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Mysteriöser Familienmord in Nantes

35 Beiträge, Schlüsselwörter: Familienmord
KonradTönz1
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Mysteriöser Familienmord in Nantes

26.10.2012 um 07:43
Als bekennender True-Crime-Fan, bedaure ich es immer wieder dass interessante und spektakuläre Fälle nach einem kurzen Medienhype irgendwann praktisch aus den Medien verschwinden. Dadurch wird es für den außenstehenden Interessierten fast unmöglich gemacht, solche Fälle bis zur erhofften Auflösung hin weiterzuverfolgen.
Ein besonders spektakulärer Fall aus dem letzten Jahr ist der 5-fache Familienmord in Nantes, der vermutlich vom Familienvater Xavier D. begangen wurde:

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/grausige-leichenfunde-mysterioeser-familienmord-schockiert-frankreich-a-758742.htm...

Xavier D. hatte offensichtlich seine beiden jüngsten Kinder unter einem dubiosen Vorwand von der Schule abgemeldet, kurz danach wurden die Leichen seiner 4 Kinder, seiner Ehefrau und der 2 Familienhunde unter der Terrasse des gemeinsamen Hauses entdeckt. Xavier D.'s Spur konnte innerhalb Frankreichs noch über mehrere Hotelaufenthalte und Geldabhebungen verfolgt werden, es gab wohl auch gelegentliche (vermeintliche?) Sichtungen, zuletzt wohl in Italien:

http://www.lemonde.fr/societe/article/2012/03/14/tuerie-de-nantes-xavier-dupont-de-ligonnes-repere-en-italie_1667863_322...

Was diesen Fall so interessant macht ist - neben der Monströsität des Verbrechens - die ambivalente Persönlichkeit des mutmaßlichen Täters Xavier D. ist Sprössling eines alten Adelsgeschlechts und hatte offensichtlich eine sehr enge Beziehung zu seiner Mutter, die eine Art christlich-fundamentalistische Kleinsekte gegründet hatte. Er ist gutaussehend und charmant und hatte Erfolg bei Frauen, wird aber auch als guter Familienvater beschrieben. Nach den Informationen die ich über sein Berufsleben finden konnte, hat er wohl verschiedene Sachen als Selbständiger angepackt (es ist von Investitionen in der Tourismusbranche die Rede), war dabei jedoch eher erfolglos und von finanziellen Schwierigkeiten geplagt.
Die Berichterstattung ist leider ziemlich versiegt in dem Fall, man findet noch einiges in Lokalblättern (z.B. Berichte über Brief-Beichten an seine Mutter oder gelegentliche Sichtungen), wirklich neue Erkenntnisse scheint es aber nicht zu geben.

Um gleich auf die obligatorische "Was-soll-dieser-Thread"-Frage einzugehen:

Hier sollen einerseits Infos über den Fall zusammengetragen werden, andererseits darf wild spekuliert werden. Ich fange damit auch gleich mal an:

Hier handelt es sich meiner Meinung nach um den tragischen Fall eines Blenders, der den Spagat zwischen hohem Anspruch und enttäuschender Wirklichkeit nicht mehr halten konnte und daher aus seinem Leben ausgebrochen ist. Da es allerdings wohl kein erweiterter Selbstmord war, bleibt die Frage warum er nicht einfach verschwunden ist ohne seine Familie auszulöschen? Bzw. Warum er nicht sich selbst auch um die Ecke gebracht hat?


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KonradTönz1
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Mysteriöser Familienmord in Nantes

26.10.2012 um 07:56
Hier wird noch ein weiterer Aspekt der Persönlichkeit Xavier D. hervorgehoben:

http://www.parismatch.com/Actu-Match/Societe/Actu/Xavier-Dupont-de-Ligonnes-des-notes-intimes-du-suspect-de-la-tuerie-de...

Er hatte offensichtlich viel von dem erzkatholischen religiösen Wahn seiner Mutter mitbekommen, viele der Texte die man im Nachhinein von ihm gefunden hat sind durchdrungen von religiösen Andeutungen und theologischen Spekulationen. Die Mutter scheint überhaupt eine sehr dominante Rolle in seinem Leben zu spielen, auch wenn er sich an verschiedenen Stellen deutlich von der "Scheinwelt" distanziert, die seine Mutter aufgebaut habe.

