Der rätselhafte Mordfall an Michael H. Bonnie (2012 Aachen-Sief)
um 12:07
Für mich liegt der Fall doch recht klar:
Beginnen wir mit dem Freund. Er heißt Kai, ist Fernfahrer und Michael Bonnie ist sein bester Kumpel. Er lädt ihn ein, mit ihm in seinen Geburtstag hinein zu feiern. Die beiden verbringen den Abend in der Wohnung von Kai, trinken einiges. Um 4 Uhr morgens bricht Michael auf, vergißt aber seinen Hausschlüssel in der Wohnung des Freundes. Kai bemerkt den Hausschlüssel ein wenig später und fährt ihm nach. Die Entfernung von Oberforstbach, wo Kai wohnt, und Aachen-Sief, wo Michael auf einem Hof bei seiner Mutter wohnt, beträgt 5 Kilometer, mit dem Auto also weniger als 10 Minuten. Dort angekommen findet er den Wagen des Freundes, einen blauer Golf IV, wie folgt verlassen vor: Der Schüssel steckt, das Scheinwerferlicht ist an, das Radio läuft, das Seitenfenster auf der Fahrerseite ist heruntergekurbelt, die Fahrertür steht offen. Zu diesem Zeitpunkt ist Michael wahrscheinlich bereits tot. Halten wir einen Moment inne: Es ist der 4. März 2012 zwischen 4 Uhr und 4 Uhr 30 morgens, es war in dieser Nacht vermutlich bewölkt (es hatte in Aachen geregnet) und vielleicht um die 3 Grad, jedenfalls zu kalt um bei offenen Seitenfenster zu fahren. Der Hof im Baumgartsweg 60 steht vereinzelt. In einer Entfernung von 3 Kilometer führt die A44 an dem Hof vorbei, also donnernder Autoverkehr in der Ferne, sonst völlige Stille. Die Grenze zu Belgien ist nur wenige Hundert Meter entfernt. Kai schaut sich ein wenig um, legt schließlich Michaels Hausschlüssel auf den Fahrersitz und fährt nach Hause. Der dargestellte Ablauf basiert alleine auf den Angaben Kais. Es gibt keine Zeugen dafür, dass Michael seinen Hausschlüssel vergessen hat, Kai ihm nachgefahren ist usw. Da Kai das Opfer als letzter lebend gesehen hat, wird er von Polizei genau überprüft. Diese Überprüfung hat vermutlich ergeben, daß die beiden eben beste Kumpel waren, vielleicht schon zwanzig oder dreissig Jahre miteinander befreundet. Da ist also kein Motiv, rein gar nichts, es macht keinen Sinn.
Kommen wir zu der Mutter und der Familie des Opfers. Die Mutter entdeckt den so verlassenen Wagen Michaels um 7 Uhr morgens im Hof. Da Michael nirgends auf dem Hof ist, sein Bett unberührt, müssen bei der Mutter eigentlich alle Alarmglocken geschrillt haben. Dennoch meldet sie ihn erst am 12. März, also erst 8 Tage später, bei der Polizei als vermisst. Die Mutter wird später erklären, daß Michael schon einmal (oder mehrmals) verschwunden gewesen ist ohne vorher Bescheid zu geben oder die Abwesenheit später zu erklären. Die Mutter und die Geschwister starten in diesen 8 Tagen keine privaten Suchaktionen nach Michael mit Flyern etc., stattdessen durchsuchen sie das Haus. Wonach haben sie dort gesucht? Die Schwester findet auf dem Dachboden Briefcouverts mit Geldscheinen, insgesamt 14700 Euro. Die Couverts sind, anders als bei Aktenzeichen XY dargestellt, je mit einem Zahlencode beschriftet, die die Polizei bis heute nicht entschlüsseln konnte. Vor wem hat Michael das Geld verstecken wollen? Das Finanzamt führt keine Hausbesuche durch und bei einer polizeilichen Durchsuchung wären die Couverts sofort gefunden worden. Die Anwort kann nur Mutter, die Familie heißen. Wollte Michael nicht, dass seine Mutter wußte, wieviel er tatsächlich mit den Entrümpelungen verdiente? Dann hätte er das Geld in nur einen Briefumschlag versteckt. Was die Schwester auf dem Dachboden jedoch entdeckte, sieht mit Verlaub mehr nach der fantasievollen Buchführung eines Kleinkriminellen aus.
