mögliche Option, die im übrigen auch von vielen Vertretern der liberaleren Drogenpolitik gefordert wird. Ich möchte an dieser Stelle allerdings nochmal betonen: Es ist deshalb eine Option, weil die derzeitige Politik nicht funktioniert.

Warum gehe ich konform mit dir? Ich sehe durch eine Monopolisierung des Verkaufs von Drogen folgende Vorteile:

- Den kriminellen Kartellen wird eine Einkommensgrundlage entzogen
- Drogen werden rein verkauft. Das führt dazu, dass sich die Konsumenten nicht durch andere Substanzen wie Strychnin vergiften. Desweiteren werden auch Nadeln und sonstiges Fixerbesteck angeboten, wodurch das Risiko von gefährlichen Krankheiten wie Aids gemindert wird
- Verkaufsstellen können gleichzeitig als Beratungsstellen fungieren
- Staatliche Verkaufsstellen verkaufen günstiger, was dazu führt, dass Konsumenten nicht finanziell abstürzen, Beschaffungskriminalität nachgehen müssen oder ihren Körper verkaufen
- Konsumenten werden nicht mehr kriminalisiert. Sie landen nicht in Gefängnissen, sondern werden primär medizinisch und psychologisch aufgefangen. Sie gelten dann nicht mehr als Straftäter, sondern schlimmstenfalls als Kranke

Die Prämissen für einen monopolisierten, staatlichen Verkauf sind klar:

- Drogen dürfen nicht beworben werden
- Kein Verkauf an Minderjährige (Hier müssen entsprechende Jugendschutzmaßnahmen greifen und optimiert werden
- Das Ganze muss als Prozess geschehen und in letzter Konsequenz global, da sonst Drogentourismus o.ä. die Folge sein werden
- In erster Linie muss die Verkaufsstelle Beratungsfunktion haben. Mit den Verkäufern in einen persönlichen Kontakt treten. Das Thema darf nicht tabuisiert werden, sondern muss immer einem offenen Diskurs folgen
- Die Verkaufsstellen dürfen entweder keinen Gewinn erwirtschaften bzw. Gewinne müssen reinvestiert werden
chen schrieb:Was haltet ihr eigentlich von dem Coffeeshop in Berlin der jetzt eröffnet werden soll
Wir werden sehen, wie sich das ganze entwickelt. Ich denke, da man das Problem mit den Dealern etc. nicht in den Griff bekommt, muss man neue Lösungen finden. Solche Vorschläge sind aber auch nichts neues. In nahezu jeder Großstadt gibt es solche Probleme und erfolgreiche Gegenmaßnahmen gibt es quasi nicht.


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Helenus
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Allmystery Brawl 2013 - Finale - Drogenpolitik

30.11.2013 um 22:24
Ich denke nicht, dass ein kreativer Mensch Drogen benötigt, um ein Kunstwerk zu schaffen, welches beim Beobachter Drogenkonsum vermuten lässt.
Letzeres bezweifle ich auch, und es geht mir auch nicht darum, wie wir heute solche Werke rezipieren. Dennoch halte ich es für unstrittig zu behaupten, dass gewisse Kreise, so eben auch Künstler, durchaus eine Affinität zu diesen Substanzen besitzen, da sie ihnen bewusstseinserweiternde Wirkungsweisen zusprechen, die wohl als eine Art "Muse" fungieren können. Dass Menschen auch nüchtern kreativ sein können, bleibt hiervon unangetastet :D
Aldaris schrieb:wir uns auf den kriminologischen Aspekt konzentrieren
Können wir, obgleich ich diesen für ausgeschöpft halte.

Niemand bestreitet, dass Menschen aufgrund von Drogenabhängigkeit straffällig werden. Da genügt ein Blick in die Statistiken, die hinsichtlich Beschaffungskriminalität und Drogendelikten eine deutliche Sprache sprechen.

Dass Jura-Lehrende in Deutschland sich für eine Abänderung des Strafrechts stark machen, haben wir nun auch gehört. Ein paar Seiten vorher habe ich auch den genauen Grund genannt, aus dem heraus sie das tun.