Wenn es jemanden interessiert würde ich den Artikel heute Abend komplett übersetzen - Wäre für mich auch mal wieder eine gute Fingerübung :-D


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KonradTönz1
Diskussionsleiter
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Mysteriöser Familienmord in Nantes

26.10.2012 um 08:09
Aus dem oben erwähnten Artikel geht aber auch hervor, dass er unter der Untreue seiner Frau gelitten haben muss, die ihn offensichtlich mit seinem besten Freund betrogen hat:

"Les infidélités d’Agnès sont omniprésentes dans les textes de Xavier Dupont de Ligonnès. Il confie sa rancœur à la liaison entretenue avec un certain Michel, son meilleur ami."

Es scheint sich hier eine komplexe Motivation für ein grausiges Verbrechen über Jahre hinweg aufgebaut zu haben.


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Mysteriöser Familienmord in Nantes

26.10.2012 um 09:06
Guten Morgen @KonradTönz1


schau mal hier gibts schon einen Thread zum Thema Diskussion: Mysteriöser Familienmord schockiert Frankreich
KonradTönz1 schrieb:Als bekennender True-Crime-Fan, bedaure ich es immer wieder dass interessante und spektakuläre Fälle nach einem kurzen Medienhype irgendwann praktisch aus den Medien verschwinden. Dadurch wird es für den außenstehenden Interessierten fast unmöglich gemacht, solche Fälle bis zur erhofften Auflösung hin weiterzuverfolgen.
Da stimme ich dir voll und ganz zu. Auch ich bedaure, dass man oftmals garnichts mehr von einigen Fällen hört. Mit ganz viel Glück und unendlicher Suche im I-net wird man manchmal fündig. Oftmals wird aus einem Medienhype nur noch eine klitzekleine Randnotitz wenn überhaupt, finde ich persönlich sehr schade.


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Mysteriöser Familienmord in Nantes

26.10.2012 um 11:47
Es gab in den 60er Jahren (etwa) einen ganz ähnlichen Fall, mir fällt nur der Name des Täters nicht ein. Er hat auch nach Jobverlust und drohender Pleite, was er bis zum Schluss vor allen verheimlichte, seine ganze Familie incl. Ehefrau, im Haus mitlebender Oma und den Kindern getötet, ganz planvoll, noch einen ordentlichen Brief für die Polizei hinterlassen als Erklärung, dann seine vorher schon gepackten Koffer genommen und ist abgehauen. Der wurde nach 20 Jahren durch Zufall erwischt, inzwischen war er neu verheiratet, seine Frau fiel aus allen Wolken, für sie war er der liebevollste perfekte Ehemann gewesen, wobei die Polizei sagte, so ein Tätertyp hätte auch wieder so getötet, wenn er in eine vergleichbare Situation geraten wäre. Die töten lieber ihre Liebsten, statt deren enttäuschte Gesichter zu sehen, wenn sie ihnen eingestehen müssen, dass nicht alles mehr perfekt ist. Als Grund für die Morde gab er an, er wollte seiner Familie ein Leben in Armut nicht zumuten.

Ich finde, der Fall hier ist ähnlich - diese Täter finden es schlimmer, in den Augen ihrer Liebsten den perfekten Schein zu verlieren, als ihre Liebsten zu töten. Total krank! Irgendwie vom psychologischen Status her wie ein Kind, das nicht zugeben will, dass es was ausgefressen hat, und daher lieber alles versucht, dass das nicht rauskommt, als es einfach zuzugeben und die Konsequenzen zu ziehen. Wie ein Kind denkend, dass man ihn dann nicht mehr lieben würde.


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Mysteriöser Familienmord in Nantes

26.10.2012 um 11:58
Macht mich ganz bekloppt, dass ich den alten Fall nicht mehr finde, der so ähnlich war. Kennt den jemand zufällig? Mir fällt der Name nicht ein. Zum Verrücktwerden, sowas!