Michael, das Opfer, wohnte mit 41 Jahren noch bei seiner Mutter. Er hatte keine Freundin, er hat keinen Beruf gelernt und hielt sich offenbar mehr oder weniger mit Gelegenheitsjobs (Entrümpelungen/Haushaltsauflösungen, handwerkliche Dienstleistungen) über Wasser. Er hatte 2012 noch kein Mobiltelefon und bei seinem Golf IV war die Heckklappe notdürftig mit weißem Klebeband fixiert. Er wird von Nachbarn als nett, hilfsbereit und zurückhaltend beschrieben. Die Polizei hatte allerdings eine Akte für ihn angelegt – wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetzes und wegen weiterer, kleinerer Delikte im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln. Zum Zeitpunkt seines Todes soll er clean gewesen sein. Es gab aber offenbar genug Gerüchte über Verbindungen in das Drogenmilieu, vielleicht auch über Geschäfte dort.
Meine Hypothese zu dem Tathergang: Die Täter (ich vermute wenigstens zwei Täter und werde weiter unten erklären warum) warten in dieser Nacht auf dem Hof auf die Rückkehr Michaels. Das heißt, sie wußten, dass er in der Nacht zurückkehren würde, vielleicht auch wo er war. Sie hatten ein Fluchtfahrzeug in der Nähe abgestellt. Michael fährt auf den Hof, stoppt den Wagen. In diesem Moment treten die Täter aus Dunkel an den Wagen heran. Kennt Michael die Täter? Jedenfalls will er nicht aussteigen, sondern läßt nur das Seitenfenster herunter, um mit ihnen zu sprechen. Die Täter fordern ihn auf auszusteigen oder greifen zu ihm ins Seitenfenster, um ihn dazu zu zwingen. Sie töten ihn sofort mit mehreren Stichen ins Herz und tragen seine Leiche von dem Wagen fort. Irgendwann in dieser Zeit kommt also Kai. Die Täter konnten das nicht wissen, aber sie konnten in der Stille der Nacht den Wagen frühzeitig wahrnehmen und entsprechende Maßnahmen treffen. Vermutlich hat es Kai das Leben gerettet, dass er nicht lange nach seinem Freund gesucht hat. Die Täter tragen die Leiche Michaels zu zweit über die Wiese hinter dem Haus zu dem Abflussrohr, das dort beginnt und einige hundert Meter weiter in den Iterbach mündet. Und deshalb sind sie zweit: um keine Schleifspuren auf der Wiese zu hinterlassen, die sofort auf das Versteck hingewiesen hätten. Die Täter entkleiden Michael und legen ihn in dem Abflußrohr ab. Die Kleidung, die Spuren der Täter tragen könnte, nehmen sie mit. Nicht aber seinen Personalausweis, das wäre dumm gewesen. Dieser wird mit der Leiche in das Abflussrohr deponiert. Das Versteck ist derart gut, daß die Polizei, die bei ihrer Suche keinen Stein auf den anderen läßt, die Leiche nicht findet. Bekanntlich werden 10 Monate später, nach einem Hochwasser, Skelettfragmente von Michael in den Iterbach gespült und gefunden. Die Täter mussten eine sehr genau Ortskenntnis gehabt haben oder den späteren Tatort genau augekundschaftet haben. Die Tat war offenbar minutiös geplant und ist mit chirurgischer Präzision ausgeführt worden. Das Werk von Profis – und es ist eine Hinrichtung.
Meine Hypothese zum Tathintergrund: Michael war möglicherweise hin und wieder als Drogenkurier tätig. Sicher nur ein kleiner Fisch. Vermutlich hat er sich aber für intelligenter gehalten als er war und etwas getan, was man in dieser Branche besser nicht tut. Vielleicht Ware abgezweigt und noch auf eigener Rechnung gearbeitet. Oder Ähnliches.