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"Kannibale von Duisburg" Joachim Kroll - gab es falsche Geständnisse?

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"Kannibale von Duisburg" Joachim Kroll - gab es falsche Geständnisse?

30.09.2014 um 14:29
Der Fall Joachim Kroll ist ja sicher vielen hier ein Begriff. Der 1976 als “Kannibale von Duisburg” in die Annalen der Kriminalgeschichte eingegangene Serienmörder soll in 21 Jahren 9 Menschen getötet haben, wobei man von einer noch höheren Dunkelziffer ausging.

Hier Lesestoff zum Fall für die, die ihn noch nicht kennen:

Wikipedia Deutsch:
Wikipedia: Joachim_Kroll

Wikipedia Englisch (ausführlicher mit aufgelisteten Opfern):
Wikipedia: Joachim_Kroll

Detailreiche Zusammenfassung vor allem der letzten Tat (Vorsicht, kann triggern) und des Prozesses:
http://www.thomas-meiser.de/tcrime/kroll.htm

Zeit-Artikel von 1982 (nach der Verurteilung):
http://www.zeit.de/1982/05/kittel-oder-uniform

WAZ-Artikel von 2013:
http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/auf-du-und-du-mit-dem-menschenfresser-von-duisburg-id8123027.html

Ich habe mir nun das Buch “Ich musste sie kaputtmachen” von Stephan Harbort durchgelesen, das man als Biografie über Joachim Kroll bezeichnen kann. Dabei fällt auf, dass Kroll, der sein Leben lang ein unbeachteter im wahrsten Sinne des Wortes kleiner Mann gewesen ist, sozial isoliert und von Kollegen, Nachbarn etc. als merkwürdig und verschroben angesehen, unter der plötzlichen ständigen Aufmerksamkeit, die die Ermittler ihm zwangsläufig schenkten, regelrecht aufblühte. Die Ermittler gingen davon aus, dass die letzte Tat von Kroll nicht seine ERSTE gewesen sein kann, weil sie so grausam war. Befragungsprotokolle im Buch Harborts lassen einen m.E. sehr suggestiven Befragungsstil erkennen, in dem Kroll, der einen IQ von nur 76 hatte, zum Gestehen weiterer Taten bewegt werden sollte. Dies gelang auch, Kroll gestand immer neue Morde und Sexualdelikte, die in den letzten 20 Jahren in und um Duisburg geschehen sind. Für 9 dieser Morde wurde er am Ende zu 9x lebenslänglich verurteilt, obwohl er seine Geständnisse im Prozess widerrief (bis auf den letzten Mord, dessen er überführt war). Er starb 1991 in Haft an einem Herzinfarkt.

Die Befragung von Kroll war m.E. laut Harborts Buch sehr suggestiv. So wurde Kroll z.B. zum Mord eines 5-jährigen Mädchens befragt, wo er erst erzählte, er habe das Kind im Wald getroffen, wo es auch getötet wurde. Die Ermittler wussten, dass das nicht sein konnte, da das Mädchen nie allein so weit von Zuhause im Wald spielen gewesen wäre. So sagte der Kroll befragende Ermittler dann zu Kroll: “Na, kann das denn sein? Überleg noch mal!” Worauf Kroll ihn fragte (!!): “Ja, wie war es denn dann? Habe ich das Mädchen etwa dorthin mitgebracht?” Nachdem er merkte, dass dies in die Richtung ging, die der freundliche Beamte, der sich mit ihm freundschaftlich duzte und ihn zwischendurch mit seinen Lieblingspeisen und Zigaretten versorgte, hören wollte, erzählte er dann eine ganz andere Geschichte. So verhielt es sich auch in mehreren anderen seiner Geständnisse. 3 dieser Geständnisse wurden ihm dann im Prozess auch nicht zur Last gelegt, da Indizien gegen Kroll als Mörder sprachen.