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KonradTönz1
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Mysteriöser Familienmord in Nantes

26.10.2012 um 12:36
Ich denke auch dass sich hier ein narzisstischer Mensch aus einer als kränkend empfundenen Situation befreit hat (betrogen von der Ehefrau, Versagen im Berufsleben). Es macht einen aber doch sprachlos, dass ihn die Dauerkränkung offensichtlich stärker belastet hat als der Mord an seinen Kindern und an seiner Ehefrau, den er sicher länger geplant und dann kaltblütig durchgeführt hat.
Wenn es wenigstens ein erweiterter Selbstmord gewesen wäre hätte man ihm noch ein - wenn auch pervertiertes - Verantwortungsgefühl gegenüber seiner Familie zubilligen können. Da aber seine Leiche nicht gefunden wurde und da es darüber hinaus mehrere Sichtungen gab, gehe ich eher davon aus dass er versucht hat sein verfahrenes Leben zu "resetten" um unter anderer Identität neu zu starten.

Mir fällt noch der aktuelle Fall des Familienvaters ein, der seine vier Kinder getötet hat während seine trennungswillige Frau alleine in Urlaub war. Angeblich soll es sich um einen misslungenen erweiterten Selbstmord handeln, allerdings ist nach der Beschreibung des Mannes zu vermuten dass auch hier nicht die Sorge um die Familie im Vordergrund stand, sondern vielmehr die eigene Kränkung.

Was mich an diesen Fällen "fasziniert" ist die Vorstellung,wie es ein Mensch der von anderen durchaus als liebevoller Familienmensch beschrieben wird fertig bringt, seine geliebten Kinder zu töten. Denn selbst wenn man den Gedanken hat dass es besser sei die eigenen Kinder wären tot - die Ausführung der Tat ist dann doch nochmal was völlig anderes.


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Mysteriöser Familienmord in Nantes

26.10.2012 um 12:45
@KonradTönz1

Ich denke, die sind in dem Moment so in ihrem Wahn, dass sie wirklich denken, sie erlösen ihre Kinder gerade von ansonsten noch noch viel schlimmerem Leid, so wie man einem todkranken Menschen Sterbehilfe geben kann, auch oder gerade WEIL man ihn liebt, weil man sein Leiden nicht mehr mit ansehen kann. Nur dass die sich eben EINBILDEN, dass sie damit dem anderen noch viel größeres Unheil ersparen... Und dann gibt es natürlich noch die, die die eigenen Kinder töten, weil sie damit ihren Partner strafen wollen, oder die, die sich damit von einer Last befreien wollen - aber die lieben sich selbst wohl mehr als alle anderen, dass sie sowas aus Rache oder Wut tun... Mal abgesehen von denen, die es auf Verzweiflung und Überforderung tun, weil sie nicht mehr können. Das sind wohl die Einzigen, die es im Nachhinein von Herzen bereuen, weil sie es aus einer Situation heraus getan haben, und nicht weil sie es wirklich geplant wollten.


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Mao1974
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Mysteriöser Familienmord in Nantes

26.10.2012 um 16:16
@diegraefin
Ich meine mich zu erinnern. Könnte der Mann John List geheissen haben?


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Mysteriöser Familienmord in Nantes

26.10.2012 um 16:31
Jaaa, John List!!! Danke dir, du hast mir weiteres Kopfzerbrechen erspart! :)

Den Fall sollte sich jeder hieran Interessierte mal genau durchlesen, ich fürchte, der Täter in Nantes tickt ähnlich. Ich denke wie @KonradTönz1, dass auch dieser Täter wie John List sein Leben auf RESET setzen wollte, noch mal von vorn anfangen, und dass die Familie dem im Weg gewesen wäre.

Leider findet man dazu kaum was auf Deutsch, hier aus dem englischen Wiki:
Wikipedia: John_List


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KonradTönz1
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Mysteriöser Familienmord in Nantes

26.10.2012 um 19:59
Ich hab mir die Beschreibung von John List gerade mal durchgelesen - die Parallelen sind frappierend, auf den ersten Blick. In beiden Fällen scheinen die Scham über das eigene Versagen und das Verantwortungsgefühl gegenüber der Familie, der man ein Leben unter schlechten Bedingungen ersparen will, eine entscheidende Rolle zu spielen. Wenn man dann noch die wahnhaft-religiöse Logik berücksichtigt, nach der der Tod als Akt der Erlösung und des Übergangs in eine bessere, höhere Existenz betrachtet wird, macht plötzlich alles Sinn. So gesehen kann man sogar vermuten dass Menschen wie Xavier D oder John List nicht nur nicht unter Schuldgefühlen leiden, sondern dass sie sogar regelrecht davon überzeugt sind, einen ultimativen Akt der Fürsorge begangen zu haben.