Denn es geht ihnen nicht darum, Menschen den Zugang zu Drogen leichter zu machen oder sie zum Konsum zu animieren. Warum auch? Das ist allenfalls eine Konsequenz, aber keine Absicht :Y:


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Allmystery Brawl 2013 - Finale - Drogenpolitik

30.11.2013 um 22:27
Helenus schrieb:Ich sehe die Errichtung dieses Shops insofern kritisch, als meines Ermessens nach die rechtlichen und politischen Gegebenheiten dem aktuell noch entgegenstehen.
Ah gut, sehe ich im wesentlichen genauso. Als ich zuerst davon gehört habe, konnte ich es gar nicht so recht glauben, das ganze wirkt irgendwie so... dilettantisch. Ohne jede rechtliche Grundlage wird einfach so drauflos gemacht. Selbst wenn das Ding ein Erfolg wird, bin ich sehr skeptisch.
Auf jeden Fall müsste man am positiven Image der Drogen rütteln, aber wie? Thementage in Schulen oder Vorträge bringen nicht wirklich was, die gibt es ja schon. Das wichtigste für einen Teenager ist seine Peer-Group und die erzählt ihm dauernd von seinen positiven Erfahrungen mit Drogen.
Was ich sehr faszinierend finde: Bei Zigaretten hat es ja geklappt. Jugendliche rauchen heute nur noch halb so viel wie vor 20 Jahren. Der Hauptgrund ist einfach nur, dass Rauchen schlicht nicht mehr cool ist - wobei man sich natürlich fragen kann, wieso nicht mehr. Vielleicht sollte man da nochmal genau nach den Ursachen dieses Erfolges suchen und gucken, wie man sie auch bei anderen Drogen anwenden kann.
Shrimp schrieb:Die Grauzone sollte aber nicht erweitert, sondern verkleinert werden. Und das am besten, ohne die Konsumenten weiter zu kriminalisieren, wie @Aldaris es ansprach.
Genau, entkriminalisieren und weniger Grauzone. Deswegen finde ich die Idee des Cannabisladens nach Colorado-Vorbild gut :)


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30.11.2013 um 22:34
Aldaris schrieb:- Den kriminellen Kartellen wird eine Einkommensgrundlage entzogen
- Drogen werden rein verkauft. Das führt dazu, dass sich die Konsumenten nicht durch andere Substanzen wie Strychnin vergiften. Desweiteren werden auch Nadeln und sonstiges Fixerbesteck angeboten, wodurch das Risiko von gefährlichen Krankheiten wie Aids gemindert wird
- Verkaufsstellen können gleichzeitig als Beratungsstellen fungieren
- Staatliche Verkaufsstellen verkaufen günstiger, was dazu führt, dass Konsumenten nicht finanziell abstürzen, Beschaffungskriminalität nachgehen müssen oder ihren Körper verkaufen
- Konsumenten werden nicht mehr kriminalisiert. Sie landen nicht in Gefängnissen, sondern werden primär medizinisch und psychologisch aufgefangen. Sie gelten dann nicht mehr als Straftäter, sondern schlimmstenfalls als Kranke
Klingt in der Theorie oder am Stammtisch natürlich rund und verlockend. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass sich der Staat jemals am Verkauf von Drogen in irgendeiner Form beteiligen wird.

Welcher souveräne Staat degradiert sich schon gerne zum Stamm-Dealer seiner Bürgerschaft? Das wäre auch außenpolitisch nicht vermittelbar.

Ich sehe schon Obama auf dem nächsten Klimagipfel Kanzlerin Merkel mit schelmischem Grinsen in die Seite pieksen und fragen: "Yo, Angela, hast Du etwas Zucker in deinen Taschen?"

Ich glaube, das müssen wir nicht auch noch haben :D


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30.11.2013 um 22:35
Aldaris schrieb:Warum gehe ich konform mit dir? Ich sehe durch eine Monopolisierung des Verkaufs von Drogen folgende Vorteile:
Allerdings möchte ich folgende Einschränkung machen: Ich bin gegen den staatlichen Verkauf von allen Drogen, die über Cannabis hinausgehen.

Für mich ist das keine ethische Grundlagenfrage (entweder alle Drogen freigeben oder nicht) sondern eine reine Kosten-Nutzen-Abwägung. Und die fällt für mich bei Alkohol und Zigaretten positiv, bei Cannabis gerade eben so positiv und bei allen anderen negativ aus.