Mir stellt sich nach Lektüre des vorgenannten Buches nun die Frage, ob Kroll noch mehr Morde nicht begangen hat, für die er verurteilt wurde, und der eine oder andere Mord evtl. auf das Konto eines oder mehrerer anderer Täter ging, der/die immer noch frei herumlaufen könnte. Insbesondere der Fall Jutta Rahn aus Ratingen-Breitscheid, die im Sommer 1970 auf dem Heimweg von der Schule getötet und missbraucht wurde, will mir nicht aus dem Kopf. An der Leiche der 13jährigen fanden sich Spermaspuren eines Mannes mit Blutgruppe A/B – Kroll hatte jedoch Blutgruppe 0 und war auch ein Blutgruppe-0-“Ausscheider” (d.h. die Blutgruppe war bei ihm auch über das Sperma ermittelbar). m.E. scheidet er somit als Mörder von Jutta Rahn aus! Trotzdem wurde er für diesen Mord nach seinem Geständnis verurteilt, diese Diskrepanz bei den Blutgruppen kam dort scheinbar nicht mehr zur Sprache, obwohl er in einem ANDEREN Fall, den er gestanden hatte, genau aus dem Grund (Blutgruppe des Spermas passte nicht) ausgeschlossen wurde als Täter.

Im Fall Jutta Rahn war 1970 ihr Nachbar verdächtigt worden als Täter. Er war A/B-Ausscheider, hatte kein Alibi zur Tatzeit, hat sogar seine Mutter für sich lügen lassen, was jedoch aufflog, und Fasern seiner Kleidung waren auf der Leiche gefunden worden sowie Fasern der Kleidung des Mädchens auf seiner. Laut den Eltern war Jutta Rahn noch sehr kindlich vom Wesen mit ihren 13 Jahren und interessierte sich noch nicht für Jungs, eine freiwillige Liaison schied also aus.

Hier noch zwei Artikel von damals zu diesem Fall:
http://buergerschaft-breitscheid.de/wp-content/uploads/2013/04/260.jpg
http://buergerschaft-breitscheid.de/wp-content/uploads/2013/04/375.jpg

Was haltet Ihr davon? Ist es denkbar, dass man damals einfach nur so viele ungeklärte Fälle wie möglich klären wollte und froh war über den geständnisfreudigen geistig unterbelichteten Kroll? Ich will nicht behaupten, dass er nicht doch die meisten der Morde, die er gestanden hat, auch begangen hat. Aber müsste man nicht doch heute noch mal gerade die Fälle, wo es so fragwürdig ist wie im Fall Rahn, noch mal überprüfen? Es müsste doch in der heutigen Zeit mit der DNA-Analyse möglich sein, dies nun alles auch ZWEIFELSFREI zu klären.


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"Kannibale von Duisburg" Joachim Kroll - gab es falsche Geständnisse?

30.09.2014 um 14:46
Schwieriges Thema. Zunächst einmal bleibt festzuhalten: bei Joachim Kroll handelt es sich um einen kaltblütigen, schwerst gestörten Mörder, Kannibalen und pädosexuellen Vergewaltiger. Diese Punkte sind unstrittig, allein aufgrund der Situation in seiner Wohnung bei Eintreffen der Kriminalpolizei. Mir ist wichtig dies festzuhalten um deutlich zu machen, dass es sich nicht um eine Situation wie im Fall Peggy handelt. Die Ermittler hatten also zunächst gute Gründe (schon allein aufgrund der fortgeschrittenen Eskalation des Tatmusters) weitere Taten anzunehmen und Kroll mit diesem Umstand zu konfrontieren.

Fest steht ebenso, dass in den vorangegangenen Jahren es zu einer starken Häufung von sexuellen Tötungsdelikten im Umkreis von Krolls Aufenthalten kam. Dadurch jedoch stand die Kriminalpolizei unter enormem Druck.

Ich halte es für möglich, dass Kroll Taten gestanden hat, welche er nicht begangen hat, dies gilt aber meines Erachtens nicht für die Taten, wegen derer er verurteilt wurde. In diesen acht Fällen konnte Kroll die Ermittler selbstständig an den Tatort führen, aufwendig den Tathergang rekonstruieren (wovon es Video- und Bild-Material gibt) und Täterwissen offenbaren.

