Zitat von SchlafwandlerSchlafwandler schrieb:Und sie warten dort bei sehr niedrigen Temperaturen bis 4.30 Uhr? Die müssen ziemlich gefroren haben...
Sie können eine Jacke mitgenommen haben, wir wissen einfach zu wenig... Aber wenn ich es mir nochmals überlege, scheint es mir ebenfalls unwahrscheinlich, dass sie in dieser Nacht auf dem Hof auf die Rückkehr Michaels gewartet haben. Ich möchte deshalb meine Hypothese an dieser Stelle modifizieren: Sie haben nicht auf dem Hof gewartet, sondern sie haben in einem Auto gesessen, das sie in der Nähe der Dreier-Kreuzung Baumgartsweg unweit des Hofes so geparkt hatten, dass sie seine Rückkehr aus beiden möglichen Richtungen gewahr werden konnten. Bei seiner Rückkehr sind sie ihm zunächst im Wagen auf den Hof gefolgt.
Zitat von SchlafwandlerSchlafwandler schrieb:Woher wussten sie das? Von wem? Um 4 Uhr morgens könnte man auf die Idee kommen, dass MB dort übernachtet, wo er die letzten Stunden verbracht hat.
Absolut richtig, sie hatten - selbst wenn sie wußten wo er war - keine Gewissheit dass er in der Nacht zurückkehren würde. Die brauchten sie aber auch nicht! Wenn sie umsonst gewartet hätten, hätten sie eine neue Gelegenheit gesucht.
Zitat von SchlafwandlerSchlafwandler schrieb:Nach allem, was bekannt ist, war das Zeitfenster zu knapp für diesen Ablauf. Welche Maßnahmen haben die Täter denn in aller Eile getroffen?
Jede Hypothese, die nicht von der Täterschaft oder Mittäterschaft des Freundes Kai ausgeht, muss eine Lösung für das Zeitproblem liefern. Dabei ist öffentlich nicht bekannt, wie eng das Zeitfenster tatsächlich war, ein paar Minuten oder eine Viertelstunde oder sogar länger. Meine Hypothese sieht wie folgt aus: Die Täter haben Michael Bonnie unmittelbar nach seiner Ankunft getötet und sofort die Leiche zu dem Versteck transportiert. Den Punkt, den ich machen möchte, ist: a) sie haben nicht damit rechnen können, b) sie haben sich vermutlich noch in der Nähe befunden, c) sie sind möglicherweise gestört worden, d) sie haben den Wagen möglicherweise frühzeitig gehört, e) sie haben die Nerven behalten, f) die Störung hat für sie letzlich keine direkten Folgen gehabt. Da die Mutter erst 8 Tage später zur Polizei geht, sind alle diesbezügliche Spuren (einer etwaigen Zwischenlagerung der Leiche o.ä.) durch die Witterung verloren gegangen.
Zitat von SchlafwandlerSchlafwandler schrieb:Deine Erzählung wäre vielleicht für einen Roman geeignet. Mit der Wirklichkeit dürfte sie nichts zu tun haben.
Zugeben, reichlich romanhaft und unpräzise, was ich geschrieben habe. Ob es für einen Roman geeignet ist, weiss ich nicht (ich werde darüber nachdenken). Aber es war ausdrücklich als eine Hypothese gekennzeichnet. Der Wert von Hypothesen liegt nicht darin, dass sie richtig sein müssen.