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Mysteriöser Familienmord in Nantes

26.10.2012 um 20:10
@KonradTönz1

Ja, zusammen mit dem religiösen Aspekt handelt so jemand wahrscheinlich tatsächlich mit reinem Gewissen und flüchtet nur vor der irdischen Bestrafung, ohne dabei das Gefühl zu haben, moralisch gesehen tatsächlich ein Unrecht begangen zu haben... Ich frage mich nur, wie man die Bilder im Kopf wieder los wird, und wie man mit der Trauer klar kommt, wenn man sowas getan hat. Da muss man doch eigentlich noch verrückter werden als man ohnehin schon war. Wie hat es ein John List geschafft, das einfach abzuhaken, auch (scheinbar) emotional? Oder ist auch das nur Fassade, weil er auch die Trauer allein mit sich selbst ausmacht und sich nach außen nichts anmerken lässt, wie bei allem anderen auch? Ich versteh auch nicht, wie die Frauen von so jemandem damit klarkommen - irgendwie muss das doch alles sehr oberflächlich laufen, emotional, wenn mein Partner mich nie seine innersten Sorgen, Gedanken und Nöte wissen lässt, oder? Merkt man das nicht, dass da irgendwas fehlt an Offenheit und Ehrlichkeit? Ich kann mir das so schwer vorstellen.


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KonradTönz1
Diskussionsleiter
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Mysteriöser Familienmord in Nantes

26.10.2012 um 20:18
Für die Motivation genügt das oben beschriebene sicher aus - um die Tat aber dann ausführen zu können und vor allem um mit den Bildern der blutenden, schwer verletzten und toten Kinder normal weiterleben zu können, benötigt man sicher noch einen gehörigen Schuss Skrupellosigkeit. Und genau diese extreme Kaltblütigkeit müsste doch im "neuen" Leben den neuen Partnern irgendwann einmal auffallen.


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Mysteriöser Familienmord in Nantes

26.10.2012 um 20:38
Naja, die finden sich dann ja wahrscheinlich automatisch mit den richtigen neuen Partnern zusammen, die nicht zu viele Fragen stellen und einfach froh sind, jemanden zu haben... Wenn da die neue Frau direkt sich als bohrende Nervensäge entpuppt, die einem jeden Popel aus der Nase ziehen will und ständig fragt "Was denkst du gerade?", die schießen solche Männer bestimmt ganz schnell wieder ab. ;)


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SeelenStein
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Mysteriöser Familienmord in Nantes

26.10.2012 um 20:46
Sowas ist einfach nur furchtbar..


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Mao1974
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Mysteriöser Familienmord in Nantes

27.10.2012 um 01:16
@SeelenStein
Ist es! Und noch schlimmer, daß der Vater noch nicht gefunden ist...

@diegraefin
Bitteschön! War mir noch von nem Beitrag auf youtube in Erinnerung (den ich leider nichtmehr finde). Sein Gesicht wurde ja modelliert und dabei berücksichtigt, wie er Jahre nach dem Verbrechen vermutlich aussehen würde, sogar die Brille stimmte letztlich (zumindest wurde es so dargestellt)
Beeindruckend!


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PaulVitti
ehemaliges Mitglied

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KonradTönz1
Diskussionsleiter
ehemaliges Mitglied

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Mysteriöser Familienmord in Nantes

29.10.2012 um 10:32
Er soll also auf Korsika gesichtet worden sein...


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Mysteriöser Familienmord in Nantes

29.10.2012 um 10:43
Den Abschiedsbrief den John List hinterlies, war doch an den Pfarrer in der Gemeinde in der er lebte gerichtet?!
Ja änlichkeiten sind da schon zuerkennen.
Hoffe nur das die Behörde keine 20 Jahre brauch, um diesen Mann zukriegen.


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KonradTönz1
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