Sollte es falsche Geständnisse gegeben haben dürften diese irrelevant sein, da es nicht zur Anklage und Verurteilung für diese Fälle kam. Eventuell betroffene Fälle müssten also juristisch weiter offen sein.


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"Kannibale von Duisburg" Joachim Kroll - gab es falsche Geständnisse?

30.09.2014 um 15:02
Dieses Thema fasziniert mich auch aufs allerhöchste. Kroll war mE. auch unter den krankhaftesten Serienmördern dieser Welt ein exponierter Sonderfall für sich.
MW führte er die Ermittler im Zuge der 102 Ausfahrten im Ruhrgebiet selbständig zu vielen verschiedenen Tatorten und rekonstruierte dabei die Taten bis aufs penibelste, alles von sich selbst aus. Lt. Ermittlern offenbarte er dabei Wissen, die nur der Täter selbst haben konnte.
Der damals leitende Ermittler, Bernd Jägers, war sich sicher, dass die Dunkelziffer der von Kroll begangenen Morde wahrscheinlich jenseits der 30 liegt.
Doch ist die Frage berechtigt, ob nicht unter all den Geständnissen nicht doch auch falsche dabei waren und dafür andere, von ihm begangene Taten in diesem Zusammenhang gar nicht zu Sprache kamen...?!
Das Buch von Stephan Harbort habe ich auch gelesen, es war mitunter das spannenste Buch das ich je gelesen habe und obwohl ich mich seit jeher mit dieser Thematik beschäftige war es das einzige Buch in meinem Leben, das mich nachts schweißgebadet aufwachen ließ. Ab und an. Diese unglaubliche Düsternis die von diesem Mann, Kroll, ausging und die ihn Zeit seines Lebens umgeben hat, war für mich zweitweilig während des Lesens spürbar.
Ich für meinen Teil bin mir ziemlich sicher, dass Kroll sehr viele Morde verübt hat, doch finde ich, wie bereits gesagt, die Fragestellung von @diegraefin durchaus berechtigt und interessant !!


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30.09.2014 um 15:12
Kroll war außerdem kein wirklicher Pädophiler: er war pseudopädophil, aus Zweckmäßigkeit, da es ihm aufgrund seiner verkümmerten Persönlichkeit und seiner quasi nicht vorhandenen Sozialkompetenz im eigentlichen nicht möglich war, in irgendeiner Weise mit einer erwachsenen Frau in Kontakt zu treten.


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"Kannibale von Duisburg" Joachim Kroll - gab es falsche Geständnisse?

30.09.2014 um 15:15
Wer Hannah Ahrendts gleich betiteltes Buch gelesen hat, der weiß, dass die "Banalität des Bösen" manchmal schwer zu ertragen ist. Im Zuge des Prozesse traten generelle Zweifel daran auf, dass so ein unscheinbar wirkendes Männchen am Rande der Schwachsinnigkeit diese Taten so lange unentdeckt begehen konnte. Die Öffentlichkeit erwartete ein Monster vorgeführt zu bekommen und wurde enttäuscht. Möglicherweise ist auch deshalb das Interesse am Fall schnell wieder abgeebbt und heute nahezu aus dem öffentlichen Gedächtnis gelöscht, wenn es um populäre deutsche Serienmörder geht (warum Kroll generell so wenig rezipiert wird treibt mich seit längerem um).

Man darf nicht vergessen, dass mehrere Justiz-Stellen welche in verschiedenen von Kroll gestandenen Fällen andere Täter verurteilt hatten, bzw. dingfest gemacht hatten, durchaus ein Interesse daran hatten eine Täterschaft Krolls in Frage zu stellen.