Ok ich biete eine zweite, andere Hypothese an. In dieser Hypothese ist Kai der Täter. Er tötet seinen Freund Michael in seiner Wohnung in Oberforstbach, vielleicht mit einem Küchenmesser. Er transportiert die Leiche in seinem eigenen Wagen auf den Hof und zu dem Versteck (er hat die nötige die Ortkenntnis). Warum in seinem Wagen? Weil Michaels Wagen später mit Sicherheit untersucht würde. Dumm, wenn dann Blutspuren im Kofferraum oder anderswo gefunden worden wären. Er deponiert also die unbekleidete Leiche in dem Rohr und legt den Personalausweis dazu. Er fährt zu seiner Wohnung zurück und bringt dann Michaels Wagen zu dem Hof (tatsächlich finden sich Kais Spuren in dem Wagen). Dort präpariert er das Auto so, wie es am nächsten Tag gefunden wird - und legt den Hausschlüssel auf den Fahrersitz. Er geht zu Fuß zurück, reinigt die Wohnung und sein Wagen. Michaels Kleidung verteilt er in Müllcontainern in der größere Umgebung. Warum die Geschichte mit dem Hausschüssel? Weil es Zeugen gegeben haben könnte, die in dieser Nacht seinen Wagen auf den Weg nach Aachen-Sief beobachtet haben könnten. - Das alles wäre sehr schlau ausgedacht, aber als Fernfahrer hat man auch eine Menge Zeit zum Nachdenken. Aber was soll das Motiv sein? Wenn die beiden kein homosexuelles Paar waren, könnten doch heimliche homoerotischen Neigungen auf Seiten von Kai bestanden haben. Auf seinem Geburtstag eröffnet er sich Michael, wird schroff zurückgewiesen und tötet ihn wie für diesen Fall geplant. Ein anderes Motiv könnte Geld sein, geliehenes oder von Michael einbehaltener Lohn für sein Mithilfe bei Entrümpelungen. Die Fragen, die sich aus dieser Hypothese ergeben sind: a) Ist seine Wohnung von der Polizei spurentechnisch untersucht worden?, b) ist sein Auto spurentechnisch untersucht worden?, c) hat er seinen Wagen in zeitlicher Nähe zu dem Verbrechen verkauft?, d) lebt er heute offen homosexuell?

Die Hypothese ist - soweit ich sehe - in sich widerspruchsfrei, sie steht im Einklang mit den bekannten Tatsachen und sie erklärt, was passiert sein könnte. Aber wie wahrscheinlich ist sie?

Die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Mordes zu werden, ist im allgemeinen extrem gering. Aber unter bestimmten Voraussetzungen steigt sie eben massiv an. Deshalb hier noch einmal meine ursprüngliche Hypothese, diesmal hoffentlich ohne romanhafte Ausschmückungen:

Täter:
Die Täter stammen aus der organisierten Rauschgiftkriminalität. Möglicherweise Auftragstäter, möglicherweise sind es zwei.

Tatvorbereitung:
Die Täter observieren Michael Bonnie über einen längeren Zeitraum. Sie entwickeln einen genauen Plan, sie auskundschaften den späteren Tatort und identifizieren das Abflussrohr als ideales Versteck.

Tathergang:
Die Täter warten in einem möglicherweise gestohlenen Wagen in der Nähe des Hofes auf die Rückkehr Michaels. Sie folgen ihm im Wagen in den Hof, bringen ihn dazu auszusteigen und töten ihn unmittelbar darauf mit einem mitgebrachten Messer. Der Tatort befindet sich also in unmittelbarer Nähe von Michaels geöffneten Wagen. Die Täter berühren den Wagen nicht. Sie tragen die Leiche möglicherweise zu zweit zu dem Abflussrohr. Sie legen die Leiche unbekleidet dort hinein, zusammen mit dem Personalausweis. Die Kleidung nehmen sie mit und verteilen sie später in Müllcontainern in der größeren Umgebung. Sie entledigen sich des gestohlenen Wagens. Zwei Dinge konnten die Täter nicht ahnen: die Ankunft Kais und die Tatsache, dass die Mutter ihren Sohn erst acht Tage später vermisst melden würde. Aus dem zweiten folgt, dass die Täter Spuren vermeiden mussten, die auf das Versteck hingewiesen hätten.

Das Tatmotiv:
Eine Abrechnung im Milieu.

Was folgt aus dieser Hypothese? Wie könnte man das Verbrechen heute noch aufklären? Zum einem könnte man nochmals versuchen, das damalige soziale Umfeld des Michael Bonnie genau auszuleuchten. Wen kannte er, welche Namen hat er irgendwann erwähnt? Vielleicht spricht heute jemand, der damals nicht gesprochen hat. Zum anderen wäre die Entschlüsselung der Zahlencodes auf den Briefcouverts hoch interessant, weil sie (in dieser Hypothese) Hinweise geben könnten auf Auftraggeber aus dem Rauschgiftmilieu. Vielleicht könnte man sie eine KI eingeben, wobei man zugleich alle Ermittelungsakten hochlädt. Zuletzt ist es doch unwahrscheinlich, dass Michael Bonnie ein Kryptographieexperte war.