Frage an alle - würdet ihr ebenfalls zwischen Cannabis und dem Rest trennen oder gehört das für euch alles in einen Pott?


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30.11.2013 um 22:38
chen schrieb:Was ich sehr faszinierend finde: Bei Zigaretten hat es ja geklappt. Jugendliche rauchen heute nur noch halb so viel wie vor 20 Jahren. Der Hauptgrund ist einfach nur, dass Rauchen schlicht nicht mehr cool ist - wobei man sich natürlich fragen kann, wieso nicht mehr. Vielleicht sollte man da nochmal genau nach den Ursachen dieses Erfolges suchen und gucken, wie man sie auch bei anderen Drogen anwenden kann.
Das ist in der Tat interessant. Jeder bekanntere Droge bringt ein gewisses Image mit sich, das wiederum ein Faszination auslösen kann oder ein Charme in sich birgt. Um Cannabis hat sich quasi eine ganze Subkultur gebildet. Es gibt viele legale Produkte, die mit Cannabis zu tun haben. In der Welt des Hip Hops oder im Reggae ist Cannabis omnipräsent.

Der Kokainkonsum beispielsweise steht immer noch dafür, dass man es sich leisten kann. Eine Droge für den reichen Mann. Zusätzlich haben gewisse Filme dafür gesorgt, dass Kokain einen Ruf hat, der es für so manchen interessant macht, diesen Stoff zu probieren. Nicht zuletzt verlockt die Vorstellung, irgendwann mal so reich zu werden wie Pablo Escoba. :D

Dass immer weniger Menschen rauchen, hat mit Sicherheit damit zu tun, dass das Image des Rauchers radikal beschnitten wurde. Rauchen ist eben nicht mehr cool. Rauchen ist heute ungesund und vor allem teuer - was meiner Vermutung nach der zweite wichtige Punkt ist, warum heutzutage weniger rauchen. Man sieht aber auch gleichzeitig, dass sich parallel dazu stärker werdende Schwarzmarktstrukturen (vietnamesische Zigarettenmafia) bilden und Zigaretten zu schlechterer Qualität an den Mann bringen.

@chen
@Helenus

Es wäre zumindest ein Vorschlag. Dass das so einfach nicht funktioniert, ist klar wie Kloßbrühe. Meiner Ansicht nach kann es so, wie es jetzt ist, nicht weiter gehen. 500 Milliarden im Jahr. Damit könnte man einiges gutes tun.


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30.11.2013 um 22:39
@Helenus

Bei der Befragung von regelmäßigen Konsumenten hört man typischerweise Rechtfertigungen. Das vorgeschobene Argument, dass es die Kreativität fördere ist genau so eine Hülse.

Hierbei gilt das Sprichwort: Wenn man den Teich austrocknen will, darf man nicht die Frösche fragen.

Dafür gibt es ja Studien, die das Ganze mit Kontrollgruppen quantitativ untersuchen.

@chen
chen schrieb:Was ich sehr faszinierend finde: Bei Zigaretten hat es ja geklappt. Jugendliche rauchen heute nur noch halb so viel wie vor 20 Jahren.
Das stimmt interessanterweise.

rauchergrafik

http://www.bzga.de/forschung/studien-untersuchungen/studien/suchtpraevention/?sub=75

Im Fazit des Kurzberichts steht:
Diese positiven Veränderungen gehen einher mit strukturellen und verhaltenspräventiven
Maßnahmen zur Förderung des Nichtrauchens. Die strukturellen Maßnahmen zielten auf eine Veränderung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des Rauchens.

Sie umfassten z. B. Tabaksteuererhöhungen, die Erschwerung des
Zugangs zu Zigarettenautomaten für Jugendliche, Einschränkungen der Werbung für Tabakprodukte, Rauchverbote in öffentlichen Räumen, darunter Gaststätten und insbesondere auch
Schulen, sowie das Abgabeverbot von Tabakwaren an Jugendliche unter 18 Jahren.

Verhaltenspräventive Maßnahmen zielten auf Wissens-, Einstellungs- und Verhaltensänderungen
bzw. -stabilisierungen auf individueller Ebene und erfolgten parallel zu den strukturellen
Veränderungen.
@Helenus
@chen

Also sind Themenkampagnen und Verbote doch nicht ganz nutzlos?


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