Es ist grundlegend schwer zu akzeptieren, aber in allen Fällen populärer Serienmörder mit hohen Opferzahlen, konnten letztendlich die wahren Opferzahlen nie ermittelt werden. Der logistische Aufwand moderner DNA-Untersuchungen (allein die langanhaltende Aufbewahrung von Spurenmaterial und Beweismitteln) sollte nicht unterschätzt werden.
maxxb74 schrieb:Kroll war außerdem kein wirklicher Pädophiler: er war pseudopädophil
Hier hat auch niemand von pädophil gesprochen, ich habe schon bewusst die Bezeichnung pädosexuell verwendet (eine Unterscheidung, die heutzutage leider von der öffentlichen Betrachtung nur selten vorgenommen wird, aber enorm wichtig für die juristische Einordnung ist). So etwas wie "pseudo-pädophil" existiert nicht.


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30.09.2014 um 15:28
Gut da hast du bestimmt recht, mir war dieser Begriff (pädosexuell) auch unbekannt, darum verwendete ich den Begriff: pseudopädophil, dieser wird sehr häufig verwendet und war mir deshalb geläufig, aber ich wage nicht zu bezweifeln, dass der Begriff juristisch und möglicherweise auch in der psychiatrischen Fachsprache nicht existiert.


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30.09.2014 um 15:35
Mein Großvater soll die Täterschaft Krolls im Fall Monika Tafel auch in Zweifel gezogen haben (so wurde es mir zumindest von meiner Mutter berichtet, ich habe selbst nie mit ihm über Kroll gesprochen), allerdings hat er grundlegend die Tat nicht sehr gut verkraftet und soll wie es mir berichtet wurde einen grundlegenden Persönlichkeitswandel nach der Tat durchlaufen haben. Hinzu kamen die Erfahrungen aus dem Suizid Walter Quickers. Ich tendiere also eher dazu, dass diese Aussagen einer generellen Unsicherheit entsprangen und dem Umstand, dass es schwierig war den Menschen Kroll qua seiner Schwachsinnigkeit als den Verantwortlichen für das Familienschicksal zu akzeptieren.


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30.09.2014 um 17:18
Also, eins steht zweifelsfrei fest: Kroll war schuldig und saß zu Recht im Gefängnis, selbst wenn er "nur" diese eine letzte Tat begangen hätte, wäre die an Grausamkeit schon schlimm genug, um zu rechtfertigen, dass er lebenslang hinter Gittern landete und nie wieder rauskam. Ferner denke ich auch, die Dunkelziffer vor allem seiner sexuellen Übergriffe auf Kinder, die vielleicht nicht in Mord endeten, dürfte gerade in den letzten 6 Jahren bis 1976, wo keine Taten von ihm offiziell begangen wurden, sehr hoch gewesen sein. In den letzten Jahren war er immobil durch sein Krampfaderleiden, nachweislich hatte er immer wieder Kinder aus der Nachbarschaft in seine Wohnung gelockt, ich denke, da werden einige auch missbraucht worden sein. Was ihn dann geritten hat, 1976 das kleine Mädchen in seiner Wohnung quasi zu schlachten (man kann es ja wirklich nicht anders nennen), da muss wirklich alles aus ihm rausgebrochen sein, was er die Jahre davor unterdrücken musste zwangsläufig durch seine Immobilität.

Ich denke auch, dass er viele weitere Taten begangen hat, als er noch mobil war. Trotzdem bin ich wie gesagt unsicher, ob alle, die ihm zur Last gelegt wurden, auch von IHM begangen wurden. Es heißt, er äußerte Täterwissen, aber das, was ich aus dem Buch an Protokollauszügen gelesen habe, war einfach sehr sehr suggestiv - wenn das immer so gelaufen ist, war das ja eher "Rate mal mit Rosental". So z.B. der eine Fall: Kroll sagt in der Vernehmung zwischen Reibekuchen und Reval-Zigarette plötzlic: "Da war auch noch was mit Wasser zwischen Wuppertal und Düsseldorf. Vor 5 Jahren, oder 10 Jahren, vielleicht auch 15 Jahren, ich weiß nicht mehr." Daraufhin wälzten die Polizisten alle ungeklärten Fälle zwischen Wuppertal und Düsseldorf der letzten 15 Jahre. Ich meine, dass da in den letzten 15 Jahren irgendwann mal irgendwo jemand getötet wurde, war jetzt kein 6er im Lotto. Dann fanden sie also den Fall mit einer 5-jährigen, die in einem Bach ertränkt worden ist. Der Fall passte überhaupt nicht zu Kroll, der immer gewürgt hat und auch nur so zum Höhepunkt kam. Ferner hatte ein Zeuge das Mädchen damals mit einem ganz anderen Typ man gesehen (groß, breitschultrig). Trotzdem wollte man dann m.E. auf Biegen und Brechen, dass das jetzt der Fall ist, den Kroll gerade gestehen will. Die Befragung ging dann weiter mit oben schon beschriebener Suggestivfragerei, Kroll tastete sich fragend (!!!) voran und wartete immer auf Bestätigung, ob er wohl richtig geraten hat, und die Bestätigung oder Verneinung wurde ihm auch gewährt. Auf die Weise kann JEDER Täterwissen haben, wenn man einfach so lang raten lässt, bis derjenige richtig liegt. Zum Glück sah der Richter das in dem Fall ähnlich und ließ den nicht zu als Geständnis. Trotzdem muss man sich nun natürlich fragen, warum hat Harbort ausgerechnet DIESEN Auszug aus den Protokollen gewählt für sein Buch als Beispiel? Sind die anderen etwa NOCH suggestiver gewesen? Denn ZWEIFEL wollte Harbort ja nicht sähen mit seinem Buch, im Gegenteil.

Und wie gesagt, der Fall Rahn, der passt für mich einfach nicht, es wurde Sperma Blutgruppe A/B gefunden an der Leiche. Ferner kannte Kroll sich vor Ort nicht aus. Auch war das Opfer entgegen seiner sonstigen Vorgehensweise KOMPLETT entkleidet und es war auch zu einem vollendeten Missbrauch gekommen, was Kroll doch sonst nie gelungen ist. Ferner wurde das Opfer mit seinem BH erdrosselt, was auch nie vorkam sonst. Das alles zusammen passt für mich hinten und vorn nicht.

Mein Ansinnen ist hier nicht, Kroll von Schuld freizusprechen, sondern drauf aufmerksam zu machen, dass bei solchen Unstimmigkeiten nun ja immer noch ein Mörder frei rumlaufen könnte. Im Fall Rahn würde mich wirklich interessieren, was eine DNA-Überprüfung des damaligen anderen Tatverdächtigen und Krolls bezüglich des Spermas ergeben würde nachträglich.


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JosefK1914
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30.09.2014 um 17:47
@diegraefin

Sicherlich könnte dadurch noch ein Mörder frei herumlaufen. Aber man muss es vielleicht so sehen:

Der Mord ist mittlerweile mehr als 44 Jahre her. Sollte damals ein Mörder dadurch nicht gefasst worden sein, so hat er entweder weitere Taten begangen und ist dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit geschnappt worden oder er ist in diesen Jahren nicht mehr straffällig geworden. Die Gefahr, welche im letzteren Fall von dem Täter dann noch ausgehen sollte, ist vermutlich vernachlässigbar. Vielleicht ist er sogar ebenfalls schon tot.


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30.09.2014 um 17:50
@JosefK1914
Ja, das stimmt schon, strafrechtlich hätte das keine großartige Konsequenz mehr. Trotzdem fuchst mich das jetzt voll, weil ich da so Zweifel jetzt bekommen habe durch das Buch. Ich fänd schon gut, wenn man bei solchen alten Fällen auch nachträglich noch die Möglichkeiten der fortgeschrittenen Kriminaltechnik nutzen würde, um damals aufgrund von Indizien gegebene Schuldsprüche einfach noch mal zu verifizieren in ihrer Richtigkeit.


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30.09.2014 um 18:02
Comtesse schrieb:Was ihn dann geritten hat, 1976 das kleine Mädchen in seiner Wohnung quasi zu schlachten (man kann es ja wirklich nicht anders nennen), da muss wirklich alles aus ihm rausgebrochen sein, was er die Jahre davor unterdrücken musste zwangsläufig durch seine Immobilität.
Meiner Tante wurden Stücke des Gesäßes entfernt, höchstwahrscheinlich auch um sie zu verspeisen. Inwiefern dies auch bei anderen Opfern der Fall war kann ich nicht gesichert sagen.


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JosefK1914
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30.09.2014 um 18:02
Das ist eben die Frage des Aufwandes und dann müsste das bei anderen Fällen ebenfalls erfolgen. Wo liegt dann die Grenze?

Da sollte man die Energie doch besser in so etwas ähnlichem wie das Innocence-Projekt stecken. Hier würde dann wirklich in manchen Fällen weiteres Unrecht durch den Staat verhindern werden können.


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30.09.2014 um 18:06
@Vivere1980
Diese Details stehen aber nicht in dem Buch von Harbort, oder? Ich finde, das ist ja schon ungewöhnlich, denke die wenigsten Sexual- und Triebtäter stehen auch auf Kannibalismus, von daher müsste man die Morde von Kroll ja eigentlich auch DARAN recht gut erkennen können, ob es solche "unnötigen" Verletzungen oder Verstümmelungen an den Opfern gab.

Hier ist ein eBook, das auch Kroll zum Thema hat, auf Englisch, da findet man solche Details zu seinen Opfern, auch das von dir Erwähnte mit deiner Tante, was ich übrigens ganz furchtbar finde:
http://books.google.de/books?id=sQSPCCMSmdIC&pg=PA1969&lpg=PA1969&dq=%22monika+tafel%22+%22Walter+Quicker%22&source=bl&o...


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30.09.2014 um 18:08
Bei dem Fall Barbara Bruder glaub ich übrigens auch nicht, dass er das war. Die Leiche wurde nie gefunden, obwohl Kroll die Polizei zum angeblichen Tatort führte. Er hat seine Opfer nach der Tat aber immer nur oberflächlich versteckt, hinterließ sie meist so, wie sie waren, oft mit gespreizten Beinen noch, ich kann mir nicht vorstellen, dass er das bei Barbara Bruder anders gemacht hat, aber dann hätte man sie doch gefunden.


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30.09.2014 um 18:14
@diegraefin
Harborts Buch erschien halt auch erst weit über 20 Jahre nach dem Ende des Prozesses, die Taten lagen da teilweise fast 50 Jahre zurück und der Fall ist sehr vielschichtig, weshalb ich sein Buch (obwohl ich es persönlich gut fand) nicht als felsenfest gesicherte Quelle verstanden wissen möchte (Harborts Buch ist bei aller Qualität auch keine wissenschaftliche Arbeit, sondern durchaus sehr erzählerisch geschrieben, dient also Unterhaltungszwecken).

Ob und inwieweit diese Details in Harborts Buch stehen weiß ich nicht mehr, mittlerweile ist es auch schon wieder 6 Jahre her, dass ich das Buch zum letzten Male in der Hand hatte, haften geblieben sind halt vor allem die Stellen bezüglich meiner Familie. Ich besitze es inzwischen auch nicht mehr.

Den Ermittlung zufolge deckt sich aber das Tatmuster bei meiner Tante mit anderen Fällen, die gesichert Kroll zugewiesen wurden.

Man sollte bei dem Thema des Threads hier allerdings auch nicht vergessen, dass die DNA-Analyse damals noch nicht ansatzweise existierte und die Spurensicherungsarbeit eine ganz andere war. Ich bin mir gerade nicht einmal sicher, ob damals bereits die Überprüfung von länger konservierten Sperma-Proben so einfach möglich war.


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30.09.2014 um 18:24
Vivere1980 schrieb:(Harborts Buch ist bei aller Qualität auch keine wissenschaftliche Arbeit, sondern durchaus sehr erzählerisch geschrieben, dient also Unterhaltungszwecken).
Ja, das ist mir auch aufgefallen. Er hat auch z.B. oft geschrieben, was das Opfer dachte und fühlte vor dem Angriff und Tod, das hat mich beim Lesen ziemlich gestört, denn das weiß man doch nicht, ich bevorzuge einen objektiven Schreibstil bei solchen Dingen, die Tatsachen sind doch schon schlimm genug, da muss man es doch nicht noch künstlich dramatisieren mit der Todesangst, die das Opfer spürte, oder den Schmerzen etc., das hat in so einem Buch m.E. nichts zu suchen.

In dem Buch gab es mehrere Fälle, wo auch nachträglich noch Spermaproben genommen wurden von der Opferkleidung der weiter zurückliegenden Fälle, gerade auch da, wo es eigentlich schon einen Verurteilten oder dringend Tatverdächtigen gegeben hatte und Kroll alle mit seinem Geständnis überraschte. Also war das wohl zumindest 1976 bereits möglich, wenn natürlich auch nur auf Blutgruppen-Basis und nicht DNA. Und die Beweisstücke wurden auch damals schon asserviert, auch bei abgehandelten Fällen, sonst hätte man sie ja nicht wieder hervorholen können nach Krolls Geständnissen.


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30.09.2014 um 18:33
Ich werde mir das Buch nochmal besorgen müssen und nachschlagen. Bei mir ist - obwohl ich mich sehr intensiv damit beschäftigt habe - von geäußerten Zweifeln in Richtung des Falls Rahn nichts hängengeblieben. Handelte es sich dabei um eine längere Widmung diesem Themas oder ist das hauptsächlich deine Interpretation und Wirkung dieser Textstellen?
Comtesse schrieb:Ja, das ist mir auch aufgefallen. Er hat auch z.B. oft geschrieben, was das Opfer dachte und fühlte vor dem Angriff und Tod, das hat mich beim Lesen ziemlich gestört, denn das weiß man doch nicht, ich bevorzuge einen objektiven Schreibstil bei solchen Dingen, die Tatsachen sind doch schon schlimm genug, da muss man es doch nicht noch künstlich dramatisieren mit der Todesangst, die das Opfer spürte, oder den Schmerzen etc., das hat in so einem Buch m.E. nichts zu suchen.
Nun ja, das Buch soll sich halt verkaufen. An den nüchtern analysierten Fakten in wissenschaftlicher Form hat kein nicht unmittelbar Betroffener Interesse (ich hingegen würde mir so ein Buch dringend wünschen). Es ist halt grundlegend die Frage, wie man es moralisch einordnet, sich solche Literatur zu Unterhaltungszwecken durchzulesen. Selbige Kritik kann man dann aber natürlich auch an XY (dessen Stil ja auch zunehmend dramatischer wurde) und diesem Forum äußern.


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30.09.2014 um 19:26
Vivere1980 schrieb:Ich werde mir das Buch nochmal besorgen müssen und nachschlagen. Bei mir ist - obwohl ich mich sehr intensiv damit beschäftigt habe - von geäußerten Zweifeln in Richtung des Falls Rahn nichts hängengeblieben. Handelte es sich dabei um eine längere Widmung diesem Themas oder ist das hauptsächlich deine Interpretation und Wirkung dieser Textstellen?
Im Fall Rahn war es so, dass erst der Fall beschrieben wurde und dann gesagt wurde, es wurde Täter-Sperma Blutgruppe A/B gefunden an der Leiche. Vorher war schon mehrfach angegeben worden bei anderen Fällen, dass Kroll Blutgruppe 0 hatte und dies auch im Sperma ausschied (sowas ändert sich auch nicht). Der Nachbar von Jutta Rahn hatte A/B und kam dann auch vor Gericht, weil auch Fasern seiner Jacke auf der Kleidung des Opfers gefunden wurden und umgekehrt. Mangels Beweisen musste er trotzdem freigesprochen werden. Dann hat Kroll 1976 diese Tat gestanden. Von der Diskrepanz wegen der Blutgruppe war dann im Buch keinerlei Rede mehr. Das fiel mir auf und hat mich natürlich gewundert!


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01.10.2014 um 10:59
Hallo,
der Fall Joachim Kroll beschäftigt mich eigentlich schon seit 1976. Damals, ich war gerade mit meinen Eltern in Urlaub, las ich täglich die Fortsetzungsstory in der Bild über den "Kannibalen von Duisburg"

So vor 10 Jahren hörte ich wieder was von dem Fall und begab mich auf die Recherche im Internet.
Damals war allerdings fast nichts zu finden über Kroll. Ich kam dann auf die Seite http://www.clubmoral.com/ddv/jockel/ wo das ganze wohl künstlerisch verarbeitet wurde.
Leider sind da einige Unstimmigkeiten beschrieben und viele englischsprachige Seiten über Serienmörder haben dies einfach so übernommen.

So lag nach meinen Recherchen lediglich im letzten Fall Kanibalismus vor. Bei allen anderen Fällen bei denen Teile der Leiche fehlten ging man eher von Tierfraß aus.

@Vivere1980: Weist Du das mit den fehlenden Teilen der Leiche Deiner Tante konkret, oder ist die Information auch auf die o.a. Quelle zurückzuführen?

Insgesamt denke ich, Kroll ist schon für die Taten verurteilt worden, die er auch begangen hat. Er hatte lt Ermittler ein schier "photographisches" Gedächniss und hat die Ermittler genau an die Tatorte geführt und auch die Abläufe teilweise haargenau so geschildert, wie sie nur der Täter genau wusste.

Im Prozess wurde auch darauf eingegangen, das Kroll aufgrund seines verminderten Intelligenzgrades sich diese komplexen Abläufe so hätte gar nicht selbst ausdenken können, hätte er es nicht selbst erlebt.

Bei einzelnen Taten, bei denen Unstimmigkeiten zwischen Tatablauf und den Schilderungen Krolls bestanden, wie der Fall B. Bruder und auch Manuela Knodt wurde er dann auch nicht verurteilt. Hat ja auch so schon über 2 Jahre gedauert der Prozess. Da hat man wohl die nicht gesicherten Fälle raus gelassen um das Urteil möglichst revisionssicher zu machen.

Im Buch wird eigentlich ganz gut beschrieben, das die Beamten eben versucht haben zu vermeiden in Kroll hineinzufragen um ihm die Geständnisse in den Mund zu legen. Es wurden sogar mehrere Teams gebildet um gerade dies tunlichst zu vermeiden.

Vielmehr lief das wohl so ab, das man in die Nähe eines früheren Tatortes gefahren ist, Kroll gefragt habe ob er die Gegend kenne und Kroll habe die Beamten dann oft genau an den Tatort geführt und Täterwissen offenbart. Da kam er und sein Anwalt dann auch nach Widerruf der Geständnisse nicht mehr raus im Prozess.

Im Buch von Harbort wird auf den Fall Jutta Rahn ja nur kurz und unbestimmt eingegangen. Ist er denn für diesen Fall konkret verurteilt worden? Das weis ich so nicht mehr so genau.

J. Kroll hat wahrscheinlich wesentlich mehr Morde begangen als die, für die er verurteilt wurde. Ich denke die für die er verurteilt wurde, hat er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch verübt.


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01.10.2014 um 11:49
@Nightrider64
Ich weiß das sozusagen aus erster Hand. Die heute noch auffindbaren Quellen (vor allem im deutschen Raum) sind leider sehr lückenhaft, da Kroll heutzutage (eben auch vor allem im deutschen Raum) fast in Vergessenheit geraten ist. Im englisch-sprachigen Raum ist er hingegen noch relativ bekannt (die wirklich ausführlichen Opferdaten lassen sich auch nur auf englischen Seiten finden und die relevanten Dokumentationen stammen ebenfalls aus den USA/UK).


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